Heidelberg, Jesuiten
| Kurzbeschreibung: | 1622–1649 erste Ordensniederlassung – 1686 und 1699 Neuansiedlungen – 1715/1725 Erhebung zum Kolleg – 1773 Aufhebung Patrozinium: Heiliger Geist und IgnatiusOrdensgliederung: Rheinische Provinz, 1626 Oberrheinische ProvinzKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Worms, Archidiakonat des Propstes von Neuhausen, Landkapitel Heidelberg |
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| Beschreibung: | Name: residentia Heidelbergensis Societatis Jesu (1624);1 collegium Heidelbergensis Societatis Jesu (1715)2 GeschichteHistorische EntwicklungDie erstmals 1622 erfolgte Gründung einer Heidelberger Niederlassung der Gesellschaft Jesu schien noch wenige Jahre zuvor nahezu ausgeschlossen. Die Kurpfalz hatte sich im frühen 17. Jahrhundert als wichtigstes reformiertes Territorium im Reich etabliert und betrieb eine antikatholische Außenpolitik. Die Gelehrten der Heidelberger Universität verstanden sich in direkter Opposition zu den verhassten Jesuiten und waren in literarische Kämpfe vor allem mit den Professoren des Mainzer Kollegs verstrickt. Die Beteiligung Friedrichs V. von der Pfalz (1610–1623) am Böhmischen Aufstand, die den Dreißigjährigen Krieg auslöste, führte nach der Niederlage des »Winterkönigs« zur Belagerung und schließlich Eroberung und Besetzung Heidelbergs durch die kaiserlichen Truppen Tillys im September 1622. Im Gefolge des neuen Stadtherrn Maximilian von Bayern (1597–1651) zogen am 17. September mit Johannes Agricola und Johannes Pierson zwei Jesuitenpatres in die Stadt ein. Diese sollten die Keimzelle einer neuen Ordensniederlassung bilden. Kurfürst Maximilian von Bayern stellte ihnen dafür das ehemalige Haus des Kanzlers Christoph Grün zwischen Kelter- und Klingentor zur Verfügung. Die symbolische Bedeutung der katholischen Eroberung Heidelbergs ist aufgrund der Vorgeschichte Heidelbergs als reformierte Hochburg kaum zu unterschätzen. Die Kollegsgeschichte in Versen verwendet hierzu sogar die Bezeichnung spolia (Kriegsbeute).3 Den Jesuiten war eine herausragende Rolle bei den Rekatholisierungsbemühungen Maximilians zugedacht, sodass sie ihren primären Fokus auf Mission und Seelsorge legten. Die Heidelberger Jesuiten hielten Predigten und Katechesen in der Heilig-Geist- sowie der Peterskirche und führten Volksmissionen in der Umgebung der Stadt durch. Zusätzlich koordinierten sie offenbar Missionsniederlassungen in Wiesloch und Nussloch. Entgegen den genretypisch übertriebenen Erfolgsmeldungen in den Litterae annuae Societatis Jesu ließen die Fortschritte in der Rekatholisierung zunächst auf sich warten. Erst nachdem Maximilian von Bayern 1627 mit schärferen Gesetzen den Druck auf die reformierte Bevölkerung der Pfalz erhöhte, verzeichneten die Jesuiten höhere Kommunikantenzahlen. Auch die schulische Bildung war in Heidelberg wie auch an anderen Orten Teil der Rekatholisierungsstrategie der Jesuiten. In der Schule unterrichteten 1624 nunmehr drei Patres immerhin bereits 20 Schüler und trieben den Ausbau der Einrichtung zu einem Vollgymnasium voran. Da das reformierte Pädagogium nach der Eroberung der Stadt seinen Lehrbetrieb nicht wieder aufgenommen hatte, erhielt die Schule der Jesuiten auch von protestantischen Schülern wachsenden Zulauf. Der Lehrbetrieb der Heidelberger Universität war mit der Eroberung 1622 weitgehend zum Erliegen gekommen. Maximilian von Bayern hatte der Universität zwar sämtliche Privilegien bestätigt, nicht aber der Theologischen Fakultät, die überwiegende Zahl der Studenten und einige Professoren waren allerdings bereits geflohen. Schon seit 1623 trieb die Gesellschaft Jesu den Plan voran, wichtige Lehrstühle der Universität zu übernehmen, wofür sich Maximilian aufgeschlossen zeigte. Die im Amt verbliebenen reformierten Professoren, die nicht zu einer Konversion bereit waren, wurden 1626 entlassen, die Wiederaufnahme des geregelten Lehrbetriebs an der Universität verzögerte sich jedoch aufgrund des Kriegs noch um weitere Jahre. Diese erfolgte 1629 mit nur je einem Professor an jeder Fakultät, wobei den Jesuiten die Lehrstühle der Philosophischen und der Theologischen Fakultät übertragen wurden. Maximilian sorgte auch für eine bessere wirtschaftliche Absicherung der Jesuiten. Neben der Besoldung durch Universitätsgefälle erhielten sie vom Kurfürsten Weinberge auf