Freiburg, Jesuiten
| Kurzbeschreibung: | 1620 Niederlassung des Ordens in Freiburg – 1773 Aufhebung Patrozinium: Maria ImmaculataOrdensgliederung: Oberdeutsche ProvinzKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Freiburg |
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| Beschreibung: | Name: collegium So. Jesu Friburgense Brisgoviae (1620)1 GeschichteHistorische EntwicklungBischof Leopold V. von Österreich (1619–1632), regierender vorderösterreichischer Landesfürst, griff eine Initiative für eine Ansiedelung der Jesuiten in Freiburg 1618 auf und setzte diese 1620 gegen den Wunsch von Stadt und Universität durch. Die Hauptaufgaben des Jesuitenordens sollte die Lehrtätigkeit an der Universität sein. Die Ansiedlung der Jesuiten hatte eine lange Vorgeschichte, die mit einem ersten Kontakt von Petrus Canisius 1556 begann, 1577, 1584 und 1595 folgten weitere, jedoch erfolglose Vorstöße. Am 15. November 1620, dem Namenstag Erzherzog Leopolds, wurde die Einführung der Jesuiten in Freiburg feierlich vollzogen.2 Im Einrichtungsvertrag erhielten die Jesuiten die Nutznießung der Pfauen- und Adlerburse übertragen, die im Eigentum der Philosophischen Fakultät blieben, ebenso wie alle Professuren dieser Fakultät und die der Theologischen Fakultät. Da die Jesuiten weitgehend unentgeltlich an der Universität lehrten, sollte es für die Universität vorteilhaft sein. Zur Ausstattung erhielt das Freiburger Kollegium die vakanten Priorate Pairis, Oelenberg bei Mulhouse, St. Ulrich an der Larg und St. Morand bei Altkirch im Sundgau mit ihren Einkünften übertragen. Die Ausstattung des Kollegs mit den elsässischen Prioraten war ein langwieriger Weg, der erst am 20. Juli 1630 abgeschlossen war. Mit St. Ulrich und St. Morand sollten etwa 8–10 Patres als Lehrende für die Universität finanziert werden. In der Anfangszeit der Jesuitenniederlassung umfasste diese 17 Patres und 26 weitere Personen, eine Zahl die sich im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges drastisch auf weniger als zehn reduzierte, bei der Auflösung 1773 waren es 26 Patres und 17 sonstige Personen. Bei der Einführung 1620 waren die räumlichen Anforderungen für ein Kolleg in der Stadt sehr umstritten. Die Gebäude der Pfauenburse waren 1566–70 und die Adlerburse 1577–84 weitgehend neu aufgebaut worden, da sie baufällig gewesen waren. Dazu kam als Geschenk Erzherzog Leopolds das Karthäuserhaus. In die Bursen wurden die Gemeinschaftsräume und Wohnräume für etwa 20–30 Patres eingerichtet, größere Umbauten erfolgten aber nicht, die Universität verlegte ihren Gebäudeschwerpunkt. Die Societas Jesu, die Philosophische Fakultät und ihre Veranstaltungen verblieben in der Bertoldstraße. Die theologischen Vorlesungen fanden hingegen im Kollegiengebäude am Franziskanerplatz, dem collegium universitatis oder domus academia, statt. Bauliche Veränderungen und Pläne für ein Ordenskollegium wurden vom Orden zwar schon 1631 angestrebt, fielen jedoch dem Dreißigjährigen Krieges zum Opfer, auch der Vorlesungsbetrieb musste zeitweise eingestellt wurde. Die Bauvorhaben eines Kollegiums wurden ab 1683 bzw. ab 1699/1700 wieder aufgenommen. Die finanziellen und wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen Kolleg und Universität waren komplex und veränderten sich vielfach. Zum einen hatte die Jesuitenniederlassung eine Eigenwirtschaft, zum anderen gab es für Kolleg und Gymnasium einen Gesamthaushalt und zum dritten hatte die Artisten- oder Philosophische Fakultät ein Sondervermögen, das von den Jesuiten verwaltet wurde. Dazu gehörten die Bibliothek, die Theaterrequisiten, wissenschaftliche Instrumente und die Sammlungen. Eine weitere komplizierte Situation ergab sich daraus, dass die Jesuiten als Theologen kein Salär erhielten, jedoch für ihre gymnasialen Aufgaben und die Lehre in der Philosophischen Fakultät. Weitere umstrittene Punkte waren die Einnahmen aus Immatrikulations- und Prüfungsgebühren. Auch waren die Jesuiten in der Regel von den Studienstiftungen und den Exekutorentätigkeiten finanziell ausgeschlossen, doch konnten sie Zuwendungen und Erbschaften entgegennehmen.3 Die Eigenwirtschaft umfasste das sogenannte Jesuitenschloss über Merzhausen am Schönberg, das dem Kolleg 1635 von Maria Magdalena von Bollschweil geschenkt und von den Jesuiten rasch ausgebaut wurde. Mit dem Gut und der Grundherrschaft war auch die Ortsherrschaft verbunden. Aus den stattlichen Gütern, von Mühle und Ziegelei bezogen die