Wittichen, Klarissen
| Kurzbeschreibung: | 1325 Gründung – 1327 Ersterwähnung – 1330 Weihe der Klosterkirche – 1376 Annahme der Klarissenregel – ab 1481 Verkauf an die Grafen von Fürstenberg – 1802/03 Aufhebung – 1855/57 Abbruch des Großteils der Konventsbauten Patrozinium: AllerheiligenOrdensgliederung: Oberdeutsche (Straßburger) (Minoriten-) Provinz, Kustodie BodenseeKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Rottweil |
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| Beschreibung: | Name: monialibus apud inclusorium in fundo suo in Wittechen (1327);1 monasterio monialium Witichen ordinis Minorum (1330);2 magistrae et conventui monasterii in Widechenstain (1331);3 monasterium ordinis S. Clarae4 GeschichteHistorische EntwicklungDas Kloster Wittichen geht auf die Initiative einer charismatischen Persönlichkeit, Luitgard von Wittichen († 1348/49) zurück.5 Ihr Biograph Berthold von Bombach berichtet, dass sie in mystischen Visionen dazu berufen wurde, ein Kloster zu errichten: vnd ward verzuckt, vnd in dem ward sy gefürt in ain wüsti […] vnd kam an die statt, do nun das closter ist.6 Sie identifizierte daraufhin den Ort aus ihrer Vision mit einem Platz ganz in der Nähe ihres eigenen Geburtsortes, im Witticher Tal, einem engen Seitental der kleinen Kinzig in der Nähe von Schenkenzell im Schwarzwald. Schon zu Beginn des 12. Jahrhunderts hatte dort das Kloster Alpirsbach einen Stützpunkt errichtet.7 Wahrscheinlich in den 1230er Jahren wurde die Burg Wittichenstein erbaut,8 die zur Kontrolle über das Silberbergwerk in Wittichen diente. In diesem Umfeld wuchs das sehr fromme Kind Luitgard auf und trat mit zwölf Jahren – wie es in der Biographie heißt: auf eigenen Wunsch9 – in eine Schwesternsammlung in →Oberwolfach ein.10 Dort lebte sie 20 Jahre als Asketin und Mystikerin und empfing Visionen. Luitgards Visionen hatten auch einen dringenden politischen Hintergrund: Die gegen Beginen gerichteten Konstitutionen des Konzils von Vienne (1311/12) und die darauf basierenden Anordnungen Bischof Gerhards IV. von Konstanz (1307–1318) von 1317 und 1318 kamen einem Verbot der kleinen Gemeinschaften gleich. Die von Luitgard forcierte Gründung eines neuen Drittordensklosters für 34 Schwestern nach franziskanischer Regel zielte darauf ab, ihrer Gemeinschaft eine neue, kirchenrechtskonforme Struktur zu geben. Zur Realisierung ihres Unternehmens wandte sie sich 1323 oder 1324 – vergeblich – an Herzog Hermann II. von Teck, der in Schiltach residierte,11 und an die Geroldsecker, die über das Gebiet Herrschaftsrechte ausübten. Graf Georg von Veldenz und Walther von Geroldseck übergaben ihr schließlich ein Gebiet für die Errichtung ihres Klosters unterhalb der Burg Wittichenstein. Burg und Bergbau waren wohl kurz zuvor aufgegeben worden und das Gebiet weitgehend abgeholzt,12 aber wegen des Silbervorkommens war es für das Haus Geroldseck immer noch wertvoll: Mit dem Instrument der Kastvogtei über das Kloster, die sich die Geroldsecker zusichern ließen,13 schufen sie eine Kontrollmöglichkeit über das Tal. Die Errichtung des Klosters ab 1324 war von vielfachen Material- und Geldproblemen begleitet. Am Lukastag 1325 (18. Oktober) zog die Gründerin schließlich in feierlicher Prozession mit 34 Schwestern in das neue Kloster ein.14 Bereits 1327 brannte das gerade fertiggestellte Kloster ab und musste neu errichtet werden, doch Luitgard erhielt von vielen Seiten Geld- und Güterschenkungen, unter anderem von Königin Agnes von Ungarn. Ebenfalls 1327 erhielt das Kloster die Patronatsrechte