Freiburg, Dominikaner
| Kurzbeschreibung: | um 1233 Gründung – 1237 Baubeginn von Kirche und Klostergebäude auf dem Areal Unterlinden – 1475 Anschluss an die nicht-observante Kongregation – um 1794 Aufhebung Patrozinium: Johannes Baptist, Johannes EvangelistOrdensgliederung: Provinz Teutonia, Nation Alsatia; 1475 Kongregation der Konventualen; 1608 Provinz Teutonia, Nation Alsatia; 1709 Provinz Saxonia (Süddeutsche Provinz)Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Freiburg |
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| Beschreibung: | Name: priori et conventui fratrum Predicatorum de Wriburch Constantiensis diocesis (1245);1 convente der Bredier ze Fribrug (1316);2 prior und convent der Predier dez huses ze Friburg (1317);3 ad SS. Johannem Baptistam et Evangelistam (1619);4 prior und convent ordinis sancti Dominici in Freyburg (1748)5 GeschichteHistorische EntwicklungDie Anfangsphase des Dominikanerklosters in Freiburg ist besonders gut dokumentiert und ermöglicht auf einzigartige Weise, die Umstände sowie die beteiligten Personen quellenmäßig zu greifen. Die Gründung ist um 1233 nachgewiesen: Konrad von Höxter, Provinzialprior der Teutonia (1221-1233), nennt die Freiburger Niederlassung neben den Häusern in Basel und Zürich.6 Der Konstanzer Bischof genehmigte den Dominikanern 1235, sich in Freiburg niederzulassen, dort zu predigen, ihrer seelsorgerischen Tätigkeit nachzukommen sowie mit dem Bau einer Klosteranlage und -kirche zu beginnen.7 Der Freiburger Pfarrherr Rudolf stimmte der Ansiedlung der Bettelmönche zu und erkannte ihre Rechte sowie Ordensprivilegien an.8 Die Stadtgemeinde, vertreten durch den Rat der Vierundzwanzig, berief die Predigermönche einen Tag später.9 Als wichtiger Unterstützer trat der Freiburger Stadtherr Graf Konrad I. (1236/37–1271) in der Frühzeit des Konvents auf. Bereits wenige Jahre nach ihrer Ansiedlung erließ er den Geistlichen den Hofstättenzins für ihre Besitzungen.10 Auch unterstrich er zeitnah eine enge Verbindung zwischen seinen Eltern, der Stadtgemeinschaft und den Dominikanern.11 Seine Nachfolger waren hingegen kaum in die Angelegenheiten des Klosters involviert. Die Kirche und die Klostergebäude befanden sich auf dem heutigen Unterlinden-Areal innerhalb der Freiburger Altstadt. Eine Randlage an der Stadtmauer und in der unmittelbaren Umgebung der Bächle wird angenommen. Die Anbindung an das Bächlesystem und die damit einhergehende Wasserversorgung des Klosterkomplexes waren früh sichergestellt.12 Eine Beteiligung an der Stadtbefestigung wiederum ist für die Zeit der Gründung nicht nachgewiesen. Die Dominikaner bemühten sich aktiv um Akzeptanz bei den geistlichen Würdenträgern, dennoch kam es bezüglich ihres Begräbnisrechts zu langjährigen Streitigkeiten mit dem Pfarrer.13 Im 14. Jahrhundert befreiten einige Pfarrer die Predigerbrüder sogar von der Entrichtung des Pflichtteils an die Pfarrkirche.14 Ein bemerkenswertes Zeugnis von 1378 zeigt, dass sich in Freiburg alle drei Bettelordensniederlassungen zu gegenseitigem Beistand verpflichteten, falls eine Gemeinschaft durch den Pfarrklerus bedrängt werde.15 Dem war ein diözesanweiter Konflikt um das Recht der Mendikanten zum Beichthören vorausgegangen.16 In der Folgezeit lassen sich kaum Interaktionen zwischen