Konstanz, Schwesternsammlung, Franziskanerterziarinnen »in der Wittengasse« 

Kurzbeschreibung:

um 1253 Grundstückstausch mit den Franziskanern – 1326 Verleihung der Dritten Regel der Franziskaner – 1537 Austritt der letzten Schwestern und Auflösung

Ordensgliederung: Oberdeutsche (Straßburger) (Minoriten-) Provinz, Kustodie Bodensee
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, kein Landkapitel

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Schwesternsammlung, Franziskanerterziarinnen »in der Wittengasse« 1240-1537
Beschreibung:

Name: maistrinun und den swestran von Costenze so man sprichet usser Wittungazzun (1267);1 conventui sororum […] in Wittungassin in Constantia in area fratrum Minorum antiqua residentium (1271);2 magistre et sorrorum tercii ordinis sancti Francisci conventus seu domus de Wittengasse Constanciensis (1336);3 den erwirdigen frowen der maisterin und gemainen conventfrowen des gotzhus sant Franciscen regel, das man nempt in der samnung zu Costenz an Witten gassen gelegen (1478);4 sammlung zu Costanz (1537)5

Geschichte

Bereits kurz nach der Ankunft der →Franziskaner in Konstanz bildete sich in deren Umfeld eine Sammlung frommer Frauen. Ursprünglich ließ sich die Gemeinschaft wohl am späteren Standort des Franziskanerklosters nieder. 1253 tauschten jedoch beide Gemeinschaften ihre Liegenschaft, wohl, da der anfängliche Klosterort der Franziskaner in der Wittengasse für das schnell wachsende Männerkloster zu klein war.6

Zwar sind enge Verbindungen zwischen den Franziskanern und der Sammlung bereits in der Frühzeit nachweisbar; so traten die Franziskaner als Schiedsrichter oder Vermittler für die Sammlung auf und die Frauen erhielten unter anderem Stiftungen, die sie zu Teilen an die Männergemeinschaft weitergeben sollten.7 Dennoch lässt sich bis zum Beginn des 14. Jahrhunderts keine Eingliederung in den franziskanischen Drittorden nachweisen. Dies änderte sich, als die Sammlung zwischen die Fronten der langwierigen Auseinandersetzung des Leutpriesters von →St. Stephan mit den Bettelordensklöstern der Stadt geriet, da sich dieser durch die Privilegien der Klöster in seinen Rechten eingeschränkt sah. Er nutzte die zu dieser Zeit aufkommende Verfolgung unreguliert lebender Frauen und erlangte zwischenzeitlich sogar die Exkommunikation der Sammlung, wie ein Mandat Papst Johannes XXII. (1316–1334) von 1319 nahelegt.8 Die 1326 erfolgte Verleihung der Drittordensregel der Franziskaner ist daher wohl als Reaktion auf die Angriffe des weltlichen Klerikers gegen die unreguliert lebenden Frauen zu interpretieren.9 Sie führte in der folgenden Zeit mehrmals zu Differenzen über den Status des Klosters. Während aus Sicht des Ordens das Kloster als Gemeinschaft des Dritten Ordens seiner Aufsicht unterstand, beanspruchte der Bischof von Konstanz die Rechte über die Gemeinschaft. 1326 wurden der Gemeinschaft auch Statuten verliehen, die wohl noch bis mindestens 150710 gültig waren; diese sind allerdings nicht überliefert.

Geistlich wurden die Schwestern mindestens seit 1290 von den Franziskanern betreut. Da sie allerdings über keinen Altar in ihrem Haus verfügten, mussten sie für die Gottesdienste das Franziskanerkloster aufsuchen.11 Dies änderte sich erst Ende des 15. Jahrhunderts, als der Chorherr von St. Stephan, Christopher Gloggner, einen Altar und eine tägliche Messe in der Sammlung stiftete und die Franziskaner zur Durchführung der Messe verpflichtete.12 Gemeinsam mit den Gemeinschaften Münsterlingen, →Zoffingen und →St. Peter an der Fahr wurde die Sammlung in der Wittengasse von den Bischöfen von Konstanz im 15. Jahrhundert mehrmals zur Einhaltung der Klausur ermahnt.13 Im Gegensatz zu den anderen Gemeinschaften lassen sich allerdings keine Belege für bischöfliche Reformmaßnahmen finden.

