Friedenweiler, Zisterzienserinnen 

Kurzbeschreibung:

1139 Erwähnung einer von St. Georgen abhängigen cella – 1265 erster Beleg für Meisterin und Konvent – 1452 Klosterbrand – 1561 Ende des Benediktinerinnenklosters – 1570 Neubesiedlung durch Zisterzienserinnen aus Lichtenthal – 1578 Inkorporation des Klosters in den Zisterzienserorden – 1725 Brand des Klosters und Neubau durch Peter Thumb – 1803 Aufhebung

Patrozinium: Johannes Baptista
Ordensgliederung: bis 1561 Priorat der Benediktinerabtei St. Georgen; ab 1578 Tochterkloster der Zisterzienserabtei Tennenbach; 1614 Oberdeutsche Zisterzienserkongregation, Elsässisch-schweizerische Provinz
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Villingen

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Benediktinerinnen 1139-1561
  • Zisterzienserinnen 1570-1802
Beschreibung:

Name: cellam sitam in praedio, quod dicitur Fridenwilare (1139);1 magistram et conventum dominarum cellae Fridenweiler (1265);2 in monasterio sanctimonalium in Fridenwiler ordinis sancti Benedicti (1477);3 closter Frydenweyler (1584);4 monasteria de Fridenweiller et de Hof […] monasteria monialium dicti Cisterciensis (1584)5

Geschichte

Historische Entwicklung

Friedenweiler wurde in einem siedlungsfernen, dicht bewaldeten Teil des Schwarzwaldes, in der Übergangszone zwischen Baar und Hochschwarzwald gegründet. Der Klosterort liegt in einem Tal in Alleinlage. Bezeichnenderweise wird der Ortsname zum ersten Mal genannt, als 1123 die Äbte der →Reichenau und →St. Georgens Güter im Umkreis des späteren Klosters tauschten.6 St. Georgen erhielt die villa Fridenwilare nuncupata und das benachbarte Löffingen. 1139 wird in einem päpstlichen Privileg für St. Georgen Friedenweiler bereits als cella neben anderen cellae des Klosters wie →Amtenhausen angeführt.7 Damit ist belegt, dass Friedenweiler nach 1123 und vor 1139 als Zelle des Klosters St. Georgen eingerichtet wurde. Von einem weltlichen Gründer oder einer Stifterfamilie fehlt jede zeitgenössische Nachricht, auch wenn dies spätere Legenden von einer Beteiligung der Fürstenberger zu kompensieren suchen. Dagegen ist allerdings davon auszugehen, dass die Zelle auf dem 1123 ertauschten Gut als Ausgründung St. Georgens entstand. Friedenweiler reiht sich damit ein in den Kranz von St. Georgen abhängiger (Frauen-)zellen, von denen Amtenhausen, der Frauenkonvent des ursprünglichen Doppelklosters, der älteste und bedeutendste war. Neben Friedenweiler sind im 12. Jahrhundert noch Urspring (bei Schelkingen), Graufthal und Widersdorf (in Lothringen) sowie St. Johann bei Zabern (im Elsass) zu nennen. Im Jahr 1179 wird Friedenweiler – wiederum in einer Papsturkunde – als Zelle St. Georgens genannt, und zwar ausdrücklich unter jenen, die iure proprietatis, als Eigentum, und nicht nur obedientiae dem Kloster unterstanden.8 Die Gründung auf St. Georgener Besitz führte zu einer engen Bindung des Klosters an den dortigen Abt, die bis zum Ende des Konvents der Benediktinerinnen im Jahr 1561 Bestand hatte.

