Sulzburg, Benediktinerinnen
| Kurzbeschreibung: | 993 Königliche Schenkung einer Kirche in Sulzberg an Graf Birchtilo – 1110 Erwähnung eines Sanblasianer Frauenpriorats – 12. Jh. Zuordnung zum Bischof von Basel – 1266 erste Erwähnung einer Meisterin – 1523 Ausweisung der Priorin und der Nonnen aus dem Kloster – 1548 versuchte Wiederbelebung – 1555 Aufhebung – 1796 Brand der Klosteranlage Patrozinium: CyriacusOrdensgliederung: 1110–13. Jh. Frauenpriorat der Benediktinerabtei St. BlasienKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Neuenburg |
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| Beschreibung: | Name: ad ecclesiam sancti Cyriaci martyris in villa Sulziberg vocata (993);1 ad casam dei, quae est constructa in loco qui dicitur Mons Salsuginis in honore sancti Ciriaci martyris […] ad usum sanctimonialium ibidem Deo servientium sub regula sancti Benedicti abbatis (1010, geschrieben um 1200);2 sanctimoniales de Sulzperc (1157);3 ad cellam Sulzeberc nominatam […] in eodem claustro (1160/66);4 magistra et conventus monasterii de Sulzeberg (1266);5 des klosters ze Sulzberg (ca. 1330)6 GeschichteHistorische EntwicklungIm Jahr 993 gab König Otto III. (983–1002) auf Bitten des Breisgaugrafen Birchtilo alles, was er im Tal Sulzberg (in valle Sulziberg) besaß an die Kirche (ecclesia) des Hl. Märtyrers Cyriak am Ort Sulzberg (in villa Sulziberg).7 Diese vieldiskutierte Königsurkunde ist der erste Nachweis für die Kirche des später begründeten Klosters Sulzburg, das in den Quellen Zeit seines Bestehens »Sulzberg« genannt wird. Kirche und Kloster entstanden in einem durch den Sulzbach gebildeten Tal in Schwarzwaldrandlage, in dem archäologisch Bergbau nachweisbar ist und gesichert um die Jahrtausendwende Silber (und Blei) gefördert wurde. Dadurch erklärt sich die Bedeutung der königlichen Schenkung an die Kirche des Hl. Cyriak. Ob mit der ersten Erwähnung dieser »Kirche« (ecclesia) auch die Anfänge des späteren Frauenklosters verbunden sind, ist jedoch nicht mit Gewissheit zu sagen, da die frühe urkundliche Überlieferung zum Kloster im späten 12. Jahrhundert massiv verfälscht wurde. Nachrichten über die anfängliche Ausstattung der Kirche mit namentlich genannten Besitzungen, oder über den Eintritt des Grafen Birchtilos in sein Kloster und seine Bestattung in der Kirche bleiben deshalb ebenso fraglich wie die Existenz einer religiösen Frauengemeinschaft schon im frühen 11. Jahrhundert.8 Gesichert ist hingegen, dass König Heinrich II. (1002–1024) im Jahr 1004 an einen Kleriker Bezelin zum Dienst des Hl. Cyriakus das Recht zur Errichtung eines Marktes in Rinka/Rinken übertrug9 und dass der Bischof von Basel von dessen Nachfolger Konrad II. (1024–1039) im Jahr 1028 Silbergruben im »Tal Sulzberg« (in valle Sulzberc) zugestanden bekam.10 Seitdem hatte Basel Herrschaftsrechte über die Kirche und das Tal. Eindeutig belegt ist eine Frauengemeinschaft erst am Beginn des 12. Jahrhunderts. Ita, die Gemahlin des Gründers von →Bürgeln, Werner von Kaltenbach, sei gemeinsam mit anderen Schwestern auf Geheiß des Abtes von →St. Blasien aus →Berau nach Sulzburg gekommen, so weiß das um die Mitte des 12. Jahrhunderts entstandene Chronicon Bürglense.11 Sulzburg reiht sich dadurch ein in die von St. Blasien aus begründeten Frauenpriorate neben Berau etwa →Bürgeln und →Sitzenkirch. Diese konnten durchaus an die Stelle von bereits bestehenden (Eigen-)kirchen treten. Die anfängliche Förderung der von St. Blasien ausgehenden