St. Ulrich, Benediktiner 

Kurzbeschreibung:

1087 Verlegung des Grüninger Cluniazenserpriorats nach Zell (cella) im oberen Möhlintal – 1546 Übernahme durch das Kloster St. Georgen – 1560 Unterstellung unter die Abtei St. Peter – 1806 Aufhebung

Patrozinium: Peter und Paul, Ulrich
Ordensgliederung: Priorat von Cluny, Provinz Alemannia; 1560/78 Priorat der Benediktinerabtei St. Peter
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Breisach

Ortsbezüge:
  • St. Ulrich
  • St. Ulrich, Bollschweil, Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald
Ordensregel:
  • Cluniazenser 1087-1545
  • Benediktiner 1560-1806
Beschreibung:

Name: cella (1087);1 cella sancti Petri (1139);2 ecclesia sci Petri de cella […] sci Petri monasterium (1147);3 monasterium sancti Petri, quod ad Cluniacensem spectat ecclesiam, quod dicitur cella Vilmar[i] (1183);4 cella Villemaris (1213);5 cella Villa Maris (1269, 1274);6 des closters von Virmarscelle [!] (1280);7 die vogeteye ze sante Volriche (erstmals 1316);8 prior des gotteshuses ze sante Volriche ze Villemars Celle (1325);9 prioratus de Sella, alias S. Ulrici (14. Jh.);10 prior vnd convent gemeinlich des closters Villmarszell am Swarzwald, das man nempt zuo sannt Volrich des ordenns von Cluniaxs (1491)11

Geschichte

Historische Entwicklung

1072 war zunächst in →Rimsingen auf Initiative eines Adeligen namens Hesso und unter Vermittlung des Markgrafen Hermann von Verona († 1074), der damals als Breisgaugraf amtierte, ein erster Versuch zur Ansiedlung der Cluniazenser im Breisgau unternommen worden. Schon bald danach, spätestens aber um 1080, erfolgte eine erste räumliche Umorientierung für die im Entstehen begriffene Gemeinschaft nach →Grüningen. Doch auch in Grüningen verblieb das Cluniazenserpriorat nur wenige Jahre, bereits 1087 zog der Konvent nach Zell im Möhlintal (Schwarzwald), dem späteren St. Ulrich, um. Diese zweite Verlegung initiierte der jüngeren Ulrichsvita zufolge Ulrich von Cluny/Zell († 1093).

Ulrich entstammte wohl einer adligen Familie aus Regensburg, die Kaiser Heinrich III. (1039–1056) verbunden war. Nach dem Zeugnis der Viten Ulrichs sei Heinrich auch dessen Taufpate gewesen. Als Kleriker wurde Ulrich an den Hof Heinrichs III. berufen, wo er der Kaiserin Agnes nahestand, bevor er schließlich nach 1061 als Mönch ins Kloster Cluny eintrat. Dort erlangte er unter Abt Hugo von Cluny (1049–1109) eine besondere Vertrauensstellung als dessen Berater, wurde von diesem zeitweise in das Cluniazenserinnenkloster Marcigny-sur-Loire abgeordnet, wirkte im Auftrag Hugos an der Gründung des Priorats Rüeggisberg (Kt. Bern) mit und wurde danach mit der Leitung des Peterlinger (Kt. Waadt) Konvents betraut, wobei er in eine heftige Konfrontation mit dem Bischof von Lausanne geriet, die seine Rückkehr nach Cluny zur Folge hatte. Während der Auseinandersetzungen des Investiturstreits wurde Ulrich von Abt Hugo um 1079 in diplomatischer Mission in die Alemannia entsandt, wo er unter anderem den König aufsuchte und in Hirsau mit Abt Wilhelm (1069–1091) zusammentraf. Auf Bitten Wilhelms von Hirsau, mit dem ihn eine Jugendfreundschaft verband, zeichnete Ulrich die Consuetudines Cluniacenses auf, die grundlegend für die von diesem verfassten Hirsauer Konstitutionen wurden.

Zwischen 1079 und 1084 übernahm Ulrich als Prior die Leitung der Cluniazenser von →Grüningen. Unter Beteiligung des Basler Bischofs Burkard von Fenis (1072–1107) und des Zähringers Herzog Bertold II. (1092–1110) erwarb er 1087 tauschweise den damals bischöflich-baslerischen Ort Zell (cella) im Möhlintal, an dem im Jahr 859 bereits eine cella und Rodungstätigkeit des Klosters St. Gallen bezeugt sind. Von Seiten des Basler Bischofs kam diese Besitzübertragung eher einer Schenkung gleich. Das Zusammenwirken der genannten Akteure bei der Ansiedlung der Cluniazenser im Möhlintal erscheint vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund als eine durch den Cluniazenser Ulrich vermittelte Annäherung der verfeindeten Parteien am Oberrhein: einerseits des Basler Bischofs, der ein enger Vertrauter Kaiser Heinrichs IV. (1056–1105) war, und andererseits des Zähringers als eines führenden Exponenten der antisalischen Fürstenopposition.

