Freiburg, Ursulinen 

Kurzbeschreibung:

1696 Gründung – 1710/16 Weihe der Kirche – 1811 Fortbestehen als Regulativkloster (Lehrinstitut) – 1877 Aufhebung im Kulturkampf, Umwandlung in ein Katholisches Institut

Patrozinium: Herz Jesu, Maria
Ordensgliederung: Schwestern der Hl. Ursula von Dole
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Freiburg; 1821/27 Erzbistum Freiburg

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Ursulinen 1696-1877
Beschreibung:

Name: [Superiorin und Communität] der Gesellschaft St.ae Ursulae zu Freyburg / collegium Societatis St.ae Ursulae (1696)1

Geschichte

Historische Entwicklung

Das Freiburger Ursulinenkloster wurde 1696 gegründet. Zuvor gab es schon zwei erfolglose Versuche: Den ersten Anlauf unternahmen Ursulinenschwestern aus Pruntrut/Porrentruy im Schweizer Jura (gegründet 1619) in den 50er Jahren des 17. Jahrhunderts, den zweiten Versuch ab 1667 der 1659 in Luzern gegründete Konvent. Sogar der Basler Bischof engagierte sich als Fürsprecher für die Pruntruter Ursulinen. Es entspannen sich intensive Diskussionen im Freiburger Stadtrat, in denen Befürchtungen hinsichtlich der kirchlichen Anerkennung der noch recht jungen Gemeinschaft und der Beständigkeit ihrer Ansiedlung geäußert wurden. Man hielt sie für Beginen und erwartete ihr Verbot. Ein weiterer Kritikpunkt war, dass die Stadtgemeinde keine weiteren geistlichen Gemeinschaften finanziell unterstützen wollte. Auch waren die Wohnplätze innerhalb der Stadt derart knapp, dass man keine Möglichkeit sah, Grundstücke für ein Kloster bereitzustellen. Die Fürsprecher betonten den großen gesellschaftlichen Nutzen, der aus dem kostenlosen Unterricht für Mädchen erwachsen würde. Die Familie derer von Ambringen erbot sich sogar, ein Haus in Freiburg zu stiften, da eine ihrer Töchter bei den Ursulinen Schwester war. Beide Unternehmungen scheiterten letztlich am Widerstand des Freiburger Stadtrats.2

Gegen Ende des Jahrhunderts kam der Umschwung. Wie an anderen Standorten auch waren es die Eltern von Schülerinnen der Ursulinen, die die Meinungsänderung bewirkten, im Freiburger Fall die Familien Sommervogel, Ulrich und Pyhrr, deren Töchter in Luzern im Noviziat waren oder bereits die Profess abgelegt hatten. Auch die Jesuiten setzten sich für ihre Ansiedlung ein. Nun stimmte der Rat dem Zuzug einer Kommunität von sechs Schwestern zu – unter der Bedingung, dass sich die Schwestern verpflichteten, Steuern zu zahlen und alle nötigen Kontributionen bei Feuer, Überschwemmungen und im Kriegsfall zu leisten.3 Der Bischof von Konstanz genehmigte den Konvent am 11. Oktober 1696.4

1696 trafen vier Schwestern aus Luzern in Freiburg ein: die bisherige Superiorin aus Luzern, Cäcilie Hirt, sodann die aus Freiburg stammende Schwester Anastasia Ulrich, ferner Margarete Hirt und eine aus Fribourg angeworbene Schwester Marta.5 Nach einer Übergangszeit in verschiedenen provisorischen Quartieren startete die kleine Gemeinschaft in Räumen in der Weberstraße 13, einem Haus der Familie Pyhrr. Dort eröffneten sie schon drei Monate nach ihrer Ankunft eine Schule. In den Jahren bis 1706 konzentrierte sich der Konvent auf die Etablierung der Mädchenschule, die – neben Spenden, Erbschaften und den Mitgiften der Schwestern – die Grundlage ihres Lebensunterhalts bildete. Sie erwarben sich schnell einen guten Ruf. Bereits nach drei Jahren gab es eine Anfrage aus Schlettstadt, dort ebenfalls eine Schule zu eröffnen.6 Da diese Aufgabe die Freiburger Superiorin Cäcilia Hirt übernehmen sollte, schickte man aus Luzern Placida Sommervogel als neue Superiorin nach Freiburg, nebst zwei Begleiterinnen. Eine davon war Euphemia Dorer, die in den Folgejahren eine zentrale Rolle für das Kloster übernahm und bis heute als eigentliche Gründerin gilt.