Jesuiten umfangreiche Einkünfte und hatten daher auch Kontributionen zu leisten. Dieser Besitz war Grundlage für eine (Steuer-) Veranlagung und Mitgliedschaft in den Landständen. Das herrschaftliche Gebäude, das Tusculum Belmontianum wurde als Feriendomizil der Jesuiten genutzt. Die Ortsherrschaft fiel nach Auflösung des Ordens wieder an die Familie von Bollschweil zurück. Da den Jesuiten bei ihrer Einführung 1620 die Philosophische Fakultät im Ganzen übertragen wurde, die Theologische Fakultät aber nur zum Teil, musste der Orden zwei Weltgeistliche in der Fakultät akzeptieren. Aus dieser Verteilung ergaben sich auch fachliche Differenzen, da die Jesuiten bestimmte Disziplinen entsprechend ihrer ratio studiorum beanspruchten, deren Lehrkanzeln aber in den ersten Jahren nicht vom Orden besetzt werden konnten und ein Ausgleich erst nach einigen Jahren erreicht wurde. Ein positiver Effekt für die Universität wurde mit der Einführung der Jesuiten durch ein Anwachsen der Immatrikulationszahlen erreicht, die sich in den ersten Jahren fast vervierfachten, was auf die Attraktivität des Ordens hinweist. So waren in der ersten Hälfte der 1620er Jahre durchschnittlich über 200 Studierende an der Universität immatrikuliert. Die Rolle der Jesuiten war innerhalb der Universität nicht konfliktfrei und es dauerte, bis sie akzeptiert wurden. Die Konflikte betrafen die Interaktion der jesuitischen Korporation mit der Korporation Universität, zu denen die brisante geopolitische Lage der vorderösterreichischen Lande hinzukam. War der Oberrhein bis 1632 noch vom unmittelbaren Kriegsgeschehen relativ unbehelligt, so änderte sich das durch die schwedischen Besetzung Freiburgs 1632–34 einschneidend. Die Jesuiten erfuhren von der schwedischen Besatzung teilweise Toleranz, teilweise Repressionen. Die Hoffnung auf Unterstützung durch die schwedische Besatzung scheint möglicherweise auf Seiten der Universität die Begehrlichkeit geweckt zu haben, die Jesuitengebäude wieder für sich zu beanspruchen, was sich nach der Schlacht bei Nördlingen 1634 und dem Rückzug der Schweden aus Süddeutschland wieder geändert hat. Seit der Besetzung des Breisgaus durch Bernhard von Sachsen-Weimar ab 1638 änderte sich die Lage erneut. Diese schwedisch-französische Besatzung bis 1644 changierte, die Quellenarmut lässt nur wenig verlässliche Aussagen zu. Nach dem Friedensschluss 1648 war ein genereller Ruin der Universität kaum zu leugnen. Bei den Versuchen der Konsolidierung der vorderösterreichischen Lande wurde dem Landesfürsten Sigismund Franz (1661–1665) 1664 eine Initiative der Jesuiten vorgebracht, die Universität Freiburg dem Orden zu übertragen, da die Universität kaum ihre Schulden an das Kolleg begleichen könnte. Durch den Tod des Landesfürsten 1665, Initiativen des Bischofs von Konstanz und der Stellungnahme des Bischofs von Basel blieb es aber beim Erhalt der Universität. Die nächsten Jahre und Jahrzehnte waren von immer wiederkehrenden Konflikten zwischen Jesuitenkolleg und Universität geprägt, die meist um die Anciennität und Präzedenz kreisten, die von Rangstreitigkeiten der Fakultäten, Kleriker, Laien, zwischen den Jesuiten und Universitätsangehörigen und auch zwischen diesen Korporationen und dem Magistrat der Stadt ausgetragen wurden. Dazu kamen Rivalitäten um Ämter und Funktionen innerhalb der Universität, die sich aus der Stellung des Jesuitenkollegs und dessen Ansprüchen ableiteten bzw. gegen die Sonderstellung der Jesuiten ausgerichtet waren. Die Hegemonialkriege zwischen Bourbonen und Habsburgern führten auch nach dem Dreißigjährigen Krieg zu dauerhaft instabilen Verhältnissen und der Universitätsspaltung zwischen 1677–98 bei der die Jesuiten auf beiden Seiten beteiligt waren. Der sogenannte Holländische Krieg führte 1677 zu einer Besetzung eines Landstriches vom Brückenkopf Breisach über die Festung Freiburg bis Kirchzarten. Rechtlich gesehen war in dieser Phase der Universität als Körperschaft die Auswanderung freigestellt, das Jesuitenkolleg war davon unabhängig. Für das Verbleiben des Jesuitenkollegs in Freiburg sprach die wirtschaftliche Basis der elsässischen Propsteien, die ebenfalls französisch waren und das Kollegium finanzierten. Im Ergebnis existierten für einige Jahre eine französisch-städtische Universität in Freiburg und eine österreichische Universität in Konstanz. An beiden Hochschulen waren die Jesuiten tätig, machten sich die Einkünfte streitig, tauschten aber gleichzeitig