Heidelberg, Unbeschuhte Karmeliten
| Kurzbeschreibung: | 1701 Gründung – 1803 Aufhebung – 1809 Abbruch der Klosterkirche Patrozinium: Jakobus maiorOrdensgliederung: Deutsche Provinz, 1740 Kölner (Niederdeutsche) ProvinzKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Worms, Archidiakonat des Propstes von Neuhausen, Landkapitel Heidelberg |
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| Beschreibung: | Name: conventus Heidelbergensis F. F. Carmelitarum discalceatorum (18. Jahrhundert);1 Barfüßer Karmelitenkloster zu Heidelberg (18. Jahrhundert)2 GeschichteKurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz (1690–1716) genehmigte im Zuge seiner Rekatholisierungspolitik zunächst den →Beschuhten Karmeliten aus Weinheim eine Niederlassung auf dem Platz mit den Ruinen der katholischen Pfarrkirche St. Jakob am Friesenberg in Heidelberg. Die Gründung sollte auf eigene Kosten des Ordens erfolgen. Durch die Intervention der Kaiserin Eleonore Magdalena, Schwester Johann Wilhelms und den Unbeschuhten Karmelitinnen nahestehend, erhielten jedoch nicht die Weinheimer Karmeliten, sondern die Unbeschuhten Karmeliten der Deutschen Provinz in Wien am 5. Februar 1701 die kurfürstliche Zustimmung für die Niederlassung. Der Gründungskonvent aus dem Augsburger Kloster des Ordens traf Mitte März 1702 in Heidelberg ein. Ende April 1703 ernannte das Provinzkapitel den ersten Vikar für das Heidelberger Kloster, 1712 wurde erstmals ein Prior eingesetzt. Das Karmelitenkloster trat in Heidelberg zunächst über die Predigt in Erscheinung. Als Hort karmelitischer Josefsfrömmigkeit diente die Josefsbruderschaft, die seit 1721 mit dem Kloster verbunden war. Die Kurfürsten Karl Philipp (1716–1742) und Karl Theodor (1742–1799) sowie viele Persönlichkeiten des kurpfälzischen Hofes und katholische Honoratioren Heidelbergs gehörten zu deren Mitglieder. Zeitweise hatten die Unbeschuhten Karmeliten über die Seelsorge beträchtlichen Einfluss auf die kurfürstliche Familie. So geht die Ernennung des Hl. Josef zum Schutzpatron der Kurpfalz 1753 darauf zurück. Zumindest in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nahmen die Karmeliten in begrenztem Maße auch Aushilfen in der Pfarrseelsorge wahr. Bedeutung gewann das Heidelberger Kloster innerhalb der Kölner Karmelitenprovinz als Studienkonvent in den Jahren 1755 bis 1787. Mit der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 übernahmen auch Unbeschuhte Karmeliten theologische Professuren an der Universität Heidelberg. Besonders zu nennen sind die Patres Alexius a S. Aquilino (Johannes Andreas Eisentraut), Johannes a Cruce (Andreas Streit) und der Aufklärungstheologe Thaddaeus a S. Adamo (Thaddäus Anton Dereser). Seine eigentliche Bedeutung gewann das Heidelberger Karmelitenkloster als Grablege des kurfürstlichen Hauses sowie des katholischen Adels und Bürgertums Heidelbergs und der Kurpfalz. Eigene Grüfte unter dem Langhaus der Kirche hatten die Familien von Wiser und von Freudenberg sowie die Pfalz-Neuburger mit der fürstlichen Gruft (1735). Zuletzt fand in ihr 1794 die pfälzische Kurfürstin Elisabetha Augusta ihre vorletzte Ruhestätte. Im allgemeinen Grabgewölbe wurden hunderte Holzsärge aufeinandergestapelt. Mit der Funktion als Grablege war für die Karmeliten verstärkt das Totengedenken verbunden. Dieses brachte regelmäßige Einnahmen in Form von Messstipendien. Persönliche Trauerbegleitung spielte ebenfalls