Heidelberg, Kollegiatstift HEILIGGEIST
| Kurzbeschreibung: | 1239 urkundliche Ersterwähnung – 1400 Erhebung zum Stift – 1413 Verbindung mit der Universität Heidelberg – nach 1560 Aufhebung im Zuge der Einführung der Reformation in der Kurpfalz Patrozinium: Hl. GeistKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Worms, Archidiakonat des Propstes von Neuhausen, Landkapitel Heidelberg |
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| Beschreibung: | Name: capella Sancti Spiritus (1386/87);1 ecclesia Sancti Spiritus (1386/87);2 stifft zu dem Heiligen Geist (1413);3 ecclesia regali Sancti Spiritus (1428);4 ecclesia collegiata Sancti Spiritus (1437);5 collegii canonicorum in templo regali hic ad Sanctum Spiritum (1560)6 GeschichteHistorische EntwicklungDie Heiliggeistkirche, zentral auf dem Heidelberger Marktplatz gelegen, wird erstmals 1239 urkundlich erwähnt, verblieb jedoch bis zum Jahr 1400 im Pfarrverband mit der Peterskirche außerhalb der Mauern Heidelbergs. Enge Verbindungen zu den Pfalzgrafen sind bereits im Jahr 1344 nachweisbar, als Ruprecht I. (1329–1390) eine vierteljährlich zu begehende Seelmesse in der Kirche stiftete, bei der die Heidelberger Geistlichkeit sich ebendort zu versammeln hatte. In enger Verbindung stand die Heiliggeistkirche auch unmittelbar mit der 1386 von Ruprecht I. gegründeten Universität. Hier wurde am 18. Oktober die Eröffnung der Hochschule mit einer feierlichen Messe begangen. Bald darauf wurden die wichtigsten Dokumente der Universität in einer Kiste hinter dem Hochaltar verwahrt, so dass die Heiliggeistkirche als erster Standort des Universitätsarchivs fungierte. Ebenso wie die Gründung der Universität den Vorbildern von Prag und Wien folgte, so war auch die Einrichtung eines sogenannten Universitätsstifts von den luxemburgischen und habsburgischen Vorgängermodellen inspiriert. Vermutlich spielten die von der Prager Universität nach Heidelberg gekommenen und als Beichtväter König Ruprechts (1400–1410) eingesetzten Theologen Nikolaus Prowin und Matthäus von Krakau eine wichtige Rolle bei der Beschlussfassung. Neben der wichtigen Bedeutung für die Universität sollte das neue Heiliggeiststift zugleich die legitimierende und prestigeträchtige Funktion einer königlichen Kapelle (capella regia) übernehmen. Folgerichtig steht die Gründung des Stifts in engem Zusammenhang mit dem Königtum Ruprechts und der Festigung Heidelbergs als kurpfälzische Residenz. Im Jahr 1400 erreichte Ruprecht noch vor seiner Königserhebung, dass Papst Bonifaz IX. (1389–1404) die Heiliggeistkirche aus dem Pfarrverband mit der Peterskirche löste und zur Stiftskirche erhob.7 Zugleich wurde sie mit vier – nach einem Verzicht König Ruprechts de facto drei – Pfründen des Neustadter Marienstifts ausgestattet. Die Gründung und Dotation des Stifts erfolgte in enger Absprache mit der Universität, die bereits im Jahr 1405 dem König ihre Wünsche über Pfründenzahl und -höhe sowie den rechtlichen Status des Heiliggeiststifts und seiner Kanoniker mitteilte.8 Die Verbindung beider Institutionen war jedoch das Werk von Ruprechts ältestem Sohn und Nachfolger in der Kurwürde Ludwig III. (1410–1436). Die Stiftskirche verfügte zunächst über zwölf Kanonikate und wurde 1418 um ein dreizehntes für den Dekan erweitert. Grundsätzlich besaß das Heiliggeiststift nur die Dignitäten des Dekans und des Kustos. Weitere Pfründen traten im Verlauf des 15. Jahrhunderts hinzu, sodass das Kapitel zum Jahr 1508 schließlich aus 17 Kanonikern bestand. Die Chorherrenpfründen dienten den Universitätsprofessoren, insbesondere jenen der höheren Fakultäten (Theologie, Jura, Medzin) als finanzielle Grundlage. Sie waren vom Chordienst befreit, sofern sie durch Lehrverpflichtungen verhindert waren und erhielten in diesem Fall trotzdem die Präsenzgelder. Das Nominationsrecht besaß das Stiftskapitel, das Präsentationsrecht seit 1409 die Pfalzgrafen bei Rhein. Dekan und Kustos waren schließlich vom Kapitel zu wählen. Die Kanonikate waren in ihrer finanziellen Ausstattung abgestuft und den verschiedenen Fakultäten zugeordnet. Beim Freiwerden einer Pfründe war darauf zu achten, dass der neue Inhaber der gleichen Fakultät wie der Vorgänger angehörte. Seit der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts versuchten die Pfalzgrafen das Nominationsrecht des Kapitels zu untergraben und die Kanonikate mit ihren eigenen Kandidaten zu besetzen. Kurfürst Friedrich I. (1451–1476) gelang es gar zur Jahrhundertmitte, die Dekanatswahl zu beeinflussen. Universität und Kurfürst hatten verschiedene Kandidaten für das gleiche Kanonikat vorgesehen. Friedrich legte einen Kompromiss vor,9 nach dem der Kandidat der Universität zum Dekan gewählt werden, der seine aber die