Gengenbach, Benediktiner
| Kurzbeschreibung: | 761 Gründung – Königskloster – 1007 an das neugegründete Bistum Bamberg übereignet – 1807 Aufhebung Patrozinium: MariaOrdensgliederung: 1607 Bursfelder Kongregation, 1624 Straßburger BenediktinerkongregationKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Straßburg, Archidiakonat Ultra Rhenum, Landkapitel Offenburg |
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| Beschreibung: | Name: monasterium Hrodhardi (761);1 Ghanginpach (um 820);2 monasterium Keginbach (um 826);3 monasterium Genginbach (Ende des 9. Jh.)4 GeschichteHistorische EntwicklungÜber die Anfänge Gengenbachs liegen kaum verlässliche Informationen vor. Die am Ende des 9. Jahrhunderts im Kloster Hornbach entstandene Pirminsvita sieht im Heiligen den Gründer, bietet ansonsten aber keine näheren Angaben.5 Die hauseigene, erst im Hochmittelalter beginnende Überlieferung Gengenbachs erwähnt Pirmin jedoch nicht und nennt stattdessen in einem Nekrologeintrag des 11. Jahrhunderts den Grafen Ruthard als einzigen Stifter: Ruothardus dux o[biit] qui fundavit Genginbach.6 Pirmin arbeitete bei seinen Klostergründungen mit weltlichen Herrschaftsträgern eng zusammen, weshalb lange Zeit eine gemeinsame Stiftung beider Akteure angenommen wurde. Die Pirminstradition ist allerdings nicht unumstritten geblieben, insbesondere aufgrund der politischen Umstände der damaligen Zeit und der bekannten historischen Unzuverlässigkeit der 150 Jahre nach dem Tod entstandenen Vita. Die vollkommene Abwesenheit des Heiligen in der hauseigenen Überlieferung Gengenbachs und die fehlende Verbindung zu anderen durch Pirmin gegründeten Klöstern bestätigen diesen Zweifel. Die Annahme einer Gründung durch Ruthard unterstützen die Annales Laureshamenses mit ihrem Eintrag zum Jahr 761: transmisit domnus Hrodegangus suos monachos de Gorcia ad monasterio Hrodhardi.7 Die Nachricht ist insofern belastbar, weil Kontakte Ruthards zum von Chrodegang gegründeten Benediktinerkloster Gorze nachweisbar sind. Mit dem Einzug der Mönche wird auch die Übernahme der Chrodegang-Regel einhergegangen sein. Die Gründung 761 dürfte im Kontext der Einsetzung Ruthards und seines Bruders Warin als Verwalter ganz Alemanniens durch König Pippin den Jüngeren (751–768) kurz vor oder im Jahr 759 stehen. Über das Dotationsgut sind keine Informationen erhalten, vermutet wird aber verstreuter Besitz im Kinzigtal vom Schwigenstein bis vor Ortenberg. Das neu entstandene Kloster hat gemäß der Forschung nach seiner Gründung zur Integration Alemanniens ins fränkische Reich beigetragen. Anhand der →Reichenauer und St. Galler Verbrüderungsbücher ergibt sich das Bild eines prosperierenden Konvents, der im Jahr 820 70 Mönche zählte und sechs Jahre später sogar auf 100 anwuchs.8 Darüber hinaus schweigen die Quellen aber weitgehend zur Geschichte des Klosters im 9. und 10. Jahrhundert. Die direkte Unterstellung Gengenbachs unter den König, über deren Beginn aus der Überlieferung nichts bekannt ist, ging 1007 wieder verloren, als Heinrich II. (1002–1024) es in Form eines weitgehend geschlossenen Besitzkomplexes zusammen mit dem Kloster →Schuttern und dem Ort Nußbach an das neu gegründete Bistum Bamberg schenkte. Damit geriet Gengenbach in den Einflussbereich der Bamberger Kirche und der von ihr ausgehenden und über sie vermittelten Impulse. Die Äbte der Folgezeit kamen häufig aus dem Kloster Michelsberg bei Bamberg. Im Verlauf des 11. Jahrhunderts, möglicherweise unter dem direkt aus Amorbach kommenden Abt Ezelin (1071–1074), wurde der auch in Michelsberg geltende ordo Amerbacensium eingeführt. Darüber hinaus ergaben sich aus der Übertragung an Bamberg Verbrüderungen mit anderen dem neuen Klosterherrn unterstehenden Klöstern, allen voran mit Michelsberg, aber auch mit dem nahen Schuttern.9 Die Annales Gengenbacenses geben uns knappe Auskunft über Streitigkeiten im Kloster während des Investiturstreits:10 Neben mitunter für die Äbte tödlich verlaufenden Konflikten mit den eigenen milites ist hier vor allem die Vertreibung des exkommunizierten Abtes Willo (1075–1085) 1085 durch eine von Propst Bertholf angeführte Partei zu nennen. Daraus lässt sich aber kein allgemeiner Gegensatz zwischen kaisertreuen Äbten und einem dem Papst anhängenden Konvent ableiten, weil der ebenso von Bertholf 1089 vertriebene Abt Hugo (1089, 1096–1109) vom Anführer der päpstlichen Partei in Schwaben, Herzog Bertold II. von Zähringen (1078–1110), mithilfe einer militärischen Besetzung der Abtei 1096 wiedereingesetzt wurde.11 Vermutlich agierte der Herzog hier bereits als Vogt des Klosters, auch wenn er in den Quellen nicht als solcher bezeichnet wird. Hinweise für ein Vogteiverhältnis verdichten sich in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts, als die Zähringer Schenkungen an Gengenbach mitbesiegelten. Bemerkenswert ist, dass die Bulle Innozenz’ II. (1130–1143) von 1139, die den Besitz des Klosters bestätigte und die freie Abtswahl garantierte, nicht die ansonsten in derartigen Privilegien übliche freie Wahl des Klostervogtes erwähnt.12 Dies kann als Hinweis auf die gefestigte Stellung der Zähringer als Vögte Gengenbachs gedeutet werden. Das Verhältnis zum Eigenklosterherrn blieb auch im 12. Jahrhundert durch bischöfliche Eingriffe in das geistliche und wirtschaftliche Leben der Abtei geprägt. Bischof Otto I. von Bamberg (1102–1139), als Heiliger und Pommernapostel bekannt, veranlasste noch während des Investiturstreits 1117 die Reform des Klosters im Sinne der Hirsauer Observanz. Die Reformmönche mitsamt dem neuen Abt Friedrich (1117–1119) kamen aus dem Kloster →St. Georgen im Schwarzwald, das sich ebenso im Einflussbereich der Zähringer befand. Die Reform scheint jedoch nicht ohne Widerstände verlaufen zu sein, weil Gengenbach zu den Klöstern gehörte, die 1121 von demselben Bischof zur strengen Regelbefolgung ermahnt wurden. Gleichzeitig griff der Bamberger Eigenklosterherr auf die Besitzungen Gengenbachs zurück, wenn ihm dies für eigene Zwecke opportun erschien. So verlieh er beispielsweise während der Herrschaft Lothars III. (1125–1137) dessen engem Parteigänger im Elsass, Graf Sigbert von Wörth, zwei elsässische Dörfer aus dem Besitz der Abtei als feudum.13 Dieser Fall zeigt anschaulich die Möglichkeiten und Grenzen des fernen Eigenklosterherrn. Die Mönche sahen nämlich mit dem Tod Lothars ihre Chance, die Besitzungen zurückzuerhalten, und erwirkten bei Papst Innozenz II. 1139 eine die beiden Dörfer mit umfassende allgemeine Besitzbestätigung.14 In mehreren Briefen wandten sich damals Innozenz II. und seine direkten Nachfolger mitsamt dem unter Druck geratenen Bischof Otto I. und seinem Nachfolger Egilbert (1139–1146) an den Grafen und seine Nachkommenschaft und forderten die Rückgabe der Güter an das Kloster, aber selbst Drohungen mit der Exkommunikation bewirkten