Handschuhsheim, Schwesternsammlung »in der Klause«
| Kurzbeschreibung: | vor 1475 Gründung – nach 1575 Aufhebung Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Worms, Archidiakonat des Propstes von Neuhausen, Landkapitel Weinheim |
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| Beschreibung: | Name: die cluisenerin, an der clusen (1475);1 muotter und schwestern der clusen zuo Hentschußheym (1480);2 den geystlichen jungffrauwen […] den clusenern zcu Hentschuscheym (1483);3 domorum conversarum et ordinis sancti Augustini [...] Henczesheim (1491)4 GeschichteDer älteste schriftliche Beleg für die Klause findet sich in einer Urkunde vom 13. November 14755 über eine Erbteilung zwischen Mitgliedern der niederadligen Familie von Handschuhsheim, den Brüdern Heinrich (VI. – bzw. dessen Witwe und Kindern) und Dam (I.). Von den Zinsen, die Heinrichs († 1470?) Kindern zustehen, schulden zehen schilling heller und drij cappen die cluisenerin von einem gartten gelegen an der Clusen, uf die ander sijten Scheffeners hoff (der Lorscher Hof). Die Gründung des Klösterchens dürfte wenig früher erfolgt sein. Sehr gefördert, wenn nicht gar gestiftet wurde die Gemeinschaft von Dieter (V.) von Handschuhsheim (1430–1487), der den Pfälzer Kurfürsten in hohen Ämtern diente. Seine Vettern Heinrich und Dam gehörten vielleicht ebenfalls zu den Wohltätern. Die Urkunden verwenden für die Klausnerinnen die Formeln »Mutter und Schwestern« bzw. »Mutter und Konvent« oder nennen sie zusammenfassend »(geistliche, andächtige, ehrbare, würdige) Jungfrauen«. Im Register des Gemeinen Pfennigs von 1496 heißen die Klausnerinnen bygatte (die nihil dederunt),6 in einem Rentbuch der Weinheimer Deutschherren von 1580 begeinen,7 in rückschauenden Texten überwiegend »Nonnen«. Die Frauen selbst bezeichnen 1487 den Prior der Augustinerchorherren von Groß-Frankenthal als ihren Visitator und Kommissar,8 damit erscheinen die Handschuhsheimer Schwestern im Umfeld der Augustinerchorherren, ohne dass sie als Chorfrauen im engeren Sinne bezeichnet werden könnten. 1491 berichtet Papst Innozenz VIII. (1484–1492), Mütter und Schwestern mehrerer südwestdeutscher domorum conversarum et ordinis sancti Augustini, darunter des Hauses in Henczeshem, hätten um die Bestätigung ihrer Statuten und sonstiger Rechte gebeten, und überträgt diese Aufgabe dem Mainzer Erzbischof. Er kam dem Mandat 1493 nach.9 Die wenigen bekannten Familiennamen von Müttern (2) und Schwestern (4) sprechen für nicht-adlige Herkunft ihrer Trägerinnen; mindestens drei von ihnen stammten von auswärts. Welchen Tätigkeiten – abgesehen von der Teilnahme am Gottesdienst, von Gebet und Andacht – die Frauen nachgingen, ist nur unzureichend dokumentiert. Zwei späte Urkunden geben aber Hinweise. Mit einem 1562 in der Klause hinden in dem pfrund stüblein errichteten Notariatsinstrument10 macht ein Mann aus Abtsteinach Mutter und Konvent zu seinen Alleinerben. Sie hatten den Testator und seine inzwischen verstorbene Frau 1542 aufgenommen und seitdem versorgt, dafür von den Eheleuten bereits zwei Wingerte erhalten. Kurfürst Friedrich III. (1559–1576) bekundet 1574,11 dass Mutter und Konvent seit etwa 40 Jahren eine hinterlassene Tochter des Pfälzer Baumeisters Cuntz Schreck, einen armen breschthafften menschen, unterhalten haben, und verbessert die ehedem von Kurfürst Ludwig V. (1508–1544) geregelte Entschädigung der Klausnerinnen. Ihre soziale Arbeit kam sicherlich nicht nur Pfründnern und Kranken zugute. In weltlichen Geschäften stand den Frauen ein Schaffner zur Seite, der von 148312 bis 156813 bezeugt ist. 1475 ist nur der erwähnte Garten als Besitz der Klause zu fassen. Ihr Grundeigentum gewann jedoch einen beachtlichen Umfang. 