Freiburg, Deutscher Orden 

Kurzbeschreibung:

1258 Ersterwähnung – 1263 Niederlassung beim Mönchstor – 1677 Zerstörung – 1684 Umzug in die Salzstraße – 1768 Umbau – 1806 Aufhebung

Patrozinium: Maria
Ordensgliederung: Ordensballei Elsass-Burgund
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Freiburg

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Deutscher Orden 1258-1806
Beschreibung:

Name: ecclesia hospitalis sancte Marie Theutonicorum in Friburch (1258);1 magister et fratres hospitalis sancte Marie de domo Theotonica (1263);2 bruoder von dem Túschenhuse ze Friburc (1272);3 domus sancte Marie fratrum Theutunicorum in Vriburg (1275);4 bruoder des ordens Unserre Frowen sante Marien von dem Tútzschen huse ze Friburg (1276);5 commendator ceterique fratres domus sancte Marie Teutonicorum in Friburg (1283);6 her[re]n von dem Túschenhuse ze Friburg (1300)7

Geschichte

Historische Entwicklung

Die Niederlassung des Deutschen Ordens lag im Lauf der Zeit an zwei unterschiedlichen Standorten. Ursprünglich befand sich das Ordenshaus in der Neuburger Vorstadt, nach dessen Zerstörung anlässlich der Anlage der Vauban’schen Befestigungen zog die Kommende in die Salzstraße. Eine erste Erwähnung der Präsenz des Ordens in der Stadt datiert auf das Jahr 1258, als Papst Alexander IV. (1254–1261) für den Besuch der Freiburger Deutschordenskirche einen Ablass gewährte.8 Zu einer von einem Komtur geleiteten Kommende wurde diese Niederlassung fünf Jahre später im Zug einer größeren, gräflichen Schenkung. 1263 verlieh Graf Konrad I. von Freiburg (1236/37–1271) dem Ordenshaus und seinem Vorsteher Konrad von Fischerbach – nunc commendator domus – fünfeinhalb Hofstätten in Freiburg bei dem in Richtung Zähringen gelegenen Mönchstor.9 Sowohl Hinweise in der Urkunde selbst als auch die für den Orden insgesamt nicht untypische Lage lassen vermuten, dass sich die Ordensmitglieder diesen Platz selbst aussuchten und der Graf dies lediglich bestätigte. Eine länger anhaltende Förderung durch die gräflichen Stadtherren lässt sich abgesehen von einer 1272 erfolgten kleinen Schenkung nicht erkennen.

Zahlreiche Schenkungen und Erwerbungen begünstigten ein rasches Wachstum im Lauf des 13. Jahrhunderts. Zu den maßgeblichen Förderern gehörten in dieser Zeit neben vereinzelten Fürsten und höheren Adligen, wie den Markgrafen von Hachberg, Markgrafen von Baden und Herren von Üsenberg, vor allem der Niederadel, wie die Herren von Biengen, und Freiburger Bürger. Während sich die alten Ratsfamilien mit Ausnahme der Küchlin eher zurückhielten, spielte die im Lauf des 13. Jahrhunderts hinzugekommene, neue Oberschicht eine deutlich größere Rolle und sorgte durch Käufe von Ordensbesitz insbesondere in den 1290er Jahren dafür, dass sich die finanziell angeschlagene Kommende wieder erholen konnte. Eine Schenkung der thüringischen Landgrafensöhne 1273/74 blieb eine wirkungslose Episode. Das Verhältnis zur umliegenden Stadt gestaltete sich für die Kommende, die einen eigenen Rechtsbereich bildete, ambivalent. Einerseits überließen 1282 der Schultheiß und der Rat ihr einen Teil des bislang als Allmende genutzten Stadtgrabens, andererseits kam es im folgenden Jahrzehnt auch zu Konflikten. 1283 ermordete der Sohn des Schultheißen den Komtur Guntram von Biseck. In Streitigkeiten um die unterschiedlichen Rechtsbereiche zerstörten einige Bürger, nachdem die Ordensbrüder zwei Freiburger Bürger hatten blenden lassen, 1292 unter Beteiligung des Grafensohns Konrad sogar die Gebäude der Freiburger Kommende. Im Folgejahr konnte der Konflikt in Gegenwart des Hochmeisters des Deutschen Ordens, Konrad von Feuchtwangen, geschlichtet und die Stadt zum Wiederaufbau verpflichtet werden. Dabei regelte man die rechtliche Zugriffsmöglichkeit des Komturs in der Stadt. Zur Bußleistung versprachen Graf Egen I. (1271–1316) und die Stadt je eine Altarpfründe für den Orden einzurichten. Ab dem 14. Jahrhundert lässt sich eine Einbindung der Ordensbrüder in die Stadtverteidigung nachweisen. Außerdem entrichtete die Kommende als Satzbürger die entsprechenden Abgaben, wurde 1394 allerdings von der Ungeldleistung freigestellt.