angedachte Pfründe erhalten solle, was dann auch entsprechend umgesetzt wurde. Das Heiliggeiststift war demnach in seiner finanziellen Ausstattung und seiner inneren Organisation herrschaftlich überformt. In der Folge scheint sich der Zugriff der Pfalzgrafen in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts noch einmal verstärkt zu haben. So wurde bei der Amtseinführung des Dekans Nikolaus Steinmar vermerkt, dass dieser der erste Amtsinhaber sei, der nicht vom Kapitel gewählt, sondern von Ludwig V. (1508–1544) präsentiert worden sei.10 In gleicher Weise wurde dann der Nachfolger und letzte Amtsinhaber Wendelin Sprenger vom Kurfürsten zum Stiftsdekan ernannt. Neben den Kanonikaten verfügte das Heiliggeiststift zum Jahr 1413 über zwölf Vikariate, die im 15. und 16. Jahrhundert durch Zustiftungen v. a. von universitärer und bürgerlicher Seite noch deutlich vermehrt wurden. Pfründeninhaber waren sowohl Universitätsangehörige als auch Bürgerliche. Die Präsentationsrechte standen zum Teil der Universität, in den meisten Fällen aber den Stiftern und deren Nachkommen zu. Die Erhebung der Heiliggeistkirche zum Stift war mit einem aufwändigen und kostspieligen Kirchenneubau verbunden. Zu diesem Zweck stellte König Ruprecht 300 Gulden aus dem Mannheimer Neckarzoll zur Verfügung. Akuter Geldbedarf bestand noch 1409/10, als man sich 550 Gulden von der Universität leihen musste. Der Chorneubau dürfte 1410 nahezu fertiggestellt gewesen sein, am Langhaus wurde noch bis um 1500 gebaut. Zur Finanzierung des Turmbaus inkorporierte Ludwig V. 1508 einer Anordnung seines Vaters Philipp folgend dem Heiliggeiststift die Pfarrei Fürth im Odenwald. Bruderschaften wie diejenige des Heidelberger Hofgesindes standen ebenfalls in enger Beziehung zum Heiliggeiststift. 1391 hatte sie für die reiche Dotation der Predigerpfründe gesorgt (s. u.). Eine Liebfrauenbruderschaft wurde in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts besonders durch Friedrich I. gefördert. Die Heidelberger Disputation Martin Luthers hatte insbesondere auf die studentische Zuhörerschaft nachhaltigen Einfluss. Die Professoren und somit die Kanoniker des Heiliggeiststifts standen der neuen Lehre jedoch weiterhin ablehnend gegenüber. Einzige Ausnahme war der erste evangelische und verheiratete Prediger an Heiliggeist, Heinrich Stoll, der das Amt ab 1526 bekleidete. 1546 wurde erstmals ein lutherisches Abendmahl gefeiert und eine neue Stiftsordnung erlassen. Mit der Niederlage im Schmalkaldischen Krieg musste Friedrich II. das Augsburger Interim annehmen. Ab 1553 war der lutherische Gottesdienst wieder zugelassen, der katholische nach der Kirchenverordnung Ottheinrichs ab 1556 ganz verboten. Die Auflösung des Heiliggeiststifts ist jedoch nicht eindeutig zu datieren. Im Zuge der Einführung der Reformation in der Kurpfalz durch Ottheinrich (1556–1559), spätestens aber unter seinem Nachfolger Friedrich III. wird das Universitätsstift aufgelöst worden sein. Noch 1560 stellten Dekan und Kapitel eine Urkunde zur Ablösung einer Gülte aus und siegelten mit dem kleinen Kapitelsiegel.11 Möglicherweise geschah dies nur der rechtlichen Korrektheit halber – was von Dekan und Kapitel ausgestellt wurde, sollte auch von diesen abgelöst werden. Der letzte Stiftsdekan, Wendelin Sprenger, lebte noch bis 1581 und diente den Kurfürsten in wichtiger Position als Kirchenrat. Noch 1578, als man den Ehreneintrag in der Matrikel zum 50–jährigen Jubiläum der Immatrikulation Sprengers diskutierte, wurde dieser als olim collegii canonicorum in templo regali hic ad Sanctum Spiritum decano gewürdigt.12 Das Ende des Heiliggeiststifts steht in engem Zusammenhang mit der Umstrukturierung der wirtschaftlichen Grundlagen der Heidelberger Universität. Noch 1553 hatte Papst Julius III. (1550–1555) seine Erlaubnis erteilt, dass auch Laien Einkünfte aus Kirchenvermögen genießen dürften. Dem Inhaber des medizinischen Lehrstuhls war dies bereits seit 1475 gestattet.13 1551/53 wurden vornehmlich linksrheinische Klöster zugunsten der Universität, des Sapienzkollegs und der Schlosskapelle aufgelöst – an der Inanspruchnahme des Klosters Lambrecht (bei Neustadt an der Weinstraße gelegen) war noch der Stiftsdekan Wendelin Sprenger beteiligt. Mit der Universitätsreform Ottheinrichs von 1558 wurden zwei zentrale Kassen, der Alte und der Neue Fiskus, eingerichtet und die Trennung von Lehrstuhl und Pfründe vollzogen. Besitz und Einkünfte des Heiliggeiststifts, die nicht der Versorgung der Universität dienten, wurden fortan von der Geistlichen Güteradministration verwaltet. Besitz und WirtschaftDas Heiliggeiststift übernahm insbesondere in wirtschaftlicher Hinsicht eine zentrale Funktion für die Heidelberger Hochschule. Zum Zeitpunkt