Riegel, Schwesternsammlung »Klause«, Dominikanerterziarinnen 

Kurzbeschreibung:

1483 Ersterwähnung – 1575 erste Bezeichnung als Dominikanerterziarinnen – 1765 Tausch des Klostergeländes mit dem Pfarrhaus und Lösung von der Pfarrei – 1779 Aufhebung – vor 1910 Abbruch der Klosterkirche

Patrozinium: Katharina von Siena
Ordensgliederung: Provinz Teutonia, Nation Suevia; 1709 Provinz Saxonia (Süddeutsche Provinz)
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Endingen

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Schwesternsammlung »Klause«, Dominikanerterziarinnen 1483-1779
Beschreibung:

Name: den closnerinnen zu Riegel (1483);1 sorrores inclusae in […] Rigel ord. s. Poenit. (1575);2 clausura monialium […] ordinis Predicatorum (1608);3 frauen kloster Dominikaner ordens zu Riegel (1779)4

Geschichte

Nach Darstellungen des 18. Jahrhunderts, deren Quellengrundlage nicht mehr nachvollziehbar ist, begann die Geschichte des Klosters im 14. Jahrhundert in →Endingen, bevor sich die Frauen über Zwischenstationen in →Rust und Ettenheimmünster in Riegel niederließen.5 Als potenzielles Gründungsjahr findet sich in der Literatur das Jahr 1450, da die Riegeler Kirche in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erweitert wurde.6 Sicher ist die Gemeinschaft erst im Jahr 1483 belegt.7 In einem Zinsverzeichnis des Blumenegger Hofs in Riegel ist vermerkt, dass die dortigen Klosnerinnen jährlich einen Zins von diesem erhielten. In der Steuerliste des Gemeinen Pfennigs von 1495 wird die Gemeinschaft dann als inclusae domus bezeichnet.8 Eine Nähe zu den Dominikanern ist erstmals 1575 belegt. als bei einer Visitation des Landkapitels Endingen die Gemeinschaft von den bischöflichen Visitatoren als ord. S. Poenit. bezeichnet wird, was ein üblicher Hinweis für die Zugehörigkeit zu den Dominikanerterziarinnen ist.9 Bei einer späteren Visitation der Pfarrei im Jahr 1608 wurde im Protokoll vermerkt, dass es in Riegel ein Kloster mit fünf Frauen gebe, deren Visitation allerdings in die Zuständigkeit der Freiburger →Dominikaner falle.10 Belege für die Übernahme dieser Aufgabe durch die Dominikaner liegen indes nicht vor, eine kontinuierliche geistliche Betreuung der Frauen durch dominikanische Beichtväter ist erst für das 18. Jahrhundert belegt.11

1633 kam es in Riegel zu Kämpfen zwischen schwedischen und kaiserlichen Truppen, in deren Folge große Teile der Stadt und das Gebäude der Schwestern zerstört wurden. Einen Neubau konnte die Gemeinschaft, die in dieser Zeit wohl auch personell geschwächt war, erst 1684 in Angriff nehmen und zwei Jahre später vollenden. Die Frauen verfügten lange über keine eigene Kirche, sondern nutzten die Riegeler Pfarrkirche. Im Jahr 1743 trugen sie mehrere hundert Gulden zu deren Neubau bei und erhielten dafür im Chor eine Seitenempore und die darunter liegende Kapelle. Gleichzeitig suchten die Frauen seit Beginn des 18. Jahrhunderts die Annäherung an den Dominikanerorden. Im Jahr 1709 sollen sie angefangen haben, das Brevier zu beten, und 1759 soll der dominikanische Beichtvater nach einer Predigt den Schwestern einen schwarzen Schleier aufgesetzt haben, was eigentlich ein Zeichen für eine abgelegte Profess ist.12 In der Folge findet sich in den Quellen auch gelegentlich die Unterscheidung zwischen Laien- und Chorschwestern. Eine Aufnahme in den zweiten Orden erfolgte nicht.