Nach dem Tod von Placida Sommervogel 1706 wählte der Konvent Euphemia Dorer zur neuen Oberin. Ihre Aufgabe war es nun, den Bau eines Kloster- und Schulgebäudes in die Tat umzusetzen. Die Stadt Freiburg hatte ihnen im Satzbrief eine Höchstzahl von sechs Schwestern auferlegt, was aber bereits in den ersten Jahren nicht mehr eingehalten wurde. In der Genehmigung des Klosterbaus vom 7. August 1707 wurde eine Obergrenze von zwölf Schwestern festgelegt.7 Doch schon zwischen 1706 und 1715 legten acht Schwestern in Freiburg ihre Profess ab. Die Kommunität dürfte im Schnitt etwa 15–20 Schwestern umfasst haben.

Euphemia Dorer stand mit beschränkten Handlungsmöglichkeiten zwischen den Befürwortern eines schnellen Baubeginns aus dem Stadtbürgertum und dem nahegelegenen Jesuitenkolleg auf der einen Seite und ihren zögerlichen bis ängstlichen Mitschwestern im eigenen Konvent und im Luzerner Mutterkloster auf der anderen Seite, von dessen Zustimmung sie in allen größeren Entscheidungen abhängig war. Im Januar 1708 konnte der Konvent ein Gelände an der Stadtmauer nahe des Lehener Tors erwerben. Dieses bildete die Grundlage für den Bau des Klosters und den Klostergarten. 1709/10 gelang es Euphemia Dorer, das Freiburger Haus aus der Abhängigkeit von Luzern zu lösen. Damit hatte sie zwar größere Handlungsfreiheit, aber auch keinen finanziellen Rückhalt mehr. Kredite und großzügige Spender finanzierten nun das Bauprojekt. Im September 1710 konnte schließlich, nach mehr als zweijähriger Bauzeit, das neue Kloster bezogen werden. Nun gab es endlich genügend Platz für die Schwestern, die Pensionärinnen und für Unterrichtsräume. Es gab genügend Zellen für die Klosterfrauen und neben der Kirche auch noch zwei große Säle. Die Lage am westlichen Stadtrand direkt neben der Stadtmauer erwies sich jedoch bereits 1713 zum Ende des Spanischen Erbfolgekrieges als ungünstig. Während der Belagerung durch französische Truppen wurde das neu errichtete Kloster von zahlreichen Kanonenkugeln und Bomben getroffen, die Dach und die Mauern beschädigten. Da das Kloster über einem massiven, gewölbten Tiefkeller errichtet wurde, konnten Schwestern und Schülerinnen diesen als Schutzraum nutzen.

In direkter Nachbarschaft lag mit dem Kloster der →Dominikanerinnen am Graben eine weitere Mädchenschule. Das Verhältnis zu ihnen war durch Nachbarschaftsstreitigkeiten getrübt, ausgelöst durch eine Klage der Dominikanerinnen von 1710, die eine Grenzstreitigkeit zum Inhalt hatte, und in der Folge durch die weiteren baulichen Expansionsbestrebungen der Ursulinen.8

Euphemia Dorer wollte schon 1712 nach Luzern zurückkehren, doch es fand sich keine Nachfolgerin in Freiburg. Erst 1715 löste Franziska von Roll aus Luzern sie im Amt der Superiorin ab.9 Die folgenden Jahre herrschte in Freiburg zumindest in der Stadt Frieden, nicht jedoch im Ursulinenkloster, das unter der langen Krankheit der neuen Oberin und unter Disziplinproblemen litt.