1480 verkaufte ihr Dieter von Handschuhsheim Güter und Renten zu Mörstadt (nordwestlich von Worms),14 die er im selben Jahr von dem Ritter Götz von Adelsheim erworben hatte.15 Laut Renovation von 152816 gehörten zum Hofgut Mörstadt 321 Morgen Ackerland und 8 Morgen Wiesen. Die Ländereien verteilten sich auf mehrere Betriebe.17 Mit der Urkunde von 148718 erklären die Frauen, dass (der vier Monate zuvor verstorbene) Dieter ihnen seinen Hof zu Heddesheim mit allen Rechten testamentarisch vermacht hat. Die Beschenkten verpflichten sich, einen Teil der Erträge an die Handschuhsheimer Geistlichkeit und an Arme weiterzureichen und damit das Gedächtnis Dieters und seiner Familie zu sichern. Dieter hatte die Heddesheimer Güter 1486 von Ruprecht von Erligheim und seiner Frau gekauft.19 Dazu zählten ein 185 Morgen großes Baugut und ein Hubgericht, aus dem Geld- und Naturalzinse flossen. Zinspflichtig war auch die Gemeinde Heddesheim für ca. 60 Morgen Pachtland.20 Über das Hubgericht und die Rolle der junckfrawen als gerichtsher unterrichtet ein undatiertes Weistum.21 Die Eigengüter und Zinseinkünfte der Frauen in der heimischen Gemarkung wurden vom Dorfgericht 1549 renoviert:22 Die Liegenschaften bestanden aus 81 Morgen Äckern, 4 Morgen Wingert und 3 Wiesenstücken. Überdies besaß die Klause Teilweingärten zu Handschuhsheim und Äcker zu Ladenburg.23 Dass sie über Geldmittel verfügte, drückt sich in Gültkäufen aus.24 Zwei Jahrzehnte nach der Einführung der Reformation in der Kurpfalz ging die Klause in einer neuen Einrichtung auf, dem Handschuhsheimer Waisenhaus. Der Ablauf ist nicht ganz klar. In Friedrichs III. Urkunde von 157425 kündigt sich noch keine Veränderung an. Nach herrschender Auffassung wandelte Friedrich im Jahre 1575 den Lorscher Hof in ein Waisenhaus um und stattete es mit den Gütern und Einkünften des Hofes und der Klause aus. Möglicherweise hatten die Klausnerinnen schon früher Waisen zu betreuen.26 Die Ordnung des Waisenhauses erhielt erst 1588 eine festere Form.27 Jedenfalls behielten ehemalige Konventualinnen über 1575 hinaus ihren angestammten Wohnsitz, so die langjährige Mutter Margareta Liebin, die 1577 in der Klause als Zeugin in einem Prozess vernommen wurde,28 und Margareta Mutschlerin, die bis 1589 einen Leibgedings-Wingert von der Klause aus bewirtschaftete.29 Besonders irritiert, dass noch 1587 und 1595 in Handschuhsheim (!) und Unterlaudenbach Gülten an die Mutter Anna Meyßin und den Konvent verkauft wurden.30 Bau- und KunstgeschichteDie Klause lag am südwestlichen Rand des Dorfes Handschuhsheim westlich der Pfarrkirche St. Vitus (und Georg) in den zu Anfang des 20. Jahrhunderts bebauten »Nonnengärten« etwa an der Stelle der heutigen Häuser Steubenstraße 59–63. Nachbar im Süden war der »Lorscher Hof«, Sitz