Offenburg, Franziskaner
| Kurzbeschreibung: | 1280 Gründung – 1814 Aufhebung – 1823 Übernahme der Anlage durch Augustinerchorfrauen Patrozinium: Mariä HimmelfahrtOrdensgliederung: Oberdeutsche (Straßburger) (Minoriten-) Provinz, Kustodie ElsassKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Straßburg, Archidiakonat Ultra Rhenum, Landkapitel Offenburg |
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| Beschreibung: | Name: fratres Minores in Offenburg (1284);1 die Mynren brüder des huses genant zu Barfüßen (1455)2 GeschichteHistorische EntwicklungDie Gründung des Klosters geht auf die Bitte des Offenburger Schultheißen und des Stadtrats an das Mainzer Provinzialkapitel im Jahr 1280 zurück, Brüder nach Offenburg zu schicken, um dort die Seelsorge der städtischen Bevölkerung und der Orte um Offenburg mitzutragen. Der Stadtrat sah den Pfarrklerus der Stadt nicht mehr als ausreichend für die Seelsorge der Bürger an.3 Noch im selben Jahr kamen Brüder nach Offenburg. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Klosterbau im Jahr 1284, als Altschultheiß Heinrich und seine Frau Beate den Brüdern einen Steinbruch in Fessenbach für den Bau des Klosters stifteten.4 Die Klosterkirche der Franziskaner stellte eine Konkurrenz für die Pfarrkirche dar, die sich auch in den Stiftungen und Schenkungen für den Konvent niederschlug. Auf päpstliches Geheiß mussten sich die Franziskaner 1284 in Straßburg darauf verpflichten, sich nicht persönlich an den Schenkungen zu bereichern, sondern sie dem Kloster zu belassen.5 Im späten Mittelalter schloss sich der Konvent nicht der Observanzbewegung an, sondern verblieb bei den Minoriten. Während des Dreißigjährigen Krieges verließen einige Patres die Stadt, da das Kloster mehrfach zerstört und geplündert wurde und finanzielle Zuwendungen seitens der Stadt eingestellt wurden. 1636 zählte das Kloster neben dem Guardian nur noch einen Pater. Mit dem Westfälischen Frieden besserte sich die Lage und die Brüder kehrten ins Kloster zurück. 1689 steckten Truppen des französischen Königs, Ludwig XIV. (1643–1715) Offenburg in Brand. Das Kloster und die Klosterkirche wurden dadurch fast komplett zerstört, nur die 1515 errichtete Marienkapelle, die Keller, der Chor und die hölzerne Klosterpforte blieben erhalten, die heute im Kloster Unserer Lieben Frau zu sehen ist. Darauf steht das Chronogramm: »Als in der Kriegsflamme das Kloster verbrannt wurde, war ich allein gerettet, blieb als Tapfere stehen.«6 1702 begann man mit dem Wiederaufbau des Klosters. Dies wurde sowohl durch eigene Mittel als auch durch Almosen finanziert.7 Im Zuge der Säkularisation drängten die badischen Behörden zur Aufhebung des Klosters, die aber erst 1814 erfolgte. Zu diesem Zeitpunkt bestand der Konvent aus sechs Patres und fünf Laienbrüdern. Die Bürger waren mit der Auflösung des Klosters nicht einverstanden. Sie reichten ohne Erfolg ein Gesuch beim Großherzog ein, das Franziskaner- und auch das Kapuzinerkloster zu erhalten. Sie argumentierten damit, dass die Klöster in Hunger- und Kriegszeiten der Offenburger Bevölkerung stets geholfen hätten und ein wichtiger Handelspartner für Offenburger Geschäftsleute seien.8 1823 begann erneut ein Schulbetrieb im ehemaligen Franziskanerkloster. Das »weibliche Lehr- und Erziehungsinstitut« aus →Ottersweier bezog die Räumlichkeiten. Das Kloster selbst wurde fortan von den Augustinerchorfrauen der Congregatio Beatae Mariae Virginis (Congrégation Notre Dame) geleitet. Von 1940 bis 1945 wurde den Schwestern von dem NS-Regime der Schulbetrieb untersagt und die Schule geschlossen, nach dem Krieg jedoch wieder eröffnet. Kloster und Schule existieren bis heute. Das Minoritengymnasium wurde nach der Aufhebung der Franziskaner verstaatlicht und in die Gebäude des Kapuzinerklosters verlegt.9 Besitz und WirtschaftDer Besitz der Franziskaner in Offenburg zeichnete sich laut einer Zusammenstellung von 1687 hauptsächlich durch Zinseinkünfte aus Immobilien aus.10 Elf Häuser sind mit genauer Lokalisierung genannt. Des Weiteren hatte das Kloster durch Pachtzins von Gärten, Reben, Wiesen und Ackerland weitere Einnahmen. 