Seligental, Zisterzienserinnen 

Kurzbeschreibung:

1236 Gründung eines Frauenkonvents mit Benediktsregel – 1239 Gründungskonvent aus dem Zisterzienserinnenkloster Heiligenthal – 1568 Aufhebung – 1928 Brand der Klosterkirche

Patrozinium: Maria, Kilian, Kolonat, Totnan
Ordensgliederung: Vaterabtei Bronnbach, 1510 Schöntal
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Würzburg, Landkapitel Buchen

Ortsbezüge:
  • Seligental
  • Schlierstadt, Osterburken, Neckar-Odenwald-Kreis
Ordensregel:
  • Zisterzienserinnen 1236-1568
Beschreibung:

Name: monasterium Vallis Felicis, Cisterciensis ordinis (1239);1 monasterium monialium ordinis Cisterciensis, Beata Vallis vocatum (1239);2 nomine eodem cenobio […] Selegental assignato (1239);3 claustro in Seligental (1270)4

Geschichte

Historische Entwicklung

Die Gründung Seligentals gehört in den Kontext der bereits seit der Mitte des 12. Jahrhunderts schwelenden Auseinandersetzungen zwischen der Abtei Amorbach und ihren Vögten aus der Familie der Edelherren von Dürn um die Herrschaft auf dem Franken- beziehungsweise Gotthardsberg über Amorbach. Als 1236 Konrad von Dürn und seine Gemahlin Mechtild von Lauffen zu ihrem und ihrer Vorfahren Seelenheil den neuen Frauenkonvent secundum regulam beati Benedicti am Schlierbach dotierten,5 verwendeten sie dafür neben von ihnen bevogtetem Amorbacher Klostergut vor allem Güter und Gerechtsame aus dem Besitz des seit etwa 1235 bestehenden Benediktinerinnenklosters auf dem Gotthardsberg, an dessen Stelle sie vergeblich gedachten eine Burg zu errichten. Insofern erscheint es nur folgerichtig, dass der Gründungskonvent nicht von dort kam, sondern aus der nur zwei Jahre zuvor von den Ritteradligen von Fuchsstadt gestifteten Zisterze Heiligenthal bei Schwanfeld (Landkreis Schweinfurt), worauf zweifellos die Namengebung Seligental als Analogiebildung zurückzuführen ist. Die Grundsteinlegung geschah 1239 durch den Bischof von Würzburg persönlich, desgleichen die Weihe des Hochaltars zu Ehren der Muttergottes sowie der Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan im September, wobei der Diözesan sich alle Rechte in Temporalien und Spiritualien vorbehielt. Die päpstliche Bestätigung erfolgte im Dezember desselben Jahres;6 weitere päpstliche Privilegien und Schutzbriefe datieren von 1259 und 1291.7 Die Paternität über das Kloster hatte zunächst der Abt von →Bronnbach an der Tauber, 1510 wurde sie an Schöntal abgetreten. Eine förmliche Aufnahme in den Zisterzienserorden scheint es indes nie gegeben zu haben. Das Bemühen Konrad von Dürns, den Gotthardsberger Konvent zur Umsiedlung nach Seligental zu bewegen, blieb ohne Erfolg; die Nonnen begegneten seinem Ansinnen mit entschiedenem Widerstand und machten sich schließlich ihrerseits die Zisterzienserregel zu eigen (1258, Selbstbezeichnung: ordinis Cistercii;8 1278, Bischof von Würzburg: Cisterciensis ordinis).9 Das Stifterehepaar – Konrad von Dürn († 1253), Mechtild von Lauffen († 1276) – soll in der Klosterkirche begraben worden sein; ob Seligental darüber hinaus die Rolle eines Dürn’schen Hausklosters zugedacht war, muss dahingestellt bleiben.