den Dominikanern und den Pfarrern greifen. Erst im 17. Jahrhundert schlugen sich Vereinbarungen wieder schriftlich nieder, als es um die Einrichtung von (Erz-)Bruderschaften ging. Die Bischöfe von Konstanz waren mit Ausnahme der Anfangszeit der Predigerbrüder wenig präsent. Sie stellten beglaubigte Abschriften von Papstprivilegien und Schutzbriefe zugunsten der Dominikaner aus, in denen sie die Geistlichkeit in ihrer Diözese ermahnten, die Ordensleute nicht weiter zu belästigen.17 In lokalen Konfliktsituationen wandte sich das Ordenshaus nur vereinzelt nach Konstanz, da die meisten Angelegenheiten innerhalb der Stadt geregelt werden konnten.18 Gleichermaßen können die Verbindungen zur Kurie nach Rom beschrieben werden. Die Freiburger Dominikaner ersuchten und erhielten früh die Unterstützung des Apostolischen Stuhls. Sie profitierten von den zahlreichen Rechtsbestätigungen an den Predigerorden, die sie sich ebenfalls ausstellen ließen.19 Viele dieser litterae hatten zum Ziel, dass die Ordensleute ihren seelsorgerischen Tätigkeiten ungehindert nachgehen konnten. 1319 richtete der Papst eine richterliche Instanz ein, den judex et conservator, welche in Streitfällen und zum Schutz des Ordenshäuser innerhalb einer Provinz zuständig war.20 Ebenfalls mehrheitlich im Bereich der Päpste lag die Vergabe von Ablassurkunden, wobei hier auch Bischöfe tätig wurden.21 Die Hauptanlässe für solche Urkunden waren die Förderung von Bauvorhaben, die Ausweitung der Gottesdienstbesuche sowie die Einbindung der Ordensheiligen in das diözesane Kirchenjahr. Die gezielten Maßnahmen erlaubten es den Mendikanten, binnen weniger Jahre die Grundlagen zu schaffen, um sich sukzessive im städtischen Umfeld zu etablieren, ein attraktives Betreuungsangebot zu bieten und Wohltäter wie auch Konventsmitglieder aus der Stadtgemeinschaft akquirieren zu können. Die Reformen des Ordens begannen in der Dominikanerprovinz Teutonia im 14. Jahrhundert. Die Anzahl der Reformkonvente stieg langsam an, sodass sie erstmals 1465 eine eigene Kongregation bildeten, die nicht mehr dem Provinzialprior, sondern einem Vikar unterstanden.22 Da sich die Mehrheitsverhältnisse in der Teutonia innerhalb kürzester Zeit änderten, kehrte sich die Situation bereits 1475 dergestalt um, dass nun der neu gewählte Provinzial die Reformkonvente vertrat und allen nicht-observanten Häusern der Zusammenschluss zur Kongregation mit einem Vikar als Repräsentationsform blieb.23 Die Freiburger Dominikaner schlossen sich der observanten Teutonia nicht an und gehörten ab 1475 daher zur Kongregation der Konventualen. Obwohl sie sich damit in einer Parallelstruktur mit eigenen Kapiteln und Oberen befanden, waren in der Folge immer wieder Versuche der Einflussnahme durch die Provinzialprioren zu erkennen. Im 16. Jahrhundert entstand viel Schriftgut, welches die ordensinternen Auseinandersetzungen und das Ringen nicht-observanter Klöster um ihre Eigenständigkeit auf eindrückliche Weise veranschaulicht.24 Die Ausgangslage schien durch die Entscheidung Papst Leos X. (1513–1521) über die Einrichtung und Exemtion des Vikariats 1520 sowie die Bestätigung des gewählten Vikars zunächst geklärt.25 1563 wurde der Provinzialprior Wilhelm Brand aber explizit dazu aufgefordert, alle Konvente, die sich als »konventual« bezeichneten, umgehend aufzulösen und erneut seiner Obödienz zu unterstellen.26 Um Reformbestrebungen zu entgehen, suchten Prior und Konvent 1565 nach Unterstützung außerhalb des Ordens. Erst beurkundeten Bürgermeister und Rat die Lebensweise und Amtsführung der Freiburger Niederlassung.27 Anschließend ließ sich der Freiburger Prior beides durch den Bischof von Würzburg bestätigen.28 1569 drohte der Ordensmagister dennoch mit Strafen, wenn sich der Freiburger Konvent nicht der Oberdeutschen Provinz anschließen würde.29 In dem Jahr 1575 ist erneut ein ausführliches Verteidigungsschreiben von der Stadt Freiburg verfasst worden, welche einerseits die Gewalt und den ausgeübten Zwang gegenüber den Dominikanern ablehnte, andererseits die Ordensleute für ihr religiöses Leben und die seelsorgerischen Tätigkeiten lobte.30 Daran knüpften die Predigerbrüder selbst mit einer Stellungnahme an, in der sie den vergangenen Vorwurf des Ungehorsams und Verstoßes gegen die Profess aufgriffen, die schändliche Behandlung durch die Observanten beschrieben (darunter Verbote zur Versammlung auf eigenen Kapiteln, Zwang zur Unterschrift und Beitritt der Observanz, Androhung ewiger Strafen) und schließlich den Ordensmeister aufriefen, sie unter seinen väterlichen Schutz zu nehmen.31 1589 erreichte die observante Ordensleitung ein hohes Maß an Kontrolle über die Kongregation, da sie mit Michael Hetzger ihren Wunschkandidaten, der in Freiburg studiert hatte, zum (legitimen) Vikar bestimmte und die Konventualen vorerst anerkannte.32 Die ersten Konventualen stammten vermutlich aus bestehenden Ordenshäusern der Teutonia, etwa Köln und Straßburg, vielleicht auch Basel und Zürich. Die Größe der Gemeinschaft lässt sich quellentechnisch kaum greifen. Die vermeintlich für das Jahr 1375 angenommene Anzahl von 80 Konventualen basiert auf einem Lese- und Übersetzungsfehler der lateinischen Urkunde, in der 80 Scheffel Weizen auf die drei großen Bettelordensklöster in Freiburg verteilt wurden.33 Neben den Nennungen in Urkunden und Akten dient der sogenannte Catalogus mortuorum aus dem 18. Jahrhundert als Rekonstruktionshilfe für die Konventsmitglieder.34 Das Totenverzeichnis liefert keine vollständige Liste der Predigerbrüder im Freiburger Kloster, stellt dafür aber eine Sammlung von dort verstorbenen Brüdern seit der Gründung dar und gibt vereinzelt Angaben zu Amt, persönlichen Leistungen und Sterbejahr. Wie bei den anderen Freiburger Klöstern, kann auch bei den Dominikanern davon ausgegangen werden, dass alle Schichten vertreten waren.35 Zur vorderösterreichischen Regierung oder den Habsburgern bestand kein besonderes Verhältnis, was wohl mit der lokalen Einbindung des Klosters erklärt werden kann.36 Übernachtungen von Kaisern sind aus sekundärer Quelle bekannt, so etwa 1498 für Maximilian I. (1493–1519).37 Im 17. und 18. Jahrhundert benannten die Dominikaner Kriegszerstörungen an ihrer Kirche sowie den Klostergebäuden und forderten in ihren Schreiben finanzielle Unterstützungen für die Reparaturen.38 Am präsentesten waren die Herrscher in Quellenzeugnissen des 18. Jahrhunderts, als Anweisungen zum Kriegsgeschehen kommuniziert wurden und in Vorbereitung auf die absehbare Auflösung der Klostergemeinschaft.39 Weitaus häufiger waren gerichtliche