Offenburg, Kapuziner
| Kurzbeschreibung: | 1637 Genehmigung der Niederlassung durch den Stadtrat – 1640 Grundsteinlegung – 1647 Weihe der Klosterkirche – 1820 Aufhebung – ab 1822 Klostergebäude dient als Gymnasium Patrozinium: MatthiasOrdensgliederung: Schweizerische Provinz, Kustodie Freiburg; 1668 Vorderösterreichische Provinz, Kustodie Freiburg; 1781 Schwäbische ProvinzKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Straßburg, Archidiakonat Ultra Rhenum, Landkapitel Offenburg |
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| Beschreibung: | Name: P.P. Capuciner in Offenburg (1713)1 GeschichteDie Gründung des Kapuzinerklosters in Offenburg geht auf den Wunsch der Kapuziner zurück, vor Ort eine Station für ihre Reisen zwischen den bereits bestehenden Niederlassungen in →Baden-Baden, →Oberkirch und →Haslach zu errichten. Außerdem sollte dadurch die katholische Konfession in der Region gefestigt werden, da die Reformation in der Herrschaft Oberkirch, in der Grafschaft Hanau und in Straßburg bereits Einzug gehalten hatte.2 Pater Karl Bildstein aus Hagenau, später Guardian des Klosters, setzte sich für den Bau des Klosters und die Aufnahme einiger Kapuzinermönche in Offenburg ein. 1613 erfolgte ein Gesuch an das Provinzialkapitel in Luzern, das abgelehnt wurde. Auch der Offenburger Rat war gegen eine Ansiedlung, da das →Franziskanerkloster, das kriegsbedingt in finanzielle Not geraten war, der Stadt bereits Sorgen bereitete. 1637 wurden zwei Fratres nach Offenburg geschickt, um sich erneut für die Gründung der Niederlassung in Offenburg einzusetzen. Diesem Gesuch wurde entsprochen, in erster Linie, weil auf die Stadt keinerlei Kosten zukamen. Bildsteins Vetter Eucharius Harst versprach, die notwendigen Mittel zur Verfügung zu stellen, was den Rat laut Ratsprotokoll vom 20. April 1640 einhellig, aber sonder freuden zustimmen ließ. Weitere Unterstützung erhielt das Kloster durch Ferdinand III. (1637–1657), den kaiserlichen Obersten Richard von Schauenburg, den Baron von Neveu und das Benediktinerkloster in →Gengenbach.3 Der Rat stellte dem Orden einen Bauplatz zur Verfügung.4 Noch im selben Jahr begannen die Bauarbeiten für das Kapuzinerkloster an der südlichen Stadtmauer.5 Bis zum Bezug des Klosters stellte der Rat den Mönchen das Syndikatshaus zur Verfügung. Messen durften übergangsweise in der Spitalkirche gelesen werden. Die feierliche Errichtung des Kreuzes als offizieller Beginn der Baumaßnahmen fand am 23. April 1640 statt.6 Kriegsbedingt wurde auf Material gesetzt, das bereits vorhanden war, nämlich abgetragene Steine der Ruine des Schlösschens Uffhofen. Im Juli 1645 konnten die Kapuziner das Kloster beziehen und am 12. Mai 1647 wurde die Klosterkirche vom Straßburger Weihbischof Gabriel Haug auf den Apostel Matthias geweiht. Erster Guardian war Pater Karl Bildstein.7 Eng mit der Geschichte des Offenburger Kapuzinerklosters verbunden ist der Stadtbrand von 1689. Hierbei wurde die Stadt im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688–1697) von Truppen des französischen Königs Ludwig XIV. (1643–1715) fast vollständig niedergebrannt. Die Kapuziner baten den französischen Kommandeur, den Herzog von Duras, persönlich darum, die Stadt zu verschonen, woraufhin er zwar die Stadt, aber nicht das Kloster in Brand stecken ließ.8 Zuvor nahmen die Kapuziner das Hab und Gut der Offenburger Bürger in ihre Obhut.9 Außerdem trafen sie mit Duras die Übereinkunft, dass Frauen und Kinder, von Kapuzinern begleitet, die Stadt verlassen durften, ehe die französische Armee einfiel, damit sie sich in den umliegenden Wäldern