Neben der Äbtissin (abbatissa) finden als Ämter in Seligental 1254 eine Priorin (priorissa), eine Kämmerin (cameraria), eine Wirtschafterin (celleraria) und eine Kustodin (custodissa) Erwähnung, 1277 eine Siechenmeisterin (infirmaria) und 1278 eine Sängerin (cantrix); die cameraria wurde später auch als Pitanzmeisterin bezeichnet. Ein eigener Priester (sacerdos) und Beichtvater des Konvents begegnet erstmals 1288. Daneben gab es als Helfer Konversen, darunter einen Provisor (1243) oder Keller (1285), der dann in jüngerer Zeit, freilich im Angestelltenverhältnis, mitunter auch als Klosterhofmeister erscheint. Von Klosterpfründnern (pfründener), die hier im Spital ihre Tage zubrachten, ist seit 1392 die Rede.

Der Konvent rekrutierte sich anfangs aus der Stifterfamilie und ihrer zahlreichen Ministerialität sowie aus beider Verwandtschaftskreisen, schließlich aus dem gesamten Odenwälder und Bauländer Adel sowohl edelfreien als auch ritteradligen Standes. Von Beginn an ist zu vermuten, dass die Lebensweise der Nonnen stiftische Züge hatte; so werden die Konventualinnen bereits seit der Mitte des 13. Jahrhunderts immer wieder als dominae bezeichnet.10 In einem gewissen Gegensatz zu dieser Beobachtung steht, dass bauliche Vorrichtungen auf eine Einhaltung der Klausur hindeuten. So kann es nicht wundernehmen, dass, nachdem der regionale Adel um die Mitte des 16. Jahrhunderts sich ganz überwiegend der Reformation angeschlossen hatte, der Konvent keinen Nachwuchs mehr fand und alsbald erlosch. Versuche einer Gräfin von Hohenlohe, das Kloster in den 1630er Jahren als evangelisches adliges Damenstift neu zu beleben, scheiterten in den Wechselfällen des Dreißigjährigen Kriegs. Im Einzelnen sind – nicht selten mehrfach – Nonnen aus folgenden Familien bezeugt: Adelsheim, Angelloch, Auerbach, Bernold von Eschau, Bettendorff, Bickenbach, Bödigheim, Brustberg, Buchbrunnen, Buchen, Dürn (Edelherren), Dürn (Ministerialen), Eberstein, Fechenbach, Gans von Otzberg, Hainstadt, Handschuhsheim, Hardheim, Hausen, Helmstatt, Heppenheim, Ketel von Bretzingen, Kreiß von Lindenfels, Leibenstadt, Lützenbronn, Mertin von Mergentheim, Möckmühl, Reich von Mergentheim, Riedern, Rodenstein, Rosenberg, Rüdt von Bödigheim, Schenk von Erbach, Steinsfeld, Strahlenberg, Truchsess von Wetzhausen, Wertheim und Zillenhart.

Was die Vogtei betrifft, so hatte der Diözesanbischof zwar anlässlich der Gründung des Klosters dessen Freiheit von Vögten gemäß den Grundsätzen der Zisterzienser postuliert, gleichwohl aber verstanden die Stifter und ihre Erben sich allzeit als Schirmer des Konvents und seines Besitzes. Erst 1306 verzichtete Ulrich von Dürn ausdrücklich auf die davor von ihm beanspruchten Vogteirechte,11 woraufhin der Konvent sich an König Heinrich VII. (1308–1313) wandte, der 1309 Seligental bereitwillig seines Schutzes versicherte und es von der Pflicht zur Gestellung eines Reiswagens für Kriegszüge freisprach.12 In der folgenden Konkurrenz mit dem Hochstift Würzburg setzte sich schließlich das Erzstift Mainz durch. 1412 kam dem Mainzer Kurfürst der Schirm über das Kloster zu, was auf seine Eigenschaft als Herr der Zent Osterburken (seit 1376) zurückzuführen ist, in deren Gebiet Seligental lag. Und aufgrund seiner Zenthoheit beanspruchte Kurmainz seit dem späteren 15. Jahrhundert schließlich auch die Landesherrschaft mit allen Konsequenzen.