auch jesuitische Professoren aus. Die Universität in Freiburg war aus französischer Sicht ein katholischer Gegenpol zur protestantischen Universität Straßburg für den südlichen Oberrhein und das Elsass. Dazu war das Jesuitenkolleg in Freiburg sicher der geeignete Kooperationspartner, den der französische Intendant unterstützte. Rektor der 1686 eröffneten Freiburger Universität war Abbé de la Grange, ein Bruder des Intendanten. Sinnbild dafür war das neu geschaffene Universitätszepter, das in einer Lilie mündete, zumal die originären Insignien nach Konstanz geflüchtet waren. Herzog Karl von Lothringen als Statthalter der österreichischen Lande war die treibende Kraft für die Verlegung der Universität nach Konstanz an das dortige →Jesuitenkolleg, das jedoch mit seiner Ausrichtung und seinem Personal nicht auf den Universitätsbetrieb eingerichtet war. Die Überlieferung zum sogenannten Studium Gallicum in Freiburg ist gering, doch scheint sich in Freiburg dennoch das größere Gewicht der Jesuiten innerhalb der Universität zu zeigen, als es das Jesuitenkolleg in Konstanz hatte. Über den Orden kam es dennoch zum Austausch von Professoren, Patres und Informationen. Die Beziehungen der Universitäten zu ihren Standorten sind durch Verwandtschaft, Versippung und Ämterpatronage bestimmt, in Konstanz fehlte dies, was sich als ungünstig für die Universität erwies. In Konstanz konnte die Universität auch erst 1686 eröffnet werden; in Freiburg waren die Differenzen zwischen Universität und Stadt eher marginal. In Konstanz verkomplizierte die Anwesenheit des Domkapitels manches, auch in den Präzedenzkonflikten. Die Nähe zur französischen Herrschaft und zum Magistrat in Freiburg scheint für die Jesuiten erhebliche Vorteile mit sich gebracht zu haben, da sie postwendend ihre Pläne für einen Kollegiumsbau aufnahmen. Die erste Baumaßnahme war die Errichtung einer eigenen Jesuitenkirche 1683–89, die zur Gruft umgestaltet und von 1691 bis 1779 genutzt wurde.4 Nach der Rückkehr der Universität aus Konstanz nach Freiburg musste das Verhältnis von Jesuitenkolleg und Universität neu organisiert werden, auch nachdem schon ein großer Teil des Personals aus französischer Zeit an der Universität in Freiburg ausgetauscht wurde. Es wurde ein grundlegender Vergleich, die Transactio Viennensis vom 2. Juni 1700 abgeschlossen, der vor allem das Verhältnis von jesuitischen zu den anderen Professoren regelte. Die Bursengebäude wurden an die Jesuiten verkauft, womit die Schulden der Universität gegenüber dem Jesuitenkolleg reduziert wurden. Es wurden die Funktionen von Jesuiten in der Gesamtuniversität, Präzedenz, Münsterpfarrer, Senat und vieles mehr in 40 Punkten geregelt. Die Neuorganisation der Jesuitenniederlassung und der Universität verzögerte sich aber mit dem Spanischen Erbfolgekrieg, der erneuten Eroberung Freiburgs 1713, der erneuten Flucht der Universität nach Konstanz und ihrer Rückkehr. Mit dem Landständischen Rezess von 1716 wurden neue Lehrfächer eingeführt, die in die ratio studiorum der Jesuiten massiv eingegriffen. Hier war vor allem thematisiert worden, dass man die bisher nur an protestantischen Universitäten gelehrten Fächer wie Naturrecht, Völkerrecht, öffentliches Recht, Neuphilologien, Zivil- und Militärarchitektur sowie Tanz- und Fechtmeister für die Attraktivität des Adels und die landesfürstlichen Beamten benötigte. Die Jesuiten sollten für jährlich 300 Gulden Geschichte, Genealogie und Geographie zusätzlich unterrichten und dafür entgegen der Versetzungspraxis des Ordens auch für Kontinuität sorgen. Dazu kam die Aufforderung, nicht nur Autoritäten zu lesen, sondern in den Vorlesungen zu erläutern, zu kommentieren, auszulegen. Das waren alles durchaus Neuerungen und Tendenzen, die der Orden wenig gewohnt war. Dazu kamen massive Eingriffe in die jesuitische Studienordnung. Freiburg wurde durch die Einführung des zwei- statt dreijährigen Philosophiestudiums, dem Biennium, ein Experimentierfeld gegen die Vorstellungen der Jesuiten. Zwar waren die meisten Extraordinarien, die die juristische Fakultät betrafen, doch Tanz- und Fechtmeister, neuphilologische Sprachmeister und Geschichte waren Disziplinien, die in der Philosophischen Fakultät angesiedelt waren und faktisch die Jesuiten zurückdrängten, erheblich in deren traditionelles Lehrverständnis eingriffen und sich so auf das Verhältnis der Jesuiten zur Gesamtuniversität auswirkten. Der Jesuitenorden stand nicht mehr