Freiburg, Augustinereremitinnen St. Anna zum grünen Wald
| Kurzbeschreibung: | 1449 erster Zusammenschluss in der Wolfshöhle – 1451 Aufnahme in den Orden der Augustinereremiten – 1668-1724 Unterstellung unter den Bischof von Konstanz – 1786 Aufhebung Patrozinium: AnnaOrdensgliederung: Rheinisch-schwäbische Provinz, 1668-1724 Unterstellung unter die Jurisdiktion des Bischofs von Konstanz, 1724 Rückkehr in die Rheinisch-schwäbische ProvinzKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Freiburg |
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| Beschreibung: | Name: domus sororum in vico Augustinensis in Friburgo sita zum Loepart vulgariter nuncupata (1470);1 mutter und gemein schwestern des regelhuses inn Augustinergassen sant Augustinus ordens Costenzer bistumbs (1497);2 praeposita beguinarum monastery ad Viridem Sylvam de regula sancti Augustini (1655);3 gotteshaus S. Annae […] ord. Eremit. S.P. Augustini in dem Grünen Waldt (1744)4 GeschichteNach eigener Überlieferung des 18. Jahrhunderts, die sich auf ein heute nicht mehr fassbares Original stützen will, hatten sich im Jahr 1449 mehrere Frauen als sogenannte willige arme in einem Haus in der Wolfshöhle, heutige Konviktsstraße, zu einem gemeinsamen geistlichen Leben zusammengeschlossen. Da sie ohne approbierte Regel Anfeindungen ausgesetzt gewesen seien, hätten sie 1451 den Provinzial der Augustinereremiten und den Freiburger Prior während des in der Stadt tagenden Provinzkapitels um die Aufnahme in den dritten Orden der Augustiner gebeten.5 Der erste zeitgenössische Beleg für die Gemeinschaft stammt aus dem Jahr 1470, als der Konstanzer Generalvikar den Schwestern des Hauses zum Leopard die Unterstellung unter die Augustinereremiten und deren Privilegien bestätigte.6 Zehn Jahre später kauften die Frauen das hintere und vordere Haus zum Leopard, samt zugehörigen Garten in der damaligen Augustinergasse, heute Grünwälderstraße Nr. 10, 12.7 Da sie bereits in der Urkunde von 1470 nach diesem Haus benannt wurden, wohnten sie dort wahrscheinlich aber schon vor dem Kauf. 1505 erhielten die Frauen auf Bitten des Basler Weihbischofs und ehemaligen Priors der Freiburger Augustinereremiten, Tilman Lamparter, vom Kardinallegaten Raimund Peraudi einen so genannten Butterbrief, der ihnen die Verwendung von Butter in der Fastenzeit erlaubte, und die Genehmigung, auf Grund schwerer Arbeit an Wochentagen das Stundengebet nicht verrichten zu müssen.8 Wie die Schwestern zu dieser Zeit ihr Einkommen erwirtschafteten, ist unbekannt. Ein Teil der Einkünfte stammte sicher aus Jahrtagsstiftungen, die in einer Handschrift von 1708, die auf einer verlorenen Vorlage von 1501 basiert, festgehalten sind.9 Zudem nahmen die Frauen an Seelenmessen in anderen Klöstern der Stadt und im Münster teil und erhielten dafür Gelder.10 Hinweise auf die Pflege von Kranken bieten zudem Statuten, die das Provinzkapitel der Augustiner 1607 für die drei Frauengemeinschaften des Ordens in der Diözese Konstanz erließ, so dass hier ein weiterer Teil des Einkommens vermutet werden kann.11 Seit 1665 unterrichteten drei Schwestern der Gemeinschaft an einer Freiburger Mädchenschule. Zuerst ohne Zustimmung des Rates, der die Lehrtätigkeit der Frauen untersagen wollte, dann aber doch genehmigte.12 Der Bildungsgrad der Schwestern dürfte gehoben gewesen sein, schrieben die Statuten von 1607 doch vor, dass in die Gemeinschaft nur aufgenommen werden dürfe, wer »lateinisch