St. Georgen, Benediktiner
| Kurzbeschreibung: | 1083–1086 Gründung des Klosters – 1224 Zerstörung durch Brand – 1255 Weihe des Neubaus – im 14. Jh. mehrfach durch Brand zerstört – um 1475 erneuter Klosterbrand und Wiederaufbau – 1534/36 Einführung der Reformation in Württemberg, Vertreibung und Umsiedlung des Konvents nach ?Villingen – 1634–48 Restitution des Klosters Patrozinium: GeorgKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Villingen |
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| Beschreibung: | Name: Hezelo in villa sua nomine Walda beato Georgio monasteriolum fieri desideravit (1083);1 transtulit […] monasterii dispositionem cum reliquiis sancti Georgii (1083);2 cella sancti Georgii (1086);3 in honore sancti Georgii martyris monasterium edificaverunt et beato Petro delegaverunt (1095);4 conventus sancti Georgii martyris in Nygra Sylva (1127);5 abt [...] und der convent von sant Gerien (1291);6 abte [..] und der convente gmeinlich des gotzhuses ze sant Georien in dem Swartzwalde sanct Benedicten ordens (1325)7 GeschichteHistorische EntwicklungAuch wenn wohl im 14. Jahrhundert in St. Georgen entstandene Annalen behaupten, es habe bereits im 7. und 8. Jahrhundert eine erste Georgszelle gegeben, ist St. Georgen eine Neugründung der Zeit des Investiturstreits und keine Reform eines älteren Konvents wie Hirsau oder Muri.8 Als Initiator kann nach dem Bericht der Vita Abt Theogers und der Notitiae Fundationis der Adlige Hezelo, Vogt des Klosters →Reichenau und Mitglied einer weitverzweigten hauptsächlich zwischen Donau und Bodensee/Hochrhein begüterten Familie, gelten.9 Der ausführliche Gründungsbericht schildert die Gründung des Klosters idealtypisch im Geist der (Reform-)Vorstellungen des ausgehenden 12. Jahrhunderts. Demnach habe Hezelo gemeinsam mit Hesso – einem vor allem im Breisgau begüterten Adligen – beschlossen, das Kloster in Wald (heute Königseggwald, Kreis Ravensburg) zu gründen.10 Dazu übergab Hezelo den Ort Wald am 4. Januar 1083 im nahegelegenen Heratskirch an Graf Manegold von Altshausen – den Bruder Hermanns des Lahmen – treuhänderisch, der die neue Gründung dem Heiligen Stuhl unterstellen sollte. Hesso und der dritte Mitstifter, ein Konrad vir quidam militaris, gaben ihr Stiftungsgut ebenfalls an Treuhänder, die diese Schenkungen rund zwei Monate später vollzogen.11 Dieser rechtlichen Perspektive lässt der Gründungsbericht die Einrichtung des Klosters folgen. Die Stifter hätten Abt Wilhelm von Hirsau (1069–1091) gebeten, für Gründung, Bau und Einrichtung des Klosters zu sorgen. Wilhelm habe aber nach Inaugenscheinnahme des vorgesehenen Klosterorts diesen für ungeeignet betrachtet und die Gründung des Klosters auf dem »Scheitel Alemanniens« (vertex Alemanniae) dem späteren Klosterort St. Georgen durchgesetzt.12 Einen Grund nennt der Bericht nicht – gelegentlich wurde vermutet, Wilhelm habe das Kloster vom Machtzentrum Hezelos entfernen wollen, um so dessen eigenständigere Entwicklung zu ermöglichen.13 Die große Distanz machte jedoch nicht nur umfangreiche Gütertausche erforderlich, sondern führte auch dazu, dass die Gründung weitgehend ihres potenziellen Unterstützerkreises, jener Verwandten und Freunde (cognatorum partimque amicorum), beraubt war.14 Am neuen Klosterort, den die Notitiae eindrucksvoll als Wildnis schildern, hätten die zu Mönchen gewordenen Mitstifter Hesso und Konrad zusammen mit wohl aus Hirsau kommenden Mönchen nach umfangreichen Rodungsarbeiten Häuser und eine hölzerne Kapelle gebaut, die am 24. Juni 1085 geweiht wurde. Einen ersten Abschluss fand der Gründungsprozess schließlich am 13. Januar 1086 als Hezelo mit dem Grafen Manegold von Altshausen »und anderen Freunden« und Rittern in Gegenwart von Bischof Gebhard von Konstanz (1084–1110) und Abt Wilhelm die Translation des Klosters bestätigte und – wie auch Hesso und Konrad – umfangreich dotierte. In der Zeugenliste dominieren nun Adlige aus der Region zwischen Schwarzwald und Neckar, die gemäß den nachfolgenden Traditiones umfangreichen Besitz an St. Georgen übertrugen. Im gleichen Jahr habe Hezelo bei Abt Wilhelm von Hirsau bewirken können, dass St. Georgen von einer Hirsauer Zelle zum eigenständigen Kloster wurde. 