uneingeschränkt in der Gunst des Kaisers, vielmehr waren jesuitische Bildungsdoktrin und die Vorstellungen des Kaisers von Bildung nicht mehr kompatibel. Die Stände, allen voran der Ritterstand, verfolgten offenbar die Idee einer Kombination aus Ritterakademie, Universität und Gymnasium an einer jesuitischen Basisuniversität.5 Damit war aber die Dominanz der Jesuiten schon am Beginn des 18. Jahrhunderts deutlich zurückgedrängt worden. Das hundertjährige Bestehen der Jesuitenniederlassung verlief weitgehend ruhig, es folgten wiederum Kriege und die Eroberung Freiburgs 1744, bevor von Wien eine Welle der Studien- und Universitätsreformen ausging. Erste Vorboten waren eine neue Promotionsordnung und die Abschaffung universitärer Feiertage. Der Siebenjährige Krieg 1756–63 ließ Universität und Jesuiten in Freiburg noch relativ unbehelligt, bevor 1767 und 1768 der Reformdruck in Freiburg ungebremst ankam und die Umwandlung der Universität in eine Staatsanstalt erfolgte. Die neue Studienordnung nahm auf die Jesuiten keine Rücksicht mehr und verdrängte sie von ihren Vorrechten. Details der Universitätsreformen sind hier nicht zu nennen, aber dass 1767/68 von 13 Jesuitenprofessoren an Universität und Gymnasium 11 ausgetauscht wurden, zeigt den gravierenden Eingriff, auch in die Interessen des Ordens. Zu dieser Zeit waren jedoch schon einige Jesuiten dabei, die naturwissenschaftlichen Disziplinen, vor allem Physik und Mathematik mit dazugehörigen Sammlungen erheblich weiterzuentwickeln. Dies zeigt die konservative theologische Ausrichtung wie auch die mathematisch-naturwissenschaftlichen Tendenzen, wobei letztere die Auflösung der Jesuitenniederlassung überstanden und Basis neuer Entwicklungen wurden. Von staatlicher Seite wurde die Weiterbeschäftigung von ehemaligen Jesuiten an Theologieprofessuren ausdrücklich verboten, während der Universität die Übernahme ehemaliger Jesuiten in höherer Mathematik und Physik wichtig war. Es gab so in Einzelfällen in der Philosophischen Fakultät durchaus eine Kontinuität über 1773 hinaus. Nachdem die Päpstliche Bulle die Auflösung des Jesuitenordens bekanntgemacht hatte, wurde auf den 18. November 1773 in Freiburg die Umsetzung angesetzt. Der ungewöhnliche Akt begann um 8 Uhr mit einer Heiligen Messe in der Jesuitenkirche und wurde um 9 Uhr im Hörsaal des Kollegs fortgesetzt. Zuerst sprachen die Kommissare, die die beiden päpstlichen Breven zur Auflösung des Ordens und zum päpstlichen Verzicht auf Vermögen und Besitz des Ordens erklärten. Danach replizierte der Rektor des Jesuitenkollegs, es folgte eine Supplik der Jesuiten, dass ihnen die Lehrkanzeln der Universität wieder zugewiesen werden möchten und eine Promemoria. Am Nachmittag wurde die Inventarisierung in der Kirche begonnen. Am Folgetag wurden die Rechtsverhältnisse aufgenommen, am Samstag begann die Inventarisation der Bibliothek, was besonders schwierig war, da es keinen aktuellen Bibliothekskatalog gab. Daher wurde mit der Inventarisierung ein Student beauftragt, der rund drei Monate daran arbeitete.6 Anschließend wurden die Güter und Schulden verzeichnet und den ehemaligen Ordensleuten wurde eine Monatspension ausbezahlt, die vor allem für die jüngeren Konventualen ohne berufliche Perspektiven von besonderer Bedeutung war. Die Auflösung hatte massive Auswirkungen für die Überlieferung der Jesuitenniederlassung. Besitz und WirtschaftDie lange leerstehenden Klöster St. Morand, St. Ulrich an der Larg, Pairis und Oelenberg waren schon viele Jahre an Kommendatare vergeben und hatten so Probleme verursacht, da sie keine Kontributionen mehr an die Landstände abführten. Als die Propsteien 1630 rechtlich den Jesuiten übertragen waren, kam der Zufluss der Einkünfte schon wenige Jahre später infolge des Kriegsverlaufes zum Erliegen. Nach dem Friedensschluss 1648 war weiterhin nicht klar, ob die Einkünfte das Kolleg in Freiburg erreichten. Erst 1655 wurden die Ansprüche auf St. Morand anerkannt. Doch selbst nach dem Übergang Freiburgs an Frankreich 1677 war ein geregelter Bezug der Einkünfte aus den linksrheinischen Klöstern kaum möglich. Mit dem spanischen Erbfolgekrieg kamen auf die Jesuiten, ihren Besitz und ihre Einkünfte von St. Ulrich, St. Morand, Pairis und Oelenberg neue Probleme zu. Sie waren 1702 faktisch besetzt worden und blieben auch nach dem Friedensschluss 1714 konfisziert, da der französische König sie noch kurz vor seinem Tod den Straßburger Jesuiten überlassen hatte. Es