Freiburg, Wilhelmiten 

Kurzbeschreibung:

1262 Gründung – 1507 Vereinigung mit den Wilhelmiten von Oberried – 1682 Wegzug aus Freiburg nach Oberried

Ordensgliederung: bis 1526 Deutsche Provinz; nach der Reformation unter der Jurisdiktion des Bischofs von Konstanz
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Freiburg

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Wilhelmiten 1262-1682
Beschreibung:

Name: fratrum ordinis sancti Wilhelmi Heremitarum extra muros Friburg (1262);1 monasterio sancti Wilhelmi sito in oppido Friburgensi infra exterios muros (1363);2 prior und convent gemeinlich des closters ze den Oberrietern zu Friburg (1408);3 gotteshaus Cella Mariae sonsten Oberridt genant zue Freyburg (1605)4

Geschichte

Im Jahr 1262 verließen die Mönche das zehn Jahre zuvor gegründete Wilhelmitenkloster in →Oberried und zogen nach Freiburg, um in der Schneckenvorstadt vor den Mauern der Stadt eine eigene Niederlassung zu errichten. Vier Jahre nach der Ankunft der Brüder belegt ein Ablass die Weihe eines Teils der Kirche.5 Jedoch traten bereits im selben Jahr einige Mönche den Rückzug aus der Stadt an und begaben sich wieder zurück nach Oberried.6 Fortan trugen zwei Gemeinschaften den Namen Oberried, jedoch mit den Zusätzen »in Freiburg« oder Marienzell bzw. »im Schwarzwald«, auch Marienkron genannt.

Das Verhältnis der beiden Gemeinschaften zueinander war bereits früh durch Spannungen belastet, da die Oberrieder aus der Sicht der Freiburger das Stadtkloster zu oft besuchten und ihnen dabei zur Last fielen. Mehrmals musste daher der Provinzial zwischen den beiden Gemeinschaften vermitteln.7

Im Gegensatz zum Kloster Oberried, das eine starke Grundherrschaft aufbauen konnte, waren die Freiburger Wilhemiten für ihren wirtschaftlichen Unterhalt vor allem auf Almosen, Schenkungen und Jahrzeitstiftungen angewiesen, die sie bereits früh, vor allem aber im 14. Jahrhundert, von der Freiburger Bürgerschaft und den Grafen von Freiburg erhielten.8 Das schnelle Wachstum ermöglichte es der Gemeinschaft, 1269 in Klingnau bei Sion und 1282 in Mengen (Donau) Töchterklöster zu errichten, für die der Freiburger Prior das Visitationsrecht besaß.

Im Laufe des 15. Jahrhunderts geriet das Kloster jedoch zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Diese und interne Auseinandersetzungen führten dazu, dass die vorderösterreichische Regierung 1495 die Kastvogtei über das Kloster der Stadt Freiburg übertrug.9 Da sich die Verhältnisse dadurch nicht besserten, sah sich das Ordenskapitel nur wenige Jahre später gezwungen, die beiden Konvente in Freiburg und Oberried zusammen zu legen. So kam es 1506/07 zur Union der Klöster, wobei der Freiburger Prior beiden Gemeinschaften vorstehen sollte, während in Oberried nur ein kleiner Teil des Konventes zurückblieb, um die regelmäßige Abhaltung des Gottesdienstes und die Leistung der Memorialverpflichtungen zu sichern.10

Die wenig später einsetzende Reformation hatte zur Folge, dass viele Klöster der Wilhelmiten im Reich aufgehoben wurden und sich die deutsche Provinz auflöste. So bildeten die drei Klöster im Bistum Konstanz, Freiburg-Oberried, Mengen und Klingnau, eine eigene Provinz, die dem Bischof unterstand, aber durch einen von den Konventen gewählten Präses geleitet werden sollte. Der Bischof von Konstanz bestätigte 1630 auch neue Statuten für die drei Klöster und unterstrich so seine Vorrangstellung.11

Die Beschwerden über die wirtschaftliche Amtsführung der Prioren gingen jedoch auch im 16. Jahrhundert weiter. 1555 bescheinigte eine Rechnungsprüfung der Stadt, im Kloster sei das ußgeben grösser den das innemen und die vorderösterreichische Regierung konstatierte 1587, dass bei den Wilhelmiten in temporalibus übel gehaust würde.12 Zu den wirtschaftlichen Problemen kamen disziplinarische Beschwerden. In mehreren Fällen wurden Vorwürfe der Beteiligung der Prioren an Gelagen laut, in deren Folge es auch zu körperlichen Auseinandersetzungen kam und Vorsteher tätlich angegriffen wurden.13 Die Menge an Beschwerden führte schließlich zur Absetzung des Priors Andreas Motz im Jahr 1597.14 Offen muss bleiben, welche Rolle dabei Motzens Bemühungen spielten, der Stadt Freiburg die Kastvogtei über das Kloster zu entziehen.15 Jedoch rissen auch mit seiner Absetzung die Klagen und Untersuchungen gegen die Wilhelmiten nicht ab.16

