Heidelberg, Dominikaner
| Kurzbeschreibung: | 1476 landesherrliche Gründung, der strengen Observanz verpflichtet – 1551 Aufhebung – 1623 Restitution – 1633 erneute Aufhebung – 1707 erneute Restitution – 1801 endgültige Aufhebung – 1862–1864 Abbruch der Klosteranlage Patrozinium: WendelinOrdensgliederung: Provinz Teutonia, Nation BrabantiaKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Worms, Archidiakonat des Propstes von Neuhausen, Landkapitel Heidelberg |
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| Beschreibung: | Name: Prediger closter (1478);1 conuent Prediger ordens des Newenclosters inn der forstatt (1530)2 GeschichteAm 24. Juli 1476 ließ der Pfälzer Kurfürst Friedrich I. (1451–1476) die Gründungsurkunde für das Heidelberger Dominikanerkloster ausstellen.3 Er setzte damit eine von Papst Sixtus IV. (1471–1484) bereits 1473 gegebene Erlaubnis um.4 Schon seine Mutter Mechthild von Savoyen-Achaia († 1438) und sein Bruder Ludwig IV. († 1449) hatten die Gründung eines Klosters, freilich als Klarissenkonvent, in der kurpfälzischen Hauptstadt geplant. Auf Wunsch seiner Schwester Elisabeth († 1478) besetzte Friedrich das neue Haus mit Dominikanern der strengen Observanz, die aus Köln nach Heidelberg kamen. Die kurfürstliche Familie blieb dem Konvent eng verbunden: 1478 änderte Philipp (1476–1508) die Dankprozession für die siegreichen Schlachten seines Vorgängers dahingehend, dass sie auch im Dominikanerkloster Station machen sollte. Seine Gattin Margarete († 1501) stiftete hier 1489 Seelmessen und finanzierte ab 1498 den Bau einer Kapelle. Im Gegenzug schloss der Orden die pfalzgräfliche Familie mehrfach in seine Gebetsverbrüderungen ein. Von Anfang an war das Kloster als Studienhaus für die Dominikaner vorgesehen. 1477 wurden ihre Schüler, ausgenommen Promovierende, von der Immatrikulationsgebühr an der Heidelberger Universität befreit. Konvente aus der gesamten Provinz Teutonia waren aufgerufen, Studenten nach Heidelberg zu entsenden. Von den so gebotenen Studienmöglichkeiten wurde eifrig Gebrauch gemacht. Die in größerer Zahl nachweisbaren Dominikanerstudenten waren in erster Linie bürgerlicher Herkunft. Als berühmtester kann Martin Bucer gelten. Überhaupt scheint der Orden sein Heidelberger Haus geschätzt zu haben. So wurde das Provinzialkapitel der Teutonia 1514 hier abgehalten. Jedoch ließ die Attraktivität der Institution schon kurze Zeit später mit der Ausbreitung reformatorischer Gedanken in der Kurpfalz spürbar nach. Im Frühjahr 1551 soll der Konvent bereits seit einiger Zeit ohne Brüder gewesen sein. Einzig der Prior war noch vor Ort. Mit kurialer Erlaubnis wurde noch im selben Jahr das Kloster von Kurfürst Friedrich II. (1544–1556) aufgehoben, Bau und Einkünfte der Schlosskapelle übertragen. Nur wenig später zog das städtische Spital in die ehemaligen Konventsgebäude ein, wie es in der Gründungsurkunde für den Auflösungsfall vorgesehen war. Während des Dreißigjährigen Kriegs, als Heidelberg zeitweilig von Truppen der Katholischen Liga besetzt war, konnten die Dominikaner von 1623 bis 1633 ihre Gebäude erneut nutzen. Mit der Ankunft schwedischer Truppen wurde der Komplex jedoch den Lutheranern übergeben. Ebenjene funktionierten ihn erneut zum Spital um. Nachdem für die Heidelberger Lutheraner die Providenzkirche erbaut worden war (1658–61), wurde die Spitalkirche, die ehemalige Klosterkirche, 1680 dem Garnisonsgottesdienst zugewendet. Mit dem Konfessionswechsel der regierenden Kurfürsten konnten die Dominikaner 1707 erneut in ihr Kloster zurückkehren. Allerdings war nach den verheerenden Zerstörungen des Orléansschen Kriegs ein Wiederaufbau notwendig. Erstaunlich wenig wissen wir von dieser letzten Episode des Predigerkonvents. Ein Schlaglicht dieser Zeit stellt das Ableben des Kirchenhistorikers Johann Friedrich Schannat († 1739) dar, der in der Klosterkirche beigesetzt wurde. Das Ende des Klosters folgte 1801. Spätestens während der Koalitionskriege scheint sich der Konvent geleert zu haben. Kurfürst Maximilian Josef (1799–1825, ab 1806 König von Bayern) hob das Kloster folglich auf. Vermögen und Gebäude fielen an die katholische Kirchenkommission, ehe 1804 das Kurfürstentum Baden den Komplex erwarb und der Heidelberger Universität übertrug. In den darin untergebrachten medizinischen und naturwissenschaftlichen Einrichtungen wirkte unter anderen