Klosterreformbewegung durch die Bischöfe von Basel könnte zudem erklären, wieso es gerade in Sulzburg zur Einrichtung dieses Frauenpriorats kam. Denn Sulzburg war bis ins 12. Jahrhundert – neben Breisach – die wichtigste Basler Besitzung rechts des Rheins; in einer um 1200 auf Papst Innozenz II. (1130–1143) gefälschten Besitzbestätigung von angeblich 1139 steht deshalb das claustrum Sulzburg an der Spitze der Basler Besitzungen in diesem Raum.12 Eine Serie von Urkundenfälschungen gegen Ende des 12. Jahrhunderts, deutet zwar daraufhin, dass sich das Hochstift im herrschaftlichen Besitz des Klosters zu behaupten versuchte,13 damit aber offensichtlich im 13. Jahrhundert scheiterte. Allein in spiritualibus unterstand das im Bistum Konstanz gelegene Kloster bis zu seinem Ende im 16. Jahrhundert weiterhin dem Bischof von Basel. In seiner inneren Verfasstheit zeigt Sulzburg in den ersten Jahrhunderten seines Bestehens charakteristische Züge eines Sanblasianer und damit cluniazenisch geprägten Frauenpriorats. Vorsteher des Klosters war ein Prior, der dem Abt eines übergeordneten Klosters unterstand; aufgrund dieser auch rechtlich relevanten Struktur ist die Überlieferungschance für weibliche Vorsteherinnen bzw. einzelne Nonnen des Konvents in den Urkunden gering. Während deshalb anfangs sanctimoniales de Sulzperc nur summarisch genannt werden,14 kennen wir einzelne Prioren und die Äbte der Vaterklöster. Bemerkenswert ist, dass die Klöster, denen das Priorat Sulzburg zugeordnet war, häufiger wechseln. Nach St. Blasien werden die Äbte von Trub (1157)15 und Erlach (1187)16 (beide Kt. Bern) genannt, also von dem Basler Bischof unterstehenden Abteien; 1210 dann erstaunlicherweise der Abt von →Gengenbach, der nichts mit Basel zu tun hatte.17 Diese schwankende Zuordnung des Priorats dürfte Ausdruck von Spannungen zwischen den Bischöfen von Basel und dem Kloster St. Blasien sein, aus der Sanblasianer Unterordnung hatte sich Sulzburg dabei schon bis 1157 gelöst. Im Laufe des 13. Jahrhunderts emanzipierte sich das Priorat dann aus der Abhängigkeit von einem Abt, die Vorsteherin und der Konvent werden rechtsfähig und stellen Urkunden aus, ohne dass ein Prior genannt werden muss. Die erste Urkunde, die diesen Wandel anzeigt, hat sich aus dem Jahr 1266 erhalten. Meisterin und Konvent des Klosters von Sulzburg (magistra et conventus monasterii de Sulzeberg) verleihen einem Freiburger Bürger Güter zu Schallstadt, sie bekräftigen die Urkunde mit einem Siegel des Konvents.18 In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wird in weiteren Urkunden offenkundig, dass Sulzburg eigenständig geworden war. Es blieb für dreihundert Jahre, bis zur Auflösung im Jahr 1523 bzw. 1555 ein Benediktinerinnenkloster, an dessen Spitze eine Meisterin, ab 1442 auch Äbtissin, stand. An ihrer Seite wirkte ein Prior, der noch im Konstanzer Liber Decimationis von 1275 als Verantwortlicher für das Kloster erscheint.19 An weiteren Ämtern ist nur eine Seelgeräterin nachweisbar.20 Über die Größe des Konvents lassen sich keine Aussagen treffen, die wenigen Namen bekannter Vorsteherinnen und Klosterfrauen verweisen auf Adel aus dem Elsass bzw. Basel (Rathsamhausen, Flachslanden), aus Freiburg (von Munzingen) oder aus dem Umfeld des Klosters (Herren von Staufen); seit dem 15. Jahrhundert erscheinen auch immer wieder Angehörige von Bürgerfamilien. Die Vogtei über das Kloster und das dieses umgebende Klostergut im Sulzbachtal hatten zuerst die Herren von