kein Einlenken der Adressaten. Ebenso wirkungslos blieb die Hinzuziehung der Straßburger Bischöfe. Die Überlieferung zum Konflikt bricht 1145/46 ab und die Dörfer tauchen in der Besitzbestätigung Papst Nikolausʼ IV. (1288–1292) von 1289 nicht mehr auf, was auf ihren dauerhaften Verlust hindeutet. Mit dem Aussterben der Zähringer 1218 wurden die Ortenau-Lehen des Hochstifts Bamberg – und damit auch die Klostervogtei über Gengenbach – vakant. Der Anspruch König bzw. Kaiser Friedrichs II. (1212–1250) auf das Zähringererbe führte diesen in Konflikt mit dem Bamberger Bischof Ekbert (1203–1237), der 1225 endgültig beigelegt wurde, indem der Staufer 4000 Mark Silber für das Lehen zahlte und zusätzlich Marktprivilegien für bambergische Besitzungen in Oberösterreich und Kärnten ausstellte.15 Das Kloster wurde in den folgenden Jahrzehnten von staufischer und bambergischer Seite unterstützt – auch gegen die Ansprüche von lokalen staufischen Dienstleuten. Die Situation änderte sich allerdings grundlegend mit der zweiten Exkommunikation Friedrichs II. und dem Überwechseln des Bamberger Bischofs Heinrich I. (1242–1257) zur päpstlichen Partei 1245. Im darauffolgenden Jahr bemächtigte sich der Straßburger Bischof militärisch der Region und bemühte sich, seine Ansprüche mit Hilfe des Papstes auch gegenüber Bamberg zu sichern. Im Windschatten dieses Konfliktes und mit straßburgischem Einverständnis expandierten auch die Fürstenberger auf Kosten des Klosters. Der Konflikt um die Ortenau wurde 1263 durch den Verkauf der Bamberger Ortenau-Lehen an den Straßburger Bischof Heinrich von Geroldseck (1263–1273) – einem nahen Verwandten seines Bamberger Amtskollegen – für wiederum 4000 Mark Silber beigelegt. Nach dem Tod Heinrichs 1273 bemächtigte sich jedoch König Rudolf von Habsburg (1273–1291) der Klostervogtei gegen den Willen des damals in Ungnade gefallenen Bamberger Bischofs und integrierte sie dauerhaft in die Reichslandvogtei Ortenau. In diesem Zusammenhang wurde auch ein Weistum eingeholt und von Rudolf 1275 besiegelt, das unter anderem die Vogteirechte regelte.16 Bis 1504 wurde die Reichslandvogtei von den Königen mehrmals verpfändet, zunächst von 1334 bis 1351 an die Markgrafen von Baden, dann von 1351 bis 1356 an die Straßburger Bischöfe und von 1405 bis 1504 nochmals an die letztgenannten zusammen mit den Pfalzgrafen bei Rhein. Die Urkunde von 1275 ordnete indirekt auch das Verhältnis des Klosters zu der jungen, vermutlich zwischen 1235 und 1237 durch die Staufer gegründeten Stadt Gengenbach, indem die Ansprüche der Abtei auf die als velle (Gefälle) bezeichneten (Todfall-)Abgaben von allen Besitzern klösterlicher Güter festgeschrieben wurden: vnde die selben botten sulnt die velle vordern deme gotzhus.17 Das Kloster bemühte sich auch schon in den Jahrzehnten davor, die velle nicht nur von den eigenen Unfreien, sondern von Freien und zugezogenen Unfreien zu erheben, was ihm in einem Privileg des Bamberger Bischofs Ekbert von 123518 zugestanden und 124319 von seinem Nachfolger Heinrich I. erneut wörtlich bestätigt wurde: capitanea iure que dicuntur velle, tam a liberis quam a servis et advenis in bonis eiusdem ecclesię decedentibus, eidem cenobio adiudicantur.20 Bedenkt man, dass die Gründung der Stadt Gengenbach in der neuesten Forschung in die Zeit des Aufenthaltes Friedrichs II. nördlich der Alpen (1235–1237) gesetzt wird und Bischof Ekbert als sein Parteigänger sich gemäß der Acta Gengenbacensia um den 1. August 1235 herum in Gengenbach aufgehalten hat, wird man zu diesem Zeitpunkt eine gemeinsame Initiative von Kaiser und Eigenklosterherrn vermuten dürfen, in deren Kontext wohl auch das bischöfliche Privileg von 1235 zu sehen ist.21 Sicherlich war es daher kein Zufall, dass sich das Kloster gerade zum Zeitpunkt der Stadtgründung die Todfallabgaben sicherte, die auch anderswo im Reich von den jeweiligen Stadtherren erhoben wurden. Diese Abgaben waren aber in Gengenbach, wie auch anderswo, unpopulär und führten zu wachsenden Spannungen zwischen Kloster und Stadt. Auf der geistlichen Seite suchte man durch fortlaufende königliche Privilegierungen und Rechtsbestätigungen seine Rechte und seinen Einfluss zu sichern und zu erweitern. Im Jahr 1331 wurde dem Abt das Recht durch Ludwig den Bayern (1314–1347) verbrieft, neben anderen städtischen Ämtern auch das zentrale Amt des Schultheißen zu besetzen. Gleichzeitig wurde das Kloster als einziges in der Ortenau von Zoll und Ungeld befreit, was dessen damals immer noch bedeutende Stellung in der Region aufzeigt. Diese Machtposition konnte man aber gegenüber der Stadt nicht lange halten – Karl IV. (1346–1378) bestätigte 1353 nur das Rudolfinum, das dem Abt ausschließlich die Einsetzung des Bannwarts erlaubte. Erst Abt Lambert von Brunn (1354–1374), einem Berater und Kanzler Karls IV., gelang es, die Vormachtstellung der Abtei gegenüber der Stadt nicht nur durch ein neues Privileg Karls IV. vom 1. Januar 1366 auf dem zuvor verlorenen Stand von 1331 zu sichern, sondern auch durch eine weitere königliche Urkunde vom 5. Januar 1366 gegen den Straßburger Bischof als Pfandherren der Stadt auszubauen. Die Vorrangstellung des Klosters gegenüber der städtischen Gemeinde blieb daraufhin bis zur Reformation ungebrochen. Unter das Abbatiat Lamberts von Brunn fiel ebenso die Eingliederung der Benediktinerabtei Gengenbach in die Ordensprovinz Mainz-Bamberg durch die als »Benedictina« bekannte Bulle Summi magistri Papst Benedikts XII. (1334–1342) von 1336. Nennenswerte Reformimpulse gingen hiervon für die betroffenen Klöster jedoch nicht aus. Der Konvent rekrutierte sich in dieser Zeit vorwiegend aus niederadligen, ehemals aus der klösterlichen Ministerialität kommenden Geschlechtern und bürgerlichen Familien aus der Stadt Gengenbach. Innere Konflikte – vor allem zwischen Abt und Konvent – lassen sich daran ersehen, dass gleich zwei Mal – 1398 und 1461 – der Beschluss gefasst wurde, nur noch Adlige aufzunehmen, Bürgerliche jedoch immer wieder ihren Weg in den Konvent fanden und sogar zur Abtswürde gelangten, wie an Abt Konrad von Müllenheim (1500–1507) zu sehen ist, der einer Straßburger Patrizierfamilie entstammte. Eine weitere Konfliktlinie bildeten die durch den Konvent betriebenen, aber im Endeffekt erfolglosen Bemühungen der Umwandlung in ein Chorherrenstift. Der erste Beschluss hierzu wurde bereits 1403 gefasst. Mit Hilfe des Straßburger Diözesanbischofs, dem man hierfür 800 Gulden anbot, wollte man das genannte Ziel mitsamt einer Begrenzung auf sechs Pfründen beim Papst erreichen, konnte sich aber schlussendlich mit dem Straßburger Oberhirten nicht einigen. Daraufhin brachen Konflikte zwischen Abt und Konvent offen aus, die erst 1413 beigelegt wurden, indem der Abt sich zur Reduktion seiner Ausgaben und die Konventualen zur Befolgung der Klosterregel verpflichteten.22 