1088 wurde der aus dem elsässisch-lothringischen Raum stammende Theoger St. Georgener Abt. Unter seinem Abbatiat erhielt St. Georgen nicht nur umfangreiche Schenkungen, sondern 1095 ein Schutzprivileg, dass dem Kloster die Unterstellung unter den Papst und die freie Wahl des Abts und des Vogts zubilligte.15 Es dürfte kein Zufall sein, dass die vielleicht sogar von Theoger selbst verfassten Notitiae in ihrem Kernbestand bis 1095 reichen.16 Für die Entwicklung St. Georgens im späten 11. und frühen 12. Jahrhundert sind drei Punkte von besonderer Bedeutung. Erstens verdichtete und erschloss St. Georgen seinen Besitz im engeren und weiteren Umfeld des Klosters. Davon künden die Fortsetzungen der Notitiae mit einzelnen Notizen der Jahre 1121 bis 1151, ein Verzeichnis mit Schenkungen und Tauschhandlungen aus der Regierungszeit Abt Werners (1119–1134) und vor allem die Privilegien und Besitzbestätigungen durch Papst Innozenz II. (1130–1143) und Papst Alexander III. (1159–1181) von 1139 bzw. 1179.17 Zweitens wirkte das Kloster, insbesondere während des Abbatiats Theogers nach außen und entfaltete neben Hirsau die größte Reformwirkung aller südwestdeutschen Klöster. Ältere Forschungen haben bis zu 17 Klöster ausgemacht, die von St. Georgen aus im 12. Jahrhundert reformiert oder zumindest durch Personal bestückt wurden.18 Zwar ist die Forschung gegenüber klaren Reformkreisen und Filiationen zu Recht skeptisch geworden, doch betont bereits die Vita Abt Theogers, dass dieser mit acht Klöstern in besondere Beziehung trat, weil er sie entweder neu gründete oder wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzte, nachdem sie aufgrund der Nachlässigkeit ihrer Vorsteher oder ihres Alters verfallen waren.19 Lixheim in Lothringen und das Frauenkloster →Amtenhausen auf der Baar – letzteres umfasste über 100 Nonnen, die vermutlich vom Klosterort St. Georgen dorthin verlegt wurden, – hatte Theoger gegründet. Das Frauenkloster St. Marx bei Gebweiler im Oberelsass wurde durch Theoger wiederhergestellt. Nach Ottobeuren, Hugshofen und Admont hatte Theoger einen Abt aus St. Georgen entsandt und dort die Ordnung reformiert (reformavit); nach St. Ulrich und Afra in Augsburg und nach →Gengenbach entsandte er Mönche.20 Ein besonderer Schwerpunkt von Theogers Aktivitäten betraf – seiner Herkunft entsprechend – Klöster im Elsass und in Lothringen. Auch über das im Unterelsass gelegene Nonnenkloster Graufthal besaß St. Georgen – vermutlich schon zu Zeiten Theogers – das Aufsichtsrecht und sollte dort die religio wiederherstellen.21 Dass die religiöse Wirkung von St. Georgen auch über Theogers Abbatiat hinaus anhielt, zeigen die Übergabe des Klosters St. Johann bei Zabern durch dessen Gründer Peter von Lützelburg an Abt Werner,22 die Einsetzung eines Abtes in Gengenbach durch Werner23 sowie die Gründung der Frauenklöster →Friedenweiler (nach 1123) und Urspring (nach 1127).24 Während Friedenweiler bereits in der Bestätigung von Papst Innozenz II. als eines der vier von Nonnen besiedelten Töchterklöster St. Georgens genannt ist,25 erscheint Urspring erst im Privileg Alexanders III. von 1179 als zu St. Georgen gehörige Cella.26 Zusammenfassend können die fünf im Alexanderprivileg genannten Frauenklöster (Lixheim, St. Johann bei Zabern, Friedenweiler, Amtenhausen und Urspring) sowie das ebenso erwähnte und nach einer späten Überlieferung