dem Heiligenberg und das neckaraufwärts gelegene säkularisierte Kloster →Lobenfeld. Dieses wurde 1638 bis 1648 auch von zwei Heidelberger Jesuitenpatres bewohnt, die die Pfarreien Lobenfeld und Dilsberg seelsorgerlich betreuten. Die Heidelberger Ordensniederlassung umfasste zu diesem Zeitpunkt 20 Jesuiten inklusive drei Laienbrüder. Um die Aufnahme des Lehrbetriebs in Gang zu setzen, wurden zudem Scholare aus dem Jesuitenkolleg Pruntrut (Kanton Jura) nach Heidelberg gerufen. Nachdem die Heidelberger Dependance zunächst bis 1624 den Status einer domus hatte, wurde sie trotz wachsender Personenzahl während des Dreißigjährigen Kriegs nur als residentia, der nächst höheren Stufe, und nicht als collegium in den Provinzkatalogen gelistet. Schon 1631 musste die Arbeit der Jesuiten wegen des Heranrückens der schwedischen Truppen eingestellt werden, die Einnahme der Stadt erfolgte 1633. Im Jahr darauf eroberten kaiserliche Truppen Heidelberg erneut, was den Jesuiten die Rückkehr ermöglichte. Nachdem sie ihre pastoralen Pflichten in der Heilig-Geist-Kirche wiederaufgenommen hatten, setzte 1635 auch die Lehrtätigkeit der Jesuiten wieder ein. Bis 1640 war das Gymnasium mit allen fünf Klassen wiederhergestellt. Bis Kriegsende gab es allerdings kein reguläres akademisches Leben an der Universität. Es erfolgten keine theologischen Promotionen und auch nur vereinzelte Promotionen anderer Fakultäten. Die Theologische Fakultät bestand zwar auf dem Papier, Vorlesungen wurden mangels Studenten allerdings nicht gehalten.4 Mit dem Westfälischen Frieden wurde die Kurpfalz wieder an die Linie Pfalz-Simmern in Person Karl Ludwigs (1649–1680), des Sohns Friedrichs V., restituiert. Da in der Pfalz laut Friedensvertrag nicht wie andernorts die konfessionellen Zustände des »Normaljahrs« 1624, sondern die Vorkriegsverhältnisse wiederhergestellt werden sollten, verloren die Jesuiten sämtliche Besitzungen in Heidelberg und mussten mit der Übernahme der Stadtherrschaft durch Karl Ludwig am 7. Oktober 1649 die Stadt verlassen. Hiermit endete die erste Heidelberger Ordensniederlassung der Gesellschaft Jesu. Eine erneute Wendung der an Konfessionswechseln nicht armen Geschichte der Kurpfalz ermöglichte keine 40 Jahre später die Neuansiedelung der Jesuiten in Heidelberg. Nach dem Tod des kinderlosen Kurfürsten Karl II. (1680–1685) kam die katholische Nebenlinie Pfalz-Neuburg an die Macht. Der neue Kurfürst Philipp Wilhelm (1685–1690) war von Jesuiten erzogen worden und der Gesellschaft Jesu sehr zugetan. Er plante schon zu Beginn seiner Herrschaft eine Restitution der alten Besitzungen aus seinem kurfürstlichen Privatvermögen. Schon 1686 zogen die ersten Patres wieder in ihr altes Heidelberger Domizil am Klingentor ein. Um die hoch kontroverse Frage nach einer Nutzung der Heidelberger Kirchen für katholische Messen vorerst aufzuschieben, stellte der Kurfürst den Jesuiten zunächst die →Deutschordenskapelle zur Verfügung. Die weitergehende Entwicklung wurde durch den Ausbruch des Pfälzischen Erbfolgekriegs aufgehalten. Auf dem südwestdeutschen Kriegsschauplatz versuchte Ludwig XIV., die nach französischer Rechtsauffassung bestehenden Erbansprüche seiner Schwägerin Lieselotte von der Pfalz gegen die Linie Pfalz-Neuburg durchzusetzen. Die beiden Zerstörungen Heidelbergs durch französische Truppen 1689 und vor allem 1693 beschädigten die ehemaligen Gebäude der Jesuiten wie auch große Teile der Stadt irreparabel. Für die Gesellschaft Jesu stellte sich die Zerstörung der Stadt jedoch als zumindest ambivalente Angelegenheit heraus, da der notwendige Wiederaufbau den Bau eines Jesuitenquartiers mit eigener Kirche ohne Rücksicht auf frühere Verhältnisse ermöglichte. Ab 1698 kehrten die ersten Jesuiten in die Stadt zurück, im Jahr darauf begann der Schulbetrieb mit zunächst vier Patres. Kurfürst Johann Wilhelm (1690–1716), der wie sein Vater eine jesuitische Erziehung genossen hatte, setzte die Unterstützung des Ordens fort. Die rechtlichen Grundlagen erlaubten ihm zwar keine Rekatholisierung mit Zwangsmitteln, wohl aber eine gezielte Förderung seiner Konfession. Die Jesuiten sahen in Mission und Seelsorge wichtige Tätigkeitsfelder, konnten jedoch wie schon im 17. Jahrhundert nur mäßige Erfolge verbuchen. Zu dem leichten Wachstum der katholischen Bevölkerung in Heidelberg kam es weniger durch ihre