Staufen, Kapuziner
| Kurzbeschreibung: | 1683 Gründung durch Verlegung des zerstörten Kapuzinerklosters Neuenburg – 1685 Fertigstellung der Klosterkirche und Bezug des Konventsgebäudes – Wolltuchherstellung für die Klöster der Kapuzinerprovinz – 1821 Zentralkloster – 1834 Aufhebung – 1848 Teilabriss der Klosterkirche Ordensgliederung: Vorderösterreichische Provinz, Kustodie FreiburgKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Breisach; 1821/27 Erzbistum Freiburg |
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| Beschreibung: | Name: Capucinorum monasterium (1699)1 GeschichteSchon während des Dreißigjährigen Kriegs besaßen die Kapuziner des 1612 gegründeten →Neuenburger Klosters eine Wohnung in Staufen und übernahmen dort seelsorgerische Aufgaben.2 Überlegungen →Freiburger Franziskaner, sich in der Stadt anzusiedeln, wurden von Landesherr und Bischof dagegen blockiert, nicht zuletzt wegen der Befürchtung, das Land mit Bettelorden zu überfüllen. Zur Abwehr dieser Ansiedlungsbestrebungen besaßen die Neuenburger Kapuziner seit den 1650er Jahren in der Stadt erneut ein heizbares Zimmerchen, galt ihnen Staufen doch wegen der hohen Bettelerträge geradezu als ihr brotkasten.3 Sie hielten in der Folgezeit engen Kontakt zur Gemeinde,4 so dass nach der Zerstörung des Klosters in Neuenburg 1675 eine Verlegung nach Staufen auf der Hand lag. Allerdings zog sich die Neugründung nicht nur aufgrund von kriegerischen Ereignissen in die Länge. Sie wurde schließlich unter der Bedingung genehmigt, den bisherigen Bettelbezirk des Neuenburger Klosters zu erhalten, wo allein die Kapuziner auch seelsorgerische Dienste leisten durften.5 1683 legte Abt Roman von →St. Trudpert (1665–1694) den Grundstein für den Neubau auf einem von Bürgern und Stadt gestifteten Grundstück; 1685 war das Kloster fertiggestellt. Wenig später (1686) wurde die Niederlassung durch den Orden vom Status eines Hospizes zu einem Kloster mit Guardian aufgestuft. Die dafür von der Ordensregel vorgeschriebene Mindestzahl von zwölf Brüdern wurde von der Zahl der Zellen im Konventsgebäude nur knapp übertroffen.6 Mit der Weihe der Kirche war die Gründungsphase 1699 abgeschlossen. Die Patres waren der Bestimmung ihres Ordens gemäß in der Seelsorge innerhalb der Grenzen des Bettelbezirks tätig, der von Schönau im Wiesental bis zur Pfarrei Feldkirch am Rhein, und von Staufen bis Istein reichte. Sie werden in den Kirchenbüchern der zuständigen Pfarrgemeinden häufig als Zelebranten genannt, überdies waren sie gefragte Beichtväter. Während sich die Väter der Seelsorge widmeten, erbettelten die Laienbrüder innerhalb des Bezirks Lebensmittel und sonstigen Hausbedarf, was nach einem wohlwollenden Bericht noch 1806 ausdrücklich nicht als lästig galt.7 Das Kloster erhielt ferner feste Zuschüsse der Landesherrschaft, der Stadt Staufen und anderer Territorien und Gemeinden des Umlands. Die vorderösterreichische Kapuzinerprovinz beauftragte die Klöster Bregenz, Staufen und später auch Wangen im Allgäu mit der Fertigung von Kutten und Bettdecken für ihre Mitglieder.8 Infolge der Maßnahmen Kaiser Josephs II. (1765–1790) war der Staufener Konvent 1802 auf sieben Patres und drei Laienbrüder geschrumpft. Dem Kloster wurde das Begräbnisrecht entzogen; die Ordensangehörigen wurden fortan auf dem städtischen Friedhof beigesetzt (Gedenkplatte in der St.-Sebastian-Kapelle Staufen). Angesichts der Verkleinerung und zunehmenden Überalterung der nach einer ersten Auflösungswelle verbliebenen badischen Kapuzinerkonvente verfügte die Regierung 1821 die Zusammenführung der Konventualen in Staufen als sogenanntem Zentralkloster. 1821 übersiedelten die →Freiburger und →Waldshuter Kapuziner, 1825 und 1826 folgten jene aus →Oberkirch und →Radolfzell. Mit dem Zuzug kamen auch Kunstwerke und Buchbestände aus diesen Klöstern nach Staufen. Sinkende Belegungszahlen führten zur Abstufung des Konvents auf den Status eines Hospizes. Zunehmend war die Gemeinschaft auf Staatszuschüsse angewiesen, weil die betagten Mitglieder nicht mehr betteln gehen konnten; auch galt der Bettel als nicht mehr so erfolgreich wie ehedem. Schließlich, 1834, schloss das Innenministerium das Kloster, womit zugleich die vorderösterreichische Provinz des Ordens erlosch. Für den letzten verbliebenen Pater und die fünf Brüder wurden Pensionen ausgesetzt. Das Inventar des