Müllheim, Zisterzienser »Rheintal« 

Kurzbeschreibung:

1255 Verlegung des Zisterzienserinnenklosters Rheintal von Feldberg nach Müllheim – nach 1486 Umwandlung in einen Männerkonvent als Priorat – 1509 dem Kloster Lützel inkorporiert

Patrozinium: Maria
Ordensgliederung: Vaterabtei Tennenbach; als Priorat Lützel angegliedert, seit 1509 inkorporiert
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Neuenburg

Ortsbezüge:
  • Müllheim
  • Müllheim, Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald
Ordensregel:
  • Zisterzienserinnen »Rheintal« 1255-1486
  • Zisterzienser »Rheintal« 1486-1509
Beschreibung:

Name: die vrowen von Rindal (um 1300); monasterium sanctimonialium in Ryntal ord. Cisterc. (1353);1 mon. sanctimonialium vallis Reni prope Nuwenburg in Brisgaudia O.S. Bernardi Cist. (1481);2 Rintal ordinis Cisterciensis (1493)3

Geschichte

1255 leitete Graf Konrad I. von Freiburg die Verlegung des Klosters aus dem kleinen Weiler Rheintal (Gemeinde Feldberg bei Müllheim) in die Rheinebene ein. Der neue Standort befand sich an der Grenze zwischen Müllheim und Neuenburg. Zahlreiche Gewann- und Straßennamen weisen noch heute auf das abgegangene Kloster hin. Mit der Klosterverlegung baute der Freiburger Graf seinen Herrschaftsschwerpunkt am südlichen Oberrhein aus. Dass Rheintal als Grablege für Graf Konrad I. (1236–1271)4 oder Konrad II. (1316–1350)5 diente, wie in der Literatur behauptet, ist allerdings nicht belegbar. Rheintal besaß umfangreichen Besitz im südlichen Breisgau und war Inhaber der Schuppose in Hügelheim.6 Das Kloster hat laut Liber taxationis ecclesiarum von 1343 VIII marc. abzuführen.7 Die Investiturprotokolle von 1479 verzeichnen drei, die von 1481 neun Petitionen, mit denen um Erlaubnis gebeten wird, Almosen sammeln zu dürfen.8 Wohl zwischen 1486 und 1489 war das Frauenkloster aus wirtschaftlichen Gründen in ein Männerkloster umgewandelt worden. Über den Verbleib der letzten Nonnen gibt es keine Nachricht.

Nachdem 1486 mit Elisabeth von Bruck letztmalig eine Äbtissin in Rheintal nachgewiesen ist, wird 1489 das erste Mal ein Prior von Rheintal genannt,9 1493 urkundet ein Johansen von Zossenhufen probst zu Rindal.10 Damit kann die Umwandlung des Zisterzienserinnenklosters in ein Priorat in die Jahre zwischen 1486 und 1489 datiert werden. Die Umwandlung geschah vermutlich wegen der schlechten finanziellen Situation des Nonnenkonvents. Im Registrum subsidium charitativum des Bistums Konstanz von 1493 wird das Priorat zwar genannt, aber nicht veranlagt.11 Bereits 1509 klagte der Abt von Lützel, dass das Kloster nicht ausreichend Einkünfte besäße, um die notwendige Anzahl von Mönchen zu unterhalten. Noch im selben Jahr wurde der Konvent dem Kloster Lützel inkorporiert, das als Rechtsnachfolger die liturgischen Verpflichtungen sicherstellen musste.12 Einer der abgesandten Religiosen wird 1532 als Propst bezeichnet.13 Die Gebäude wurden im Bauernkrieg 1525 in große Mitleidenschaft gezogen. Ein Verkauf im Jahr 1544 wurde nach 30 Jahren wieder aufgelöst, die Güter von Lützel bis ins 18. Jahrhundert verpachtet. Die Klostergebäude wurden im Dreißigjährigen Krieg endgültig zerstört.

Bau- und Kunstgeschichte

1255 schenkte Graf Konrad von Freiburg der Klostergemeinschaft Rheintal ein Grundstück an dem Lewiron (Grenzhügel) zwischen Müllheim und Neuenburg. In der Folge wurde das Kloster dorthin verlegt. Im frühen 16. Jahrhundert wurde es aufgegeben und das Anwesen um 1532 verkauft. Nach mehreren Zerstörungen im Bauernkrieg, im Dreißigjährigen Krieg und im Holländischen Krieg war es im ruinösen Zustand. Eine Quelle im Jahr 1719 beschreibt es anjetzo nur noch eine abgebrannte Mauer.14 Rund um das Gasthaus zur Alten Post, das im 18. Jahrhundert auch mit Steinen vom Kloster errichtet worden sein soll, erinnern heute nur noch Flurnamen an die Vergangenheit: Kloster, Klostergarten, Klostermatten, Klostermauern, Klosterruns und Klosterrunsbrücke, Klosterweg und Klostersteg.15 Auf dem Gemarkungsplan von 1784 ist hier eine Wiese eingezeichnet, die mit olim Closter bezeichnet ist.16 In den Wiesen sollen sich nach Aussage der Anwohner noch Mauern befinden. Bei Kanalisationsarbeiten stieß man 1983 in der Schliengener Straße auf Steinplatten, Mauern und Tierknochen. Im Boden sind weitere Befunde, wie Fundamentreste der Klostergebäude und Funde aus der Nutzungszeit zu erwarten. Das fragliche Gebiet westlich von Nieder-Müllheim ist von der Bundesstraße 3, der Klosterrunzstraße und Eisenbahnstraße umschlossen und heute weitgehend durch ein Gewerbegebiet überbaut.

Bibliographie

Handbücher und Lexika: kloester-bw, Zisterzienserpriorat Müllheim (Julia Bruch).

Literatur: Sievert 1886, S. 398–403.

Anmerkungen

  • 1 Haid 1870, S. 88.
  • 2 Krebs, Investiturprotokolle 1952, S. 701.
  • 3 Zell/Burger 1895, S. 204.
  • 4 Hollenweger 1966, S. 102.
  • 5 Sievert 1886, S. 402 Anm. 1.
  • 6 Ott 1983, S. 11 f., 15 f.
  • 7 Haid 1870, S. 88.
  • 8 Krebs, Investiturprotokolle 1952, S. 701.
  • 9 Jahrgeschichten zu Güntherstal, in: Mone II, S. 137.
  • 10 GLA 21 Nr. 3797.
  • 11 Zell/Burger 1895, S. 204.
  • 12 Sievert 1886, S. 403.
  • 13 GLA 229 Nr. 86702
  • 14 Helm 1986, S, 198.
  • 15 Fischer 1964, S. 145 f., 35 4-361.
  • 16 Plan des Marktfleckens Müllheim Ober = Amt, Specialat, Burgvogtey und Einnehmerey der Herrschafft Badenweiler, GLA H Müllheim 5
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Eva-Maria Butz [Autor]
  • Bertram Jenisch [Autor]
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