Neckarelz, Johanniter 

Kurzbeschreibung:

Gründung in den neunziger Jahren des 13. Jh. – 1350 Verkauf an Engelhard von Hischhorn

Patrozinium: Martin
Ordensgliederung: Großpriorat Deutschland
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Würzburg, Landkapitel Buchen

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Johanniter 1300-1350
Beschreibung:

Name: conmendator in Ellence (1300)1

Geschichte

Die Gründung in den 1290er Jahren erfolgte von der Komturei →Boxberg (Wölchingen) aus. Ein erster urkundlicher Beleg für die Kommende datiert auf den 11. Juni 1300, als ein conmendator in Ellence erwähnt wird.2 Ein heute an der Nordwand im Kirchenschiff eingemauerter Grabstein mit der Umschrift eines 1302 verstorbenen frater Conradus […] fundator domus istius, der Priester zu Köln und Kaplan zu Boxberg gewesen sei,3 macht diesen in den Augen der lokalen Forschung zum Gründer der Kommende Neckarelz. Der Inhalt der Umschrift wird in der Forschung verschiedenartig interpretiert, zwei auf dem Stein vorhandene Johannitersterne machen die Verbindung mit dem Orden deutlich. Neben der Pfarrkirche St. Martin war das burgartige Konventsgebäude im Besitz der Johanniter. Weitere Rechte besaßen die Johanniter an der Kirche von Haßmersheim zu einem unbekannten Zeitpunkt.

Bereits 1350 wurde der Komplex an den Ritter Engelhard I. von Hirschhorn († 1361) zunächst verpfändet und damit für immer aufgegeben. In der Verpfändungsurkunde wird nur von Nutzungsrechten bzw. von Keltern und Mühlen gesprochen.

Bau und Kunstgeschichte

Lage

Die burgartige Johanniterkommende steht westlich des Dorfs, ursprünglich unmittelbar an der Elz, kurz vor deren Einmündung in den Neckar. Der Lauf der Elz wurde 1955 nach Norden verlegt. Das Areal bestand aus einem Wirtschaftshof (später kurpfälzische Schaffnei) und dem ehemals von einem breiten Graben umgebenen, ungewöhnlichen Hauptgebäude, an das ursprünglich mindestens zwei Seitenflügel anschlossen. Der tiefe Graben und die Grabenmauern sind erhalten (zur Parkanlage umgestaltet), die steinerne Brücke war schon im 16. Jahrhundert vorhanden,4 der Skulpturenschmuck wurde im 18. Jahrhundert zugefügt. Die Pfarrkirche St. Martin steht angrenzend im Südwesten. Baureste der von den Johannitern übernommenen »Elzburg« sind bislang nicht sicher bekannt, solche der Römerzeit wurden ohne Befund behauptet; Grabungen und detaillierte Bauuntersuchungen fehlen bislang. Den irreführenden Gebäudenamen »Templerhaus« verwendete erstmals der kurpfälzische Amtskellner Cuntz Johann Albrecht Eysenmenger im Jahr 1582.

Kirche und Konventsbauten

Das weithin sichtbare, hoch aufragende, dreiseitig vom Wassergraben umschlossene, langschmale Hauptgebäude der Kommende umfasst in vertikaler Abfolge Lagerräume, Kirche und Konventsräume. Gotische Spitzbogenfenster und ein polygonaler Abschluss im Osten lassen seine sakrale Funktion erkennen. Die übrigen Fenster des Gebäudes sind zusammen mit den Innenräumen im 17.–20. Jahrhundert mehrfach verändert worden. Das heutige Erscheinungsbild geht auf Restaurierungen von 1879 (mit Sakristeianbau), 1928, 1963–65 und 2001 zurück.

Dem Hauptgebäude ist im Süden ein ummauerter Vorhof zugeordnet, an dessen Nordwestseite sich der schlanke Treppenturm erhebt. Das ursprünglich nur durch Schlitzfenster belichtete Erdgeschoss diente als Lagerraum. Es war bis 1606 nur über den Treppenturm zu erreichen und erhielt erst damals seinen Außenzugang und ein flachbogiges Tonnengewölbe; seit 1925 wird der Raum als Kapelle genutzt. Das erste Obergeschoss nimmt im Osten einen hohen gotischen, rippengewölbten Kapellenraum mit polygonalem Ostabschluss auf. Rippenformen, charakteristische Konsolen und Blattmasken-Schlusssteine belegen eine Bauzeit um 1280/1300. An der Kapellensüdwand wurden 1963/65 eine große gemalte Christophorus-Figur und die hochgotische Kredenznische freigelegt. Der Westraum dient erst seit 1737 als Kirchenschiff,5 Fenster und Decke wurden zuletzt 1928 verändert. Ursprünglich war der Westteil zweigeschossig unterteilt; möglicherweise diente ein Geschoss als Refektorium. Eine Fensterlaibung der Nordseite trägt einen gemalten Zyklus von Wappenschilden. Im heutigen zweiten, ehemals dritten Obergeschoss befinden sich weitere Räume: Oberhalb der Kapelle ist der rippengewölbte, relativ niedrige Raum mit Fensternischen versehen, in denen sich Sitzbänke befinden; die Gewölbe haben auch hier maskenverzierte Schlusssteine. Die übliche Deutung des Raums als Kapitelstube kann sich nicht auf Parallelen zu anderen Johanniterkommenden stützen; vielleicht handelte es sich um den Saal des Komturs. Der westliche Raumteil weist kleine Rechteckfenster auf. Ursprünglich war dieser Bereich wohl in Zellen für die Konventualen unterteilt. Im Außenbau sichtbare Konsolen und die Turmtreppe belegen, dass es ursprünglich ein viertes, aus Fachwerk gebautes, vorkragendes Obergeschoss gab. Auch vor der Westgiebelwand befand sich ein hölzerner, vorkragender Anbau (für die Aborte?), in den aus den drei oberen Etagen Türen hineinführten, die 1928 zu Fenstern umgestaltet wurden. Alle Überlegungen zu einer Hospitalnutzung und vertikalen Raumverbindungen sind Hypothesen ohne Befund. Nach dem Verkauf 1350 wurde das Gebäude bis 1688 als Lager genutzt.6

Anstelle der Wirtschaftsgebäude erhebt sich im Süden der Anlage die langgestreckte Baugruppe der um 1600 neugebauten, im 18. Jahrhundert erweiterten kurfürstlichen Kellerei (heute Exerzitienhaus).

Bibliographie

Handbücher: DI 8 (Heinrich Köllenberger); Kolb II, S. 301; KB Neckar/Odenwald Bd. 2, S. 196 (Albrecht Ernst); KDM Bd. 4,4, S. 90–95 (Adolf von Oechelhäuser); kloester-bw, Johanniterkommende Neckarelz (Walter G. Rödel).

Literatur: Albert 1932; 1937; Hofmann 1956; Liebig 1957; 1958; Uhl 1987; 2000.

Anmerkungen

  • 1 Weech 1874, S. 5 3-56, hier S. 55.
  • 2 Ebd.
  • 3 DI Bd. 8, Nr. 141 S. 51.
  • 4 GLA 66 Nr. 5756.
  • 5 GLA 229 Nr. 71182.
  • 6 GLA 66 Nr. 5756
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Helmut Flachenecker [Autor]
  • Matthias Untermann [Autor]
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