Ausgang des 13. und im Lauf des 14. Jahrhunderts geriet die Kommende – auch bedingt durch die Forderungen des Gesamtordens – immer wieder an die Grenze ihrer finanziellen Möglichkeiten und war zu Verkäufen gezwungen. Die folgenden Jahrhunderte waren geprägt von wirtschaftlichen Schwankungen. Erwerbs- und Verkaufsphasen wechselten sich ab, wobei eine intensive Erwerbstätigkeit in der Mitte des 14. Jahrhunderts zu bemerken ist. Später trugen unter anderem die Einfälle der Armagnaken dazu bei, dass die Ordenskommende in finanzielle Probleme geriet, wie der Landkomtur in den 1440ern dem Hochmeister berichtete und Visitationsakten für 1451 festhalten.10 Bei der Veräußerung des Dinghofs zu Herdern 1457 an die Stadt Freiburg könnte es sich um eine daraus resultierende Nachwirkung handeln. Als allgemeine Besitzschwerpunkte kristallisierten sich vor allem der Kaiserstuhl und Tuniberg, der Ausgang des Elztals und das Dreisamtal heraus, ergänzt durch Güter und Einkünfte im Markgräflerland. Mit dem 15. Jahrhundert treten zunehmend Streitsachen und Vergleiche zu Tage, in die die Kommende involviert war. Dabei ging es um konkurrierende Rechte, Zinszahlungen – vor allem an die Kommende säumige Zahler – und Leibeigene des Ordens. Mit der Stadt gelang es, einen Modus Vivendi zu finden. 1393 besaß die Kommende das Freiburger Bürgerrecht und entrichtete dafür die übliche Stadtsteuer. Laut Eigenaussage der Brüder sorgten lediglich die gegenseitigen wirtschaftlichen Verflechtungen dafür, dass sie noch nicht aus der Stadt getrieben worden seien, denn während sie auf römischer Seite standen, hielt die Stadt es mit dem Papst zu Avignon.11 1466 konnte man sich bezüglich des Zolls einigen und 1514 hinsichtlich des Asylrechts der Kommende. Streitfälle blieben aber nicht aus, wie spätere Vermittlungen belegen.

