Neuburg, Benediktiner 

Kurzbeschreibung:

um 1130 Gründung als Benediktinerkonvent – 1145 Propstei der Benediktinerabtei Lorsch – 1195 Benediktinerinnen – 1224/1303–1459 Zisterzienserinnen – zwischenzeitlich 1224–1294 Dominikanerinnen – 1425 gescheiterte Umwandlung in einen Kartäuserkonvent – um 1459 Benediktinerinnen – 1572 Heirat der letzten Nonne und damit Auflösung des Konvents – 1622–1631 Jesuiten – 1671–ca. 1681 adliges protestantisches Damenstift – 1706/09–1773 Heidelberger Jesuiten – 1781 Lazaristen – 1801 Aufhebung – seit 1926 Benediktiner aus Beuron

Patrozinium: Bartholomäus
Ordensgliederung: Propstei der Benediktinerabtei Lorsch; Zisterzienserinnen, Paternität Schönau; Benediktinerinnen, Bursfelder Kongregation; Benediktiner der Beuroner Kongregation
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Worms, Archidiakonat des Propstes von Neuhausen, Landkapitel Heidelberg; 1821/27 Erzbistum Freiburg

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Benediktiner 1130-1195
  • Benediktinerinnen 1195-1303
  • Dominikanerinnen 1287-1294
  • Zisterzienserinnen 1224-1459
  • Benediktinerinnen 1459-1572
  • Jesuiten 1622-1631
  • Adliges protestantisches Damenstift 1671-1681
  • Jesuiten 1706-1773
  • Lazaristen 1781-1801
  • Benediktiner 1926
Beschreibung:

Name: cella Niwemburg (1130);1 abbatisse et conventui sanctimonialium ecclesie sancti Bartholomei in Nuwenburg Cisterciensis ordinis (1224);2 cenobii sanctimonialium apud Neuenburch […] sub regula beati Benedicti (1224);3 abbatissa et congregatio sororum in Nuwenburg, Wormatiensiens dioec. (1287);4 Nuwenburg grawes ordens von Citele in Wormsser bischtum gelegen (1379);5 closter zu Nuenburg, obwenig Heydelberg gelegen, sant Benedictus orden (1463);6 Stift Neuburg (1681)7

Geschichte

Historische Entwicklung

Neuburg wurde nach dem Lorscher Codex um 1130 von einem Adeligen namens Anselm gegründet, vermutlich auf (s)einer Burganlage zwischen Neckar und Mausbach im Bereich des heutigen Heidelberger Stadtteils Ziegelhausen als Männerkonvent in Form einer Propstei des Klosters Lorsch.8 Anselm wurde anschließend wohl dort Mönch. 1165 erfolgte durch Lorsch die Neubesiedlung des inzwischen verwaisten Klosters mit zusätzlicher Dotierung. 1195 wurde Neuburg von Abt Sigehard von Lorsch auf Wirken des Staufers Pfalzgraf Konrad (1156–1195) und seiner Frau Irmingard von Henneberg in ein Benediktinerinnenkloster umgewandelt, obwohl Konrad wohl nicht als Vogt Neuburgs gelten kann.9 Es unterstand bis 1232 der Aufsicht Lorschs, dessen Abt die Äbtissin Gehorsam geloben sollte. Der Konvent sollte bei der Wahl des Beichtvaters jedoch frei sein. Nach der Ablösung von Lorsch, das selbst 1232 dem Erzbischof von Mainz unterstellt wurde, stand Neuburg von 1242 bis Anfang des 14. Jahrhunderts unter der Aufsicht des Bischofs und Domkapitels von Worms. Es folgte der zisterziensischen Lebensweise vielleicht schon ab 1224, sicher jedoch um 1303. 1287 beauftragte der Kardinallegat Johannes Boccomazza den Provinzialprior der Teutonia damit, Neuburg die Augustinusregel zu verleihen und der Visitation der Dominikaner zu unterstellen.10 Für 1288 ist dann auch eine Betreuung durch den Wormser Dominikanerkonvent nachweisbar. Eine Appellation von 1294 lässt rückschließen, dass der Wormser Bischof und der Abt von Schönau die Annäherung an die Dominikaner verhindern wollten.11 Letztlich waren sie damit erfolgreich und Anfang des 14. Jahrhunderts lag die Betreuung von Neuburg beim →Zisterzienserkloster Schönau.12 Ab 1305 sollte das Kloster den Beichtvater unter Zustimmung des Wormser Bischofs nur aus dem eigenen Orden wählen. Noch 1447 wird es als zisterziensisch bezeichnet.13 Dem Zisterzienserorden inkorporiert war es wohl nicht, dagegen sprechen die beständigen Reformversuche und die Protagonisten der Reformen, die keine zisterziensischen Ordensleute involvierten. Um 1459 wurde das Kloster nach Maßgaben der Bursfelder Union reformiert. 1463 wurde es benediktinisch genannt.14 1478 bezeichnete sich das Kloster als s. Benedicten orthens der observanz angehörig, spätestens 1480 erfolgte der Anschluss an die Bursfelder Kongregation.