Die jüngere Ulrichsvita, die wohl um 1130/40 im Priorat Zell selbst entstanden sein dürfte,12 begründet den Umzug in topischer Stilisierung ausschließlich damit, dass Ulrich das Grüninger Priorat an einen für das monastische Leben passenderen Ort verlegen wollte. Im Gegensatz zur stereotypen Darstellung der Vita könnte man stattdessen vermuten, dass bei der Standortwahl der Silberbergbau im Zell unmittelbar benachbarten Revier des Birkenbergs eine Rolle spielte. Obwohl dort der Bergbau durchaus schon parallel zur Ansiedlung des Cluniazenserpriorats im Möhlintal betrieben worden sein könnte, lässt sich hierzu aber keine Sicherheit gewinnen, weil eindeutige Nachweise erst später fassbar werden.

Wesentlich für die weitere Entwicklung des Priorats, welches das einzige rechtsrheinisch gelegene Männerkloster der Cluniazenser bleiben sollte, war, dass Ulrich von Cluny/Zell hier seine letzte Ruhestätte fand. So konnte sein Grab zum lokalen Anknüpfungspunkt seiner Verehrung als Heiliger werden. Diese spiegelt auch die Benennung des Priorats nach Ulrich wider, die jedoch erst im 14. Jahrhundert aufkam. Die Umbettung von Ulrichs Leichnam vor den Kreuzaltar der Klosterkirche soll nach dem Zeugnis der älteren Ulrichsvita Abt Hugo von Cluny selbst veranlasst haben. Unter Ulrich von Cluny/Zell wurde im benachbarten Dorf →Bollschweil ein von St. Ulrich aus betreutes Cluniazenserinnenkloster gegründet, das bereits 1115 nach →Sölden verlegt wurde.

Die grundlegende Bedeutung des Tauschaktes von 1087 für das Priorat wird dadurch unterstrichen, dass die Mönche sich diesen im Lauf des 12. Jahrhunderts wiederholt urkundlich bestätigen ließen, zunächst 1139 von König Konrad III. (1138–1152) und später von den Päpsten Eugen III. (1147), Hadrian IV. (1157), Alexander III. (1179) und Lucius III. (1184).13 Seit 1087 sind als Inhaber der Vogtei die Grafen von Nimburg bezeugt, die sich im Laufe des 12. Jahrhunderts von ihrer ursprünglich engeren Bindung an die Zähringer lösten und sich stattdessen zunehmend dem staufischen Königtum zuwandten. So wird etwa im Jahr 1139 anlässlich der Besitzübertragung des Adligen Erlewin von Wolfenweiler an die Cluniazenser eine durch ihre Distanz zu den Zähringern gekennzeichnete Gruppierung Breisgauer Adliger fassbar, die sich im Umfeld des Priorats versammelte, das in diesem Zusammenhang geradezu als Fluchtpunkt adligen Handelns neben den ansonsten in diesem Raum dominierenden Zähringerherzögen hervortritt.14

Auf eine dynamische Entwicklung des Cluniazenserpriorats während des 12. Jahrhunderts deutet insbesondere das monumentale, kunsthistorisch herausragende romanische Brunnenbecken hin, das bis heute in St. Ulrich erhalten ist. Darüber hinaus zeigt sich die anfänglich durchaus nicht unbedeutende Stellung des Priorats in den Auseinandersetzungen um den Besitz der Grafen von Nimburg, als letztere dem Aufruf Innozenz’ III. (1198–1216) zum Vierten Kreuzzug folgten und aus dem Breisgau ins Heilige Land abzogen. Nachdem Graf Bertold III. um 1200 im Vorfeld des Kreuzzugs seine Güter an den Straßburger Bischof verkauft hatte, erhoben sowohl der Straßburger Bischof als auch Herzog Bertold V. von Zähringen (1186–1218) und nicht zuletzt der staufische Herrscher Friedrich II. (1212–1250) Anspruch auf die Vogteien des Cluniazenserpriorats St. Ulrich und des diesem eng verbundenen Cluniazenserinnenpriorats Sölden. Am Ende gewann der Staufer König Friedrich II. das Nimburger Erbe für sich, indem er die Vogtei 1214 zunächst dem Straßburger Bischof übertrug, bevor er sich 1236 vom diesem damit belehnen ließ. Die Vogtei gelangte dann in die Hände der Grafen von Freiburg, bis spätestens 1414 Herzog Friedrich von Österreich (1402–1439) Schutz und Schirm innehatte.