Nach den beiden Zeugnissen des 12. Jahrhunderts wird das Kloster erst wieder im Jahr 1265 erwähnt, als die Äbte von St. Georgen und →St. Märgen einen Streit um Grenzen und Besitzrechte zwischen »Meisterin und Konvent der Frauen der Zelle Friedenweiler« auf der einen und Abt und Konvent von →St. Peter auf der anderen Seite entschieden.9 Damit ist zum ersten Mal eindeutig nachgewiesen, dass Friedenweiler ein Frauenkloster war, bezeichnenderweise wiederum in einer Urkunde, die vom Abt von St. Georgen ausgestellt wurde. Nahezu in jeder Urkunde des 13. und 14. Jahrhunderts, die das Kloster betrifft, erscheint dieser. Am deutlichsten wird das Verhältnis zwischen Friedenweiler und St. Georgen im Jahr 1328 auf den Punkt gebracht. Meisterin und Konvent richten einen Brief an Bischof Johann von Straßburg (1306–1328).10 Anlass dafür war, dass dieser versucht hatte, das Frauenpriorat St. Johann bei Zabern unter seine Jurisdiktion zu zwingen. Die Frauen von Friedenweiler erklären aus diesem Anlass – ebenso wie die von Urspring11 –, dass sie dem Orden des Hl. Benedikt angehören und »in weltlichen und geistlichen Angelegenheiten« (cum in personis et rebus in spiritualibus et temporalibus) seit Menschengedenken der Jurisdiktion des jeweiligen Abtes von St. Georgen unterstünden.12 Besonders habe dieser »seit alters das Recht« (ab antiquo de iure), die Wahl der Magistra vom Konvent innerhalb einer Frist von drei Kapiteln zu fordern und diese gegebenenfalls, wenn die Wahl ausbleibt, selbst zu bestimmen. Nie aber hätten sie gehört, dass der Abt vom Diözesanbischof in seinen Rechten gehindert worden sei; und sie bezeugen auch, dass das Kloster St. Johann bei Zabern im selben Verhältnis zu St. Georgen stehe wie sie selbst.13 Diese bemerkenswerte Selbstaussage zeigt die vollständige jurisdiktionelle Unterstellung des Klosters unter St. Georgen. Seit dem Ende des 13. Jahrhunderts ist belegt, dass dieses Verhältnis durch die Prioratsverfassung umgesetzt wurde. Neben der Meisterin (magistra) erscheint in den Urkunden dann, wenn nicht der Abt von St. Georgen erwähnt wird, ein Propst (praepositus) (zuerst 1299),14 der auch als procurator magistrae et conventus […] monasterii bezeichnet wird,15 am Ende des 15. Jahrhundert auch als Schaffner16 und gelegentlich als Prior.17 Es dürfte sich trotz verschiedener Bezeichnungen dabei in der Regel wohl um dasselbe Amt handeln, das ein Angehöriger des Konvents von St. Georgen versah. Er betreute die Nonnen in geistlicher Hinsicht und vertrat in weltlichen Angelegenheiten den Abt. Der Propst wird an der Seite der Meisterin erwähnt; sie und der Konvent treten in den Quellen zwar im 15. und 16. Jahrhundert deutlich eigenständiger hervor, indem sie Urkunden ohne Erwähnung des Abtes ausstellen18 und ein eigenes Konventssiegel führten, nachweisbar seit 1409.19 Eine weitergehende Emanzipation von St. Georgen ist jedoch nicht zu erkennen und war wohl auch nicht beabsichtigt.

Häufiger als zuvor wird nun die Zustimmung der Kastvögte genannt, von denen als erster 1270 Graf Heinrich I. von Fürstenberg († 1284) belegt ist.20 Die Vogtei über Friedenweiler blieb ohne Unterbrechung in den Händen seiner Nachfahren und bildete einen Baustein für die fürstenbergische Landesherrschaft. Seit dem letzten Drittel des 13. Jahrhunderts lässt die in größerem Umfang einsetzende urkundliche Überlieferung die vom Kloster ausgehende Siedlungstätigkeit und Kultivierung des Schwarzwalds erkennen. Seit derselben Zeit ist auch das Nebeneinander bzw. die Konkurrenz mit dem fürstenbergischen Herrschaftsaufbau zu erkennen; bezeichnend dafür ist die Gründung der benachbarten Stadt Neustadt (vor 1275) auf Grund des Klosters Friedenweiler. Daneben wirkten Vögte und Kloster aber auch immer wieder zusammen. Insgesamt erscheint das Verhältnis der Frauen zu ihrem Vogt bemerkenswert spannungsfrei gewesen zu sein.