über die in der Nähe gelegene Kirche auf dem Roßberg, drei Jahre später noch die über die Pfarrkirche in Schenkenzell.15 1330 konnte die Klosterkirche den Hll. Katharina, Klara, Franziskus, Petrus, Paulus, den zwölf Apostel und allen Heiligen geweiht werden, doch schon bald setzte sich Allerheiligen als Patrozinium durch. Bereits 1395 wurde das Kloster als domus heremitae Omnium Sanctorum bezeichnet.16 Mit einer Bischofsammelindulgenz vom 5. April 1330 wurde allen Pilgern, die das Kloster besuchten, ein vierzigtägiger Ablass gewährt.17 Luitgard starb am 16. Oktober 1348 oder 1349 wahrscheinlich an der Pest. Bei ihrem Tod war Wittichen ein wohldotiertes Kloster. Papst Gregor XI. (1370–1378) genehmigte dem Kloster 1376 die Annahme der Klarissenregel und verlieh seiner Meisterin den Titel »Äbtissin«.18 Gleichzeitig unterstellte er sie dabei der Aufsicht der Franziskaner. Die Einführung der Klarissenordnung mit ihrer strengen Klausur scheint, nicht zuletzt aus finanziellen Gründen, erst mit Verzögerung umgesetzt worden zu sein. Der Konvent hatte im Mittelalter bis zu 100 Nonnen und war auch Anziehungspunkt für Töchter aus dem Niederadel.19 Im 15. Jahrhundert gelang es ihm päpstliche und kaiserliche Schutzbriefe zu erhalten, die das Kloster direkt dem apostolischen Stuhl unterstellten und ihm Steuerbefreiungen zusicherten.20 Das Wissen um die zunehmende Verschuldung der Geroldseckischen Schirmherren hat die Bemühungen der Nonnen um Sicherung ihrer wirtschaftlichen und politischen Handlungsmöglichkeiten sicherlich verstärkt. Tatsächlich verkauften die Geroldsecker ab 1481 etappenweise ihren gesamten Besitz im Umfeld des Kinzigtals an die mit ihnen verwandten Grafen von Fürstenberg.21 Die Weigerung der Frauen, Graf Wolfgang von Fürstenberg (1484–1509) als neuen Kastvogt anzuerkennen und die Übernahme der Verwaltung ihrer Güter durch fürstenbergische Schaffner zu akzeptieren, führte sie bis vor König Maximilian (1493–1519). Dieser bestätigte jedoch im August 1500 die Rechtmäßigkeit des Verkaufs und die Schirmherrschaft der Fürstenberger.22 Die fürstenbergische Herrschaft kontrollierte das Kloster in den folgenden Jahrhunderten mittels ihrer Klosterschaffner in wirtschaftlicher Hinsicht vollständig. Aus dem Jahr 1512 ist eine Klosterordnung überliefert, die im Zusammenhang mit einer Visitation des Klosters durch die Oberdeutsche Provinz des Barfüßerordens entstanden ist.23 Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert liegen zahlreiche weitere Visitationsberichte und Ordnungen vor, die vor allem das schwierige Verhältnis zwischen der Ordensprovinz und den Schirmherren spiegeln. Der Bauernkrieg beeinträchtigte das Kloster verhältnismäßig wenig, doch ab 1540 führte Graf Wilhelm von Fürstenberg (1510–1547) in seinen Gebieten die Reformation ein. In den Folgejahren wurde Klosterbesitz veräußert sowie die meisten Wertgegenstände und urkundliche Unterlagen entfernt und teilweise verschenkt.24 Die Reformation und ihre Folgen brachten das Kloster fast zur Auflösung, und es erlangte niemals wieder die früheren wirtschaftlichen und politischen Handlungsspielräume. Auch in Bezug auf die Größe des Konvents und seines sozialen Rangs konnte Wittichen nie wieder an die Zeit vor 1500 anknüpfen. Die Zahl der Schwestern war zeitweise sehr gering. Erst nachdem Wilhelms Bruder Friedrich (1548–1559) im Februar 1548 die Herrschaft auch im Kinzigtal übernommen hatte und die Gegenreformation einsetzte, gab es für das Kloster wieder eine Zukunft. Die fürstenbergischen Schirmherren setzten