Billigheim, Zisterzienserinnen
| Kurzbeschreibung: | 1166 Erste Erwähnung von Kirche und Konvent – 1239 Inkorporation in den Zisterzienserorden – 1361 Übergang der Schirmvogtei an das Erzstift Mainz – 1584 Tod der letzten Äbtissin und Aufhebung Patrozinium: Mariae Geburt, MichaelOrdensgliederung: 1239 Vaterabtei Ebrach, 1410 SchöntalKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Würzburg, Landkapitel Buchen |
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| Beschreibung: | Name: ecclesia in Bullinkein [...] famulantibus deo in Bullinkeim (1166);1 conventus de Bullinkeim (1225);2 sanctimoniales im Bullenkeim (1238);3 fons Beatae Mariae virginis (1239)4 GeschichteHistorische EntwicklungAuch wenn die Gründungsumstände des Frauenklosters im Tal der Schefflenz nicht überliefert sind, wird Billigheim zu den ältesten Niederlassungen von Zisterzienserinnen im deutschen Südwesten gezählt. In einer Urkunde aus dem Jahr 1166 überträgt eine religiosa femina namens Agnes zusammen mit ihrem Sohn Sifrid ihren in Mosbach gelegenen Besitz der neu errichteten Kirche in Billigheim – ecclesie in Bullinkein constitute.5 Dass es sich bei den in diesem Kontext genannten famulantibus deo in Bullinkeim um einen Nonnenkonvent handelte, erhellt aus einer Urkunde von 1225, in der König Heinrich (VII.) der Äbtissin und dem Konvent von Billigheim die Steuerfreiheit ihres Hofes zu Heilbronn verbriefte.6 1238 führte der Würzburger Bischof Hermann von Lobdeburg (1225–1254) eine Reform des Klosters durch, das sowohl in wirtschaftlicher als auch in disziplinarischer Hinsicht seinem Ruin entgegenging. Die Nonnen, die bereits nach der Regel des Heiligen Benedikt lebten, ut regulam beati Benedicti quam professe estis, sollten diese nun nach den Statuten der Zisterzienser unverbrüchlich befolgen: hactenus secundum statuta ordinis Cisterciensis in posterum inviolabiliter observentes.7 Dies wurde früher so interpretiert, dass sich Bischof Hermann für einen Anschluss der Benediktinerinnen von Billigheim an den strengeren Zisterzienserorden eingesetzt habe. Die neuere Forschung sieht dagegen in den Billigheimerinnen Nonnen, die von Anfang an nach den Institutionen von Cîteaux lebten, diese aber nun in Zukunft inviolabliliter befolgen wollten und erst mit Hilfe des Würzburger Bischofs Aufnahme in den Orden fanden.8 Schon ein Jahr nach der Reform wurde Billigheim auf Bitten König Konrads IV. (1250–1254) und der Witwe seines Bruders Heinrich (VII.), Margarethe, nach Inspektion durch die Äbte von →Bronnbach und Langheim dem Zisterzienserorden inkorporiert und der Abtei Ebrach als Tochter unterstellt.9 Der im Inkorporationsstatut aufscheinende Name Marienbrunn – Fons Beatae Mariae Virginis – setzte sich allerdings nicht durch. Bestärkt wird diese neuere Deutung dadurch, dass Beziehungen der Stifterfamilie zu den Zisterzen Ebrach und Eberbach nachweisbar sind. Durch die eingehende Interpretation eines Billigheimer Nekrologs aus dem 13. Jahrhundert konnte der Edelfreie Ditmar von Lauda überzeugend als Stifter des Frauenklosters festgemacht werden.10 Dass dieser nach 1150 nicht mehr in den Quellen auftritt, hängt vermutlich mit seiner Teilnahme am Zweiten Kreuzzug König Konrads III. (1138–1152) zusammen. Da es sich bei der oben erwähnten Urkunde von 1166 um eine Empfängerausfertigung handelt, die von der Hand desselben Würzburger Schreibers stammt, der drei Urkunden für das 1144 gegründete Zisterzienserinnenkloster Wechterswinkel ausfertigte,11 werden ähnliche