Nimburg, Antoniter
| Kurzbeschreibung: | 1456 Gründung – um 1550 Aufhebung Patrozinium: Johannes der Täufer, AntoniusOrdensgliederung: Präzeptorat FreiburgKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Freiburg |
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| Beschreibung: | Name: eyn nuw pflantzung eins gotzhuses zuo Númburg […] uf die hofstett, da die pfarrkirch daselbs […] gelegen ist (1456);1 spital sancti Anthonii zu Obern Nümburg (1566)2 GeschichteIm Jahr 1456 trat Antoine Lyasse, der Präzeptor des →Freiburger Antoniterhauses, an den Markgrafen Karl I. von Baden (1453–1475) mit der Bitte heran, in Nimburg bei der Pfarrkirche ein Kloster seines Ordens erbauen zu dürfen. Das gestattete der Markgraf und schenkte dem Präzeptor die Pfarrkirche samt Patronatsrecht.3 Sechs Antoniter und zwei Weltgeistliche sollten an der Kirche wirken und an genannten Tagen Seelenmessen für die Markgrafen lesen. Einer der beiden Weltgeistlichen war für die Seelsorge der Nimburger Bevölkerung vorgesehen. Ob diese Personalstärke in Nimburg je erreicht wurde, ist unklar. Damit hätte die Neugründung das Freiburger Haus allerdings übertroffen, wo nur vier Antoniter vorgesehen waren. Innerhalb von vier Jahren sollten die Antoniter ihr Kloster mitsamt Hospital errichten. Sollten sie diese Niederlassung später wieder aufgeben, war eine Entschädigung des Markgrafen von 300 Gulden sowie die Rückkehr der Kirche in seinen Besitz vereinbart.4 Warum Antoine Lyasse in solcher Nähe zu Freiburg ein weiteres Antoniterkloster gründete, ist unklar. Hinweise auf nicht genauer greifbare gravamina in Freiburg, führten zu dem Gedanken, dass eine Verlegung des Freiburger Hauses geplant gewesen sein könnte.5 Eine wohl erst aus dem 17. Jahrhundert überlieferte Notiz, mit allerdings unklarem Quellenwert, bestätigt dies.6 Später im Jahr 1456 genehmigte der Präzeptor aus dem elsässischen Isenheim im Auftrag des Abts von Saint-Antoine die Stiftung des Nimburger Hauses, wobei Lyasse zur Auflage gemacht wurde, den Gottesdienst und Spitalbetrieb in Freiburg weiterhin zu gewährleisten.7 Im Jahr 1457 bestätigte auch Papst Calixt III. (1455–1458) die Stiftung.8 Der Antrieb Markgraf Karls, dem dieses Kloster regelrecht angedient worden war, dürfte neben religiösen Motiven in der Möglichkeit gelegen haben, seine Stellung in Nimburg auszubauen. Der Ort war von weiteren markgräflichen Dörfern umgeben, die Ortsherrschaft lag aber bei den benachbarten Grafen von Tübingen-Lichteneck. Mit diesen kam es nach der Gründung zu einer erbitterten Auseinandersetzung, im Zuge derer Lyasse von Graf Konrad gefangen genommen und der Graf daraufhin exkommuniziert wurde. Letztenendes gaben die Tübinger ihre Position in Nimburg auf und verkauften sie 1465 an den Markgrafen.9 Die Nimburger Kirche wurde bis 1493 dem Freiburger Antoniterhaus inkorporiert.10 Lyasse war zu jener Zeit stets in Geldnöten, die durch den Bau des Nimburger Hauses gewiss noch verschärft wurden. Aus dem Kirchengut in Nimburg standen den Antonitern Zinsen sowie der kleine und der große Zehnt zu,11 weiter von verschiedenen Höfen in Nimburg, Bottingen und Bahlingen Geld- und Naturalzinse, die nicht genauer bezifferbar sind. Diese Einkünfte gingen an den Freiburger Präzeptor, unter dessen Leitung auch das Nimburger Haus stets stand. Auf den Präzeptor Antoine folgte im Jahr 1483 sein Neffe Robert Lyasse, unter dessen Leitung die finanziellen Schwierigkeiten weiter zunahmen. Nach seiner Resignation im Jahr 1520 scheint er als einfacher Bruder in Nimburg gelebt zu haben, während mit Claude Lyasse ein weiterer Verwandter Präzeptor wurde. Die Geldnot wurde unter dessen Ägide immer größer, wozu der Bauernkrieg und die durch die Reformation immer mehr eingeschränkten Möglichkeiten des Terminierens beitrugen. Schwer damit zu vereinbaren ist der Neubau der Nimburger Klosterkirche in just jener Zeit, der nach archäologischen Befunden zwischen 1517 und 1545 angenommen wird.12 Nach Claudes Tod im Jahr 1527 fand sich im Antoniterorden kein Nachfolger für das Präzeptorenamt. Als Verweser wurde von der vorderösterreichischen Regierung