der Verbindung beider Institutionen im Jahr 1413 waren zunächst zwölf Chorherrenpfründen vorgesehen. Das Kapitel bestand aus drei Theologen, drei Juristen, einem Mediziner und drei Artisten sowie dem Pfarrer von St. Peter und dem Prediger an Heiliggeist. Während die Artisten weiterhin die Einkünfte aus ihrem Kollegium bezogen, wurden die Gehälter der Professoren der drei höheren Fakultäten (Theologie, Jura, Medizin) durch die Gefälle dreier Pfründen des einst von Kurfürst Ruprecht I. gegründeten Neustadter Marienstifts sowie – zum größeren Teil – durch zwei Zollanteile am Mittel- und Niederrhein (Bacharach, Kaiserswerth) finanziert. Nach den Bestimmungen von 1413 waren insgesamt 730 Gulden zur Finanzierung dieser Professoren vorgesehen. Die Verteilung der Gelder folgte einem nach Fakultät und Professur abgestuften System. Auch bei schwankenden Einkünften wurde dieses Verteilungsschema eingehalten. Der Pfarrer von St. Peter erhielt die mit der Pfarrei verbundenen Einkünfte, war ab 1413 aber gleichzeitig Kanoniker an Heiliggeist. Das Patronat über Heidelbergs älteste Pfarrkirche war der Universität im Jahr 1400 überschrieben worden. Die besonders gut dotierte Predigerpfründe, die mit dem 1391 eingerichteten Marienaltar verbunden war, ging auf eine Stiftung der Pfalzgrafen Ruprecht II. und Ruprecht III. aus Vermögensanteilen der Bruderschaft des Heidelberger Hofgesindes zurück und wurde in den folgenden Jahren mit weiteren Einkünften ausgestattet. Die Ämter von Dekan und Kustos waren zunächst von zweien der zwölf Kanoniker auszuüben. Sie erhielten ein zusätzliches Gehalt von 30, beziehungsweise 20 Gulden. Recht schnell war jedoch klar, dass das Amt des Dekans mit zu vielen Pflichten verbunden war, als dass es in Personalunion hätte geführt werden können. Aus diesem Grund schuf Kurfürst Ludwig III. im Jahr 1418 eine dreizehnte Pfründe für den Stiftsdekan. Finanzielle Grundlagen dieses Kanonikats waren neben besagten 30 Gulden aus dem Bacharacher Rheinzoll 100 Malter Korn aus der Pfarrei und dem Zehnten von Freimersheim bei Alzey sowie 2 Fuder Wein aus dem Zehnten von Hohensachsen. Im Rahmen seiner Universitätsreform von 1452 bestimmte Kurfürst Friedrich I., dass ein vierzehntes Kanonikat an Heiliggeist für einen Professor des Römischen Rechts installiert werden sollte. Für diese Professur waren die Einkünfte einer der Neustadter Pfründen und 30 Gulden aus der bereits im Jahr 1400 an die Universität übertragenen Pfarrei Lauda sowie einer weiteren Pfründe außerhalb des Heiliggeiststifts bestimmt. Zwei weitere Chorherrenpfründen traten im Jahr 1459 hinzu. Auf kurfürstlichen Wunsch wurden die Vikariate des Maria-Magdalenen-Altars sowie des Heilig-Kreuz-Altars in Kanonikate umgewandelt. Sie waren zur Altersversorgung verdienter Professoren vorgesehen. Auf gleiche Weise, diesmal aus den Gefällen des Dreifaltigkeit-Altars entstand 1508 eine letzte, siebzehnte Pfründe. Die Einkünfte aus den Neustadter Pfründen und den Rheinzöllen reichten in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts nicht mehr aus, um die Professoren der höheren Fakultäten zu besolden. Aus diesem Grund überschrieb Friedrich I. der Universität die Patronatsrechte der Pfarreien Gundheim, Pfeffingen und Kallstadt. Allerdings wurden diese Pfarreien der Marienkapelle und nicht dem Heiliggeiststift inkorporiert.14 Aus dem bisher Gesagten wird ersichtlich, dass das Heiliggeiststift in seiner wirtschaftlichen Ausstattung und Genese in hohem Maße von der Gunst der Stifter und Landesherren abhängig war. Ausdrücklich gaben dies Universität und Stift in einem an den Papst geschickten Notariatsinstrument zu bedenken, als man sich hinsichtlich der Politik Friedrichs I. in der Mainzer Stiftsfehde (1461/62) in Rom positionieren musste. Neben den Kanonikaten war das Heiliggeiststift im Jahr 1413 mit zwölf Altarvikariaten ausgestattet, die auf verschiedene Stiftungen zurückgehen. In einer Urkunde Papst Martins V. (1417–1431) aus dem Jahr 1418,15 in welcher dieser die Verbindung von Universität und Stift sowie die Einrichtung der neuen Dekanatspfründe bestätigte, werden die Patrozinien der einzelnen Altäre und die Verteilung der Vikariate aufgeführt. Das erste und das zweite Vikariat entfielen auf den Heilig-Kreuz-Altar, das dritte auf den Katharinen-Altar, das vierte auf denjenigen, der Maria-Magdalena sowie Elisabeth und Birgitta geweiht war und einer Stiftung Matthäus’ von Krakau zuzuschreiben ist. Das fünfte Vikariat war dem den heiligen Peter und Paul sowie Barbara geweihten Altar,16 das sechste und siebte dem Sebastians-Altar, das achte dem Nikolaus-Altar und das neunte dem Marien-Altar zugeordnet. Die übrigen Vikariate entfielen auf andere Heidelberger Kirchen, nämlich