Gründungsumstände für Kloster Billigheim angenommen. Es sei demnach in der Zeit zwischen 1140 und 1150 wie Wechterswinkel als Zisterzienserinnenkonvent unter Mitwirkung des Würzburger Bischofs und des Ebracher Abtes durch die den Staufern nahestehenden Herren von Lauda ins Leben gerufen worden, die auch als Förderer von Ebrach hervortraten.12 Die Nonnen hätten von Anfang an nach den Institutionen von Cîteaux gelebt, ohne in den Orden inkorporiert zu sein.13 Für diese Interpretation herangezogen wurde ferner der archäologische Befund, der die Klosterkirche in das letzte Viertel des 12. Jahrhunderts datiert. Die heute noch stehende Klosterkirche, die keinen Vorgängerbau hatte, folgt dem Schema der einschiffigen Zisterzienserinnenkirchen, das im 13. Jahrhundert zum bestimmenden Typ werden sollte und von Frauenkonventen anderer Orden übernommen wurde.14 Die für den Raum außerordentlich frühe Gründung würde die Unterstellung unter das weit entfernte fränkische Ebrach erklären, zumal die in größerer Nähe gelegene →Zisterze Schöntal selbst erst im Gründungszeitraum Billigheims gestiftet wurde. Im Billigheimer Nekrolog aus dem 13. Jahrhundert wird auch verschiedener aus Ebrach stammender Priester und Äbte gedacht, wie beispielsweise Abt Winrich, der 1285 zugunsten von Billigheim urkundete.15 Dass jedoch nicht der Erbracher Vaterabt, sondern der Propst von Billigheim 1238 den Würzburger Bischof um eine Reform des Frauenklosters bittet, lässt Zweifel aufkommen und eher an Benediktinerinnen in Billigheim denken. In Ermangelung weiterer Quellen ist daher die frühe Ordenszuordnung mit Fragezeichen zu versehen.16 1364 wird der Ebracher Abt Otto als »Weiser« von Billigheim bezeichnet.17 1410 ging die Paternität auf Wunsch des Ebracher Abtes jedoch an Schöntal über, das auch schon früher in enger Beziehung zu Billigheim stand.18 1290 trat Abt Walkun von Schöntal als Vermittler einer Zehntübertragung in Urbach an Billigheim auf.19 1350 erscheinen Schöntaler Mönche als Kaplan und Beichtvater in Billigheim.20 Die Wahrnehmung der cura monialium durch den Schöntaler Abt wird sowohl in disziplinarischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht fassbar. 1422 wurde ein Streit Billigheims mit Kloster →Schönau um dessen Gefälle aus Gütern Billigheims in Mosbach auf dem Generalkapitel der Zisterzienser verhandelt, bei dem die Nonnen durch den Schöntaler Vaterabt vertreten wurden.21 Dass die Äbte von Bebenhausen und Maulbronn zur Schlichtung des Streits eingesetzt wurden, zeigt die Einbindung des Zisterzienserinnenklosters in den Orden, die auch 1467 belegt ist. Abt Johann von Schöntal beklagte als Visitator den Verfall des Vermögens und der Billigheimer Baulichkeiten sowie das längere Fehlen einer Äbtissin, worauf Abt Humbert von Cîteaux die Versetzung der Agnes von Berlichingen aus dem Kloster Kirchbach als Äbtissin in Billigheim verfügte.22 Auch in einem Konflikt um die Rechnungslegung in Billigheim erscheint 1499 Abt Georg von Schöntal als Visitator, seine Nachfolger treten 1517 und 1543 als Streitschlichter in Güterangelegenheiten auf.23 Aber auch um die geistliche Versorgung der Nonnen kümmerten sich Schöntaler Mönche. Nach dem Untergang der Staufer ließen sich die Billigheimer Zisterzienserinnen ihre Freiheiten und Rechte regelmäßig von Kaisern und Königen bestätigen, so durch Rudolf von Habsburg (1281), Heinrich VII. (1310), Ludwig den Bayern (1344), Karl IV. (1354), Ruprecht (1401), Sigismund (1434) und Maximilian I. (1499).24 