Zu den ersten Wohltätern Seligentals gehörte unmittelbar nach dessen Gründung der aus der Bauländer Nachbarschaft stammende Heinrich Münch von Pülfringen, Protonotar aus der Kanzlei Kaiser Friedrichs II. (1212–1250), damals bereits Stiftspropst zu Aachen und wenig später Bischof von Bamberg (1242–1257); 1240 fundierte er im Dormitorium des Klosters ein Ewiges Licht als Seelenheilstiftung. Ein Menschenalter später (1278/85) stifteten Adelheid von Steinsfeld am Kocher und ihre Tochter Guta, Sängerin des Konvents, dem Kreuzaltar im Chor der Kirche zusammen mit mehr als 50 Pfund Hellern und einträglichen Zehntrechten Reliquien der Elftausend Jungfrauen sowie eine Pfründe für einen dort zelebrierenden Vikar. Als Verwandte und Erben des Stifterehepaars machten seit den 1270er Jahren nicht zuletzt die Edelherren von Hohenlohe mit Jahrzeitstiftungen und allerlei sonstigen Schenkungen dem Konvent wiederholt größere und kleinere Zuwendungen.

Während der beiden ersten Jahrhunderte seiner Existenz war die wirtschaftliche Entwicklung des Klosters unter stetiger Zunahme seines Besitzes offenbar ganz überwiegend positiv. Im 15. Jahrhundert geriet es jedoch in eine Krise, die 1454 den Abt von Bronnbach namens des Generalkapitels der Zisterzienser dazu bewog, die Aufnahme von Novizinnen vorübergehend auszusetzen13. Größeren Schaden hatte Seligental schon 1290 im Zuge einer Fehde erlitten, die Schenk Gerhard von Erbach gegen es führte14, und 1397 bei einem Brand. Im Bauernkrieg 1525 wurde das Kloster vom Heilbronn-Odenwälder Bauernhaufen geplündert, ohne dass diesbezüglich nähere Einzelheiten überliefert wären; nicht zuletzt soll bei dieser Gelegenheit das Archiv Schaden genommen haben. Und 1552, im Zweiten Markgrafenkrieg, erpresste Kriegsvolk des Landgrafen von Hessen von dem Konvent und seinen Untertanen eine Brandschatzung.

Das Ende des Klosters kam, als 1561 die langjährige Äbtissin Amalia Schelm von Bergen (1537–1561) gestorben war und der Konvent nur noch zwei Nonnen zählte. Weil die eine, die Priorin, nach dem Urteil des mainzischen Amtmanns zu Amorbach schon leibs halben ein schwach arm mensch, die andere ein jung frech pershon sei15 und die Regeneration eines überlebensfähigen Konvents in absehbarer Zeit nicht zu erwarten stand, erklärte schließlich der Erzbischof und Kurfürst von Mainz mit päpstlicher Erlaubnis vom 7. September 1568 das Kloster für aufgehoben.16 Die Erträge seines Besitzes wurden zunächst den Jesuiten zugewiesen zum Nutzen von deren 1561 gegründetem Kolleg in Mainz, später fielen sie der kurfürstlichen Hofkammer zu. Ein 1613 seitens der Äbte von Salem und Ebrach unternommener Versuch, den Seligentaler Besitz für den Zisterzienserorden zurückzuerlangen, scheiterte an der Ablehnung des Mainzer Erzbischofs. Die zur Verwaltung der verbliebenen Klostergüter noch rund zweihundert Jahre lang geführte kurmainzische Hofmeisterei gelangte infolge der Säkularisation 1802/03 an das fürstliche Haus Leiningen und wurde von diesem 1934 in private Hand verkauft. Noch heute dienen Teile dessen, was von dem einstigen Zisterzienserinnenkloster überdauert hat, einem landwirtschaftlichen Betrieb.

