Oberkirch, Kapuziner
| Kurzbeschreibung: | 1697 Gründung – 1803 Aufhebung –1825 Wegzug der letzten Mönche – 1847 Abbruch der Klosteranlage Patrozinium: JosefOrdensgliederung: Vorderösterreichische Provinz, Kustodie Freiburg; 1781 Schwäbische ProvinzKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Straßburg, Archidiakonat Ultra Rhenum, Landkapitel Offenburg |
|---|---|
| Ortsbezüge: |
|
| Ordensregel: |
|
| Beschreibung: | Name: ad Capucinos (1698)1 GeschichteIn ihrer Blütezeit unterhielt die Vorderösterreichische Kapuzinerprovinz im rechtsrheinischen Teil der Diözese Straßburg fünf Häuser. Zu diesen zählte seit 1697 auch ein Kloster in Oberkirch, dessen Gründung mit den seelsorgerlichen Erfolgen des 29 Jahre zuvor eingerichteten Kapuzinerhospizes →Oppenau in einem direkten Zusammenhang stand. Mit dem Plan, in Oberkirch, dem angestammten Sitz der gleichnamigen bischöflich-straßburgischen Herrschaft, ein Kloster ins Leben zu rufen, verbanden die Ordensmänner das Vorhaben, das ihnen als erster Renchtal-Standort zugewiesene Oppenauer Hospiz zu ersetzen. Die Kapuziner mussten für die gewünschte Aufwertung ihrer Renchtäler Präsenz sowohl beim Straßburger Fürstbischof Wilhelm Egon von Fürstenberg (1682–1704) als auch bei Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden (1677–1707) Überzeugungsarbeit leisten. Dies erforderte angesichts einer besonderen Konstellation einiges Verhandlungsgeschick. So war dem Fürstenberger wegen seiner Parteinahme für Frankreich im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1689–97) auf Anordnung des Kaisers 1689 das Oberamt Oberkirch entzogen und stattdessen dem Baden-Badener unterstellt worden. Zugute kam dem in bewegten Zeiten betriebenen Projekt, dass sowohl die Fürstenberger als auch das Haus Baden-Baden kapuzinerfreundlich eingestellt waren und dem Orden bereits zu einigen Niederlassungen verholfen hatten. Nachdem der Markgraf seine Zustimmung erteilt hatte, bewilligte auch der Fürstbischof am 21. November 1695 das Bauvorhaben. An sein Einverständnis war jedoch die ihm von den Einwohnern Oppenaus nahegelegte Bedingung geknüpft, dass das dortige Hospiz fortzubestehen habe. Primäres Anliegen beider Renchtal-Niederlassungen war es, im Zusammenspiel mit den alteingesessenen Mönchsorden die Seelsorge in den weitläufigen Pfarreien des Acher- und Renchtals zu verbessern. Gegenreformatorische Anliegen spielten Ende des 17. Jahrhunderts hingegen keine Rolle mehr. Der Aufschwung, den der Protestantismus in der Zeit der württembergischen Pfandherrschaft in Oberkirch und in anderen Renchtalgemeinden genommen hatte, lag viele Jahrzehnte zurück und war ein Intermezzo geblieben. Obwohl Oberkirch 1689 schwere Zerstörungen durch französische Truppen hatte hinnehmen müssen, standen die von Oberamtmann Johann Baptist von Bodeck angeführte Beamtenschaft und die Bürgerschaft geschlossen hinter dem Gründungsprojekt. Die Oberkircher dokumentierten ihre Sympathie für die Kapuziner durch unentgeltlich erbrachte Bauleistungen. Entsprechend groß war die Anteilnahme an der am 25. Mai 1697 feierlich vollzogenen Grundsteinlegung. Nicht von ungefähr zählte Albertus Schleck, der Vorsteher des Prämonstratenserstifts →Allerheiligen, zu den Ehrengästen, war es doch die von ihm vertretene Gemeinschaft, die sich schon früh für ein Renchtäler Engagement der Kapuziner eingesetzt hatte und in ihnen stets unverzichtbare Helfer in der Seelsorge erblickte. Die Oberrheinregion blieb ein Brennpunkt militärischer Auseinandersetzungen, was dazu führte, dass die Konsekration der 1697 fertiggestellten Klosterkirche erst am 26. August 1737 erfolgen konnte. Einen Hinweis auf das selbst in der Chronistik des Ordens verschwiegene Patrozinium gewährt eine 1846 erstellte Zeichnung der damals vor dem Abriss stehenden Klosteranlage und ihres Gotteshauses. Dessen Hochaltarbild wird als Darstellung des heiligen Josef ausgewiesen, was es nahelegt, dass der Nährvater Jesu als Patron fungierte und die besondere Verehrung des Konvents genoss. Besagte