die Peterskirche sowie die Marienkapelle. So war das zehnte Vikariat am Jodokus-Altar in St. Peter, das elfte und zwölfte am Dreifaltigkeits- und Heilig-Kreuz-Altar der Marienkapelle angesiedelt. Im Laufe des 15. und 16. Jahrhunderts traten weitere Altarstiftungen hinzu. Nachzuweisen sind die Patrozinien Martin,17 Antonius,18 Andreas,19 Cosmas und Damian20 sowie des Evangelisten Johannes21 und des Salvator.22 Letztgenannter Altar wurde 1507 von Konrad Schelling, Professor der Medizin und kurfürstlicher Leibarzt, gestiftet. Insbesondere Heidelberger Bürger oder Universitätsangehörige sowie deren Gönner traten als Stifter von Altarbenefizien auf. Der Vermögensgrundstock dieser Pfründen war natürlich unterschiedlich reichhaltig und wurde durch weitere Zustiftungen vermehrt. Die Altarstiftung des Theologen und Wormser Bischofs Matthäus von Krakau beruhte etwa auf Zehntrechten und Grundbesitz bei Amberg. Diese Einkünfte waren zuvor durch die Pfalzgrafen von allen Steuern und Abgaben befreit worden. Weitere regelmäßige Einkünfte waren mit den zahlreichen kurfürstlichen Seelgerätsstiftungen verbunden. Beispielhaft sei hier auf die 60 Gulden aus dem halben Frucht- und Weinzehnten der Pfarrei Wolfsheim und die 80 Gulden von Pfarrei und Zehnt zu Wieblingen verwiesen, die Ludwig III. zur Verfügung stellte. Diejenigen Chorherren und Vikare, die an den gottesdienstlichen Handlungen des Stifts teilnahmen, erhielten eine finanzielle Entlohnung. Diese Präsenzgelder wurden nach Schenkungen Ludwigs III. in den Jahren 1413/14 aus Zollanteilen zu Kaub und dem Patronat der Pfarrkirche von Wolfsheim bestritten. Friedrich I. besserte die Einkünfte 1469 auf, indem er 500 Gulden zum Ankauf von Grundbesitz zur Verfügung stellte. Einkünfte und Grundbesitz des Stifts entstammten also solchen Stiftungen, wurde von den Pfalzgrafen zur Verfügung gestellt oder durch Kauf erworben, so etwa bereits 1423 ein Drittel des Frucht- und Weinzehnten in Östringen.23 Ein Kapitelhaus, das auch dem Stiftsdekan als Wohnung dienen sollte, ließ Ludwig III. 1431 neu errichten. Bereits 1391 hatte Ruprecht III. dem Prediger ein Wohnhaus zugewiesen. 1467 wurde das Amt des Predigers durch Friedrich I. mit einem neuen Gebäude verbunden, das unmittelbar neben dem Kapitelhaus lag. Grundsätzlich genoss das Heiliggeiststift die üblichen kirchlichen Wirtschaftsprivilegien, von einigen Einschränkungen abgesehen. Die mit den Pfründen verbundenen Naturalieneinkünfte waren beim Transport von Zöllen befreit. Das Brücken- und Wegegeld musste jedoch weiterhin entrichtet werden. Auch behielt Grundbesitz, der vor dem Erwerb durch das Stift abgabepflichtig gewesen war, seinen steuerlichen Status bei. Ebenso fiel beim Ausschank von Wein das Ungeld an. Eine nicht unbedeutende Rolle spielte das Heiliggeiststift für die städtische Wirtschaft. Denn neben dem offensichtlichen Warenaustausch und der Inanspruchnahme von Dienstleistungen sind schon früh die noch heute an der Kirche vorhandenen Krambuden und Bäckereien nachweisbar. Sie waren um einen jährlichen Zins an die Stadt und einzelne Bürger verpachtet.24 Das Heiliggeiststift blieb aufgrund der engen Verbindung zur Universität bis zu seiner Auflösung recht gut ausgestattet. Anzeichen für einen erhöhten Geldbedarf sind erst in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts erkennbar, als das Stift über 200 Gulden aufnahm.25 Vermutlich ist diese Geldaufnahme aber im Zusammenhang mit dem Turmneubau zu sehen. Religiöses und kulturelles WirkenBereits vor seiner Königserhebung begann Ruprecht III. mit der Errichtung einer so genannten Capella regia, was sicherlich im Vorfeld seiner Wahl im August 1400 auch als Argument verwendet wurde. Man bediente bewusst die europäische Tradition der königlichen Kapellen, wie sie beispielsweise auch die um die Königskrone konkurrierenden Dynastien der Luxemburger und Habsburger in Prag und Wien eingerichtet hatten. Die Vollendung des Heidelberger Exponenten war freilich Ruprechts Sohn Ludwig III. vorbehalten. Das für die Idee der Capella regia grundlegende exemte Kollegiatstift wurde 1413 endgültig eingerichtet. Bereits 1411 war ein reicher Reliquienschatz von der Königinwitwe nach Heiliggeist übertragen worden, in dem sich auch die für eine Capella regia notwendigen Passionsreliquien befanden. Zuletzt galt es das Herrscherhaus in herausragender Weise zu repräsentieren und eine Grablege einzurichten. Den Grundstein dazu hatte Ruprecht mit seiner testamentarisch verfügten Beisetzung 1410 an zentraler Stelle im Chor gelegt. Damit etablierte er die Erbbegräbnisstätte für die kurfürstliche Familie. Bis 1686 sollten fast alle Mitglieder der pfalzgräflichen Familie im Chor beigesetzt werden. Die Glorifizierung des