Bemühungen, sondern nicht zuletzt durch Zuzug katholischer Neubürger. Großen Anteil an der pastoralen Betreuung der Heidelberger Katholiken hatten zudem andere Orden wie etwa die ebenfalls wiederangesiedelten Heidelberger →Franziskaner und →Dominikaner. Neben der deutlichen Privilegierung in sakralen Bauprojekten trieb Johann Wilhelm vor allem die Bildung einer neuen katholischen Funktionsträgerschicht durch Konversion und Zuzug voran. In der Ausbildung dieser konfessionellen Elite sollten die Jesuiten eine führende Rolle spielen, woraus sich der Bedarf ergab, die Heidelberger Niederlassung zu einem vollwertigen Kolleg auszubauen. Die Grundsteinlegung des acht Jahre später fertiggestellten Kollegiengebäude erfolgte 1703. Im gleichen Jahr begannen die Jesuiten mit Philosophievorlesungen. Ähnlich wie bei der ersten Niederlassungsgründung war der Lehrbetrieb der Universität in den 1690er-Jahren als Folge des Kriegs weitgehend zum Erliegen gekommen, was den Jesuiten die Möglichkeit gab, die Wiederaufnahme in ihrem Sinne zu prägen. Dies taten sie aufgrund langwieriger Rechtsstreitigkeiten zunächst bis 1706 ohne offiziell Teil der Universität zu sein, auch ihre Studenten wurden vorerst nicht immatrikuliert. Überhaupt war diese Anfangszeit geprägt von Konflikten mit der Universität um Flächen und Gebäude, wobei die noch von Reformierten dominierte Universität in der Gunst des Kurfürsten klar ins Hintertreffen geriet. Ein prekärer Kompromiss wurde schließlich unter der Vermittlung Preußens als ausländischer Garantiemacht der reformierten Rechte 1705 in der sogenannten »Religionsdeklaration« getroffen. Die Sakralbauten des Territoriums wurden im Verhältnis fünf zu zwei zwischen Reformierten und Katholiken geteilt und an der Universität Heidelberg entstand 1706 die komplexe Struktur einer Theologischen »Doppelfakultät« mit zwei Dekanen und geteilten Rechten in der universitären Selbstverwaltung. Neben zwei Professuren für Dogmatik an der Theologischen Fakultät besetzten die Heidelberger Jesuiten zwei Lehrstühle an der Philosophischen Fakultät und eine Professur für Kanonisches Recht. Die Gesellschaft Jesu hielt nun als Teil der Universität zuerst fünf, später sieben Professuren. Zur Erhöhung des wirtschaftlichen Spielraums der Jesuiten übertrug ihnen Johann Wilhelm 1706 das ehemalige Kloster →Neuburg mit seinem Gefälle. Das gestiegene Selbstbewusstsein der Heidelberger Jesuiten drückte sich auch in der Grundsteinlegung ihrer eigenen Kirche 1712 aus. Der rechtliche Status der Heidelberger Niederlassung entwickelte sich schrittweise über mehrere Jahre hinweg. Auch nach der Neugründung in Heidelberg wurde die Dependance zunächst als residentia geführt. Ab 1709 wird der Vorsteher Johannes Keuffer nicht mehr als superior, sondern unter dem ungewöhnlichen Titel vice-rector der Residenz geführt. Seine Nachfolger behielten diesen Titel, in den Provinzkatalogen wird die Niederlassung ab 1715 jedoch als collegium geführt. Die Statusaufwertung zum vollgültigen Jesuitenkolleg war 1725 abgeschlossen, die Vorsteher werden nun auch als Rektoren geführt. Schon mit Wiederaufnahme der Lehrtätigkeit an der Universität wird die Heidelberger Dependance allerdings in offiziösen Dokumenten als collegium bezeichnet, was sich wohl im allgemeinen Sprachgebrauch bereits vor der offiziellen Erhebung verfestigt hatte. Den Ausbau des Kollegs vollendete das Seminarium Carolinum, in dem ab 1630 angehende Ordenskleriker wohnten und ausgebildet wurden. Das Seminar war an das Kolleg angeschlossen, wurde jedoch durch den Regens als weitgehend eigenständige Institution geführt. In Heidelberg wirkten bis zur Aufhebung des Ordens in der Regel etwa 40 Jesuiten inklusive der Laienbrüder. Eine spürbare Abwertung in seiner Bedeutung für den Landesherrn erfuhr das Heidelberger Kolleg allerdings durch die Verlegung der kurfürstlichen Residenz nach Mannheim durch Karl III. Philipp (1716–1742). Es handelte sich hierbei um eine Reaktion auf die anhaltenden Konflikte mit dem in Heidelberg ansässigen reformierten Kirchenrat und Teilen der Bürgerschaft. Auch Karl Philipp unterstützte die Gesellschaft Jesu tatkräftig, konzentrierte jedoch seine Förderung auf das 1727 gegründete →Mannheimer Jesuitenkolleg. Dieses wurde als Annex des neu errichteten Schlosses angelegt und hatte dementsprechend höheren Einfluss auf die Geschehnisse am Hof. Die Bautätigkeit an der Heidelberger Jesuitenkirche wurde nach dem Tod seines Vaters zunächst eingestellt und in den folgenden Jahrzehnten nur zögerlich fortgesetzt. Aufgrund der anhaltenden konfessionellen Konflikte in Heidelberg konzentrierte sich der Kurfürst auf den Ausbau des Mannheimer Pendants. Auch nach dem Residenzwechsel dominierten die Heidelberger Jesuiten die pfälzische Landesuniversität personell. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts war diese ein Brennpunkt überwiegend konfessionell motivierter Streitigkeiten. Im Fokus des Konflikts standen meist Stellenbesetzungen sowie die Einrichtung neuer Lehrstühle und deren Dotation. Hinzu kamen langwierige Auseinandersetzungen um Besitzverhältnisse an Gebäuden und Gefällen sowie wiederholt auch bei Rektoratswahlen. Die Jesuiten standen dabei nicht nur in Konkurrenz zu den reformierten Professoren und dem reformierten Kirchenrat, die verbissen um ihre vertraglich garantierten Rechte kämpften, sondern auch zu anderen Ordensgemeinschaften. Auch die Dominikaner bemühten sich um die Besetzung einer neu einzurichtenden Professur für Moraltheologie und konnten dabei auf Unterstützung von Teilen des Hofes zählen. Dieser dritte katholische Lehrstuhl für Theologie wurde schließlich 1709 an die Jesuiten vergeben und ergänzte die beiden Dogmatikprofessuren. Die Reformierten, denen nur zwei Theologieprofessuren zugestanden wurden, sahen sich durch diesen Schritt benachteiligt und bemühten sich, zumindest eine Dotation dieser Professur durch die Universität zu verhindern. Der konfessionelle Streit wurde auch von den Heidelberger Jesuiten aktiv befeuert. Möglicherweise als bewusste Provokation und Machtdemonstration veröffentlichten der Professor für Kanonisches Recht Paul Usleber 1715 und sein Nachfolger Adam Huth im Jahr 1728 Disputationsthesen zum rechtlichen Umgang mit Häresie, die jeweils ein starkes Echo bei den Protestanten hervorriefen. Die beiden Heidelberger Patres vertreten dabei die konservative katholische Rechtsauffassung, dass die Protestanten nach Reichsrecht haeretici tolerati seien. Huth geht sogar so weit, auf die bleibende kirchenrechtliche Gültigkeit des Breve Zelo Domus Dei von 1650 zu verweisen, in dem Papst Innozenz X. (1644–1655) den Westfälischen Frieden für ungültig erklärte. Die Reformierten sahen in diesen Thesen nicht nur eine persönliche Beleidigung und einen Angriff auf die rechtlichen Grundlagen des konfessionellen Zusammenlebens in der Kurpfalz, sondern sogar einen Verstoß gegen reichsrechtliche Bestimmungen gegen konfessionelle Schmähungen. Sowohl 1715 als auch 1728 erhielten die Affären reichsweite Aufmerksamkeit. Zwar verweigerte der katholisch dominierte Reichshofrat höchstinstanzlich ein Urteil über Usleber, eine Resolution des Corpus Evangelicorum am Reichstag bewog jedoch offenbar Karl Philipp dazu einzugreifen – Usleber wurde ohne Nennung von Gründen nach Würzburg versetzt. Auch im Fall Huth veröffentlichte das Corpus Evangelicorum eine Stellungnahme. Karl Philipp reagierte mit einer unmissverständlichen Aufforderung an die Heidelberger Jesuiten, derartige Provokationen einzustellen.5 Eine Ablösung Huths scheiterte mangels eines geeigneten Kandidaten für die Nachfolge und wurde trotz ausländischer Proteste vom Hof nicht weiter betrieben. Die Fälle Usleber und Huth wurden anschließend von der protestantischen Reichspublizistik als Paradebeispiel katholischer Rechtsverletzung in mehreren Sammlungen dokumentiert und kommentiert. Die Reaktion Karl Philipps zeigt, wie dieser einen Ausgleich zwischen der Protektion der Jesuiten und der Aufrechterhaltung des konfessionellen Friedens in seinem Territorium suchte. Die konfessionellen Konflikte trugen mit der Vernachlässigung der alten Residenzstadt ihren Teil dazu bei, dass die Universität Heidelberg im 18. Jahrhundert nicht an alte Blütephasen anschließen konnte und sich zu einer wenig angesehenen Landesuniversität ohne Ausstrahlungskraft über die Grenzen der Kurpfalz hinaus entwickelte. Das sinkende Ansehen der Jesuiten und ihrer Bildungsarbeit im katholischen Europa des 18. Jahrhunderts tat ihr übriges zu dem durchweg attestierten Niedergang der Universität wie auch des Jesuitenkollegs. Die Krise der Heidelberger Universität war aber auch ökonomischer Natur und lässt sich nicht allein auf die Jesuiten