Vogtsburg, Paulinereremiten St. Peter und Paul auf dem Kaiserstuhl
| Kurzbeschreibung: | 1344 (Eremiten-)brüder auf dem Kaiserstuhl erwähnt – 1373 Übergabe der Kapelle an Paulineremiten – 1464 Erwähnung eines monasterium ruinosum – um 1567 Auflösung Patrozinium: Peter und PaulOrdensgliederung: Deutsche Provinz, auch Rheinische bzw. Deutsche-rheinische Provinz bezeichnetKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Endingen |
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| Beschreibung: | Name: brueder uff dem Keiserstuol (1344);1 prior et fratres sancti Pauli […] in Sede Imperiali apud capellam apostolorum Petri et Pauli (1373);2 convent zu sanct Petir off dem Keiserstül gelegen, den man sprichet sanct Paulus brudern des ersten einsiedels sanct Augustinus orden (1411);3 monasterium Sedis Imperialis volgariter uff dem Kaiserstuol in Brisgaudia situm (1469);4 domus fratrum S. Pauli dictum Keiserstul exemptum Scti. Pauli p. e. (1493)5 GeschichteBereits 1327 und 1344 führen Urbare des Klosters →Adelhausen Güter von brueder(n) uff dem Keiserstuol auf.6 Ob diese brueder in Verbindung mit den späteren Paulinereremiten standen, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Möglich wäre dies, wenn mit dem Keiserstuol der Ort der den Aposteln Peter und Paul geweihten Kapelle auf dem Neulindenbuck/Totenkopf bezeichnet wird. Denn diese übergab 1373 der zuständige Vogtsburger Pfarrer dem Prior und den Brüdern des Hl. Paulus, um bei ihr ein Kloster zu erbauen.7 Treibende Kraft hinter der Schenkung der Peter-und-Pauls-Kapelle 1373 und damit ihrer Exemtion aus dem Pfarrverband dürfte der Herr der Herrschaft Höhingen und Patronatsherr von Vogtsburg Hesso V. von Üsenberg († 1379) gewesen sein, der, ähnlich wie die Stifter der meisten süddeutschen Paulinerklöster, ein Adeliger von mittlerem Rang war. Nach dem Erwerb der Herrschaft Höhingen durch die Markgrafen von Hachberg bestätigte Markgraf Hesso (1386–1410) 1387 den Paulinern ihre Rechte und übertrug ihnen die Pfarrei Vogtsburg mit all ihrem Besitz und ihren Rechten, vor allem dem Patronat.8 Im Gegenzug erkannten der Provinzial der deutschen Ordensprovinz und der Kaiserstühler Prior den Markgrafen als ihren Schutzvogt an. 1411 bekräftigte Otto II. (1410–1415), der Sohn Hessos von Hachberg die Schenkung seines Vaters.9 Die Nachfolge der Hachberger als Schutzvögte traten 1415 die Markgrafen von Baden an. Das Kloster gelangte nie zu nennenswerter Bedeutung, der Konvent blieb klein und zählte wohl kaum mehr als drei bis vier Mönche. Über sein Innenleben ist nichts bekannt. Im 15. Jahrhundert wird es in bischöflichen Abgabenregistern und Investiturprotokollen immerhin an etwas 20 Stellen aufgeführt. Es galt, wie der ganze Paulinerorden, als exemt. Die Pfarrei Vogtsburg wurde als dem Kloster St. Peter und Paul inkorporiert bezeichnet, der Provinzial präsentierte jeweils einen Mönch seines Klosters als Pfarrvikar, der meist nach wenigen Jahren wechselte. Mehr als kurze Erwähnungen sind über die wirtschaftlichen Verhältnisse nicht überliefert. In Vogtsburg bezog das Kloster Zehnten der Pfarrei, es besaß hus, hoff und trotten.10 1541 ist von Abgaben uff den Kaiserstuhl, der münch guott und der münch hoff im Ort die Rede.11 Noch 1567 erwähnt ein Urbar die münch uff dem Keiserstuol.12 Schon 1464 allerdings wird das Kloster als monasterium ruinosum bezeichnet.13 Um 1470 hatte der Elsässer Landvogt Peter von Hagenbach den Ort Alt-Vogtsburg niedergebrannt. Sicherlich erlitt auch das Kloster Schaden durch die Zerstörung von Gebäuden und den Verlust an Einnahmen. Nach 1475 sind außer den Pfarrvikaren von Alt-Vogtsburg keine Mönche mehr namentlich bekannt. Wann das Kloster im 16. Jahrhundert aufgelöst und verlassen wurde, bleibt ebenso im Dunkeln wie die Gründe. Bau- und KunstgeschichteDas Kloster war lange Zeit nicht eindeutig zu verorten. Die Schwierigkeit der genauen Lokalisierung gründet sich auf der Lagebeschreibung »auf dem Kaiserstuhl«. Heute versteht man darunter den gesamten vulkanischen Gebirgsstock in der Oberrheinebene, womit keine präzise Verortung möglich wäre. Bis in das späte 15. Jahrhundert, im örtlichen Sprachgebrauch sogar bis in das 20. Jahrhundert, bezeichnete man mit dem Namen »Kaiserstuhl« den höchsten Gipfel des Massivs, den Neunlindenbuck/Totenkopf. Archäologische Funde stützen die schon früh geäußerte Auffassung, dass das Kloster dort gelegen habe.14 Hier fanden sich noch Ende des 19. Jahrhunderts Ruinenreste, Fundamentmauern und Ziegelreste. Beim Bau des Neunlindenturms 1900 sowie bei Reparaturarbeiten an demselben 1935 traten Reste von Bestattungen hervor.15 Im 19. Jahrhundert stieß man auf dem benachbarten Gipfel des Totenkopfs auf Reste eines Gewölbes mit menschlichen Skeletten, das als Gruft der Paulinermönche gedeutet wurde. Auf den beiden Berggipfeln nördlich von Ihringen sind damit Reste des ehemaligen Klosters zweifelsfrei nachgewiesen. Zum Kloster gehörte auch das nordwestlich davon gelegene St. Eberhards-Bruderhaus. Schriftquellen geben vereinzelte Hinweise auf eine aus Kirche, Wohngebäude und Hofstatt bestehenden Anlage, die offenbar 1387 von einer Mauer umgeben war: […] gotzhuß, hus und hofstat zuo sant Petter uff dem Keyßerstuol […], als die müren ietzt begriffen und umbefangen handt.16 Es ist auf dieser Grundlage nicht möglich die Baugeschichte des Klosters im 14. und 15. Jahrhundert nachzuvollziehen. Schon 1464 wird die Niederlassung als monasterium ruinosum bezeichnet, wobei unklar ist, ob damit der bauliche Verfall oder eine wirtschaftliche Zerrüttung gemeint war.17 BibliographieHandbücher und Lexika: HelvSac IV,7, S. 945–981 (Elmar L. Kuhn); KB Freiburg Bd. 2,2, S. 828 (Wolfgang Stülpnagel); KDM Bd. 6,1, S. 107 (Franz Xaver Kraus/Max Wingenroth); kloester-bw, Paulinerkloster St. Peter auf dem Kaiserstuhl/Vogtsburg (Elmar L. Kuhn). Literatur: Poinsignon 1888; Keller 1960; Jenisch 2003 (b); Jenisch/Steffens 2003. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
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