Die de facto schon stiftische Lebensform der Gengenbacher Mönche tritt hier offen zu Tage. Unter Abt Konrad von Müllenheim, der sich im Frauenchörle der Klosterkirche mit dem Heiligen Grab eine prachtvolle Grablege errichten ließ (Abb. 5), verbesserten sich die Verhältnisse in der Abtei nicht. Kurfürst Philipp von der Pfalz (1476–1508) und der Straßburger Bischof Albrecht von Pfalz-Mosbach (1478–1506), die beiden Inhaber der Landvogtei Ortenau und damit Schirmvögte des Klosters, beriefen 1501 auf Betreiben des Rats der Stadt Gengenbach eine Kommission ein, die das Kloster einer Reform unterziehen sollte. Da aber der Abt gewarnt worden und mit den Privilegien, den schriftlichen Zeugnissen und den Kleinodien geflohen war, musste die Kommission, die aus fünf Äbten der Bursfelder Kongregation und elf Mönchen bestand, unverrichteter Dinge wieder abziehen. Einer der Äbte war der hochgelehrte Humanist und Abt des Klosters Sponheim Johannes Trithemius (1462–1615), der davon in den Annales Hirsaugiensis berichtet. Auch die Mahnung des Straßburger Bischofs an den Konvent aus demselben Jahr, im Kloster zu wohnen, nur ehrbare Personen zu Mahlzeiten einzuladen und nicht in öffentlichen Bädern und Wirtschaften zu tafeln sowie den Habit statt weltlicher Kleidung zu tragen, blieb folgenlos. 1503 trugen Abt und Konvent einvernehmlich ihrem Diözesanbischof auf, das Kloster in ein Chorherrenstift umzuwandeln und dieses Ziel an der päpstlichen Kurie zu erreichen. Um den eben noch um eine Reform bemühten Prälaten auf seine Seite zu ziehen, war man zu weitreichenden Zugeständnissen bereit. Der Straßburger Bischof hätte den Prior einsetzen und zwei der geplanten sechs Pfründen besetzen dürfen. Daneben wollte man sich sogar der bischöflichen Landesherrschaft unterordnen. Das Vorhaben scheiterte jedoch, und der Vertrag wurde damit nie wirksam. 1504 übertrug König Maximilian (1493–1519) im Zuge des bayrisch-pfälzischen Erbfolgekriegs den pfälzgräflichen Teil der Landvogtei Ortenau pfandweise an Graf Wolfgang von Fürstenberg (1484–1509). Im selben Jahr gelang es dem Abt, eine Urkunde von Maximilian zu erhalten, worin dieser den Grafen und alle künftigen Landvögte der Ortenau verpflichtete, die Privilegien der Abtei zu respektieren und deren Rechte zu schützen. 1506 kam es dann zu einem heftigen Streit zwischen Abt und Konvent, der zu dieser Zeit aus einem bürgerlichen und vier adligen Mitgliedern bestand. Während der Konvent die Umwandlung in ein weltliches Chorherrenstift betrieb, um mehr Einfluss zu erhalten, wehrte sich der Abt, dem die Mönche einen zweifelhaften Lebenswandel vorwarfen, dagegen. Daraufhin setzte ihn sein eigener Konvent vorübergehend gefangen und erhoben den Vorwurf der Güterverschwendung. Ein Straßburger Schiedsgericht entschied jedoch zugunsten von Abt Konrad. Sein Nachfolger und heftigster Gegenpart Philipp von Eselsberger (1507–1531) verfolgte die Pläne zur Umwandlung in ein Chorherrenstift weiter und konnte 1523 die Zustimmung Papst Clemensʼ VII. (1523–1534) erreichen. Letztlich scheiterte das Vorhaben aber 1530 am Einspruch Kaiser Karls V., der »lieber schlechte Mönche als noch schlechtere Kanoniker« haben wollte.23 Abt Philipp, der zum humanistischen Kreis um Kaiser Maximilian gehörte, gelang es, die zerrütteten finanziellen Verhältnisse zu ordnen. So stellte er die Herrschaftsrechte des Klosters zusammen und ließ sie durch Kaiser Maximilian 1516 beurkunden. 1508 hob er nach dem Spruch einer vom Kaiser eingesetzten Kommission die Leibeigenschaft in der Stadt Gengenbach gegen eine finanzielle Entschädigung auf. Ab 1523 nahm der Einfluss der Reformation zu, was für die Abtei existenzbedrohend werden sollte. Hinzu kam der Bauernkrieg, wobei 1525 ein Bauernheer gemeinsam mit der Stadt abgewehrt werden konnte. 1530 wurden die Vertreter der Stadt Gengenbach beim Reichstag bei der protestantischen Gruppe aus Straßburg aufgeführt. Zudem versuchte der Klostervogt Graf Wilhelm von Fürstenberg (1510–1547), der Sohn und Nachfolger Graf Wolfgangs als Landvogt der Ortenau, das Kloster unter seine Kontrolle zu bringen und es zu säkularisieren. Bevor Abt Philipp starb, setzte er als Nachfolger Melchior von Horneck (1531–1540) durch, der ihm ergeben war. Zu dieser Zeit lebten nur noch drei Mönche in Gengenbach. Der neue Abt, der sich offen zum Protestantismus bekannte, fügte sich den wirtschaftlichen Interessen des Landvogts. 1532 enthob der Landvogt den Abt von der Klosterverwaltung, im folgenden Jahr erfolgte zwar die Wiederzulassung, allerdings unter jede Selbstständigkeit unterbindenden Bedingungen. 1539 sollte der Abt schließlich mit einer Leibrente abgefunden werden. Auch genehmigte der Abt der Stadt, in der Klosterkirche Pfarrgottesdienste zu halten. Die evangelischen Prediger zogen ins Kloster ein. Schnell formierte sich jedoch Widerstand gegen den Abt, der von Prior Friedrich von Keppenbach angeführt wurde und vom Straßburger Bischof Wilhelm III. von Hohnstein (1506–1541) eine tatkräftige Unterstützung erhielt. Kurz vor seinem Tod wurde Horneck abgesetzt. Ihm folgte Friedrich von Keppenbach (1540–1555) als Abt nach. Er war als einziger Mönch in Gengenbach verblieben. Waren noch 1538 eine eigene Kirchenordnung und 1545 ein eigener protestantischer Katechismus erschienen, so führte das Interim Kaiser Karls V. (1519– 1556) von 1548 zu einer Rekatholisierung der Stadt Gengenbach. Abt Friedrich gelang es, die äußeren und inneren Verhältnisse zu ordnen. Er setzte mit Cornelius Eselsberger einen tatkräftigen Pfarrer ein und sorgte für einen wirtschaftlichen und geistig-religiösen Aufschwung des Klosters. Die Pfarrgottesdienste fanden nun wieder in der Pfarrkirche St. Martin statt, die Klosterkirche diente wieder den Gottesdiensten der Mönche. Unter Keppenbachs Nachfolger Gisbert Agricola (1556–1586) wurde der Aufschwung fortgesetzt. Er war als Mönch in das Kloster Maursmünster im Elsass eingetreten und dann zum Abt des Klosters Altdorf bei Molsheim berufen worden. Dieses Amt behielt er bei, als er erst 26-jährig zum Abt von Gengenbach bestellt wurde. Unter ihm stieg die Zahl der Mönche, unter denen nun wieder Bürgerliche zu finden waren, an, wodurch die Seelsorge der umliegenden Pfarreien deutlich verbessert werden konnte. Zu Gute kam ihm auch, dass das Haus Österreich die Landvogtei Ortenau und damit die Klostervogtei 1551/56 erlangen konnte. Damit waren die konfessionellen Zwistigkeiten ein- für allemal geklärt. Stadt und Kloster Gengenbach blieben katholisch. Nicht zuletzt durch die Auswirkungen des Trienter Konzils auf das Ordenswesen bemühte sich das Kloster unter den Äbten Johannes Ludwig Sorg (1586–1605) und Georg Breuning (1605–1617) um einen Anschluss an die Bursfelder Kongregation, die 1607 gemeinsam mit den anderen sechs Benediktinerklöstern des Bistums Straßburg gelang. Der Anschluss an eine Kongregation hatte sich als Mittel zur Hebung und Festigung der Ordensdisziplin bewährt. Sie wurde jedoch vom Straßburger Bischof Erzherzog Leopold von Österreich (1607–1626), der unter dem Einfluss der Jesuiten stand, vehement abgelehnt, da er die alleinige kirchliche Herrschaft über das Kloster haben wollte. Ihm gelang es, in den folgenden Jahren bis 1624, die Abtei wieder aus dem Klosterverband herauszulösen. So durften die Fratres ihre theologischen Studien nicht mehr am Bursfelder Seminar in Köln absolvieren, sondern mussten an der von Jesuiten geleiteten Hochschule in Molsheim studieren. Stattdessen gründete Leopold eine eigene Straßburger Kongregation, welche die sieben Benediktinerklöster der Diözese Straßburger umfasste. Neben Gengenbach waren dies Ebersmünster, →Ettenheimmünster, →Schwarzach, →Schuttern, Altdorf und Maursmünster. 