Entscheidungen durch Vertreter der vorderösterreichischen Regierung in Ensisheim und des kaiserlichen Hofgerichts in Rottweil.40 Die verhandelten Streitfälle hatten mit der Zuweisung von Einkünften zu tun, bei denen sich zwei Parteien jeweils als rechtmäßige Inhaber betrachteten. Zum selben Zweck wurde das Freiburger Schultheißengericht von den Dominikanern aufgesucht, wobei hier noch Streitigkeiten mit der Stadt Freiburg um das Schatzungsgeld geführt wurden. In den Jahren 1491 und 1492 weitete sich ein Konflikt dermaßen aus, dass König Maximilian I. und die Römische Kurie in die Sache involviert wurden und erst ein Schiedsgericht unter dem Abt von →St. Trudpert einen Vergleich erreichte.41 Von 1669 bis 1704 wurde mehrmals wegen Steuern verhandelt.42 In der Zusammenschau der Archivalien lässt sich das Verhältnis der Dominikaner zum Bürgermeister und Rat in Freiburg als positiv beschreiben. Viele Streitfälle fielen vor dem städtischen Gericht zugunsten der Ordensleute aus.43 Oft wurden Geschäfte von Bürgermeister und Rat bestätigt und besiegelt. 1554 beteiligte sich die Stadt an der Verwaltung des Klosters, um es vor dem Eingriff der vorderösterreichischen Regierung in seine Angelegenheiten zu schützen.44 Wie bei vielen Klöstern entstand auch bei den Dominikanern in den Jahrzehnten vor ihrer Aufhebung viel Schriftgut (Inventare, Repertorien, Verzeichnisse, Chroniken), aus dem retrospektiv wichtige Erkenntnisse für die Geschichte der Gemeinschaft gewonnen werden können. Mit dem Beschluss Kaiser Leopolds II. (1790–1792) zur Aufhebung begannen die letzten Jahre des Dominikanerklosters, welches 1794 zu bestehen aufhörte.45 Das Vermögen der Gemeinschaft ging an die Universität Freiburg über, welche den letzten Konventsmitgliedern eine Pension zahlen musste. Laut Dokumenten und Plänen sah die vorderösterreichische Regierung anfangs für das Dominikanerkloster in Freiburg vor, es baulich so zu verändern, dass dort Archivalien der vorderösterreichischen Verwaltung in Innsbruck verwahrt werden können.46 Besitz und WirtschaftAnfang des 14. Jahrhunderts änderte sich die Haltung des Predigerordens zu festen Einkünften aus Grund- oder Zinsrechten. Die erhaltenen Zins- und Rechnungsbücher der Freiburger Dominikaner geben Einblick in den geografischen Raum, aus dem sie Einnahmen bezogen. Die Schwerpunkte lagen in Freiburg, am Kaiserstuhl und dem heutigen Landkreis Emmendingen. In einem Verzeichnis der Geld- und Fruchtzinsen von 1627–1630 sind beispielsweise die folgenden Orte genannt: Denzlingen, Mengen, Opfingen, Schupfholz, Teningen und Vörstetten.47 In einem Zinsregister von 1729 werden Fruchtzinsen aufgeführt aus: Betzenhausen, Biengen, Denzlingen, Ehrenstetten, Eichstetten, Hochdorf, Mengen, Munzingen, Oberreute, Riegel, Teningen, Tiengen und Uffhausen.48 Ergänzend dazu wären aus den Berainen zu nennen: Endingen, Forchheim, Kirchhofen, Neuershausen, Unterreute sowie Umkirch.49 Die Bilanzen unter den jährlichen Rechnungen zeichnen das Bild einer finanziell abgesicherten Gemeinschaft, die über den längsten Zeitraum deutlich mehr einnahm als sie verbrauchte. Eine städtische Prüfung der Jahresrechnung für die Freiburger Klöster 1560 ergab bei den Predigerbrüdern, dass hier nichts zu ändern wäre, sie außerhalb der Stadt acht Häuser