von Anfang an eine weitgehende Kontrolle über alle Belange des Klosters durch. Das bedeutete nicht nur die Verwaltung der Klostergüter, sondern reichte bis zu einem Veto bei der Aufnahme von Novizinnen in das Kloster und bei der Äbtissinnenwahl. Über die Mitsprache bei der Auswahl der Beichtväter suchten die Schirmherren auch in spiritueller Hinsicht Einfluss zu nehmen. Die daraus resultierenden Rivalitäten zwischen dem Provinzial der Straßburger Konventualenprovinz und der fürstenbergischen Herrschaft ließen das Kloster nicht zur Ruhe kommen und führten dazu, dass keine regelmäßigen Visitationen durchgeführt wurden.25 Die Besetzung der Position der Meisterin (erst ab 1586 wird durchgängig »Äbtissin« verwendet) erwies sich immer wieder als schwierig. Auch in disziplinarischer Hinsicht war die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts von Problemen gezeichnet. Die Aufnahme von zwei Nonnen aus dem Klarissenkloster Valduna (Vorarlberg) 1569 verbesserte kurzfristig die Lage.26 Die Schwangerschaft und anschließende Flucht der Meisterin Barbara Katz (1585) lösten erneut eine Krise aus.27 Bemühungen um eine neuerliche Konsolidierung in geistlicher wie wirtschaftlicher Hinsicht28 erfuhren durch Plünderungen im Dreißigjährigen Krieg und Brände in den Jahren 1640 und 1663 schwere Rückschläge.29 Erst Anfang der 1680er Jahre waren Kirche und Klostergebäude völlig wiederaufgebaut. Im Zuge der Säkularisation wurde Kloster Wittichen am 23. September 1802 aufgelöst. Besitz und Privilegien fielen an die fürstenbergische Herrschaft, die die Klosteranlagen in ein Blaufarbenwerk umwandelte. Die letzte Äbtissin Coleta Baudendistel und 22 Nonnen erhielten eine geringe Pension und durften bis zu ihrem Lebensende in Wittichen bleiben. Die letzte Klosterfrau starb 1841. Besitz und WirtschaftDas Kloster Wittichen besaß schon bald nach seiner Gründung landwirtschaftliche Güter, die es zum Teil selbst bewirtschaftete, wie beispielsweise das 1336 genannte Hagergen Lehen in Kaltbrunn; 1336 waren auch schon eine Mehl- und eine Sägemühle in Wittichen in Klosterbesitz.30 Im Jahr 1348 verlieh Walter I. von Geroldseck dem Kloster sein Waldgebiet, das direkt an das Klostergut angrenzte.31 Da das Kloster neben einer eigenen Mühle auch eine Sägemühle besaß, fügte sich dieses Lehen gut in den Wirtschaftsbetrieb der Nonnen. Nicht nur die Errichtung der Mühlen weist darauf hin, dass die Frauen im 14. Jahrhundert eine gezielte Besitzpolitik zur wirtschaftlichen Sicherung des noch jungen Klosters verfolgten, sondern auch Bemühungen, zu den Gütern auch die darauf lastenden Gülten zu erwerben.32 Schon 1331 konnte das Kloster erste Reben in der Ortenau erwerben.33 1352 erreichten die Schwestern den Erlass von Zollgebühren von Seiten Graf Hans’ von Fürstenberg in Hausach und Wolfach, 1365 auch von Herzog Reinold V. von Urslingen für Schiltach.34 Die Einnahmen des Klosters stiegen rasch. Bis zum 15. Jahrhundert wurden Schaffneien zur Besitzverwaltung in Wittichen, Horb, Rottweil, Hochmössingen, Gengenbach, Brugg (Schweiz), Lahr, Straßburg und Villingen eingerichtet. Die Schweizer Güter (spätere Schaffnei Brugg) gehen möglicherweise noch auf Luitgards Kontakt mit Königin Agnes von Ungarn zurück. Der größte Teil der Einkünfte stammte aus den Erträgen des weitverstreuten Grundbesitzes, auch wenn dieser durch Verkäufe von Seiten Graf Wilhelms von Fürstenberg während der Reformation spürbar geschmälert wurde. In Ortenberg besaß das Kloster einen Rebhof mit eigener Trotte. Auch mit dem Verkauf von Floßholz nach Straßburg erzielten die Nonnen im 16. Jahrhundert noch Gewinne.35 Jedoch übernahm ab der Mitte des Jahrhunderts die fürstenbergische Verwaltung mit ihren Amtleuten mehr und mehr die Führung des Wirtschaftsbetriebs. Schaffneisitze waren in dieser Zeit in Wittichen, Horb, Gengenbach und Hochmössingen. 