Neuenburg, Kapuziner
| Kurzbeschreibung: | zwischen 1252 und 1261 Ansiedlung der Franziskaner – um 1294 Baubeginn – 1349 erste sichere Nennung des Klosters – 1527 Aufhebung – 1612 Gründung des Kapuzinerklosters – 1615 Weihe der Klosterkirche - 1675 Zerstörung und Auflösung des Klosters Patrozinium: MariaOrdensgliederung: Oberdeutsche (Straßburger) (Minoriten-) Provinz, Kustodie Basel; 1612 Schweizerische Kapuzinerprovinz, Kustodie Baden, 1616 Kustodie Konstanz, 1617 Kustodie Freiburg; 1668 Vorderösterreichische Kapuzinerprovinz, Kustodie FreiburgKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Neuenburg |
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| Beschreibung: | Name: barfussen von/ze Nuwenburg (1358, 1392);1 fratres Minores in Nuwenburg (1365);2 closter ze den Barfussen (1434);3 Barfusser closter (1530);4 PP Capucini (1612)5 GeschichteDie ersten Mönche etablierten sich wohl ab 1252 im Zuge der Übernahme der Stadtherrschaft des Grafen Konrad I. von Freiburg (1236/37–1271), ein nachweislicher Förderer der →Freiburger Franziskaner. Spätestens 1261 ist eine Niederlassung wahrscheinlich, da die Mönche als potentielle Beichtväter des in unmittelbarer Nähe der Stadt gelegenen →Klosters Gutnau genannt werden.6 Der erste gesicherte Beleg für das Kloster liegt allerdings erst aus dem Jahr 1349 vor.7 Der Baubeginn des Klosterkomplexes dürfte aufgrund chronikaler Berichte um 1294 erfolgt sein.8 Papst Johannes XXIII. (1410–1415) wurde auf der Flucht vom Konzil zu Konstanz 1415 hier einquartiert. Zum Zeitpunkt der Auflösung lebten acht Mönche im Kloster, das zu den Konventualen zählte. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts litt das Neuenburger Franziskanerkloster unter starkem Mangel an Mönchen, wobei es von 1510 bis Dezember 1515 wohl verwaist war.9 Am 13. September 1527 erfolgte seine offizielle Aufhebung, verbunden mit der Umwandlung der Klosterkirche in die neue Stadtpfarrkirche.10 Das Marien-Patrozinium des durch Hochwasser zerstörten Münsters wurde auf die ehemalige Klosterkirche übertragen. Die Mönche schob man nach Zahlung einer Entschädigung nach Straßburg ab. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts ist Besitz in Form eines Gartens nachzuweisen.11 Der erste schriftliche Nachweis einer Zinseinnahme datiert auf den 4. August 1358.12 Ein vielleicht für Gäste genutztes Häuslein der Franziskaner (der Barfusß huselin), gelegen zu Neuenburg an der Stadtmauer in der Nähe des Müllheimer Tores, wird 1455 sichtbar.13 Erblehenausgaben von Gütern sind für das 15. Jahrhundert nachzuweisen. Zahlreiche Urkunden belegen rege Aktivitäten auf dem Neuenburger sowie breisgauischen Kreditmarkt. Geldzinsen, die die Mönche zum Zeitpunkt der Klosterauflösung bezogen, kamen zu 78 Prozent aus Neuenburg beziehungsweise lasteten auf Immobilien in und um die Stadt.14 Aus insgesamt 32 über den südlichen Breisgau und das Markgräflerland verteilten Orten bezog das Kloster Geldeinnahmen. Die Neuenburger Franziskaner nahmen zu Ende der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts Jahrzeiten entgegen. Sie führten ein nicht mehr erhaltenes Jahrzeitenbuch sowie im 15. Jahrhundert zusätzlich ein Forderungsverzeichnis (heischrodel).15 Die umfänglich nachzuweisenden Stifter und Stifterinnen aus dem niederadligen und patrizischen Umfeld wurden ab der Mitte des 15. Jahrhunderts durch Vertreter aus der Neuenburger Kaufmannschaft sowie dem Handwerkermilieu ergänzt beziehungsweise abgelöst. Konflikte zwischen dem Neuenburger Franziskanerkloster und den anderen innerstädtischen geistlichen Einrichtungen sind nicht dokumentiert. Noch zu Ende des Mittelalters zogen die Mönche freitags bettelnd von Haus zu Haus, wobei ihnen die Stadt regelmäßig 20 Brote aushändigte.16 Die seelsorgerische Betreuung des Almosens der gereiti, das in einer Bruderschaft organisiert war, oblag ihnen.17 Ebenso ist die seelsorgerische Betreuung einer Schwesternsammlung anzunehmen. Nach dem Ende des Franziskanerklosters erwuchs in der Bürgerschaft nach Gründung des →Freiburger Kapuzinerklosters im Jahr 1599 der Wunsch, diesen Orden auch in ihrer Stadt anzusiedeln. 1612 konnten einige Kapuzinerpatres in das alte Franziskanerkloster einziehen. 