1619 berief Bischof Leopold zwei Mönche aus dem Kloster Weingarten, um Reformen im Kloster in seinem Sinne voranzutreiben, die aber nur drei Jahre in Gengenbach blieben. Während des Dreißigjährigen Krieges blieben nur drei Mönche in Gengenbach, alle anderen flüchteten an sicherere Orte. Stadt und Kloster wurden abwechselnd von schwedischen und kaiserlichen Truppen besetzt und 1643 von den Truppen Bernhards von Weimar geplündert. Am Ende des Krieges war die Abtei stark verschuldet und erholte sich nur sehr langsam von den Folgen des Krieges. Einen neuerlichen Schlag erhielt die Abtei wie auch die Stadt am 8. September 1689, als französische Truppen im Zuge des Pfälzischen Erbfolgekrieges alle Gebäude in Brand setzten. In den Jahren danach gelang eine Konsolidierung der Klosterfinanzen und ein wirtschaftlicher Aufschwung, wovon die Barockisierung der Kirche, der Neubau der Abteigebäude (1693–1703) und des Kirchturms (1714–16) zeugen. Dazu trugen die von Abt Augustin Müller (1696–1726) errichtete Glashütte und die von Abt Benedikt Rischer (1743–1763) gegründete Blaufarbenfabrik bei. 1701 wurden die Markgrafen von Baden-Baden mit der Landgrafschaft Ortenau belehnt, die bis zu ihrem Aussterben 1771 die Schirmvogtei über das Kloster ausübten. Auch das geistig-geistliche Leben erlebte nach dem Dreißigjährigen Krieg und dann vor allem im 18. Jahrhundert eine neue Blüte. Die Kontakte zu anderen Benediktinerklöstern wurden intensiviert, beispielsweise zunächst zu Einsiedeln, dann zu →St. Blasien. Abt Placidus Reimann vom Kloster Einsiedeln stellte etwa Lehrkräfte aus seiner Abtei zur Verfügung. Zwischen 1655 und 1670 hielten sich abwechselnd Patres aus der großen innerschweizerischen Abtei in Gengenbach auf. Gengenbacher Fratres gingen ergänzend zum Studium nach Einsiedeln, darunter der aus der Schweiz stammende spätere Abt Placidus Thalmann (1680–1696), der eine Zeit lang zudem als Professor für Philosophie und Theologie in der Abtei Murbach im Elsass wirkte. Die Abtei St. Blasien leitete 1720–27 Blasius III., der aus dem Gengenbacher Geschlecht derer von Bender stammte. Immer wieder wurden im 18. Jahrhundert dorthin oder etwa auch an die Universitäten in Freiburg und Salzburg Mönche für eine weiterführende Ausbildung gesandt. Der spätere Gengenbacher Abt Paulus Seeger (1726–1742), der als begabter Musiker und Maler galt, erhielt ebenso seine vertiefende Ausbildung in St. Blasien wie Augustinus Dornblüth, der durch linguistische Studien auf sich aufmerksam machte und als Prior und Chronist des Klosters wirkte. Ein Verwandter von ihm mit demselben Ordensnamen wirkte von 1740 bis 1774 als Abt in Ettenheimmünster. Mit dem 98. Abt des Klosters Gengenbach Bernhard Maria Schwörer (1792–1807) sollte 1807 die über tausendjährige Geschichte der Abtei zu Ende gehen. Er stammte aus Gengenbach, besuchte vermutlich die Schule des Klosters und trat dann in den Konvent ein. Er ahnte wohl schon sehr bald, dass der Bestand der Abtei gefährdet war, hatte aber nahezu keine Möglichkeiten, dem entgegenzuwirken. 1795 wandte er sich in diesem Anliegen an die Oberlehnsherrschaft in Bamberg, die ihm dabei aber auch nicht weiterhelfen konnte. Denn die Entscheidungen wurden andernorts getroffen, zunächst auf dem Schlachtfeld, dann bei den Friedensschlüssen und schließlich auf dem Reichstag in Regensburg. Der Friede von Lunéville vom 9. Februar 1801, mit dem der Zweite Koalitionskrieg zu Ende ging, sah die Entschädigung weltlicher Fürsten für ihre Verluste durch Säkularisation und Mediatisierung vor. Nach dem Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 fielen die Reichsabtei wie auch die Reichsstadt Gengenbach neben zahlreichen weiteren Territorien an Baden. Schon zuvor hatte nach einer Aufforderung Napoleons die Markgrafschaft die neu erworbenen Lande in Besitz genommen. Am 24. September 1802 fand die provisorische Besitzergreifung statt, am 30. November dann die endgültige. Die Abtei hatte nach der Schätzung des Besitzergreifungskommissars, des Mahlberger Landvogts Franz von Roggenbach, größere Einkünfte als die Reichsstädte Gengenbach und Offenburg zusammen. Das Territorium, über das Karl Friedrich von Baden (1738–1811) nun Landesherr wurde, war sehr überschaubar. Es umfasste den Klosterbezirk in Gengenbach sowie ein kleines Territorium auf der Moos oberhalb Nordrachs mit der Gemeinde Schottenhöfen mit dem Mühlstein und der so genannten Fabrik, wo rund 300 Menschen lebten. Hinzu kamen zahlreiche Besitzungen und Rechte in insgesamt 26 Ortschaften der Ortenau. Das Kirchenpatronat übte die Abtei über acht Pfarreien aus: Gengenbach, Zell, Ichenheim, Dundenheim, Elgersweier, Nordrach, Biberach und Griesheim. Auch eine Lateinschule für die Bürgersöhne Gengenbachs sowie eine Studienanstalt für die eigenen Novizen bestand in der Abtei. Der Konvent bestand zu dieser Zeit aus 22 Patres, fünf Novizen sowie drei Laienbrüdern. Sechs der Patres waren in der Pfarrseelsorge in den zum Kloster gehörenden Pfarreien tätig. Zunächst hatte die Inbesitznahme nur Auswirkungen auf die Landeshoheit und die Vermögensverwaltung. Die Abtei selbst sollte nach dem vierten Organisationsedikt vom 14. Februar 1803 als Klosterkommunität erhalten bleiben und die Mönche der Abteien Schwarzach und Ettenheimmünster aufnehmen.24 Die Regelungen für das →Kloster Lichtental, die nun auch für Gengenbach anzuwenden waren, sahen unter anderem vor, dass nach dem Tod der Äbtissin an ihre Stelle eine Priorin trete und dass so lange keine Novizen aufgenommen werden dürfen, bis die Zahl der Klosterangehörigen auf zwölf herabgesunken sei. Bei einer Neuaufnahme war dann die Genehmigung der Regierung einzuholen. Am 3. Mai 1803 billigte der Geheime Rat in Karlsruhe auch die innere Organisation des Klosters. Ohne Rücksicht auf den bisherigen Zustand und das kirchliche Recht wurde verordnet, dass die Klosterhaushaltung gemeinschaftlich zu führen sei. Dem Abt wurde ein Rat beigegeben, der sich aus Prior, Subprior, Senior und Kassenadministrator