vielleicht schon um 1140 von den Herren von Wolfach gegründete Männerkloster →Rippoldsau als die am engsten an St. Georgen gebundenen Konvente gelten, während Graufthal, St. Marx und das in Lothringen gelegene Frauenkloster Vergaville loser als unter der (religiösen) Aufsicht St. Georgens standen. Eher situative, nach dem Abbatiat Theogers verblassende (Reform-)Beziehungen ging St. Georgen dagegen zu den Klöstern Ottobeuren, Hugshofen, St. Ulrich und Afra, Admont und →Gengenbach ein. Ähnliches gilt für die noch schlechter greifbaren Beziehungen zu Kloster Mallersdorf, südlich von Regensburg, das unweit gelegene Frauenkloster Eitting sowie das in der Pfalz gelegene Frauenkloster Ramsen.27 Das dritte prägende Moment der St. Georgener Geschichte im 12. Jahrhundert war die Stellung des Klosters zum regionalen Adel und insbesondere zu den Zähringern, die um 1114 die Vogtei des Klosters übernahmen. Ob Hezelo in dem von ihm gegründeten Kloster als Vogt amtiert hatte, ist fraglich. Die Notitiae nennen ihn nur pater oder dominus, er sei vom Reichenauer Vogt kurz vor seinem Tod am 1. Juli 1088 zum Mönch des Schwarzwaldklosters geworden.28 Sein Sohn Hermann wird zwar regelmäßig als Vogt bezeichnet – explizit aber ebenfalls nur als solcher der Reichenau, gleichwohl führte er aber gegenüber St. Georgen Aufgaben durch, die für Vögte typisch waren.29 Die Zurückhaltung, die Gründerfamilie als St. Georgener Vögte zu benennen, ist der Erzähllogik des Gründungsberichts geschuldet, der nicht nur mehrfach die Unterstellung des Klosters unter den Heiligen Stuhl betont, sondern explizit anfügt, dass Hezelo 1083 erwirkt habe, dass am Georgskloster keine Eigentumsrechte wie Vogtei oder Abtsinvestitur beansprucht werden sollten. Die nur wenige Monate nach der Ermordung Hermanns durch Dienstmannen des Abtes der Reichenau verfassten Notitiae scheinen verdeutlichen zu wollen, dass St. Georgen keinen Vogt (mehr) braucht.30 Dennoch nahmen aber bereits in den 1090er Jahren die Zähringer ein Schutzverhältnis gegenüber St. Georgen wahr.31 Zur offiziellen Übernahme der Vogtei kam es jedoch vermutlich erst nach dem Tod von Hermanns Witwe Heilica († 1111) um 1114.32 Kaiser Heinrich V. bestätigte 1124 endgültig die Vogtei der Zähringer.33 Die Bemühungen der Zähringer um die Vogtei von St. Georgen sind im Rahmen von deren politischen Ambitionen im Schwarzwald gedeutet worden,34 die Quellen deuten aber eher auf seltene und situative Interaktionen hin, die im Rahmen der üblichen Beziehungen eines Klosters zur Vogtfamilie blieben. So unterstützen die Zähringer St. Georgen im Konflikt mit Ulrich von Hirrlingen – dem zweiten Mann Heilicas – um Besitzungen des Klosters und zähringische Klientel ist mitunter als Schenker belegt.35 In einem langjährigen Streit der Klöster →Tennenbach und St. Georgen um Besitz bei Villingen entschied Herzog Bertold IV. (1152–1186) aber zunächst gegen St. Georgen, das er mit herzoglichem Besitz abfand; erst 1187 konnte St. Georgen nach mehreren Protesten bis hin zum Papst in einer Schiedsgerichtsentscheidung zumindest einen Teil der Güter für sich behaupten.36 Verglichen mit den ersten Jahrzehnten nach der Gründung, geht die Überlieferungsdichte an Gütertransaktionen in St. Georgen seit den 1120er und nochmals seit den 1180er Jahren zurück. Wiederholt kam es zu internen Querelen, so 1138, als Abt Werner abgesetzt und bis 1144 durch Johann von Falkenstein (1138–1144) ersetzt wurde, aber auch während des langen Abbatiats Manegolds von Berg (1169–1187, erneut 1191). Dennoch kann von einem Niedergang St. Georgens im 12. Jahrhundert nicht die Rede sein. Die Vogtei scheint unmittelbar nach dem Tod Bertolds V. von Zähringen (1186–1218) König Friedrich II. (1212–1250) an sich gezogen zu haben. Als Vogt zu erkennen gibt er sich