Als der Konvent Euphemia Dorer erneut zur Oberin wählte, kehrte sie 1725, mit 58 Jahren, zurück. Wieder warteten Baumaßnahmen auf sie, denn die Kriegsschäden waren in den vergangenen neun Jahren nur notdürftig repariert worden. Auch die Ausstattung der Kirche nahm sie nun in Angriff. Sie hatte großes Geschick darin, Spendengelder und Geschenke einzuwerben.10

Als die neunjährige Amtszeit 1734 abgelaufen war, wurde sie erst zur Novizenmeisterin ernannt, dann zur Assistentin der neuen Superiorin. Sie wuchs inzwischen immer mehr in die Rolle der Ratgeberin und geistlichen Betreuerin hinein. Trotz ihres fortgeschrittenen Alters und eines Schlaganfalls 1742 unternahm sie noch Reisen, um geistlichen Beistand zu gewähren. Auch Franziskus Schächtelin, der Abt von →St. Blasien suchte Rat und geistliche Führung bei ihr.11

1744 wurde das Kloster während des österreichischen Erbfolgekrieges nochmals schwer beschädigt. Weitere Bauschäden verursachten die Sprengungen des Festungsgürtels nach der Einnahme durch die französischen Truppen. In dieser Zeit war Ignatia Heintze Superiorin, eine enge Vertraute Euphemia Dorers. Beide pflegten enge Kontakte zu adeligen Damen und anderen hochgestellten Persönlichkeiten, insbesondere in einem jahrzehntelangen Briefwechsel mit Maria Theresia von Liechtenstein, Herzogin von Savoyen, die hohe Summen für das Kloster bereitstellte.12 Auch Kaiserin Maria Theresia unterstützte die Freiburger Ursulinen beim Wiederaufbau nach den schweren Zerstörungen 1744. Den Kontakt zur Kaiserin stellte P. Marquard Herrgott von St. Blasien her, Vertreter des Prälatenstandes in Wien und ein Vetter von Dorers Vertrautem Abt Franziskus Schächtelin.13 Euphemia Dorer starb mit 84 Jahren am 4. März 1752 und wurde in der Gruft unter der Klosterkirche bestattet. Nach ihrem Tod wurde Ignatia Heintze für die folgenden elf Jahre Superiorin (1752–1763). Die folgenden Jahrzehnte waren geprägt von Konsolidierung und vorsichtiger Expansion. Auch den folgenden Superiorinnen gelang es, das weitgespannte Netzwerk zu anderen Klöstern und adeligen Persönlichkeiten aufrechtzuerhalten. Vor allem die Schule war erfolgreich und wuchs, während es der Tochtergründung in →Staufen nicht gelang, aus eigener Kraft zu bestehen.

Ab 1773 galt die allgemeine Schulpflicht in Vorderösterreich. Kaiserin Maria Theresia erließ 1774 eine neue Schulordnung, die die Ideen der Aufklärung in den Schulunterricht einführte und die Lehrerausbildung neu ordnete, die auch für die Klosterschulen galt. Die Lehrschwestern mussten nun an entsprechenden Ausbildungskursen teilnehmen. 1787 unterrichteten die Freiburger Ursulinen 226 Schülerinnen.14

Der nächste große Einschnitt war die Säkularisation zwischen 1802 und 1811. Das Kloster wurde von der Aufhebung verschont, weil es eine Schule führte. Aber 1811 wurde eine staatliche Vorschrift erlassen, die neue Anforderungen an die Ausbildung der Lehrfrauen festlegte und die speziellen klösterlichen Bindungen aufhob. Trotz dieser erschwerten Bedingungen gelang es 1820, eine Filiale in Breisach einzurichten.

1877 wurde das Kloster im Kulturkampf dann doch noch geschlossen, obwohl dort zuletzt 924 Schülerinnen unterrichtet wurden. Die letzte Superiorin Pia Waßmer eröffnete als Konsequenz mit vier Mitschwestern, der Unterstützung durch das Erzbistum und durch Amalie Gramm, einer reichen Freiburger Erbin, eine private höhere Mädchenschule, das sogenannte Katholische Institut. 1926 erwarben die Ursulinen ein ehemaliges Fabrikgelände in der Hildastraße 41, wohin sie ihren Konvent verlagerten und weitere Schulen eröffneten, unter anderem eine Frauenschule und ein Seminar zur Ausbildung von Hauswirtschaftslehrerinnen. Ihre Schulen mündeten in das heutige St.-Ursula-Gymnasium und in die St.-Ursula-Schulen.

Von den Tochtergründungen der Freiburger Ursulinen hatte nur die letzte in →Villingen Bestand.