1399 erhielt es Reben am Kalbsbrunnen bei Fessenbach.11 Außerdem zeugen heute noch am oberen Albersbach in Fessenbach der Franziskanerberg und die dortigen Forellenteiche und der Gewölbekeller vom Besitz der Franziskaner. Ein Hofgut mit Haus, Gebäuden zur Bewirtschaftung, Garten, Reben, Äckern und Wiesen befand sich im Ohlsbachtal. Dieses Gut wurde den Franziskanern von Graf Wilhelm von Eberstein 1428 vermacht.12 Religiöses und kulturelles WirkenDie Franziskaner waren in der Seelsorge in Offenburg und in den umliegenden Orten Weingarten, Elgersweiher, Durbach, Bohlsbach, Ortenberg, Ebersweiher, Weier, Waltersweier und Rammersweier tätig. Die Klosterkirche wurde zu einem geistlichen Mittelpunkt der Stadt. Gläubige stifteten Jahrtage an das Kloster. 1451 wählte die Schützenbruderschaft St. Sebastian die Klosterkirche zu ihrem sakralen Mittelpunkt. Die Minderbrüder lasen jeden Montag Bruderschaftsmessen am St. Ludwigsaltar, wo auch die Kerze der Bruderschaft stand, und beerdigten die Mitglieder in den vier reservierten Grabstätten auf dem Klosterfriedhof.13 Für jeden Verstorbenen wurde am ersten Sonntag nach der Beisetzung außerdem eine Messe gelesen und an den vier Fronfastentagen fand eine gemeinsame Seelenmesse statt. 1496 bat auch die Bruderschaft der Schmiede und Wagner zum Hl. Eligius Bruder Georg, den Provinzial der oberdeutschen Minoriten, persönlich um die geistliche Führung durch die Franziskaner. Auch die Betreuung der Schwesternsammlungen im Umkreis der Kirche gehörte zu den Aufgaben der Franziskaner. So standen die Offenburger →Schwesternsammlungen unter der Obhut der Franziskaner. Bemerkenswert ist auch das kulturelle Wirken der Franziskaner in Offenburg. 1660 wurde auf Bitten des Rats ein Gymnasium im Kloster gegründet.14 Das regelmäßig stattfindende Schultheater lockte zahlreiche Besucher zu den »Herbstkomödien«. Anfangs fanden sie zur Eröffnung des neuen Schuljahres statt, später wurden sie am Ende eines jeden Schuljahres aufgeführt, weshalb sie auch »Endkomödien« genannt wurden. Der genaue Aufführungsort der Schultheater ist heute nicht bekannt, denkbar ist aber, dass sie im »Komödienhaus« in der Goldgasse 1 stattfanden.15 Die Programme von sieben Theateraufführungen zwischen 1664 und 1773 haben sich erhalten.16 BibliothekDas älteste Zeugnis für den Bücherbesitz der Offenburger Franziskaner ist ein auf 1494 datierter Besitzvermerk in der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe, Cod. Offenburg, einer im 15. Jahrhundert entstandenen Sammelhandschrift mit Bezug zum Schaffhausener Franziskanerkloster. Wichtig wurde für den Zuschnitt der Bibliothek die Gründung eines Gymnasiums im Kloster 1660. Allerdings ging das gesamte Kloster mit der Bibliothek 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg unter. Besitzvermerke aus dem Jahr 1705 lassen wieder erste Bibliotheksbestände erkennen. Die einzelnen Bände der Sammlung erhielten im 18. Jahrhundert eine einheitliche Rückengestaltung, auch ein Exlibris fand Verwendung. Auf der Grundlage eines heute verschollenen, mit einiger Sicherheit im 18. Jahrhundert erstellten Bibliothekskatalog wählte die Hofbibliothek etwa 100 Titel aus, von denen sich einige nicht auffinden ließen. Der Rest der Bibliothek, insbesondere für den Schulgebrauch geeignete Bände, ging an das neugegründete Gymnasium (heute Grimmelshausen-Gymnasium). Bau- und KunstgeschichteLageDas Franziskanerkloster entstand im Nordosten des Stadtgebiets zwischen der Langen Straße und der Stadtbefestigung, heute Lehr- und Erziehungsinstitut Kloster unserer Lieben Frau, Lange Straße 9.17 Kirche und KonventsbautenÜber das Aussehen der ursprünglichen Anlage liegen keine historischen Ansichten und Pläne vor. Die archäologischen Untersuchungen sind zu punktuell, um die ursprünglichen Baustrukturen zu klären. Im Wirtschaftskeller wurde 1995/96 eine flache, mit mehreren Schichten aufgefüllte Grube freigelegt. An ihrer Basis war eine regelmäßige Kiesrollierung. Unter diesem Laufniveau fanden sich Planierschichten, darunter zwei Pfostenlöcher. Im Keller befand sich eine Grabplatte des 13./14. Jahrhunderts. Im selben Jahr wurde unter dem Chor der Kirche eine gemauerte Gruft identifiziert, in der sich in einem Holzsarg eine Bestattung aus dem 18. Jahrhundert fand.18 Bei Leitungsgrabungen 2020 wurden mehrere Abwasserleitungen aus der Frühphase des Klosters erfasst, über die Abwässer des Klosters nach Norden und Osten in den benachbarten Stadtgraben abgeleitet wurden.19 Aus Schriftquellen erfahren wir, dass die Klosterkirche zu Anfang des 15. Jahrhunderts einen neuen Chorraum erhielt, der 1415 geweiht wurde. 