Robert Bunsen. Vom Archiv, das wahrscheinlich im Orléansschen Krieg verbrannte, wissen wir kaum etwas, von der Bibliothek des Klosters ist anzunehmen, dass deren Bücher in die Bibliotheca Palatina eingingen. Bau- und KunstgeschichteLageDas Kloster lag im Norden der Neustadt, zwischen Hauptstraße (Nr. 47–51), Brunnengasse und der Häuserzeile an der Unteren Neckarstraße. Es war von einer Mauer umschlossen. Das barock erneuerte Kloster, dessen Grundstein 1707 gelegt wurde, ist durch eine Ansicht vor 1763 sowie Pläne und Veduten des 19. Jahrhunderts überliefert. Zumindest in der nach Osten gerichteten Kirche sind damals ältere Mauerreste weitergenutzt worden. Sie bildete den Südflügel der vierseitig um einen Kreuzgang geordneten Klausur und war mit einem kleinen Vorhof von der Hauptstraße abgerückt. Der Wirtschaftshof lag im Westen und war von der Brunnengasse aus zugänglich; ein großer Garten nahm den Nordteil des Geländes ein. Im Garten des seit 1804/18 für die Naturwissenschaften der Universität genutzten Klosters wurde 1847–49 das Anatomisch-Zoologische Institut errichtet, 1862–64 wurde das Kloster selbst durch das schlossartige Institutsgebäude »Fridericianum« ersetzt (heute Psychologisches Institut). Jüngere Bauarbeiten wurden nur in den Randzonen von archäologischen Dokumentationen begleitet. Kirche und KonventsbautenDie Kirche war eine relativ kleine holzgedeckte Saalkirche von sechs Fensterachsen mit einem Langchor von drei Jochen und polygonalem Schluss. Ein hohes Satteldach überspannte das Schiff, ein Mansardwalmdach den Chor; der achteckige Dachreiter erhob sich über dem Triumphbogen. In Schiff und Chor zeigen die Veduten gotische Spitzbogenfenster mit Maßwerk. Die Strebepfeiler am Chor waren deutlich gestuft und endeten mit einer Schräge in Höhe der Fensterscheitel. Diese Baugestalt und die Einzelformen zeigen, dass der barocke Bauzustand wesentliche Teile der spätgotischen Kirche überliefert. Ihre Formen erscheinen allerdings auch für die überlieferte Bauzeit um 1475 höchst altertümlich und sind wohl als demonstrativer Rückbezug auf die Frühzeit des Ordens zu werten, wie es den Zielen der Observanz entsprach. Zumindest die Außenerscheinung der Kirche entsprach nicht der 1473 formulierten Bewertung des geplanten Baus als non modicum sumptuoso. Die Lage der 1489 durch Margarethe von Bayern im Kloster gestifteten, 1501 genannten Kapelle ist unbekannt; sie war im barocken Zustand nicht mehr vorhanden. Hinweise auf die Baugestalt der spätgotischen Gründungsanlage des Klosters von 1473 fehlen. Über die üblichen Konventsräume hinaus muss es einen Unterrichtsraum für die Ordensschule gegeben haben, vielleicht wie in Regensburg im Westflügel. Es fehlen auch Befunde zu möglichen Umbauten der Spitalnutzung ab 1551. Die drei Flügel des barocken Klosters waren dreigeschossig und von Satteldächern bedeckt. In der Außenerscheinung scheinen sie unverziert gewesen zu sein, hoben sich aber durch die Höhe und die Vielzahl der gereihten Fenster von der Umgebungsbebauung ab. Der Kreuzgang wies in jedem Flügel sechs Fenster auf. Im Rücksprung des Langchors befand sich neben dem Portal der Brüder die Treppe zum Obergeschoss. Die Raumteilung der drei Klausurflügel ist aus den um 1820 entstandenen Plänen nicht mehr zu erschließen, die nur das für die Universitätsnutzung umgebaute Erdgeschoss zeigen. Im kirchenfernen Nordflügel, dessen Westteil breiter und höher war, gab es wohl im Erdgeschoss ein großes Refektorium. Im Osten gab es einen Anbau an den Nordflügel, der zu den Aborten führte. Zum Wirtschaftshof gehörte ein Gebäude in westlicher Fortsetzung der Kirche sowie eine Kelter mit Stall am Eingang zum großen Garten. Der Garten war im letzten Bauzustand im größeren, mittleren Teil als formaler Garten angelegt, im östlichen Teil als Landschaftsgarten. In einem schrägen Einsprung der Außenwand des Wirtschaftshofs, an dessen Zugang, befand sich der 1498 von Kurfürst Philipp zusammen mit einer Wasserleitung ins Kloster gestiftete öffentliche Brunnen. BibliographieHandbücher und Lexika: DI 12,4 (Renate Neumüllers-Klauser); kloester-bw, Dominikanerkloster Heidelberg (Thorsten Huthwelker). Literatur: Halter 1909; Lossen 1949; Löhr 1951; 1952; Albrecht 1985; Huthwelker 2009 (a). Anmerkungen |
| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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