Rippoldsau, Benediktiner
| Kurzbeschreibung: | 1179 Ersterwähnung – 1273 Erwähnung eines Priors – 1540/45 Einführung der Reformation – 1549 Wiederbesetzung und Güterrestitution – 1802 Aufhebung Patrozinium: NikolausOrdensgliederung: Priorat der Benediktinerabtei St. GeorgenKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Rottweil |
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| Beschreibung: | Name: cella sancti Nicolai in predio Ripoldesowe (1179);1 sant Nikolauszell in Rippoltsowe sant Benedikten ordens (1273);2 prioratus Rieppoltzovwe (1275);3 prior et conventus in Ripoltzowe (1357);4 monasterium sanctimonialium in Ripolczow (1360/70);5 gottshuß zu Rippoltzauw (1434);6 das closter zuo Ripoltzow (1493)7 Geschichte1179 wird in einer päpstlichen Bestätigung des St. Georgener Klosterbesitzes erstmals eine Zelle in Rippoldsau erwähnt.8 Sie dürfte irgendwann nach der letzten Besitzbestätigung von 11399 gegründet worden sein.10 Jakob von Ramingen erwähnt um 1580, in einer Urkunde aus dem Jahr 1296 würde Friedrich von Wolfach als Stifter genannt,11 ein entsprechendes Dokument ist jedoch nicht erhalten. Da ein Friedrich von Wolfach zwischen 1139 und 1156 Erwähnung findet12 und die Kastvogtei über das Kloster bereits 1434 bei den Grafen von Fürstenberg als Erben der Herren von Wolfach lag,13 darf diese Nachricht als glaubwürdig gelten. 1273 wird erstmals ein Prior genannt.14 Die Bezeichnung als monasterium sanctimonialium im Liber marcarum15 um 1360/70 ist sicher ein Schreibfehler in Analogie zu den vorangegangenen Frauenklöstern Oberndorf und Wittichen. Über die vorreformatorische Geschichte des Priorats ist wenig bekannt. 1434 klagte Heinrich VI. von Fürstenberg (1432–1490) als Kastvogt gegen die Brüder Diebold und Heinrich von Geroldseck, die das Kloster in den Jahren 1430 bis 1433 massiv geschädigt hatten.16 Im Jahr 1540 begann Wilhelm von Fürstenberg (1509–1547) in der Herrschaft Kinzigtal die Reformation einzuführen und die Klostergüter einzuziehen.17 Der Tod des Rippoldsauer Priors lieferte ihm 1545 den Vorwand, die Güter des Priorats als an ihn als Kastvogt heimgefallen zu betrachten und zu veräußern,18 was sich aber nur teilweise rekonstruieren lässt.19 Nach dem Übergang der Herrschaft an Wilhelms katholisch gebliebenen Bruder Friedrich wurden die noch in herrschaftlicher Hand befindlichen Güter 1549 restituiert und das Priorat neu besetzt. Die bereits entäußerten Güter durfte Rippoldsau um den Kaufpreis zurückkaufen.20 Ab 1571 stand das Priorat leer, nachdem in kurzer Zeit fünf Prioren gestorben waren und eine große Schuldenlast hinterlassen hatten. Die Klosterpfarrei wurde vom Schapbacher Pfarrer versehen.21 1576 wurde das inzwischen neu erbaute Priorat wieder besetzt.22 In nachreformatorischer Zeit war das Priorat üblicherweise mit zwei Religiosen besetzt.23 1780 behauptete der Prior, in Seebach zwischen Schapbach und Rippoldsau habe einmal eine Zelle mit mehreren Religiosen bestanden, die dem Rippoldsauer Prior unterstanden hätten. 