Heidelberg, Dominikanerterziarinnen 

Kurzbeschreibung:

1720–1724 Gründung – 1802 Aufhebung – 1853/1901 Abbruch der Klosteranlage

Patrozinium: Katharina von Siena
Ordensgliederung: Provinz Teutonia, Nation Brabantia
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Worms, Archidiakonat des Propstes von Neuhausen, Landkapitel Heidelberg

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Dominikanerterziarinnen 1720-1802
Beschreibung:

Name: priorin und armes convent dritten ordens Sti. Dominici und Catharinae Senensis de paenitentia zu Heydelberg in der Plöcke (1725);1 sogenannte weise nonnen (1802)2

Geschichte

Seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert herrschte wieder ein katholischer Kurfürst über die Pfalz, was auch für die Residenzstadt Heidelberg nicht folgenlos blieb. So erhielt die Adelige Susanna von Mansbach im Jahr 1720 von Pfalzgraf Karl Philipp (1716–1742) die Erlaubnis zum Bau eines Klosters, ein Jahr später erfolgte auf dem Generalkapitel die Aufnahme in den dritten Orden der Dominikaner. Susanna hatte schon 1708 die Profess abgelegt und weitere Schwestern um sich gesammelt, mit denen sie als erste Priorin das 1724 fertiggestellte Kloster in der Plöck (Ecke Schießtorstraße) bezog. Als Ordenstracht trugen die Frauen nun den weißen Habit, später auch den schwarzen Schleier. Bald nach Bezug des Klosters kam es wegen des Visitationsrechts zum Konflikt mit dem Wormser Ordinariat. Der Widerstand der Schwestern hatte die zeitweilige Schließung der Kirche und den Entzug des Allerheiligsten zur Folge. Der Protest beim Kurfürsten hatte keinen unmittelbaren Erfolg, erst sieben Jahre später durfte die Kirche wieder öffnen. Seit 1747 verrichteten die Schwestern das Chorgebet, drei Jahre später wurde ihr Kloster der heiligen Katharina von Siena geweiht. 1754 berichtete der Provinzial, das Kloster unterstehe dem Bischof, die geistlichen Funktionen würden aber von den Dominikanerpatres ausgeübt. Im Jahre 1767 wurde die Klausur angenommen.

Infolge der Revolutionskriege mussten die Dominikanerinnen im Jahr 1794 ihr Kloster verlassen, das vom Militär beansprucht und als Feldapotheke genutzt wurde. Die Auflösung des Klosters erfolgte 1802. Die sechs Chorschwestern erhielten ihr eingebrachtes Vermögen zurück, wohingegen die vier Laienschwestern die geplante Unterbringung im katholischen Spital verweigerten. Die letzte Priorin, Ludovica Kittner, ging zusammen mit zwei Schwestern nach Osterburken, wo sie neun Monate später verstarb.

Die Grundstücke des Klosters in der Plöck erwarben die Dominikanerinnern für mehrere Tausend Gulden, für den Bau sammelten sie weiteres Geld. Gerade in der Anfangszeit kam es zu reichen Stiftungen, unter anderem durch die Freifrau Anna Maria von Sternegg. 1736 und 1737 kauften die Schwestern zwei weitere Häuser in der Plöck. Die beiden Gartenkäufe 1768 waren durch die Annahme der Klausur im vorherigen Jahr bedingt.3 Dies verstärkte die kontemplative Lebensweise der Heidelberger Dominikanerinnen, die sich anders als die Augustinerchorfrauen in →Heidelberg und →Mannheim nicht der Mädchenbildung widmeten. Über den Verbleib der Bibliothek ist nichts bekannt, das Kloster betreffende Archivalien finden sich heute im Generallandesarchiv Karlsruhe.

Bau- und Kunstgeschichte

Das Kloster stand im Südteil der Neustadt beim Schießtor, zwischen Plöck, Schießtorgasse und Stadtmauer. Nach dem Grunderwerb 1720 konnte der Neubau begonnen werden; eine Bauinschrift von 1724 ist erhalten. Auf der Stadtansicht von 1763 ist ein großer zweigeschossiger Klosterbau dargestellt, mit östlich unter dem gleichen Mansarddach anschließender Kirche. Diese wies zwei Achsen mit großen Fenstern und einen polygonalen Altarraum auf, der den Hochaltar und zwei Nebenaltäre aufnahm. Im Westen schlossen fünf zweigeschossige Achsen mit schmalen, langgestreckten Fenstern an, hinter denen wohl der Nonnenchor lag. Über der Grenze von Chor und Laienraum erhob sich der kleine Dachreiter. Das zweigeschossige Klostergebäude setzte den Kirchenraum in Breite und Höhe fort; das Dach läuft ohne Absatz durch. Es wies zehn Fensterachsen auf. An die Kirche schloss ein kurzer eingeschossiger Querflügel an. Im Süden des Klosterareals befand sich ein großer, 1737 und 1768 erweiterter Garten an (ab 1875 überbaut). Die zuletzt als Spital genutzten Klostergebäude wurden 1853 und 1901 für einen Schulneubau abgebrochen. Der heutige neobarocke Kirchenraum wurde anstelle der Klosterkirche neugebaut, zeitweise als Schulaula genutzt, 1936 rekonsekriert (anglikanische/altkatholische Erlöserkirche).

Von der Ausstattung sind in der Kirche zwei Grabplatten von Stifterinnen aus Mannheim erhalten. Zwei barocke Säulenaltäre der Hl. Maria sowie der Hll. Joseph und Johannes Nepomuk sind in die Kirche in Dielheim gelangt; es handelt sich um die ehemaligen Nebenaltäre der Klosterkirche.

Bibliographie

Handbücher und Lexika: Denkmaltopographie HD 2013 Bd. 1, S. 411 (Melanie Mertens); KDM Bd. 8,2, S. 114, 118, 228 f., 268 (Adolf von Oechelhäuser); kloester-bw, Dominikanerinnenkloster Heidelberg (Andreas Büttner).

Literatur: Niestroj 1996.

Anmerkungen

  • 1 GLA 204 Nr. 1969.
  • 2 Zit. n. Niestroj 1996, S. 127 f.; Kayser 1733, S. 92 (1732).
  • 3 GLA 43 Nr. 3129 f., 3132 f
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Andreas Büttner [Autor]
  • Matthias Untermann [Autor]
Suche
Durchschnitt (0 Stimmen)