verstecken konnten. Die nicht Geflohenen konnten im Kloster Zuflucht finden.10 Das Ratsprotokoll gibt hierüber Auskunft: Daß sowohl alle zellen, kreuzgäng, garten, ja die kirche selbst voll der armen leute viel zeitlang gelegen [,...] neben diesem noch alle böden, bühnenzimmer, ja die kirche selbst mit unzählbaren früchten beladen, und in summa mit wein, früchten und anderen mobilien gleichsam als ein speicher angefüllt.11 Da ihr Kloster unversehrt blieb, waren die Kapuziner nach dem Brand lange Zeit die einzigen Seelsorger in der Stadt, ihre Kirche diente als Pfarrkirche.12 Als die Kapuzinermönche nach Offenburg gekommen waren, waren die Offenburger dem Chronisten Romuald von Stockach zufolge irritiert über deren Aussehen und karges Leben.13 Die Mönche in Offenburg bewährten sich über Jahre hinweg als treusorgende Seelsorger für die Stadt und deren Umgebung. So waren sie beispielsweise 1675 auf dem Schlachtfeld von Sasbach im Einsatz, um Verwundete und Sterbende zu versorgen.14 Ganz im Zeichen der Gegenreformation wurden die Ordensbrüder auch außerhalb der Offenburger Stadtmauern in der Ortenau eingesetzt. So wurden sie nach Oberkirch geschickt, um dort in der Seelsorge auszuhelfen, nachdem Bürger unter württembergischer Herrschaft protestantisch geworden waren.15 1665 wurden sie auch in Peterstal eingesetzt und drei Jahre später gründeten sie auf Einladung des Oppenauer Rates ein Hospitium in →Oppenau.16 Der hohe Stellenwert des Ordens für die Stadt geht auch aus den Überlieferungen über den Besuch des Ordensgenerals P. Erhard Kugelmayer von Radkersburg in Offenburg 1780 hervor, der in Form eines Stadtfestes gefeiert wurde.17 In der Folge des Reichsdeputationshauptschlusses sollten die Kapuzinerklöster in →Waghäusel, Baden-Baden, Oberkirch, →Mannheim und →Bruchsal nach und nach aufgehoben werden. Patres aus Baden-Baden wurden deshalb nach Offenburg verlegt.18 Der Plan, die Erziehungsanstalt →Ottersweier in das Gebäude zu verlegen, wurde nicht weiterverfolgt. Stattdessen entschied man sich, hierfür das leerstehende Franziskanerkloster bereitzustellen und das dortige Gymnasium in das Kapuzinerkloster zu verlegen. Dies bedeutete die endgültige Schließung des Klosters im Jahr 1820. Der Stadtrat beschloss, wenn auch nur widerwillig, da der Spitalfond durch den Krieg stark abgenommen hatte, dass die vier übriggebliebenen Patres in das St. Andreas-Hospital umziehen sollten.19 Die Bibliothek überdauerte unbeschadet die zahlreichen Kriege. Im Zuge der Säkularisation wurde ihr Bestand stark dezimiert. »Unbrauchbare« Bücher, vorwiegend theologischen, philosophischen und juristischen Inhalts, wurden in der Stadt versteigert. Die übrigen Bücher der Kapuziner und Franziskaner bildeten die Grundlage für den altsprachlichen Unterricht am Großherzoglichen Gymnasium. Heute zählt die Bibliothek des Kapuzinerklosters einen Restbestand von 51 Werken (35 Werke, 16 Anbindungen), darunter eine Horazausgabe von 1564 und die Fabeln des Äsop, zweisprachig verfasst auf Latein und Griechisch aus dem Jahr 1538. Der Bestand befindet sich in der Historischen Bibliothek der Stadt Offenburg. Bau- und KunstgeschichteLageDas Kloster steht im südlichen Bereich des Stadtkerns Offenburgs östlich der Gymnasiumstraße. Aufgrund wiederholter kriegerischer Ereignisse wählte man – entgegen der Ordensregel – einen Platz innerhalb der schützenden Stadtmauer. Kirche und KonventsbautenDie einschiffige Klosterkirche aus Langhaus und eingezogenem Altarraum und Psallierchor hat ihre Chorachse nach Osten ausgerichtet. Das Kirchenportal trägt die Jahreszahl 1641. Die Sakristei war auf