Da die bisherige Klosteranlage zu klein war und auch schlecht an die neuen Bedürfnisse, etwa hinsichtlich einer Klausur, angepasst werden konnte, tauschten die Frauen 1765 ihr Kloster mit dem Riegeler Pfarrer. Sie erhielten das Pfarrhaus mit zugehörigem Garten und Wirtschaftsgebäuden, während der Pfarrer in die bisherige Klosteranlage zog, wo sich bis heute das Riegeler Pfarrhaus befindet. Der Vertrag regelte auch die Loslösung der Frauen aus der geistlichen Aufsicht des Ortspfarrers und gestattete ihnen, den Gottesdienst durch einen Ordenspriester in ihrer eigenen neu zu errichtenden Kirche abzuhalten, sowie ihre Verstorbenen auf dem Klostergelände zu beerdigen und nicht mehr auf dem Friedhof der Pfarrei.13 Das von den Frauen übernommene bisherige Pfarrhaus war jedoch in einem schlechten baulichen Zustand und die geplanten Neubaumaßnahmen konnten sie nur durch die Aufnahme hoher Darlehen stemmen. Auch wenn die Anlage letztendlich vollendet werden konnte, trieben die Schulden das Kloster doch in den Ruin.

Sind die vorherigen Jahrhunderte der Klostergeschichte nur spärlich dokumentiert, lässt sich die Aufhebung der Gemeinschaft durch die ausführlichen Aufhebungsakten sehr gut nachvollziehen:14 Auf Grund der schlechten ökonomischen Lage ordnete die vorderösterreichische Regierung eine Prüfung der wirtschaftlichen Verhältnisse an,15 an deren Ende die Entscheidung zur Aufhebung des Klosters stand. Den Auftrag dazu gab sie dem Konstanzer Ordinariat am 20. März 1779 mit der Begründung, das Kloster sei ganz verarmt und sich weiters zu erhalten außer standt.16 Der bischöfliche Kommissar Wilhelm Sturm kam mit dem Vertreter der vorderösterreichischen Regierung, Jakob Kaiser, am 1. Juli in das Kloster und setzte die Aufhebung um.17 Das Klostergebäude und das gesamte zuvor erfasste Inventar versteigerte man. Die Klosterkirche wurde eine Filiale der Riegeler Pfarrkirche. Die 14 noch im Konvent lebenden Frauen teilte man auf andere vorderösterreichische Klöster auf. Jeweils zwei Schwestern kamen nach →Adelhausen in Freiburg, Horb, Kirchberg, Löwenthal, Bludenz und Hirschtal, sowie jeweils eine Schwester nach Oberndorf und →St. Peter an der Fahr in Konstanz.

Wohin das Archiv der Gemeinschaft nach ihrer Auflösung gelangte, ist unklar. Archivalien zum Kloster finden sich heute im Generallandesarchiv Karlsruhe, im Erzbischöflichen Archiv Freiburg, dem Gemeinde- und dem Pfarrarchiv Riegel. Über eine Bibliothek liegen keine Informationen vor.

Bau- und Kunstgeschichte

Lage

Die Pfarrkirche St. Martin, die den Dominikanerinnen bis zum Bau einer eigenen Klosterkirche zur Verfügung stand, liegt im Norden des historischen Ortskerns von Riegel. Das barocke Klostergebäude (Kirchstraße 9a) befindet sich nordwestlich der Kirche und war bereits klosterzeitlich mit ihm baulich verbunden. Die ab 1765 genutzte neue Klosteranlage mit der Kirche St. Katharina befand sich wenige hundert Meter südöstlich der Pfarrkirche zwischen Hauptstraße, Kehnerstraße und Am Dorfgraben (heute Hauptstraße 63a).

Kirche und Konventsbauten

Der gotische Vorgängerbau der Pfarrkirche war eine geostete Saalkirche mit eingezogener, polygonaler Apsis. Im Norden lagen die Sakristei und eine Kapelle, die wohl den Schwestern zum Gebet diente. Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde die Kirche beschädigt und bis 1666 erneut instandgesetzt. 1743–49 wurde die im Kern mittelalterliche Kirche durch einen nach Nordost gerichteten Neubau ersetzt. Die vom Kenzinger Baumeister Franz Rudhart geplante Saalkirche besaß eine Einturmfassade und zwei Kapellen beidseitig des halbrund geschlossenen Altarraums. Die Kapellen waren mit Emporen versehen.18 Nach Zerstörungen 1936 (Brand) und 1944 (Bombadierung) wurde der Bauzustand wiederhergestellt.