Konventsgebäudes, darunter die rund 1.100 Bände umfassende Bibliothek, wurde vom Staat versteigert, während das Inventar der Klosterkirche zunächst an die Stadt fiel, die im gleichen Jahr den gesamten Komplex zur Einrichtung einer Volksschule übernahm.9 Erst im Zuge des Abrisses des Chors der Klosterkirche im Jahr 1848 versteigerte die Stadt das Kircheninventar, von dem sich heute noch einige Kunstwerke in der Stadt befinden.10 Bau- und KunstgeschichteDas Kloster wurde in den Jahren 1683–85 200 m vor der Stadt errichtet, jenseits des Neumagens, dem aus dem Münstertal kommenden Bach, und in einer Straßengabelung. Die Kirche aus Langhaus und eingezogenem Chorbereich lag an der Münstertäler Straße mit der Chorachse nach Süden ausgerichtet. Das Geviert der Konventsflügel schloss westlich an. Das Refektorium dürfte im südlichen, an den Chor anschließenden Flügel gelegen haben. Im Süden erstreckte sich der ummauerte Obst- und Gemüsegarten. 1698 nahm man die Produktion einheitlicher Ordensgewänder auf. Dafür entstanden ein wollenhaus und ein eingeschossiges Nebengebäude innerhalb der Ummauerung westlich des Gevierts, sowie eine außerhalb gelegene, mit Wasserkraft betriebene Walke am Staufener Gewerbekanal.11 Nach der Säkularisation bestand das Kloster noch bis 1834 fort. Nach seiner Auflösung wurde es 1836 zu einem Schulhaus umgebaut. In diesem Zusammenhang musste der Nordflügel einer Vergrößerung des Schulhofs weichen, der Westflügel mit Lehrerwohnungen wurde weitestgehend neu errichtet und vom Südflügel mit zwei Schulsälen sind im Wesentlichen auch nur die Umfassungswände erhalten geblieben.12 Stand die Klosterkirche zunächst noch zum Gebet zur Verfügung, wurde das Inventar 1848 seitens der Stadt versteigert.13 An die Stelle des Chorbereichs trat der Neubau eines zweigeschossigen Verwaltungsgebäudes. Das Langhaus bekam eine neue Bestimmung als städtisches Magazin und Versammlungssaal, diente ab den 1880er Jahren als Schulturnhalle und wird bis heute von Sportvereinen genutzt. Die Hofseite wurde in den 1960er Jahren vollflächig verglast. Der »Kapuzinerhof«, wie der Baukomplex heute genannt wird, lässt mit seiner U-Form aus drei Flügeln die Anlage des früheren Klosters noch erahnen. Das Langhaus der Kirche besitzt an Nordgiebel und Osttraufe noch die alten Kirchenfenster und das Dachwerk aus der Bauzeit. Beim Umbau 2008/09 kamen im Giebel die zweite spiegelbildliche Fensteröffnung und im Inneren der Scheitel des Chorbogens unter dem Putz zum Vorschein. Innerhalb des früheren Langhauses stieß man in den 1960er Jahren auf Bestattungen. Die vom Dachraum her einsehbare Malerei, die sich einst unter der Decke entlang zog, dürfte den Versammlungssaal geziert haben. Von der früheren Ausstattung der Klosterkirche blieben einige Stücke erhalten. Für ein Gemälde an der Nordwand der Stadtkirche, das die Stigmatisation des Hl. Franziskus zum Thema hat, wird die Herkunft aus dem Kapuzinerkloster vermutet. Ein Bild des späten 18. Jahrhunderts ist als ›Kapuzinerfahne‹ geläufig, doch dürfte es sich um ein Altarblatt gehandelt haben. Es zeigt eine Szene aus dem Leben des Hl. Fridolin von Säckingen und geht vermutlich auf den Freiburger Maler Simon Göser zurück, es wird aufgrund seines schlechten Zustands aber nicht mehr öffentlich ausgestellt.14 Eine Abendmahlsdarstellung von 1609 befindet sich in städtischem Besitz. Vermutlich gelangten einige dieser Kunstwerke erst nach der Säkularisation aus anderen Kapuzinerklöstern nach Staufen. Für ein einst beidseitig bemaltes, später aufgetrenntes Altarbild, das um die Mitte des 15. Jahrhunderts datiert werden kann und Marin Schongauer zugeschrieben wird, ist die Herkunft aus dem Kapuzinerkloster Neuenburg über das Staufener Kloster überliefert.15 Die davon erhaltene Tafel in Privatbesitz zeigt die Hll. Sebastian und Arbogast. Teile der rahmenden Architektur des Hochaltars haben sich als Zier eines Rebhäuschens am Südhang des Schlossbergs überliefert. 2021 wurde es abgetragen, in etwas veränderter Form neu aufgebaut und wieder mit den Zierteilen versehen.17 BibliographieQuellen: Romuald von Stockach 1747, S. 193 f. Handbücher und Lexika: kloester-bw, Kapuzinerkloster Staufen (Hillard von Thiessen). Literatur: Hugard 1884; Roth 1978; Schmid 1982 (a). Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
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