Üsenberg inne. Kaum belastbar erscheint dafür ein Beleg von 1157,21 ausdrücklich ist ihre Vogtei erst spät, im Jahr 1294 belegt,22 auch wenn es schon ab der Mitte des 13. Jahrhunderts indirekte Hinweise darauf gibt.23 Sie hielten die Vogtei bis zum Ende der Familie 1379, ihnen folgten dann die Markgrafen von Hachberg24 und letztlich ab 1415 die Markgrafen von Baden. Einen Einschnitt für die Entfaltungsmöglichkeiten des Klosters bedeutete die Gründung der Stadt Sulzburg vor 1283 durch die Üsenberger Vögte. Zuvor unterstand das ganze Tal dem Kloster, das unter Vorsitz der Äbtissin bzw. ihres Vogtes das Dinggericht über all seine Bewohner als Gotteshausleute ausübte, wie ein vor 1283 entstandener Dingrodel zeigt.25 Durch die Gründung der Stadt wurden die Bewohner des Tals zu Bürgern der Stadt, ihnen gegenüber behielt das Kloster zwar noch gewisse Rechte und Einkünfte – wie den Hofstättenzins –, andere aber wie die Gerichtsbarkeit verlor es.26 Eine Urkunde Hessos IV. von Üsenberg († 1306) von 1294 grenzte die Rechte von Kloster und Stadt deutlich voneinander ab;27 Hesso von Hachberg († 1410) bestätigte bei seinem Antritt als Vogt die Privilegien und Freiheiten der Meisterin und des Konvents und regelte Details der Beziehung zwischen Kloster Stadt, wie die Allmende- und Weidenutzung, Wege- und Wasserrechte oder Verpflichtungen und Dienste der Vögte.28 Die Waldnutzung gab Anlass für weitere Auseinandersetzungen und scheint noch in Urkunden des 15. Jahrhunderts immer wieder als Streitpunkt auf.29 Trotz der Gründung der unmittelbar angrenzenden Stadt waren die Jahrzehnte um 1300 durch einen Aufschwung des Klosters gekennzeichnet, wie sich an einer gesteigerten Bautätigkeit, finanziert durch eine Serie von Ablässen, erkennen lässt.30 Zur inneren Geschichte des Konvents im späteren Mittelalter lässt sich kaum etwas sagen. Im 15. Jahrhundert bemühte sich das Kloster offenbar seine Freiheit zu bewahren, die sich vor allem an der Stellung der Äbtissin und deren Erhebung zeigt; bemerkenswert ist eine petitio, die Agnes Lupin und der Konvent im Jahr 1441 vor das Basler Konzil brachten.31 Sie baten darum die Äbtissinnenwürde im Konvent »wieder« einzuführen. Das Kloster habe sie einst besessen, dann aber durch Misswirtschaft verloren, weshalb es nur noch von einer Meisterin geleitet werde, was dem Kloster auch im Vergleich mit anderen Abteien geschadet habe. Die kanonische Wahl der Äbtissin solle künftig wieder beim Konvent liegen, deren Bestätigung dem Bischof von Basel zustehe, »dem das Kloster auf ewig unterworfen bleibe« (cui dictum monasterium perpetuo subiectum remanere).32 Das ist ein deutliches Zeichen für Bemühungen sich durch den Rekurs auf den Basler Bischof Selbständigkeit zu erhalten; im Basler Liber Marcarum wird ebenfalls 1441 festgehalten, dass es dem Bischof von Basel zukomme, die Äbtissin von Sulzberg zu providieren und zu investieren.33 In den Jahren 1458 bis 1460 ist dann erkennbar, dass sich die 1441 greifbaren Anstrengungen der Äbtissin und des Basler Bischofs wohl gegen die Übergriffe der Klostervögte, der Markgrafen von Baden, richteten. Denn Äbtissin Margarethe von Flachslanden erwirkte 1460 von Papst Pius II. (1458–1464) ein Mandat, das sich an den Basler Bischof Johannes von Venningen (1458–1478) und gegen Markgraf Karl I. (1453–1475) wandte, der sich 1459 vom Papst die Möglichkeit zur Reform von Klöstern in seinem Territorium zusichern ließ, und vielleicht auf dieser Grundlage versuchte, in Sulzburg