Besitz und Wirtschaft

Der erste Standort war ein halbes Haus in der Weberstraße 13, das ihnen von der Familie Pyhrr geschenkt wurde.15 Wichtigster Besitz des Konvents waren das Kloster mit einem Innenhof und die Kirche. Dafür hatten sie 1707 vier aneinanderhängende Grundstücke mit Häusern und zwei daran anstoßende Gartengrundstücke erworben.16 Dort befanden sich die Schulräume und die Unterkünfte der Klosterfrauen und der Schülerinnen. Das Mädchenpensionat stellte eine kontinuierliche Einnahmequelle dar, da die Eltern für Kost und Logis zahlten. Richtung Lehener Tor grenzte ein Klostergarten an.17 Ebenfalls 1708 verkauften sie ihren Anteil am Haus in der Webergasse 13.18

1746 konnten sie eine weitere Hofstätte kaufen, die an das Kloster angrenzte,19 und 1754 ein nahegelegenes Grundstück mit einer Scheune.20 Ein größeres Anwesen am Christoffelstor, das sie 1762 erwarben und zu dem eine Mühle und eine Schildwirtschaftsgerechtigkeit gehörten, war dagegen als Geldanlage gedacht und verliehen,21 nur die zugehörigen Felder nutzten sie selbst.22 1774 veräußerten sie diesen Komplex auf Druck des Städtischen Rats wieder. Bereits im Satzbrief und dann auch in der Genehmigung zur Errichtung des Klostergebäudes war festgelegt worden, dass die Schwestern khein ligente güetter ahn sich ziehen, oder erkhaufen23 durften. Schenkungen oder Erbsachen sollten sie direkt an Freiburger Bürger verkaufen – eine Vorschrift, die offensichtlich ignoriert wurde. Insbesondere unter der Führung von Ignatia Heintze sind Bestrebungen zum Vermögensaufbau und zur Arrondierung des Geländes um den Klosterkomplex zu verzeichnen. In seiner größten Ausdehnung umfasste das Klostergelände das Gebiet von 22 ehemaligen Bauplätzen.24 Der Konvent verfügte auch über Äcker, Wiesen und Rebflächen, die sie zum Teil selbst bewirtschafteten, zum Teil gegen Zins verliehen.25 Das Getreide wurde in der eigenen Scheune gedroschen. Von der Stadt Freiburg wurden sie unter anderem durch kostenlose Brennholzlieferungen für den Schulbetrieb unterstützt.26

Religiöses und kulturelles Wirken

Da der Mädchenunterricht Kernaufgabe ihres Ordens war, führten die Freiburger Ursulinen von Anfang an eine Mädchenschule. Dort boten sie kostenlosen Unterricht für Mädchen aus städtischen Familien an. Wann genau sie in Freiburg begannen, auch Schülerinnen im Internat aufzunehmen ist unklar, wohl aber bereits sehr bald nach der Gründung.

Im Zentrum des Unterrichts stand – neben Lesen, Schreiben, Rechnen und Französisch – die Religionslehre, die zu einem persönlichen Glauben anleiten sollte.27 Ihr Unterrichtskonzept ist im Detail überliefert, da sie dem Freiburger Magistrat ihr proiect auf was art und weis / inhalt unser Instituts / die kinder hiesiger stadt nach erbauung des gotteshauses und der schulen unterricht und gelehrt werden präsentierten. Das Einüben und Aufführen von Theaterstücken in der Tradition des Jesuitentheaters war Teil ihres didaktischen Konzepts, in dem Verstehen und emotionales Erfassen das bloße Auswendiglernen ersetzen sollten. Daneben wurde auch das Anfertigen von textilen Kunsthandwerkstücken gelehrt.

Die Progressivität der jungen Gemeinschaft erwies sich nicht nur in ihrem Schulkonzept, sondern auch durch die erfolgreiche Gründung einer Herz-Jesu-Bruderschaft, einer Form von Gebetsgemeinschaft, die seit dem letzten Drittel des 17. Jahrhunderts vor allem durch die Jesuiten eine starke Verbreitung fand. Diese Vereinigung war eng an die Ursulinen angeschlossen und beförderte entscheidend die Verankerung des Klosters in der Stadtgemeinde. Sowohl für die Schule als auch für die Bruderschaft diente das Mutterkloster in Luzern als Vorbild.