Zwischen 1269 und 1312 bestand der Konvent nach Ausweis der Visitationsberichte regelmäßig nur aus einem Prior mit vier bis sechs Mönchen.15 Die schon während des 13. Jahrhunderts schwindende Bedeutung St. Ulrichs verlief parallel zum allgemeinen Niedergang der Cluniazenser. Zeitgleich mit dem Verschwinden der Bezeichnung des Priorats als cella sancti Petri, kam seit 1183 der Name cella Vilmari bzw. Villmarszell auf. Letzterer war auch nach der Etablierung der erst ab 1316 fassbaren Benennung St. Ulrich bis zum Ende des 15. Jahrhunderts weiterhin gebräuchlich. Über einen Willimar ist in Bezug auf die Breisgauer Cluniazenserzelle sonst nichts bekannt. Auffällig erscheint mit Blick auf die Prioren des Konvents eine Überlieferungslücke zwischen 1184 und 1261. Ihre Amtszeiten lassen sich während des Mittelalters selten genau bestimmen, in dieser Hinsicht erscheint deshalb am Ende des Mittelalters das lang andauernde Priorat Pauls von Kunheim von 1440 bis 1491 als außergewöhnlich.

Im 16. Jahrhundert konnten die letzten Cluniazenser Prioren Rudolf Ecklin (1514–1541) und Stephan Gaudinus (1541–1545), die das Priorat überwiegend allein verwalteten, das Ende der cluniazensischen Zeit nicht abwenden. Die vorderösterreichische Regierung drängte darauf, das Priorat einer benachbarten Benediktinerabtei zu unterstellen. 1546 übernahm zunächst das Kloster →St. Georgen im Schwarzwald (Villingen) unter seinem Abt Johannes Kern (1530–1566) die Verwaltung des verwaisten Priorats. Die Klostergebäude waren in einem desolaten Zustand, Abt Kern brachte namhafte Summen auf, um den Haushalt aufrecht zu erhalten. Als sich die Schulden höher als erwartet erwiesen, verzichtete St. Georgen 1560 zugunsten der Nachbarabtei →St. Peter gegen Ersatz der bereits investierten 1.300 Gulden auf das Priorat St. Ulrich. Gegen den anfänglichen Widerstand der Cluniazenser erreichte Erzherzog Ferdinand von Österreich (1564–1595) mit Unterstützung des Herzogs von Lothringen und mit Zustimmung des Generalkapitels von Cluny die Vereinigung des Klosters St. Ulrich mit der Abtei St. Peter im Jahr 1567. Aber erst die päpstliche Bulle vom 3. Oktober 1578 brachte die förmliche Inkorporation.16 Dies ermöglichte die Besetzung des Priorats mit Sanpetriner Konventualen, den Rückerwerb veräußerter oder verpfändeter Güter und die Sanierung der Klosterökonomie. Nicht zuletzt wurde seit 1561 kontinuierlich an der Klosterkirche und am Prioratsgebäude gebaut.