besitzen, eine Badstube verleihen und das Geld von ihren Zinsen verkaufen würden.50 Von 1555 ist ein Verzeichnis der jährlichen Einkommen und Gefälle städtischer Klöster überliefert.51 Hierin wird ersichtlich, dass die Dominikaner Einnahmen aus Geld, Korn, Weizen, Gerste, Hafer und Wein hatten; als Ausgabeposten werden Früchte, Gerste, Weizen, Hafer und Wein genannt.52 Mit den vielen Jahrzeitstiftungen aus der Freiburger Bürgerschaft standen den Predigerbrüdern weitere Einkünfte zur Verfügung, mit denen sie ihren Unterhalt finanzieren konnten. Für den Orden war die Einrichtung von Termineien eng mit dem Almosensammeln und Wanderpredigen verbunden. Die unterschiedlich ausgestalteten Aufenthaltsstationen dienten überdies als konkrete Punkte der räumlichen Erfassung ihrer Ordensprovinz. Auf den Kapiteln wurden Terminierbezirke beschlossen und den Konventen zugewiesen. Der Bereich der Freiburger Predigerbrüder veränderte sich bei jeder Neugründung eines nahegelegenen Ordenshauses.53 Religiöses und kulturelles WirkenDie intensive Stiftung von Jahrzeiten durch die Freiburger Bürgerschaft und die Bestattungen in der Kirche der Dominikaner veranschaulichen den Zuspruch zu dem Ordenshaus. Die Sorge um das eigene Seelenheil durchzog alle Kreise in der Stadt. Ein Verzeichnis zu den vorgefundenen Gräbern im 18. Jahrhundert hält beispielsweise einzelne Familienmitglieder der von Brandenstein, von Montfort und von Fürstenberg fest.54 Auch gab es testamentarische Zuwendungen an mehrere Institutionen.55 In besonderen Stiftungen wie dem →Regelhaus zur Turnerin, das unter der Leitung des Priors stehen und dem Totengedenken der Familie Turner dienen sollte, zeigt sich sowohl das umfangreiche Betreuungsangebot der Dominikaner als auch das in sie gesetzte Vertrauen der Stifterseite. Innerhalb des Predigerordens richtete das Freiburger Haus ausgesprochen früh das Provinzialkapitel für die Teutonia aus und 1419 sogar das Generalkapitel.56 Ferner wurden einige Prioren zu Vorstehern der Provinz oder Generalvikaren der Kongregation gewählt.57 Im Bereich des Studiums war gemäß den Konstitutionen in jedem Haus ein Lektor zur Unterrichtung der Mitglieder des Konvents vorgesehen. Ein prominenter Lektor in Freiburg war beispielsweise Johannes von Freiburg, Verfasser der summa confessorum.58 Die Dominikaner waren im 17. und 18. Jahrhundert intensiv in die Betreuung von Bruderschaften eingebunden. Mit über 30 nachgewiesenen Gemeinschaften dominierten die Rosenkranz(erz)bruderschaften, welche die Ordensleute in Absprache mit den jeweiligen Pfarrern oder Äbten in zahlreichen Kirchen einrichteten.59 Für ihren eigenen Rosenkranzaltar ließen sie sich mehrfach Ablässe ausstellen.60 Die Bruderschaft zum Hl. Johannes Nepomuk ist mitsamt ihren Statuten für das Jahr 1747 nachgewiesen.61 Die Predigerbrüder pflegten unterschiedliche Beziehungen zu den in der Stadt ansässigen religiösen Frauengemeinschaften, insbesondere zu den →Dominikanerinnen von Adelhausen, →St. Agnes und →St. Katharina sowie den →Reuerinnen. Gegenüber den inkorporierten Klöstern hatten sie gemäß den Ordenskonstitutionen cura-Pflichten zu erfüllen. In welchem Ausmaß sie der religiösen Unterweisung, seelsorgerischen Betreuung oder Visitationen in der Praxis nachkamen, muss in Einzeluntersuchungen