Die unruhige politische und militärische Lage am Oberrhein in den folgenden Jahrzehnten trug dabei kaum zu einer Verbesserung der Situation bei. Während der Kämpfe um die Stadt Freiburg 1632 und 1637 verließen die Mönche das Kloster, das bei einer weiteren Belagerung 1644 sogar gesprengt wurde. Ein bereits 1651 wiedererrichteter Neubau fiel bereits nur 30 Jahre später zum allergrößten Teil dem Festungsbau Vaubans zum Opfer. Zahlreich sind die Beschwerden und Klagen des habsburgfreundlichen Priors Benedikt Hefele über die Einquartierungen und Kontributionen, die die Freiburger Wilhelmiten an die Franzosen leisten sollten.17 Schließlich entzog Kaiser Leopold I. (1658–1705) 1681 der inzwischen unter französischer Herrschaft stehenden Stadt Freiburg die Vogtei über das Kloster, stellte es unter seinen Schutz und gewährte dem Konvent das Recht zur Umsiedlung auf habsburgisches Territorium.18 So verließen Prior und Konvent 1682 die Stadt und siedelten wieder nach Oberried über, womit das Ende der Freiburger Niederlassung gekommen war.

Der frühe Erfolg der Wilhelmiten in Freiburg lässt sich mindestens teilweise auf ihre Tätigkeiten im Bereich der Seelsorge zurückführen. 1303 und 1371 ließen sie sich von den Bischöfen von Konstanz in der Diözese das Recht zu predigen und die Beichte zu hören bestätigen.19 Als ein Mittel zur Steigerung der Attraktivität des eigenen Konvents für Stifter und Pilger nutzten die Wilhelmiten auch Ablässe und erwarben, neben dem bereits im Kontext der Weihe 1266 erwähnten, weitere Ablässe in den Jahren 1285, 1288, 1289, 1291, 1303 und 1340.20 Für den guten Ruf der Freiburger Wilhelmiten vor der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts spricht auch, dass sich Jakob Wimpfeling, der bereits zuvor enge Kontakte zu den Straßburger Wilhelmiten hatte, 1505 für ein Jahr in dem Freiburger Kloster aufhielt. Der bekannte Humanist wurde dabei Zeuge der seit längerem anhaltenden Auseinandersetzungen zwischen den Wilhelmiten und den →Augustinereremiten über die Frage der Präzedenz, der Reihenfolge bei der Fronleichnamsprozession, was ihn zu einer kritischen Schrift gegen die Augustiner veranlasste.21 Der Streit hielt fast zehn Jahre an und beschäftigte König Maximilian (1493–1519), den Bischof von Konstanz, den Erzbischof von Mainz, sowie einen Kardinallegaten, ehe er vom Rat der Stadt beigelegt wurde.22

Das Archiv der Freiburger Wilhelmiten kam sehr wahrscheinlich mit den Freiburger Mönchen nach Oberried, wo es mit dem dortigen Archiv zusammengelegt wurde. Teile befinden sich heute im Stadtarchiv Freiburg, Generallandesarchiv Karlsruhe, Stiftsarchiv St. Paul im Lavanttal, Pfarrarchiv Oberried und dem Erzbischöflichen Archiv Freiburg. Im Stadtarchiv Freiburg und der Bibliothek des Bertholdsgymnasiums lassen sich noch einige wenige Inkunabeln nachweisen, ansonsten ist über eine Bibliothek nichts bekannt.

Bau- und Kunstgeschichte

Die Freiburger Niederlassung der Oberrieder Wilhelmiten wurde ab 1262 in der noch unbefestigten Schneckenvorstadt im Bereich der heutigen Adelhauserstraße/Ecke Holzmarkt errichtet. 1266 wurde die Klosterkirche geweiht und 1288 der Altarraum. Ende des 13./Anfang des 14. Jahrhunderts schloss der zweite Stadtmauerring das Kloster im Süden ab. 1644 erfolgte die kriegerische Zerstörung der Klosteranlage, danach der Neubau (1656 Kirchenweihe). Mit dem Schanzenbau (ab 1677) gab es schwere Bestandseinbußen. 1744 verschwanden mit der Schleifung der Stadtbefestigung die letzten Reste. Seit dem 19. Jahrhundert stehen Bürgerhäuser und das Altenpflegeheim St. Anna-Stift an deren Platz.

Der Aufbau der Klosteranlage kann erst ab dem 16. Jahrhundert dank Bildquellen annähernd ermittelt werden. Die Sickinger Stadtansichten (1589) zeigen eine ummauerte Anlage mit Wirtschaftsbereich im Osten und mit Kirche und Konventsbauten im Westen (Abb. 1). Im Norden des rechteckigen, mit Dachreiter ausgestatteten Gotteshauses erstreckt sich der Friedhof, im Südosten befinden sich die rechtwinklig dazu, an den Längsseiten eines Innenhofes stehenden Konventsbauten. Ein zweiter Innenhof schließt im Südwesten an.