einzugreifen.34. Der Markgraf habe, so das päpstliche Mandat, die Äbtissin in ihrer Amtsführung behindert und den Besitz des Klosters geschädigt.35 Da das Kloster der iurisdictio und superioritas des Bistums Basel unterstehe und diesem die Vergabe der Äbtissinnenwürde zustehe, solle der Bischof es vor dem Markgrafen schützen. Margarethe von Flachslanden resignierte nach zehn Jahren und zog ins Stift Ottmarsheim. Dennoch konnte sich das Kloster auch am Ende des 15. Jahrhunderts noch halten; vor allem durch das Wirken tatkräftiger Pröpste, von denen Georg Locher, der Schaffner des Klosters St. Alban vor Basel, hervorragt, der von 1476 bis zu seinem Tod 1520 Propst von Sulzburg war; 1479 wird er administrator des Klosters genannt.36 Aus der Amtsführung von Locher hat sich eine Serie von Jahresrechnungen erhalten,37 hier wie in St. Alban, Zeichen seiner administrativen Fähigkeiten, die die Grundlage für neuerliche Bautätigkeit bildeten. Von Lochers Aktivitäten zeugen noch heute eine Bauinschrift in der Holzdecke der Kirche (von 1510) und sein Grabstein im rechten Seitenschiff (nach 1520, Abb. 3). In welchem Umfang zu Lochers Zeit noch Nonnen im Kloster waren, lässt sich nicht mit Sicherheit bestimmen, bis Ende der 1480er Jahre werden zwei genannt. Wohl erst am Beginn des 16. Jahrhunderts hatte das Kloster neue – nun Priorinnen genannte – Vorsteherinnen: 1510 wird eine Elisabeth erwähnt,38 1514 eine Anna Locherin,39 wohl eine Verwandte des Propstes, und zuletzt Gunse Spörlin, die 1523 aus dem Kloster gewiesen wurde. Die Ursache dürfte gewesen sein, dass 1515 Markgraf Ernst von Baden(-Durlach) als Statthalter der badischen Oberlande in Sulzburg residierte, was einen direkten herrschaftlichen Zugriff auf das schwach besetzte Frauenkloster ermöglichte. Nach dem Auszug der Priorin 1523 wurde die Verwaltung durch einen Schaffner eingerichtet. Nach dieser ersten Auflösung gab es Basler Restitutionsversuche, die 1548 kurzzeitig zum Erfolg führten; endgültig aufgehoben wurde das Kloster dann mit der Einführung der Reformation in der Markgrafschaft im Jahr 1556. Besitz und WirtschaftDas Kloster Sulzburg, und damit der Bischof von Basel, besaßen vor der Stadtgründung das ganze Sulzbachtal, wie aus im Umfeld der Stadtgründung Sulzburgs 1283 entstandenen Urkunden sichtbar wird.40 Seine wirtschaftliche Bedeutung lag im Silberbergbau. Die Einkünfte aus dem Sulzbachtal blieben für das Kloster auch nach der Stadtgründung wichtig, da es hier noch Grund und Boden sowie Wald- und Weiderechte besaß. Daneben wurden ihm von Bürgern der Stadt und des Tals der Hofstättenzins geleistet, es besaß Äcker, Matten und Reben (am Kastelberg) sowie, seit dem 14. Jahrhundert nachweisbar, zwei Mühlen: die beim Kloster gelegene »Klostermühle« und die »Mühle im Tal«, am Sulzbach oberhalb der Stadt.41 Außerhalb des Sulzbachtals, in der Rheinebene vergab König Heinrich II. 1004 zur »Förderung des Dienstes des Hl. Cyriak« die Erlaubnis zum Einrichten eines Marktes in »Rinka« (Steinenstadt bei Neuenburg am Rhein) mit Zoll, Königsbann und öffentlichen Rechten.42 Spätestens mit der Gründung der Stadt Neuenburg (um 1175) dürfte »Rinka« endgültig an Bedeutung verloren haben. Eine am Ende des 12. Jahrhunderts in Basel für eine verfälschte Königsurkunde Otto III. von 993 erstellte Besitzauflistung nannte zudem als von dem vorgeblich in Sulzburg bestatteten Birchtilo an das Kloster übertragene predia: in der Rheinebene, auf Höhe des Klosters gelegen das erwähnte