eine Rolle. Wegen Mangels an qualifiziertem Nachwuchs verzichteten die Heidelberger Karmeliten Ende der 1780er-Jahre ganz auf die Aufnahme von Novizen. Ab 1796 trat ein Verfall der Klosterdisziplin ein. Weitere Einschnitte im Klosterleben entstanden, als während des Krieges mit dem revolutionären Frankreich die Österreicher und ihre Verbündeten das Kloster als Proviantmagazin nutzten. Um die Jahrhundertwende wurden pfälzische Rekruten einquartiert. Mit Kurfürst Max Josephs Aufhebungsdekret vom 25. Januar 1802 erfolgte die landesherrliche Säkularisation aller Mendikanten- und nichtständischen Klöster im bayerischen Herrschaftsbereich. Am 31. März 1803 wurde das Heidelberger Kloster der Karmeliten aufgehoben. 1805 wurden die zehn in der Fürstengruft ruhenden Wittelsbacher in aller Stille nach München überführt; 200 Leichen aus der Krypta wurden 1806 ebenso geheim im Garten des Klosters verscharrt. Kirche, Kloster und Garten – ein Areal von etwa vier Morgen – wurden für 11.000 Gulden versteigert. Der Abriss der Klosterkirche erfolgte 1809, die Niederlegung des Kirchturms wurde als Volksbelustigung gestaltet. Archiv und Bibliothek des Klosters sind nicht überliefert.3 Wichtigste Quelle zur Klostergeschichte ist die deutschsprachige Chronik von P. Gregor Hertwig, die nach 1803 entstanden ist.4 Bau- und KunstgeschichteLageDas Kloster lag vor dem Oberen Tor in der östlichen Vorstadt, südlich der Hauptstraße am Steilhang des Königstuhls, unterhalb der Scheffelterrasse des Schlossgartens (Hauptstraße 238–248, Friesenberg 1–1a). Von Osten aus war das Kloster weithin sichtbar (siehe Abb. 1 der Einleitung zu Heidelberg). Es übernahm das Areal des abgegangenen St. Jakobsstifts, das 1387 als Studienhaus der Zisterzienser erbaut worden war, und die dort 1688 nach Entwurf von Heinrich Charrasky barock neugebaute katholische Pfarrkirche St. Jakob. Sie stand an der Abzweigung des bergauf führenden Wegs Friesenberg; 1693 war ihr Dachwerk abgebrannt. Das neue, in ungewöhnlicher Weise kreuzförmig angelegte Kloster schloss hangwärts nach Süden hin an. Zugänge führten nördlich der Kirche in den Wirtschaftshof und Garten, südlich der Kirche in den Vorhof des Klosters, ganz im Süden in den Küchenhof. Kirche und KonventsbautenDie Baugestalt der von den Karmeliten als Ruine übernommenen und wiederhergestellten Pfarrkirche St. Jakob ist durch einige Pläne und Ansichten überliefert. Reste älterer Baustrukturen sind nicht erkennbar; bei Grabarbeiten 1712/13 kamen jedenfalls Mauern der gotischen Kirche zutage.5 An der mit recht hohem Aufwand gebauten Kirche fehlte 1697 vornehmlich das Dach über den Gewölben von Altarraum (»Chor«) und Sakristei,6 aber auch über dem Schiff. 1700–01 wurde der Altarraum provisorisch abgetrennt und überdacht, am 15. Oktober 1701 konnte der erste Gottesdienst gefeiert werden, 1709 erhielt die Apsis zwei seitliche Fenster. 1712 wurde dann auch das Langhaus überdacht7 und mit einer großen Begräbnisgruft versehen.8 1715 war der Innenraum benutzbar; die Kirchweihe fand aber erst 1724 statt.9 Baumeister war der Karmelitenbruder Dominicus a S. Euphrosina aus dem Münchner Konvent.10 St. Jakob war eine breite Saalkirche mit 1764/65 erneuerter Orgelempore im Westen und einem großen, mit einer Apsis geschlossenen Altarraum im Osten, der seitlich von zwei quadratischen Türmen flankiert werden sollte. Zur Ausführung war nur der Nordturm gekommen, im Süden diente