Sowohl bei der 1425 geplanten und nicht umgesetzten Umwandlung in ein Kartäuserkloster und der damit verbundenen Translozierung der Nonnen nach →Lobenfeld als auch bei der (Rück-)Umwandlung in einen Benediktinerinnenkonvent und dem Anschluss an die Bursfelder Union war der pfalzgräfliche Landesherr Initiator. In beiden Fällen war der Bischof von Worms als Ausführender involviert, im zweiten Fall unter Beteiligung des Abtes von St. Jakob zu Mainz, das der Bursfelder Kongregation angehörte. 1468, also nach der Reform und der Abkehr von zisterziensischer Zuschreibung, stammte der Beichtvater trotzdem aus der Zisterze Schönau; 1505 aus dem bursfeldischen Kloster Sponheim.15 Der Karmelit Vitus Strobel war von 1531 bis mindestens 1546 als Beichtvater tätig.16

1360 wurde die Höchstgrenze des Klosters auf 20 Personen festgelegt. Die genannten Konventualinnen entstammten meist dem Adel oder der Ministerialität und dem Umfeld der Pfalzgrafen (Ulner von Dieburg, von Lomersheim, von Erligheim,17 von Helmstatt). Auch Töchter von Funktionsträgern der Region waren im Kloster, so Eva Bonnin 1492, Schwester Hanns Bonnes, Vogt zu Weißenburg18 und Eva Schöntal 1494, Tochter des Heidelberger Apothekers.19 Katharina, Tochter des Druckers Christoph, lebte Ende des 15. Jahrhunderts im Konvent.20 Mit Familien des Kraichgaus war das Kloster eng verbunden (Venningen, Helmstatt) wie auch mit den Pfalzgrafen bei Rhein. Nicht bewiesen werden kann die Vermutung, die erste Äbtissin Kunigunde sei die Tochter Pfalzgraf Konrads gewesen. Pfalzgräfin Elisabeth, Ehefrau Ruprechts I. (1329–1390), kaufte 1363 vom Kloster eine Leibrente für die Nonne Else genannt Heideninne (Heidin) sowie Seelgeräte für sich und ihren Ehemann21 und errichtete eine Jahrzeitstiftung in ihrem Testament.22 Womöglich war die 1363 amtierende Äbtissin Clarissa von Schönberg eine Tochter aus der Verbindung Pfalzgraf Ruprechts I. mit Elisabeth von Erligheim (geborene von Schönberg).23 Eine eheliche Tochter ist erst mit Katharina, Tochter Philipps des Aufrichtigen (1476–1508), ab ca. 1514 nachzuweisen. Sie amtete ab spätestens 1522 bis 1526 als Äbtissin.24 Brigitte von Pfalz-Simmern, Schwester Friedrichs III. von der Pfalz (1559–1576), folgte ihr als übernächste im Amt. Von ihr wird kolportiert, dass sie bei der Auflösung des Klosters mitgewirkt habe.