Herrscherhauses wurde durch eine ausgeprägte Pflege der Memoria unternommen, die bereits 1413 in der Stiftungsurkunde als eigenes Statut aufgenommen worden war.26 Es folgten dezidierte Seelgerätstiftungen Ludwigs III. zugunsten seiner königlichen Eltern sowie für sich und seine Gattin, die über das übliche Gedenken hinausgingen. Unter Friedrich I. – der für sich und seinen Bruder Ludwig IV. eine reiche Seelgerätsstiftung einrichtete – wurde die Heiliggeistkirche auch in das Gedenken an seine siegreichen Schlachten bei Pfeddersheim und Seckenheim integriert. Die Fahnen und Rüstungen der besiegten Gegner wurden hier aufgehängt, die Kirche selbst war Station einer Prozession durch die Kirchen der Stadt. Die elitäre Konzeption der Capella regia wirkte anziehend: Auch die Adelsgesellschaft zum Oberen Esel gedachte hier ihrer Verstorbenen. An der Westwand, die den südlichen Teil des Chorumgangs vom Langhaus trennt, befindet sich eine Wappenfolge, die im Wesentlichen die Zeichen verstorbener Eselsgesellen wiedergibt. Sie dürfte zwischen 1422 und 1450 geschaffen worden sein. Vielleicht befand sich in räumlicher Nähe zu ihr im Chorumgang ein Altar der Gesellschaft. Ebenfalls ihr geistliches Zentrum in der Heiliggeistkirche hatte die Gesellschaft St. Georgs mit dem Pelikan. Sie besaß den Charakter eines Hofordens und war auf ihren Gründer Kurfürst Ludwig IV. ausgerichtet und verortete ihre Memoria in der Heiliggeistkirche und hinterlegte dort auch ihre wichtigen Dokumente. Begräbnisse von Adeligen sind hingegen kaum nachweisbar. Bei den wenigen belegten handelt es sich um Gräber von Inhabern wichtiger Hofämter. Man wird deren Lage im Langhaus zu verorten haben. Mitglieder der Universität hingegen wurden im Chorumgang bestattet. Da wir fast ausschließlich Rektorengrabmäler kennen, dürften wohl nur herausragende Universitätsmitglieder hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Damit haftet allen Beisetzungen ein elitärer Charakter an. Selbstverständlich wurden für diese Professoren auch Messen gelesen, zudem gab es auch eine jährlich stattfindende Universitätsmesse. Auskunft darüber, wie die Liturgie im Allgemeinen gestaltet war, können einige in der Biblioteca Apostolica Vaticana erhaltene Handschriften geben, die mit hoher Wahrscheinlichkeit im Heiliggeiststift verwendet wurden.27 Nach ihnen scheint man weitestgehend dem in der Wormser Diözese üblichen Festkalender gefolgt zu sein. Neben dem Chordienst galt es zahlreiche Altäre und Pfarreien zu versorgen. Neben den bereits genannten Seelmessen für die pfalzgräfliche Familie und verstorbene Professoren sind auch bürgerliche Seelgerätsstiftungen nachweisbar. Eine besondere, da nicht allgemein übliche Institution, war die 1391 durch die Bruderschaft des Hofgesindes, unterstützt durch Ruprecht II. und Ruprecht III., gestiftete Prädikatur. Die reich ausgestattete Pfründe verpflichtete einen gut ausgebildeten Theologen zur Abhaltung eines Gottesdienstes mit einer volkssprachlichen Predigt. Die Mitte des 14. Jahrhunderts in Prag einsetzende Welle der Prädikaturstiftungen dürfte wohl durch biografische Kontinuitäten zwischen den beiden Universitäten von Böhmen nach Heidelberg getragen worden sein. Predigten der Prädikanten wie auch der Heidelberger Professoren sind in zahlreichen Handschriften und Inkunabeln erhalten geblieben. Überliefert sind aber nicht nur Predigten, sondern auch weitere Texte verschiedenster Art, die stellvertretend für die spätmittelalterliche universitäre Textproduktion stehen und teilweise auch in Editionen vorliegen. Durch die Verbindung mit der Universität waren viele Gelehrte der Hochschule gleichzeitig Kanoniker im Heiliggeiststift. Unter den Stiftsgeistlichen fanden sich zweifellos gelehrte Köpfe, aber kaum eigenständige Denker. Am bedeutendsten unter ihnen waren allgemein gesprochen – gemessen an der Rezeption ihrer Schriften – sicherlich die Theologen. Die von ihnen überlieferten Werke beschäftigen sich in erster Linie mit praktischer Theologie, wie Beichte und Buße, sowie aktuellen Fragen. Für diese steht beispielhaft das Wirken des Konrad Koler von Soest († 1437), der nicht nur für König Ruprecht in diplomatischen Diensten stand, sondern auch gemeinsam mit Job Vener († 1447) die ›Heidelberger Postillen‹ verfasste, mit denen die Reichsstände auf dem Frankfurter Fürstentag (1409) für die römische Obödienz gewonnen werden sollten. Dasselbe Ziel sollte mit den in veränderter Form zusammengestellten ›Dubia‹ auf dem Konzil von Pisa erreicht werden. Beide Versuche blieben erfolglos. Konrad nahm darüber hinaus auch am Konzil zu Konstanz teil, das – wie auch das Basler Konzil – von einer Abordnung der Universität und auch Kanonikern des Heiliggeiststifts besucht