aber erst 1245, als er dem Konvent die freie Vogtswahl bestätigte, solange diese auf ihn oder seine Erben falle.37 1224 wurde das Kloster durch einen Brand zerstört und erst 1255 konnte ein Neubau der Kirche geweiht werden. In der Zwischenzeit wich der Konvent vermutlich auf die Reichsstadt Villingen aus, wo St. Georgen einen Pfleghof besaß, zu dem wohl auch eine Kirche, der Vorgängerbau des Münsters, gehörte. Dieser für den Konvent möglicherweise zu kleine Bau wurde wenig später abgerissen und neu errichtet, ebenso wie um 1233/34 ein Neubau des Pfleghofs erfolgte. Im Kampf zwischen Friedrich II. und dem Papst standen das Kloster und die Bürger zunächst gemeinsam auf der Seite des Staufers, ehe sich St. Georgen um 1247 der päpstlichen Seite zuwandte. Wahrscheinlich ist hier ein Einfluss der papsttreuen Grafen von Freiburg, die spätestens 1248 die Klostervogtei okkupiert hatten, wobei diese letztlich allein an Heinrich I. von Fürstenberg († 1284) gelangte. Dieser ist als Vogt explizit nicht belegt, doch tritt er 1270 bei einem Gütererwerb des St. Georgen unterstellten Klosters →Friedenweiler funktional als solcher in Erscheinung.38 Zur Bewältigung eigener und städtischer Baumaßnahmen hatte der Abt den Villinger Bürgern in den 1230er und 1240er Jahren den klostereigenen Breitbrunnenwald im Kirnachtal zum Holzschlag geöffnet. Dessen fortwährende Nutzung wurde in den 1280er Jahren vom Kloster bestritten, was um 1287 zu schweren Kämpfen mit Villingen führte, in denen sich der Stadtherr Egen von Fürstenberg (1284–1324) auf die Seite der Mönche stellte. 1290/91 musste St. Georgen in einem Vergleich die Villinger Nutzung anerkennen. Dieser wurde auch von Egens Schwager Bertold von Falkenstein besiegelt, der vielleicht bereits um 1281 als Untervogt fungierte und wohl mit dem Tod Heinrichs I. 1283/84 auf dem Erbweg in den Besitz der Vogtei gelangte. Allerdings werden erst 1325 dessen Söhne im Rückblick auf die Jahre zwischen 1301 und 1307 explizit als Vögte benannt.39 Mit Villingen söhnte sich das Kloster bald wieder aus, spätestens um 1336/42 hatte St. Georgen das Bürgerrecht erworben.40 Im 14. Jahrhundert wurde das Kloster mindestens dreimal von Bränden heimgesucht (um 1307/16, 1334/47, 1391), die jeweils einen Wiederaufbau erforderten. Dazu hatte die Abtei zunehmend mit Versuchen der Einflussnahme von außen zu kämpfen. Die frühneuzeitliche Klostergeschichtsschreibung sieht die Gemeinschaft besonders unter Abt Ulrich II. von Trochtelfingen (1347–1359, 1364–1368) materiell wie moralisch an einem Tiefpunkt angelangt. 1359 initiierte der Abt der Reichenau, Eberhard von Brandis, mit Verwandten einen Coup, in dem Ulrich von Eberhards Bruder Heinrich, Bischof von Konstanz (1357–1383), abgesetzt und stattdessen Johann von Sulz (1359–1364) als Abt installiert wurde, der sich seinen Förderern zu absolutem Gehorsam verpflichtete. Allerdings konnte sich der hochadlige Johann gegenüber dem niederadlig und bürgerlich geprägten Konvent nicht durchsetzen. Auf eine Klage Ulrichs hin wurde Johann 1364 vom Papst abgesetzt und ersterer kehrte in das Abbatiat zurück. Einer permanenten Bedrohung der Integrität des Konvents und des Güter- und Rechtstands ausgesetzt sah sich die Abtei seitens der seit etwa 1340 in zwei Linien getrennten Herren von Falkenstein, die auch die Vogtei untereinander aufgeteilt hatten, samt einer illegitimen Nebenlinie. Unter Abt Eberhard Kanzler (1368–1382) wurden 1379 Statuten erlassen und 1382 bestätigt, die sich mit Nachdruck gegen jede Einflussnahme der Falkensteiner, denen eine Aufnahme in den Konvent explizit verwehrt wurde, oder ihrer Verwandten wandten und mit diesen kollaborierenden Mönchen harte Strafen androhte.41 Der benediktinischen Ordensreform des 15. Jahrhunderts dürfte St. Georgen offen gegenüber