Im ausgehenden 16. und 17. Jahrhunderts zählte die Kommende neben dem Komtur bis zu zwei Ritter- und bis zu fünf Priesterbrüder, die in den Landpfarreien eingesetzt waren. Die Dominanz der Priesterbrüder ist neben den zu besetzenden Pfarreien auch auf ein etwa um 1600 in Freiburg eingerichtetes »Alumnat« (Schülerheim) zurückzuführen, welches 1735 an den Sitz des Landkomturs nach Altshausen verlegt wurde. Hinsichtlich des Tätigkeitsprofils dominierte allerdings die militärische Ausrichtung den Orden und viele Freiburger Komture waren vor und während ihrer Amtsausübung Offiziere in habsburgischen Diensten. Als ab 1679 Vauban Freiburg in eine französische Festung umwandelte und dafür die Vorstädte eingeebnet wurden, fielen diesen Zerstörungen die Baulichkeiten des Ordens zum Opfer. Der französische Versuch, auch die Kommende selbst – wie auch diejenigen im Elsass – aufzuheben, scheiterte allerdings. In den folgenden Jahrzehnten ging es vor allem darum, Schadensersatz sowie die alten Rechte und Freiheiten zu erhalten. 1684 konnte Komtur Franz Benedikt von Baden Häuser zwischen der Freiburger Salz- und Augustinergasse für 4.000 Gulden erwerben und dort seinen Sitz nehmen.12 1714 hatte sich die Kommende finanziell erholt und war in der Lage, der Stadt mit einem Darlehen über 50.000 Gulden auszuhelfen. Dabei wurde ein gegenseitiger Vertrag geschlossen, der dem Orden seine alten Rechte zusicherte und diese von dem früheren Haus auf das jetzige übertrug. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bestand am Ort der alten Kommende beim Mönchstor ein 1745 von Johann Kaspar Bagnato angelegter Garten mit Teehäuschen. Als die Hauptgebäude im Stadtzentrum, die 1720 durch den Kauf eines Nachbarhauses ergänzt wurden, bei der Belagerung 1744 Schäden davon getragen hatten, war dies der Anlass für einen kompletten, barock-klassizistischen Umbau. Entgegen der Vorschläge des verschuldeten Freiburger Komturs und auch des Freiburger Stadtwerkmeisters für ein einfaches Bürgerhaus, ordnete der Landkomtur an, dass ein Repräsentationsbau am Ort der vorderösterreichischen Landstände, zu denen Freiburg und auch die Kommende →Beuggen zählten, errichtet werden sollte. Nach den Plänen Franz Anton Bagnatos entstand 1768 ein neues Wohn- und Amtsgebäude. Als Amtsleute treten in dieser Zeit mehrfach ein Obervogt, ein Hausmeister, ein Sekretär und ein Burgvogt für Wasenweiler in Erscheinung.

Was Größe und Bedeutung betrifft, rangierte der Freiburger Konvent stets hinter den Landkomturssitzen Beuggen und Altshausen sowie der →Mainau, aber meist mit großem Abstand vor den übrigen Kommenden an dritter bis vierter Stelle. Die frühesten Freiburger Komture stammten in der Regel aus älteren Kommenden – vor allem Hitzkirch und Beuggen. Abgesehen vom ersten Komtur Konrad von Fischerbach lassen sich Amtsträger Breisgauer oder Freiburger Herkunft erst in den 1290er Jahren mit Friedrich von Staufen und Rudolf Küchlin finden – jeweils aus Familien, die auch durch Schenkungen dem Orden zugeneigt waren. Als soziale Trägerschicht der einfachen Brüder treten für das 13. Jahrhundert vor allem der ländliche, lokale Niederadel und Mitglieder der städtischen Familien zu Tage. Die Konventsgröße lag für das Mittelalter in der Regel bei knapp einem halben Dutzend mit geringen Schwankungen, wie sich für das 13. Jahrhundert oder exemplarisch in Rechnungen und Visitationsberichten 1393, 1410/11, 1414, 1451, 1580 und 1593 belegen lässt. In dieser Hinsicht befand sich Freiburg im Durchschnittsbereich der Kommenden. Als sich 1393 der Landkomtur für seine Visitation in Freiburg aufhielt, dürfte dies wohl eher damit zusammenhängen, dass er diese Kommende gerade auch selbst mitverwaltete. Hauptsitz des Landkomturs wird Freiburg nicht gewesen sein. Mit der Wende vom Spätmittelalter zur Frühneuzeit änderte sich der Gesamtcharakter des Ordens hin zu einer Versorgungsanstalt des Adels, was sich auch in Freiburg bemerkbar machte. Zahlreiche Ordensbrüder nutzten im 16. und 17. Jahrhundert das Amt des Freiburger Komturs als Karrieresprungbrett und Bewährungsprobe für größere Aufgaben, wie der des Komturs auf der Mainau oder der des Landkomturs. Johann Kaspar von Stadion stieg 1627 sogar bis zum Hochmeister auf. Bedingt durch die zeitweilige Anwesenheit von Priesterschülern und vereinzelt auch von Priesterbrüdern selbst, ging die Anzahl der Konventsmitglieder nicht so stark zurück wie andernorts. Dabei bleibt beim jetzigen Forschungsstand jedoch unklar, wie viele der ordenseigenen Pfarreien im Umland auch tatsächlich mit ordenseigenen Geistlichen besetzt waren und wann dort auf Weltkleriker zurückgegriffen wurde. In den 1790er Jahren standen mit Glottertal, Oberhausen, Pfaffenweiler und Wasenweiler vier von elf Pfarreien unter der Leitung von Priestern des Ordens.