Zeichnung galt einem Kloster für das 1803 zum Schicksalsjahr geworden war. Obwohl damals vom badischen Staat offiziell aufgehoben, wurde dem mit 25 Insassen noch fast in Vollstärke besetzten Konvent ein Bleiberecht zugestanden. Hinzu trat aber die Auflage, keine Novizen aufnehmen zu dürfen. Die personell zusehends dahinschwindende Klosterfamilie war noch über 20 Jahre in der Seelsorge aktiv, ehe sie 1825 ihren Abschiedsgottesdienst feierte. Bau- und KunstgeschichteDas Kapuzinerkloster lag in der nordwestlichen Vorstadt und füllte in etwa die Fläche, die heute von Hauptstraße, Renchener Straße und Kapuzinergasse eingefasst wird. Die westlich davon gelegene evangelische Pfarrkirche steht dort, wo sich früher der Garten erstreckt hatte. Die Klosterkirche setzte sich aus einem breiten Langhaus und einem schmaleren Chorbereich aus Altarraum und Psallierchor zusammen. Sie lag an der Renchener Straße mit der Chorachse nach Nordosten gerichtet. Das Konventsgeviert schloss linksseitig nach Nordwesten an, war vom Kirchengiebel zurückgesetzt und lag bündig zum Chor. Im parallel zur Kirche gelegenen Flügel an der Nordwestseite war das Refektorium untergebracht, daran anschließend die Küche in der nach Norden liegenden Ecke mit Anschluss an die Vorratsräume im nordöstlichen Flügel. Der Innenhof war auf drei Seiten mit offenem Gang mit Holzstützen umgeben, an der Nordostseite aber mit geschlossenem Gang, der sich zwischen dem Zugang zum inneren Chor am einen und zum Refektorium am anderen Ende spannte. Die Errichtung im Jahr 1697 ging rasch vonstatten. Da die Stadt 1689 zerstört worden war, ein Friedensvertrag noch nicht abgeschlossen war und deshalb mit dem Wiederaufbau noch nicht begonnen werden durfte, gab es viele helfende Hände. Vorgesehen war zunächst nur der Bau eines Hospizes, doch schon 1698 wurde es zu einem Kloster erhoben. Im Laufe des 18. Jahrhunderts kam eine Fideliskapelle hinzu. Wie bei vielen anderen Kapuzinerklöstern fügte man sie seitlich an das Langhaus an, doch während man andernorts die freistehende Seite dafür wählte platzierte man sie auf der Konventsseite, opferte ihr ein kurzes Stück des vorderen Flügels und verlagerte die Klosterpforte neben die Kapelle. Unter der Fideliskapelle wurde eine Gruft angelegt, die sich über die Grundfläche der Kapelle hinaus bis unter den Pfortengang ausdehnte. Am Vorplatz befand sich in Verlängerung der Pforte ein Ölberg. 1825 wurde das Kloster endgültig aufgelöst und im Folgejahr versteigert. Die Gebeine übertrug man von der Gruft auf den Friedhof. Die Kirche nutzte man als Holzlager, doch die Gebäude verfielen zusehends und 1847 wurden sie schließlich abgetragen. Zu diesem Anlass hatte Malermeister Joseph Walz 1846 ein Aufmaß in Grundriss, Schnitt und Ansicht angefertigt. Das freigeräumte Gelände wurde parzelliert und dazu genutzt, die beiden vorbeiführenden Straßen zu verbreitern, die Kapuzinergasse wurde angelegt und seit 1865 steht die evangelische Kirche im früheren Gartenbereich. Einziges bauliches Überbleibsel der Klosteranlage ist ein Stück der Umfassungsmauer hinter jener Kirche. Ein Gedenkstein auf dem Friedhof erinnert an das Wirken der Kapuziner. Er wurde 1826 für die damals hierher übertragenen Gebeine aufgestellt. Von der früheren Ausstattung der Klosterkirche findet sich ein 1758 geschaffenes Kreuzigungsbild in der katholischen Pfarrkirche von Oberkirch. Die drei Altäre stehen in der katholischen Pfarrkirche von Ebersweier. Der Hochaltar zeigt im Auszug die Heiligen Franziskus und Dominikus, die Seitenaltäre links die 14 Nothelfer und rechts den Hl. Antonius. Die Gemälde wurden von Johann Friedrich Sichelbein angefertigt. BibliographieQuellen: Romuald von Stockach 1747, S. 144–147. Handbücher und Lexika: KDM Bd. 7, S. 276 (Max Wingenroth); kloester-bw, Kapuzinerkloster Oberkirch (Irmgard Schwanke). Literatur: Pillin 1978 (b). Anmerkung 1 GLA 215 Nr. 358. Anmerkungen |
| Objekttyp: | Konvent |
| Personenbezüge: |
|
Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
|---|








leobw