Mehrfach wird von Missständen im Kloster berichtet. 1399 wurden drei Totschläge im Umfeld Neuburgs abgeurteilt. 1425 plante Pfalzgraf Ludwig III. die – letztendlich gescheiterte – Umwandlung des Zisterzienserinnenklosters Neuburg in ein Kartäuserkloster als Reformmaßnahme des als moralisch niedergegangen empfundenen Konvents und erhielt hierfür eine päpstliche Bulle, die den Bischof von Worms damit beauftragte.25 Den Nonnen wurde vorgeworfen, die aktive und passive Klausur zu missachten und sowohl in die Stadt Heidelberg zu gehen als auch Besuch von Personen unlauteren Charakters zu empfangen. Ihre Kleidung und ihr Gebaren wurden als eitel und weltlich empfunden. Die Nonnen sollten nach Lobenfeld transferiert werden. Eventuell in diesen Zusammenhang ist die Supplik der Nonne Anna von Driesteyn (Thierstein?) von 1432 zu sehen, die nach →Lichtenthal wechseln wollte.26 Friedrich der Siegreiche unternahm um 1459 einen erneuten Reformversuch unter Beteiligung Bischof Reinhards von Worms, und Abt Gerhards von St. Jakob in Mainz.27 Privatbesitz war vor der Bursfelder Reform möglich, so stiftete 1439 unter Zustimmung von Äbtissin und Konvent die Nonne Else von Weiler gen. Kreiß eine Pfründe in St. Peter außerhalb Heidelbergs.28 Die zweite Reform diente der Lobenfelder als Vorbild. Um die Einhaltung attraktiv zu gestalten, wurde das Kloster im Gegenzug von der pfalzgräflichen Fron befreit.29 Das Kloster wurde unter der Äbtissin Margarethe Folin von Irmdrut, die als entscheidende Trägerin der Reform gilt, umfassend ausgebaut.30 1501 erteilte Raimund Peraudi dem Kloster einen Ablass. 1539 gärte ein Streit im Kloster, der bis ins Wormser Domkapitel reichte. Die Äbtissin Anna von Frankenstein stand Priorin Elisabeth von Ehingen und der Kellnerin Helena von Rüppurr, der Schwester des Wormser Domdekans und Vermittlers im Streit, gegenüber. Reinhard von Rüppurr musste sich anschließend entschuldigen und sich gegenüber dem Landesherrn des Vorwurfs erwehren, er hätte zugunsten seiner Schwester eingegriffen.31

Die Übernahme der neuen Lehre war ein Prozess und kein plötzliches Ereignis. 1538 erwähnte Margarethe von Rosenberg in der Leibrentenverschreibung für ihre Töchter Margarethe und Ursula von Helmstatt die Möglichkeit, dass das Kloster zerstört oder nicht mehr bestimmungsgemäß betrieben werden könnte.32 1558 beschwerte sich Brigitta von Pfalz-Simmern bei Pfalzgraf Ottheinrich (1556–1559) über den zu hohen Lohn, der dem von ihm gesandten Prädikanten, wohl Joachim Agricola aus Schaffhausen, gezahlt werden sollte.33 Während das Jahr 1562 von den später im Konvent lebenden Jesuiten als Auflösungsdatum angegeben wird, erscheint noch 1568 Margarethe von Helmstatt als Verwalterin. Nach dem Tod Margarethes wurde auf landesherrliches Geheiß hin das Personal aufgelistet. Demnach lebten nur noch wenige und betagte Nonnen im Konvent, mit Katharina von Venningen und Magdalena Riesin geborene von Sultzbach nur noch zwei adelige Professschwestern. Das Kloster wurde während seiner Auflösungszeit vom Landesherrn genutzt, um weibliche Personen zu verköstigen. Die letzte Klosterbewohnerin Martha von Neuhaus wurde 1572 für ihre Eheschließung von Pfalzgraf Friedrich III. mit Klostermitteln ausgestattet. Das Kloster kam anschließend in die Verfügungsgewalt der Pfalzgrafen und wurde mehrfach als Wittum genutzt, es diente zunächst Pfalzgräfin Luise Juliana ab 1598 als »Lusthaus«. Nach der Eroberung Heidelbergs 1622 erfolgte der Versuch der Rekatholisierung sowie die Installation von Jesuiten und Unterstellung des Klosters unter das Bistum Mainz. 1650 ging es an Kurfürstin Charlotte. 1669 war es im Besitz der Pfalzgräfin Elisabeth Amalie Magdalena. Ab 1671 erfolgte die Errichtung eines adligen protestantischen Damenstifts für die Töchter aus der unebenbürtigen Ehe zwischen Karl Ludwig von der Pfalz und Luise von Degenfeld. Um 1700 wurde ein Armenhaus im Stift eingerichtet. 1706/09, spätestens 1728 gingen das Stift bzw. dessen Einkünfte an die Societas Jesu. Diese sollten die wirtschaftliche Basis für das →Kolleg in Heidelberg sein sowie Schulen des Ordens und Lehrstühle an der Universität Heidelberg finanzieren. Mit dem Tod Elisabeth Amalias von Hessen-Darmstadt 1709, die Neuburg als Wittum hielt, ging das 1706 an die Jesuiten verplante Klostergut an diese über. Dieser Vorgang wurde von den Reformierten angefochten, sodass Kaiser Karl VI. erst 1738 den Übergang des Klosterguts an die Jesuiten bestätigte.34 Um 1780 bestand wohl das Vorhaben, ein Kolleg und Seminar im Stift Neuburg einzurichten.35 Nach der Auflösung des Jesuitenordens ging Neuburg mit seinem Grundbesitz und Einkünften dank Kurfürst Karl Theodor 1781 an den französischen Orden der Lazaristen über, die diese Einkünfte für ihre Niederlassung in Heidelberg verwendeten. Aber dieser Orden konnte die Güter auf Grund der Revolutionsereignisse nicht lange halten. Ab 1793 unterstanden das Stift bzw. seine Güter der Verwaltung einer besonderen Kommission, ab 1801 der katholischen Kirchenkommission. Zwischenzeitlich wurde um 1809 eine Leinendamastfabrik auf dem Gelände errichtet, das Philipp Ludwig Hout erworben hatte.36 1824 kaufte Johann Heinrich Friedrich Schlosser das Stift. Er unterhielt Verbindungen zu Goethe und zu Romantikern. Um 1909 lebte Alexander von Bernus im Stift und lud Künstler nach Neuburg ein, u. a. Stefan George. 1926 kaufte die Erzabtei Beuron das Kloster zwecks Neugründung einer Abtei, in diesen Rang stieg Neuburg 1928 auf. Der erste Abt des Klosters, Adalbert von Neipperg (Resignation 1934), starb 1948 in Kriegsgefangenschaft. 1934 bis 1948 war Neuburg keine selbständige Abtei, sondern wurde vom Erzabt von Beuron geführt. Nach 1948 entwickelte sich Neuburg wieder zur Abtei und besteht bis heute als Mitglied der Beuroner Kongregation.37 Seit 2020 wird das Kloster von einem Konventualprior geleitet.