Über die Größe und soziale Zusammensetzung des Konvents im Mittelalter lassen sich keine abschließenden Angaben machen, trotz einer beachtlichen Urkundenüberlieferung, in der jedoch »Meisterin und Konvent« meist nur summarisch genannt werden. Unter den wenigen namentlichen Erwähnungen von Meisterinnen sticht die hochadelige Anastasia von Wartenberg (1428, 1444) aus einer bekannten Adelsfamilie der Baar hervor, ihr Bruder Friedrich war Abt der Reichenau, ein anderer Bruder Abt von Gengenbach und eine Schwester Nonne in Feldbach. Neben adeligen Schwestern, etwa aus der fürstenbergischen Vogtsfamilie des Klosters (1321)21, derer von Ramsberg (1323),22 von Rottweil (1408)23 und von Schellenberg (1466)24 ist immer wieder auch stadtbürgerliche Herkunft erschließbar, so 1306 von Schwestern, die aus Villingen stammten.25 Vermehrt scheint diese im Laufe des 15. Jahrhundert festzumachen zu sein,26 am Beginn des 16. Jahrhunderts war mit Dorothea Richbächin sogar eine Meisterin nichtadeliger Herkunft.27

Möglicherweise zeigen sich hierin die Wirkungen von Reformstatuten, die der Abt von St. Georgen im Jahr 1475 Friedenweiler gab. Sie folgten im Wesentlichen dem Vorbild 1472 für Urspring erlassener Verfügungen und schärften die Befolgung der Benediktsregel ein: Die Vita communis sollte eingehalten werden, indem das gemeinsame Essen mit Tischlesung und die Kapitelssitzungen verbindlich (wieder-)eingeführt wurde. Hervorstechend ist die Schärfe, mit der Eigenbesitz der Frauen bestraft wurde. Wenn nach dem Tod aigenschaft oder aygen gut bei Frauen gefunden wurde, so sollten sie in nicht geweihter Erde begraben und der ewigen Verdammnis überlassen werden.28 Auch sollte keine der Schwestern – nach dem ersten Jahr im Kloster – von der Meisterin die Erlaubnis bekommen, dieses zu verlassen; wenn sie sich über dieses Gebot aber hinweg setzten, sollten sie in den Kerker geworfen werden. Welche Wirkungen dieser rigide Versuch des Einschärfens der Klausur und des Verbots des Eigenbesitzes in Friedenweiler entfaltete, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Festzustellen sind zuvor, im 14. und 15. Jahrhundert, eindeutig stiftische Elemente in der Lebensweise der Nonnen. Eigenbesitz ist urkundlich deutlich zu greifen, etwa wenn für eine Nonne aus der Familie von Fürstenberg ein Leibgeding eingerichtet wird (1321),29 oder wenn Meisterin und Konvent Güter des Klosters an eine adelige Mitschwester verkauften (1328).30 Es ist deshalb anzunehmen, dass auch in Friedenweiler im Zug der benediktinischen Klosterreformen des 15. Jahrhunderts eine mehr oder minder deutliche Abkehr von stiftischen Lebensformen und eine Rückkehr zu den Idealen benediktinischen Klosterlebens versucht wurde.

Am Beginn des 16. Jahrhunderts kam es in Friedenweiler zu massivem innerklösterlichem Zwist, so dass Abt Nikolaus von St. Georgen 1520 den Fürstenberger Friedrich um Hilfe bat, in dem von »Ungehorsam, Neid und Hass« beherrschten Kloster wieder Ordnung zu schaffen.31 Hinzu kamen wirtschaftliche Einbrüche, die teils durch große Seuchen, teils durch gesellschaftliche Umbrüche begründet wurden. Der Schwarzwald war zudem entsiedelt, so dass am Beginn des 16. Jahrhunderts viele Höfe leer standen und die Einkünfte ausfielen. Der Bauernkrieg ging zwar nach alter Lesart an Friedenweiler vorbei, der Geist des Aufruhrs und des neuen Selbstbewusstseins der Untertanen wird jedoch auch aus den Friedenweiler Rechtsquellen, insbesondere aus dem 1529 entstandenen Urbar spürbar.32 Nach dem Tod der Meisterin 1561 lebte die letzte Benediktinerin, Anna Mühlin, Sagen umwoben, noch einige Jahre allein im Kloster. Sie starb 1574 in Neustadt.