der nördlichen Seite des Altarraums angebaut, was an einem verbliebenen Türgewände und an außenliegenden Hakenkonsolen zur Auflage eines Pultdachs ersehen werden kann. Von den für die Bauzeit zu vermutenden Türen mit oberhalb liegenden Klappen zu beiden Seiten des Hochaltars besteht heute nur noch eine einfache Tür. Vom früheren Tabernakelfenster zum Altartisch zeugt noch eine Wandnische auf der Seite des früheren Psallierchors. Eine starke Senkung des Bodens im Altarraum 1963 könnte auf einen Gruftraum unter dem Chor zurückgeführt werden. Das Konventsgeviert liegt südlich der Kirche, ist vom Langhausgiebel zurückgesetzt und schließt bündig an den Chorgiebel an. Die Klosterpforte lag südlich des Langhauses und führte in einen Kreuzgang, für den angenommen werden darf, dass er an drei Seiten offen und nur auf der Ostseite geschlossen war. Das Refektorium lag innerhalb des Ostflügels, die Küche in der anschließenden Südostecke und die Vorratsräume im Südflügel. Süd- und Westflügel sind unterkellert. Der Brandschatzung der Stadt 1689 konnten allein zwei Häuser und das Kapuzinerkloster entrinnen. In der Notzeit danach diente die Klosterkirche als Pfarrkirche. Im 18. Jahrhundert wurde das Langhaus an der nördlichen Längsseite um eine kreuzgratgewölbte Fideliskapelle samt darunterliegender Gruft erweitert. Nach der Auflösung um 1820 wurde die Anlage bis 1822 zur Aufnahme eines Gymnasiums umgebaut. Die frühere Klosterkirche diente fortan als Schulkapelle. Die Konventsflügel nahmen Schulräume und Lehrerwohnungen auf, wofür man eine neue Befensterung mit großen Öffnungen in regelmäßiger Anordnung schuf. Der Innenhof erfuhr einen tiefgreifenden Umbau mit hölzernen Säulen auf allen vier Seiten und neuen, anfangs flächig verputzten Fachwerkwänden im Obergeschoss. In der Zeit von 1847 bis 1864 nutzte die evangelische Gemeinde die frühere Klosterkirche. Seit 1874 finden hier die Gottesdienste der altkatholischen Gemeinde statt. Der säulengeschmückte Vorbau des Westportals und möglicherweise auch der für eine Kapuzinerkirche ungewöhnliche Volutengiebel dürfte zu dieser Zeit hinzugefügt worden sein. Das Gymnasium zog 1901 in einen Neubau um, worauf Grundbuchamt und Notariat in die Konventsflügel einzogen. 1958 wurden diese wieder dem Gymnasium angegliedert. 1982–84 fand eine Sanierung der Konventsflügel statt. Der Gruftraum unter der Fideliskapelle birgt noch Bestattungen. Materielle Kulturgeschichte, BauausstattungDie drei Barockaltäre mit Rocaillewerk entstanden um die Mitte des 18. Jahrhunderts und werden P. Adam aus Gündelwangen zugeschrieben, doch die Altarbilder gehen auf die anfängliche Ausstattung der Klosterkirche zurück. Dem Patrozinium der Klosterkirche folgend hat das Gemälde des Hauptaltars die Aufnahme des Apostels Matthias in den Himmel zum Motiv. Im Kopfbild ist der Hl. Karl Borromäus zu sehen. Der Seitenaltar zur Linken zeigt Christi Geburt und jener zur Rechten den Hl. Antonius von Padua. Zwei Gemälde mit Maria Magdalena und dem Hl. Petrus zu beiden Seiten der Kanzel schuf 1773 Ignaz Schilling aus Villingen. Die Kanzel in Stilformen des Empire geht auf die Zeit der Klosterauflösung zurück und ersetzt die frühere Kanzel, die über den Konvent zugänglich gewesen war. BibliographieQuellen: Romuald von Stockach 1747, S. 148–153. Handbücher und Lexika: Dehio, Baden-Württemberg Bd. 2, S. 519 (Dagmar Zimdars); kloester-bw, Kapuzinerkloster Offenburg (Patricia Potrykus). Literatur: Kähni 1976; Mayer 1975–1977; Friedmann/Harter 1984. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
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