Besitz und Wirtschaft

Das Kloster bezog Einkommen durch Verpachtung und Zinseinkommen von Äckern, Weingärten, Wiesen, Gärten und Höfen. Besitzungen hatte das Kloster unter anderem in Dossenheim, Handschuhsheim, Neuenheim,38 Schlierbach,39 Wieblingen,40 Plankstadt,41 Weinheim,42 Neckerau43, Ladenburg,44 Ilvesheim,45 Edingen,46 Rohrbach47 und Schwetzingen. Den Zehnten oder Anteile daran erhob das Kloster in Weinheim, Schwetzingen, Schwabenheim, Ostersheim und Viernheim.48 Einnahmen generierte es auch durch Rentengeschäfte.49 Ihm gehörten einige Häuser in der Stadt Heidelberg, unter anderem eine Kammer, gelegen an der Badestube im Besitz des Klosters Schönau. 1479 stritt das Kloster mit der Stadt wegen des klösterlichen Weinschanks in Heidelberg.50 1319 wurde es durch König Ludwig den Bayern (1314–1347) von Steuern befreit, wohl darauf nahm es im Streit um das Ungeld seines Weinausschanks in Heidelberg Bezug.51 In räumlicher Nähe zum Kloster befanden sich eine klostereigene Walkmühle und eine Ziegelei (Haarlass), die in Erbpacht gegeben wurden. Das Kloster verfügte über eine Schafzucht und beanspruchte Wald bzw. Nutzungsrechte in Neuenheim und Schriesheim. Eine Beschreibung der Besitzungen und Nutzungsrechte im unmittelbaren Umfeld des Klosters, die von einem Schaffner verwaltet wurden, liegt aus dem Jahr 1535 vor.52 Unklar ist, ob nach der Reform die Leibrenten der Nonnen dem Kloster direkt zur Verfügung standen, oder den einzelnen Nonnen. Sie erhielten auch nach der Reform um 1459 unterschiedlich hohe Leibrenten. Das Kloster setzte zur Not mit Hilfe des Landesherrn durch, dass zugesagte Leibrenten gezahlt wurden.53 Im Kloster lebten vereinzelt ehemalige Bedienstete als Pfründner.