Im 13. und 14. Jahrhundert erscheinen die Herren von Dürn, von Weinsberg und von Hohenlohe als Förderer des Zisterzienserinnenklosters.25 Die Klosterfrauen entstammten seit dem 14. Jahrhundert vornehmlich dem Odenwälder, Bauländer und Kraichgauer Niederadel sowie dem Heilbronner und Haller Patriziat. Genannt seien nur die Familien Hornberg, Talheim, Gemmingen, Treschklingen, Berlichingen und Wittstadt, die auch die Äbtissinnen und andere Amtsträgerinnen stellten und ebenso als Unterstützer der Abtei hervortraten.26 Neben der Äbtissin, Priorin, Subpriorin und Kellerin sind die Ämter der Küsterin, der Sängerin und einer Schulmeisterin (scolastica) in den Quellen belegt.27 Ein Siechenhaus ist 1361 fassbar.28 Um die Wirtschaft kümmerte sich die Zellerarin, die neben Konversen und Konversinnen von Mönchen aus den Mutterabteien unterstützt wurde. 1393 wird ein Hofmeister auf dem Heilbronner Hof erwähnt.29 Obwohl im Laufe des 13. und 14. Jahrhunderts regelmäßig Kaufgeschäfte getätigt wurden und die Nonnen weitere Seelgerätsstiftungen erhielten, wird der Konvent wiederholt als »arm« bezeichnet. Schon die Reform von 1238 war mit dem bevorstehenden finanziellen Ruin begründet worden. Mitte des 14. Jahrhunderts veräußerte das Kloster »aus Armut« Weingärten an eigene Konventualinnen.30 1361 verkauften vier Billigheimer Nonnen ihren Besitz zu Unterkessach an Kloster Schöntal, das damit zur wirtschaftlichen Stabilisierung beitrug.31 Um das Überleben des Konvents zu sichern, unterstützten 1364 Kraft von Hohenlohe und seine Gemahlin Anna sowie die Gräfin Irmgard von Nassau das Kloster mit 500 Pfund Hellern zum Ankauf von Zehnten.32 Wie Bruder Heinrich der Frevel, Kaplan der Klosterfrauen zu Billigheim, beklagt, lebten zu diesem Zeitpunkt wegen ständigem Raub, Brand und Unfrieden im Land völlig verarmt mehr als 50 Nonnen, Novizinnen und Schulkinder in Billigheim: wie do selbs gewilter frawen, nouitzen und schulkint, di noch gewilt solten werden mer den fuenchtzig wern.33 Die Anwesenheit von Schülerinnen, die auf ein Leben im Kloster vorbereitet wurden, erklärt, warum neben den üblichen Amtsträgerinnen auch eine scolastica in den Quellen genannt wird.34 In der schweren wirtschaftlichen Krise in der Mitte des 14. Jahrhunderts verpfändete Kaiser Karl IV. (1346–1378) die Vogtei über das Kloster samt dem Dorf Billigheim an Engelhard von Hirschhorn und dessen Sohn.35 1361 wurde das Pfand vom Erzstift Mainz ausgelöst.36 Dieses gab die Schirmvogtei 1463 wiederum an Ludwig von Sickingen aus.37 Als es im Jahr 1499 zu Unstimmigkeiten bei der Überprüfung der Rechnungslegung in Billigheim kam, versuchte der Mainzer Erzbischof Bertold (1484–1504) diese an sich zu ziehen. In dieser Zeit wollte er auch Einfluss auf die Wahl der Äbtissin nehmen. Über Belastungen Billigheims im Bauernkrieg schweigen die Chroniken. Allerdings nehmen die Konflikte zwischen dem Konvent und den Untertanen im Dorf Billigheim um Nutzungsrechte an Äckern, Wiesen und Wald oder auch bezüglich des Schaftriebs im Laufe des 16. Jahrhunderts zu. Wegen stetigen wirtschaftlichen Niedergangs hob der Mainzer Erzbischof Wolfgang von Dalberg (1582–1601) beim Tod der Äbtissin Katharina II. von Günderode im Jahr 1584 die Zisterze auf, in der sich nur noch zwei Nonnen befanden. Der Widerstand des Schöntaler Vaterabtes Johannes Lutz, der um die Neuaufnahme von Konventualinnen aus anderen Konventen warb, blieb zwecklos und wurde mit dem Hinweis auf die schlechte wirtschaftliche Situation