Mit den napoleonischen Eroberungen und insbesondere mit dem Frieden von Pressburg sowie dem badischen Beitritt zum Rheinbund kam der Besitz der Freiburger Ordenskommende 1806 an Baden. Zu diesem Zeitpunkt umfasste sie neben dem Komtur einen Obervogt und Verwalter sowie zwei Priester als Pfarrverweser in Wasenweiler und Oberhausen. Die beiden Beamten wurden in die badische Verwaltung übernommen, was mit den 16 Angestellten geschah, ist nicht belegt. Das Gebäude wurde als Verwaltungsgebäude genutzt und am 27. November 1944 größtenteils zerstört. In den 1980er-Jahren erfolgte der Wiederaufbau als Justizgebäude mit der alten, erhaltenen Fassade.

Besitz und Wirtschaft

In wirtschaftlicher und finanzieller Hinsicht rangierte Freiburg im balleiinternen Vergleich 1414 ebenfalls an vierter Stelle und bildete mit Straßburg zusammen das Schlusslicht der fünf großen Kommenden. Ähnliches gilt auch für die Rechnungen 1515 und für 1668, als die Ballei die Kosten eines Feldzugs auf ihre Kommenden umlegte. Der Aufbau eines eigenen Territoriums gelang der Kommende Freiburg zwar nicht, aber immerhin erlangte sie in drei Dörfern die Ortsherrschaft. 1298 erwarben die Ordensbrüder von Rudolf von Üsenberg die Vogtei und Güter in Wasenweiler und errichten dort 1446 aufbauend auf einer früheren veste ein Wasserschloss mit Kapelle und drei Altären, die erstens der Hl. Maria, zweitens den Hll. Barbara und Katharina und drittens den Hll. Wilhelm und Georg gewidmet waren. 1560 kam die Hälfte der Ortsherrschaft über Littenweiler hinzu, ergänzt um zwei Drittel der Ortsherrschaft über Merdingen 1716. Alle drei blieben bis zum Ende des Alten Reichs bestehen.

Daneben verfügte die Freiburger Kommende Ende des 14. Jahrhunderts über einen eigenen Bauhof zu Wangen und verschiedene andere, kleinere zinsbare Höfe. Der Grundbesitz der Ordenskommende verteilte sich als Streubesitz über den Breisgau – bei der Auflösung auf 47 Ortschaften. Schwerpunkte bildeten sich vor allem am Kaiserstuhl um Wasenweiler, die Gegend um Vörstetten und Denzlingen sowie im Kappler Tal – also jenen Orten, in denen eigene Höfe unterhalten wurden. Besonders dicht war der Besitz in und um Freiburg, weit entfernter Besitz wie jener zu Egisheim wurde schon früh verkauft. Von diesem Streubesitz stammende Geldzinsen und gegen Geld verpachtete Zehnten bildeten das finanzielle Rückgrat der Kommende. Daneben tritt der Erlös für den Weinverkauf hervor, der 1414 etwa ein Fünftel der Einnahmen ausmachte.