zurückführen. In der Endphase seiner Existenz führte das Heidelberger Jesuitenkolleg einen Abwehrkampf gegen die ihr meist feindlich gesinnte Geistesströmung der Aufklärung und das schwindende Ansehen des Ordens. Ein Symptom dessen war das Auftreten Christoph Wilkins, der 1759 an Universität und Landesherrn herantrat, um diesen um einen mit ihm zu besetzenden Lehrstuhl für Theologia Critica oder Juris Canonis Publici zu ersuchen. Wilkins war als ehemaliger Jesuit selbst im Heidelberger Kolleg ausgebildet worden, wirkte nach seinem Austritt aus der Gesellschaft Jesu als Weltpriester und kritisierte offen seinen früheren Orden mit aufklärerischer Rhetorik. Wilkins bemängelte vor allem die veralteten Lehrmethoden der Heidelberger Jesuiten. Seinem Ansinnen wurde zwar nicht entsprochen, dennoch zeigt sich, dass das Lehrmonopol der Jesuiten auch in Heidelberg ins Wanken geriet. Eine offene Infragestellung der jesuitischen Lehrmethoden bedeuteten auch 1761 in der Universität vorgebrachte Reformvorschläge, die der kurfürstliche Hof angeregt hatte. Die Jesuiten sollten, statt wie bisher zu diktieren, nach gedruckten Lehrwerken unterrichten. Gleiches hatte kurz zuvor bereits Wilkins gefordert und war an manchen Kollegien schon umgesetzt worden. Zudem sollte eine Professur mit exegetischem Schwerpunkt eingerichtet werden. Die Jesuiten verwehrten sich beiden Reformbemühungen, mussten jedoch den Umstieg auf gedruckte Lehrwerke akzeptieren. Die Pläne zur Errichtung neuer Lehrstühle für katholische Theologie waren damit nicht vom Tisch. Universität und Hof stellten 1770/71 Überlegungen vor, katholische Professuren für orientalische Sprachen und Kirchengeschichte in Heidelberg einzuführen – ähnliche Bemühungen gab es in dieser Zeit an vielen europäischen Hochschulen. Die Jesuiten sahen zu Recht ihr Lehrmonopol für katholische Theologie bedroht. Die Pläne sahen vor, nicht nur Fakultät und Kolleg, sondern auch die anderen Heidelberger Klöster um die Nominierung geeigneter Kandidaten für die Lehrstühle anzufragen. Die Jesuiten versuchten daher, die Lehrstühle zu verhindern oder zumindest mit eigenem Personal zu besetzen. Mit dem Verweis auf den Hebräischunterricht am Kolleg und die Aufnahme kirchengeschichtlicher Vorlesungen durch den Kanonistikprofessor Philipp Anton Schmidt SJ konnten sie die Errichtung dieser Professuren bis nach der Aufhebung des Ordens 1773 verzögern. Am 21. Juli 1773 verfügte mit der Bulle Dominus ac Redemptor noster Papst Clemens XIV. (1769–1774) auf Drängen Frankreichs, Spaniens und Portugals die weltweite Aufhebung der Gesellschaft Jesu. Wie in vielen katholisch regierten Reichsterritorien wurden die Bestimmungen in der Kurpfalz anfänglich zurückhaltend umgesetzt. Kurfürst Karl Theodor (1742–1799) war vor allem darum bemüht, die Kontrolle über die Besitzungen »seiner« Jesuiten zu behalten und für einen möglichst reibungslosen Übergang an der Universität zu sorgen. Mit neuen päpstlichen Erlassen verschärfte sich die Lage der nun als »Exjesuiten« firmierenden Geistlichen auch in der Kurpfalz. Viele fanden Anstellung als Weltgeistliche im In- und Ausland, für manche Lehrer wurden Sonderfunktionen an der Universität als Assessor – gewissermaßen als »Hilfsprofessor« – gefunden. Einzelne Exjesuiten konnten sich noch einige Zeit auf ihren Lehrstühlen halten, wie die Theologieprofessoren Joseph Kleiner (bis zu seinem Tod 1786) und Johannes Jung, der erst 1774 vom Lehrstuhl für Moraltheologie auf den inzwischen geschaffenen Lehrstuhl für Kirchengeschichte wechselte. Das Erbe der Jesuiten in Heidelberg traten kurzzeitig die →Lazaristen an, denen der Kurfürst 1781 das jesuitische Vermögen übergeben hatte. Sie übten bis 1794 die schulischen und seelsorgerlichen Verpflichtungen der Gesellschaft Jesu aus. Die Lehrstühle für katholische Theologie füllten bis zur Säkularisierung überwiegend Franziskaner und Lazaristen aus. Auch nach der Wiederzulassung der Gesellschaft Jesu im Jahr 1814 kam es nicht zu einer Neuansiedelung in Heidelberg, wo in der Folge nur vereinzelt Jesuiten wirkten. Religiöses und kulturelles WirkenBesonders im 18. Jahrhundert prägte das Wirken des Heidelberger Jesuitenkollegs das religiöse und kulturelle Leben nachhaltig. Schon bei der ersten Gründung während des Dreißigjährigen Kriegs waren sie trotz der (Wieder-)Gründung von Niederlassungen anderer