1536 verzichtete der Abt von St. Georgen bedingungslos auf alle Rechte an Friedenweiler. Von nun an stand das Klostergut bis 1570 ausschließlich unter fürstenbergisch-herrschaftlicher Verwaltung. Die drei Grafen Wilhelm, Friedrich und Heinrich nahmen diese Aufgabe freilich sehr unterschiedlich wahr. Wilhelm pendelte politisch und konfessionell zwischen den Fronten und sah in klösterlichem Gut wohl nur materielle Verfügungsmasse. Ob seine (kurze) Zuneigung zum Calvinismus im Zusammenhang mit der Schonung Friedenweilers im Bauernkrieg steht, müsste weiter untersucht werden. Sein jüngerer Bruder Friedrich blieb zwar auf der katholisch-kaiserlichen, auch kämpferisch-gegenreformatorischen Seite, hatte jedoch ebenfalls wenig Skrupel, die Finanzen seines Hauses durch Einziehung von seinem Schutz anbefohlenem Klostergut zu sanieren. Obwohl in dieser Zeit manche Güter veräußert wurden, blieb dennoch ein Besitzstand erhalten, der es zuließ, dass dessen den Klöstern wohl gesonnener Sohn Heinrich X. mit politischer Unterstützung der Markgrafschaft Baden von der Zisterzienserinnenabtei Lichtenthal bei Baden-Baden ausgehend eine zweite Klostergründung in Friedenweiler erreichen konnte. Vermittelt hatte das Ansuchen der Amtmann des Fürstenbergers, Severin Schnell, der Bruder der Äbtissin von Lichtenthal.33

Als diese am 2. Juni 1570 – wegen des rauhen Klimas sollte die Besiedelung im Sommer erfolgen – mit »sechs Frauen und zwei Laienschwestern« nach Friedenweiler kam, fand sie ein Kloster vor, das für die nächsten Jahre nur ein Leben in »viel Mangel, Hunger, Durst und großer Armut« zuließ. Dennoch muss sich die Abtei, zu deren erster Vorsteherin die bisherige Priorin von Lichtenthal bestimmt wurde, materiell und spirituell so stabilisiert haben, dass sie wenige Jahre später zu einem angesehenen Ausbildungsort für andere Klöster wurde. Es dauerte allerdings Jahre, bis ein ständig anwesender Priester gefunden wurde – die »Ehrbaren und Gelehrten waren teuer« – und erst 1584 erhielt das Kloster nach langwierigen Verhandlungen die päpstliche Anerkennung und erst danach die Inkorporation in den Zisterzienserorden. Das Besetzungsrecht der Beichtiger- und Pfarrstelle blieb ein fortdauernder Konfliktfall, bis sich 1755 Fürstenberg mit Zustimmung des Konstanzer Bischofs das Präsentationsrecht selbst für den Fall sichern konnte, dass es sich um einen Tennenbacher Konventualen handelte.

Die folgenden, etwas mehr als 200 Jahre waren wie für die anderen Klöster der Region vor allem durch das Leid der Kriegszeiten bestimmt. Besatzungen, Plünderungen, Diebstahl, Flucht und Seuchen erlebte der Konvent in der zweiten Hälfte des Dreißigjährigen Krieges sowie in den Kriegszügen Ludwigs XIV. (1643–1715) und im Spanischen Erbfolgekrieg. Am 27. März 1725 vernichtete ein Großbrand Kirche und Kloster, Pfarr-, Gesinde- und Wirtshaus. Der Überlebenswille des Konvents, der auch nach früheren Schicksalsschlägen seine Abtei nie aufgegeben hatte, führte zu einem erstaunlich schnellen Wiederaufbau sicher des schönsten Gebäudeensembles in der bis dahin 600-jährigen Klostergeschichte. Danach folgten 60 Jahre, die neben den ersten Jahrhunderten als die Blütezeit des klösterlichen Friedenweilers bezeichnet werden dürfen. Freilich rückten schon mit den in den Chroniken vermerkten Klosteraufhebungen unter Joseph II. (1765–1790) seit 1783 und erst recht mit dem Wissen um das Schicksal der Klöster in den Wirren der französischen Revolution, in die man mit den Kriegen in den 1790er Jahren unmittelbar einbezogen wurde, die Vorahnungen von Säkularisation auch diesseits des Rheines näher.