wurde, wenngleich diese keine maßgeblichen Impulse geben konnten. Gegen die Hussiten bezog Konrad Koler klar Stellung. Auf diesem Gebiet erreichten auch die Werke des Nikolaus Magni von Jauer († 1435) oder Johannes Lagenator von Frankfurt († 1440) eine gewisse Öffentlichkeit. Die letztgenannten nahmen auch an verschiedenen Ketzerprozessen teil, so gegen den Hussiten Johannes von Drändorf 1425, der mit dessen Todesurteil endete. Heidelberger Theologen und auch Kanoniker des Stifts sind im Verlaufe des Jahrhunderts immer wieder bei Prozessen dieser Art nachweisbar. Darüber hinaus wäre auch Johannes Wenck aus Herrenberg († 1460) zu nennen, der in mehreren Schriften einen theologischen Streit mit Nikolaus von Kues († 1464) ausfocht, und zuletzt Jakob Wimpfeling († 1528), der in seiner Heidelberger Zeit an der Artistenfakultät lehrte und besonders auf dem Gebiet von Rede und Poesie seine Spuren hinterließ. Allerdings sind seine literarischen Aktivitäten und sein Auftreten in den Heidelberger Humanistenkreisen geistesgeschichtlich höher einzuschätzen als seine Leistungen und Publikationen im universitären Kontext. Bibliothek und ArchivIn den ersten beiden Jahrhunderten ihres Bestehens muss die Heiliggeistkirche zumindest über liturgische Bücher verfügt haben. Unklar ist freilich, ob diese in einem eigenen Bibliotheksraum untergebracht waren oder schlichtweg im Chor aufbewahrt wurden. Nach Gründung der Universität im Jahr 1386 beginnen die Quellen zu fließen. Erstmals für 1391 ist ein armarium nachweisbar.28 Es befand sich wahrscheinlich im oberen, womöglich gewölbten Raum der Sakristei. Allem Anschein nach dürfte diese Büchersammlung noch nicht sonderlich umfangreich gewesen sein. Den Grundstock zu einer umfassenderen Bibliothek legte erst der Vollender des Stifts, Ludwig III. Bereits 1421 hatte er in einem seiner Testamente eine Bücherschenkung angekündigt, was 1436 in einem Kodizill konkretisiert wurde. Zwei Jahre später wurden die Bücher überstellt. Die 163 Handschriften befassten sich vorwiegend mit den in den oberen Fakultäten Theologie, Jura und Medizin zu lehrenden Themen – die Lehrinhalte der Artistenfakultät waren vergleichsweise schwach vertreten – und stellten gewissermaßen Grundlagenwerke ihrer Disziplinen dar. Das Profil der geschenkten Werke verdeutlicht, dass die Bücher für das Studium gedacht waren, nicht umsonst wird auch nicht das Stift als Empfänger genannt, sondern die Universität. Diese Bibliothek wurde wohl im oben genannten armarium aufgestellt. Mit der Fertigstellung der Emporen des Langhauses (s.u.) erhielten die Bücher wahrscheinlich in den 1460er Jahren ebendort ihren neuen Platz. Deponiert wurden die Bücher anfänglich auf fünf Pulten, um 1500 kamen fünf weitere Pulte hinzu. Insbesondere durch Legate Heidelberger Professoren wurde die Bibliothek bereichert. Auch die Bücher der während der Säkularisation aufgehobenen Klöster könnten in die Bibliothek der Heiliggeistkirche verbracht worden sein. Pfalzgraf Ottheinrich ließ bereits 1553 vor seinem Regierungsantritt als Kurfürst seine Privatbibliothek ebenfalls auf den Emporen der Heiliggeistkirche aufstellen. Mit Übernahme der Kurwürde 1556 ging er daran, Teile der Schlossbibliothek dorthin zu verbringen; für manche die Geburtsstunde der Bibliotheca Palatina, die schließlich während des Dreißigjährigen Kriegs mit weiteren Heidelberger Bibliotheken als Kriegsbeute in die vatikanische Bibliothek nach Rom überführt wurde. Die deutschsprachigen Handschriften der Palatina wurden 1816 nach Heidelberg zurückgegeben und liegen heute in der dortigen Universitätsbibliothek. 1388 richtete die Universität ihr Archiv in der Heiliggeistkirche ein. Eine Trennung zwischen dem Archiv der Hochschule und des später in der Kirche eingerichteten Stifts dürfte es nicht gegeben haben. Es bestand in einer kleinen Truhe, die wiederum, zusammen mit der Kasse der Universität, in der größeren Universitätstruhe untergebracht war. Anfangs stand Letztgenannte hinter dem Hochaltar, für die Mitte des 15. Jahrhunderts ist die Sakristei als Aufbewahrungsort belegt. 