gestanden haben. Zumindest genoss Abt Johannes III. Kern (1391–1427) hohes Ansehen unter den reformorientierten Kreisen innerhalb der Kirchenprovinz Mainz-Bamberg und führte 1417 mit anderen Reformern den Vorsitz des ersten Provinzialkapitels in Petershausen. Eine Reformforderung, der Wegfall des Adelsprivilegs für die Aufnahme neuer Konventualen, war in St. Georgen bereits im 13. Jahrhundert verwirklicht worden. Dagegen lässt sich für die Mönche weder ein theologisches Hochschulstudium nachweisen noch wurde die Reduzierung von Eigenbesitz durchgesetzt. Bereits unter Kerns Nachfolger Silvester Billung (1427–1433) erfolgte eine deutliche Abkehr von der Reform, um die sich danach erst wieder Abt Georg von Asch (1474–1505) bemühte, auf den die Neuanlage eines Nekrologs zurückgeht, in dem er selbst als abbas zelosus bezeichnet wird.42 Sein Reformeifer traf jedoch auf Widerstand im Konvent, dessen größtes Problem seine räumliche Zerstreuung war, da sich die Mönche um neun teils weit entfernte Klöster und über ein Dutzend Kirchen zu kümmern hatten, weshalb meist nur wenige von ihnen dauerhaft in St. Georgen weilten, worunter die Klosterdisziplin litt. Eine Visitation des Konstanzer Bischofs und Herzogs Ulrich von Württemberg 1504 mahnte zu einer Konzentration auf den Klosterort und einen breiteren Einsatz von Weltgeistlichen in den Pfarreien. Die Beteiligung des Württembergers erklärt sich aus dessen Besitz der Hälfte der Klostervogtei, die ein Teil der Herrschaft Falkenstein war, die bereits 1444/47 von Graf Ludwig von Württemberg der Falkensteiner Linie zu Falkenstein abgekauft worden war, worauf die Württemberger zunächst erfolglos darauf gedrängt hatten, das Kloster und seinen Besitz ihrer Territorialherrschaft zu unterwerfen. Die andere Vogteihälfte war von der Falkensteiner Linie zu Ramstein mit Teilen ihrer Herrschaft zwischen 1447 und 1455 an Hans von Rechberg und dessen Frau Elisabeth von Werdenberg-Sargans veräußert worden, die um 1457 die neue Herrschaft Schramberg begründeten. Zwischen 1462 und 1471 hatte Elisabeth die halbe Vogtei an das Kloster selbst verpfändet.43 In den ersten Regierungsjahren des Abts Georg von Asch (1474–1505) wurde das Kloster durch Brand erneut zerstört, aber wiederaufgebaut. Seit 1492 sind langwierige Streitigkeiten des Klosters mit den Rechbergern um Eigenleute und Gerichtszuständigkeiten im Kirnachtal belegt, in deren Folge Abt Georg mit dem Kloster 1502 in das Bürgerrecht von Rottweil eintrat, dieses auf Intervention Württembergs jedoch 1503/04 wieder aufgeben musste.44 Elisabeths Enkel Hans von Rechberg verkaufte die Herrschaft Schramberg 1526 an Hans von Breitenlandenberg, der die halbe Klostervogtei 1532 an den habsburgischen König Ferdinand (1526–1564) als damaligem Herrn des Herzogtums Württemberg veräußerte. Durch die 1534 erfolgte Rückeroberung Württembergs durch Herzog Ulrich (1498–1550) gelangte dieser in den Besitz beider Vogteihälften. Noch im gleichen Jahr führte er die Reformation in Württemberg ein und ließ die St. Georgener Mönche gewaltsam aus der Klosteranlage vertreiben. Nach einem kurzen Aufenthalt in Rottweil siedelte der Konvent 1536 (erneut) nach Villingen um, wo er sich dauerhaft im Pfleghof des Klosters einrichtete (→St. Georgen in Villingen). Eine kurzzeitige Restitution des Klosters nach der Schlacht von Nördlingen (1634) endete mit dem Westfälischen Frieden (1648). Über die Konventsgröße ist die meiste Zeit wenig in Erfahrung zu bringen. Zwar erst 1536 eindeutig belegt, wurde vielleicht schon früher zwischen einem »inneren Konvent«, wohl die im Kloster selbst residierenden Mönche, und einem »äußeren Konvent«, der wohl die auswärts als Pfarrer und Prioren eingesetzten Mitglieder umfasste, unterschieden.45 Vielleicht ist letzterer angesprochen, wenn 1379 