Für Fürstenberg war die Säkularisation bis etwa zur Mitte des Jahres 1802 kein Thema. Erst als in der zweiten Hälfte dieses Jahres die fürstenbergischen Klöster dem Deutschen Orden zugesprochen werden sollten, reagierte das Haus Fürstenberg und konnte seine Ansprüche behaupten. Nun unterzeichnete Fürst Karl Joachim am 16. November 1802 das Besitznahmedekret, und kurz darauf begann die konkrete Säkularisation. Schon am 20. November 1802 nahm der fürstenbergische Hofrat Fischer die Abtei vorläufig in Besitz und setzte somit den Schlusspunkt unter die Geschichte des eigenständigen Klosters Friedenweiler. Die endgültige Inbesitznahme im Dezember 1802 war dann nur noch Formsache.

Kurz nach der provisorischen Inbesitznahme rückte eine von Donaueschingen geschickte Kommission an, um eine möglichst genaue Vermögensaufnahme zu machen. Die Fürstenberger waren bei dieser Inventarisierung in Friedenweiler offenbar besonders gründlich, haben sie doch anscheinend sogar noch die Vorräte in der Speisekammer genau abgewogen. Zum Zeitpunkt der Aufhebung bestand der Konvent aus 21 Nonnen, davon sechs Laienschwestern, und zwei Novizinnen. Äbtissin war die 68-jährige Maria Caecilia Bachmann, Priorin die 47-jährige Josepha Bihler. Die beiden Novizinnen hatten keine Chance mehr, noch in den Konvent aufgenommen zu werden und die Gelübde abzulegen, sondern durften lediglich den ehemaligen Nonnen als Mägde dienen. Die Nonnen konnten einstweilen im Kloster bleiben und erhielten Pensionszahlungen 1814 soll die Gemeinschaft noch aus sechs Frauen bestanden haben. Dies legt angesichts des Umstandes, dass 1802 zwei Drittel der Frauen noch keine 60 Jahre alt gewesen war, die Vermutung nahe, nicht alle seien in Friedenweiler geblieben. Immerhin wissen wir von der letzten Äbtissin, dass sie den Ort nicht verließ.

Besitz und Wirtschaft

Der Besitzerwerb des Klosters lässt sich seit den 70er Jahren des 13. Jahrhunderts nachvollziehen. In den nächsten Jahrhunderten bildeten sich die Schwerpunkte der Herrschafts- und Besitzrechte aus, die bis zum Ende des Klosters bestehen bleiben sollten. Im engeren Umkreis des Klosters fand eine Rodungs- und Erschließungstätigkeit statt, bei der dem Schwarzwald entlang des Nordrach- und Schollachtals sowie der Viertäler (um Titisee) nach und nach Siedlungen abgerungen wurden. Im Waldgebiet zwischen Titisee, Rötenbach, Urach und Waldau entstand der eigentliche Herrschaftsbereich des Klosters. Westlich anschließend, bei Rötenbach drang das Kloster auch ins Altsiedelland der Baar vor, konnte hier aber in der Regel nur Streubesitz erwerben. Dieser ließ sich in der Westbaar gelegentlich verdichten, so etwa um Dittishausen, wo das Kloster in die Nähe einer Ortsherrschaft kam, weitere bemerkenswerte Besitzungen hatte es in Löffingen, Unadingen, Reiselfingen und in Döggingen. Im Gegensatz dazu gelang es ihm weiter östlich nur Streubesitz zu erwerben, der nur zum Teil gehalten werden konnte. Im Breisgau hatte Friedenweiler im 15. Jahrhundert ein Haus in Freiburg, und bezog eigenen Wein aus Ebringen und Talhausen. 1306 bekam es im Höllental Zollfreiheit für Güter zum eigenen Bedarf zugestanden, ein früher Beleg für die Nutzung des Höllentalstraße.34 Aus den Urkunden des Klosters ragt ein umfangreiches Zeugenverhör zu Todfallabgaben von »Gotteshausleuten« aus dem Jahr 1316 hervor.35 Diese frühe, umfangreiche Befragung von 45 Zeugen zum Umfang des Todfallrechts, das Kloster forderte Besthaupt, Bestkleid und Bestwaffe, gibt Einblicke in eine soziale Ausdifferenzierung der Bauernschaft des Klosters, mit erkennbaren Befreiungen von Abgaben für Siedler. Von diesen »Freiheiten« findet sich später in einem Weistum von 1524, das somit unmittelbar vor dem Bauernkrieg entstand, keine Spur mehr.36 Ein Urbarfragment von 1529 offenbart, dass zu diesem Zeitpunkt mehr als ein Drittel der Höfe des Klosters wüst gefallen waren.37