Orden der wohl wichtigste Bezugspunkt des katholischen Heidelbergs. Dabei sind die Jesuiten in ihrer Wirkung nicht auf die Bildung zu beschränken. Schon 1703 gründeten sie in der katholischen Studentenschaft eine Marianische Kongregation, in der die auf den Ordensgründer Ignatius zurückgehende Spiritualität in »Geistlichen Übungen« ausgeübt wurde. Zehn Jahre später erreichten die Jesuiten mit ihren Exerzitien durch die Gründung der Marianischen Bürgersodalität weite Teile der katholischen Stadtbevölkerung. Dieser Gemeinschaft gehörten im 18. Jahrhundert zeitweilig mehrere Hundert Mitglieder an. Auch durch die Organisation großer Prozessionen und Volksmissionen im Auftrag der Kurfürsten demonstrierten die Jesuiten als wohl öffentlichkeitswirksamster Orden den katholischen Machtanspruch in der Kurpfalz. Eine eindrückliche Quelle für dieses Wirken ist ein gedrucktes Programmheft zur Palmsonntagsprozession 1722 unter dem Titel Passio Domini Nostri Jesu Christi. Unter Aufbietung aller personellen Ressourcen des Kollegs und der Sodalitäten wurde demzufolge die gesamte Heilsgeschichte in beeindruckender Weise szenisch dargestellt, ergänzt durch Gesänge und Lehrtexte. Bezeichnend ist eine abschließende Warnung vor den Bilder-Stürmer[n],6 die auf den konfessionellen Gegner verweist. Gerade in Krisenzeiten betätigten sich die Heidelberger Jesuiten auch karitativ, etwa in der Krankenpflege. Für das kulturelle Leben sind insbesondere die Theateraufführungen ihrer Schule zu nennen. Wie auch in anderen Jesuitenkollegien führten die Heidelberger Schüler in hoher Frequenz lateinische Theaterstücke auf, von denen einige offenbar in Heidelberg selbst entstanden sind. Als einziges Heidelberger Werk vollständig erhalten blieb das 1720 aufgeführte Drama Judithae de Holoferne Justitiae de Impietate Triumphus nach alttestamentarischem Stoff. Zu besonderen Anlässen trat das Kolleg ordenstypisch mit der Veröffentlichung neulateinischer Lyrik des Lehrkörpers in Erscheinung. Anlässlich der Grundsteinlegung der Jesuitenkirche 1712 gab der Dogmatikprofessor Adam Heidt die in Versform gefasste Kollegsgeschichte Fata Collegii Heidelbergensis Societatis Jesu heraus.7 Die Zahl der akademischen Veröffentlichungen der Heidelberger Jesuiten blieb im Vergleich zu anderen Kollegien unterdurchschnittlich. Während des Dreißigjährigen Kriegs, als reichsweit die literarische Produktion einbrach, sind im kriegsgeschüttelten Heidelberg keine Veröffentlichungen durch die Jesuiten zu verzeichnen. Auch im 17. Jahrhundert sind im Heidelberger Jesuitenkolleg keine herausragenden theologische Autoren zu nennen, bei einem großen Teil der Veröffentlichungen handelt es sich um Thesendrucke und andere akademische Gelegenheitstexte. Zu einer leichten Steigerung der literarischen Produktion kam es in den 1760er-Jahren durch die aufgezwungene Vorschrift, nur aus gedruckten Lehrwerken zu unterrichten. Der Dogmatikprofessor Johann Rupp ließ hierfür seine Vorlesung in acht Bänden als Praelectiones Theologicae (1764–1768) veröffentlichen. Ein größerer Erfolg war das Lehrwerk seines Kollegen für Moraltheologie Peter Schwaan unter dem Titel Ethica Stylo Scholastico Concinnata, das in seiner Zeit im Würzburger Kolleg entstand und 1762 erstveröffentlicht wurde. In Heidelberg und Würzburg erfuhr das Werk bis 1785 drei Nachdrucke. Der in der akademischen Welt renommierteste und bis heute bekannteste Heidelberger Jesuit war fraglos Christian Mayer, der seit 1752 den für ihn geschaffenen Lehrstuhl für experimentelle Physik innehatte. Er regte den Bau der Mannheimer Sternwarte an und konnte als kurfürstlicher Hofastronom seine Forschungen auch nach der Aufhebung der Gesellschaft Jesu fortführen. Als Entdecker zahlreicher Himmelskörper erwarb sich Mayer internationales Ansehen. Bibliothek und ArchivWie andere Kollegien der Gesellschaft Jesu verfügten auch die Heidelberger Jesuiten über eine umfangreiche Bibliothek. Die Bibliothek der ersten Ordensniederlassung wurde 1649 dem Mainzer Jesuitenkolleg übergeben, diese Bestände finden sich heute in der Wissenschaftlichen Stadtbibliothek Mainz. Im 18. Jahrhundert hatten sowohl das Kolleg, als auch das Seminarium Carolinum eigene Buchbestände. Die Bibliotheken der zweiten Niederlassung wurden durch Ordensauflösung und Säkularisation zerstreut und in Teilen zerstört. Ein ähnliches Schicksal