zusammensetzte und den der Abt für alle wesentlichen Fragen des Klosters beiziehen musste. Außerdem musste er monatlich mit der Landesadministration abrechnen. Als nach dem Frieden von Preßburg Baden den Breisgau und die Ortenau erworben hatte, ging die Karlsruher Regierung daran, die dortigen Klöster, namentlich St. Blasien und →St. Peter, zu säkularisieren. In diesem Zusammenhang kündigte im Oktober 1806 die Regierung an, dass die mit den neuen Einrichtungen des Souveränen Großherzogthums nicht mehr wohl vereinbarlichen Klostercommunität Gengenbach definitive aufgelöst sei.25 Abt Schwörer bat daraufhin den Großherzog, dass die Klosterkommunität den Winter über noch bestehen bleiben und das Gymnasium bis Jahresende fortgeführt werden dürfe. Ferner bat er, dass vier alte Patres in der Kommunität wohnen bleiben können und dass die Erlaubnis gegeben werde, eine neue geistliche Kommunität für die Priester, die in der Pfarrseelsorge tätig sein würden, zu errichten. Die Regierung genehmigte daraufhin den Fortbestand des Klosters und der Schule bis zum 23. April 1807. Die vier betagten Patres durften wohnen bleiben, und die Regierung versicherte dem Abt, daß der Gottesdienst in jener Gegend durch die Aufhebung des Klosters nicht Noth leiden werde.26 Tatsächlich blieben die Patres, die nun die Pfarrseelsorge besorgten im Klostergebäude wohnen, auch wenn in Teilen Verwaltungen, zunächst das Obervogteiamt, dann das Bezirksamt, und die städtische Schule einzogen. Der letzte Abt übernahm 1814 nach dem Tod des Pfarrers Basilius Isenmann das Amt des Pfarrers und Dekans. 1817 starb Schwörer selbst. Besitz und WirtschaftÜber die genaue Gründungsausstattung des Klosters ist nichts Sicheres bekannt, weil die erste umfangreiche Besitzbestätigung erst aus dem Jahr 1139 stammt und diese den Ursprung der Güter nicht thematisiert.27 Vermutet wird aber eine Ausstattung mit Besitzungen von Schwiegenstein bis vor Ortenberg durch den Grafen Ruthard aus dem durch ihn verwalteten Königsgut, ohne dass sich daraus ein geschlossener Besitzkomplex ergeben hätte. Die Streitigkeiten zwischen der Abtei und ihren Ministerialen um Neubruchzehnten während des Investiturstreits zeugen von einer aktiven Rodungstätigkeit des Klosters im 11. und 12. Jahrhundert, die auch im 13. Jahrhundert fortgesetzt wurde. Hierzu kamen Schenkungen, die vor allem nach der Erfassung des Klosters von der Hirsauer Reform 1117 aus dem zähringischen Umfeld stammten. Dank der Besitzbestätigung Papst Innozenz’ II. des Jahres 1139 ist der zu dieser Zeit erreichte Besitzstand fassbar. Ein Schwerpunkt lag in der Ortenau mit Gengenbach, Zell, Steinach, Harmersbach, Nordrach, Reichenbach und dem vierten Teil der Burg Geroldseck, wie auch mehreren Ortschaften im Nordelsass rund um Hagenau. Daneben besaß die Abtei 1139 noch Güter im Breisgau und weitere verstreute Besitzungen in Schwaben. In der Ortenau vermehrte das Kloster seinen Besitz zwischen 1139 und 1289 deutlich von 11 auf 48 Ortschaften. Über die konkrete Bewirtschaftung der Güter in der Frühzeit des Klosters ist nichts bekannt und allzu schnell wurden in der älteren, wirtschaftsgeschichtlichen Forschung spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Verhältnisse auf das Früh- und Hochmittelalter übertragen. Stattdessen wird man zunächst von einer zeittypischen Mischung aus klösterlichen Fronhöfen in Eigenbewirtschaftung (sogenannte Villikationen) und lockerer an das Kloster gebundenen Zinshöfen ausgehen müssen. Erst mit der Auflösung der Villikationen am Ende des Hochmittelalters werden die Meier die alten Fronhöfe als Pächter übernommen haben, die aber weiterhin klösterliche Organisationseinheiten blieben, die unter mehreren Pfleghöfen zusammengefasst wurden. Die Eigenwirtschaft des Klosters war seitdem von geringerer Bedeutung. Die erwirtschafteten Überschüsse und Abgaben setzte die Abtei in den Städten der Region ab, wofür es als einziges Ortenauer Kloster seit 1331 von Zoll und Ungeld befreit war. Die Erzeugnisse aus seinen Elsässer Besitzungen vertrieb das Kloster über einen in Straßburg schon im 12. Jahrhundert nachweisbaren Stadthof. Daneben besaß die Abtei noch andere Einnahmequellen, insbesondere Zehntabgaben und die velle. Die ersten stammen aus den dem Kloster seelsorglich unterstehenden Pfarreien, die zweiten, zumindest dem Anspruch der Abtei nach, von allen Freien, Unfreien und Zugezogenen, die auf den klösterlichen Gütern lebten, wozu auch die auf Klostergrund gegründeten Städte Gengenbach, Offenburg und Zell am Harmersbach zählten. Unter den vellen wurden in der Region vor allem Todfallabgaben verstanden, deren wirtschaftliche Bedeutung für das Kloster als Stadtherren nicht zu unterschätzen ist. Der Widerstand der Städte grenzte diese Einkünfte jedoch mit der Zeit ein. Als erste setzte Offenburg nach langem Streit 1343 eine Begrenzung der Gefälle nur auf die in der Stadt wohnenden Eigenleute des Klosters durch. Deutlich später, im Jahr 1507, folgte die Stadt Gengenbach diesem Beispiel und in den folgenden Jahrzehnten verlor die Abtei diese Rechte sogar in ländlichen Gebieten. Die Landwirtschaft blieb bis zur Säkularisation die Haupteinnahmequelle der Abtei. Sie hatte auf ihrem Gelände eine große Mahl- und Ölmühle mit allgemeinem Mühlenzwang. Eine wesentliche Rolle spielte der Anbau von Reben. Zunächst hatte die Abtei ihren Weinbedarf aus den elsässischen Besitzungen bezogen, dann aber an den Südhängen des Kinzigtals selbst Reben angebaut. Schließlich war die Abtei die größte Rebenbesitzerin der Ortenau. Alle Winzer mussten die abteiliche Trotte auf dem Abtsberg, später in Bermersbach benutzen. Der Wein wurde unter anderem auch in der Weinwirtschaft im Klosterareal ausgeschenkt. Wichtig war auch die Forstwirtschaft, besaß doch die Abtei vor allem »auf der Moos«, zwischen Kinzig- und Renchtal, große Wälder. Das Holz wurde in eigenen Sägemühlen verarbeitet oder über die Flößerei vertrieben. Neben der Naturalwirtschaft gewann auch das Kreditwesen an Bedeutung. Die Abtei vergab vor allem an kleine Leute immer wieder Kredite, die sich bei der Säkularisation auf 52.000 Gulden summierten, hatte aber selbst auch Schulden in etwa dieser Höhe. Im Zeichen des Merkantilismus gründete die Gengenbacher Abtei Ende des 17. Jahrhunderts eine Glashütte. Die Glaser stellten unter anderem Spiegelscheiben, Vasen, Flaschen und Trinkgläser her. Für den Betrieb der Hütte wurden große Mengen Brennholz benötigt, das in den klostereigenen Wäldern auf der Moos geschlagen wurde. Durch Abholzen des Waldes wurde zugleich Acker- und Weideland gewonnen. Es entstanden damals die sogenannten »Höhenhöfe« auf der heutigen Gemarkung Nordrach. 