folgten Jahre der Auseinandersetzungen zwischen den Kollegien in Straßburg und Freiburg, zumal inzwischen die Positionen in den Propsteien nur noch mit Elsässern besetzt werden durften. Mit der Revolution ging aber aller Besitz definitiv verloren. Noch einmal hoffte die Universität darauf, 1871 die Propsteien zurückzuerhalten, was sich aber als unrealistisch erwies. Die Liquidation des Kollegvermögens nach 1773 war besonders schwierig, wenn man sich die Vermischung von Kolleg und Universität vor Augen hält. Bücher, Apparate und Sammlungen wurden von der Universität beansprucht. Dagegen war die Inventarisierung der Kircheneinrichtung relativ eindeutig, ähnlich auch das Jesuitenschloss und die Güter in Merzhausen. Wenige Jahre später wurde bei der Auflösung der Marianischen Kongregationen deren Vermögen, Kostüme, Requisiten, Gerätschaften und Altäre veräußert. Ein weiterer großer Komplex waren die Gebäude, die im darauffolgenden Sommer versteigert wurden, allen voran das Jesuitenkolleg in der Bertoldstraße. Die Stadt Freiburg gab dafür das höchste Gebot ab. Da die Universität aber inständig um das Gebäude bat, wurden ihr die Gebäude für die Summe, die die Stadt geboten hatte, zugesprochen und letztlich sogar von Maria Theresia (1740–1780) geschenkt, da die Universität diese Summe nicht aufbringen konnte. Daher wurde über das Eingangsportal die Inschrift angebracht: SEDES ACADEMIAE FRIBURG[ENSIS] NOVA DM THERESIAE AUGUS[AE] DONUM AN[NO] MDCCLXXIV – Neuer Sitz der Freiburger Universität, ein Geschenk Kaiserin Maria Theresias, 1774. Daher führte das Gebäude von da an die Bezeichnung Theresianum oder Neue Universität. Das ehemalige Jesuitenkollegium wurde das zentrale Universitätshauptgebäude, bis es 1911 vom heutigen Kollegiengebäude I abgelöst wurde und noch heute als Alte Universität das Stadtbild prägt. Religiöses und kulturelles WirkenAuch wenn die Jesuiten anfangs in Freiburg unerwünscht waren, wuchsen sie schnell in der Stadt in vielfältige Funktionen hinein. Details sind meist nur zum Teil oder rudimentär nachzuvollziehen, da die Ordensüberlieferung weitgehend bei der Auflösung des Ordens unterging. Wie die anderen Klöster waren die Jesuiten seit 1629 in die Predigt am Münster eingebunden, 1641 wurde ihre Tätigkeit zwischen Münsterpfarrei, Kapuzinerorden und Jesuiten aufgeteilt und sie drängten andere Klöster in den Hintergrund. Selbst nach der Auflösung des Ordens 1773 predigte noch bis 1778 ein ehemaliger Jesuit im Münster, weil er so schnell nicht ersetzt werden konnte. Darüber hinaus wurde nach wie vor in den Kongregationen, beispielsweise dem Theatersaal im Gymnasium, von Jesuiten gepredigt. Das religiöse Leben der Stadt hatten die Jesuiten mit Kongregationen durchdrungen und prägten die Frömmigkeit der Bürger. Zu diesem Zweck entstanden 1621 eine große (Patrozinium Mariä Verkündigung) und eine kleine akademische Kongregation (Patrozinium Unbefleckte Empfängnis), 1624 eine für Handwerker, 1628 eine weitere Bürgerkongregation. 1732 kamen die Bruderschaft zum Guten Tod und 1758 das Aloysianische Bündnis hinzu. Sie bestanden über die Auflösung des Ordens hinaus bis 1783. Die Ablehnung der Jesuiten scheint sich in Freiburg rasch gelegt zu haben, jesuitische Heilige traten neben die in Freiburg traditionell verehrten. Die große oder lateinische Kongregation betraf den universitären Bereich, meist Professoren, Studenten, Adel und das gehobene Bürgertum. Ihr Versammlungsort war der Theatersaal des Gymnasiums, der als Odeon Mariano und Oratorium diente und in dem der sogenannte Silberaltar bei Bedarf (nach 1736) aufgestellt wurde (Abb. 7). Daher sind auf dem Bildprogramm des Silberaltars auch die Fakultäts- und Universitätspatrone und zahlreiche sonstige Bezüge zur Universität dargestellt. Nach der Liquidation der Kongregationen ging der Altar in das Münster über und befindet sich heute im Augustinermuseum Freiburg.7 Im Schulwesen übernahmen die Jesuiten das Gymnasium Academicum, das 1572 von der Universität als Propaedeutikum eingerichtet und 1593 reformiert worden war, und bauten es zu einem sechsstufigen Gymnasium aus. Bis 1773 waren rund 400 jesuitische Lehrer tätig, von denen nur wenige nach der Auflösung des Ordens weiterbeschäftigt wurden. Die meisten Lehrerstellen wurden danach mit Mönchen der Klöster →Schuttern, →Tennenbach, →St. Peter und →St. Trudpert besetzt.8 Bibliothek und ArchivBei der Ansiedlung der Jesuiten 1620 wurden zusammen mit den Gebäuden 413 