In der Zeit der Zisterzienserinnen bestand die im Mittelalter gewonnene Struktur des Grundbesitzes fort, er wurde im Bereich der fünf Täler, die den engeren Bereich der Klosterherrschaft bildeten, durch Meierhöfe verwaltet. In Freiburg hatte das Kloster ein eigenes Haus. Das Zentrum der Klosterwirtschaft aber lag in Friedenweiler mit dem Schafhof, einem weiteren Meierhof, einem Wirtshaus und drei nachgewiesenen Mühlen. Erwähnenswert ist der im nahen Eisenbach bzw. Hammereisenbach betriebene Bergbau und die Eisenverarbeitung. Eine urbarielle Zusammenstellung des Besitzes aus dem Jahr 1611 bzw. die Verzeichnung der Besitzungen bei der Auflösung zeigt die im wesentlichen bewahrte spätmittelalterliche Besitzstruktur.

Religiöses und kulturelles Wirken

Aus Friedenweiler sind keine Hinweise auf kulturelles Wirken, im Sinne einer eigenen Handschriftenproduktion erhalten. Dem Frauenkloster unterstand auch nur eine Pfarrei, im Klosterort, die zuerst 1477 erwähnt wird, der erste Pfarrer erst im Jahr 1502. An der 1477 eingerichteten Kapelle gab es eine Frühmessstiftung. Zum Gnadenbild der Liebfrauenkapelle entstand eine regionale Wallfahrt, zu deren Unterstützung die Äbtissin 1590 eine »Bruderschaft von unserer Lieben Frau« stiftete.

Bibliothek und Archiv

Von einer Bibliothek finden sich, soweit sie denn bestanden hat, allenfalls Spuren. Das Archiv des Klosters aus dem 18. Jahrhundert wurde ohne größere Verluste in das Fürstenbergische Archiv zu Donaueschingen verbracht.

Bau- und Kunstgeschichte

Lage

Die am Südrand des Dorfes gelegene ehemalige Klosteranlage befindet sich in einem sanft nach Nordwesten ansteigenden Tal. Die Klosterkirche, heute Pfarrkirche St. Johannes Baptist, und die einstigen Klostergebäude an deren Südseite umschließen die Klausur. Unweit davon liegt der ehemalige Klosterweiher.

Kirche und Konventsbauten

Über den Bestand im Mittelalter ist nur wenig bekannt. Für 1441 ist überliefert, dass zum Kloster ein zugehöriges Hofgut gehörte. 1452 zerstörte ein Brand alle Bauten abgesehen von einer Liebfrauenkapelle. 1482 erfolgte die Weihe der wieder errichteten Kirche. Ein Großbrand 1725 zerstörte das Kloster erneut. Der Wiederaufbau nach Plänen von Peter Thumb erfolgte 1725–29 unter Verwendung erhaltener Umfassungsmauern der Kirche. Im Bauvertrag mit Thumb war festgehalten, dass die Querhausarme verkürzt und das Langhaus zu verlängern sowie zu erhöhen sei. Die Kirche zeigt heute einen kreuzförmigen Grundriss. Der polygonal geschlossene und mit Spitzbogenfenstern versehene Chor weist Strebepfeiler auf und ist verputzt. Das Langhaus mit Rundbogenfenstern und die Querschnittfassade sind hingegen steinsichtig. Bekrönt wird der Kirchenbau durch einen Dachreiter mit Zwiebelhaube. Durch ein pilasterflankiertes Rundbogenportal gelangt man ins Innere. Muldengewölbe überdecken Chor, Querhaus und das einschiffige Langhaus. Im Westen eine weit vorspringende Nonnenempore.