1750 wurde zudem eine Blaufarbenfabrik errichtet. Das Smalte-Blaupigment, das hier aus Kobalterz, Quarz und Pottasche hergestellt wurde, war vor allem für die Porzellanbemalung gesucht, da es hitzebeständig und lichtecht ist. Religiöses und kulturelles WirkenVon der Spiritualität des Klosters in seiner Frühzeit ist wenig bekannt. Die Verbrüderungsbücher aus der Karolingerzeit zeugen von einer zeitgemäßen Form der Sorge um das Seelenheil der Konventualen. Ab dem 11. Jahrhundert wurde nachweislich auch die Memoria der weltlichen Stifter gepflegt, indem deren Namen in Nekrologien eingetragen wurden – allen voran derjenige des Klostergründers Ruthard und seiner Gemahlin, die entsprechend der klostereigenen Überlieferung auch im Kloster selbst bestattet wurden. Der Wunsch, in der Klosteranlage bestattet zu werden, war auch der Anlass vieler Schenkungen an die Abtei, wobei letztere darüber in einen Konflikt mit der Pfarrkirche geriet, der 1258 durch ein an Gengenbach gerichtetes päpstliches Begräbnisprivileg beigelegt wurde. Das Kloster war im Rahmen seines religiösen Wirkens auch für zwei Wallfahrtsorte zuständig. Mit der Wallfahrtskirche auf dem Kastelberg (»Bergle«) oberhalb Gengenbachs besaß das Kloster in unmittelbarer Nähe eine Wallfahrt. Schon für die römische Zeit ist hier eine Kultstätte belegt. Im 13. Jahrhundert errichtete dann das Kloster eine dem Hl. Apostel Jakobus geweihte Kirche auf dem Berg, die 1289 erstmals urkundlich erwähnt wird. 1520 wird dann der Berg »Einbethenberg« genannt, ein Hinweis, dass zu dieser Zeit auch die Hl. Einbeth , die mit den Hll. Warbeth und Wilbeth in Straßburg ihr Grab hatte, hier verehrt wurde. Die Kirche wurde unter Abt Thalmann 1681 grundlegend erneuert, erweitert und neu ausgestattet. Sie führte nun als Patroninnen die Hl. Einbeth zusammen mit den beiden Märtyrerinnen Perpetua und Felicitas. Im 18. Jahrhundert sind dann auch Marienwallfahrten auf das Bergle bezeugt. Der zweite Wallfahrtsort, an der Grenze zu Zell am Harmersbach in Unterharmersbach gelegen, ist die Kirche »Maria zu den Ketten«. Über die Ursprünge gibt es keine gesicherten Angaben. Der Bau der heutigen Wallfahrtskirche entstand unter Abt Jakob von Bern (1475–1493) und wurde nach dem Dreißigjährigen Krieg erneuert und im 18. Jahrhundert erweitert. Die →Kapuziner von Haslach besorgten die Betreuung der Pilger von 1630 bis 1803. 1672 gelang es Abt Placidus Thalmann mit zahlreichen weiteren Reliquien einen Katakombenheiligen aus Rom, den Hl. Nazarius, nach Gengenbach zu holen. Die Hoffnung auf eine dauerhafte Verehrung erfüllte sich jedoch nicht. Die Abtei hatte darüber hinaus auch Aufgaben im Bereich der Seelsorge. Vor 1287 besaß sie die Pfarrkirche in Gengenbach (St. Martin), dazu noch zusammen acht Pfarreien in Steinach, Weiler, Zell a. H., Oberhammersbach, Reichenbach bei Lahr und Ichenheim (alle Ortenaukreis), Batzendorf bei Hagenau (Elsass) und Niedereschach (Schwarzwald-Baar-Kreis). Im Bereich der Pfarrei Gengenbach besaß das Kloster noch die Kapellen St. Nikolaus (Spitalkapelle innerhalb des Klosterbezirks), St. Jakobus auf dem Bergle (Wallfahrtskapelle) und St. Michael im Haigerach. Ab 1287 folgten dann noch acht Patronate über Biberach, Nordrach, Dattenweiler (abg. Gde. Elgersweier), Elgersweier, Windschläg, Griesheim, Dundenheim (alle Ortenaukreis), Neuershausen (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald), dazu fünf Kapellen in Reichenbach (St. Peter), Offenburg, Oberschopfheim, Höfen bei Allmannsweier (alle Ortenaukreis), Bad Rippoldsau (Lkr. Freudenstadt), ferner die Wallfahrtskapellen Maria zu den Ketten in Unterharmersbach und Maria zu den vier Stegen in Berghaupten (alle Ortenaukreis). Der Abtei inkorporiert wurden hiervon: St. Martin in Gengenbach, Zell a. H. samt der Wallfahrtskirche, Nordrach, Oberharmersbach, Biberach, Elgersweier, Griesheim, Ichenheim und Niedereschach.28 Für die seelsorgerischen Aufgaben wurden häufig Weltgeistliche bestellt, weil der Personalbestand des Klosters nicht ausreichte, um alle Pfarreien mit Priestermönchen zu besetzen. Der Papst konnte ab dem 13. Jahrhundert unter Umgehung des Diözesanbischofs direkt Kleriker für die Pfarreikirchen ernennen, was das Kloster als Belastung wahrnahm. Papst Alexander IV. (1254–1261) erklärte daraufhin im Jahr 1255 die Gengenbach betreffenden Provisionen seines Vorgängers für nicht bindend, behielt sich aber selbst vor, neue auszustellen.29 Man trifft entsprechend auch in der Folgezeit auf Pfarrer mit päpstlicher Provision. Jenseits der Seelsorge engagierte sich die Abtei auch im Bereich der Bildung. Die erste Erwähnung einer Klosterschule, in der vor allem Gengenbacher Kinder unterrichtet wurden, stammt aus dem 14. Jahrhundert aus der Zeit Abt Lamberts von Brünn. Während der Reformationszeit wurde sie nicht mehr vom Kloster betrieben, sondern die Stadt stellte protestantische Lehrer ein. Nach dem Interim wurde sie jedoch unter Abt Keppenbach wiedereröffnet und bestand bis zur Auflösung der Abtei. Vor allem Gengenbacher Bürgersöhne erhielten hier ihren Schulunterricht. Die Veröffentlichungen aus den Federn der Gengenbacher Mönche sind hingegen für eine Abtei dieser Größe sehr überschaubar. Der bereits erwähnte Pater Augustin Dornblüth machte sich durch Übersetzungen aus dem Französischen und Lateinischen sowie als vehementer Gegner von Johann Christoph Gottsched im barocken Sprachenstreit einen Namen. Dornblüth kritisierte dessen Form einer hochdeutschen Schriftsprache. Er stand in der Tradition der oberdeutschen Literatursprache, die seit dem späten 17. Jahrhundert entstanden war und sich an dem kaiserlichen bzw. kurfürstlich-bayerischen Kanzleistil in Wien, Prag und München orientierte. Sein Hauptwerk erschien in 2. Auflage 1755 in Augsburg und Leipzig unter dem Titel »Gründliche Anmerkungen über die Art und Weise eine gute Uebersetzung besonders in die deutsche Sprache zu machen.«. 1792/93 erschienen in Rastatt vier erbauliche Bände des Subpriors Augustin Schillinger mit dem Titel »Der Gut-Katholische Christ, so wie er sein soll in Wort und Thaten«. Daneben ragt von den im Gengenbacher Kloster tätigen Wissenschaftlern und Erfindern Pater Coelestin Quintenz (1774–1822) heraus. Er war gebürtiger Gengenbacher und trat nach Besuch der von seinem Vater geleiteten Klosterschule in die Benediktinerabtei ein. Abt Schwörer förderte seine naturwissenschaftliche Begabung und insbesondere sein Interesse an der Mechanik und ernannte ihn zum Mathematikprofessor an der Klosterschule. Nach der Säkularisation trat er in den Laienstand zurück und nahm seinen Taufnamen Alois wieder an. Er zog, ausgestattet mit einem Empfehlungsschreiben des Abtes, nach Straßburg, wo er einen mechanischen Betrieb gründete und sich vor allem mit Brückenwaagen beschäftigte. 