Einblick in die wirtschaftlichen Verhältnisse des Klosters bietet ein Zinsverzeichnis aus dem Jahr 1515.14 Laut diesem besaß die Sammlung Güter unter anderem in Allmansdorf, Altnau, Tägerwilen und Überlingen. Neben diversen Privatpersonen zinsten auch das Kloster Stein am Rhein, das Stift St. Stephan, die Gemeinde Allensbach und die Konstanzer Kaufmannszunft »Zum Thurgau« an die Sammlung.

Die Reformation, die sich in den 1520er Jahren in Konstanz durchzusetzen begann, beeinflusste auch das Leben in der Sammlung. 1525 verbot der Rat allen Frauenklöstern in der Stadt die Aufnahme von Novizinnen und die Veräußerung von Klostergut, das er gleichzeitig durch den jeweiligen Pfleger inventarisieren ließ. Die Frauen in der Sammlung standen der neuen Bewegung anscheinend aufgeschlossen gegenüber und hatten die bäpstischen kirchen werck bereits 1527 aufgegeben.15 In diesem Zeitraum ist der Austritt einer Schwester belegt, ansonsten scheint der Konvent bis 1537 beisammen geblieben zu sein. In diesem Jahr schlossen schließlich die vier noch verbliebenen Frauen einen Vertrag mit der Stadt und verließen gegen Leibgedinge das Kloster, das somit aufgelöst wurde.16 Das Gebäude diente fortan als städtische Schule und das Vermögen fiel der Armenpflege zu. Als im Zuge der Rekatholisierung der Stadt Konstanz nach 1548 die Klöster und Stifte weitestgehend restituiert wurden, blieb die Sammlung in der Wittengasse davon ausgenommen. Stattdessen wurde der Besitz 1629 vom Rat der Stadt zwischen den Konstanzern Franziskanern, den Frauen von St. Peter an der Fahr und Zoffingen aufgeteilt. Der Provinzial protestierte 1640 vor dem Rat gegen diese Aufteilung, die ein Jahr später wieder rückgängig gemacht wurde, wodurch letztlich der gesamte Besitz der ehemaligen Sammlung an die Konstanzer Franziskaner kam.17

Über eine Bibliothek liegen keine Informationen vor. Die Archivalien der Sammlung befinden sich heute im Stadtarchiv Konstanz und dem Generallandesarchiv Karlsruhe, wohin sie mit dem Archiv der Konstanzer Minoriten gelangt sind.

Bibliographie

Handbücher und Lexika: HelvSac IX,2, S. 416–428 (Andreas Wilts); kloester-bw, Franziskanerinnenkloster Wittengasse/Konstanz (Elmar L. Kuhn).

Literatur: Buck 1964; Wilts 1994.

Anmerkungen

  • 1 StadtA KN U 8243.
  • 2 StadtA KN U 8231.
  • 3 Neugart 1862, Nr. 98 S. 704.
  • 4 StadtA KN U 6061.
  • 5 StadtA KN U 10587.
  • 6 Beyerle 1902, Nr. 32 S. 39, Nr. 37 S. 45.
  • 7 StadtA KN U 8083; TUB IV, Nr. 59 S. 843.
  • 8 Neugart 1862, Nr. 87 S. 686 f.
  • 9 Müller/Tschann 1964, S. 54.
  • 10 GLA 5 Nr. 9282.
  • 11 StadtA KN U 8083.
  • 12 GLA 5 Nr. 9404; GLA 66 Nr. 10651, fol. 1 v.
  • 13 EAF Ha 330 a, S. 120 (1464); EAF Ha 330 c, S. 61 f. (1482).
  • 14 GLA 66 Nr. 10651.
  • 15 Vögeli I, S. 390.
  • 16 StadtA KN U 10587.
  • 17 Jahresgeschichten der Franciscaner-Conventualen in Baden, in: Mone III, S. 631; Einkünfte aus der ehemaligen Sammlung in einem Zinsverzeichnis der Konstanzer Franziskaner: GLA 66 Nr. 10871, S. 23 6-289
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Johannes Krämer [Autor]
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