Religiöses und kulturelles Wirken

Eine breitere Wirkung entfaltete die Freiburger Deutschordenskommende über ihre zahlreichen Pfarreien und die dort teilweise eingesetzten ordenseigenen Priester. Während Kappel (1272), Wasenweiler (1290) und Malterdingen (1300) ebenso wie die im Lauf des 14. Jahrhunderts erworbenen Pfarreien Merdingen (1346), Ballrechten (1350), Bötzingen (1356) mit der Albanskapelle in Oberschaffhausen (Ende 15. Jahrhundert) und Oberhausen (1357) bis zur Auflösung 1806 beim Orden verblieben, wurden die frühen Pfarreien Kirchhofen, Ambringen, Mundingen, Köndringen und Endingen veräußert. Temporär im Besitz waren auch Ihringen, Denzlingen und Buchheim, dauerhaft kamen später Glottertal (1475), Pfaffenweiler (1485), Herdern (1447), Oberbergen (1700) und Hugstetten hinzu. Ihren pfarrherrlichen Aufgaben kamen die Komture jedoch nicht immer gewissenhaft nach, was zu zahlreichen Spannungen mit den Ortsgemeinden führte. So finden sich häufig Klagen, dass der Orden seine kirchherrlichen Pflichten verletzte, die Seelsorge vernachlässigte oder sich weigerte, seinen Anteil zum Kirchenerhalt beizutragen. Mitte des 16. Jahrhunderts musste der Pfarrer in Oberhausen buchstäblich im Regen stehen, da die Kommende nicht für den Neubau des Chores aufkommen wollte.

Vor allem sind es die damit einhergehenden Baulichkeiten, die vom Wirken des Ordens zeugen, wie die Fresken in der Bötzinger St. Albanskapelle (um 1500) oder die Kirche zu Merdingen (1739–1749). Während die alte Niederlassung in der Freiburger Neuburg über eine Kirche und Begräbnisplätze verfügte, besaß der spätere Neubau lediglich eine Kapelle. Zur Grablege für vier Komture des 18. Jahrhunderts wurde die Kirche der →Augustinereremiten in Freiburg. Von einer Hospitaltätigkeit des Ordens in und um Freiburg ist nichts und über kulturelle Tätigkeiten sind bislang nur Einzelmomente bekannt: 1299 ließen die Ordensbrüder in einer Verkaufsurkunde festhalten, dass keiner von ihnen des Schreibens kundig sei13 und 1584 beherbergte die Kommende den Kunstmaler Hans Bär von Ravensburg, der vom Komtur der Stadt zur Aufnahme in das Bürgerrecht empfohlen wurde.

Bibliothek und Archiv

Zwar lässt sich für die frühneuzeitlichen Komture und Priester in ihren Nachlässen Buchbesitz nachweisen, von einer Bibliothek für die Kommende selbst ist allerdings nichts bekannt.14 Bei der Auflösung umfasste das Archiv fast nur Abschriften in 36 Schubladen, die über das Freiburger Provinzialarchiv ins Generallandesarchiv nach Karlsruhe kamen. Insgesamt gelangten 62 Akten aus der Kommende selbst sowie noch einmal 49 Akten, die Freiburg betrafen, aus den Zentralen Altshausen und Mergentheim dorthin (aufgegangen im Bestand 200). Die Originale befanden sich beim Landkomtur in Altshausen und gelangten von dort ebenfalls nach Karlsruhe (aufgegangen im Bestand 21).