1517 tritt der Witticher Silberberg wieder urkundlich in Erscheinung. Nach dem völligen Erliegen der Arbeiten durch den Dreißigjährigen Krieg kam es erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts zu einem Neuanfang, der die Hauptbetriebsperiode des Witticher Bergbaus mit der Gewinnung von Erzfarben einleitete. 1703 entstand im Witticher Tal eine bedeutende Farbmühle. Die ertragreichste Grube des Kinzigtales, Sophia im Böckelsbach, war etwa 300 Meter vom Kloster Wittichen entfernt. Am Aufschwung des Bergbaus im 18. Jahrhundert hatte das Kloster nur indirekt teil, vor allem durch Beherbergung und Verpflegung der Teilhaber an den Gewerkschaften und fürstenbergischer Amtleute. Ein Gästehaus und einen Ausschank gab es schon zu Beginn des 16. Jahrhunderts.36 Religiöses und kulturelles WirkenDas Kloster besaß das Patronatsrecht für die Kirche auf dem Roßberg und in Schenkenzell sowie in einigen Gemeinden der Schaffnei Hochmössingen. Luitgards Grab entwickelte sich nach ihrem Tod zum Ziel von Wallfahrten, wohl vor allem für Frauen. Ihr Biograph berichtete von zahlreichen Wunderheilungen in den Jahren nach ihrem Tod.37 Bereits in den ersten Jahren übernahm das Kloster im Gegenzug für Schenkungen Gebetsverpflichtungen.38 Luitgard selbst hatte eine Gebetsgemeinschaft mit dem Namen »Himmlischer Hof« initiiert.39 Auf Veranlassung einiger Adeliger, darunter auch dem Straßburger Domherrn Georg von Hohengeroldseck und Heinrich VI. von Fürstenberg (1432–1490) gelangten 1466 Reliquien aus Jerusalem ins Kloster.40 Trotz aller Schwierigkeiten, mit denen das Kloster ab der Wende zum 16. Jahrhundert konfrontiert war, war es durch das Grab seiner Gründerin Luitgard, die wie eine Heilige verehrt wurde, nach wie vor ein spiritueller Referenzpunkt und Ziel von Wallfahrten aus der Umgebung. Nach der Graböffnung von 1629, bei der ein vollständig erhaltenes Gehirn aufgefunden wurde, bekam die Luitgard-Verehrung spürbar Auftrieb.41 Musik scheint eine wichtige Rolle im Klosterleben gespielt zu haben. Die Klosterordnung von 158342 berichtet von Sängerinnen. Sie wurden ermahnt, ihre Gesangbücher in gutem Zustand zu erhalten und einzuschließen, wenn sie nicht gebraucht wurden.43 Im Historischen Museum in Basel sind vier Instrumente (zwei Trumscheit, eine Viola d`amore und ein Bassbogen – die zugehörige fünfseitige Baßgeige ist verschollen)44 erhalten, die aus dem Kloster Wittichen kommen. Die Instrumente stammen aus dem 17. und frühen 18. Jahrhundert (Viola d’amore, gebaut 1714) und wurden 1876 vom Basler Museum angekauft. Eine Orgel ist 1777 nachweisbar. Im Klostermuseum Wittichen befindet sich noch eine Pauke. Bibliothek und ArchivDas Kloster führte im Mittelalter eine rege Korrespondenz und besaß auch ein Siegel.45 Die Klosterdokumente wurden mit dem Verkauf an Fürstenberg ins dortige Archiv überführt, wo sie sich bis heute befinden. Aus der Klosterbibliothek sind nur zwei Werke bekannt: die Luitgard-Biographie Bertholds von Bombach und eine Abschrift davon von 1745. Die ältere der beiden Handschriften stammt aus dem Besitz des Freiherrn Joseph von Laßberg. Beide liegen heute in der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe.46 Bau- und KunstgeschichteLageDas ehemalige