Wippertskirch, Benediktiner
| Kurzbeschreibung: | 1136 Erwähnung als Kirche des Klosters Schuttern – 1276 Inkorporation der Pfarrei in das Kloster Schuttern – um 1680 Einrichtung der Propstei – 1731–33 Bau des Propsteigebäudes durch Peter Thumb – 1806 Aufhebung – 1816 Abbruch der Kirche – 1822 Abbruch des Propsteigebäudes Patrozinium: Peter und PaulOrdensgliederung: Propstei der Benediktinerabtei SchutternKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Breisach |
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| Beschreibung: | Namen: Wiprehtskircha cum ecclesia (1136);1 plebanus in Wiperhtschilch (1275);2 probstey Wippertskirch (1694);3 probstey Wipperts Kirch (1735)4 GeschichteDas 1136 zum ersten Mal genannte Wippertskirch wird zu diesem Zeitpunkt als Ort mit einer Kirche (Wiprehtskircha cum ecclesia) im Besitz des Klosters →Schuttern bezeichnet.5 Diese Kirche war nach dem Liber decimationis im Jahr 1275 Pfarrkirche,6 der Liber marcarum (1360–70) erwähnt, dass ihr als Filiale Harthausen (bei Merdingen) und die Kapellen Opfingen, Waltershofen, St. Bartholomäus (auf der Tuniberghöhe) und St. Nikolaus zugeordnet waren.7 Wippertskirch, das heute bis auf einen ehemaligen Meierhof abgegangen ist, lag mittig, in einer Mulde des Tunibergs, in etwa gleichem Abstand zu Harthausen, Opfingen und Waltershofen. Der auf »Kirch« endende Name, das Peterspatrozinium und der Kranz an zugehörigen Kirchen weisen nach Ansicht der Forschung auf ein hohes Alter hin, das weit vor die Ersterwähnung bis in fränkische Zeit zurückreiche. Dahingestellt sei, ob auch die für den Freiburger Raum erstaunliche Unterstellung der Tunibergpfarrei unter die Benediktinerabtei aus der Ortenau schon auf diese Zeit zurückgeht. In den folgenden Jahrhunderten kann sich Schuttern bis zur Säkularisation im Besitz von Wippertskirch behaupten. Etappen der Geschichte sind: 1276 die Inkorporation der Pfarrei (parochialem ecclesiam Wiprechtskirchen) durch den Bischof von Konstanz, versehen mit der Auflage, dass vor Ort ein Weltpriester, mit einem weiteren Priester und einem Kooperator anwesend sein sollte.8 1327 der Verzicht Graf Konrads II. von Freiburg (1316–1350) auf den in Wippertskirch gelegenen Meierhof, womit auch die Herrschaft über den Bann an Schuttern überging.9 Durch die Einführung der Reformation 1556 verlor Wippertskirch die Pfarrrechte im markgräflich-badischen Opfingen. Nachdem Harthausen im Dreißigjährigen Krieg zerstört und nicht wiederaufgebaut wurde, blieb nur noch Waltershofen als Bestandteil der Pfarrei. Erst nach dem Dreißigjährigen Krieg, um 1680, wurde die von Schuttern betreute Pfarrkirche mit Wirtschaftsgebäuden zur Propstei erhoben. Erster namentlich bekannter Propst war 1683 Jakob Vogler, der später Abt von Schuttern wurde (1688–1708). In der aus wenigen Wirtschaftsgebäuden, einem Pfarrhaus und der Kirche bestehenden Propstei hielten sich neben dem Propst wohl nie mehr als zwei Geistliche auf. Sie verwalteten die Schutterner Einkünfte (Zehnten, Zinsen, Gefälle) aus den umliegenden Orten, bewirtschafteten selbst Felder und versahen die Seelsorge für die Gläubigen des etwa eineinhalb Kilometer entfernten Waltershofen.10 Für sie blieb Wippertskirch bis 1806 Pfarrkirche und Bestattungsort, auch wenn die Waltershofener Ortsherrschaft versuchte, die dortige Kapelle St. Margarethen zu fördern. An der Kirche in Wippertskirch entstand im 17. Jahrhundert (vor 1684) eine »Rosenkranzbruderschaft« zu »Unserer Lieben Frau«,11 die im Zuge der josephinischen Reformen 1786 aufgehoben wurde.12 Das Kloster Schuttern wertete im 18. Jahrhundert seinen Besitz am Tuniberg dadurch auf, dass es nicht nur die Pfarrkirche in Wippertskirch erneuerte, sondern ein repräsentatives Propsteigebäude (1733) errichten ließ.13 Zusammen mit dem Schutterer Hof in Freiburg diente dieses den Äbten als Unterkunft, wenn sie sich in Freiburg und Umgebung aufhielten. Das galt besonders für die letzten Jahre des Klosters, als Schuttern als Folge der Revolutionskriege mehrfach geplündert wurde und längere Zeit besetzt war. Der letzte Abt Placidus Bacheberle (1786–1804) hatte sich neben seiner fürstlichen Pension von 5.000 Gulden ausbedungen, auf Lebenszeit im Schutterner Hof in Freiburg und in Wippertskirch zu wohnen. Zusammen mit dem Kloster Schuttern wurde die Propstei Wippertskirch 1806 aufgehoben. Ihr Wert wurde auf 250.000 Gulden geschätzt, die jährlichen Einnahmen auf 8.331 Gulden. Zum Zeitpunkt der Auflösung bestand die Anlage aus der in den 1720er Jahren umgebauten Kirche, dem Propsteigebäude, das als Schloss bezeichnet wurde, zwei Meierhöfen und weiteren Ökonomiegebäuden. Vor Ort lebten Propst Ildephons Mathis und ein weiterer Konventuale, die beide bleiben und die Pfarrei versorgen sollten. 1815 tauschte die großherzogliche Liegenschaftsverwaltung das Gut gegen die Herrschaft Wildtal mit Gräfin Wrbna von Kageneck; diese veräußerte Wippertskirch 1826 weiter. Um diese Zeit, wohl 1822, wurde das Propsteigebäude abgebrochen, schon zuvor war 1815 die Pfarrei von Wippertskirch nach Waltershofen transferiert und im darauffolgenden Sommer die Kirche vollständig niedergelegt worden. Von einem Kirchenbau in Wippertskirch ist zuerst 1436 die Rede; genaueres über das Aussehen der Anlage erfahren wir erst durch die nach jahrzehntelangen Klagen über Baufälligkeit im 18. Jahrhundert erfolgten Renovierungen. Danach war die Kirche um 1720 ein schlichtes, einschiffiges Gebäude mit Dachreiter, für das nach 1751 noch ein eigener Kirchturm errichtet wurde. Ein kolorierter Gemarkungsplan von 1779 gibt einen Eindruck von der Gesamtanlage am Ende des 18. Jahrhunderts. Danach umgab die Kirche der Friedhof der Pfarrei. Davon abgesetzt war das von Peter Thumb (1731–1733) errichtete zweigeschossige Propsteigebäude, vor dem ein formaler Garten lag. Dazwischen und im Süden lagen Wirtschaftsgebäude und die Meierhöfe.14 Einer dieser Höfe, heute als Wippertskircher Hof bezeichnet (Abb. 1), überdauerte. In ihn wurde ein aus dem Propsteigebäude stammender Wappenstein des Schutterner Abtes Franz Müntzer (1727–1753) von 1733 vermauert (Abb. 2). Aus der Pfarrkirche zu Wippertskirch gelangten zwei Altarflügel des beginnenden 16. Jahrhunderts in die nunmehrige Pfarrkirche Waltershofen (Anbetung des Jesuskindes durch die Hl. Drei Könige (Abb. 4) und die Hl. Familie an der Krippe); 1930 erwarb diese das Augustinermuseum Freiburg. BibliographieHandbücher und Lexika: KB Freiburg Bd. 2,2, S. 867 f., 870 f., 1129–1132 (Wolfgang Stülpnagel); KDM Bd. 6,1, S. 364 f. (Franz Xaver Kraus/Max Wingenroth); GermBen V, S. 677–679 (Gerhard Kaller); kloester-bw, Benediktinerpropstei Wippertskirch (Dennis Nagel/Karl-Heinz Braun). Literatur: Bossert 1904, S. 74–84; Gubler 1972, S. 90; Schmid 1981 (a), S. 172–174; Glöckler 2022, S. 17–23; Vetter 2022. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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