Billigheims abgetan. Das Klostergut wurde der mainzischen Amtskellerei Allfeld zugewiesen, bis es in der Säkularisation 1803 an die Grafen von Leiningen fiel. Besitz und WirtschaftKloster Billigheim verfügte über Güter und Rechte in 44 Orten, wobei sich der bescheidene Besitz auf die unmittelbare Umgebung konzentrierte und nur vereinzelt bis in den Kraichgau, an die Tauber oder nach Schwäbisch Hall ausgriff.38 1225 ist erstmals ein Billigheimer Klosterhof in Heilbronn bezeugt, zu dem weit über 300 Morgen Grundbesitz zählten.39 Die von Heinrich (VII.) ausgesprochene Befreiung des Hofes von Abgaben und Steuern, die von anderen Königen bestätigt wurde, führte immer wieder zu Konflikten mit der Reichstadt Heilbronn, auf deren Gebiet Billigheim auch über Weinberge, etwa am Geroldesberg, verfügte.40 Hinzukamen Höfe in Buch, Neckarelz, Mosbach, Ödheim, Sulzbach, Waldmühlbach und ein Schafhof im Dorf Billigheim, wo das Kloster eine Mühle und eine Badstube besaß.41 Offenbar wurden die Höfe nicht selbst bewirtschaftet, sondern gegen einen jährlichen Zins verpachtet oder als Erblehen ausgegeben wie beispielsweise 1392 der Hof in Buch oder 1415 der Mosbacher Hof.42 1496 wurde der Hof in Neckarelz verkauft.43 Wachsende Schulden führten Mitte des 16. Jahrhunderts zu weiteren Verkäufen von Gütern wie etwa eines Teils des Kelterhauses im Billigheimer Hof zu Heilbronn. Religiöses und kulturelles Wirken1327 wurde dem Kloster durch den Würzburger Bischof das Patronat über die Billigheimer Pfarrkirche St. Michael zugesprochen. 1328 erfolgte dann durch Papst Johannes XXII. (1316–1334) die Inkorporation der Billigheimer Pfarrei, die von einem Klosterkaplan aus Schöntal versehen wurde.44 Auf Bauarbeiten deutet hin, dass 1336 und 1339 für den Besuch der Billigheimer Klosterkirche vierzigtägige Ablässe erteilt wurden.45 Weitere Ablassurkunden folgten im Kontext der Weihe neuer Altäre in der Klosterkirche. 1364 wurden Altäre für den Ordensheiligen Bernhard und für den Erzengel Michael geweiht,46 1380 ein Wolfgangs- und ein Sebastianusaltar errichtet.47 Vom geistigen Leben in Billigheim zeugt die früheste erhaltene Handschrift, die in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstanden ist. Sie umfasst ein Kalendar, einen Nekrolog und ein Martyrologium, und weist einen aus dem 15. Jahrhundert stammenden Besitzvermerk auf.48 Eine weitere durch ihre Einträge dem Billigheimer Konvent zuzuweisende Handschrift aus dem 14. Jahrhundert enthält neben einem Martyrolog ein Kalendar und die Benediktsregel.49 Ein auf 1344 datiertes Antiphonar kann aufgrund seiner mehrfachen Signierung Billigheim zugeordnet werden. Die Nonne Alheidis Quidenbeumen gibt sich hier als Schreiberin und als Illuminatorin zu erkennen,50 was auf ein in Billigheim vorhandenes Skriptorium hinweist.51 Bibliothek und ArchivDie archivalische Überlieferung Billigheims ist auf verschiedene Archive verteilt. Wegen des in der Säkularisation erfolgten Übergangs an das Haus Leiningen lagert der zentrale Archivbestand bis heute im Fürstlich Leiningenschen Archiv in Amorbach, darunter eine Klosterchronik aus dem 16. Jahrhundert. Zahlreiche Urkunden werden im Staatsarchiv Würzburg im Bestand »Mainzer Urkunden« aufbewahrt. Weitere Urkunden und Akten lagern im Generallandesarchiv Karlsruhe in den Beständen 125: Ritterkanton Kraichgau, und 229: Spezialakten der kleineren Ämter und Orte. Im Bestand des Mutterklosters Schöntal im Staatsarchiv Ludwigsburg (B 503 I) sind weitere Billigheimer Urkunden