Klarissenkloster liegt im engen Witticher Tal, welches vom Klosterbach durchflossen wird. Mehrere bildliche Wiedergaben zeigen die Anlage des 18. Jahrhunderts: Auf der südlichen Talseite steht die Kirche, davor an der Nordseite der Friedhof. Der Konventsbau schloss im Geviert nach Süden an, westlich folgten direkt anstoßend der Winterstuben-Bau und der Wohnbau für die Äbtissin. Das Abteigebäude, auch »Langer Bau« genannt, das mit der Nordwestseite der Kirche verbunden war, überbrückt den Bach und die Straße. Der dreistöckige Bau nimmt Rücksicht auf das Gefälle zwischen Talsohle und erhöht liegender Kirche. Das Klosterareal war von einer Umfassungsmauer umgeben, die südlich des Abteigebäudes erhalten ist. Außerhalb, westlich stehen die Stallungen.47 1855/57 legte man große Teil der Gebäude nieder. Nur die Kirche, seit 1806 die Pfarr- und Wallfahrtskirche Allerheiligen, der »Lange Bau« und der Klosterstall, seit 1992 Klostermuseum, blieben erhalten. Kirche und KonventsbautenDie annähernd geostete Kirche zeigt sich außen als einfaches Bauwerk. Eine Saalkirche mit eingezogener Apsis und 3/8–Schluss wird von einem Satteldach mit Dachreiter und einem polygonalen Walm auf einer Höhe überfangen. Nur auf der Nordseite gibt es eine umfangreiche Durchfensterung an deren Verteilung sich die Nonnenempore im Inneren abzeichnet. Die Stützpfeiler der Südseite zog man nach dem Abriss der Klausurgebäude ein. Der erst 1325 bezogene Klosterbau brannte schon 1327 ab. Von der dann gebauten Kirche stammt das heutige Kirchenschiff bis zur Traufhöhe inklusive der Westwand und dem Eingangsportal. Der Chor im Osten wird eine gerade geschlossene Anlage mit einem Altarraum innerhalb des jetzigen Langhauses gewesen sein. 1330 folgt die erneute Weihe. Das südlich der Kirche anschließende Klausurgeviert mit Kreuzgang gruppierte sich um einen Hof mit Brunnen. Welche Veränderungen diese wahrscheinlich nach dem Brand entstandene Anlage erfahren hat, ist heute noch unklar. Spätere Darstellungen zeigen einen zumindest teilweise dreistöckigen Bau. Eine Brandschatzung während des Dreißigjährigen Krieges und ein weiteres Feuer zwangen zu erneuten Arbeiten. Das 1664 gezimmerte Dachwerk (d) geht darauf zurück. In den 1680er Jahren begann die barocke Umgestaltung des Gotteshauses: 1682 (d) entstand der Dachreiter; 1685 (d) wurde der erst niedrigere Chor gebaut und eine Holzdecke eingezogen, die Fenster erhielten ihre Laibungen. 1687 stellte man einen neuen Hochaltar auf. Wohl in dieser Zeit wurden die Fenster der Westseite zugemauert, um die Errichtung eines anstoßenden Gebäudes (Winterstuben-Bau) zu ermöglichen. 1742 glich man die Höhe von Triumphbogen und Apsis an. Auf dieses Jahr datiert eine neue Decke (d) und die raumbeherrschende Nonnenempore im Westen. Vor ihrer Verkürzung 1924 reichte sie bis zur Mitte des Langhauses. Zur Klosterzeit gab es einen direkten Zugang vom Obergeschoss der Klausur, zusätzlich führte eine Treppe aus der Kirche nach oben (die heutige Treppe nach 1802). Die Seitenaltäre von 1770 zeugen vom Abschluss der Arbeiten. Renovierungen haben den Raumeindruck verändert, z. B. die Entfernung des weißen Anstriches an der Decke und unter der Empore (1963–67). Der schlichte dreistöckige »Lange Bau« wird nur durch ein Renaissance-Portal und einen Erker aufgewertet. Hinter dem Erker lag wohl der Kapitelsaal. Im dritten Obergeschoss finden sich die Zellen der Nonnen und ein Zimmer mit Sprechgitter und einem drehbaren kleinen Schrank, die »Winde« genannt. Diese Installationen dienten der Kontaktaufnahme