Die ersten Jahre des Konvents in Freiburg standen unter dem starken Einfluss der Spiritualität von Euphemia Dorer. Sie hatte schon als junge Frau mystische Visionen und erfuhr als Dreißigjährige, kurz vor ihrer Versetzung nach Freiburg, ein tiefes spirituelles Erlebnis in Form einer Stigmatisation. Sie war zusammen mit der Superiorin Placida Sommervogel die treibende Kraft hinter der Bruderschaft. Zusammen mit Franziskus Schächtelin initiierte sie eine ähnliche Gemeinschaft am Benediktinerinnenkloster →Berau, das St. Blasien unterstand. Diese Bruderschaft wurde 1736 im Beisein von Euphemia Dorer und Ignatia Heintze errichtet. Euphemia Dorer etablierte auch eine Sonntagsschule, die ursprünglich dafür gedacht war, Mägde und andere abhängig beschäftigte Frauen in religiösen Themen zu unterweisen, die aber auch bei den Bürgersfrauen sehr beliebt war. Für andere Geistliche übernahm sie die Rolle einer spirituellen Begleiterin wie für Franziskus Schächtelin oder Nonnen anderer Orden.

1738 schließlich gelang es ihr auch noch, die Reliquie des Hl. Felicianus, eines sogenannten Katakombenheiligen aus Rom, für die Klosterkirche zu erhalten. Am Tag ihrer goldenen Profess wurden diese Gebeine in einer feierlichen Prozession aus dem Münster ins Kloster übertragen und wurden dort für einige Jahre zu einer Anziehungsstätte für Wallfahrer. Aus den ersten Jahrzehnten der Felician-Verehrung sind Mirakelberichte überliefert.

Ein mit Euphemia Dorer vergleichbares spirituelles Charisma zu entwickeln, gelang ihren Nachfolgerinnen nicht mehr, aber die Gemeinschaft prägte durch ihren anspruchsvollen und pädagogisch ausgerichteten Mädchenunterricht viele Generationen von Freiburgerinnen und damit die städtische Gesellschaft letztlich bis heute.

Bibliothek und Archiv

Ende des 19. Jahrhunderts wurde eine Aufstellung derjenigen Bücher erstellt, die sich damals noch im Gebäude des Schwarzen Klosters befanden. Die Liste enthält insgesamt 222 Titel vor allem geistlicher und pädagogische Natur in deutscher und französischer Sprache mit Erscheinungsjahren ab dem Beginn des 18. Jahrhunderts.28 Die Bände gingen in die Stadtbibliothek und in die Bibliothek des theologischen Konvikts ein. Das Archivgut des Klosters ist verstreut und befindet sich unter anderem im Stadtarchiv Freiburg, im Erzbischöflichen Archiv Freiburg und im Generallandesarchiv Karlsruhe.

Bau- und Kunstgeschichte

Lage

Im August 1707 genehmigte die städtische Baukommission die Errichtung des neuen Ursulinenklosters, unter anderem mit der Auflage, dass zum Bau ausschließlich Freiburger Handwerker zu beauftragen seien.29 Der Bauplatz bestand aus vier Grundstücken, die im Westen der Innenstadt, an der Ecke Egelgasse (heute Rathausgasse) und dem Stadtgraben lagen.30 Die geostete Kirche ist in den Nordflügel der vierflügligen, dreigeschossigen Klosteranlage integriert und wird durch den Dachreiter mit Zwiebelhaube und die hochrechteckigen Fenster mit darüberliegenden Okuli Richtung Rathausgasse ausgewiesen.

Kirche und Konventsbauten

Architekt des Klostergebäudes und der Kirche war Johann Baptist Heintze, der auch für die Pläne des Jesuitenkollegs verantwortlich zeichnete und der die Bauarbeiten begleitete.31 Heintze war dem Kloster auch persönlich eng verbunden, da seine Tochter 1707 den Freiburger Ursulinen beigetreten war.32 Bauleiter war Franz (Bernhard) Hamm.