Das ursprüngliche Aussehen der neu gebauten Klostergebäude zeigen die Baupläne von Thumb (Abb. 5).38 Südlich der Kirche schließen die dreigeschossigen Klostergebäude an, die mit der Kirche den Innenhof umschließen. An der Ostseite sind zwei kurze Flügel angefügt, von denen der südliche die heute völlig überformte Liebfrauenkapelle aufnimmt. Die Fassaden werden durch Eckpavillons mit Mansarddächern akzentuiert. Ein Fassadenriss der Südseite von 1822 zeigt die Liebfrauenkapelle mit hohen Rundbogenfenstern und Dachreiter. Nach der Säkularisation, im Zuge unterschiedlicher Nutzungen, wurde die Südfassade stark verändert. Die Pilastergliederung und die großen Rundbogenfenster sind eine Zutat der 1920er Jahre. Im Erdgeschoss erschließen kreuzgratgewölbte Flure das Innere.

Nach der Säkularisation wurden Wohnungen für fürstenbergische Forstbeamte und fürstliche Angestellte eingerichtet. Einige Räume dienten der fürstlichen Familie. Im Dezember 1813 wurden rund 1000 invalide russische Soldaten einquartiert, von denen Hunderte an Typhus starben. Ein orthodoxes Kreuz oberhalb des Klosterweihers erinnert an diese Zeit. Seit 1840 war eine Brauerei im Klosterkomplex, die bis 1920 bestand. 1927 erwarb der Caritasverband die Liegenschaften und unterhielt hier bis in die frühen 1980er Jahre eine Kinderheilstätte. In den Klostergebäuden ist heute ein Pflegeheim.

Materielle Kulturgeschichte, Bauausstattung

Die Ausstattung der Kirche stammt im Wesentlichen aus der Zeit nach 1730 und wird durch die kulissenartig gestaffelten Seitenaltäre bestimmt. Hochaltar und Seitenaltäre stammen in Teilen als Stiftung aus der von St. Georgen nach Villingen übersiedelten Benediktinerabtei. Der von Säulen flankierte Hochaltar aus Stuckmarmor wurde 1720 von den Villinger Bildschnitzern Anton Joseph Schupp und dessen Sohn Ignatius geschaffen. Altarweihe 1731. Das Altarbild zeigt die Himmelfahrt Mariens von Georg Samuel Schilling. Seitlich die Figuren von Abraham mit Schwert, der zum Opfer seines Sohnes Isaak bereit ist, und des opfernden Melchisedech, beide von Anton Joseph und Ignaz Schupp. Im Auszug Johannes der Täufer, ebenfalls Schilling. Darüber in einer Kartusche das Wappen des Klosters St. Georgen, später Villingen.

Bei den Seitenaltären handelt es sich wie beim Hochaltar um Säulenaltäre, entstanden um 1730/40. Auch sie besitzen Bestandteile des Hochaltars des Villinger Benediktinerklosters. Der linke Seitenaltar zeigt den Tod des Hl. Benedikt von Johann Pfunner. Der von einem Mitbruder beweinte Benedikt richtet seinen Blick zum Himmel, wo ihn ein Engelskonzert erwartet. Im Auszug der Erzengel Michael. Der rechte Seitenaltar hat die Lactatio des Bernhard von Clairvaux zum Thema, ein geläufiges Bildmotiv in Zisterzienserklöstern. Hinter den Mensen beider Altäre Katakombenheilige, links Justitia rechts Felix. 1741/42 in Rom erworben und in Rottenmünster in Gewänder gefasst, gelangten sie 1749 nach Friedenweiler.

Von den Säulenaltären im Querhaus zeigt der linke das Martyrium der Hl. Ursula, die durch den Pfeil eines Hunnenprinzen getötet wird. Davor die Skulptur der Madonna als Himmelskönigin mit Krone und Szepter, die sog. Friedenweiler Madonna, wohl aus dem Zürn-Kreis. Seitlich Figuren von Petrus und Paulus. Der rechte Querhausaltar zeigt den gekreuzigten Christus, möglicherweise ein Werk von Ignaz Schupp, flankiert von den Skulpturen des Hl. Sebastian und wohl der Hl. Katharina. Im Querhaus auch ein Zyklus von Bildnissen von Äbtissinnen, geschaffen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die 1730 entstandene Kanzel wurde 1776 von Matthis Thoma ergänzt und neu gefasst. Im Chor finden sich vom Haus Fürstenberg 1911/1912 gestiftete Buntglasfenster.