eines Schaffners der Prämonstratenser von Lorsch. Die Klause stand am Fuß eines schwach nach Südwesten geneigten Hanges. Die Lage erleichterte es, Trinkwasser vom Schlossbrunnen (bei der Tiefburg) zum Kloster zu leiten, was die Gemeinde den Frauen 1509 gestattete. Eine später entstandene irrung wurde 1537 geschlichtet.31 Kurz darauf überließ die Gemeinschaft ein Drittel des Wassers aus irer wasserstuben dem Lorscher Schaffner.32 Bei Unwettern drohten Überschwemmungen. Ein Streit zwischen der Klause und ihrem Lorscher Nachbarn um die Abführung des aus der heutigen Pfarrgasse herabströmenden Wassers endete 1512 mit einem Vergleich.33 Über die bauliche Gestalt der Klause wissen wir fast nichts. Eine Kapelle gehörte wohl nicht zum Haus, als Gottesdienstraum diente die Pfarrkirche. Inwieweit diese bei Kämpfen zwischen Kurpfalz und Kurmainz (Schauenburger Fehde 1460) beschädigt wurde, ist ungewiss. Vielleicht war nur der Turm betroffen, dessen westliche Hälfte damals neu aufgeführt worden sein dürfte. Um die gleiche Zeit wurde das nördliche Seitenschiff der bisherigen Basilika unter Beseitigung der Arkaden auf die Höhe des Mittelschiffs gebracht, bis zur Turmflucht nach Westen verlängert und hier mit einer Empore versehen. Die bei der Erweiterung der Kirche nach Norden (1933/34) entfernte Empore wird gewöhnlich als Nonnenchor interpretiert. In der Westwand sitzen außen übereinander auf Boden- und auf Emporenniveau die Rahmen zugemauerter Pforten. Die obere war vermutlich ein Sondereingang für die Klausnerinnen – erreichbar über eine hölzerne Außentreppe oder (weniger wahrscheinlich) über eine vom Schwesternhaus herüberführende gedeckte Brücke. Der Umbau des Langhauses, den die Klostergründung veranlasst haben mag, war nach Ausweis des Scheitelsteins des ehemaligen Nordportals wohl 1483 beendet. Der Stein zeigt außer der Jahreszahl das Wappen der Herren von Handschuhsheim. Die Familie dürfte die Baukosten getragen oder mitgetragen haben.34 Dazu fügt sich, dass unter der Nonnenempore bis 1933/34 das Grabdenkmal Dieters (V.) von Handschuhsheim und seiner zweiten Gemahlin Margarete von Franckenstein († 1483), begraben bei den →Heidelberger Barfüßern, platziert war.35 Am Ende des Dreißigjährigen Krieges war das closterhauß […] ruiniret.36 Anders als dann geplant, wurde es nicht zum reformierten Pfarrhaus37 und verschwand im späteren 17. Jahrhundert. Oberirdische Reste sind nicht vorhanden. Beim Bau des Hauses Steubenstraße 61 stieß man auf gewölbte Keller,38 die der Klause zuzuordnen sind. Ein 2001 weiter nördlich entdeckter Keller rührt entgegen erster Vermutung39 offenbar nicht von der Klause, sondern von einem nach 1840 erbauten und 1878 abgerissenen Haus her. Weiterhin in Geltung ist der spätestens seit 1600 belegte40 Name »Klausenpfad« für einen Weg bzw. eine Straße abseits des ehemaligen Klösterchens. BibliographieHandbücher und Lexika: KB Heidelberg/Mannheim Bd. 2, S. 105, 108, 110 (Meinrad Schaab); KDM Bd. 8,2, S. 30–60 (Adolf von Oechelhäuser); kloester-bw, Augustiner-Chorfrauenstift Handschuhsheim (Thorsten Huthwelker); SKHB, S. 267 f. (Joachim Dahlhaus). Literatur: Kemper 2006. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
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