mit Besuchern. Heute wird das Gebäude von der Kirchengemeinde genutzt. Materielle Kulturgeschichte, BauausstattungDas Innere der Kirche wartet mit einer reichen Ausstattung auf. Die Decke unter der Nonnenempore und diejenigen von Langhaus und Chor bilden im Aufbau eine Einheit: Profilierte Leisten teilen die Fläche ein, farbige Bilder in Vierpassmedaillons wechseln sich mit länglichen Feldern ab. Unter der Empore sind es vor allem Themen aus dem Neuen Testament (teilweise seit 1924 im Klostermuseum, dort auch Teile des Kirchenschatzes). Dagegen zeigen die 18 Bilder an der Langhausdecke ein hagiographisches Programm. Inhaltlich erfährt der Bilderreigen mit der »Stigmatisierung des Hl. Franziskus« seinen Höhepunkt in der Apsis. Unter der Empore – an der Brüstung Bilder von Klarissinnen und Prozessionstafeln als Stiftungen von Bergleuten der Witticher Gruben – liegt an der Südseite das Grab Luitgards. Eine gotische Nische umfängt das Wandbild »Christus am Kreuz deutet Luitgard den Platz für das Kloster« – Johann Achert aus Rottweil zugeschrieben – und die Grabplatte der Seligen. Der Sockel mit ihren Gebeinen trägt die Zahl »1629«, ein Verweis auf die Graböffnung in diesem Jahr und die Datierung der unter Verwendung älterer Teile neugeschaffenen Anlage. Links neben der Nische wird die Hirnschale Luitgards präsentiert. Auf der anderen Seite sind Grabplatten, etwa die Herzog Reinolds VI. von Urslingen († 1442) und der Gräfin Barbara von Fürstenberg geborene Montfort († 1592) aufgestellt. Richtung Osten folgt über Beichtstuhl und Kanzel (ursprünglich 1680er Jahre, Neugestaltung Mitte 18. Jahrhundert) ein Doppelfenster. Der dahinter liegende Raum war früher von der Klausur aus zugänglich und ermöglichte wohl kranken Nonnen die Teilnahme am Gottesdienst. Korrespondierend zu Beichtstuhl und Kanzel steht auf der Nordseite ein zweiter Beichtstuhl, darüber ein Kruzifix (Mitte 16. Jahrhundert). Zur weiteren Ausstattung im Langhaus zählen: Kreuzwegtafeln, Statuen des Hl. Sebastian (1494), des Hl. Wendelin und ein gegeißelter Christus (17. Jahrhundert). Die spätgotische Beweinungsgruppe ist eine Kopie, das Original steht im »Langen Bau«. Der Hochaltar von 1751 veranschaulicht mit seinem Altarbild das Patrozinium der Kirche – »Allerheiligen«: Die Schar der Heiligen ist bei der Aufnahme Mariens in den Himmel Zeuge, darüber die Marienkrönung. Zugeschrieben wird das auf 1687 datierte Altarblatt Johann Achert, Stifter war der im Bild gezeigte Dekan des Rottweiler Landkapitels Johann Georg Gnan. 1751 (i) restaurierte Ignatz Hildbrandt das Werk, durch eine Verlängerung passte er es dem neuen Schrein an. Dem Hochaltar formal angeglichen, aber auf 1770 (i) datiert sind die Seitenaltäre neben dem Triumphbogen: Maler ist der Haslacher Bernhard Melchior Eisenmann (i). Die »Beschützung der Welt vor dem Zorn Christi durch Franziskus und Dominikus« wird zum Thema des nördlichen Altarbildes, das südliche stellt »Antonius mit dem Christuskind« dar. Seit 2015 stehen unter dem Triumphbogen der Zelebrationsaltar und der Ambo von Bildhauer Rolf Bodenseh. BibliographieQuellen: Just 2000; Müller/Tschan 1964, S. 237–247. Handbücher und Lexika: AFA 18 (1973), S. 126–242 (Johannes Gatz); Dehio, Baden-Württemberg Bd. 2, S. 848 (Dagmar Zimdars); KB Rottweil Bd. 2, S. 156 f. (R. Johanna Regnath); kloester-bw, Klarissenkloster Wittichen (R. Johanna Regnath). Literatur: Fautz 1955; Hiß 1967; Harter 1992. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
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