Bau- und Kunstgeschichte

Lage

Die Deutschordenskommende übernahm kurz vor 1263 fünfeinhalb bereits parzellierte Hofstätten in der kurz zuvor gegründeten Vorstadt Neuburg, unweit des äußeren nördlichen Stadttors,15 das 1314 als Túschen herran tor benannt wurde (später Mönchstor).16 Auf der Vogelschauansicht von 1589 liegt die ummauerte Kommende unmittelbar westlich des Tors an der Hauptstraße. Erkennbar sind ein straßenseitiges Hauptgebäude im Osten, ein Turm, sowie drei weitere, rechtwinklig angeordnete Gebäudetrakte. Durch die Kommende war der Stadtbach geleitet, der nördlich des Areals mit einer Brücke über den Stadtgraben geführt wurde. Der Abortturm im Stadtgraben, dessen Bau dem Orden 1282 bewilligt wurde, ist 1589 nicht dargestellt.17 Die neue Stadtmauer scheint in diesem Bereich durch den Orden selbst errichtet worden zu sein. Die zahlreichen Pläne und Ansichten des 17. Jahrhunderts stellen die Kommende allenfalls schematisch dar. Im Zuge des Festungsbaus ab 1677 wurden die Bauten aufgelassen.

Die Baugestalt der 1684 erworbenen Häuser »zum kleinen« und »zum großen Falkenstein« sowie »zum Pfauenkranz« an der Salzstraße, unweit des →Freiburger Augustinereremitenklosters, ist nur ansatzweise bekannt. Die drei Häuser waren seit dem Spätmittelalter im Besitz verschiedener Adelsfamilien; ihre für Freiburg typische Grundstücksstruktur mit Vorderhaus, Hinterhaus, Innenhof und Verbindungsbau zeichnete sich später noch im Kellergeschoss ab und wurde 1984 archäologisch dokumentiert.

1768 ließ Komtur Leopold Sigmund Anton von Rotberg auf diesen Parzellen ein neues Kommendengebäude errichten (heute Salzstraße 28). Es wurde 1944 fast vollständig zerstört und 1984–1986 durch einen Neubau ersetzt, vor dem die fragmentarisch erhaltene Barockfassade rekonstruiert ist (heute Landgericht und Oberlandesgericht).

Konventsbauten

Den Neubau in Spätbarockformen entwarf der Deutschordensbaumeister Franz Anton Bagnato. Hinter dem 13-achsigen, dreigeschossigen Hauptgebäude erstrecken sich zwei kleine Innenhöfe, Verbindungstrakte führen zum Hinterhaus an der Grünwälderstraße. Der Parzellengrundriss war entsprechend den älteren Hausgrundstücken aufgrund früher Besitzteilungen und des Straßenverlaufs etwas unregelmäßig; die Innenwände übernahmen teilweise die älteren Baustrukturen.

Die symmetrisch gestaltete Hauptfassade gruppiert sich um einen dreiachsigen Risalit. Über einem niedrigen Sockelgeschoss mit den Kellerfenstern ist das Erdgeschoss rustiziert und wird mit einem Gebälk abgeschlossen. Die Mittelachse nimmt das zweiflüglige, korbbogige Einfahrtsportal auf (Abb. 3). Auf rahmenden, über Eck vorspringenden Pilastern stehen je zwei große Putten, die einen Vorhang halten. Von Rocaillevoluten hängen an den Portalgewänden und den Pilastern Blumengebinde herab. Der Vorhang ist im Zentrum an einer großen Konsole befestigt ist, die eine geschweifte Wappenkartusche ziert. Das Portal war eine Arbeit von Josef Hoehr aus Blasiwald. Pilaster und Konsole tragen einen Balkon auf geschwungenem Grundriss mit aufwendigem Geländer.

In jedem der fünfachsigen Seitenflügel der Fassade öffnete sich in der Mittelachse ein Nebenportal. Die Fenster sind einheitlich segmentbogig überwölbt und jeweils durch einen Schlussstein ausgezeichnet. In den beiden Obergeschossen rahmen korinthische Kolossalpilaster die Fassade; mit ihren schmuckreichen Kapitellen und den aufsitzenden Gebälkabschnitten bilden sie einen starken Gegensatz zu den glatt verputzten Wandflächen. Der Risalit ist mit vier weiteren Kolossalpilastern gegliedert und trägt einen geschweiften, volutengeschmückten Giebel mit den großen, von Trophäen gerahmten Wappen des Deutschen Ordens und des Komturs im Giebelfeld.