Besitz und Wirtschaft

Um den Kern des Gründungsguts, einen separat abgesteinten Hof zu Schlierstadt samt zugehörigen Äckern, Wiesen, Weiden und Wäldern, den die Stifter von Konrad von Asbach und dessen Ehefrau Jutta käuflich erworben hatten (im 18. Jahrhundert 212 Hektar), sowie weitere Güter in Möckmühl, Wüstenhemsbach (Hemsbach) und Vrechte (Vretlie; unbekannt), die drei Jahre später, anlässlich der Weihe des Hochaltars hinzu kamen, entwickelte sich mit Schenkungen und Zustiftungen aus Kreisen der Dürner Ministerialität, zudem mit Ankäufen aus eigenen Mitteln rasch ein ansehnlicher klösterlicher Besitz- und Herrschaftskomplex. Schon bis zum Ende des 13. Jahrhunderts erlangte das Kloster ortsherrliche Rechte in Zimmern (1240), Schlierstadt (1248), Hemsbach (13. Jahrhundert), Seckach (13./14. Jahrhundert), Schallberg (abgeg.) und Grauenwinkel (abgeg.) im Nahbereich, dazu 1418 in Rumpfen (anteilig), 1467 in Hainstadt (anteilig) und 1464 auch in Ruchsen bei Möckmühl an der Jagst, wo der Konvent im Übrigen schon seit den 1270er Jahren reich begütert war. Für die Pfarreien in Schlierstadt, Seckach, Zimmern und Hemsbach stand der Äbtissin das Patronatsrecht zu. Zehntrechte ganz verschiedenen Umfangs hatte der Konvent in Schlierstadt, Hemsbach, Seckach, Grauenwinkel, Zimmern, Waidachshof, Schallberg, Sindolsheim, Ruchsen, Dippach, Siglingen, Kreßbach, Eberstadt, Teitingen (abgeg. bei Neudenau) und Möckmühl. Eigene Mühlen betrieb er in Zimmern, Seckach, Ruchsen, Osterburken und Katzental, und Fischrechte hatte er im Schlierbach und in der Seckach. Die Klosterschäfereien von Seligental und Waidachshof sollen 500 beziehungsweise 250 Tiere zur Weide getrieben haben. Daneben sind vielerlei sonstige Liegenschaften nicht zu vergessen – Häuser, Höfe, Äcker, Weinberge, Wiesen und Wälder –, zum geringsten Teil in eigener Bewirtschaftung, vielmehr zum weitaus größten Teil erblich oder befristet verliehen gegen Zins. Landwirtschaftlicher Eigenbau unter Inanspruchnahme von Frondiensten der Untertanen spielte nur in den Klosterdörfern eine Rolle. Alles in allem verfügte das Kloster Seligental zeitweise über Besitz in mehr als siebzig Orten zwischen dem Neckar im Westen, der Tauber im Osten, dem Main im Norden und dem Kocher im Süden.

Religiöses und kulturelles Wirken

Was das kulturelle, insbesondere das geistliche Leben und eventuelle liturgische Eigenheiten Seligentals betrifft, ist nicht viel bekannt. Zwar pflegte man dort ohne jeden Zweifel das Totengedenken des Stifterpaares, diverser Wohltäter aus der Familie Hohenlohe und gewiss auch vieler Angehöriger des regionalen Ritteradels, jedoch ist ein Anniversarienbuch, das diesbezüglich näheren Aufschluss zu geben vermöchte, nicht erhalten. Die Patronatspfarreien werden wohl durch den Beichtvater der Nonnen und den Vikar am Kreuz-Altar versehen worden sein.17 1510 fand eine Visitation durch den Abt von Bronnbach statt.18 Zwei Wallfahrten in die Kirche von Seligental, zum Fest des Hl. Markus (25. April) und am Montag nach Kreuzauffindung (Anfang Mai), gab es noch nach der Aufhebung des Klosters, jedoch ist nicht bekannt, wann diese aufgekommen waren und ob sie – wie vielleicht zu vermuten wäre – den im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts erlangten Reliquien der Elftausend Jungfrauen galten. Desgleichen wurde die sogenannte Gründonnerstagsstiftung, die auf eine Fußwaschung durch die Äbtissin für zwölf alte Männer aus den Klosterdörfern zurückging und mit einer Haferbreispeisung für die Hausarmen verbunden war, erst 1845 abgelöst. Das Diurnale der Seligentaler Nonne Agnes Schelm von Bergen aus dem 16. Jahrhundert, das die Württembergische Landesbibliothek in Stuttgart verwahrt,19 spiegelt nicht mehr, als das Minimum dessen, was man von einer adligen Klosterfrau beziehungsweise Stiftsdame an geistlichen Übungen Tag für Tag erwarten darf.