überliefert. Über Schöntal sind auch die wenigen von der Billigheimer Bibliothek übriggebliebenen Handschriften im Zuge der Säkularisation in die Württembergische Landesbibliothek in Stuttgart gelangt. Bau- und KunstgeschichteLageDas Kloster liegt im Talgrund der Schefflenz, nördlich des heutigen Bachlaufs. Die einschiffige mittelalterliche Kirche bildet einen Teil der modernen Pfarrkirche. Kirche und KonventsbautenDie Konventskirche hat bis 1973 mindestens drei größere Umbaumaßnahmen erfahren, davon eine klosterzeitliche Maßnahme des 15. Jahrhunderts. Baubefunde, stilistische Merkmale und die dendrochronologische Datierung zeigen, dass in den 1160er/70er Jahren eine dreischiffige Säulenbasilika gebaut wurde. Im Osten schloss sie mit mindestens einer runden Apsis ab. Das Hauptschiff wurde durch je fünf knapp unterhalb der Traufe sitzende, kleine, rundbogige Fenster erhellt. Darunter stießen die Pultdächer der Seitenschiffe an. 1972 wurde in der Westfassade ein verziertes romanisches Portal mit außergewöhnlich großen Werksteinen sowie die Basis einer Wandsäule freigelegt. Die Schwelle des Portals liegt mehr als 1 m tiefer als das 1973 hergestellte Fußbodenniveau. Auf dem Hauptschiff blieb das romanische Eichendachwerk aus 29 Sparrengebinden erhalten (Fälljahr 1176/1177[d]). Im 13. Gebinde von Westen weisen deutliche Schleifspuren auf Glockenseile eines Dachreiters hin. Um 1300 wurde in der Nordwand das östliche Obergadenfenster durch ein größeres Maßwerkfenster ersetzt. Wohl nach 1467 gestaltete man die Kirche umfassend neu. Einerseits zeigen monolithe Säulen üblicherweise schnell Verfallserscheinungen, andererseits wollte man den veränderten Vorstellungen einer angemessenen Frauenklosterkirche gerecht werden. Gleichzeitig wurde das Fußbodenniveau erheblich aufgehöht. Möglicherweise hatte die nahe Schefflenz zu Grund- bzw. Hochwasserproblemen geführt.52 Die Seitenschiffe wurden abgetragen und die Wände im Bereich der Arkaden neu aufgemauert. Auch die Westwand wurde neu aufgemauert. Ihre markante Eckquaderung aus flach proportionierten, weit ins Mauerwerk greifenden Quadern schließt oben mit vermutlich wiederverwendeten romanischen Konsolen ab; sie tragen – hier wie auf der Ostseite – weit auskragende Giebel. Im Westteil wurde nun eine etwa 15 m lange Nonnenempore installiert. Ihr dreischiffiger, kreuzgratgewölbter Unterbau ruhte auf zwei Reihen von je fünf wiederverwendeten Säulen. Zwei große Maßwerkfenster dienten zur Belichtung der Empore, zwei kleine Maßwerkfenster in der Nordwand belichteten den dreischiffigen Raum darunter. Für diesen engen Raum wurde kein Westportal mehr benötigt. Die Datierung der schmalen Tür im Bereich der heutigen Westtür bleibt zu klären; der mit 1490 datierte Wappenstein, wie er auf älteren Fotos zu sehen ist, saß nicht in situ.53 Ob schon Ende des 15. Jahrhunderts ein neues Portal am Westende der Nordwand eingesetzt wurde, oder ob es (wie in →Lichtenthal) am Ostende der Nordwand ein Portal gab, wo um 1900 eine Sakristei angebaut und ein rundbogiger Zugang vermauert wurde, wäre durch Bauforschung zu klären. Die Apsis ist mit rundbogigen Fenstern auf einem umlaufenden Gesims und Rundbogenfries unter dem vorspringenden Traufgesims gestaltet. Das mittlere der drei Apsisfenster wird flankiert von überlängten Halbsäulchen. Ihre Würfelkapitelle sind nicht auf den Rundbogenfries abgestimmt und dieser zeigt einige Unregelmäßigkeiten im Versatz. Es bleibt zu überprüfen, ob auch die Apsis Ende des 15. Jahrhunderts neu aufgemauert wurde und dabei die romanischen Werkstücke wiederverwendet wurden. Die Sammlung geborgener Werkstücke enthält zwei halbe Würfelkapitelle von etwa 36 cm Breite, die zu weiteren Gliederungselementen an der romanischen Apsis passen könnten. Die Konventsbauten sind nicht erhalten. 