Religiöses und kulturelles Wirken

Das Stift hatte das Patronatsrecht der Kirchen von Weinheim (1224–1295) und Schwetzingen (seit 1305) inne. Im 14. Jahrhundert wurden mehrere Familienmitglieder der Herren von Erligheim im Kloster bestattet.54 Einer landesherrlich veranlassten Liste vom Ende des 16. Jahrhunderts ist zu entnehmen, dass im Zeitraum der Auflösung sieben Schülerinnen als Kostgängerinnen im Kloster lebten, sodass von einer langlebigeren Klosterschule ausgegangen werden kann, die unter anderem neben dem Erlernen der lateinischen Sprache durch die Bursfelder Statuten verlangt wurde.55

Nach der Übertragung des Stifts Neuburg mit seinen Gütern und Einkünften sollten diese den Jesuiten in Heidelberg für die Finanzierung von Schulen und ihrer Lehrstühle an der Universität dienen.56

Bibliothek und Archiv

Über den Bildungsstand oder Tätigkeiten eines Skriptoriums können keine Aussagen getroffen werden. Die Klosterbibliothek ist wohl in der Bibliotheca Palatina aufgegangen, wobei keine konkreten Handschriften aus Neuburg bekannt sind.57 Es besteht die Möglichkeit, dass eine unbekannte Neuburger Handschrift aufgrund der Hervorhebung des ungewöhnlichen Hl. Bartholomäus als Vorlage für die Kompilation von Handschriften im Kloster →Frauenalb gedient haben könnte.58

Bau- und Kunstgeschichte

Lage

Das Kloster steht östlich von Heidelberg auf einem markanten Bergsporn über dem Neckar und dem Mausbach, unweit des Dorfs Ziegelhausen. Trotz der Profanierungen 1562–1671 und im späten 17. Jahrhundert hat die mit Mauern und Türmen umwehrte Anlage ihre klösterliche Baugestalt nie verloren und ist seit dem 17. Jahrhundert ein vielfach in Veduten dargestelltes Ausflugsziel Heidelbergs geworden.

Der Zugang führt von Westen in den Wirtschaftshof, an dessen Nordseite ein barockes Ökonomiegebäude lag. Die vierflüglige Klausur folgte nach Osten hin, und die Kirche schloss im Osten an deren Südflügel an. Westlich und östlich von ihr standen an der Hangkante weitere Gebäude. Die Walkmühle und die Ziegelei (»Haarlass«) des Klosters lagen am Neckarufer.

Die Baugeschichte der Anlage ist bislang nicht erforscht. Es gibt keine Spuren der aus dem 1144 erstmals belegten Namen »Neuburg« erschließbaren, vorklösterlichen Burg, und ebenso wenig von den Klöstern des 12. und 13. Jahrhunderts. Am äußeren Tor von 1727 sind zwei auf die benediktinische Reform bezogene Bauinschriften von 1477 und 1483 eingemauert; an jüngeren Bauten eingemauerte Jahrzahlinschriften von 1480, 1491 und 1497 belegen einen umfassenden Neubau auch der Wirtschaftsgebäude. In der heutigen Baugestalt sind wohl nur Reste der gotischen Kirche und der Klostermauer aus der Zeit vor 1700 erhalten.

Kirche und Konventsbauten

Die Saalkirche mit ihrem polygonalen Ostschluss war im Kern ein Neubau des 14. Jahrhunderts; von ihren Maßwerkfenstern war um 1900 nur noch eines erhalten. Nördlich schließt die spätgotische Johanneskapelle an, die 1534 (i) als Obergeschoss eine Michaelskapelle erhielt.1672 wurde der Kirche an der Westseite ein schlanker Uhrturm zugefügt.59 Der heutige Bauzustand resultiert aus einschneidenden Umbauten und Erweiterungen nach 1825, 1926/27 und 1957–60.