Der Eingang führte durch einen Torweg mit ionischen Pilastern in ein prächtiges Treppenhaus und weiter in den größeren Hof. In seiner Achse führte eine zweite Durchfahrt rückwärtig in den Hof hinein. Die dreiläufige Haupttreppe stieg durch alle Geschosse auf. Im östlichen Hausteil und im Hinterhaus gab es Nebentreppenhäuser. Die Erdgeschossräume waren mit Kreuzgewölben oder Flachtonnen gewölbt und dienten der Kommendenverwaltung. Im Obergeschoss befand sich im Risalit der große, stuckverzierte Saal, der beiderseits in eine Enfilade von je zwei größeren Räumen eingebunden war. An den Fensterpfeilern standen Konsoltische mit geschweiften Platten, die Spiegel der Wandflächen waren mit Lorbeer gerahmt und von Pilastern flankiert. Über den Türen zeigten ovale Medaillons antikische Büsten, und die Decke trug große Flachreliefs von Mars (mit der Engelsburg) und Minerva mit Trophäen. Auch die Stuckdekoration der Nachbarräume war von behelmten Köpfen, Trophäen und Putten bestimmt, zeigte also keine religiösen Motive. Der Komtur nutzte das zweite Obergeschoss mit gut ausgestatteten Wohn- und Empfangsräumen.

Im Erdgeschoss der rückwärtigen Gebäude waren Ställe und Wirtschaftsräume untergebracht. Im Obergeschoss des Hinterhauses war am Anschluss des Verbindungstrakts eine zwei Geschosse hohe, dreiachsige, flachgedeckte Kapelle eingerichtet. Ihr Ostteil wurde durch einen Gurtbogen abgegrenzt, der ebenfalls die Wappen des Ordens und des Komturs trug. Der Altar wurde nach 1806 entfernt; erhalten war danach nur noch das »Auge Gottes«.

Bibliographie

Quellen: Müller 1917; 1958; Biskup/Biskupowa 2002–2008.

Handbücher und Lexika: KB Freiburg Bd. 1,2, S. 923 (Wolfgang Stülpnagel); kloester-bw, Deutschordenskommende Freiburg (Jörg Seiler).

Literatur: Roth von Schreckenstein 1873; Albert/Wingenroth 1923; Hellmann 1954; Schmid 1982 (d); 1986 (a); Brommer 1996; Torn 2016; Voss 2023.

Anmerkungen

  • 1 Fr UB (Hefele) I, Nr. 168 S. 139 f.
  • 2 Fr UB (Hefele) I, Nr. 192 S. 16 2-164.
  • 3 Fr UB (Hefele) I, Nr. 261 S. 235.
  • 4 Fr UB (Hefele) I, Nr. 283 S. 253 f.
  • 5 Fr UB (Hefele) I, Nr. 299 S. 267 f.
  • 6 Fr UB (Hefele) I, Nr. 358 S. 327 f.
  • 7 Fr UB (Hefele) II, Nr. 284 S. 353 f.
  • 8 GLA 21 Nr. 2570.
  • 9 GLA 21 Nr. 2683.
  • 10 Roth von Schreckenstein 1873, S. 75 mit Anm. 2; Biskup/Biskupowa 200 2-2008 II, Nr. 168 S. 10 0-102.
  • 11 Müller 1958, S. 31.
  • 12 GLA 21 Nr. 2650 f.
  • 13 Fr UB (Hefele) II, Nr. 269 S. 33 3-337, hier S. 336.
  • 14 Auch die Inventare von 1660, 1667 und 1669 liefern diesbezüglich keinen Hinweis, GLA 21 Nr. 274 4-2746.
  • 15 Fr UB (Hefele) I, Nr. 192 S. 162 f.
  • 16 Fr UB (Hefele) II, Nr. 320 S. 233.
  • 17 Fr UB (Hefele) I, Nr. 350 S. 321 f
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Benjamin Torn [Autor]
  • Matthias Untermann [Autor]
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