1515 wurde die Marienkapelle, ein dreischiffiger, rippengewölbter Hallenbau zu drei Jochen mit 3/8-Schluß an der Nordseite der Kirche errichtet. 1606/07 ließen die Minoritenbrüder die Innenräume des Klosters und der Kirche renovieren, wofür sie von der Stadt finanzielle Unterstützung beantragten. Wegen Baufälligkeit und Platzmangel ließ Guardian Joachim Hüber 1687 die Hälfte der Gebäude abreißen und neu erbauen. Beim Stadtbrand 1689 wurden das Kloster und die Klosterkirche zerstört. Allein die kleine Marienkapelle blieb weitgehend unversehrt. Mit dem Wiederaufbau durch Vorarlberger Baumeister, den Franziskanerbrüdern Eusebius Moosbrugger und Ulrich Beer, wurde 1702 begonnen. Beim 1703 abgeschlossenen Bau wurden die Umfassungsmauern der gotischen Kirche für den Chor übernommen; die schlanken, hohen Maßwerkfenster sind nur am Chorhaupt erhalten. Der stark eingezogene Chor besitzt vier Fensterachsen und endet in einem 3/8-Schluß mit Dachreiter. Das zweigeschossige Langhaus der einschiffigen Wandpfeilerkirche ist zu vier Achsen gegliedert. Die Seitenkapellen sind im Erdgeschoss mit Durchgängen verbunden, darüber befindet sich eine auf drei Seiten umlaufende Empore. Der Langchor ist zweigeteilt: hinter dem gerade geschlossenen, gratgewölbten Altarraum liegt die Sakristei mit polygonalem Abschluss und eingezogener Decke. Darüber befindet sich der Konventsraum und eine Kapelle. Materielle Kulturgeschichte, BauausstattungDie Innenausstattung des einschiffigen Kirchenbaus stammt aus dem 18. Jahrhundert. Der 1751/52 gefertigte Hochaltar mit gewundenen Säulen, Heiligenfiguren und Rocailleschnitzwerk besteht aus Holz und ist marmorierend gefasst. Auf dem Altarblatt ist die Himmelfahrt Mariens dargestellt. Zusammen mit dem Hochaltar bilden die im Aufbau ähnlichen Seitenaltäre (Doppelaltäre mit je drei Heiligenfiguren) eine einheitlich konzipierte Gruppe. Die 1779 von Johann Andreas Silbermann gebaute Orgel wurde 1895/96 umgearbeitet. Die Holzgitter der Orgelempore wurden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gefertigt. Als Einzelstück ist die Statue von Christus an der Geißelsäule, eine lebensgroße Schnitzfigur aus farbig gefasstem Holz aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, hervorzuheben. Die historistische Ausmalung und Ausstattung der Marienkapelle entstand am Ende des 19. Jahrhunderts. In der Kapelle befindet sich eine stark überarbeitete Madonnenfigur vom Anfang des 16. Jahrhunderts. Das Kloster wurde 1816 endgültig aufgelöst. Aus dieser Zeit stammt auch der erste Grundrissplan des Klosters.20 Auf Veranlassung der Markgräfin Maria Viktoria von Baden-Baden erfolgte 1823 der Einzug der Augustinerchorfrauen mit dem 1783 an anderer Stelle gegründeten Lehrinstitut für Mädchen. Das historistische Chorgestühl im Stil der Renaissance mit 19 vollplastischen Heiligenfiguren entstand, wie die Kanzel und Beichtstühle, erst während der Nutzung durch die Augustinerchorfrauen 1895. Der Erweiterungsbau nordwestlich des Klosters entlang der Lange Straße entstand 1910/11. 1969/70 wurde die Schule nach Südosten erweitert. BibliographieHandbücher und Lexika: Dehio, Baden-Württemberg Bd. 2, S. 518 f. (Karin Stober); KDM Bd. 7, S. 457–521 (Max Wingenroth); kloester-bw, Franziskanerkloster Offenburg (Patricia Portykus). Literatur: Batzer 1906; 1936; Kähni 1949; Klotz 1978; Hillenbrand 1990; Jenisch/Gutmann 2007. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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