1821 stellte er einen Patentantrag für seine bedeutendste Erfindung, die tragbare Brückenwaage als Dezimalwaage. Einer größeren Pflege als die Wissenschaft erfreute sich die Musik. Wie in allen Benediktinerklöstern gehörte die liturgische Vokal- und Instrumentalmusik zum selbstverständlichen Leben in der Abtei dazu. Aber auch außerhalb der Gottesdienste wurde die Musik gepflegt, insbesondere in der klostereigenen Schule, wo die Schüler nahezu täglich Musikunterricht hatten. Viele der Mönche waren nicht nur im Gesang ausgebildet, sondern beherrschten auch ein oder mehrere Instrumente. Unter den musizierenden Patres ragt P. Joseph Schmittbauer (1755–1830) heraus. Er war Sohn des Rastatter und später Karlsruher Hofkapellmeisters Joseph Aloys Schmittbauer. 1771 in die Abtei eingetreten, wurde er 1779 zum Priester geweiht. Nach der Säkularisation wirkte er als Orgelbausachverständiger der Katholischen Kirchensektion in Karlsruhe und übernahm 1814 die Pfarrei in Daxlanden bei Karlsruhe. Er unterrichtete nicht nur Musik an der Gengenbacher Klosterschule und musizierte, sondern war auch als Komponist tätig. Davon zeugt das 1820 in Karlsruhe im Druck erschienene Werk »Neue Kirchen-Melodien mit unterschiedlichem deutschem Text für den kath. Gottesdienst«. Bibliothek und ArchivIm 11. Jahrhundert lässt sich in Gengenbach ein eigenes Skriptorium fassen, weiter um 1500 eine klostereigene Buchbinderei. Zwischen 1233 und 1235 wurden Bibliothek und Archiv geplündert oder zerstört. Beide Einrichtungen entgingen aber dem Klosterbrand 1689. Ab dem 16. Jahrhundert wurde die Bibliothek systematisch ausgebaut, wie Besitzvermerke zeigen, die meist mit den Amtszeiten einzelner Äbte in Verbindung stehen. Am zeitlichen Anfang steht die Amtszeit von Gisbert Agricola. Unter Abt Johann Ludwig Sorg wurde die Bibliothek des von Württemberg aufgehobenen Hirsauer Priorats Klosterreichenbach übernommen, Anfang des 17. Jahrhunderts die Büchersammlung des aus Hagenau stammenden Mathematikers und Astronomen Nikolaus Scheid. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gab Gengenbach einen großen Teil seiner Bibliothek an Ettenheimmünster ab. Nach der Aufhebung des Klosters gingen 1808 654 Titel an die Hofbibliothek in Karlsruhe, 1809/10 738 Werke an die Universitätsbibliothek Heidelberg und 1819 zwei Kisten an die Universitätsbibliothek Freiburg. Weitere Bücher fielen an die Schulen in Gengenbach und Offenburg; 1832 wurden die Reste der Bibliothek verkauft. Heute sind etwa 20 Handschriften Gengenbacher Provenienz bekannt, die überwiegend in der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe, dann in der Universitätsbibliothek Heidelberg und der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart aufbewahrt werden. In erster Linie handelt es sich um liturgische Codices. An Gengenbacher Inkunabeln werden heute 50 Titel in Heidelberg, 25 Titel in Karlsruhe und zehn Titel in Freiburg bewahrt. Bei der Säkularisation fiel das Archiv des Klosters ebenso wie dasjenige der Reichsstadt Gengenbach an den badischen Staat. Beide Archive wurden zu großen Teilen nach Karlsruhe ins Generallandesarchiv verbracht. Der Bestand beruht in seinem Kern auf den Entnahmen »hoheitlicher« Unterlagen aus beiden Archiven durch badische Kommissare, während die laufenden Akten vor allem im Hinblick auf wirtschaftliche Angelegenheiten beim neu geschaffene Obervogteiamt Gengenbach verblieben, dem Vorläufer des Bezirksamts. Die Archivalien wurden im Generallandesarchiv entsprechend den bestehenden Prinzipien der Archivordnung und Bestandsbildung getrennt. Bau- und KunstgeschichteLageDie ehemalige Klosteranlage liegt am östlichen Rand der Stadt. Umgeben von Frei- und Grünflächen wird der Klosterbezirk an der Süd- und Ostseite von einer Klostermauer begrenzt, die gleichzeitig Stadtmauer war. Ein Plan von 1803 zeigt das Kloster vor der Auflösung.30 Liturgisches Zentrum ist die Klosterkirche mit den südlich anschließenden Klostergebäuden, die den Innenhof umschließen. Dem Ostflügel ist ein heute nicht mehr vorhandener Trakt angefügt, der bis zur Kloster- bzw. Stadtmauer reichte. Um dieses Zentrum gliedern sich nach Süden und Westen Ökonomiegebäude. Kirche und KonventsbautenIn die Gründungszeit reichende frühmittelalterliche und karolingische Funde brachte eine Grabung 2009 zutage.31 Sie belegen, dass der karolingische Konventsbau – vergleichbar mit Reichenau-Mittelzell – an der Nordseite der Klosterkirche lag und nicht anstelle der heutigen barocken Konventsflügel an der Südseite. Fundamentmauern eines mindestens 28 m langen und mehr als 4,5 m breiten Gebäudes mit Estrichboden wurden ergraben. Der heutige Kirchenbau stammt aus dem 1. Drittel des 12. Jahrhunderts und ist stilistisch verwandt mit der Klosterkirche in Alpirsbach. Trotz Erneuerungen gilt die Kirche als beispielhaft für die Ordensbaukunst der hirsauischen Reformbewegung unter Einfluss elsässischer Bauformen. Grabungen 1982 innerhalb der Kirche blieben ohne nennenswerte Befunde.32 Der Außenbau der Kirche ist verputzt, am Staffelchor zeigt sich eine Gliederung durch Vorlagen und Gurtgesimse, die dem späten 12. Jahrhundert zugeordnet werden. Der Giebel über der Hauptapsis mit ansteigenden Rundbogennischen ist eine Zutat des 19. Jahrhunderts. Vor der Westfassade befand sich ursprünglich eine zweigeschossige Vorhalle aus der Mitte des 12 Jahrhunderts, deren Obergeschoss zum Mittelschiff hin geöffnet war. Von ihr sind an der heutigen Westfassade Zwillingsfenster vergleichbar in Alpirsbach und dazwischen eine ehemalige Altarnische erhalten. (Abb. 1) An Fassade und Portal sind die romanischen Reliefs eines Adlers und Löwen eingelassen. Zum Giebel hin zeigt sich ein Rundbogenfries, darüber in flacher Nische eine thronende Muttergottes ebenfalls aus romanischer Zeit. Über eine Turmlösung aus romanischer Zeit ist nichts bekannt. Der Grundriss der dreischiffigen Anlage mit ausladendem Querhaus entwickelt sich aus dem Vierungsquadrat. An die Vierung folgt nach Osten ein fünfteiliger Staffelchor mit halbrunder Hauptapsis. Die zweijochigen, ebenfalls halbrund geschlossenen Nebenchöre liegen in Verlängerung der Seitenschiffe. Das flachgedeckte Langhaus weist einen Stützenwechsel aus Pfeilern und Säulen auf (Abb. 3), vergleichbar den Kirchen im elsässischen Rosheim oder Surbourg. Westlich der Vierung begrenzt ein Pfeilerpaar den Vorchor. Die Pfeiler sind mit kräftigen attischen Basen und Eckspornen versehen, die Säulen mit Halsringen und Würfelkapitellen. Über der Arkadenzone verläuft ein horizontales Gesims. Es ist wie die abgeschrägten Kämpferplatten der Stützen mit einem Würfelfries ornamentiert bzw. mit Akanthusblättern verziert. Veränderungen erhielt der romanische Chorschluss 1398–1415, als man den oberen Bereich der Hauptapsis polygonal erneuerte. 1505 baute Reichsabt Konrad von Müllenheim zwischen nördlichem Querhaus und Langhaus die Hl.-Grab-Kapelle mit Baldachinarchitektur aus Maßwerkbögen und Fialen, zweiteiligen Maßwerkfenstern und Netzgewölbe (Abb. 5). 