beleuchtet werden. Einiges spricht dafür, dass hierbei hauptsächlich Weltgeistliche tätig wurden, denn etwa 1619 ermahnt das Provinzialkapitel zur verpflichtenden, wöchentlichen Abhaltung der Messe bei den Reuerinnen von St. Maria Magdalena.62 Nachgewiesen ist eine besondere Stiftung von Margarete Turner im Jahr 1316.63 Die Witwe eines wohlhabenden Freiburger Bürgers richtete die Schwesternsammlung →zur Turnerin ein und übertrug die Leitung an den Prior der Dominikaner. Sie legte fest, dass die Frauen sich dem Gebetsgedenken an ihren verstorbenen Mann und ihre Ahnen widmen, nach einem Regelbuch leben sollten und eine eigene Pflegerin wählen dürften. Ferner standen die Ordensleute mit Klausen in Verbindung, wobei die wenigen Zeugnisse von Zinseinnahmen handelten. Bei der lückenhaften Überlieferung zu diesen Gemeinschaften kann keine Betreuung durch die Predigerbrüder nachgewiesen werden, aber sie liegt nahe. Von einer →Klause in Eichstetten sollten sie Einkünfte nach dem Tod von zwei Schwestern erhalten.64 1494 wurden Klausnerinnen in →Rust in das Freiburger Kloster St. Katharina auf dem Graben aufgenommen.65 In einer Streitsache um die →Klause bei der St. Martinskirche in Endingen wurde 1509 über Zahlungen zugunsten der dortigen Pfarrkirche St. Martin verhandelt.66 Die Dominikaner waren eine der beteiligten Parteien, die um Zinserträge aus Riegel verhandelten. Mit der Gründung der Universität in Freiburg war eine Bildungsstätte in unmittelbarer Nähe des Ordenshauses verfügbar. Das Studium generale existierte in Freiburg vor 1517.67 Wie hoch der Anteil der Dominikaner an der Universität war, kann in den Matrikelbänden genauer recherchiert werden.68 Als Lehrperson war etwa der 1512 verstorbene Johannes Winkel als Professor für Theologie und Dekan der Fakultät tätig.69 Die überlieferten Dissertationen zeigen, dass hier viele Ordensleute ihre Abschlüsse und akademischen Titel erwarben.70 Darüber hinaus kamen beide Seiten mehrmals wegen Zinsgeschäften zusammen.71 Die Dominikaner stellten außerdem den Studenten ihre Räumlichkeiten zur Verfügung bis die Universität mit dem Bau der Bursen fertig war.72 Bibliothek und ArchivÜber die Bibliothek selbst ist bekannt, dass sie von dem 1314 verstorbenen Johannes von Freiburg erneuert worden war.73 Sie dürfte damit schon sehr früh existiert haben. In einer Urkunde von 1435 wird ein Bruder als Pfleger der Bibliothek aufgeführt.74 Eine eigene Handschriftenproduktion in Freiburg ist nur in Einzelfällen nachweisbar. Informationen zu einem Skriptorium fehlen mit Ausnahme einer undatierten Sammlung von Vorlagen für Suppliken und andere Schreiben an unterschiedliche Adressaten vollständig.75 Dem umfangreichen Buchbestand des Dominikanerklosters kann anhand mehrerer Handschriftenkataloge nachgespürt werden. Die Einträge informieren mitunter sehr ausführlich über die einzelnen Werke. In der Zusammenschau fällt auf, dass viele Bücher über einen Besitzvermerk aus dem 17. Jahrhundert verfügen. Entweder tätigte die Freiburger Gemeinschaft in dieser Zeit bedeutsame Ausgaben für Bücher oder es wurde dem Buchbestand eine Art Standortbezeichnung hinzugefügt. Aus dem Jahr 1795 ist ein Verzeichnis der Konventsbibliothek in Freiburg überliefert, das Verzeichnis der in der Bibliothek des aufgehobenen