lesen könne«.13 Wie in anderen Freiburger Klöstern entstanden auch im Umfeld der Schwestern zum Grünenwald im 18. Jahrhundert historiographische Werke, die sich mit der Geschichte des Konvents und der Stadt Freiburg beschäftigten.14 1668 verließen die Schwestern den Augustinerorden, wechselten unter die Aufsicht des Konstanzer Bischofs und bestimmten einen Franziskaner als ihren Beichtvater.15 Möglicherweise wollte man, wie zur selben Zeit in →Adelheiden, Versuche des Ordens, eine stärkere Kontrolle auf die Gemeinschaft auszuüben, abwehren. Ihre Gelübde legten die Frauen nun vor dem Freiburger Münsterpfarrer und nicht mehr vor dem Prior der Augustinereremiten ab. 1706 baten sie das Provinzkapitel der Augustiner, wieder in den Orden zurückkehren zu dürfen, erhielten die bischöfliche Erlaubnis dazu aber erst mit einiger Verzögerung im Jahr 1724.16 Im Zuge der josephinischen Reformen wurde die Gemeinschaft 1786 aufgehoben. Auch die Lehrtätigkeit einiger Schwestern konnte dieses Schicksal nicht abwenden, da aus der Sicht des Rates das Kloster →Adelhausen und die →Ursulinen bereits genügend Unterrichtskapazitäten stellten. Zudem hatte das Kloster seit einiger Zeit Steuerschulden bei der Stadt und bei den Landständen.17 Die 13 noch vorhandenen Konventsmitglieder sollten auf andere Gemeinschaften verteilt werden, weigerten sich aber und wählten ein Leben in der Welt. Ihre Pensionen mussten die übrigen noch bestehenden Frauenklöster in Vorderösterreich tragen.18 Die Liegenschaften und das Klostergebäude wurden versteigert.19 Das Archiv des Klosters ist größtenteils verloren. Teile werden heute im Generallandesarchiv und im Stadtarchiv Freiburg verwahrt. In der Freiburger Universitätsbibliothek sind noch eine aus zwei Bänden bestehende frühe deutsche Bibelübersetzung, die sog. Grüninger-Bibel von 1485, und eine mittelalterliche Handschrift mit asketisch-mystischen Texten aus dem Besitz der Schwestern nachweisbar.20 Im Universitätsarchiv findet sich zudem ein Verzeichnis dero Bücher welche aus dem aufgehobenen Grünwälderkloster in die akademische Bibliothek gekommen sind aus dem September 1786, das 125 Positionen umfasst.21 Es wird dort im Findbuch dem Paulinerkloster →Grünwald zugeschrieben, das aber erst 1803 aufgehoben wurde. Der Katalog muss sich deshalb auf die Freiburger Augustinerinnen beziehen. Bau- und KunstgeschichteEnde des 17. Jahrhunderts mehren sich Nachrichten über den schlechten baulichen Zustand der Anlage in der Grünwälderstraße, so dass die Schwestern wohl teilweise gezwungen waren, in Privathäusern unterzukommen.22 In der Folge kam es zu größeren Umbauarbeiten, diese waren nicht nur aus Restaurationsgründen notwendig, sondern auch weil die von den Statuten 1607 vorgeschriebene vollständige Ummauerung des Konvents bisher nicht gegeben war.23 Unter anderem erwarben die Frauen dafür 1710 ein benachbartes Haus, ließen dieses abbrechen und errichteten dort eine Kirche.24 1712 konnte die Kirche, die unter den Schutz der heiligen Anna gestellt wurde, durch den Konstanzer Weihbischof Konrad Ferdinand Geist von Wildegg (1693–1722) geweiht werden.25 BibliographieQuellen: Höhn 1744; Austria Sacra Bd. 1,1, S. 223 f.; Hartfelder 1875/78. Handbücher und Lexika: kloester-bw, Augustinerinnenkloster »St. Anna zum grünen Wald« Freiburg (Dargleff Jahnke). Literatur: Stengele 1889 (a). Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
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