ist für das Archiv der Heidelberger Jesuiten zu verzeichnen. Unter Annahme größerer Verluste finden sich verstreute Bestände vor allem im Heidelberger Universitätsarchiv. Bau- und KunstgeschichteLageDie ersten Grundstücke für Kirche und Kolleg kauften die Jesuiten im Jahr 1689. Nach einem Streit um die Größe der künftigen Anlage, erhielten sie zunächst das Areal zwischen Heu- und Kettengasse. Zu Beginn des Jahres 1703 bewilligte Kurfürst Johann Wilhelm den Bau und ließ am 26. Juli den Grundstein legen. Die Approbation erteilte Ordensgeneral Thyrsus Gonzales jedoch erst nachträglich am 3. November. Der Grundriss der geplanten Anlage, auf dem die Kirche nur im Umriss angedeutet ist, ist im Generallandesarchiv in Karlsruhe erhalten.8 Detailliert ausgearbeitet sind die drei Flügel, die den hortus im Norden, Osten und Süden begrenzen. Kirche und KonventsbautenBis zum Juli 1705 bauten und bezogen die Jesuiten zunächst den nördlichen Flügel an der Merianstraße. Ein monumentales Treppenhaus an der nordöstlichen Ecke verbindet noch heute den Trakt mit dem Ostflügel entlang der Kettengasse, von dem im Herbst 1708 etwa ein Drittel fertiggestellt war.9 Die weitere Baugeschichte des Kollegs ist unbekannt, wahrscheinlich war die Anlage um 1732 vollendet.10 Die Fassaden sind einheitlich gestaltet mit schlichten, rechteckigen Fenstern, die durch Putzspiegel vertikal miteinander verbunden sind. Wie bei der Alten Universität werden die verputzten Fassaden von kolossalen Eckpilastern gerahmt. Das Portal in der Kettengasse stammt aus dem 19. Jahrhundert und verweist unterhalb eines kleinen Dreieckgiebels auf die »Oberrealschule«. Zur Gartenseite wird die Fassade von einem monumentalen Risalit unterbrochen. Das Hauptportal des Kollegs und heutigen Pfarrhauses öffnet sich zum Vorplatz der Kirche. Im Giebel steht das kurpfälzische Wappen der Linie Neuburg, darüber erscheint die Dreifaltigkeit in Form einer lebensgroßen Christusfigur, der Taube des Heiligen Geistes und einer Büste Gottvaters in den Wolken. Ihnen huldigen an den Seiten die Ordensheiligen Ignatius von Loyola und Franz Xaver. Da die Skulpturen auf einer Abbildung im Thesaurus Palatinus (Abb. 6) noch fehlen, sind sie wohl erst nach 1752 entstanden11. 1711 wurde ein detaillierter Grundriss für die Kirche angefertigt und zur Genehmigung nach Rom gesandt.12 Noch bevor Ordensgeneral Michelangelo Tamburini den Riss am 16. Juni 1712 billigte, fand am 19. April 1712, dem Geburtstag des Kurfürsten Johann Wilhelm, die feierliche Grundsteinlegung statt.13 Das Rechnungsbuch, das die Jesuiten bis in das Jahr 1723 führten, verzeichnet die Ausgaben der ersten Jahre.14 Am 13. Oktober 1712 erhielt auch der kurfürstliche Baumeister Johann Adam Breunig einhundert Gulden, wobei unklar ist, wofür.15 Mit der Jesuitenkirche wurde der südliche Teil der Heugasse überbaut, westlich entstand die Schulgasse. Die Arbeiten begannen mit dem Chor und setzten sich mit dem Langhaus fort. Nach dem Tod Johann Wilhelms im Juni 1716 kam es zur Unterbrechung. Der Kurfürst hatte die Jesuiten finanziell unterstützt, und der Konfessionsstreit, der unter dem neuen Kurfürsten Karl Philipp seinen Höhepunkt erreichte, verhinderte den Fortgang. Erst im Frühjahr 1722 nahm man den Baubetrieb wieder auf, um wenigstens den überdachten Teil der Kirche zu nutzen. 1723 waren der Chor mit den Sakristeien und ein Langhausjoch fertiggestellt. Dieser Bauteil konnte durch eine Backsteinmauer vorläufig geschlossen und so als Kapelle verwendet werden.16 Der zweite Bauabschnitt begann 1749 unter Kurfürst Karl Theodor mit der Fertigstellung des Langhauses.17 Eine Untersuchung des Dachstuhls hat die chronologische Abfolge der beiden Bauphasen bestätigt: Die Hölzer des südlichen Abschnitts wurden zwischen 1714 und 1716 gefällt, jene des nördlichen erst 1749 und 1750. Außerdem weisen die jeweiligen Binder eigene Markierungsfolgen auf.18 1759 waren die Bauarbeiten an der Kirche im Wesentlichen abgeschlossen. Erst zwischen 1868 und 1872 entstanden die Obergeschosse des Glockenturms nach Plänen des Großherzoglichen Oberbaurats Friedrich Theodor Fischer. Die heutigen Glocken der Jesuitenkirche stammen aus den Jahren 1870, 1959 und 1980.19 Der Vergleich des vollendeten Kirchenbaus mit dem Approbationsplan von 1711 zeigt, dass vor allem der Chor einfacher gestaltet wurde.20 Trotzdem folgt