Die Kirche im Schwarzen Kloster wurde mehrfach renoviert, aber nie grundlegend umgestaltet. Der Innenraum ist eine einfache Saalkirche, überwölbt von einem Stichkappengewölbe. Die sechs Okuli in den Stichkappen weisen nach Norden und im Westen befinden sich zwei übereinanderliegenden Emporen. Für einen Orden, der dezidiert die Klausur ablehnte, überrascht die Nonnenempore. Sie ist mit Rokokostukkaturen und einem kunstvoll geschnitzten Holzgitter versehen und direkt vom ersten Stock des Klosters aus zu erreichen. Auf der zweiten befindet sich die Orgel (erneuert 1906). Die Stukkaturen stammen wohl von Franz Anton Vogel. Die Kirche wurde am 5. August 171033 dem Heiligsten Herzen Jesu und der Heiligen Jungfrau Maria vom Schnee geweiht.34 Dieses Patrozinium ist der hohen Bedeutung der Herz-Jesu-Verehrung bei den Ursulinen und Jesuiten allgemein und insbesondere im Freiburger Ursulinenkonvent geschuldet. 1716 folgte eine Konsekration durch Weihbischof Conrad Ferdinand Geist von Wildegg aus Konstanz. Die Nonnengruft unter der Kirche wurde 1720 geweiht.

Materielle Kulturgeschichte, Bauausstattung

Die Stukkaturen und Ausmalungen am Gewölbe stammen wahrscheinlich aus der Zeit zwischen 1715 und 1730. Zwei davon enthielten religiöse Allegorien und sind nicht mehr erhalten. Das östliche Deckenbild zeigt die Taube des Heiligen Geists in Verehrung durch Engel. An den Seiten zwischen den Stichkappen befinden sich je fünf monochrome Medaillons mit Glaubenssymbolen.

Nach 1725 wurden die Kriegsschäden weitgehend beseitigt und der Schreiner und Bildhauer Johannes Berger (auch: Barger oder Johannisberger) aus Endingen mit der Herstellung einer Kanzel und eines spätbarocken Hochaltars beauftragt. Die Auftragsvergabe an einen auswärtigen Künstler führte zu erbittertem Widerstand aus der Freiburger Handwerkerschaft, der die Schwestern aber nicht von ihren Plänen abbringen konnte.

Das Altarblatt zeigt die Salus populi Romani mit dem Maria-Schnee-Wunder, der Maler ist vielleicht der bayrische Hofmaler Johannes Degler aus Villnöß in Südtirol, der auch Altarbilder für die Freiburger Jesuitenkirche gemalt hat. Das Gemälde wurde von der ersten Superiorin Cäcilia Hirt gestiftet. Ursprünglich gehörten zur Ausstattung auch zwei Seitenaltäre, zwischen denen eine Kommunionbank eingefügt war. An der Südwand befinden sich vier barocke Ölgemälde, sie zeigen eine Kreuzigung, St. Ursula, den Hl. Joseph und eine weitere Heilige (von Ost nach West). St. Ursula und der Hl. Joseph stammen wahrscheinlich von Franz Bernhard Altenburger.

Die Kanzel schmücken am Korb die Evangelistensymbole, Sonne und Mond an der Eingangstür und eine Taube im Schalldeckel. Sie trägt vorne am Schalldeckel das Wappen des Stifters, Propst Egermayer vom →Kollegiatstift St. Margarethen in Waldkirch. Der Zugang zur Kanzel erfolgt bis heute von der Sakristei aus, die 1747 mit repräsentativen Schränken eingerichtet wurde und von der aus eine Treppe ins Klostergebäude führt.

Zur Ausstattung der Kirche gehörten ab 1738 auch die Reliquien des Hl. Felician, die von den Ursulinen kunstvoll verziert wurden.

In der Zeit zwischen 1745 und 1747 wurden mit finanzieller Unterstützung von Maria Theresia von Liechtenstein, Herzogin von Savoyen, nicht nur die Beschädigungen durch den österreichischen Erbfolgekrieg am Gebäude beseitigt, sondern auch Gemälde und Stuck in der Kirche erneuert und die Außenfassade gelb gestrichen.

Der wertvolle Rokoko-Tabernakelaufsatz von Matthias Faller stammt aus dem Freiburger Augustinerchorherrenstift Allerheiligen und ersetzte 1807 den ersten Tabernakel von 1729. Im Konventsgebäude befinden sich zwei Säle, die mit Stuckdecken im Stil des Rokoko ausgestattet sind, nämlich das Refektorium im Erdgeschoss und das Oratorium im ersten Obergeschoss, das auch als Konferenzsaal genutzt wurde. Auch das Zimmer der Superiorin war mit Stukkaturen ausgeschmückt. Der Künstler war möglicherweise Franz Josef Vogel. Bemerkenswert sind auch die prächtigen Holztüren und ihre Türrahmen.