Bibliothek und Archiv

Das Seligentaler Archiv gelangte nach der Aufhebung des Klosters an die Kurmainzer Landesherrschaft und über Aschaffenburg ins Staatsarchiv Würzburg; hervorzuheben ist neben den Urkunden ein um die Mitte des 15. Jahrhunderts angelegtes Salbuch.20 Über eine Seligentaler Klosterbibliothek ist nichts Näheres bekannt.

Bau- und Kunstgeschichte

Lage

Die Abtei Seligental liegt im badischen Bauland, im Tal des Schlierbachs, der östlich der Anlage vorbeifließt, westlich begrenzt die Straße zwischen Schlierbach und Zimmern das Gelände. Der Kern des Klosters bestand aus einem geschlossen vierflügelig umbauten Klausurbereich mit der Kirche im Norden. Östlich grenzte das Geviert an den kleinen Schlierbach. Der Eingang zum Kloster befand sich an der klausurabgewandten Seite südwestlich der Kirche. Heute sind in dem Bereich zwischen der Klausur und dem Zugang zahlreiche nachmittelalterliche landwirtschaftliche Gebäude, ein Lageplan von 1731 zeigt hier ebenfalls Scheunen, Ställe und einer Mühle, die wohl auch der Lage des mittelalterlichen Wirtschaftshofes entsprechen.

Kirche und Konventsbauten

Von der Kirche, die 1788 profaniert, anschließend als Scheune und Stall genutzt wurde und 1928 ausbrannte, sind die östlichen Teile der Südwand und die Westwand erhalten. Diese Mauerzüge sind in ein heute als landwirtschaftlich genutztes Gebäude verbaut. Bei einer 2003 durchgeführten Sondage traten die Sockelgesimse eines polygonalen 7/12–Ostschlusses mit Lisenengliederung zutage. Damit weist Seligental große Verwandtschaft mit der annähernd zeitgleich entstandenen Zisterzienserinnenkirche Frauental auf.

Am besten überliefert ist trotz nachklösterlicher Nutzung als Lager und Stall der Ostflügel, das ehemalige Nonnenhaus mit den Haupträumen des Konvents. Er entstand vermutlich mit der Gründung um 1230. Dazu passt sowohl die Datierung eines zweitverwendeten Bauholzes (1233 ±8 [d]) als auch die Wandmalerei in der Sakristei. Direkt an die Kirche anschließend ist dieser Raum der einzig vollständig erhaltene Innenraum, von zwei Bandrippengewölbejochen überspannt (Abb. 6), besaß er eine vollständige Ausmalung. Ein Sternenhimmel zierte die Gewölbe, die Wände zeigten biblische Szenen, die Christuslegende sowie das Stifterpaar. Nach der Klosterauflösung fungierte dieser Raum weiterhin als Kapelle und erhielt eine reiche Architekturausmalung (1594 [i]). Eine architektonische Rarität stellt das Transennenfenster in der Außenwand dar. Die Fensteröffnung wird durch eine mit Ornamenten durchbrochene Steinplatte gebildet. Bemerkenswert ist zudem die Nische neben dem Durchgang zur Kirche mit einem kleinen Fenster zum Durchgang und einer zugesetzten Öffnung zur Kirche. Vermutlich erhielten hier die Nonnen ihre Kommunion bzw. legten dem Priester die Beichte ab, ohne direkten Blickkontakt zu haben.

Ursprünglich schloss an die Sakristei ein größerer Raum an, wie ein durchlaufender bauzeitlicher Putz mit Farbfassung belegt. Er dürfte als Kapitelsaal (Abb. 5) anzusprechen sein und öffnete sich zum Kreuzgang mit einem Spitzbogenportal und einem Maßwerkfenster. Nachklösterlich entstanden durch das Einstellen von Fachwerkwänden kleinere Räume, die die Schaffung weiterer Türdurchbrüche zur Westseite erforderlich machten.