24 Andere Belege für diese Tochterzelle sind nicht bekannt. Aus dem Rippoldsauer Priorat gingen mehrere St. Georgener Äbte hervor, unter anderem auch Georg Gaisser (1627–1655) und Anselm Schababerle (1778–1806), der letzte Abt von St. Georgen.25 1802 wurde das Kloster von Fürstenberg in Besitz genommen:26 Man einigte sich mit St. Georgen dahin, »daß das Klösterle Ripolzau nur als eine Pfarrey betrachtet werden möchte«, um so eine Inbesitznahme durch den Deutschen Orden zu verhindern. Dafür sollte diese Pfarrei mit St. Georgener Konventualen besetzt werden, solange es solche gebe, und diesen sämtliche Einkünfte überlassen werden.27 Über die Entwicklung des Rippoldsauer Besitzes vor der Reformation ist nichts bekannt, ebensowenig lässt sich nachvollziehen, wie viele Güter dem Kloster während der Reformation dauerhaft entfremdet wurden. Nach der Reformation verfügte das Kloster über einen Meierhof, eine Mühle, Waldungen, aus denen Holz und Harz nach Straßburg und Freudenstadt verkauft wurden, das Rippoldsauer Bad, Fischrechte in der Wolf sowie Streubesitz im Kinzig- und Wolftal, am Oberen Neckar und am Kaiserstuhl.28 Seelsorgerisch waren die Rippoldsauer Mönche nur für die kleine Klosterpfarrei zuständig.29 Mitte des 17. Jahrhunderts wurde die Schapbacher Pfarrei mehrfach von Rippoldsau aus versehen.30 Ab 1720 kam es wiederholt zu Auseinandersetzungen um die pfarrliche Zuständigkeit.31 1782 wurde auch die Siedlung auf dem Kniebis, der später sogenannte »Badische Kniebis«, der Rippoldsauer Pfarrei zugeteilt.32 Außerdem betreuten die Mönche auch die seit den 1720er-Jahren nachweisbare Rippoldsauer Wallfahrt.33 Das Klosterarchiv wurde ins Fürstlich Fürstenbergische Archiv überführt, wo es heute zusammen mit den Akten der Registratur des fürstenbergischen Oberamts Wolfach zum Kloster einen eigenen Bestand bildet.34 Bau- und KunstgeschichteLageDas Kloster Rippoldsau befindet sich am südlichen Ortsausgang der heutigen Gemeinde Bad Rippoldsau-Schapbach. Die heutige Vier-Flügel-Anlage mit geosteter Pfarrkirche grenzt mit ihrer Gesichtsseite an die westliche Wolftalstraße an und verläuft nördlich entlang der Reichenbachstraße. Wahrscheinlich bestand das Kloster in seiner frühen Zeit lediglich aus einer Gruppe einzelner Nutzgebäude und einer Kirche, die sich auf der Fläche der heutigen Saalkirche befand. Kirche und KonventsbautenEine bauliche Anlage kann bereits ab 1139 angenommen werden. Konkrete Rückschlüsse auf die Gebäude mit einer geosteten Kirche in Richtung Reichenbach lässt jedoch erst ein Briefwechsel zwischen dem Abt von St. Georgen und der Fürstlich Fürstenbergischen Kammer Donaueschingen aus dem Jahr 1746 zu. Berichtet wird von dem Vorhaben, einen steinernen Turm zu errichten und das zweigeschossige Priorat um ein drittes Geschoss zu erweitern. Ob es sich von frühester Zeit an um eine mehrflügelige Anlage gehandelt hat, ist nicht eindeutig festzustellen. Ein Grundplan, diverse Risse35 und eine Skizze36 geben zwar einen Eindruck über die Anlage im 18. Jahrhundert, unterscheiden sich aber in Details des Chorraums und der Fassadengestaltung von einem augenscheinlich älteren Plan so gravierend, dass über die frühen Gebäude nur ein vages Urteil getroffen werden kann. Da die Quellen die Erhaltung von Lang- und Querhaus bezeugen, bestand die Kirche vermutlich schon vor 1751 als geostete Saalkirche mit Querhaus und einem Dachreiter oder Vierungsturm. In dem Ersetzen des ruinösen »Türmleins« auf der Kirche durch einen Chorturm ab 1746 könnte ein moderner Bruch mit der benediktinischen Bautradition des Mittelalters erkannt werden. Denn während sich diese im Zuge ihres