Bände der Artistenfakultät übernommen, die in einem einzigen Raum aufbewahrt waren. Bei Auflösung des Kollegs wurde die Bibliothek im Arkadentrakt des Kollegs neu aufgenommen. Die vorhandenen Inventare nennen 5.818 Positionen, wobei zwei thematische Inventarhefte mit Umfangsangaben verloren gingen. Im Freiburger Universitätsarchiv befinden sich die unvollständigen Teilkataloge der jesuitischen Bibliothek, betreffend Jura, Geschichte, Medizin, Diverses, Bildbände, Bibeln und Teilbibeln, Dogmatik, Moraltheologie, Asketik, Poesie und Wörterbücher, Predigten, Kontroverstheologie und Kirchenväter und reformatorische Schriften.9 Eine klare Trennung zwischen der Bibliothek der Societät und der Artistenfakultät ist nicht möglich. Der Zuschnitt zeigt, dass es sich nicht nur um die Bibliothek der Artistenfakultät, sondern auch der Theologischen Fakultät, die sich zum großen Teil in Händen der Jesuiten befand, handelte. Daneben gab es noch eine Bibliothek der drei höheren Fakultäten, die sich im neuen Kollegium am Franziskanerplatz befand, nach dem Stand um 1606 etwa 600 Bände, darunter auch die reformatorischen Schriften, die ebenfalls jesuitische Bibliotheksbestände umfasst haben müsste. Untergebracht war die Bibliothek der Jesuiten vor 1773 im sogenannten Arkadentrakt der Alten Universität. Die Bibliothek scheint bei den Freiburger Jesuiten jedoch weniger wichtig als die naturwissenschaftlichen Sammlungen gewesen zu sein. Die Archivalien der Freiburger Societas ging mit Ausnahme der universitären Belange weitgehend verloren. Bau- und KunstgeschichteLageVon 1683 bis 1727 entstand im westlichen Teil der Innenstadt eine geschlossene Baugruppe für die Jesuiten: der Südflügel/Bursenbau und die Fassade der Kirche stehen nördlich der Bertoldstraße, Kirchenschiff und Patresbau an der westlichen Brunnenstraße. Der Bibliotheksflügel im Norden reicht an die Häuser der Rathausgasse und der Ostflügel mit den vorgelagerten Ökonomiebauten an die Universitätsstraße. Im Komplex liegen zwei Höfe: ein großer mit Gartenanlage als Zentrum der Baugruppe und der kleinere bei den Wirtschaftsgebäuden. Südlich der Bertoldstraße stand bis 1944 das Gymnasium. Nach 1620 verfügte der Orden vor allem über die von der Universität übernommen Bursen an der Bertoldstraße und den westlich angrenzenden Klosterhof der Kartäuser. Nach ersten Grundstücksankäufen erfolgte 1682 die Neuplanung von Kirche, Kolleg und Gymnasium. Architekt war der Laienbruder und Ordensbaumeister Heinrich Mayer; sein Plan ist nur in Kopie von Johannes Veit (1729) erhalten.10 In das Frühjahr 1683 fiel der Baubeginn der Kirche mit präzisierten Plänen von Mayer. Auffällig ist die Nähe zur Solothurner Jesuitenkirche, die ebenfalls von Mayer ab 1680 errichtet wurde. Auch hier sind die Entwürfe nur in Kopien – nun von Fr. Johannes Hörmann SJ – erhaltenen (Grundriss, Längsschnitt und Fassade) und liegen in München.11 1688 war der Rohbau vollendet, der Innenausbau erfolgte bis 1705. Die Schlussweihe der Kirche feierte man am 20. Mai 1716. Zwischen 1699 und 1702 entstand der Wohnbau der Patres. Wieder geht die Architektur auf einen abgeänderten Entwurf Heinrich Mayers von 1682 zurück:12 über drei Stockwerke liegen je vier Zimmer mit Ausrichtung zum Hof es gibt einen Zugang zur Sakristei an der Ostflanke des Chores und zur darüber liegenden Hauskapelle. Einzigartig für Freiburg ist der etwa 48 Meter lange Trakt aus 13 Arkaden mit darüberliegender Bibliothek im Osten (1707/08); von den gemalten Jesuitenniederlassungen im Erdgeschoss haben sich nur Reste erhalten. Als Baumeister trat Johann Baptist Heintze auf. Der Arkadentrakt war wohl sein erster Bau in Freiburg (spätere Werke: Ursulinenkloster und Umbau der Franziskanerkirche). Ab März 1724 legte Heintze mehrere Entwurfssätze mit Varianten für Treppen, Raumaufteilung und Fassadengestaltung für den Ostflügel und den Südflügel/Bursenbau vor.13 Die frühere Idee, das Gymnasium im Ostflügel zu integrieren, wurde nach einem Grundstücksankauf auf der gegenüberliegenden Straßenseite (1685) verworfen. 