Nicht nur in St. Ulrich selbst, auch im nahen Sölden war seit dem Wegzug der Cluniazenser kein kontinuierlicher Gottesdienst mehr möglich. Jetzt betreute einer der beiden in St. Ulrich residierenden Konventualen von St. Peter die Pfarrei Sölden. Abt Gallus Vögelin (1585–1597) ließ in Sölden ein neues Propsteigebäude errichten, schon bevor mit der Bulle Papst Clemens’ VIII. (1592–1605) vom 27. April 1598 Sölden dem Kloster St. Peter als Rekompensation für in der Reformation erlittene Verluste inkorporiert wurde. Nach der Vereinigung von Sölden und St. Ulrich unter dem Dach von St. Peter bemühten sich die Äbte um die Sanierung der wirtschaftlichen Verhältnisse. Man sammelte alte Bücher, Urbare und Urkunden und kopierte vorhandene Verträge. Die Zugehörigkeit zur Abtei St. Peter versprach zu Beginn des 17. Jahrhunderts beiden Prioraten eine glänzende Zukunft, doch wurde dies alles im folgenden Kriegsjahrhundert in Frage gestellt. Dabei begannen die Katastrophen in St. Ulrich bereits mit der Feuersbrunst von 1611, der Teile der Kirche zum Opfer fielen. Die Neuweihe erfolgte 1615. Die Kriegshandlungen des Dreißigjährigen Krieges erreichten die Region 1632. Nachdem Bernhard von Weimar 1638 Freiburg eingenommen hatte, wurde in den begleitenden Kampfhandlungen das Priorat St. Ulrich von schwedischen Truppen vollständig niedergebrannt. Nicht nur das Kloster war verwaist, auch das Dorf St. Ulrich weitgehend entvölkert. Da das Priorat St. Ulrich unbewohnbar war, residierten Pfarrvikar Placidus Rösch (Abt 1659–1670) und seine Nachfolger zwischen 1649 und 1676 in Sölden. Pater Karlmann Hanselmann († 1680) war der erste Pfarrvikar, der 1676 wieder in St. Ulrich einzog, nachdem er das Priorat aus eigenem Vermögen instandgesetzt hatte. Als im Holländischen Krieg 1678 das Mutterkloster St. Peter erneut abbrannte, wurden die Mönche auf benachbarte Klöster verteilt, so auch auf St. Ulrich. Zu Beginn des Pfälzischen Erbfolgekriegs lebten neben Pater Maurus Höss noch zwei weitere Konventualen und ein Laienbruder in St. Ulrich. Als nach dem Rastatter Frieden von 1714 der Spanische Erbfolgekrieg beendet wurde, kehrte erstmals seit langem in der Region Ruhe ein. Das ermöglichte es den Äbten von St. Peter, das Priorat St. Ulrich von Grund auf neu zu gestalten. Finanziert wurde dies durch bedeutende Erlöse aus dem Flößereiprojekt des Krozinger Unternehmers Litschgi, der die Lizenz zur Abholzung des Klosterwaldes erhielt. Nachdem bislang immer nur der mittelalterliche Baubestand erneuert worden war, konnten die Äbte gegen Mitte des 18. Jahrhunderts eine grundlegende Neuplanung im Geschmack der Zeit angehen. Die barocke Blütezeit des Priorats ist verbunden mit den Amtszeiten der beiden Sanpetriner Äbte Benedikt Wülberz (1739–1749) und Philipp Jakob Steyrer (1749–1795).

Während der Bauphase plünderten im Rahmen des Österreichischen Erbfolgekriegs 1744 marodierende französische Soldaten das Kloster, ließen aber Priorat und Kirche unbehelligt, was man damals göttlicher Vorsehung zuschrieb. Abt Steyrer erlebte noch die Anfänge der Napoleonischen Kriege, sein Nachfolger, der letzte Abt von St. Peter, Ignaz Speckle (1795–1806), musste der Säkularisation trotz rastloser Bemühungen machtlos zusehen. Als er 1806 den Bescheid von der Aufhebung seines Klosters zugunsten des neu geschaffenen Großherzogtums Baden erhielt, bedeutete dies zugleich das Ende des Priorats St. Ulrich sowie der Propstei Sölden.

Besitz und Wirtschaft

Der Klosterbesitz konzentrierte sich im Breisgau, mit einzelnen Gütern und Fernbesitz in der Ortenau und im Elsass. 1148 bezeugt die erste päpstliche Besitzbestätigung Eugens III. (1145–1153) außer dem Möhlintal bereits 44 Höfe sowie die Kirchen von Achkarren, Bollschweil, Grüningen und Wolfenweiler.17 Den Umfang der Besitzungen während des 12. Jahrhunderts spiegeln daneben noch drei weitere päpstliche Privilegien Hadrians IV. (1154–1159), Alexanders III. (1159–1181) und Lucius’ III. (1181–1185) wider.18 Danach vergrößerte sich der Besitz bis Ende des 12. Jahrhunderts auf schließlich über 50 Höfe, bevor schon im darauffolgenden Jahrhundert ein Niedergang einsetzte. Im 14. Jahrhundert lässt sich eine Konzentration des Besitzes auf den Breisgau an insgesamt noch rund 40 Orten feststellen, während von den Fernbesitzungen des 12. Jahrhunderts nur noch zwei Höfe in Wangen (Allgäu) fassbar sind. Neben den genannten Pfarreien von Achkarren, Bollschweil, Grüningen und Wolfenweiler verfügte das Kloster im 12. Jahrhundert noch über das Präsentationsrecht für die Pfarrkirche in Hochdorf, wobei sich der häufiger vorkommende Ortsname nicht eindeutig dem gleichnamigen Breisgauer Ort zuordnen lässt, sowie über Anteile an der Kirche und dem Zehnten in Tannenkirch (Lkr. Lörrach) und über Zehntrechte in Riedlingen (Ortsteil von Kandern). Mit dem Pfarrer von Bickensohl entwickelte sich während des 12. Jahrhunderts ein langwieriger Streit um die Pfarrrechte in Achkarren, bis das Priorat 1315 schließlich Achkarren gegen Feuerbach (Lkr. Lörrach) eintauschte. Dass im 15. Jahrhundert die noch zu St. Ulrich gehörenden Pfarreien Bollschweil, Wolfenweiler und Grüningen von der jeweiligen Herrschaft mit Weltpriestern besetzt wurden und weiter entfernte Pfarreien dem Kloster bereits entfremdet waren, verweist ebenfalls auf den Bedeutungsverlust des Priorats.