1877 gingen Kloster und Kirche an die Stadt Freiburg über. Bei der Restaurierung 1888 unter der Ägide von Heinrich Hansjakob wurden die barocken Deckenbilder übermalt und durch Apostelbilder, das Motiv »Lasst die Kinder zu mir kommen« und das Auge Gottes ersetzt. Bei einer Renovierung zwischen 1937 und 1939 wurden diese Übermalungen wieder entfernt. Seit 1894 nutzt die Altkatholische Gemeinde die Kirche.

Bibliographie

Handbücher und Lexika: Dehio, Baden-Württemberg Bd. 2, S. 223 (Dagmar Zimdars); kloester-bw, Ursulinenkloster Freiburg (Wolfgang Hug).

Literatur: Amann 1904; Vetter 1983; Brommer 1987; Hug 1996.

Anmerkungen

  • 1 StadtA FR C 1 Kirchensachen 99 Nr. 2.
  • 2 StadtA FR C 1 Kirchensachen 99 Nr. 1, 10.
  • 3 StadtA FR C 1 Kirchensachen 99 Nr. 5, Satzbrief (6. 9. 1697).
  • 4 StadtA FR C 1 Kirchensachen 99 Nr. 1.
  • 5 Schalk 1946, S. 6; Amann 1904, S. 33 nennt nur drei Schwestern.
  • 6 StadtA FR C 1 Kirchensachen 99 Nr. 5.
  • 7 StadtA FR C 1 Kirchensachen 100 Nr. 1, Kirchenbau.
  • 8 StadtA FR C 1 Kirchensachen 108.
  • 9 Amann 1904, S. 6 8-72; StadtA FR C 1 Kirchensachen 99 Nr. 3 nennt dazu das Jahr 1716.
  • 10 StadtA FR C 1 Kirchensachen 103.
  • 11 StadtA FR C 1 Kirchensachen 103.
  • 12 StadtA FR C 1 Kirchensachen 104.
  • 13 StadtA FR C 1 Kirchensachen 103.
  • 14 StadtA FR C 1 Schulsachen 24, zitiert nach Schmid 1984, S. 20 4-207.
  • 15 StadtA FR C 1 Kirchensachen 99 Nr. 5, Satzbrief (6. 9. 1697).
  • 16 StadtA FR C 1 Kirchensachen 101 Nr. 2.
  • 17 StadtA FR C 1 Kirchensachen 101 Nr. 2; StadtA FR C 1 Kirchensachen 100 Nr. 6.
  • 18 StadtA FR C 1 Kirchensachen 100 Nr. 2, St. Ursula Bausachen.
  • 19 StadtA FR C 1 Kirchensachen 100 Nr. 5; StadtA FR C 1 Kirchensachen 101 Nr. 2.
  • 20 StadtA FR C 1 Kirchensachen 101 Nr. 2.
  • 21 StadtA FR C 1 Kirchensachen 101 Nr. 2, 3 und 6; StadtA FR C 1 Gewerbe und Handel, Wirtschaften A-H 2.
  • 22 StadtA FR C 1 Kirchensachen 101 Nr. 3.
  • 23 StadtA FR C 1 Kirchensachen 100 Nr. 1.
  • 24 Flamm 1903, S. 56.
  • 25 StadtA FR C 1 Kirchensachen 99 Nr. 10; StadtA FR C 1 Kirchensachen 100 Nr. 13; StadtA FR C 1 Kirchensachen 101 Nr. 2, 3, 5; StadtA FR C 1 Kirchensachen 101 Nr. 4, 5, 7, 9.
  • 26 StadtA FR C 1 Kirchensachen 110 Nr. 1.
  • 27 StadtA FR C 1 Kirchensachen 100 Nr. 1, Abdruck in Amann 1904, S. 4 6-47.
  • 28 StadtA FR C 3/76/06 (Bücher und Presse).
  • 29 StadtA FR C 1 Kirchensachen 100 Nr. 1.
  • 30 StadtA FR C 1 Kirchensachen 101 Nr. 2.
  • 31 kloester-bw, Jesuitenkolleg Freiburg.
  • 32 Amann 1904, S. 44; Brommer 1987, S. 6.
  • 33 Amann 1904, S. 57.
  • 34 Hug 1996, S. 126; Brommer 1987, S. 10 ff
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • R. Johanna Regnath [Autor]
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