Staufen, Ursulinen 

Kurzbeschreibung:

1745 Niederlassung von fünf Schwestern aus dem Freiburger Kloster – 1777 Rückverlegung nach Freiburg

Ordensgliederung: Schwestern der Hl. Ursula von Dole
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Breisach

Ortsbezüge:
  • Staufen
  • Staufen im Breisgau, Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald
Ordensregel:
  • Ursulinen 1745-1777
Beschreibung:

Name: colonie der gesellschaft der hl. Ursula zu Staufen (1775)1

Geschichte

Die Benediktinerabtei →St. Blasien nahm 1745 aus dem heimatlos gewordenen Freiburger →Ursulinenkonvent vier Schwestern und eine Laienschwester in einem eigens dafür erworbenen Haus in Staufen auf und gewährte für deren Unterhalt jährliche Geldzuschüsse.2 Der Staufener Oberamtmann Gleichauf bezeugte dreißig Jahre später, dass die Ansiedlung vor allem von Euphemia Dorer betrieben worden sei, die das österreichische, jedoch an St. Blasien verpfändete Staufen als Standort einer neuen Ordensniederlassung ausgewählt habe. Tatsächlich stand Dorer mit Abt Franz II. Schächtelin von St. Blasien (1727–1747), ihrem laut Briefwechseln geistlichen sohn, in einem engen spirituellen Austausch,3 so dass sie offenkundig die Niederlassung in einer Ortschaft St. Blasiens anstrebte. Mit Staufen dürfte Dorer sich wegen einer hier 1742 empfangenen Vision besonders verbunden gefühlt haben.4 Die Schwestern verpflichteten sich, Mädchen unentgeltlichen Schulunterricht in schreiben, lesßen, nehen und allforderist im Christenthum anzubieten.5 Trotz der guten Verbindungen Dorers zu Abt Franz II. (und wohl auch zu dessen Vetter, dem Krozinger Propst Marquard Herrgott) war die Aufnahme in Staufen nicht herzlich: Auseinandersetzungen mit der Stadt zwangen St. Blasien, eine künftige Vergrößerung der Gemeinschaft, den Erwerb von Liegenschaften oder gar Steuerfreiheit von Anfang an zu untersagen. Als die Schwestern 1756 mit dem Vater einer Novizin das von St. Blasien gestellte Haus gegen ein anderes eintauschten, verschlechterte sich das Verhältnis nochmals; St. Blasien stellte die Zahlung der Zuschüsse ein. Erst Abt Martin II. Gerbert (1764–1793) gewährte der Gemeinschaft 1765 neuerlich Gelder, verlangte jedoch, innerhalb von zwölf Jahren einen Vermögensgrundstock zu bilden, aus dessen Zinsen die Staufener colonie hätte unterhalten werden können. Dies stellte sich als Unmöglichkeit heraus, da die Schwestern nicht zuletzt aus Staufen keine Zuwendungen erhielten. Auch die Einführung der österreichischen Normalschule bereitete dem Konvent offensichtlich Mühe, so dass das Freiburger Mutterhaus nach Ablauf der zwölf Jahre die Auflösung der Niederlassung beantragte. Nach dem Eintreffen der Genehmigung aus Wien verließen die Schwestern noch während des laufenden Winterschuljahrs im Dezember 1777 Staufen fluchtartig. Obwohl die Stadt mit dem Erlöschen der Ursulinenschule einen eigenen Mädchenschullehrer anstellen musste, entschloss sie sich erst spät zu einem schwachen und folgenlosen Protest, während St. Blasien und die vorderösterreichische Regierung in Freiburg den Wegfall des Mädchenunterrichts gleichgültig hinnahmen.6 Über die Ausgestaltung des Schulbetriebs wie auch über das religiöse Leben der kleinen Gemeinschaft ist nichts bekannt. In der Hauskapelle las ein Staufener →Kapuzinerpater täglich Messe;7 Beichtvater war der Stadtpfarrer.

Bau- und Kunstgeschichte

Das Kloster St. Blasien stellte den Schwestern 1745 ein Gebäude in der Jägergasse zur Verfügung (Jägergasse 4 und 6). 1756 vertauschte die Gemeinschaft es mit einem großen Haus in der Hauptstraße (Hauptstr. 34), auf dessen Südseite die Schwestern einen zweistöckigen Kapellenanbau ansetzen ließen (Hauptstr. 36). Die Patrozinien der Kapelle und des Altars sind unbekannt. Nach dem Wegzug der Schwestern wurde das Anwesen an den vermögenden Weißgerber Balthasar Metzger verkauft.8 An den Aufenthalt der Ursulinen erinnern heute nur noch die Rundbogenfenster der ehemaligen Kapelle.

Bibliographie

Handbücher und Lexika: kloester-bw, Ursulinenkloster Staufen (Wolfgang Hug).

Literatur: Hugard 1886; Amann 1904.

Anmerkungen

  • 1 GLA 223 Nr. 751.
  • 2 Das Folgende nach den Akten des Amts Staufen in GLA 223 Nr. 751 f.; Gegenakten des Klosters St. Blasien: GLA 223 Nr. 744, 755 f.; Gegenakte der Propstei Krozingen: GLA 223 Nr. 743.
  • 3 Amann 1904, S. 8 5-92.
  • 4 Amann 1904, S. 104 f.
  • 5 GLA 223 Nr. 751, Verfügung Abt Franz II. Schächtelin (30. 9. 1745); Genehmigung der Innsbrucker Regierung: GLA 223 Nr. 758 a; Genehmigung des Bischofs: EAF A 3/2922.
  • 6 GLA 200 Nr. 1711.
  • 7 GLA 223 Nr. 742.
  • 8 GLA 223 Nr. 751, 754
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Jörg Martin [Autor]
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