das mit entsprechend dicken Mauern gebaute Erdgeschoss als Sakristei. Im Turm hingen bis 1737 eine Glocke, dann drei.11 Im Altarraum standen der Hochaltar St. Jakob und zwei Seitenaltäre, zwei weitere Altäre wurden im Schiff vor den seitlichen Ostwänden aufgestellt. Insgesamt war der Innenraum ohne architektonischen Schmuck und ohne Ausmalung geblieben. Das Chorgestühl stand in einem Psallierchor im Obergeschoss der Sakristei.12 Die Neugestaltung der Sakristei, der zwei Chöre und der Bibliothek darüber wurde 1725 durch einen Stifter finanziert.13 Der Außenbau war – ungewöhnlich für eine Karmelitenkirche – sehr monumental und reich gestaltet (Abb. 2), in vielen Elementen ähnlich der späteren Jesuitenkirche, mit ionischen Rustika-Kolossalpilastern über einem Podium, die ein hohes, vielteiliges Gebälk trugen. Zwischen den Pilastern öffneten sich in eigentümlicher Weise in zwei Geschossen Fenster, in der unteren Zone vergitterte Rundbogenfenster, darüber hohe dreibahnige, barocke Maßwerkfenster mit einem strahlenförmigen Couronnement. Die vergleichbare Fensteranordnung an der frühbarocken lutherischen Providenzkirche in Heidelberg war dort von innen umlaufenden Emporen motiviert, die es hier nicht gab. Das von einer säulengetragenen Ädikula gerahmte Westportal wies in wiederum das Mittelalter evozierender Weise eine teilende Trumeausäule auf. Es wurde von großen steigenden Löwen bekrönt, die das kurpfälzische Wappen mit der Stifterinschrift Kurfürst Philipp Wilhelms von 1688 präsentierten. Der Giebelaufbau besteht oberhalb einer Blendbalustrade aus einer mittleren Ädikula mit Pilastern korinthischer Ordnung und einem Tempelgiebel; die Statue des Hl. Jakob wurde erst 1781 eingefügt. Seitlich waren ungewöhnliche, glatte Viertelkreisgiebel angeschoben, die unten mit einer Volute endeten und ovale Dachraumfenster aufnahmen. Das Kirchenschiff wurde mit einem großen Mansarddach überspannt, wie es damals auch →Jesuitenkirche und →Heiliggeistkirche erhielten. 1776 wurde entsprechend veränderten ästhetischen Ansprüchen der Innenraum weiß gestrichen und mit helleren Glasfenstern versehen; 1781 ließen die Karmeliten dann auch den steinsichtigen Außenbau zu Straße und Hof hin verputzen und weiß anstreichen. Die ersten beiden Brüder hatten zunächst den späteren Psallierchor als Wohnung einrichten lassen, dann ein Wohnhaus nördlich der Kirche erworben, das »auf Klosterart« umgebaut wurde, mit Küche und Refektorium im Erdgeschoss, Mittelgang und sechs Zellen im Obergeschoss.14 1706 konnte auch eine Klostermauer gebaut werden,15 und 1712 wurden Haus und Kirche mit einem hölzernen Gang verbunden.16 Für den kreuzförmig angelegten, schmucklosen Klosterbau legte dann Kurfürst Karl Philipp am 25. November 1718 den Grundstein, dessen Inschrift überliefert ist.17 Er selbst hatte den Bauplan genehmigt. Der Neubau war schon im folgenden August im ersten Bauabschnitt unter Dach.18 Die dreigeschossigen Klosterbauten schlossen mit ihren drei Trakten kreuzförmig an das ältere Wohnhaus an. Wegen des ansteigenden Hangs wies der Neubau im Erdgeschoss zumeist nur Lagerräume auf. Zwischen Kirche, Nord- und Westtrakt befand sich der Vorhof. Der kurze Nordtrakt setzte an Sakristei und Psallierchor an; an seinem Südende knickte er zur Gelenkstelle der hangparallel stehenden Anlage hin um. In diesem Trakt befanden sich die Klosterpforte, die Pförtnerzelle und die kleine Sakristei.19 Der