Strebens nach Einfachheit mit Dachreitern oder gelegentlich Vierungstürmen begnügte, wurde in der neuzeitlichen Klosterbaukunst das Kirchengebäude innerhalb einer mehrflügligen Anlage ganz selbstverständlich durch einen Turm ausgewiesen, der die anderen Gebäudeflügel markant überragte. Dafür spricht, dass man sich für die Errichtung des steinernen Turmes entschieden hatte, obwohl der Neubau der Kirche aus finanziellen Gründen nicht sicher in Aussicht stand. Ein unsignierter Grundplan, der auf 1751 datiert ist und dem fürstenbergischen Architekten Franz Josef Salzmann zugeschrieben wird, zeigt die Kirche mit dem Turmbau als quadratischem Abschluss, allerdings flankiert von zwei kleinen Apsiden, die den beiden Querhäusern nachgesetzt sind. Unklar ist, ob diese Apsiden je realisiert wurden. Der offenbar ältere Grundriss, undatiert und eventuell auch unvollständig, zeigt eine deutlich abweichende Raumplanung. Die Kirche erscheint hier als Saal ohne Chorturm, dafür mit angedeutetem Staffelchor angeschlossen an die Sakristei. Die Planung einer ausgeschiedenen Vierung ist farbig hervorgehoben. Auch die Zugänglichkeit der Wohn- und Nutzräume ist nicht, wie bei Salzmann, durch eine moderne Struktur mit hofseitig verbindendem Gang gelöst, sondern lockerer und mit Unterbrechungen des äußeren Mauerwerks im Bereich der östlichen Stallungen gehalten. Wenn es sich bei diesem älteren Plan nicht um einen Alternativentwurf zu den Plänen Salzmanns handelt, könnte er eventuell zumindest teilweise als Bestandsaufnahme der alten Klosteranlage erkannt werden. Eine amateurhafte Zeichnung des 19. Jahrhunderts zeigt die Umsetzung als vierflügelige Anlage mit Hofeingang an der Ostseite, wie sie heute besteht.37 In den Plänen Salzmanns hatte sich noch ein Tor im Westen der nur dreiflügligen Anlage befunden. Während sich die klösterlichen Nutzräume bei Salzmann auf die Flügel im Westen und Süden verteilen sollten, waren an der östlichen Seite lose aneinandergereihte Stallungen geplant. Die Portalzone und Akroterien in der Amateurzeichnung deuten auf eine klassizistische Fassadengestaltung hin, die unter der Einwirkung Abt Coelestins von St. Georgen entstanden sein könnte. Vielleicht in pittoreskem Gedenken an den mittelalterlichen Ursprung des Klosters, erscheint die Schauseite der neuen Pfarrkirche seit dem Umbau durch Christoph Arnold im Jahr 1829 mit einem Westbau und Zwillingstürmen. Ihr dekoratives Erscheinungsbild ist auf umfangreiche Gestaltungsaktivitäten unter Bernhard Zink im 20. Jahrhundert zurückzuführen. Materielle Kulturgeschichte, BauausstattungDer seit je her wichtigste Besitz des Klosters ist ein Vesperbild aus dem 14. Jahrhundert, das Rippoldsaus Bedeutung als Wallfahrtsort bedingte. Es befindet sich heute über dem Altar. Von 1767 bis 1842 zierte den Eingang des Klostergartens eine Standfigur des Hl. Nepomuk, die später an die Reichenbachbrücke direkt an der Einmündung in die Wolfach versetzt wurde, wo sie noch heute zu sehen ist. BibliographieHandbücher und Lexika: GermBen V, S. 548–550 (Klaus Schreiner); KDM Bd. 7, S. 644–646 (Max Wingenroth); kloester-bw, Benediktinerpriorat St. Nikolaus Rippoldsau (Christian Schulz). Literatur: Schmid 1965; Müller 1978 (b). Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
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