1557 wurde das Universitätsarchiv in das aufgehobene Augustinerkloster verlegt. Bau- und KunstgeschichteLageDie spätgotische Heiliggeistkirche wurde im 15. Jahrhundert anstelle eines hochgotischen Vorgängerbaus an der Westseite des Marktplatzes errichtet. Im Süden führt die Hauptstraße und im Westen die von der Hauptstraße abgehende Haspelgasse am Gebäude vorbei. Nördlich der Kirche erstreckt sich der Fischmarkt. Die wenigen Stiftsgebäude lagen an Marktplatz und Fischmarkt. KircheDie Heiliggeistkirche stellt mit ihrem weiten Hallenumgangschor, der in gleicher Höhe anschließenden dreischiffigen Emporenhalle und dem hochaufragenden Westturm ein außergewöhnliches Bauwerk von hohem künstlerischem Wert dar. Die in den Jahren 1863, 1885, 1936–1942, 1978–80, 1994/95 und 2006 durchgeführten Grabungen wurden nur unzureichend dokumentiert und ausgewertet. Sie brachten unter anderem die Fundamente eines hochgotischen Vorgängerbaus ans Tageslicht. Der Vorgängerbau dürfte von Kurfürst Ruprecht I. initiiert worden sein, der spätestens nach 1338 Heidelberg zu seiner Residenzstadt ausbaute und möglicherweise mit dem Neubau einer zentral gelegenen Stadtkirche die Gründung eines Kollegiatstifts vorbereitete. Vom Langhaus des hochgotischen Sakralbaus blieben die sechs Mittelschiffarkaden mit den nachträglich veränderten Pfeilern weitgehend erhalten. Ursprünglich zeigten die Pfeiler einen in Querrichtung verzerrten, unregelmäßigen, achteckigen Grundriss mit halbrunden, zum Mittelschiff und den Seitenschiffen vorgelagerten Diensten. Sie entsprachen in etwa den Langhauspfeilern der Wormser Liebfrauenkirche (nach 1290) und den Langhauspfeilern der Kaiserslauterer Stiftskirche (um 1325).29 Ihre heutige Gestalt erhielten die Mittelschiffpfeiler im Jahr 1705, als man die im Orléanschen Krieg (1689–1693) stark brandgeschädigten Pfeiler zu runden beziehungsweise ovalförmigen Stützen umarbeiten ließ.30 An das Langhaus schloss sich im Osten eine ungewöhnlich breite, in einem 5/8–Polygon endende Apsis an. Diese wurde von Anbauten flankiert, deren Außenwände mit den Seitenschiffwänden des Langhauses fluchteten. Noch vor der Stiftsgründung, wohl um 1398, wurde von Kurfürst Ruprecht III. der Bau eines neuen Chores veranlasst, für den man den seit der Mitte des 14. Jahrhunderts etablierten Bautypus eines Hallenumgangschores wählte. Der Binnenchor wird von hohen schlanken Rundpfeilern mit dorisierenden Kapitellen vom Chorumgang geschieden. Bemerkenswert ist die Unterteilung der drei östlichen Polygonwände in jeweils zwei Fensterachsen, wodurch der Blick auf die mittlere Wandvorlage und das von ihr aufsteigende Dreistrahlgewölbe gelenkt wird. In der Gestaltung des Außenbaus zeigt sich der Chor als mächtiger, kompakter Baukörper. Die in den Chorfenstern eingeschriebenen, aus Pässen und sphärischen Formen konstruierten Maßwerkmotive schöpfen aus dem Formenrepertoire des 13. und 14. Jahrhunderts. Eine nicht mehr vollständig erhaltene Inschrift im südlichen Seitenschiff nannte das Vollendungsjahr des Chores, das sich zwischen 1411 und 1420 eingrenzen lässt. Das südliche Chorseitenschiff wurde zunächst mit einer provisorischen Wand nach Westen abgeschlossen. Auf der Ostseite dieser Wand wurde um 1425 eine Wandmalerei angebracht. Zwischen die Triumphbogenpfeiler war ein Hallenlettner eingespannt, dessen Front sich in einer Dreierarkade zum einige Stufen tiefer liegenden Langhaus öffnete. Das an die nördliche Chorwand angrenzende zweigeschossige Annexgebäude ist der Baukampagne des Hallenchores zuzuordnen. Die im Erdgeschoss eingerichtete kreuzrippengewölbte Sakristei (sacristia) war einst an allen drei Außenwänden durchfenstert. Zu einer etwas späteren Bauphase gehört das östlich angebaute, gewölbte Räumchen, das ursprünglich nur von der Sakristei über einen kurzen Treppenabgang betreten werden konnte. Dieser von zwei kleinen hochliegenden Fenstern beleuchtete Raum scheint als Schatzkammer (tresaria, treskammer) gedient zu haben. Die Südwestecke der Sakristei wird von einem polygonalen Treppenturm eingenommen, der das Obergeschoss erschließt. Aufgrund der starken Überformung des Obergeschossraumes im 20. Jahrhundert, sind Aussagen zur mittelalterlichen Raumgestalt nicht möglich, eine Nutzung als Bibliothek (armarium) oder Archivraum scheint aber wahrscheinlich. Vor allem in der Frühzeit des Stifts dienten die sacristia und das armarium als Versammlungsorte der Universitätsangehörigen.31 In tresaria fand die feierliche Einführung des Rektors mit der Übergabe der Universitätsinsignien statt.32 Der Bau des neuen, sechs Joche umfassenden Langhauses wurde unter der Regentschaft Ludwigs III. (1410–1436) begonnen und scheint sich mit mehreren Bauunterbrechungen bis ins frühe 16. Jahrhundert hingezogen zu haben. Urkunden aus dem Jahr 1423 und 1426 nennen die Steinmetzen Hans Marx33 und Jörg34 als Werkmeister. Wie der an der nördlichen Außenwand am Übergang vom Chor zum Langhaus erkennbare Warteverband nahelegt, muss spätestens mit der Fertigstellung des Chores der Plan gefasst worden sein, die Langhausaußenwände in der Flucht des neu errichteten Hallenchores fortzuführen. Ferner lässt sich an der Gestaltung der Triumphbogenpfeiler ablesen, dass man zu diesem Zeitpunkt auch schon beabsichtigte, den neuen Chor an das schmale Mittelschiff des Vorgängerlanghauses anzuschließen. Die Beibehaltung der engen Arkadenstellung