1589 erhielten die Chorseitenschiffe Kreuzrippengewölbe. Nach Zerstörungen 1689 erfolgte der Neubau von Turm und Klostergebäuden und die Barockisierung der Kirche. Hiervon ist außer dem Hauptportal vor allem die St. Josephskapelle zwischen südlichem Querhaus und Langhaus erhalten. Sie wurde 1694 durch Franz Beer I. errichtet. Der viergeschossige, durch Eckpilaster und Rundbogenöffnungen gegliederte Turm mit quadratischem Grundriss und oktogonalem Glockengeschoß wurde 1714–16 ebenfalls von Franz Beer I. gebaut. Ausführender Baumeister war Johann Jakob Rischer. Eine Zwiebelhaube mit Laterne bildet die Bekrönung. Die Konventsgebäude entstanden ab 1694 neu. Von ursprünglich drei Flügeln sind noch zwei erhalten. Der Ostflügel sowie ein weiterer Trakt wurden im 19. Jahrhundert abgebrochen und 1905 durch einen eingeschossigen Torbau ersetzt. Für den Wiederaufbau war auch hier Franz Beer I. unter Mitwirkung seines Bruders Peter Beer I. verantwortlich. Der Innenausbau dauerte bis in die Zeit des Abtes Benedikt Rischer (1743–1763). Der Westflügel, das Abteigebäude, ist dreigeschossig. Eckrisalite rahmen einen Mitteltrakt mit rundbogigem Sandsteinportal, das von Doppelpilastern mit vorgelegten Säulen auf Postamenten flankiert wird. Darüber schwingt ein Balkon auf Rocaillekonsolen mit schmiedeeisernem Gitter aus. Die Balkontür zeigt das Wappen von Abt Augustinus Müller (1696–1726). Das Wappen an den später eingefügten Rocaillekonsolen und das Monogramm am Balkongitter nehmen Bezug auf Abt Benedikt Rischer. Alle Fenster sind mit gleich profilierten Sandsteinrahmen versehen. Über profiliertem Kranzgesims werden die Giebel der Eckrisalite durch Gesimse in zwei Geschosse geteilt und von Voluten und Obelisken begrenzt. Im Inneren ein mit kunstvollen Stuckarbeiten (um 1730/40) ausgestattetes Vestibül, dessen Wände durch Pilaster gegliedert sind. Eine Sandsteintreppe hinter vier Säulen erschließt die oberen Geschosse. Die einläufige Treppe ist im Rechteck geführt und besitzt ein kunstvolles schmiedeeisernes Geländer. Nach oben schließt eine stuckierte Spiegeldecke das Vestibül. Die Türen bekrönen Rocaillestuck mit Kaiserbüsten. Decken- und Wandbilder mit antiken Gottheiten schuf Hermann Göhler 1901. Stuckdecken des 18. Jahrhunderts sind auch in weiteren Räumen anzutreffen. In einem Raum hat sich eine ausgemalte Altarnische mit Landschaftsdarstellung und Scheinkuppel erhalten. Der Südflügel, das sog Konventsgebäude, zeigt über einem hohen Sockel mit korbbogigen Kellertoren eine dreigeschossige Fassade, die durch Fenster mit einfachen Sandsteinrahmen gegliedert ist. Im Inneren befindet sich das ehemalige Refektorium mit Stuckdecke. Akzente setzen in der Mitte der Decke das Auge Gottes in Strahlenkranz sowie Blumenkörbe, eine Wappenkartusche mit Reichsadler und Wappen. An weiterer Ausstattung sind unter anderem Türen, Stuckdecken und Wandbemalungen unterschiedlicher Zeitstufen zu nennen. Die Hofseiten beider Flügel zeigen scheinarchitektonische Bemalungen. Wie der 1803 entstandene Situationsplan zeigt, lagen die Ökonomiegebäude der Stadt zugewandt. Sie enthielten Stallungen, Remise, Pförtnerhaus, Apotheke, Wirtsstube, Küferei, Weinkeller, Mühle und Bäckerei und grenzten unmittelbar an die Bürgerhäuer der Stadt. An der Klosterstraße, im rückwärtigen Bereich des Rathauses, hat sich ein dreiteiliger Baukomplex (heute Bauverwaltung) mit großen gewölbten Kellern erhalten, der zur Klosterzeit Weinkeller enthielt. Über den Kellern befanden sich Fruchtspeicher. Baugeschichtliche Untersuchungen ergaben, dass die Bausubstanz aus der Zeit des Wiederaufbaus der Klosteranlage im späten 17. / frühen 18. Jahrhundert stammt, wobei Mauerteile einer ins Mittelalter reichenden Vorgängerbebauung integriert wurden.33 An der Nord- und Ostseite liegen formale Gartenanlagen sowie ein Englischer Garten mit dem sog. Prälatenturm als Gartenhaus. Seit der Säkularisation ist die Klosterkirche St. Maria Pfarrkirche der Stadt, in den Klostergebäuden sind eine Fachhochschule sowie das Pfarrhaus untergebracht. Anstelle der einstigen Ökonomiegebäude befinden sich hier heute Wohn- und Geschäftshäuser. Materielle Kulturgeschichte, BauausstattungIn der Kirche ist aus romanischer Zeit, außer der Architekturdekoration und Reliefs von Adler und Löwe an der Westfassade, keine Ausstattung erhalten. Mittelalterliche Farbfassungen sind nicht mehr vorhanden. Von 1505 stammt die Heilig-Grab-Kapelle. Unter einer Baldachinarchitektur aus Maßwerkbögen und Fialen sind der Leichnam Christi, die drei Frauen mit Salbgefäßen sowie am Sockel schlafende Wächter zu sehen (Abb. 5). Gengenbacher Passionsteppiche von 1592–1620 befinden sich heute im Museum Haus Löwenberg. Barocke Ausstattung zeigt die St. Josephskapelle. Der Altar besitzt eine Scheinarchitektur mit den beiden Johannes. Die Glorie des Hl. Joseph im Altarblatt schuf 1786 Franz Joseph Stöber. Ein Taufstein von Peter Schwab, um 1750/60, mit Darstellung der Taufe Christi sowie das Chorgestühl von 1730/33 sind weitere Stücke aus barocker Zeit. Neben der romanischen Architektur prägt den Kirchenraum vor allem die historistische Ausstattung von 1892–1906 mit Neugestaltung des Innenraums und Einbau einer Orgelempore. Die künstlerische Beratung lag bei Desiderius Lenz aus →Beuron. Die Bauleitung hatte der erzbischöfliche Baumeister Max Meckel. Über dem Langhaus zog man eine kassettierte Holzdecke nach Vorbildern in Hildesheim und Braunschweig ein. Die Ausmalung schuf 1895/96 Carl Philipp Schilling in Anlehnung an den Dom zu Braunschweig, St. Michael in Hildesheim und St. Georg in Reichenau-Oberzell. Als breites Band umzieht eine Bilderfolge mit Darstellungen von Wundern ähnlich Buchmalerei die Zone zwischen Arkaden und Obergaden. Im südlichen Querhaus sind die Passion Christi und das Weltgericht nach Rogier van der Weyden, im nördlichen Querhaus die Kreuzauffindung sowie Heilige, Kirchenväter und Apostel dargestellt (Abb. 3). Den Hochaltar von 1901 aus farbig gefasster Terrakotta thematisiert die Hochzeit zu Kana und das Abendmahl. Die Querhausaltäre sind Benedikt und Antonius geweiht, die der Nebenapsiden Christkönig und Maria. Die neugotische Kanzel ist mit Passionsszenen und Stifterportrait versehen. Die Buntglasfenster zeigen Marientod und -krönung, Heilige sowie die sieben Sakramente. BibliographieQuellen: Annales Gengenbacenses, in: MGH SS 5, S. 389 f.; Zell 1871; Acta Gengenbacensia 1889; Barth 1952. Handbücher und Lexika: Dehio, Baden-Württemberg Bd. 2, S. 249–252 (Karin Stober); GermBen V, S. 228–242 (Karlleopold Hitzfeld); KDM Bd. 7, S. 335–445 (Max Wingenroth); kloester-bw, Benediktinerabtei Gengenbach (Matthias Heß/Wilbirgis Klaiber). Literatur: Hitzfeld 1955; Schwarzmaier 1971; 1973; 1975; Hillenbrand 1976; End 1978; Brommer 1986; Lederer 2007; Hillenbrand 2021. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
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