Rinka, Buggingen und Wilre (Gallenweiler); im nördlichen Breisgau Vörstetten und Reute sowie (Nieder-)Rimsingen am Tuniberg.43 Dazu kommen in einer ebenfalls verdächtigen, Ende des 12. Jahrhunderts überlieferten Basler Bischofsurkunde von 1010 noch Güter in Holzhausen (bei Vörstetten und Reute) sowie Bischoffingen im Kaiserstuhl und Seefelden (bei Buggingen).44 Unabhängig von der Diskussion über die Echtheit dieser Urkunden zeigen diese zumindest für das Ende des 12. Jahrhunderts entweder noch vorhandene oder zumindest noch mit guten Gründen beanspruchte Begüterung des Klosters an. Diese Besitzschwerpunkte blieben im Wesentlichen erhalten, auch wenn detaillierte Einblicke erst wieder am Ende des 15. Jahrhunderts möglich sind. Zinsrödel von etwa 1330 verzeichnen nur die Einkünfte im Kirchspiel Ballrechten und in Sulzburg und seinem Bann.45 Umfassender dokumentieren dann Einnahme- und Ausgabenregister des Propstes Georg Locher die Einkünfte des Klosters (1476–78).46 Aus ihnen wird sichtbar, dass das Kloster weiterhin Grundbesitz in der dem Sulzbachtal vorgelagerten Rheinebene, mit den alten Schwerpunkten um Buggingen und Seefelden, hatte und darüber hinaus im südlichen und westlichen Vorland des Tunibergs (Niederrimsingen, Gündlingen, Merdingen) sowie im Bereich von Staufen, Kirchhofen und Ehrenstetten begütert war. Der Besitz konzentrierte sich zu diesem Zeitpunkt mit Ausnahme der Orte um den Tuniberg im Nahraum um das Kloster; verloren gegangen waren Reutte und Vörstetten, im letzteren verkaufte das Kloster in der Mitte des 14. Jahrhunderts seinen Hof an die →Johanniter in Freiburg, von denen es den Hof Alzenach in Gündlingen erwarb.47 Das Patronatsrecht über Vörstetten verloren die Frauen wohl mit dem Verkauf des Hofes im Jahr 1347, während es ihnen zuvor gelungen war, die Pfarrei von (Nieder-)Rimsingen zu inkorporieren.48 (Nieder-)Rimsingen ist seit 1010 kontinuierlich im Besitz des Klosters belegt, schon 1157 legte der Basler Bischof einen Zehntstreit zwischen den Nonnen und ihrem Priester in Rimsingen bei, was das Patronatsrecht des Klosters belegt.49 Insgesamt galt das Kloster im späten Mittelalter durchaus als vermögend. Im Liber Marcarum der Diözese Konstanz (um 1360/70) erscheint es mit einer Abgabe von 120 Mark, und steht damit unter 22 Konventen im Breisgau an sechster Stelle, deutlich vor anderen vormaligen Sanblasianer Frauenprioraten wie Bürgeln, Gutnau oder Sitzenkirch.50 Religiöses und kulturelles WirkenSpuren eines religiösen und kulturellen Wirkens sind überschaubar. In den Patronatspfarreien (Nieder-)Rimsingen und Vörstetten organsierte das Kloster die Seelsorge; die Klosterkirche in Sulzburg diente zudem als Pfarrkirche der angrenzenden Stadt. 1391 errichtete in ihr auf dem St. Katharinenaltar Anna von Schwarzach eine Messstiftung für einen Weltpriester, der wöchentlich fünf Messen halten sollte. Der Priester sollte vor Ort präsent sein und durfte keine anderen, auswärtigen Pfründen annehmen; die Besetzung der Pfründe stand zuerst Meisterin und Konvent des Klosters zu, sollten diese sie nach Monatsfrist nicht vollzogen haben, dann Schultheiß und Rat der Stadt; Streitigkeiten entschied ein paritätisch aus Nonnen und Ratsmitgliedern zusammengesetzter Ausschuss.51 Von dieser gut dokumentierten Messstiftung ausgehend, deren Inhaber seit der Einrichtung 1391 bekannt sind, entwickelte sich die spätere Pfarrei Sulzburg. Ein bemerkenswertes Nekrologfragment um 1200 zeigt die im Kloster gepflegte