Breisach, Augustinerchorfrauen
| Kurzbeschreibung: | 1731 Gründung – 1736/37 Bau der Klosterkirche – 1793 Zerstörung der Anlage – 1809 Aufhebung Patrozinium: MariaKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Breisach |
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| Beschreibung: | Name: closterfrawen ordinis sancti Augustini (1737);1 klosterfrauen der congrégation beatissimae virginis Mariae (1749);2 theresianisches Frauenkloster de la Congrégation de Notre Dame (1777)3 GeschichteHistorische EntwicklungAm 29. November 1729 wandte sich die Stadt an die vorderösterreichische Regierung in Freiburg mit dem Anliegen, dass Klosterfrauen zur Unterrichtung der weiblichen Jugend nach Breisach gesetzt werden sollten. Bevorzugen würde man Schwestern des Frauenklosters St. Barbara zu Straßburg de congrégation B. V., die später durch einheimische Personen ersetzt werden könnten.4 Nach der Audienz eines Breisacher Gesandten bei Fürstbischof Kardinal Rohan (1704–1749) im November 1730 erteilte König Ludwig XV. (1715–1774) im Februar 1731 die Genehmigung zur Versetzung einiger Straßburger Klosterfrauen. Am 12. April 1731 trafen die ersten beiden in Breisach ein. Am 2. Mai 1731 schloss der Magistrat mit den Klosterfrauen einen Kontrakt,5 der die gegenseitigen Rechte und Pflichten aufführte und vom Konstanzer Bischof Johann Franz II. von Stauffenberg ratifiziert wurde. Die Klosterfrauen erhielten eine behausung sambt hoff und stallung, wie auch übrige zugehör, auf dem berg in einer hintern gassen, das Haus des früheren Bürgermeisters Dischinger sowie die angrenzende ehemalige Roßmühle,darüber hinaus auf zehn Jahre Frucht, Holz, Wein und Salz.6 1744 kam noch ein Hausplatz in der unterhalb am Rhein gelegenen Fischerhalde hinzu.7 Aus dem Vertrag erfahren wir auch, dass das Kloster insgesamt sechs Personen umfasste. Die Klosterfrauen verpflichteten sich im Gegenzug, die weibliche Jugend in lesen und schreiben sowohl als christlichen sitten und wandel samt anderen wohlanständigen unterweisungen zu introduciren und Breisacher Mädchen, die ihrem Orden beitreten wollten, vorzugsweise vor Fremden mit Zustimmung der Stadt aufzunehmen. Im Februar 1736 wies der Festungskommandant Franz Christoph Joseph von Rodt, der sich immer wieder für die Anliegen des Klosters einsetzte, die Stadt auf Bitten der Priorin und des Konvents an, ein bisheriges Quartierhaus in der Nachbarschaft der Klostergebäude den Klosterfrauen zur Erbauung einer Kirche und einer Klausur zur Verfügung zu stellen.8 Für den Neubau sammelten die Klosterfrauen von haus zu haus Geld bei mildthätigen gemütern innerhalb der Stadt.9 Als 1737 das Kapitelhaus erbaut wurde, zählte der Konvent fünf Chorfrauen und zwei Laienschwestern. Kaiser Karl VI. (1711–1740) erteilte mit Urkunde vom 25. September 1737 die nachträgliche Genehmigung des Klosters.10 Die acht Breisacher Zünfte protestierten – wenn auch verspätet und erfolglos – in einer Klageschrift vom Dezember 1742 gegen die Aufnahme der Klosterfrauen und ihre Ausstattung und Finanzierung aus städtischen Mitteln.11 Nach den Ausführungen des Breisacher Chronisten Protas Gsell wuchs die Zahl der klosterfräulein auf ungefähr 50 an, mehrteils von gutem adel aus dem Elsass und aus Schwaben. Aus ihren prächtigen kleidungsstücken wurden Kirchenornate geschaffen.12 Seit etwa 1741 beschäftigte das Kloster einen eigenen Schreiner aus Tirol, Gabriel Sailer aus Foida, der mit seiner Ehefrau in einem Klostergebäude wohnte.13 Als 1776 Unterkunft und Verpflegung der 25 in- und 13 ausländischen Internatsschülerinnen bemängelt wurde, bewilligte Kaiserin Maria Theresia den Klosterfrauen eine jährliche Pension von 1.200 Gulden.14 An diese Stiftung erinnert noch heute die Bezeichnung »Theresianum« für die in einem Teil des ehemaligen Internats untergebrachte Grundschule. Der Konvent bestand damals aus 16 Chorfrauen, von denen vier aus der 1767 gegründeten Filiale in →Rastatt hierher berufen worden waren. 1783 berief Markgräfin Maria Victoria fünf taugliche lehr-frauen aus dem Breisacher Konvent nach →Ottersweier, um dort das neu gegründete Augustiner-Chorfrauenstift mit einem Lehr-und Erziehungsinstitut für die weibliche Jugend der Ortenau mit aufzubauen. Das Breisacher Kloster hingegen war im Niedergang begriffen. 