Der Nonnenchor ist mit einem überdachten Gang mit dem Konventsbau verbunden. Dieser wurde 1684–86 als zweistöckiger, rechteckiger Steinbau errichtet und ersetzte dabei wohl einen unbekannten Vorgängerbau. Das Gebäude dient heute als Verwaltungsgebäude der katholischen Gemeinde.

Die wachsende Größe des Konvents machte 1765 eine räumliche Vergrößerung notwendig. Der Konventsbau mit Garten und Scheune im Nordwesten der Pfarrkirche wurde daher mit dem südöstlich gelegenen Pfarrhaus mit Garten getauscht.19 1767 begann der Neubau einer zweistöckigen, zweiflügeligen Klosteranlage mit Klosterkirche und einem Friedhof anstelle des Pfarrhauses. Die beiden Flügel des Konventsbaus erstreckten sich in Nord-Süd Richtung entlang der Hauptstraße und in östlicher Richtung bis zur Straße Am Dorfgraben und schlossen im Osten mit der Kirche ab. Reste der barockzeitlichen Konventsflügel und der Umfassungsmauer sind teilweise erhalten.

Nach der Auflösung des Konvents 1779 wurden das neue Kloster und das Inventar versteigert. Nach einigen Besitzwechseln beherbergt es heute ein Kinderheim. Die Klosterkirche wurde ab 1812 als Wohnhaus genutzt und umgebaut. Vor 1910 wurde sie niedergelegt. An ihrer Stelle befindet sich heute die neogotische Franz-Xaver-Kapelle.

Materielle Kulturgeschichte, Bauausstattung

Nur wenige Ausstattungsstücke haben sich nach den Zerstörungen des 17. und 20. Jahrhunderts in der Pfarrkirche St. Martin erhalten. Dazu gehören ein anlässlich der Weihe des barocken Neubaus gestiftetes Wetterkreuz und eine Monstranz (1749 [i]). Die im Stil des Rokoko gehaltene Bauausstattung von Franz Rudhart, die Putzarbeiten von Johann Georg Gigl und die Gemälde von Benedikt Gambs sind durch den Brand 1936 zerstört worden. Den heutigen Raumeindruck beherrschen die Wiederherstellungen nach 1936 und 1944. Die Ausstattung des Dominikanerinnenklosters ist nur aus einem Versteigerungsinventar erschließbar, das Gemälde und Stiche im Besitz des Klosters aufführt.20

Bibliographie

Quellen: Walz 1927.

Handbücher und Lexika: KB Emmendingen Bd. 2,2, S. 562 (Mechthild Michels); KDM 6,1, S. 208 (Franz Xaver Kraus); kloester-bw, Dominikanerinnenkloster Riegel (Andreas Schmidt).

Literatur: Futterer 1977; Maise 1996.

Anmerkungen

  • 1 StadtA FR A 1 XIV Blumeneck 148 3-1490.
  • 2 GLA 61 Nr. 7321, fol. 114 v.
  • 3 EAF Ha 62, fol. 85 r.
  • 4 EAF A 4/474.
  • 5 Walz 1927, S. 41; GLA 229 Nr. 87626.
  • 6 Futterer 1977, S. 8.
  • 7 StadtA FR A 1 XIV Blumeneck 148 3-1490.
  • 8 Schmid 2013, S. 146.
  • 9 GLA 61 Nr. 7321, fol. 114 v.
  • 10 EAF Ha 62, fol. 85 r.
  • 11 GLA 229 Nr. 87626.
  • 12 Ebd.
  • 13 Futterer 1977, S. 25.
  • 14 GLA 229 Nr. 87626 f.; EAF A 4/747.
  • 15 GLA 229 Nr. 87626.
  • 16 EAF A 4/474.
  • 17 Bericht über die Aufhebung in: GLA 229 Nr. 87627.
  • 18 Walz 1927, S. 41.
  • 19 PfA Riegel II Nr. 21.
  • 20 GLA 229 Nr. 87627, S. 16
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Johannes Krämer [Autor]
  • Ellen Schumacher [Autor]
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