Memoria, wobei neben der vereinzelten Erwähnung von Schwestern, Konversen und Stiftern des Klosters die Erinnerung an Kaiser Friedrich Barbarossa (1152–1190) und den Basler Bischof Liutold von Rötteln (1191–1213) hervorragen.52 Ob und in welchem Umfang das erhaltene Verwaltungsschriftgut im Kloster selbst entstanden ist, lässt sich nicht entscheiden. Bemerkenswert erscheint, dass sich im Spätmittelalter in Urkunden des Klosters die Behauptung findet, dass die Grafen von Habsburg die Stifter Sulzburgs gewesen seien, zuerst 1388,53 dann öfter im 15. Jahrhundert.54 Das könnte auf eine im Kloster entstandene historiographische Tradition hinweisen, die dessen Eigenständigkeit gegenüber den Vögten und den Bischöfen von Basel betonen sollte. Bibliothek und ArchivAuf eine Bibliothek des Klosters weist nichts hin. Reste des Archivs finden sich heute vor allem im Bestand A 103 des Archivs der Alten Diözese Basel in Pruntrut (Porrentruy) sowie im Bestand 21 Vereinigte Breisgauer Archive des Generallandesarchivs Karlsruhe. Bau- und KunstgeschichteLageDas Kloster erhob sich nordöstlich außerhalb der Stadt, jenseits des Sulzbachs. Die Klostergasse führte von Südwesten in die Klosteranlage hinein, von der seit einem Brand 1769 vornehmlich die Kirche erhalten blieb. Der Friedhof lag westlich und nördlich der Kirche, die dreiflügelige Klausur des Spätmittelalters an ihrer Südseite. Der Wirtschaftshof schloss nach Südwesten hin an. Die Klostermauer ist partiell im neuzeitlichen Zustand erhalten. Kirche und KonventsbautenDie heutige evangelische Pfarrkirche St. Cyriak ist von hoher Bedeutung als einzige im Südwesten des Reichs anschaulich erhaltene frühmittelalterliche Frauenklosterkirche. Nach intensiven archäologischen und bauhistorischen Forschungen 1933/34 und 1956–64 wurde das Bauwerk 1962–64 stark rekonstruierend wiederhergestellt, unter weitgehender Zerstörung der hochmittelalterlichen bis barocken Umbauten und Ausstattungen. Die Grabungen, Bauuntersuchungen und Restaurierungen sind nicht angemessen publiziert; wesentliche Details blieben zwischen den Bearbeitern umstritten. Vorerst sind nur hypothetische Aussagen zu Baugeschichte und Baugestalt möglich. Der Gründungsbau war eine dreischiffige, holzgedeckte Basilika mit einem Altarraum und einer elliptischen, überwölbten Apsis am Ostende des Mittelschiffs sowie einer gleichartigen Apsis im Westen (mit Eingang?). Vom Mittelschiff erhalten sind jeweils drei Arkaden, die auf schmucklosen Pfeilern ruhen (zwei im Westen 1962/64 rekonstruiert) und die kleinen Rundbogenfenster vor allem der Nordseite. Unterhalb der Decke läuft ein gemalter, perspektivischen Mäanderfries um (mehrfach übermalt). Das deckend verputzte Mauerwerk besteht aus plattigen Bruchsteinen; der Fußboden war ein Mörtelestrich auf sorgfältig gesetzter Stickung. Zwei im jüngeren Turm zweitverwendete Holzbalken sind 996 (d) datiert und könnten die Zeitstellung des Gründungsbaus sichern. Frühe Bestattungen fehlen im archäologischen Befund. Bei einem Umbau wohl des 11. Jahrhunderts wurde der Altarraum stark erhöht und darunter eine ungewöhnlich gestaltete Krypta (Abb. 7) eingebaut. Sie ist über einer einzigen, schmucklosen Säule mit vier sich rechtwinklig schneidenden Tonnen gewölbt. Zwei schmale Treppen führen aus dem Chorbereich seitlich in die Krypta hinab, zwei breitere, steile Treppen daneben auf den um 2 m angehobenen Altarraum hinauf. Im Mittelschiff teilte nun eine gemauerte Schranke mit mittlerem