Oppenau, Kapuziner 

Kurzbeschreibung:

1668 Gründung als Hospiz – 1803 Aufhebung

Patrozinium: Johannes Evangelist
Ordensgliederung: Vorderösterreichische Provinz, KustodienFreiburg; 1781 Schwäbische Provinz
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Straßburg, Archidiakonat Ultra Rhenum, Landkapitel Offenburg

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Kapuziner 1668-1803
Beschreibung:

Geschichte

In seiner Geschichte der Vorderösterreichischen Kapuzinerprovinz betonte Romuald von Stockach die gegenreformatorische Zielstellung des 1668 gegründeten Hospizes Oppenau. Diese Perspektive ist sehr zweifelhaft. Obgleich sich unter der Pfandherrschaft Württembergs (1604–1664) in Oppenau Protestanten niedergelassen hatten, scheint ihre Präsenz mit der Wiedereinsetzung des Fürstbischofs von Straßburg in seine Rechte ein Ende gefunden zu haben. Dies legt ein Visitationsbericht aus dem Jahre 1666 nahe. Die von Fürstbischof Franz Egon von Fürstenberg (1663–1682) der Schweizer Kapuzinerprovinz unterbreiteten Pläne, den Orden im Renchtal einzuführen, galten demnach vor allem der Verbesserung der Seelsorge. Nicht zuletzt sahen die Prämonstratenser von →Allerheiligen, welche die weitläufigen Pfarreien des Acher- und Renchtals betreuten, bei der Bewältigung ihrer seelsorgerischen Aufgaben in den Kapuzinern geeignete Helfer. Der Wunsch nach Kapuzinern wurde von den Badeorten Peterstal, Griesbach und Antogast geteilt, da sie ihren Gästen nicht genügend Messfeiern anbieten konnten. Erst als die Antogast als Kurort bevorzugende Markgräfin Anna von Baden (1634–1708) diesen Missstand anklagte, kamen die Dinge in Bewegung. Sie erhöhte nicht nur beim Straßburger Generalvikar den Druck, sondern fand auch bei der Schweizer Kapuzinerprovinz Gehör, die sich des Wohlwollens des Hauses Baden versichern wollte. Indem die Ordensmänner das ihnen zunächst als Niederlassungsort angebotene Peterstal ablehnten und sich stattdessen mit fürstbischöflicher Genehmigung (14. April 1668) für Oppenau entschieden, signalisierten sie, sich in ihrer seelsorgerischen Aktivität nicht auf Kurgäste beschränken zu lassen. Die Ausführung des Projekts fiel der 1668 entstandenen Vorderösterreichischen Kapuzinerprovinz zu, die darauf brannte, sich in ihrer ersten eigenen Gründung zu bewähren. Nach der Grundsteinlegung am 2. September 1668 gingen die Bauarbeiten so rasch voran, dass 1669 nicht nur das unter den Schutz von Johann Evangelist gestellte Kirchlein, sondern auch das zukünftig von drei Patres und einem Laienbruder bewohnte Hospiz seiner Bestimmung zugeführt werden konnte. Erster Superior wurde Lucianus Montifontanus, eine der prägenden Gestalten der Vorderösterreichischen Kapuzinerprovinz. Der Wirkungskreis der Ordensmänner beschränkte sich auf das mittlere und hintere Renchtal und deckte damit letztlich nur eine Pfarrei ab. Die Kapuziner versahen die Kapelle St. Sebastian in Oppenau und das Kirchlein St. Peter in Peterstal, waren aber nicht zur Predigt in der Oppenauer Pfarrkirche zugelassen. Eine weitere Einschränkung war, dass der Pfarrer ihnen nur bei persönlicher Absenz den Dienst an Kranken und Sterbenden überließ. Dessen ungeachtet fanden die Ordensmänner bei der Bevölkerung Anklang und Rückhalt. Das 1781 der Schwäbischen Kapuzinerprovinz zugeschlagene Hospiz wurde 1803 aufgehoben. Die verbliebenen Kapuziner fanden bei ihren Mitbrüdern in Kloster →Oberkirch Aufnahme, wo noch bis 1823 eine Kapuzinergemeinschaft existierte.

Bau- und Kunstgeschichte

Das 1668/69 erbaute und vollständig abgegangene Kapuzinerhospiz lag innerhalb der südwestlichen Vorstadt im Bereich von Rathaus und Rathausplatz nördlich der Pfarrkirche. Die Chorachse war nach Nordosten ausgerichtet. 1689 fiel die Anlage teilweise einem Brand zum Opfer, wurde aber wieder aufgebaut. Ein 1811 entstandener Lageplan zeigt eine Saalkirche aus Langhaus mit eingezogenem Chorraum. Dort fehlt die für Kapuzinerkirchen übliche Trennwand zwischen Altarraum und Psallierchor, die nach der Aufhebung entfernt worden sein dürfte. Der Konvent bestand einzig aus einem nach Norden bündig an die Apsis anschließenden Flügel. Ein am Langhaus entlanggeführter Gang bildete den Zugang. Der Konventsflügel umfasste im Erdgeschoss ein Refektorium und darüber acht Zellen und einen Raum für Besuche des Paters Provincial.

Nach der Aufhebung 1803 wurde der Konventsflügel zu einem Schulgebäude umgewandelt und die Kirche kam als Pfarrkirche in Gebrauch. Die Klosterbauten mussten 1826 einer neuen Kirche und 1830 einem neuen Schulhaus weichen.

Oppenau ist im Musterbuch »Architectura Capuzinorum« mit drei Grundrissen vertreten.2 Die Konventsräume sind hier U-förmig um den schmalen Chorraum herumgelegt, was einen kompakten Bau ohne Innenhof für ein vollständiges Kloster mit zwölf Zellen ergab. Es dürfte sich um einen experimentellen Planentwurf handeln, der nie gebaut wurde, aber insofern auf Oppenau zugeschnitten gewesen sein könnte, als das zur Verfügung stehende Grundstück eng begrenzt war.

Bibliographie

Quellen: Romuald von Stockach 1747, S. 154–159.

Handbücher und Lexika: kloester-bw, Kapuzinerhospiz Oppenau (Horst Hoferer).

Literatur: Eimer 1920; 1930; Müller 1978 (f).

Anmerkung

1 GLA 67 Nr. 9, S. 534. • 2 WLB Cod. Don. 879, fol. 37v–38r.

Bildnachweis

1 Liegenschaftskataster: Geobasisdaten des LGL Baden-Württemberg Stand 2016, Grundriss: WLB Cod. Don. 879, fol. 37v, Entwurf: Matthias Untermann, Zeichnung: Heribert Feldhaus.

Anmerkungen

Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Matthias Ilg [Autor]
  • Stefan King [Autor]
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