Das Dorf St. Ulrich bestand im 16. Jahrhundert aus dem Meierhof, einer Mahlmühle (heute Gasthaus Rössle) und einer Säge, die alle vom Kloster zu Lehen gingen. Das davon unabhängige Bergdorf Geiersnest bestand aus acht Höfen in Streulage, die ebenfalls ursprünglich dem Kloster gehörten. In den letzten cluniazensischen Jahren gelangte Geiersnest an die Adelsfamilie von Blumeneck und später an die von Sommerau. 1629 konnte Abt Petrus Münzer (1614–1637) Geiersnest für 2.400 Gulden mit Leuten, Gütern, Wäldern, Weiden und allen Gerechtigkeiten von den Sommerau zurückerwerben. Es kam mit den Bauern aus Geiersnest in der Folge öfters zu Streitigkeiten, weil die mittelalterlichen Rechtsverhältnisse der Untertanen in Bezug auf das Kloster in Vergessenheit geraten waren.

Ein anlässlich der Säkularisation im Juni 1806 erstelltes detailliertes Inventar des Priorats St. Ulrich verzeichnet Vermögenswerte von 47.558 und Erträgnisse von 1.353 Gulden.

Religiöses und kulturelles Wirken

Die sogenannte Vita posterior Ulrichs von Zell wurde wahrscheinlich um 1130/40 im Priorat Zell verfasst, um die Verehrung Ulrichs an seinem Grab in der Klosterkirche zu befördern. Der anonyme Autor nutzte dabei die sogenannte Vita prior als Vorlage, die Paul von Bernried vermutlich in den zwanziger Jahren des 12. Jahrhunderts verfasst hatte und in der Ulrich gemäß den Vorstellungen der gregorianischen Reform als Vorbild eines reformorientierten Mönches gezeichnet wird.

St. Ulrich betreute das nahegelegene Cluniazenserinnenpriorat in Bollschweil bzw. Sölden, daneben hatte es auch Patronatsrechte in Achkarren, Bollschweil, Grüningen und Wolfenweiler. Um die Pfarrei in Bollschweil, die nach dem Wegzug der Cluniazenser 1546 18 Jahre lang vakant war, entstand ein 140 Jahre langer Streit um die Verteilung der Bau- und Unterhaltskosten und die Versorgung der Pfarrei durch einen Religiosen aus St. Peter bzw. Weltgeistliche.

Abt Philipp Jakob Steyrer war ein beachtlicher Vertreter der benediktinischen Gelehrsamkeit im Schwarzwald, der in St. Peter eine bedeutende Bibliothek aufbaute. In St. Ulrich wurde er zum Erneuerer des mittelalterlichen Ulrichskultes.19 1756 wurde am 10. Juli erstmals das wiederbelebte Ulrichsfest in Anwesenheit von Abt Steyrer und 1.200 Menschen feierlich begangen. Im selben Jahr stifteten der kinderlose Bitterstbauer Joseph Schneider und seine Frau der Kirche einen wertvollen Kelch und dotierten eine Pfründe für einen Pfarrhelfer. Dem frommen Stifterpaar wurde die Ehre zuteil, im Kirchenschiff bestattet zu werden. An der Kirche bestand zudem eine Herz-Jesu Bruderschaft, der Papst Benedikt XI V. (1740–1758) 1741 einen Ablass verlieh.20

Noch als Pfarrvikar in St. Ulrich war Steyrer Joseph Ussermann, der begabte Sohn eines Nagelschmieds und Waldbauern, aufgefallen, dem er die Möglichkeit verschaffte, in der Klosterschule St. Peter zu studieren. Der junge Mann trat später ins Benediktinerkloster →St. Blasien ein, wo er unter seinem geistlichen Namen Aemilianus Ussermann († 1798) mit seinen Bänden zu einer Germania sacra ein bedeutender Kirchenhistoriker wurde.