1786 sollte es sogar mit dem →Freiburger Ursulinen-Kloster vereinigt werden.15 Von Regierungsseite wird kritisiert, dass die Klosterfrauen gar zu schlecht, zum teil lächerlich französisch sprechen und zu erziehung adelicher töchter ungeeignet seien.16 Bei der französischen Bombardierung der Stadt im September 1793, bei der die Klostergebäude weitgehend zerstört wurden, flohen die Chorfrauen nach Freiburg, wo sie im Gräflich Osteinschen Haus zunächst bis März 1794 kostenfrei, dann gegen einen jährlichen Pachtzins Unterkunft fanden.17 Ihr Vermögen wurde als Frauenklosterfonds zunächst bis mindestens 1811 durch den Freiburger Zunftmeister und Bauamtskontrolleur Joseph Anton Voit, zugleich Anwalt der Superiorin und des Konvents,18 danach durch den Breisacher städtischen Kanzlisten Joseph Langer verwaltet.19 Am 3. Juni 1809 ersuchte die Superiorin mit drei weiteren Ordensfrauen und zwei Laienschwestern beim Geheimen und Staatsrat von Hofer in Freiburg um ihre säkularisation und um eine unserem alter und kränklichen umständen angemessene pension. Diesem Ersuchen wurde entsprochen, worauf die noch verbliebenen, wenn auch beständig kränklichen20 vier Ordensfrauen Aloise Lamasse, Françoise Gerbert, Walburg Yves und Eva Weiß in ihre ehemalige Filiale, das Kloster in Rastatt zogen. Der nördliche Teil des einstigen Pensionatsgebäudes wurde durch die Stadt bis 1820 wiederaufgebaut. Durch die Stadt und den Stadtpfarrer Pantaleon Rosmann wurden drei Ursulinen aus Freiburg für die Unterrichtung der Breisacher Jugend angeworben, die hierin das Breisacher Kloster St. Ursula bis 1927 bildeten. Danach folgte der Umzug in ein eigenes Gebäude in der Oberstadt. In Nachfolge der Augustinerchorfrauen übten sie ihre Lehrtätigkeit an Breisacher Schulen bis 1964 aus. Besitz und WirtschaftNeben den beschriebenen Klostergebäuden in der Oberstadt sowie einem Grundstück direkt darunter an der Fischerhalde ersteigerte das Kloster im Oktober 1751 den dem Kloster →St. Peter im Schwarzwald zugehörigen Erblehenhof des Breisacher Bürgermeisters Weis mit umfangreichen Feldern im nahe gelegenen Filialort Hochstetten.21 Er wurde bis zur Säkularisation 1809 verpachtet.22 Religiöses und kulturelles WirkenDas Kloster erfüllte einen besonderen Bildungsauftrag, die von der Stadt gewünschte und damals noch nicht selbstverständliche Unterrichtung der weiblichen Jugend Breisachs. In das Internat wurden größtenteils Töchter wohlhabender und adliger Familien aus dem Breisgau, dem Elsass und aus Schwaben23 aufgenommen. Diesen Lehrauftrag erfüllten nach einer kriegsbedingten Pause 1809–1964 Lehrfrauen des Breisacher Klosters St. Ursula. Bibliothek und ArchivDurch das Bombardement im September 1793 wurde das Inventar des Klosters vollständig zerstört, damit auch Archiv und Bibliothek. Bau- und KunstgeschichteDie Klosterkirche der Augustinerchorfrauen lag nahe der heutigen Schulgasse im Westen des Breisacher Münsterbergs. Die Grundsteinlegung des Kirchbaus erfolgte am 8. August 173624 durch Freiherrn von Rodt im Namen Wilhelmine Amalias, der Witwe Kaiser Josephs I. (1705–1711) und Schwägerin Karls VI. (1711–1740). Die Weihe der Fundamente erfolgte durch den Freiburger Stadtpfarrer Dr. Vicari in Anwesenheit der gesamten Breisacher Geistlichkeit, des Magistrats, einer großen Volksmenge und der damals elf Klosterfrauen. Architekt war der kaiserliche Fortifikations-Entrepreneur Joseph della Maria, die Bauarbeiten übernahm Johann Greber, der aus Vorarlberg nach Breisach eingewanderte Baumeister, ein Mitarbeiter des Architekten Peter Thumb. Mit der Innenausstattung – drei Altäre, vierzehn Leuchter, zwei Kruzifixe und ein Muttergottesbild auf das Portal – wurde der Bildhauer Anton Werle aus Sulzbach im Elsass beauftragt. Das Klosterkirchenportal befindet sich heute – versetzt – an der Ecke Radbrunnenallee/Tullagasse. Die Grundsteinlegung des neuen Kostgängergebäudes erfolgte am 3. Juni 177725 durch den Vater einer Internatsschülerin, Regierungs- und Kammerpräsident Ferdinand Karl Freiherr von Ulm. Baumeister des dreistöckigen Pensionatsgebäudes war der Fürstlich Fürstenbergische Baudirektor Franz Joseph Salzmann. Als Baumaterialien dienten unter anderem Quader und weitere Steine aus dem damals im Abbruch befindlichen Breisacher Schlossturm aus dem 12./13. Jahrhundert. BibliographieHandbücher und Lexika: kloester-bw, Augustiner-Chorfrauen Breisach (M. Dorothea Kuld); SKHB, S. 158–160 (Andreas Bihrer). Literatur: Haselier 1971; Fahrer 1997; Martin 1997. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
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