1615 folgte die Weihe der neuen Klosterkirche. Die Kapuziner halfen in der Stadt wie im Umland in der Seelsorge aus und förderten die Gründung von Laienbruderschaften. Eine neue Etappe ihres Wirkens in der Stadt folgte, als diese 1633 vom Dreißigjährigen Krieg erfasst und zweimal von schwedischen Truppen bzw. deren Verbündeten besetzt wurde. Einerseits traten die Kapuziner als Fürsprecher der Einwohner der Stadt gegenüber Militärpersonen auf, andererseits engagierten sie sich in der Krankenpflege während zweier Pestwellen in den Jahren 1633/34 und 1639. Als wenige Jahrzehnte später der Holländische Krieg zur Zerstörung der Stadt und des Klosters im März und April 1675 führte, endete die Geschichte der Kapuzinerniederlassung. Die sechs verbliebenen Insassen – 1668 waren es noch 14 gewesen, darunter sieben Patres – wichen zunächst nach Schliengen aus. Das Kapuzinerkloster →Staufen im Breisgau trat 1683 dann die Nachfolge der Neuenburger Niederlassung an, da dieser Ort nun als zu unsicher galt. Bau- und KunstgeschichteDas Franziskanerkloster, über dessen Baugestalt wir aus historischen Quellen nichts erfahren, befand sich am nordöstlichen Rand der Stadt, angrenzend an die Stadtmauer, an der Stelle der heutigen katholischen Pfarrkirche und des Pfarrhauses auf einer ca. 6.250 m² großen Fläche (heute Dekan-Martin-Straße). Eine Abbildung im Gemarkungsplan von 1526 zeigt die Franziskanerkirche mit einem Dachreiter. Im Verlauf des Holländischen Erbfolgekrieges wurde die Kirche mit Ausnahme des Chors am 9. April 1675 durch Truppen des französischen Generals Vauban zerstört.18 1679 wurde am stehengebliebenen Chor ein Zelt errichtet. Dieses wurde erst 1699 durch den Bau einer Notkirche ersetzt.19 Nachdem sie gerade wiederaufgebaut und in ihr zwei Altäre geweiht worden waren, begann 1701 der Spanische Erbfolgekrieg. In dessen Folge wurde das Kloster 1704 bis auf den Keller geschleift.20 Einer dieser Gewölbekeller ist unter dem im 18. Jahrhundert neu errichteten Pfarrhaus (Franziskanerplatz 2) erhalten. Anstelle der Klosterkirche wurde 1725–27 eine neue Pfarrkirche erbaut. Diese wurde zwischen 1886–90 durch einen größeren Neubau ersetzt, der im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört wurde. Die heute bestehende Liebfrauenkirche, Franziskanerplatz 1, wurde ab 1953 wiederaufgebaut. Im Bereich Franziskanerplatz fanden sich bei Bauarbeiten zwischen 1941 und 1963 Reste von Kellergewölben, die zu den abgegangenen Konventsbauten gehört haben müssen.21 Beim Umbau der Pfarrscheune wurden 1987–90 Fundamente der ehemaligen Konventsbauten aus franziskanischer und kapuzinischer Zeit erkannt und dokumentiert.22 Funde von menschlichen Skeletten, die 194123 sowie 196924 an der Dekan-Meier-Straße angetroffen wurden, weisen auf den Pfarr- oder den Klosterfriedhof hin.25 Der ab 1612 nachweisbare Kapuzinerkonvent nutzte offenbar Teile des ehemaligen Franziskanerklosters. Es ist unklar, wie die Niederlassung baulich gestaltet war.26 Im so genannten Donaueschinger Musterbüchlein, das alle zwischen 1655 und 1664 errichtete Klöster der helvetischen Provinz erfasst, ist Neuenburg nicht aufgeführt.27 Die Bauten waren demnach älter und müssen nicht den im Musterbüchlein beschriebenen Prinzipien entsprochen haben. Klar ist hingegen, dass zumindest eine eigene, 1615 geweihte Kirche errichtet worden ist, die wohl zwischen der Liebfrauenkirche und dem Stadtgraben lag. Das Kapuzinerkloster hatte 27 Jahre nach seiner Gründung zumindest eine bauliche Ausstattung, so dass es zur Einquartierung französischer Offiziere genutzt werden konnte. Am 18. Juli 1639 verstarb Herzog Bernhard von Weimar im Neuenburger Kapuzinerkloster. Die Anlage wurde am 9. April 1675 von französischen Truppen niedergebrannt und danach aufgegeben. BibliographieQuellen: Urkunden Neuenburg I–IV. Handbücher und Lexika: AFA 1, S. 105–125 (Konstantin Schäfer); kloester-bw, Franziskanerkloster Neuenburg am Rhein (Jürgen Treffeisen); kloester-bw, Kapuzinerkloster Neuenburg am Rhein (Hillard von Thiessen). Literatur: Mayer 1975–1977; Treffeisen 2022. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
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