Bibliothek und Archiv

Im Mittelalter scheint es in St. Ulrich keine eigentliche Bibliothek gegeben zu haben. Die Bücher, die 1292 und 1336 in unsicheren Zeiten in Freiburg in Sicherheit gebracht wurden, dürften Messbücher gewesen sein.21 Erst im 18. Jahrhundert gibt es Nachrichten zum Aufbau einer Bibliothek. Bei einer Inventarisierung von 1705 notierte ein Frater, dass Bücher aus St. Ulrich dem vernemen nach in einem Freiburger Konventshaus aufbehalten sein sollen. Ein Inventar von 1712 listet zahlreiche Bücher auf, wovon jedoch 71 Titel angekauft und lediglich 16 in St. Ulrich vorgefunden worden waren.22

Seit der Übernahme des Klosters St. Ulrich durch St. Peter beklagten die Äbte nicht nur den miserablen Stand der Güterverwaltung, sondern auch den desolaten Zustand des Klosterarchivs. Spätestens nach der Inkorporation St. Ulrichs begann man mit der registratur des gottshauses zue S. Ulrichen brieflicher documenta in anno 1582 und verzeichnete die vorhandenen Archivalien in einem cathalogus. 1595 wurde das Archiv neu geordnet und in acht mit Buchstaben versehenen Laden verwahrt.23 Das Verzeichnis belegt, dass damals die wichtigsten mittelalterlichen Urkunden und die Beraine des 14. Jahrhunderts noch im Original vorhanden waren. Im 18. Jahrhundert begann man aufgrund der Katastrophenerfahrungen des vorangegangenen Jahrhunderts, die noch vorliegenden Diplome und Urkunden abzuschreiben und in Kopialbüchern zu versammeln.24 Die umfangreiche Überlieferung des Klosters St. Ulrich wird heute im Generallandesarchiv Karlsruhe verwahrt.

Bau- und Kunstgeschichte

Lage

Das ehemalige Priorat Sankt Ulrich liegt auf einer Anhöhe im oberen Möhlintal am Nordhang eines westlichen Ausläufers des Schauinsland. Der Zugang verläuft unterhalb der Konventsgebäude bergauf und führt von Nordwesten durch einen Torbogen in die Klosteranlage, die 1740 vollständig abgerissen und 1741 durch zwei Neubauten nach den Plänen des Vorarlberger Barockbaumeisters Peter Thumb ersetzt wurde. Der Friedhof umgibt die geostete Kirche auf der Süd-, früher auch auf der Nordseite. Nordöstlich der Kirche erstreckte sich die vierflügelige Klausur aus dem Spätmittelalter. Eine mehrfach instand gesetzte Klostermauer mit einem kleinen Eckturm auf der Nordseite umgibt das Klostergelände. Im Westen und Norden der Klosteranlage befanden sich die Wirtschaftsgebäude.

Kirche und Konventsbauten

Die heutige katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul ist wegen ihrer einheitlichen Innenausstattung im Stil des Rokoko ein Kleinod. Der 1740 von Peter Thumb erbaute Saal wurde nicht auf den Fundamenten des Vorgängers, sondern, etwas nach Norden versetzt, mit größerem Abstand zum Berghang errichtet. Außen ist das fünfachsige Langhaus durch farblich hervorgehobene Lisenen gegliedert. Das rundbogige Westportal mit einem Profil aus Wulst und Kehle stammt aus dem Spätmittelalter und wurde vom Vorgängerbau übernommen. Dezente Barockelemente weist dagegen das Portal in der Mitte der nördlichen Langhauswand auf, das zwischen zwei Pilastern durch einen profilierten Rechteckrahmen abgeschlossen und von einem Architrav bekrönt wird. Den Chorflankenturm auf der Südseite anstelle eines Dachreiters errichtete Hans VI. Willam 1763/65, und die Verlängerung des eingezogenen, polygonalen Chores um 12 Fuß übernahm Jakob III. Natter 1766. Der einschiffige, querschifflose Kirchenraum hat eine Stichkappentonne im Chor und eine Spiegeldecke im Langhaus.