Das Obergeschoss diente als Dormitorium. Kennzeichnend ist die Reihe von Sitznischen entlang der Ostwand, wobei die vier nördlichen zur Kirche gelegenen Nischen breiter und in größerem Abstand voneinander angeordnet sind als die übrigen schmaleren Nischen südlich davon. Sie weisen noch die Reste einer ornamentalen Fassung in Form eines rötlichen Gittermusters auf. Von diesem Obergeschoss gab es ursprünglich auch einen Durchgang, der es den Nonnen erlaubte, direkt von ihrem Schlafraum die Kirche zu erreichen.

Dass der innere Klausurbereich auch nach Süden durch einen Baukörper geschlossen war, belegten archäologischen Sondierungen. Wohl schon Ende des 16. Jahrhunderts wurde der Südflügel abgebrochen und dabei der Ostflügel verkürzt und mit einer neuen Giebelwand versehen. Die heute die ehemalige Klausur nach Süden begrenzende Mauer besitzt im westlichen Bereich noch mittelalterlichen Baubestand. Die Fundamente eines umlaufenden Kreuzgangs, der wahrscheinlich flach gedeckt war, konnten archäologisch nachgewiesen werden.

Nach einer Ansicht aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts war der Westflügel der Klausur zweigeteilt. Im nördlichen Teil befand sich ein vermutlich dreigeschossiges und annähernd so hohes Gebäude wie die Kirche. Es besaß ein Fachwerkobergeschoss mit kleinem Erker. Möglicherweise wohnte dort im ausgehenden Mittelalter die Äbtissin, scheint es doch auch hier einen direkten Übergang in die Kirche gegeben zu haben. Der südliche Teil war entsprechend der Ansicht zweigeschossig. Hier befindet sich heute ein Wohngebäude aus nachklösterlicher Zeit, Befunde in der südlichen Kellerwand und der Südwestecke des Gebäudes belegen aber eine frühere Bebauung in klösterlicher Zeit.

Bibliographie

Quellen: Gudenus 1751.

Handbücher und Lexika: Dehio, Baden-Württemberg Bd. 1, S. 713 (Johannes Wilhelm); KB Neckar/Odenwald Bd. 2, S. 452–454 (Kurt Andermann); KDM Bd. 4,3, S. 198–201 (Adolf von Oechelhäuser); kloester-bw, Zisterzienserinnenabtei Seligental (Maria M. Rückert).

Literatur: Rommel 1922; Weiss 1986.

Anmerkungen

  • 1 Gudenus 1751, Nr. 411 S. 672.
  • 2 Lebensbeschreibung der Aebte von Schönthal, in: Mone IV, S. 149.
  • 3 Gudenus 1751, Nr. 409 S. 670.
  • 4 Gudenus 1751, Nr. 424 S. 686.
  • 5 Gudenus 1751, Nr. 408 S. 668 f.
  • 6 Gudenus 1751, Nr. 411 S. 672 f.
  • 7 Gudenus 1751, Nr. 420 S. 682 f., Nr. 458 S. 720.
  • 8 Gudenus 1751, Nr. 418 S. 680.
  • 9 WUB VIII, Nr. 2760 S. 87 f.
  • 10 Gudenus 1751, Nr. 413 S. 674, Nr. 428 S. 689.
  • 11 Gudenus 1751, Nr. 473 S. 734 f.
  • 12 Gudenus 1751, Nr. 474 S. 735 f.
  • 13 Rommel 192 7-1928, S. 18.
  • 14 Gudenus 1751, Nr. 457 S. 71 8-720.
  • 15 Rommel 192 7-1928, S. 21.
  • 16 Rommel 192 7-1928, S. 21.
  • 17 Rommel 192 7-1928, S. 23.
  • 18 Rommel 192 7-1928, S. 18.
  • 19 WLB Cod. Brev. 130.
  • 20 StA Würzburg Mainzer Bücher verschiedenen Inhalts, Nr. 10
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Kurt Andermann [Autor]
  • Claudia Mohn [Autor]
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