Bollschweil, Cluniazenserinnen 

Kurzbeschreibung:

um 1090 Gründung – 1115 Verlegung nach Sölden

Patrozinium: Fides?
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Breisach

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Cluniazenserinnen 1090-1115
Beschreibung:

Name: Unde in villa quae Boleswiler dicitur […] non solum eas collegit quae maritales delicias postponerent, verum etiam quae virginali decore candentes, caelestis regis sponsae vocarentur et essent. (um 1130)1

Geschichte

Dieses vom Kloster →Zell (St. Ulrich) abhängige und den Cluniazensern unterstellte Frauenkloster kennen wir nur aus einer hagiografischen Quelle, der Vita posterior des Hl. Ulrich, und aus zwei anlässlich der Verlegung des Klosters 1115 ausgestellten Urkunden.2 Demnach ging die Gründung des Klosters vom Prior Ulrich von Zell aus, der nur wenige Jahre zuvor, 1087, im oberen Möhlintal das später nach ihm benannte Männerkloster gegründet hatte. Seine um 1130 wohl in St. Ulrich verfasste Vita berichtet, dass er in dem nahe gelegenen Bollschweil nicht nur vormals verheiratete Frauen, sondern auch Jungfrauen versammelt habe, um sie einem geistlichen Leben zuzuführen.3 Das Kloster Bollschweil gilt nach dem ebenfalls von Ulrich von Zell im Auftrag des berühmten Abtes Hugo von Cluny (1049–1109) gegründeten Frauenkloster Marcigny-sur-Loire (um 1055) als eines der ältesten Cluniazenserinnenklöster überhaupt. Die Gründung des Konvents lässt sich auf die Jahre um 1090 eingrenzen (nach der Gründung St. Ulrichs 1087 und vor dem Tod Ulrichs um 1093). Vermutlich lebten die frommen Frauen in Bollschweil auf den Gütern des Klosters St. Ulrich und nutzten das von dort aus pastorierte Gotteshaus als Kirche. Nach einer der beiden Urkunden von 1115 versorgten die Zeller Mönche ihre Schwestern in Bollschweil aus ihren eigenen Gütern mit Lebensmitteln und Kleidern.4 Anlässlich der Verlegung des Klosters nach Sölden werden mehrere Nonnen namentlich genannt, so Gisela, Siegburg, Mathilde, Liutgart und nochmals Mathilde. Die Vita posterior berichtet von einer gewissen Vinnecha, die dem Hl. Ulrich ihre Tochter als Nonne zugeführt habe, nachdem dieser das Mädchen wundersam von einem Krebsgeschwür geheilt habe.5 Die problemlose Verlagerung der Frauengemeinschaft im Jahr 1115 ins benachbarte →Sölden legt nahe, dass die Cluniazenserinnengemeinschaft eine Generation nach ihrer Gründung in Bollschweil noch keine aufwendigen Klosterbauten besaß. Möglicherweise bestand das später in Sölden fassbare Patronat der Hl. Fides bereits in Bollschweil.

Bibliographie

Quellen: Ex Vita Sancti Udalrici Prioris Cellensis, in: MGH SS 12, S. 249–267.

Handbücher und Lexika: kloester-bw, Benediktinerinnenpriorat Bollschweil (Florian Lamke).

Literatur: Lamke 2009.

Anmerkungen

  • 1 Ex Vita Sancti Udalrici Prioris Cellensis, in: MGH SS 12, S. 262 f.
  • 2 Ebd. Bernard/Bruel V, Nr. 3918 f.
  • 3 Ex Vita Sancti Udalrici Prioris Cellensis, in: MGH SS 12, S. 262 f.
  • 4 Bernard/Bruel V, Nr. 3919.
  • 5 Ex Vita Sancti Udalrici Prioris Cellensis, in: MGH SS 12, S. 262 f
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Casimir Bumiller [Autor]
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