Betberg, Benediktiner 

Kurzbeschreibung:

1438 erste Erwähnung eines Propsts von Betberg – 1556 Vertreibung des letzten Propsts, Aufhebung

Patrozinium: Unsere Liebe Frau
Ordensgliederung: Priorat der Benediktinerabtei St. Peter im Schwarzwald
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Neuenburg

Ortsbezüge:
  • Seefelden
  • Buggingen, Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald
Ordensregel:
  • Benediktiner 1438-1556
Beschreibung:

Name: propst von Betburg (1438);1 des gottzhuses zuo sant Peter propstie Beattpurg (1456)2

Geschichte

Seit der Zeit Herzog Bertolds III. von Zähringen (1111–1122) erwarb das Kloster →St. Peter Güter in Betberg im heutigen Markgräflerland, teils durch Tausch von den Klöstern →St. Margarethen in Waldkirch und →St. Trudpert, teils durch Stiftungen.3 Diesen Komplex konnte St. Peter in der Folgezeit arrondieren. Zum Besitz gehörte auch das Patronatsrecht in Betberg sowie in dessen Filialkapellen in Seefelden und St. Ilgen,4 das bereits mit den Stiftungen des Priesters Eberhard von Betberg in der Mitte des 12. Jahrhunderts an St. Peter gelangt sein mag. Erstmals belegt ist es in der Urkunde Papst Clemens’ V. (1305–1314) von 1307, in der er der Inkorporation der Betberger Kirche ins Kloster St. Peter zustimmte.5

Wann die Propstei in Betberg eingerichtet wurde, ist unbekannt. Die ältere Literatur geht von der Entstehung im Lauf des 13. Jahrhunderts aus. Jüngst wurde hingegen der Anfang des 15. Jahrhunderts ins Gespräch gebracht mit dem Hinweis, dass die beiden als angebliche Betberger Pröpste namhaft gemachten Heinrich Salati und Benedikt von Tannheim, beide später Äbte von St. Peter, eben nicht als Pröpste sondern nur als Betberger Plebane belegt sind.6 Offenbar wurde die Betberger Pfarrstelle von St. Peter bis dahin mit Mönchen aus seinem Konvent besetzt. Der erste Beleg für die Propstei und einen namentlich nicht genannten Propst liegt dagegen erst aus dem Jahr 1438 vor.7

Als Grund für die Entstehung der Propstei wird verschiedentlich die Verwaltung der Sanpetriner Güter im Markgräflerland angeführt, was sich jedoch nicht direkt belegen lässt. Die wirtschaftliche Zentralfunktion dürfte indes bereits geraume Zeit vor der Gründung des Priorats bestanden haben. So ist ein Sanpetriner Klosterhof in Betberg bereits im Jahr 1257 bekannt.8 Im Jahr 1420 gehörten zu diesem Hof 187 Juchart Äcker und Matten, die von einem Meier bewirtschaftet wurden.9 In jüngerer Zeit bis zum Dreißigjährigen Krieg deuten vielfach belegte Fuhrdienste von Betberg nach Freiburg darauf hin, dass hier tatsächlich eine wirtschaftliche Zentrale des Klosters St. Peter bestand. Auch eine Marienwallfahrt nach Betberg wird gelegentlich erwähnt, dürfte allerdings lediglich wegen der einst in der Kirche vorhandenen Pietà erschlossen worden sein. Im Jahr 1453 gründete sich in der Propstei Betberg eine Marienbruderschaft wohl vornehmlich aus Kreisen der Untertanen.10

Mit der Einführung der Reformation in der Markgrafschaft Baden-Durlach im Jahr 1556 wurde der letzte Propst Bartholomäus Grottendorf vertrieben und die Propstei aufgehoben. Das Kloster St. Peter behielt allerdings seine Einkünfte und Rechte vor Ort. Daher lag bis zur Aufhebung St. Peters die Baulast an der Betberger Kirche beim Schwarzwaldkloster, zudem musste es die Pfarrstelle mit protestantischen Pfarrern besetzen.

