Mahlberg, Kapuziner 

Kurzbeschreibung:

1672 Gründung als Hospiz – 1682 Erhebung zum Kloster – 1803 Aufhebung – 1872 Abbruch der Klosteranlage

Patrozinium: Markgraf Leopold von Österreich
Ordensgliederung: Vorderösterreichische Provinz, Kustodie Freiburg; 1781 Schwäbische Provinz
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Straßburg, Archidiakonat Ultra Rhenum, Landkapitel Lahr

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Kapuziner 1672-1803
Beschreibung:

Name: herren patres Capucini (1672)1

Geschichte

Das 1672 gegründete Kapuzinerhospiz Mahlberg war nach dem Kloster →Baden-Baden die zweite Niederlassung, die der Orden auf dem Gebiet der Markgrafschaft Baden-Baden unterhielt. In der von Mahlberg aus verwalteten gleichnamigen Herrschaft agierten die Ordensmänner auf schwierigem Terrain, waren dort doch die konfessionellen Verhältnisse im 16. Jahrhundert überwiegend zugunsten der Reformation entschieden worden. Die Möglichkeit zur Rekatholisierung der Mahlberger Gemeinden tat sich für Wilhelm von Baden-Baden (1600/1622–1677) 1629 auf. Auf sein Betreiben hin kam es damals zur Realteilung des zusammen mit den evangelischen Grafen von Nassau-Saarbrücken regierten Kondominats Lahr-Mahlberg, wobei Baden-Baden die Herrschaft Mahlberg erhielt. Die nach dem Westfälischen Frieden mit Nachdruck aufgegriffene Rekatholisierung zeigte durchwachsene Erfolge. Während sich etwa Oberschopfheim dem katholischen Glauben bereitwillig öffnete, blieben die Katholiken andernorts zunächst klar in der Minderheit. Rückhalt fanden die Protestanten des Mahlberger Landes stets beim Haus Baden-Durlach, das nach dem Ende der Oberbadischen Okkupation (1594–1622) durch die pfandweise Übernahme (1659–1727) der Herrschaft Lahr in der südlichen Ortenau wieder Fuß gefasst hatte. Die ins Stocken geratene Rekatholisierung, aber vor allem bedenkliche Lücken in der Seelsorge legten es nahe, die Vorderösterreichische Kapuzinerprovinz für ein Engagement zu gewinnen. Das finanzielle Fundament hierfür stellte das Wiener Testament des Baden-Badener Erbprinzen Leopold Wilhelm († 1671) bereit. Der Militär, dem zwei Jahre vor seinem Tod die Herrschaft Mahlberg als Apanage zugesprochen worden war, stiftete für den Bau einer kapuzinischen Niederlassung 3.000 Gulden. Seiner Witwe, Maria Franziska von Fürstenberg-Heiligenberg († 1702), oblag die Umsetzung des Stifterwillens. Als Ort des Hospizes bestimmte sie Mahlberg und setzte sich damit gegen die Kippenheim favorisierenden Kapuziner durch. Der kapuzinerfreundliche Straßburger Fürstbischof Franz Egon von Fürstenberg (1663–1682) genehmigte das Projekt seiner Schwester am 31. März 1671. Zu dessen Förderern zählte auch Placidus Heiß (1674–1687). Der Abt des Benediktinerklosters →Schuttern erhoffte sich von den Kapuzinern Hilfe bei der seelsorgerlichen Betreuung der Klosterpfarreien und vollzog demzufolge am 20. Juni 1672 die Grundsteinlegung. Nachdem der Hospizbau bereits 1677 im Zuge des Holländischen Krieges von französischen Truppen eingeäschert worden war, kam es 1682 zum Wiederaufbau. Dieser wurde erneut maßgeblich von der Fürstenbergerin finanziert und ging mit der Erhebung in den Rang eines Klosters einher. Ein diesem neuen Status angemessenes Gotteshaus konnte am 12. Oktober 1683 zu Ehren des heiligen Leopold geweiht werden. Die für die Region ungewöhnliche Patroziniumswahl diente der Memoria des Stifterpaares und unterstrich zugleich die Bindung an das Haus Habsburg. Wenngleich der Schwerpunkt der seelsorgerlichen Arbeit der Kapuziner in der Pfarrei Kippenheim lag, erstreckte sich ihr Wirkungs- und Bettelbereich in ihrer Blütezeit doch weit über die Grenzen des Mahlberger Landes. So führte etwa die hohe Nachfrage nach Frühmesserdiensten die Ordensmänner bis ins Elsass. Die Frage nach dem Anteil, den die Kapuziner an den statistisch fassbaren Erfolgen der Mahlberger Rekatholisierung hatten, ist im Detail nicht geklärt. Als Zäsur für die Mahlberger Kapuziner hat der 1771 im Erbgang vollzogene Übergang der Markgrafschaft Baden-Baden an den aufgeklärten Karl Friedrich von Baden-Durlach (1738/46–1811) zu gelten. Der Mahlberger Konvent verlor nicht nur seine Stifterfamilie, sondern sah sich im Folgenden zunehmend staatlicher Kontrolle und Repression ausgesetzt. Bis 1803, dem Jahr der Aufhebung, war die Klosterfamilie auf sieben Patres und einen Laienbruder zusammengeschrumpft. Weil der badische Staat darauf drängte, in den Klostergebäuden eine Lateinschule unterzubringen, wurde das Ende kapuzinischer Präsenz radikaler als anderswo vollzogen. Die verbliebene Gemeinschaft wurde zunächst geschlossen nach →Ettenheimmünster verbracht, 1805 aber auseinandergerissen.