Die spätmittelalterlichen Klausurgebäude, die 1740 wegen Baufälligkeit abgerissen wurden, lagen im Nordosten der Kirche um einen Kreuzgang, dessen Fenster gotische Formen aufwiesen. Die Anordnung der Klosteranlage und die Gestalt einiger Architekturelemente sind durch Veduten von 1628 (Abb. 5) und 1758 sowie durch Beschreibungen von Abt Philipp Jakob Steyrer aus dem Jahr 1756 überliefert. Thumbs Neubauentwurf von 1739 sah eine vierflügelige Anlage vor, von der nur die Kirche und der Osttrakt des Klausurgevierts auf ihrer Nordseite verwirklicht wurden. Quer zur Kirche steht das 1741 errichtete doppelstöckige Prioratsgebäude, das an den Kirchenchor grenzt und sich über zehn Achsen nach Norden erstreckt. Sein repräsentatives Portal in der Mitte der Fassade nach Westen, dessen Aufbau dem des nördlichen Kirchenportals ähnelt, ist durch einen Kielbogen und ein Wappen bekrönt. Im 20. Jahrhundert wurde die barocke Klosteranlage durch An- und Neubauten im Stil der Thumb-Bauten im Bereich der ehemaligen Klausur erweitert. Hierzu gehören der 1956 errichtete Pfarrhausflügel an der Nordseite des Prioratsgebäudes und das 1964 gebaute winkelförmige Unterrichtsgebäude im Osten der Kirche.

Materielle Kulturgeschichte, Bauausstattung

Die einheitliche Innenausstattung der Kirche im Stil des Rokoko und das Bildprogramm, das vor allem dem Leben und Wirken des Klostergründers Ulrich von Cluny gewidmet ist, gehen maßgeblich auf die Vorstellungen von Abt Steyrer zurück. Im Zentrum der Kirche, unter der Mensa des von Matthias Faller geschaffenen Kreuzaltars unter dem Chorbogen, befindet sich seit 1757 das Grab des Hl. Ulrich. Stukkaturen von Franz Anton Vogel und Fresken von Franz Ludwig Herrmann schmücken seit 1767 die Decken und Wände des Saals sowie die ausschwingende Orgelempore. Die 25 von stuckierten Rocaillen eingefassten Bilder geben Ereignisse aus dem Leben des Hl. Ulrich wieder. Auf den großen Wandgemälden sind neben karitativen Taten des Heiligen der Empfang des Tauschbriefs vom Basler Bischof für das Gelände im Möhlintal sowie die Weihe des Bauplatzes und die Grundsteinlegung für das Kloster abgebildet. Auf den großen Deckengemälden sind die Heilung eines Besessenen, Ulrich als Prediger sowie der Tod und im runden Hauptfresko die Apotheose des Heiligen zu sehen. Der Hochaltar und die Seitenaltäre sind 1750 von Franz Moosbrugger fertiggestellt worden. Das Altarblatt des Hochaltars mit der Krönung Mariens stammt von Benedikt Gambs, der Tabernakel von Matthias Faller. Die Altarblätter der Seitenaltäre von Simon Göser von 1772 zeigen den Hl. Ulrich mit Benedikt als Wundertäter und Helfer auf der Südseite und die Anbetung des Herzens Jesu auf der Nordseite. Der Orgelprospekt von 1762, die Kanzel von 1771 auf der Nordseite der Kirche und der Deckel des Taufsteins im Chor von 1776 sind weitere Werke des Bildhauers Matthias Faller.

Von der mittelalterlichen Ausstattung des Klosters sind eine gotische Standfigur der Muttergottes mit Kind und Zepter in der südlichen Langhauswand der Kirche sowie ein romanisches Brunnenbecken im Vorhof erhalten. Die hoheitsvolle Marienfigur aus Sandstein, deren Haltung und Gewandbehandlung den Einfluss der um 1280 entstandenen Trumeau-Madonna auf der Innenseite des Freiburger Münsterportals erkennen lässt, ist vermutlich von einem in Straßburg geschulten Meister der Freiburger Münsterbauhütte um 1300 angefertigt worden.