1725 kamen zu den Planungsmaterialien ein – wohl verschollenes – Holzmodell der projektierten Gebäude und weitere Entwürfe von Heintze (ein Plan des Gymnasiums, eine Ansicht des Kollegs und drei Grundrisse) hinzu.14 1725 begannen auch die Arbeiten am Wirtschaftshof und am Ostflügel des Kollegs. Nachdem dieser Trakt 1726 bezugsfähig war, fing im gleichen Jahr der Umbau des angrenzenden Südflügels an. 1725 konnte mit den Arbeiten am Gymnasium nach Plänen von Heintze begonnen werden, der Unterricht wurde im April 1727 aufgenommen. Nach Übernahme der Baulichkeiten durch die Universität errichtete man 1783 nach Entwurf von Joseph Hörr im Kongregations- bzw. Theatersaal des Gymnasiums eine erste zentrale Universitätsbibliothek: Nach Vorbildern von Barockbibliotheken allerdings schon mit klassizistischen Elementen erhielt der Saal deckenhohe Regale, die über eine umlaufende von Säulen getragene Galerie erschlossen wurden.15 Auf Grund von Kriegsschäden am 27. November 1944 brachen in der Kirche das Dach und die Gewölbe ein, die feste Ausstattung ging verloren. Von den übrigen Gebäuden standen nur noch die Außenmauern. Der Wiederaufbau der Kirche erfolgte 1956/57. Die Schalbretter der Stahlbetongewölbe bleiben zunächst ganz sichtbar. 1978 wurde der Stuck teilweise rekonstruiert. Beim Wiederaufbau der anderen Gebäude 1955/56 wurde im ehemaligen Patresbau und der Gebäudeflucht entlang der Bertoldstraße ein Stahlbetonskelett eingesetzt. Das gänzlich zerstörte Gymnasium ist nicht wiedererrichtet worden. Die Bertoldstraße erfuhr nach dem Krieg eine Verbreiterung, das verbleibende Restgrundstück wurde neu überbaut. 2023 wird die Kirche weiterhin als Universitätskirche genutzt. Das ehemalige Kollegiumsgebäude, die »Alte Universität«, beherbergt neben Seminarräumen das Universitätsmuseum »Uniseum« (Eröffnung Erdgeschoss 5.7.2004; Erweiterung im historischen Gewölbekeller 2007) und seit Herbst 2017 das Literaturhaus Freiburg. Kirche und KonventsbautenKircheAbhängig von Lage und Zuschnitt des Grundstücks ist die Kirche nach Norden ausgerichtet. Am gesamten Kirchenbau ist das Gliederungssystem in Werkstein ausgeführt; an den Seitenmauern und den Chorwänden sind es zwischen Kolossalpilastern zwei Reihen von übereinander liegenden Fenstern mit geohrten Rahmen. Der Aufbau der Fassade geschah, wie ihre gesamte Innen- wie Außenarchitektur, nach etablierten Vorbildern anderer Jesuitenkirchen, beispielsweise derjenigen in Solothurn: Der zweigeschossige Bau ist durch gestaffelte Kolossalpilaster toskanischer Ordnung in drei Achsen geteilt, mittig das eng eingefasste Portal mit Segmentgiebel und vierpassförmigem Oberlicht. Darüber greift das Emporenfenster in das Gebälk ein. In den seitlichen Achsen stehen seit 1728 in Nischen Figuren der Jesuitenheiligen Aloysius und Stanislaus von einem unbekannten Bildhauer. Der Dreiecksgiebel über einem Fenster im Obergeschoss wird gerahmt von geschweiften Mauerstücken. Vergleicht man die ausgeführte mit der geplanten Fassade im Entwurf von Mayer – bzw. der Kopie von Hörmann –, war die ursprünglich intendierte Gestaltung des Obergeschosses mit seitlichen Voluten, ionischen Kapitellen und einem Segmentbogenabschluss plastischer. Die Wirkung von Kirchenfassade und anschließendem Südflügel/Bursenbau ist im Straßenbild deutlich raumgreifend. Hinter der Apsis steht ein Glockenturm. Probleme mit dem Fundament führten zu einer weniger hohen Ausführung als nach den Entwürfen von Mayer vorgesehen und die eigentlich erhoffte stadtbildprägende Wirkung blieb aus. Der hölzerne oktogonale Aufbau mit Zwiebelhaube wurde spät – 1727 – aufgesetzt. Der Innenraum wurde als Wandpfeilerkirche mit eingezogenen Emporen gestaltet. Dem dreijochigen, durch Gurte geteilten Tonnengewölbe mit Stichkappen ist im Süden zur Fassade hin ein schmales Joch vorgelagert, über drei rundbogigen Arkaden erhebt sich eine zweistöckige Orgelempore. Auf ein Vorchorjoch folgt die Apsis. Der tief hinterschnittene helle Stuck unter Verzicht von Wand- oder Deckengemälden beherrschte die Raumwirkung. Der Hochaltar als zentrales Objekt der Ausstattung war eine Stiftung der Breisgauischen Landstände, die sich in den Wappen über dem Altarbild verewigten. Über einem zweigeschossigen Sockel erhob sich das 17 Meter hohe Retabel. Maler des Altarblatts mit dem Thema einer Immaculata Conceptio war der Münchner Hofmaler Johannes Degler. Er vollendete das Werk, von dem es ein Probestück im Innsbrucker Ferdinandeum gibt, 1703. In den durch die eingezogenen Wandpfeiler sich bildenden Kapellen standen sechs Altäre (Laienbruder Johann Veith, 1701 bis 1705). Ihre Altarbilder waren eng auf den Jesuitenorden und die jesuitischen Kongregationen abgestimmt. Auf der Westseite folgten von Süd nach Nord: Aloysius-Altar: Altarblatt »Aloysius Gonzaga in Anbetung einer Statue der Maria Immaculata«; Josephs-Altar: Altarblatt »Der Hl. Joseph auf dem Sterbebett«; Altar des Ignatius von Loyola. Auf der Ostseite waren es von Süd nach Nord: Stanislaus-Altar: »Die Hl. Barbara erscheint Stanislaus, Engel reichen ihm die Eucharistie«; Franz Regis-Altar: »Franz Regis empfiehlt Kranke und Bedürftige der Gottesmutter«; Franz Xaver-Altar: Altarblatt »Predigt Franz Xavers vor den Indern«. Die Altarblätter von Josephs- und Stanislaus-Altar malte Johannes Degler, die anderen Künstler blieben unbekannt. Die bewegliche Ausstattung ging zum größten Teil verloren, einige Objekte befinden sich heute im Uniseum, etwa ein Messkelch mit Emailarbeiten (Ludwig Schneider, Augsburg 1693) oder zwei Strahlenmonstranzen mit Reliquien von Franz Regis und Aloysius. Nicht zur ursprünglichen Ausstattung gehört die Grabplatte von Johannes Kerer († 1506) an der Westwand des Chores; 1795 wurde sie nach Versteigerung des von ihm gestifteten Collegium Sapientiae hierhin übertragen. Hauptaugenmerk ist seit 1988 das weit überlebensgroße Kruzifix von Franz Gutmann an Stelle des zerstörten Hochaltars. Konventsbau im Südflügel/BursenbauHier waren im Erdgeschoss die Küche, das Refektorium und die Zimmer der Laienbrüder. Im ersten Obergeschoss lagen die Gästezimmer, im zweiten Obergeschoss der Festsaal. Reiche Stuckdecken schmückten teilweise die Räume (wie im Refektorium oder im Zimmer des Provinzials) und den Festsaal zierten Deckenmalereien: Im ovalen Mittelfeld fand sich eine Taube des Heiligen Geistes, in den Eckfeldern die Patrone der Fakultäten: Thomas von Aquin (Theologie), Ivo Helory (Rechtswissenschaften), ein Arzt (wohl Lukas – Medizin) und Franz Xaver (Philosophische Fakultät). Die langgestreckte Fassade über drei Stockwerke und 13 Achsen nimmt die Südseite des Ostflügels mit weiteren drei Achsen und den Haupteingang auf, daneben liegt die Toreinfahrt zum Wirtschaftshof. Leichte Abknickungen zeigen die Brandmauer zwischen den Vorgängerbauten und den Ansatz zum östlichen Neubau. Vor der Brandmauer unterhalb des Treppengiebels steht in einer Nische die Statue der Maria Immaculata; im Westen über dem Portal findet sich eine Büste des Ignatius von Loyola. Im Inneren des Ostflügels liegt das große Treppenhaus; dort gab es bis 1944 Deckenmalereien – ein Engel mit Ordensschild und Fackel. GymnasiumLetztlich wurde das Gymnasium (heute etwa Bertoldstraße 10) nach Heintzes viertem Entwurf, wenn auch mit Änderungen ausgeführt: Ein dreistöckiger, neunachsiger Bau mit sechs Klassenzimmern, zwei Kongregationssälen und der über zwei Stockwerke sich erstreckenden Aula mit eingebauter Theaterbühne. Sie wurde auch als Oratorium der Großen Lateinischen Kongregation genutzt. Als bedeutendste der jesuitischen Kongregationen war sie Auftraggeberin des »Silberaltars«. Dieser, aus Antependium und mehrteiligen Aufsatz bestehend, war nur zu bestimmten Feiertagen am Altar der Aula installiert. Seine Bestandteile gliederten sich in: das Antependium von Franz Thaddäus Lang und Werkstatt, Augsburg, 1736–39; die Sockelbank vom Freiburger Gürtlermeister Franz Xaver Gäs, um 1750; darüber Teile von Franz Ignaz Berdolt und Werkstatt, Augsburg: das mehrteilige Mittelstück, 1749/51 und zwei Reliquienpyramiden, um 1750; von Franz Christoph Mäderl (Augsburg), stammt das Kruzifix wie sechs große Leuchter, 2. Viertel 18. Jahrhundert. Ikonografisches Hauptstück ist das Antependium mit Mitteltafel und zwei schmaleren Seitentafeln. Im Zentrum der Mitteltafel thront Maria mit Kind, rechts steht Ivo Helory, links Thomas von Aquin. Die seitlichen Tafeln zeigen links den Hl. Lukas, rechts Franz Xaver. Die Heiligen symbolisieren wie im Festsaal des Südflügel/Bursenbau die Fakultäten. Nach Auflösung der Kongregationen kam es ab dem 20. September 1784 zur Versteigerung ihrer Kirchengerätschaften, der Silberaltar wurde von der Münsterfabrik erworben. Der dortige Hochaltar wird bis heute in der Fronleichnamsoktav mit Teilen des Altars geschmückt. Seit 1990 sind das Antependium und Stücke des Aufsatzes als Dauerleihgabe im Augustinermuseum Freiburg. BibliographieHandbücher und Lexika: Dehio, Baden-Württemberg Bd. 2, S. 222 f. (Dagmar Zimdars); HelvSac VII, S. 279–306 (Ferdinand Strobel); KB Freiburg Bd. 1,2, S. 924 (Wolfgang Stülpnagel); kloester-bw, Jesuitenkolleg Freiburg (Dieter Speck). Literatur: Dischler 1934; Kurrus 1977; Becher 2006; Speck 2009; Zotz 2009 (a). Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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