1364 sind 50 Nonnen, Novizinnen und Kinder genannt, für die entsprechende Schlaf-, Ess- und Arbeitsbereiche vorhanden gewesen sein sollten. So dürfte für die Herstellung des Antiphonars von 1344 ein gut belichteter, beheizbarer Raum zur Verfügung gestanden haben. Auch die Schulmeisterin brauchte ein Unterrichtszimmer. Südlich der Kirche wurden Hinweise auf einen annähernd quadratischen Kreuzgang ergraben; die Nordwand des Westflügels soll in westlicher Verlängerung der südlichen Kirchenwand gestanden haben.54 In der Bestandsaufnahme von 158455 werden außer Kirche und Kreuzgang genannt: ein Wohnhaus, Wohnstuben, Alte Abtei, Konventstube sowie ein Siechenhaus. Außerdem sind zahlreiche Bauten für die Klosterwirtschaft und das Personal aufgelistet: Pfortenhaus, Kelterhaus mit Kelter im Vorhof, ein Gasthaus mit Stallungen für zehn Pferde und drei Kammern, ein altes Kaplanshäuschen, ein hoher »Überbau« darin die Wohnung des Hofmeisters, Stallung der Wagenpferde, eine Schüttung, darunter ein Weinkeller, eine Mühle mit Backmöglichkeit für die direkte Versorgung des Klosters, ein Viehstall und etliche Schweineställe, zwei Scheunen für Sommer- und Winterfrüchte und zwei weitere Scheunen, neben dem Klostertor »ein klein Bäulein, darunter ein Gefängnus zur strafung bürgerlicher Überfarung« sowie Gebäude für den Schäfer und die Schafherde. Das Ganze war von einer Mauer umfriedet. Die Kirche dient seit 1584 als Pfarrkirche. Die Remise nordwestlich der Kirche soll 1625 aus Material von abgetragenen Konventsgebäuden errichtet worden sein. Ein vor 1902 entstandenes Luftbild zeigt ein an die Südwestecke der Kirche anstoßendes, eingeschossiges Wirtschaftsgebäude. Im Westen erhoben sich Wohn- und Wirtschaftsbauten mit bis zu drei Geschossen: Die Grafen von Leiningen ließen sich nach 1803 aus den alten Gebäuden einen repräsentativen Wohnsitz sowie eine Loge im Westen der Kirche einrichten. Ihre Wohngebäude fielen 1902 einem Brand zum Opfer. Materielle Kulturgeschichte, BauausstattungIm Gelände sind zahlreiche Werksteine des 12. bis 19. Jahrhunderts von guter Qualität anzutreffen, von denen einige bei den Umbauten von 1971–73 geborgen wurden. Hervorzuheben sind zwei romanische Kämpferplatten von gut 0,80 m Seitenlänge, die eine romanische Arkade getragen haben. Außerdem sind mindestens vier spätmittelalterliche Äbtissinnen-Grabsteine sowie weitere Inschriften erhalten. Bei der Auflösung 1584 sollen eine Michaelsfigur, eine Glocke von 1499, ein Reliquienbehälter und »Cleinodien« an das Erzbistum Mainz gefallen sein.56 Die Provenienz weiterer Ausstattungsstücke ist unklar, da die Grafen von Leiningen-Billigheim in ihrem Schloss eine Kunstsammlung zusammengetragen hatten. BibliographieHandbücher: Dehio, Baden-Württemberg Bd. 1, S. 81 f. (Johannes Wilhelm); DI 8 (Heinrich Köllenberger); KB Neckar-Odenwald Bd. 1, S. 570–573 (Kurt Andermann); KDM Bd. 4,4, S. 6–8 (Adolf von Oechelhäuser); kloester-bw.de, Billigheim (Maria Magdalena Rückert). Literatur: Wieland 1905; Rommel 1927; Mistele 1962; 1969; Lutz 1975; Rückert 2000; Lohrum (in Vorbereitung). Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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