Von der mittelalterlichen Klausur sind durch Inventare von 1649, 1668 und 1671 einige Räume überliefert:60 unterer und oberer Kreuzgang, Konventsstube, Saal und Konventsküche, außerdem die üblichen Wirtschaftsräume und -gebäude. Im 17. Jahrhundert scheint der Südflügel der Klausur aus unterschiedlichen Bauteilen bestanden zu haben. 1751 wird eine vierflügelige, zweigeschossige Klausur dargestellt, deren West- und Südflügel bis ins 20. Jahrhundert erhalten waren. In ihrer Baugestalt entstammten diese Flügel dem Teilneubau nach der Stiftsgründung 1671. Nord- und Ostflügel bildeten eigene, verschoben anstoßende, vielleicht ältere Gebäudeteile. Der Kreuzgang verlief in beiden Geschossen entlang der Hofseite, im Obergeschoss befanden sich die Zellen der Stiftsdamen.

1804 gelangte das Areal in Privatbesitz. Nach langer Nutzung als Versammlungsort wurde die Anlage nach 1926 wieder Abtei. Dieser Wechsel erfolgte mit umfassenden Neubau- und Umbaumaßnahmen.

Materielle Kulturgeschichte, Bauausstattung

Für die Kirche ist 1668 ein Lettner genannt.61 Ob er einen Nonnenchor im Osten vom Laienraum schied oder allenfalls die östliche Front einer Nonnenempore darstellte, ist ohne Grabungsbefunde nicht zu klären. Aus dem Zisterzienserinnenkloster sind mehrere Grabsteine unter anderem von Äbtissinnen des 14.–16. Jahrhunderts erhalten; weitere sind in Abschrift überliefert. An einem der Altäre befand sich ein Relief mit der Grablegung des Hl. Franziskus.62 Die heute an der Kirche eingebauten spätgotischen Schlusssteine stammen aus dem Wormser Domkreuzgang; auch die Glasmalereien wurden im 19. Jahrhundert aus anderen Orten, teilweise aus Frankfurt, erworben.

Bibliographie

Quellen: Schaab 1960; Wiendlocha/Hawicks 2022.

Handbücher und Lexika: CVMA II,1, S. 253–260 (Rüdiger Becksmann) Denkmaltopographie Heidelberg Bd. 2, S. 640–644 (Charlotte Lagemann); GermBen V, S. 435–440 (Albert Ohlmeyer/Wilfried Setzler); KB Heidelberg/Mannheim Bd. 2, S. 1060–1065 (Meinrad Schaab); KDM Bd. 8,2, S. 657–671 (Adolf von Oechelhäuser); kloester-bw, Benediktinerinnenabtei Neuburg (Andreas Schmidt); kloester-bw, Jesuitenniederlassung Neuburg (Andreas Schmidt); kloester-bw, Lazaristenniederlassung Heidelberg (Markus A. Maesel); kloester-bw, Lazaristenniederlassung Neuburg/Heidelberg (Marco Neumaier).

Literatur: Weech 1880; Sillib 1903–1907; Siben 1932; Pahl 1997; Erhard 2000; 2004/05; 2006/07; Burkhart 2011; Kopsch 2013.