Durchgang den damals leicht aufgehöhten Chorbereich ab. Wohl nach dem Übergang an →St. Blasien wurde die Westapsis 1107 (d) durch einen querrechteckigen Westturm ersetzt, dessen Erdgeschoss sich durch den ehemaligen Apsisbogen zum Mittelschiff öffnet. Im späteren 13. Jahrhundert hat der Konvent seinen Chorbereich stärker abgeschlossen, um eine Achse nach Westen vergrößert und zusammen mit dem Südseitenschiff stark aufgehöht. Die beiden westlichen Langhausarkaden wurden durch weite Rundbögen ersetzt, so dass dort ein abgetrennter, breiter Laienraum entstand. Laienraum, Seitenschiffe und Altarraum erhielten Ziegelplattenfußböden. Fundamente und Dachansatz einer zweigeschossigen, im 19. Jahrhundert abgebrochenen Westvorhalle werden mit der 1309 geweihten Michaelskapelle identifiziert. Die Stuckreliefs des Salvators und zweier kniender Stifter an der heutigen Westfassade sollen von dieser Vorhalle stammen. Im frühen 16. Jahrhundert wurde der Chorbereich seitlich abgeschlossen und erneut aufgehöht. Eine neue Ostwand nahm nun die veränderten Zugänge zu Krypta und Altarraum auf. Das Südseitenschiff wurde in den Neubau der Klausur einbezogen, der verbliebene Laienraum mit einem neuen Steinplattenboden versehen. Das Hauptschiff erhielt auf der Südseite drei spätgotische Maßwerkfenster im Chorbereich, ein viertes im Laienraum, ein neues, steileres Dachwerk (1509 d) sowie eine beschnitzte Flachdecke. Diese Holzdecke weist auf dem östlichen Querstreifen eine Bauinschrift von 1510 auf, die Georg Locher als Administrator und Prior sowie den Schreiner Jakob Bart von Staufen nennt. Nach der Reformation wurden das Nordseitenschiff abgebrochen, Emporen im Osten eingebaut, 1741/42 (d) das Mittelschiffdachwerk erneuert, 1827/30 die Westvorhalle entfernt. Die spätmittelalterliche, um einen Kreuzgang gruppierte Klosteranlage südlich der Kirche fiel 1769 einem Brand zum Opfer. Ihre Baugestalt ist in Stadtansichten von ca. 1580/90 und 1640 überliefert, kleinräumig archäologisch dokumentiert, bauhistorisch und geophysikalisch sondiert. Im 1770 (d) wiederhergestellten Südflügel hatten sich 1749 der Haupteingang und die ehemalige Konventstube befunden; der unterkellerte Westflügel war wohl der Sitz des Priors. Baureste des hochgotischen Ostflügels waren um 1890 noch erhalten. Von Konventsbauten des 10.–12. Jahrhunderts sind bislang nur einzelne Mauerzüge archäologisch erfasst; sie hatten vermutlich keine geschlossene Klausur gebildet. Materielle Kulturgeschichte und BauausstattungIn Folge der Reformation ist die Ausstattung weitgehend verloren. Zahlreiche Reste früh- bis spätmittelalterlicher Wandmalereien wurden in Kirchenraum und Krypta unter jüngeren Tünchen aufgedeckt (teilweise abgenommen). In der Ostapsis waren Reste der gotischen Piszina und die Fundamente des zweimal erneuerten Hochaltars erhalten. An liturgischen Geräten besaß der Konvent 1524 ein Kopfreliquiar des Hl. Cyriak und zwei silberne Armreliquiare.55 BibliographieHandbücher und Lexika: Dehio, Baden-Württemberg Bd. 2, S. 696–699 (Wolfgang Kaiser); KDM Bd. 5, S. 148–153 (Franz Xaver Kraus); kloester-bw, Benediktinerinnenkloster Sulzburg (Wilbirgis Klaiber/Karl-Heinz Braun); Oswald/Schaefer/Sennhauser 1990, S. 327 f. Literatur: Martini 1880; List 1964; 1966; Tschira 1966; Rosner 1991, S. 40, 255 f., 352–354; Zettler 1993; Treffeisen 1993; Kälble 2005; Müller/Vogel 2005. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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