neben dem Abt und 22 Mönchen, darunter allerdings selbst bereits zahlreichen Prioren, pauschal von den ussern in den clöstern die Rede ist.46 Dagegen dürften die 19 Teilnehmer der Abtswahl von 1505 tatsächlich den gesamten Konvent (ohne Novizen) dargestellt haben.47 1536 wird die Stärke des inneren und äußeren Konvents mit 21 Mönchen, davon sechs Novizen, angegeben.48 Bereits ab dem späten 13. Jahrhundert setzte sich der Konvent vornehmlich aus Angehörigen des Niederadels und des Stadtadels der Städte Rottweil, Villingen und Freiburg zusammen, von denen letztere Gruppe zunehmend die Oberhand gewann. Ab dem späten 15. Jahrhundert sind zusätzlich auch Mönche aus einer breiteren Bürgerschicht, bäuerlichen und sogar vom Kloster abhängigen Familien belegt. Besitz und WirtschaftDie dichte Überlieferung der Notitiae macht eine ausgeprägte Streuung des St. Georgener Besitzes deutlich. Dieser lag – den Besitzschwerpunkten der Gründer entsprechend – in Oberschwaben, im Breisgau, im direkten Umfeld des Klosters, aber auch am Nordrand der schwäbischen Alb. Bereits die Nachträge der Notitiae aus dem 12. Jahrhundert machen eine zunehmende Verlagerung des Interessengebiets des Klosters auf den Raum zwischen Baar, Schwarzwald und Neckar deutlich. Dazu gehörte auch, dass St. Georgen wohl auf Betreiben Herzog Bertolds V. bald nach 1186 den Villinger Besitz des Klosters →St. Peter, darunter dessen Pfleghof in der Stadt und vermutlich auch den Grund und Boden, auf dem sich die Kernstadt von Villingen erhob, übertragen erhielt. Der Wiederaufbau des Klosters nach dem Brand von 1224 scheint dessen wirtschaftliche Grundlage nachhaltig belastet zu haben. 1282 waren die Einkünfte der Küsterei nicht mehr in der Lage die Lichter der Kirche zu finanzieren.49 Der verlorene Krieg gegen Villingen 1287/91 verschärfte die Lage weiter. 1313 ist von unerträglichen Schuldenlasten die Rede, die nur durch den Verkauf von Gütern gemildert werden könne.50 Erst unter Abt Eberhard Kanzler und dessen Nachfolgern gelang es, die wirtschaftliche Lage zu stabilisieren und den Besitz weiter auszubauen. Abt Johann III. Kern ließ in den ersten Regierungsjahren neue Güterverzeichnisse anlegen und über Jahre aktualisieren. Gegenüber dem Stand von 1179 ist darin eine stärkere Konzentration des Besitzes auf die Region zwischen dem Westrand der Schwäbischen Alb und oberen Neckartal bis zum unteren Lauf der Donau festzustellen, mit nur noch vereinzeltem Streubesitz im Breisgau und auf der Schwäbischen Alb.51 Religiöses und kulturelles WirkenIm 12. Jahrhundert ist St. Georgen in Besitz zahlreicher Kirchen (bzw. Patronatsrechte) belegt, darunter die bereits 1139 belegte Kirche im heute abgegangenen Vockenhausen (bei Villingen), die 1142 im Besitz des Klosters befindliche Kirche in Schopflenberg bei Göppingen sowie 16 weitere Kirchen im Nahgebiet des Klosters, aber auch am Oberrhein, auf der Alb und in Oberschwaben, die zusammen mit den bereits genannten dem Kloster im Privileg Papst Alexanders von 1179 bestätigt werden.52 Weitere Kirchen soll das Kloster im 12. Jahrhundert auch in der Pfalz und Lothringen besessen haben,53 scheint diese aber bereits bald wieder verloren zu haben. Ab dem 15. Jahrhundert betreute das Kloster noch knapp über ein Dutzend Kirchen, die sich teils in der Nachbarschaft und im regionalen Umfeld (Furtwangen, Gunningen, Kleinkems, Schwenningen, Stetten ob Rottweil, Tennenbronn, Vockenhausen), teils aber auch weiter entfernt auf der Schwäbischen Alb befanden (Dintenhofen, Dürrwangen, Ehestetter Hof, Ingoldingen, Königseggwald, Leidringen). Jahrzeit- und Altarstiftungen sind um 1300 von den Familien von Triberg (Hornberg) und Burgberg belegt.54 Spätestens 1281 besaßen die späteren Vögte, die Herren von Falkenstein, eine Familiengrablege in der Marienkapelle