Anmerkungen

  • 1 CL I, c. 144 S. 426.
  • 2 EAF UV 304.
  • 3 EAF Urkunden Kloster Neuburg Nr. 3.
  • 4 Ritzinger/Scheeben 1941, Nr. 12 S. 79.
  • 5 Sillib 1904, Nr. 42 S. 12.
  • 6 Sillib 1904, Nr. 53 S. 15.
  • 7 Sillib 1904, Nr. 155 S. 41.
  • 8 Minst 1966, S. 205 Vermerk 144; CL I, c. 144 S. 426.
  • 9 Anders Burkhart 2011.
  • 10 Maleczek 2013, Nr. 36 S. 95 f.; Ritzinger/Scheeben 1941, Nr. 9 S. 76 f.
  • 11 Finke 1891, Nr. 154 S. 161 f., Nr. 159 S. 165 f.
  • 12 Wilms 1928, S. 76.
  • 13 Admonter Totenroteln, S. 44.
  • 14 Auch 1476: In diesem Jahr sind Sophia Priorin, Agnes Priorin und die Schwestern Agneta und Agneta gestorben. Keine Nennung von Familiennamen; Admonter Totenroteln, S. 64.
  • 15 Confessor Fr. Johannes Damius 1505 (Sillib 1904, S. 21).
  • 16 Sillib 1904, Nr. 93 S. 23 (1531), Nr. 103 S. 28 (1546).
  • 17 Sillib 1904, Nr. 82 S. 21.
  • 18 Sillib 1904, Nr. 67 S. 18.
  • 19 Sillib 1904, Nr. 69 S. 19.
  • 20 Sillib 1904, Nr. 70 S. 19 f.
  • 21 GLA 43 Nr. 4298: Pfalzgräfin Elisabeths Verschreibung zugunsten Else genannt Heideninne.
  • 22 Sillib 1904, Nr. 43 S. 12; Weech 1869, S. 18 5-187.
  • 23 Sillib 1903, S. 195; GLA 43 Nr. 5145; Peltzer 2013, S. 293 f. und vor allem S. 294 Anm. 54: Transkription der Verzichtserklärung Elisabeths von Schönberg.
  • 24 Nicht erst 1526, wie DI 12, 4, Nr. 220 S. 121, sondern bereits 1522 Äbtissin; Hoven-Hacker 2021.
  • 25 Sillib 1903, S. 99 f. (10. 3. 1425); Vgl. auch RepGerm IV, Nr. 10364 (10. 3. 1425), hier nur die Erlaubnis zur Translation der Nonnen nach Lobenfeld; Lossen 1907, S. 134.
  • 26 RepGerm V, Nr. 362.
  • 27 Sillib 1904, S. 15 (18. 8. 1459): Auftrag zur Reform Lobenfelds nach dem Vorbild Neuburgs.
  • 28 GLA 43 Nr. 3155 f.
  • 29 Das lässt sich aus den Bestimmungen für Lobenfeld schließen.
  • 30 DI 12, 4, Nr. 123 S. 71 f. (1477).
  • 31 Sillib 1904, Nr. 102 S. 27.
  • 32 Ebd.
  • 33 Sillib 1903, S. 199.
  • 34 Wiendlocha/Hawicks 2022, S. 147 f.
  • 35 GLA 77 Nr. 8655, ca. 178 0-ca. 1790.
  • 36 GLA 46 Nr. 6883 (1. 3. 1809); Frankfurter Intelligenz-Blatt Nr. 75, Samstag, den 9. Sept. 1809, unpaginiert.
  • 37 KB Heidelberg/Mannheim Bd. 2, S. 1061 f.
  • 38 Sillib 1904, S. 7 (10. 1240), S. 14 f. (15. 7. 1453).
  • 39 Sillib 1903, S. 36.
  • 40 Sillib 1903, S. 37.
  • 41 Sillib 1903, S. 37.
  • 42 GLA 67 Nr. 1413.
  • 43 GLA 43 Nr. 4185, 4187.
  • 44 Sillib 1904, S. 8.
  • 45 Ebd.
  • 46 Sillib 1904, S. 11.
  • 47 Sillib 1904, S. 12.
  • 48 Sillib 1903, S. 197.
  • 49 Sillib 1904, S. 18.
  • 50 GLA 43 Nr. 4301.
  • 51 So Sillib 1903, S. 194.
  • 52 Sillib 1904, S. 2 3-26.
  • 53 GLA 43 Nr. 4293, 4299.
  • 54 Das Epitaph Wiperts von Erligheim (gest. 1348) befindet sich noch in Neuburg. Zu diesen und weiteren Begräbnissen der Erligheimer in Neuburg vgl. DI 12, 4, Nr. 37 † S. 24, Nr. 42 S. 27, Nr. 43 †, 46 † S. 28.
  • 55 Weech 1880.
  • 56 Wiendlocha/Hawicks 2022, S. 147; Bosslet 1987, S. 12 1-124; Aktuelle Homepage: www.stift-neuburg.de (Zugriff am 7. 2. 2024).
  • 57 Freundliche Auskunft von Herrn Dr. Thorsten Huthwelker und Herrn Dr. Wolfgang Metzger, Heidelberg, am 21. 12. 2023.
  • 58 Heinzer/Stamm 1987, S. 256 (L 106; Kalender Bursfelder Union mit Nennung von Sonderheiligen), S. 266 (L 109; Anrufung des heiligen Bartholomäus in Bußpsalmen).
  • 59 S illib 1906, Reg. 148.
  • 60 Sillib 1906, Reg. 135.
  • 61 Sillib 1906, Reg. 135.
  • 62 S illib 1906, Reg. 216
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Jasmin Hoven-Hacker [Autor]
  • Matthias Untermann [Autor]
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