Bau- und Kunstgeschichte

Die Propstei in Betberg lag bei der Kirche, die sich auf einem kleinen Plateau mitten über dem Dorf erhebt. Das ummauerte Areal wird außer im Süden von Straßen umfasst. Um die Kirche herum befindet sich der Friedhof der Gemeinde. Im Jahr 1970 im Nordosten der Kirche entdeckte Mauerreste wurden als Teile eines frühmittelalterlichen Vorgängerbaus gedeutet.11

Die heutige Kirche besteht aus einem romanischen Saal von rund 24 m Länge und 10 m Breite. Im Westen wurde an sie ein jüngerer, romanischer Turm mit heute fünf Geschossen angebaut, im Osten schließt eine spätgotische Apsis mit 3/8–Schluss ab. Der heutige Zugang führt durch eine von einem Tonnengewölbe überfangene Vorhalle im Erdgeschoss des Turms. Im westlichen Teil des Langhauses ist eine Empore eingebaut. An der Westwand führt in Höhe des ersten Geschosses eine Zugangstür zum Turm. Rechts und links davon gibt es zwei kleine runde Fenster (Okuli), von denen aus – bis davor wohl in den Jahren vor 1200 der Turm errichtet wurde – ein Blick westwärts ins Rheintal möglich gewesen war. In der Nord- und Südwand des Langhauses gab es einst jeweils drei kleine romanische Fenster, von denen in der Frühneuzeit je zwei im Norden und Süden durch große Fenster mit Flachbogenabschluss ersetzt wurden.

An der Südwand wurde eine Darstellung des Hl. Laurentius entdeckt, die um 1300 datiert wird. Bei Renovierungsarbeiten in den Jahren 1969–71 kamen an der Westwand Malereien aus dem 16. Jahrhundert zu Tage: die beiden Okuli wurden mit farbig gefasster Rahmung verziert. Eine Szene mit drei Figuren, die einen Turm zu erklimmen scheinen, wird mit dem Bauernkrieg in Verbindung gebracht. Der Zugang zum Turm wurde mit den Darstellungen eines Ritters über dem Wappen St. Peters und eines Landsknechts über einem nicht ganz korrekten markgräflichen Wappen verziert. Im Tonnengewölbe des ebenerdigen Zugangs findet sich ein Passionszyklus wohl aus dem frühen 16. Jahrhundert mit dem betenden Jesus im Ölberg, einer Abendmahldarstellung und einer Kreuzigungsszene.12

Eine Pietà aus Betberg wurde in der Reformationszeit aus der Kirche entfernt, jedoch von Katholiken aus Heitersheim geborgen. Sie befindet sich heute in der katholischen Kirche von Buggingen. Mehrere Grabplatten von Pfarrern und deren Gemahlinnen wurden in den Wänden des Langhauses und im Zugangsgewölbe vermauert.

Das südlich gegenüber der Pfarrkirche liegende ehemalige Pfarrhaus von 1551 (i) bzw. sein Vorgängerbau war ehedem wohl der Sitz der Pröpste. Der zweigeschossige Bau auf der Grundfläche von ungefähr 13 × 13 m wird von einem Satteldach bedeckt. Der Zugang befindet sich auf der Nordseite, der Kirche gegenüber. Heute wird der Bau als evangelisches »Haus der Besinnung« genutzt, wo Gästen die Möglichkeit zu Gebet und Kontemplation geboten wird.

Bibliographie

Handbücher und Lexika: GermBen V, S. 133–135 (Franz Quarthal); KDM Bd. 5, S. 96–98 (Franz Xaver Kraus); kloester-bw, Benediktinerpropstei Betberg (Andreas Butz).

Literatur: Bender 1951; List 1976/77; Leppert 1978; Krimm-Beumann 2018; Hagedorn 2021.

Anmerkungen

  • 1 GLA 14 Nr. 75.
  • 2 Krieger I, Sp. 165.
  • 3 Krimm-Beumann 2011, R 42, R 114, R 160.
  • 4 Haid 1870, S. 88.
  • 5 Rieder 1908, Nr. 551.
  • 6 Krimm-Beumann 2018, S. 189.
  • 7 GLA 14 Nr. 75.
  • 8 GLA 15 Nr. 559.
  • 9 Krimm-Beumann 2018, S. 190.
  • 10 GLA 21 Nr. 637.
  • 11 List 1976/77, S. 386 f.
  • 12 Leppert 1978, S. 355 f
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Boris Bigott [Autor]
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