der Klosterkirche, wo sie auch einen Katharinenaltar stifteten, der noch 1428 erwähnt wird.55 Zur kulturellen Wirkung des Klosters gehört die ab etwa 1140 erfolgte Abfassung der von Christi Geburt bis 1153 reichenden St. Georgener Annalen, die sich in ihrem älteren Teil ganz auf die Klostergeschichte konzentrieren, während spätere Fortsetzungen zunächst bis 1308 und danach bis 1627 stärker die Reichsgeschichte in den Vordergrund rücken. Der Text ist nur in Abschriften des 17. Jahrhunderts überliefert. Im frühen 14. Jahrhundert war der Bildungsstand in St. Georgen zeitweise auf ein niedriges Niveau abgesunken, mussten doch Abt und Konvent in einer Urkunde von 1313 eingestehen, dass keiner von ihnen des Schreibens mächtig sei.56 Bau- und KunstgeschichteLageDas Kloster wurde 4 km unterhalb der Brigachquelle, die seit der Antike als Donau-Ursprung bekannt war, siedlungsfern auf einer nach Süden ausgerichteten Hangterrasse (860 m ü NN) gegründet, unweit des Passübergangs von Straßburg in die Baar. Die heute innerstädtisch gelegene Klosteranlage ist fast vollständig abgegangen und wurde im 19. und 20. Jahrhundert weitgehend überbaut. Grabungen 1958/59 und 2019 sowie Pläne des frühen 19. Jahrhunderts erlauben eine teilweise Rekonstruktion. Die Kirche befand sich im Norden der vierflügligen Klausur; im Osten stieß die Marienkapelle an. Wirtschaftsgebäude lagen im Süden und Westen; der Klosterzugang öffnete sich südwestlich der Kirchenfassade. Die ehemals zum Klosterhospiz gehörende Leutkirche St. Lorenz steht westlich des Klosters an der Straße. Die Lage der provisorischen hölzernen Klosterkirche von 1084 ist unbekannt, ebenso wie die genaue Lage von sechs spätmittelalterlichen Kapellen im Klosterbereich. Kirche und KonventsbautenVon der großen romanischen Kirche sind Teile der beiden südlichen Nebenapsiden und der Hauptapsis ergraben; zugehörig sind eine große attische Basis, mehrere Säulentrommeln, Werksteine von charakteristischen Stockgesimsen mit Schuppenfries und von einem Portal mit umlaufendem Sockelprofil. Demnach handelte es sich beim großen Kirchenbau der Gründungszeit wohl um eine dreischiffige Säulenbasilika mit Querschiff, dreischiffigem Sanktuarium und insgesamt fünf Apsiden, die in vielen Elementen der vorbildhaften Kirche St. Peter und Paul in Hirsau entsprach. Die Brand- und Baunachrichten zu 1224/25, 1334/47 und 1394 sowie die Weihen von 1255, 1316 und 1370 können bislang nicht mit ergrabenen Baubefunden oder erhaltenen Werksteinen verbunden werden. Das Grabmal für die Klosterstifter Hezilo und Hesso stand 1330 zwischen dem neuen Heilig-Grab-Altar und dem Kreuzaltar vor dem Lettner. Im späten 15. Jahrhundert wurde die Kirche nach einem erneuten Brand vollständig neu gebaut. Sie erhielt einen von Strebepfeilern begleiteten, polygonal endenden Langchor mit fünf Gewölbejochen, dessen Gewölbe auf Konsolen mit Apostelfiguren ruhten. Das Langhaus wurde nun einschiffig gebaut, erhielt aber die Gesamtbreite von Mittelschiff und südlichem Seitenschiff. 1496 wurden sechs Altäre in dieser neuen Kirche eingeweiht. Die Grabkapelle für Abt Georg von Asch (1474–1505) liegt an ihrer Nordseite. Von den Klausurgebäuden, vom Kreuzgang und einigen Wirtschaftsgebäuden wurden 1958/59 zahlreiche Mauern verschiedener Zeitstellung aufgedeckt; die Grabungsdokumentation erlaubt aber weder eine Bauphasenscheidung noch Funktionsansprachen. Der Ostflügel der Klausur stieß (wie in Hirsau) nicht an die Kirche an; im Westen war sie mit weiteren Gebäuden verbunden. Die reiche romanische Bauskulptur findet ihre Vergleiche um 1150 im Elsass. Unbekannt bleibt die Unterbringung der bis mindestens um 1250 zum Konvent gehörenden Frauen und der bis um 1300 fassbaren Laienbrüder. Angrenzend an ihren Kapitelsaal, der wohl im Westflügel lag, wurde im Kreuzgang 1295 die Grabkapelle der Herren von Burgberg errichtet.57 Die Herren von Zimmern hatten ihr Begräbnis in der Marienkapelle, die Herren von Hornbach in der Michaelskapelle.58 Zum (Teil-)Neubau der Klausur um 1490 gehört unter anderem Konsolen mit Figurenschmuck, ein Wappen-Schlussstein sowie ein Lochstein für die Calefactoriums-Unterbodenheizung. 