die Heidelberger Jesuitenkirche keinem etablierten Bautyp, traditionelle und moderne Elemente verbinden sich zu einer ungewöhnlichen Lösung: Zum einen handelt es sich um eine Hallenkirche, wie sie schon im Mittelalter verbreitet war. Maßwerkfenster in Kombination mit antikisierenden Thermenfenstern verleihen ihr zusätzlich eine altertümliche Note. Zum anderen zeugen Wandpfeiler, Pilaster und ein markantes Gebälk von der Nähe zu mainfränkischen und vorarlbergischen Bauten des 17. und 18. Jahrhunderts.21 Die zweigeschossige Fassade folgt erneut einer anderen Tradition: Hier hat sich das Modell von Il Gesù durchgesetzt, der römischen Mutterkirche des Ordens aus dem 16. Jahrhundert.22 Beide Stockwerke sind durch Doppelpilaster gegliedert, die Mittelachse tritt als Risalit hervor und wird von einem Giebel bekrönt. In Süddeutschland ist dieser Fassadentyp bei Jesuitenkirchen unüblich, wie die Beispiele von Sankt Michael in München oder die gleichzeitig errichtete Mannheimer Jesuitenkirche zeigen. Gerade im protestantischen Heidelberger Umfeld signalisierte die Orientierung an Rom Authentizität und Autorität. Vieles spricht dafür, die Fassade Franz Wilhelm Rabaliatti zuzuschreiben, der an der Jesuitenkirche in Mannheim mitgearbeitet hat.23 Skulpturen sind ein wichtiger Bestandteil der Kirchenfront: Im unteren Geschoss befinden sich Ignatius von Loyola und Franz Xaver, darüber, im Zentrum der Fassade, Christus in der Gestalt des Salvator mundi. Das Programm wird von den Allegorien der christlichen Tugenden vervollständigt: Liebe und Hoffnung sitzen auf den Voluten, während sich der Glaube, mit eucharistischem Kelch und Kreuz in der Hand, über dem Giebel erhebt. Einige Originalfiguren befinden sich heute im Hof hinter dem Glockenturm. Nutzung als Pfarrkirche und Renovierungen im 19. und 20. JahrhundertKolleg und Kirche gingen nach der Auflösung des Jesuitenordens 1773 an die Lazaristen. Nach deren Auflösung 1786 stand das ehemalige Eigentum der Jesuiten unter kommissarischer Verwaltung. Dann übernahm der Katholische Schulfonds die Gebäude, die aber zu Beginn des 19. Jahrhunderts hauptsächlich das kurpfälzische und markgräflich-badische Militär nutzte, als Hospital, Getreide- und Waffenlager.24 1808 genehmigte die Großherzoglich Badische Regierung die Einrichtung als katholische Pfarrkirche.25 Zahlreiche Ausstattungsstücke der Heiliggeistkirche gelangten aus diesem Anlass in die ehemalige Jesuitenkirche. Vieles davon fiel jedoch der Entbarockisierung in den 1870er Jahren zum Opfer, darunter der Hochaltar von 1748 mit neunzehn Figuren von Paul Egell, von dem nur die Tür des Tabernakels mit einem Relief des Pfingstwunders erhalten ist. Eine Photographie aus dem Heidelberger Stadtarchiv dokumentiert den Zustand vor dem Umbau.26 Nachdem die Restauratoren in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts im Innenraum noch dunklere Farben und polychrome Scheiben bevorzugten, setzte sich bei der Renovierung Anfang der siebziger Jahre die Idee eines weißen Grundanstrichs durch, mit farblichen Akzenten an den Kapitellen. Skulpturen des 18. Jahrhunderts, wie die Heiligen Petrus und Paulus zu Seiten des Hochaltarfreskos, sorgten zusätzlich für Authentizität. Seit der Restaurierung von 2001 bis 2004 erhellen zudem farblose Rundscheiben den Raum, wie sie für das frühe 18. Jahrhundert typisch waren.27 Noch tiefgreifender waren die Veränderungen des Kollegs. Im Nordflügel und in einem kleinen Teil des Ostflügels richtete man ein Pfarrhaus ein. Der kleinere Westflügel, direkt an der Sakristei, beherbergte die Wohnung für den Mesner. Die restlichen Gebäude des Kollegs wurden in sechs Partien aufgeteilt und versteigert. Ihre Geschichte ist im 19. und 20. Jahrhundert von zahlreichen Umnutzungen geprägt, die häufig mit baulichen Anpassungen einhergingen. BibliographieQuellen: Heidt 1712; Passio Domini Nostri Jesu Christi 1722. Handbücher und Lexika: Dehio, Baden-Württemberg Bd. 1, S. 298–301 (Germaid Ruck); KDM Bd. 8,2, S. 212–222 (Adolf von Oechelhäuser). Literatur: Duhr 1928; Riedl 1956; Gantner 1985; Wolgast 1985; Wiegand 1996; Berning/Uhl 2009; Fabian 2009; Grieshaber 2009; Riedl 2009; Wiesneth 2009. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
| Personenbezüge: |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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