Bau- und Kunstgeschichte

Das Kapuzinerhospiz wurde 1672 auf einem Bauplatz südwestlich außerhalb der Siedlung errichtet. Aber schon wenige Jahre später nahm die Anlage bei Kriegshandlungen durch Brand Schaden. Der Wiederaufbau erfolgte 1682 im Status eines Klosters. Die Anlage richtete ihre Chorachse nach Nordosten. Als bauliches Zeugnis des Klosters sind nur Teile der Gartenummauerung verblieben, doch die ›Kapuzinerstraße‹ und die Bezeichnung des nahen Bachs als ›Kapuzinergraben‹ erinnern noch an die frühere Klostergemeinschaft.

Im Musterbuch Architectura Capuzinorum ist das Mahlberger Kloster mit einem Erdgeschossgrundriss vertreten, der das übliche Schema kapuzinischen Klosterbaus zeigt: Eine Klosterkirche aus Langhaus und eingezogenem Chorbereich mit Altarhaus und dahinter liegendem Psallierchor, sowie an diese südöstlich anschließend das Konventsgeviert, das vom Langhausgiebel zurückgesetzt und bündig zum Chor liegt. Die Sakristei ist neben dem Altarraum im anstoßenden Flügel untergebracht. Die Klosterpforte liegt seitlich des Langhauses und führt zum Innenhof. Dort ist der Umgang an drei Seiten offen, an zwei davon mit Holzstützen und an einer hinter einer Arkade. An der vierten Seite entlang des anschließenden Flügels ist er geschlossen ausgebildet und stellt die Verbindung zwischen Psallierchor und Refektorium her. Letzteres ist im Flügel gegenüber der Kirche zu finden. Die Küche nimmt die Ecke am Ende des geschlossenen Gangs ein und ist mit einem vorgelegten Annex mit Wirtschaftsräumen verbunden. Anhand der spärlichen Bildquellen können die Form der Kirche, die rechtsseitige Lage des Konvents und der Annex mit dem früheren Bestand als übereinstimmend bestätigt werden.

Nach der Aufhebung des Klosters 1803 wurde dessen Kirche als katholische Pfarrkirche genutzt. Diesen Zustand bildet ein Grundriss von 1838 ab: Die Trennwand zum Psallierchor war entfernt worden, sodass ein langgezogener Altarraum entstanden war. Die Sakristei wurde an der Nordseite des neugeschaffenen Altarraums angefügt. Das Langhaus erfuhr eine Verlängerung um ein Joch mit Empore und Dachturm, der einen kleineren Dachreiter auf dem Chordach abgelöst hat.

Die ehemaligen Konventsbauten wurden zur Unterbringung von Schulräumen, möglicherweise auch der Schüler, sowie zu Wohnungen für den Lehrer und den evangelischen Pfarrer genutzt, seit 1831 auch für den katholischen Pfarrer. Die Schule bestand bis 1850. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite entstand 1872 der Neubau einer katholischen Pfarrkirche, die das Patrozinium des Hl. Leopold tradiert, und an der Stelle der früheren Klosteranlage erhebt sich das 1885 errichtete Pfarrhaus.

Bibliographie

Quellen: Romuald von Stockach 1747, S. 125–130, 353 f., 499.

Handbücher und Lexika: kloester-bw, Kapuzinerkloster Mahlberg (Hillard von Thiessen).

Literatur: Köhler 1975; Müller 1978 (g).

Anmerkungen

  • 1 GLA 229 Nr. 63236
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Matthias Ilg [Autor]
  • Stefan King [Autor]
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