der benediktinische Prior von →St. Ulrich Rudolf Ecklin bestellt. Über das Leben der Nimburger Gemeinschaft ist nichts näheres bekannt, ebensowenig, ob im Hospital tatsächlich am Antoniusfeuer Erkrankte behandelt wurden. Die letzte Nennung des Klosters liegt aus dem Jahr 1549 vor, nach der Einführung der Reformation in der Markgrafschaft Baden-Durlach im Jahr 1556 wird es als geweßen closter bezeichnet, das von den Antonitern mittlerweile aufgegeben worden war.13 Das Anwesen wurde auf markgräfliche Weisung hin in ein Spital umgewandelt. Bestrebungen des Antoniterordens, das Nimburger Haus in der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs auf der Grundlage des Restitutionsedikts Kaiser Ferdinands II. (1619–1637) wieder in seinen Besitz zu bekommen, blieben erfolglos. Bau- und KunstgeschichteDas Antoniterkloster lag ungefähr 1 km südwestlich des Dorfes Nimburg auf der westlichen Seite des Nimbergs oder Marchhügels. An der Stelle steht heute nur noch die spätgotische Pfarrkirche des Orts, die anderen Teile des Klosters sind abgegangen. Eine älteste Nimburger Kirche (in pago Brisiggowe in loco Niwnburch basilicam unam) wird 977 genannt, der erste sichere urkundliche Nachweis stammt allerdings von 1238.14 Es handelte es sich wohl um eine geostete Saalkirche (Bau I), die man auf einer einplanierten Ziegelschicht eines abgegangenen römischen Gebäudes errichtete.15 Der archäologisch nachgewiesene, Ost-West orientierte Nachfolgebau (Bau II) ersetzte die durch einen Brand 1318 zerstörte ältere Kirche. Diese war offenbar mehrfach umgebaut worden und erhielt im Spätmittelalter einen Boden aus Tonziegeln, die in einem Fischgrätmuster im Mörtelbett verlegt waren. Diese Pfarrkirche wurde 1456 dem Antoniterorden übertragen, um dabei ein Kloster einzurichten. Eine Grabplatte im Chor belegt, dass noch 1517 ein Ordensangehöriger dort bestattet wurde, bis dahin war sie offenbar in Nutzung. Bau III ist eine Saalkirche mit einer Grundfläche von etwa 244 m², deren Innenraum von einem steinernen Lettner in zwei Bereiche geteilt wird. Im Vergleich zu der Vorgängerbebauung weist der polygonale Schluss nach Süden. Grund für die Umorientierung der vergrößerten Kirche waren vermutlich statische Probleme. Ein Teil der gotischen Apsis ist als Sakristei erhalten geblieben. Auch der Turm wurde in den Neubau des 16. Jahrhunderts integriert. Das Grab eines Weltpriesters, der 1545 im Chor der neuen Kirche beigesetzt wurde, ist ein Hinweis auf die Bauzeit.16 Es wurde aber auch vermutet, dass der Neubau bereits in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts,17 oder als evangelische Pfarrkirche erst nach 1559 erfolgt sei.18 Dagegen spricht neben dem archäologischen Befund, dass evangelische Kirchenneubauten vor dem 17. Jahrhundert äußerst selten entstanden sind und dann eine Reduktion des Kirchenraumes auf den Bereich vor dem Gemeindealtar im Langhaus vorsah. Gerade der mit einem Lettner abgetrennte polygonale Chor ist charakteristisch für Klosterkirchen, was eher für einen Bau in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts spricht. Die Antoniter verließen 1559 das Kloster, dessen Kirche ab 1566 als Spitalkirche weitergenutzt wurde. Umbauten sind im späten 16. Jahrhundert (Maßwerkfenster [i] 1581) und vor allem im 18. Jahrhundert belegt durch die Ausmalung mit Fresken,19 die Aufstockung des Turms 1750 und den Einbau einer Orgel 1772. Nach der Einführung der Reformation 1556 wurden die Klostergebäude weiterhin als Spital und als Pfründnerhaus genutzt, ab der Mitte des 17. Jahrhunderts waren sie Sitz der »Geistlichen Verwaltung Hochberg«. Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte der Abriss der Klosterbauten. BibliographieHandbücher und Lexika: HelvSac IV,4, S. 56 f. (Adalbert Mischlewski); KB Emmendingen Bd. 2,2, S. 720–725 (Philipp Rupf); KDM Bd. 6,1, S. 198–200 (Franz Xaver Kraus); kloester-bw, Antoniterhaus Nimburg (Stephanie Zumbrink). Literatur: Weiss 1994; Nuber/Seitz 2001; Steffens 2004; Himmelsbach 2008 (a), (b). Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
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