Das imposante Brunnenbecken aus rotem Buntsandstein ist mit seinen Figurenreliefs ein seltenes Beispiel dieser Gattung aus dem Hochmittelalter. Der Monolith ist außen ein Zylinder mit einem Durchmesser von ca. 260 cm und einer Höhe von ca. 70 cm. Sein Inneres ist rund ausgehöhlt mit einer leichten Wölbung in der Mitte. Die stark verwitterte Außenwand ist vollständig mit Skulpturen in drei Registern überzogen. Seine Mitte wird eingenommen von einem durch Arkadenbögen unterteilten Figurenfries. Auf der einen Seite thront Christus umgeben von den Evangelistensymbolen in einer Mandorla zwischen den sitzenden Aposteln. Auf der gegenüberliegenden Seite thront Maria ebenfalls in einer Mandorla. Sie wird von 14 stehenden Gestalten aus dem Alten Testament, die überwiegend Schriftbänder halten und teilweise Heiligenscheine haben, flankiert. Ein oberer schmaler Blattfries und ein unteres Band aus miteinander kämpfenden Fabelwesen, das zu Füßen von Christus und Maria von liegenden Mönchen in Gebetshaltung unterbrochen wird, rahmen den Figurenfries. Reste einer nicht mehr vorhandenen Inschrift, die offenbar auf die Wortverkündigung der Apostel Bezug nahm, konnte Philipp Jakob Steyrer 1756 noch lesen. Die Brunnenschale dürfte das unterste Becken eines mehrschaligen, von fließendem Wasser gespeisten Brunnens gewesen sein. Er stand ‒ wie die Bild- und Schriftquellen überliefern ‒ im Kreuzgang, vermutlich im Zentrum eines Brunnenhauses gegenüber dem Refektorium. Manche Motive und stilistische Merkmale der Reliefs lassen Einflüsse cluniazensischer Portalplastik und französischer Glasmalerei aus dem zweiten bis dritten Viertel des 12. Jahrhunderts, aber auch Übereinstimmungen mit süddeutscher Apsidenmalerei aus dem ersten Drittel des 12. Jahrhunderts erkennen. Auftraggeber des Brunnenbeckens und Autor seines Bild- und Textprogramms war vermutlich der Prior.

Die Prioratskirche dient heute als Pfarrkirche, das ehemalige Prioratsgebäude mit den An- und Neubauten wird seit 1949 als Bildungshaus der Landesvolkshochschule e. V. genutzt.

Bibliographie

Quellen: Vita posterior Udalrici 1701; Ex Vita Sancti Udalrici Prioris Cellensis, in: MGH SS 12, S. 253–267.

Handbücher und Lexika: Dehio, Baden-Württemberg Bd. 2, S. 640–642 (Wolfgang Kaiser); GermBen V, S. 615–620 (Wolfgang Müller); KDM Bd. 6,1, S. 448–460 (Franz Xaver Kraus); kloester-bw, Benediktinerpriorat St. Ulrich (Andreas Butz); Rautenberg 1965, S. 40–43.

Literatur: Nothhelfer 1881; Büttner 1938; Kern 1957; Schwarz 1966/67; Gilomen 1977; Hurni 1982; Schwarz 1993; Schlageter 1997; Lamke 2004, 2009; Untermann 2010; Bumiller 2024; Gutmann/Krieg/Zotz (in Vorbereitung).

Anmerkungen

  • 1 Bernard/Bruel IV, Nr. 3622 S. 787 f.
  • 2 MGH D Ko III., Nr. 25 S. 42.
  • 3 Dümgé 1836, Nr. 89 S. 137; GLA B 24.
  • 4 Büttner 1938, S. 456; GLA C 80.
  • 5 Weech 1878 (a), S. 98.
  • 6 Duckett 1893, S. 226, 228.
  • 7 GLA 14 Nr. 21, Nr. 1.
  • 8 Fr UB (Hefele) III, Nr. 402 S. 299; GLA 21 Nr. 176.
  • 9 Dambacher 1861, S. 451.
  • 10 Duckett 1893, S. 47.
  • 11 GLA 21 Nr. 1451.
  • 12 Lamke 2004, bes. S. 179.
  • 13 MGH D Ko III., Nr. 25 S. 41 f.; GLA B 24 (1147), B 25 a (1157), B 34 (1179), B 7 (1184).
  • 14 GLA C 23.
  • 15 Quelle für die Konventsgröße sind die Berichte des Generalkapitels: Charvin I-IV.
  • 16 Mehrere Abschriften der Bulle Papst Gregors XIII. in GLA 67 Nr. 1246, fol. 104, 105, 110 ff.
  • 17 GLA B 24.
  • 18 GLA B 25 a; GLA B 34; GLA B (Kopien) Nr. 7.
  • 19 Steyrer 1756.
  • 20 EAF UZ 271.
  • 21 Schlageter 1997, S. 62 ff.; Charvin III, S. 206.
  • 22 GLA 67 Nr. 1294, fol. 280, 308.
  • 23 GLA 67 Nr. 1293, Nr. 236, 239.
  • 24 GLA 67 Nr. 1246, 129 3-1295
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Heinz Krieg [Autor]
  • Casimir Bumiller [Autor]
  • Ulrike Kalbaum [Autor]
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