Dominikanerklosters zu Freyburg vorgefundenen gedruckten Werke und Manuskripte 1795.76 Es ist eine Bestandsaufnahme über die vorgefundenen Bücher, die anlässlich der Aufhebung des Klosters angefertigt wurde. Das Verzeichnis ist zweigeteilt: es listet zunächst alle Druckwerke auf und anschließend alle Manuskripte. Der zeitliche Schwerpunkt der Druckwerke lag im 16. Jahrhundert. Inhaltlich ist eine beachtliche Bandbreite festzustellen. Der Kammerregistrator Leopold L. Maldoner erfasste und registrierte das Archiv 1735.77 Das umfangreiche Repertorium dazu befindet sich im Universitätsarchiv und gibt Aufschluss über die Ordnung der Urkunden. Letztere waren vielleicht schon vorher, spätestens aber mit Maldoner nach einer Ortssystematik und chronologisch in Laden sortiert. Die vorderösterreichische Regierung beschloss im 18. Jahrhundert das Vermögen des Klosters an die Universität Freiburg zu übertragen, um sie für die erlittenen Besitzverluste und Kriegsschäden zu kompensieren.78 Das ehemalige Klosterarchiv wurde im Zuge dessen ins Universitätsarchiv aufgenommen und in die Bestände A106 für Urkunden sowie A107 für Akten aufgegliedert. Die Handschriften und Druckwerke gelangten an die Universitätsbibliothek (Abb. 2, 3). Bau- und KunstgeschichteLageDie Lage des Konvents gibt erstmals eine Freiburger Grafenurkunde des Jahres 1238 an. In ihr erlässt Graf Konrad von Freiburg den Dominikanern den Hofstättenzins und übereignet ihnen Besitz. Dabei werden zwei Örtlichkeiten unterschieden, die Hofstätte infra muros [...] circa portam Sancti Martini (innerhalb der Mauern beim Martinstor, später das so genannte Haus Klee) und das ca. 9.300 m² große Areal inter duas ripas (zwischen den beiden Bächen), im Bereich Unterlinden zwischen Unterlinden, Merianstraße und kleinem Friedrichring) wo die Dominikaner bereits damals wohnten. Die Kirche erstreckte sich nördlich der Straße Unterlinden, die Predigerstraße quert den Langchor, die Konventsbauten grenzen nördlich daran an. Kirche und KonventsbautenVon der Klosterkirche konnten bei Rettungsgrabungen 2007/2008 trotz der fragmentarischen Überlieferung wesentliche Teile erfasst werden, so dass sich neben den Abmessungen auch Details im Bauablauf klären lassen. Die Bauzeit des ersten Chores ist durch die schriftliche Überlieferung gut einzugrenzen. Der Konstanzer Bischof erteilte zwar schon 1235 die Erlaubnis zum Bau einer Kirche, doch musste zunächst noch der Stadtpfarrer diesem Vorhaben zustimmen, was 1236 erfolgte. Aus einem Brief des Bischofs Heinrich von Konstanz (1233–1248) geht hervor, dass 1237 der Grundstein gelegt wurde, bereits zwei Jahre später war der Chor der Dominikanerkirche fertiggestellt, so dass 1239 die Weihe erfolgen konnte. Der erste, im lichten Maß ca. 10 m breite Chor war auf der Sohle eines Keller einer profanen Vorbebauung um 2,85 m tiefer fundamentiert wie das anschließende Langhaus. Seine im Verbund aufgemauerte Nord-, West- und Südseite wurde auf einer Länge von 12 m freigelegt (vermutliche Länge 18 m). Zum Aufgehenden dieses ersten Chores können keine weiteren Aussagen getroffen werden. Die Mauerstärke hätte sowohl eine flache Decke, als auch eine Überwölbung zugelassen. An diesen ersten Chor wurden mit einem zeitlichen Abstand das Langhaus und die Konventsbauten