langgestreckte Osttrakt nahm das Haupttreppenhaus und die Zellen des Konvents sowie der auswärtigen Mönche auf. 1718 waren zwölf Zellen gebaut worden, 1728 acht weitere, 1760/61 nochmals acht und die Aborte am Ostende;20 vermutlich war seine Verlängerung nach Osten schon geplant. Alle Zellen waren mit Öfen versehen. Im kurzen, zum Hang gerichteten Südtrakt befanden sich die Küche und das kreuzgewölbte, 1722 getäferte Refektorium, über dem 1728 ein Saal eingerichtet wurde.21 1755 wurde dieser Saal zum Unterrichtsraum für das Ordensstudium umgestaltet.22 Der Westtrakt entstand 1762 anstelle des ersten, als Kloster genutzten Wohnhauses; im Erdgeschoss erhielt er ein neues Winterrefektorium;23 das Obergeschoss wurde später zur Priorenwohnung ausgebaut. Süd- und Westtrakt sind im heutigen Baubestand noch erhalten; sie umschlossen ursprünglich den Küchengarten. Der Vorhof wurde ab 1763 nach Westen hin durch einen fünften, ebenfalls dreigeschossigen Gebäudetrakt abgeschlossen, der als Infirmarie gedacht war, aber bis 1805 nur im Erdgeschoss zur Waschküche eingerichtet worden war.24 Die Kirche umgab ein Wirtschaftshof, zu dem Stall und Remise gehörten. Die Gartenanlage im Osten war nach einem Zukauf 1727 sehr groß und wurde aufwändig terrassiert. Sie war von einer Mauer umschlossen und erstreckte sich nach Osten fast bis an das Karlstor.25 Die Kirche wurde 1805–09 abgebrochen, ihr Platz und das große Gartenareal im 19. Jahrhundert mit Villen überbaut; Teile des barocken Klosters sind in einem Neubau von 1901 erhalten. Materielle Kulturgeschichte, BauausstattungDie künstlerische Ausstattung der Kirche lag bei Handwerkern aus dem unmittelbaren Umkreis der am Hof tätigen Künstler. 1722 stiftete Pfalzgräfin Elisabeth Augusta einen neuen, angemessen großen Hochaltar St. Jakob aus der Werkstatt von Hofschreiner Sigmund Zeller.26 1728 finanzierte der Kurfürst den mit aufwändiger Architektur geschmückten Altar St. Joseph links vom Triumphbogen,27 1753 wurde diesem gegenüber ein gleichartig zu gestaltender Marienaltar gestiftet;28 beide Altäre gelangten 1809 nach Malsch und sind 1972 bis auf zwei Figuren verbrannt. Der Josephsaltar mit einer Statuengruppe mit Joseph und dem Jesuskind gehörte in der Kurpfalz zu den bedeutendsten Altarwerken dieser Epoche. Um 1736 ließ der Konvent die zwei Nebenaltäre der Hll. Johannes vom Kreuz und Johannes Nepomuk im Altarraum errichten;29 zwei Altarfiguren gelangten nach St. Leon.30 Alle Altäre und die Kanzel waren holzsichtig geblieben und wurden erst 1754 bzw. 1776 gefasst.31 Um 1755 erhielt die Kirche eine neue Kanzel mit Rocailledecor, die zunächst in St. Leon, heute in der →Mannheimer Jesuitenkirche weitergenutzt wird. Die Kommunionbank steht in der →Heidelberger Jesuitenkirche. 1735 wurden vor dem Hochaltar eine Gruft für die Grablegen der Wittelsbacher sowie eine davon abgeteilte für die Gräber der Karmeliten eingebaut;32 sie war zugänglich und mit einem Altar ausgestattet.33 Liturgische Geräte und Paramente werden in der Chronik Hertwigs vielfach erwähnt; ihr Verbleib ist nicht erforscht. BibliographieQuellen: Maesel 1998. Handbücher und Lexika: KDM Bd. 8,2, S. 115 f. (Adolf von Oechelhäuser); kloester-bw, Karmeliterkloster Heidelberg (Markus A. Maesel). Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
| Personenbezüge: |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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