im Mittelschiff in Kombination mit den neu errichteten, herausgerückten Langhauswänden ermöglichte sehr breite Seitenschiffe und darüber großzügige Emporen, die sich ideal für die Aufnahme der Universitätsbibliothek eigneten. Als Zugang zur Nordempore diente der polygonale Treppenturm, der sich an die Langhausnordwand im zweiten Joch von Westen anlehnt. Zur Südempore führte ein in die Westfront eingelassener Treppenturm. Um 1441 (i) wurden in die provisorischen Chorabschlusswände auf Säulen ruhende, profilierte Scheidbögen eingelassen, die sich zu den Seitenschiffen des neuen Langhauses öffneten und damit Langhaus und Chor verbanden. Am Außenbau stellen an der südlichen Langhauswand die Fenster der unteren Fensterreihe mit ihren überstabten rechteckigen Rahmungen und den charakteristisch aufgebrochenen Maßwerkformen sowie der Verwendung von Rutenmaßwerk eine Besonderheit dar, deren Urheberschaft im Umfeld des Baumeisters Madern Gerthener († 1430) zu suchen ist. Gerthener wird auch eine Beteiligung am Ruprechtsbau des Heidelberger Schlosses zugeschrieben. Noch unter der Regierungszeit Ludwigs III. scheint man den Bau des Westturms begonnen zu haben. In einer ersten Bauphase erreichte der Turm eine Höhe bis zum Dachgesims. 1467 dürfte die Bauleitung an den Mainzer Werkmeister Nikolaus Eseler übergegangen sein.35 Nach einer Bauunterbrechung unbekannter Länge wurde der Turmbau im Jahr 1508 (i) fortgeführt und um 1515 vollendet. Zusammen mit dem Turm entstand die westliche Vorhalle, die bis zu den Zerstörungen im Orléanschen Krieg von einem figurierten Gewölbe mit hängendem Schlussstein überspannt wurde. Die beiden zweigeschossigen Nebenbauten des Turmes waren laut einer Inschrift an einem Fenstergewände des südlichen Annexbaus im Jahr 1517 weitgehend fertiggestellt. KonventsgebäudeIn der Frühzeit dienten dem Stiftskapitel als Versammlungsorte die Wohnungen des Stiftsdekans und des Stiftskustos.36 Im Jahr 1431 ließ Ludwig III. gegenüber der Kirche (Marktplatz 2) ein Kapitelhaus erbauen, in dem auch eine Wohnung für den Stiftsdekan eingerichtet wurde.37 Seit 1467 wurde ein dem Kapitelhaus benachbartes Hinterhaus vom Prediger bewohnt.38 Das Haus Fischmarkt 4 beherbergte die Stiftspfisterei. Auf der Stadtansicht von Matthäus Merian (1622) werden die Häuser Marktplatz 1, 2 und 3 als zwei hohe, giebelständige Gebäude dargestellt. Das Kapitelhaus (Marktplatz 2) schien mit einem dieser Gebäude unter einem Dach vereint gewesen zu sein. KapellenBis 1701 lehnten sich mehrere Kapellenbauten an das Langhaus an. In einer der Südkapellen, die an das dritte und fünfte Joch von Westen anschlossen, war der Altar zu Ehren der Hl. Dreifaltigkeit, der Hl. Katharina und der Hl. Barbara aufgestellt.39 Auf der Nordseite lehnten sich im zweiten, dritten und fünften Langhausjoch von Westen weitere Kapellen an, die durch niedrige Zwischenbauten miteinander verbunden waren. Die westlichste Kapelle war zweigeschossig angelegt. Der Marienaltar stand wohl im östlichsten Joch des südlichen Seitenschiffs. WandmalereienZwischen dem südlichen Langhausseitenschiff und dem südlichen Chorumgang wurde auf der Ostseite der Trennwand ein in vier Registern angeordnetes Wappenfresko gotischer Zeit (um 1425) freigelegt. Die Wappen lassen sich Mitgliedern der Gesellschaft zum Oberen Esel zuordnen. Eingeleitet wird die Wappenfolge von einem Bildnis der Gottesmutter mit vor ihr kniendem Hl. Georg. Im zweiten Mittelschiffjoch von Osten sind die Zwickel des Sterngewölbes mit musizierenden Engeln geziert. Darunter war der Kreuzaltar aufgestellt. Materielle Kulturgeschichte, BauausstattungAus der Stiftszeit blieben zehn Grabdenkmäler erhalten. Bedeutend ist die Tumbendeckplatte des königlichen Stifterpaares Ruprechts I. († 1410) und Elisabeths von Hohenzollern († 1411), auf der die im Hochrelief ausgehauenen, lebensgroßen Figuren der Verstorbenen jugendlich idealisierend dargestellt werden (Abb. 3). Die Arbeit datiert stilistisch in die Zeit des weichen Stils zwischen 1410 und 1430. BibliographieQuellen: Thoemes 1886; UB Universität Heidelberg; Rektorbücher Universität Heidelberg. Handbücher und Lexika: Dehio, Baden-Württemberg Bd. 1, S. 296–298 (Karin Stober); DI 12,4 (Renate Neumüllers-Klauser); KDM Bd. 8,2, S. 118–155 (Adolf von Oechselhäuser); kloester-bw, Kollegiatstift Heilig-Geist Heidelberg (Oliver Fieg); SKHB, S. 248–254 (Oliver Fieg). Literatur: Brunn 1950; Zahn 1953; 1960; Weisert 1980; 1981; Vetter 1988; Hanselmann 1997; Wagner 1999; Moers-Messmer 2001; Huthwelker 2009 (b); Hanschke 2015. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
| Personenbezüge: |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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