angebaut, die Schriftzeugnisse legen eine Bauzeit zwischen 1251 bis 1253 nahe. Von dem 36 m langen und zwischen 15 m und 19 m breiten Kirchenschiff sind die Fundamente der nordöstlichen und südwestlichen Ecke erhalten. Nur etwa 40 Jahre nach seiner Errichtung, vermutlich zu Beginn der 1280er Jahre, wurde der erste Chor niedergelegt und – um etwa 2 m nach Süden, an die Straßenflucht verschoben – durch einen etwa gleich breiten, jedoch deutlich längeren neu errichteten Chor ersetzt, der 1282 geweiht wurde. Bei bauhistorischen Untersuchungen wurden Reste der jüngeren Chorsüdwand als ältestes Mauerwerk im Keller des Hauses Unterlinden 11 erkannt. Der Grund für den Neubau war eine Erhöhung und/oder Verlängerung des Baus, der überwölbt war, was die vorgelegten Strebepfeiler erkennen lassen. Dieser nun aus der Mittelachse des Langhauses nach Süden verschobene jüngere Chor entspricht dem Bau, der uns in den historischen Abbildungen der Klosteranlage begegnet. Am Übergang von Langhaus zum Chor lag das Fundament eines wohl erst nach Errichtung des 1282 geweihten zweiten Chores eingebauten Lettners. An die Kirche schlossen sich im Norden drei Gebäudetrakte an, die sich um den rechteckigen, 16 x 23 m großen Innenhof gruppierten. Von diesen nicht unterkellerten Steinbauten ist aufgrund der nachhaltigen Bodeneingriffe lediglich die Fundamentzone der Nordwand des nördlichen Gebäudetrakts auf einer Länge von knapp 40 m erhalten. Das Gebäude, das später als »Kaiserbau« bezeichnet wurde, besaß an seiner Nordostecke einen langgestreckten Anbau mit einer lichten Breite von 4 m, in dem sich unter anderem die zentrale, sorgsam gemauerte Latrine des Konvents befand. Um eine Vorstellung zum Aussehen des Gebäudekomplexes zu erhalten müssen historische Ansichten und Pläne herangezogen werden. Die früheste Darstellung der Anlage erfolgte 1589 auf dem Großen Sickingerplan. Der Hochchor mit einem kleinen Dachreiter hebt sich deutlich vom Langhaus ab. Den ersten nahezu maßhaltigen Plan des bereits säkularisierten Klosters fertigte Prof. Thaddäus Rinderle im Jahr 1800 an. Während der Chor und die Wirtschaftsbauten zu Beginn des 19. Jahrhunderts abgebrochen wurden, wandelte man das Langhaus der Kirche und die Konventsbauten nach mehreren wechselnden Zwischennutzungen in das Vinzentius-Krankenhaus um. Nach dem Bombenangriff auf Freiburg am 27. November 1944 waren auch die letzten aufrecht stehenden Reste des Dominikanerklosters weitgehend zerstört. Materielle Kulturgeschichte, BauausstattungVon der einstigen Ausstattung des Klosters sind etwa die Grabplatten der Grafen von Freiburg erhalten, die heute im Münsterchor aufbewahrt werden. Die teilweise überlieferten Glasfenster geben einen Eindruck von der einst prächtigen Ausstattung dieser Bettelordenskirche. BibliographieQuellen: Finke 1891. Handbücher und Lexika: CVMA II,2, S. 525–562 (Rüdiger Becksmann); Dehio, Baden-Württemberg Bd. 2, S. 190–234 (Matthias Untermann/Friedrich Kobler); KB Freiburg Bd. 1,2, S. 921 (Wolfgang Stülpnagel); kloester-bw, Dominikanerkloster Freiburg (Stephanie Zumbrink). Literatur: Poinsignon 1883; Dold 1910; 1912; Sauer 1925; Schlippe 1970; Jenisch/Kalchthaler 2011. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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