Im geometrischen Grundrissplan des Klosters (vor 1677) fehlt die mittelalterliche Stadtmauer und die Klostergärten reichen bis zum Dreisambett. Die Saalkirche ist mit Langchor versehen, die beiden im Süden, zwischen den Konventsgebäuden gelegenen Innenhöfe (»Kreuzgarten« und »Krautgarten«) sind von Gängen umgeben oder an zwei Seiten davon flankiert. Am südöstlichen Abschnitt der Außenmauer stehen das Priorat, ein Wasch- und ein Gesindehaus, eine Scheune und ein Wasserturm.

In einer nach dem Festungsbau erstellten Stadtvedute (1685) bilden nur noch die Kirche mit Wandpfeilern oder Lisenen, ein Garten im Süden und drei Kleinbauten die Klosteranlage. Kasernen stehen im ehemaligen Wirtschaftshof.

Die ältesten freigelegten Reste im Innenhof des St. Anna-Stift gehören zu dem Südwestbereich eines über 18 m langen, in Mischmauerwerktechnik errichteten Baus mit mindestens zwei ungleich großen Öffnungen und drei vermuteten Stützpfeilern. Seine Ansprache, ob Südbereich der Kirche, Gang oder Kasernenbau, muss offenbleiben. An seiner Südwestecke schließt ein mutmaßlicher Gang (Kreuzgangarm?) an. Die Entstehung dieser Bauten ist ab dem 16. Jahrhundert möglich. Einige bis ins 18. Jahrhundert erfolgte Um- und Neubaumaßnahmen lassen sich weder der klösterlichen noch der militärischen Anlage zuweisen.

Bibliographie

Quellen: Schreiber 1846; Chronik von Oberried, in: Mone I, S. 195–198.

Handbücher und Lexika: kloester-bw, Wilhelmitenkloster Freiburg (Hans-Peter Widmann).

Literatur: Gießler 1911; Rohde 1994; Schadek/Treffeisen 1996.

Anmerkungen

  • 1 Fr UB (Hefele) I, Nr. 206 S. 177.
  • 2 StiftsA St. Paul im Lavanttal Bu 410.
  • 3 GLA 22 Nr. 171.
  • 4 GLA 67 Nr. 752, fol. 70 v.
  • 5 Fr UB (Hefele) I, Nr. 206 S. 177.
  • 6 Chronik von Oberried, in: Mone I, S. 196 f.
  • 7 Fr UB (Hefele) I, Nr. 207 S. 177 f., Nr. 235 S. 209, Nr. 252 S. 224 f.
  • 8 u. a. GLA 22 Nr. 51, 9 3-96, 102, 104, 295, 313, 316.
  • 9 StadtA FR A 1 VI a o 1495 September 4; StadtA FR VI a o 14 95 November 26; StadtA FR C 1 Kirchensachen 129 Nr. 2. Liste der städtischen Verwalter der Kastvogtei: StadtA FR C 1 Kirchensachen 132 Nr. 25.
  • 10 StadtA FR C 1 Kirchensachen 132 Nr. 10; Päpstliche Bestätigung aus dem Jahr 1507: StiftsA St. Paul im Lavanttal Bu 420.
  • 11 GLA 229 Nr. 78258; StiftsA St. Paul im Lavanttal Bu 423.
  • 12 StadtA FR C 1 Kirchensachen 116 Nr. 16 (1555); StadtA FR C 1 Kirchensachen 132 Nr. 23 (26. 2. 1587), Nr. 1, 22; GLA 200 Nr. 1731.
  • 13 StadtA FR C 1 Kirchensachen 132 Nr. 11; StadtA FR C 1 Kirchensachen 133 Nr. 13; Schreiber 1846.
  • 14 StadtA FR C 1 Kirchensachen 132 Nr. 4; EAF A 4/317.
  • 15 StadtA FR C 1 Kirchensachen 132 Nr. 23.
  • 16 StadtA FR C 1 Kirchensachen 132 Nr. 4 f.; StadtA FR C 1 Kirchensachen 133 Nr. 17.
  • 17 EAF A 4/318; StadtA FR C 1 Kirchensachen 131 Nr. 2; StadtA FR C 1 Kirchensachen 133 Nr. 1.
  • 18 EAF A 4/317.
  • 19 1303: Fr UB (Hefele) III, Nr. 35 S. 28 f.; 1371: GLA 67 Nr. 752, fol. 58 v.
  • 20 1285: Fr UB (Hefele) II, Nr. 22 S. 32 f.; 1288: EAF UH 519; 1289: Fr UB (Hefele) II, Nr. 89 S. 79 f.; 1291: PfA Oberried Nr. 341; 1303: Fr UB (Hefele) III, Nr. 35 S. 28 f.; 1340: EAF UH 521, Bestätigung des Konstanzer Bischofs Nikolaus von Riesenburg: EAF UH 522.
  • 21 Wimpfeling 1990, Nr. 225 S. 58 1-586.
  • 22 RI XIV, 4, 1, Nr. 18181; StadtA FR C 1 Kirchensachen 130 Nr. 16; StadtA FR C 1 Kirchensachen 59 Nr. 1; HHS tA Reichskanzlei Maximiliana 13-3-46; GLA 65 Nr. 11221, S. 31
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Johannes Krämer [Autor]
  • Luisa Galioto [Autor]
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