1496 wurden ein Altar in der Sakristei sowie drei Altäre in der Marienkapelle neu geweiht, außerdem die Altäre der doppelgeschossigen Kapelle im Abtshaus und die Wolfgangkapelle. In Schriftquellen fassbar sind die Reparaturen nach 1548 in verschiedenen Kapellen, in Kapitelsaal, Dormitorium, Konventstube, Hofstube, Sommerlaube, Schule, Paradies und Kanzlei.59 1632 wurde eine Inventur durchgeführt.60 Nach der Brandzerstörung 1633/34 wurde die Kirche bis 1636 teilweise wiederhergestellt. Dem Konvent dienten ab 1634 zunächst zwei im Kornhaus eingebaute Stuben als Wohnung. 1633 ließ Abt Georg II. Gaisser (1627–1655) ein neues Abtshaus errichten (später Pfarrhaus), ein neues Torhaus, eine neue Küche und ein neues Kornhaus, um die Marienkapelle wieder benutzen zu können. Nach 1648 wurden im Klausurbereich Bauten für die württembergische Domanialverwaltung erbaut, die Kirche verfiel und wurde nach dem Stadtbrand 1865 vollständig niedergelegt. Das Amtshaus mit Teilen des Klausurwestflügels wurde 1905 abgebrochen, der Fruchtkasten über dem Südflügel-Keller 1966 (2019 ausgegraben). Die Klostermauer war im Süden und Osten in Resten bis um 1970 erhalten. Materielle Kulturgeschichte, BauausstattungDie anspruchsvolle Ausschmückung der ersten großen Klosterkirche, ihrer Fassade und des Kreuzgangs durch Skulptur und Malerei wird in der Vita Theogers erwähnt. Hohen Quellenwert haben die Grabsteine für den 1121 verstorbenen, zum Mönch konvertierten Adligen Adalbert von Hellerbach und für die Adlige Gertrud von Burgberg (Mitte 13. Jahrhundert), die als conversa zum Konvent gehörte. Drei Wappengrabsteine ohne Inschrift stehen heute in der Lorenzkirche. Auf dem Grabmal für Abt Georg von Asch († 1505) war sein Einsatz für die Klosterreform vermerkt (1893 geborgen, verschollen). Zehn Holzskulpturen aus der Mitte 14. Jahrhunderts werden in der Lorenzkapelle in Rottweil (Landesmuseum Württemberg) aufbewahrt. Vier Skulpturen und zwei Altarflügel eines 1523 neugeschaffenen Altarwerks befinden sich in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe. Um 1530/35 entstand ein neuer Lettner mit einer Orgel;61 von ihm (oder von einem zeitgleichen Sakramentshaus) blieb ein aufwändig spätgotisch dekorierter Sockelstein erhalten. Reiche Ofenkachelfunde belegen dann die Neuausstattung der Klostergebäude nach der Rückkehr des Konvents 1548. Für verschiedene spätmittelalterliche Glasmalereien gibt es Beschreibungen. Werksteine der Klosteranlage wurden seit dem späten 19. Jahrhundert gesammelt und sind seit 2002 in einem Anbau an die Robert-Gerwig-Schule ausgestellt. BibliographieQuellen: Vita Theogeri abbatis S. Georgii et episcopi Mettensis, in: MGH SS 12, S. 449–479; Notitiae fundatoris et traditionum monasterii S. Georgii in Nigra silva, in: MGH SS 15,2, S. 1005–1023; Hofmeister 1918; Bürgerbücher Stadt Villingen 2001. Handbücher und Lexika: CVMA II,1, S. 219 f., 300 Nr. 30 (Rüdiger Becksmann); GermBen V, S. 242–253 (Hans-Josef Wollasch); KDM Bd. 2, S. 82–90 (Franz Xaver Kraus); kloester-bw, Benediktinerabtei St. Georgen (Christian Schulz); LexMA Bd. 7, Sp. 1158 f. (Alfons Zettler); LThK Bd. 9, Sp. 26 (Casimir Bumiller). Literatur: Jakobs 1961; Schreiner 1964; Wollasch 1964; Harter 1992; 2004; Untermann 2005 (a), (b), (c); Steinmaier/Reininghaus/Jenisch 2020; Gutmann 2021 (c). Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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