Bibliographie

Handbücher und Lexika: Dehio, Baden-Württemberg Bd. 2, S. 236 f. (Wolfgang Kaiser); KDM Bd. 6,1, S. 375–377 (Franz Xaver Kraus); kloester-bw, Zisterzienserinnenabtei Friedenweiler (Hans-Otto Mühleisen).

Literatur: Kürzel 1881; Bader 1938; Wohleb 1956; Mühleisen 2004.

Anmerkungen

  • 1 FUB V, Nr. 93 S. 58; WUB II, Nr. 311 S. 1 0-12.
  • 2 FUB V, Nr. 176 S. 133; WUB II, Nr. 311 S. 1 0-12.
  • 3 FFA Eccl. 18 Klosterarchiv Friedenweiler A 4.
  • 4 Mitt. FFA II, Nr. 561 S. 455.
  • 5 Mitt. FFA II, Nr. 570 S. 466.
  • 6 FUB V, Nr. 85 S. 51 f.
  • 7 WUB II, Nr. 311 S. 1 0-12.
  • 8 WUB II, Nr. 416 S. 19 8-201, hier S. 198.
  • 9 FUB V, Nr. 176 S. 133.
  • 10 FUB V, Nr. 403 S. 378 f.
  • 11 Eberl 1978, Nr. 68 S. 102.
  • 12 FUB V, Nr. 403 S. 378.
  • 13 FUB V, Nr. 403 S. 379.
  • 14 FUB II, Nr. 654 S. 339.
  • 15 FUB V, Nr. 357, 2, 1 S. 334.
  • 16 FUB IV, Nr. 187 S. 172 f.; FUB VII, Nr. 181, 1 S. 321.
  • 17 FUB VII, Nr. 210 S. 354 f.
  • 18 Vgl. FUB III, Nr. 61 S. 47 (1409); FUB VI, Nr. 172, 1 S. 269 (1439), Nr. 26, 15 S. 53 (1455), Nr. 79 a S. 137 (1466).
  • 19 FUB III, Nr. 61 S. 47.
  • 20 FUB II, Nr. 470 S. 227 f.
  • 21 FUB II, Nr. 111 S. 71 f.
  • 22 FUB II, Nr. 121 S. 79.
  • 23 FUB VI, Nr. 89, 2 S. 148.
  • 24 FUB VI, Nr. 79 a S. 137.
  • 25 FUB V, Nr. 188, 8 S. 147.
  • 26 Schon 1306 sind drei wohl Nichtadelige Schwestern belegt, eine wird explizit als Bürgerin aus Villingen bezeichnet (FUB V Nr. 188, 8 S. 147): Adelheit, Tochter der Maehtilt, Berhdolt Kunen sel. Wirtin, Bürgerin zu Villingen; 1411: Catharina Biengerin (GLA 12 Nr. 1487); 1432: Dorothea Murerin aus Villingen, Mutter Verena Houberin (FUB VI, Nr. 183, 7 S. 280); Brida und Anna Schellhorn, Töchter der Anna, Witwe Conradt Schellhorns (FUB IV, Nr. 353 S. 330).
  • 27 FUB VII, Nr. 210, 3 S. 356 Anm. 3.
  • 28 FUB VII, Nr. 51 S. 10 5-109, hier S. 105.
  • 29 FUB II, Nr. 111 S. 71 f.
  • 30 FUB II, Nr. 121 S. 79.
  • 31 Mitt. FFA I, Nr. 123 S. 60.
  • 32 Baumann 1882, S. 6 5-69.
  • 33 Mitt. FFA II, Nr. 234 S. 138, Nr. 239 S. 139 f.
  • 34 FUB V, Nr. 300 S. 272.
  • 35 FUB V, Nr. 357 S. 33 4-340.
  • 36 Baumann 1882, S. 6 5-69; Protokollbuch 1663, fol. 18 ff.
  • 37 Baumann 1882, S. 6 5-69.
  • 38 FFA Kasten I IV 91
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Jürgen Dendorfer [Autor]
  • Hans-Otto Mühleisen [Autor]
  • Wolfgang Kaiser [Autor]
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