Villingen, Benediktiner St. Georgen
| Kurzbeschreibung: | 1083 Gründung des Stammklosters St. Georgen auf dem Schwarzwald – 1534 Okkupation des Klosters durch das Herzogtum Württemberg – 1536 Übersiedlung des Konvents nach Villingen – 1806 Aufhebung – bis 1817 Schultätigkeit der verbliebenen Mönche Patrozinium: GeorgOrdensgliederung: 1627 Oberschwäbische Benediktinerkongregration, 1783 Vorderösterreichische BenediktinerkongregationKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Villingen |
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| Beschreibung: | Name: Blasius [Schönlin] abbt unnd convent deß gottshauß zue sant Georgen auffm Schwarzwaldt (1588);1 monasterii sancti Georgii in Hercinia Silva (1627);2 Georgio [Gaisser] abbten deß gottshaußes zu St. Geörgen auffm Schwartz[wald] (1629);3 imperialis monasterii S. Georgium p(ro) t(empore) Villingae (1778)4 GeschichteHistorische EntwicklungDie Reformation im Herzogtum Württemberg 1534 führte zu einem radikalen Bruch in der Geschichte des →Klosters St. Georgen im Schwarzwald. Die dortigen Benediktinermönche suchten nach der Besetzung ihres Klosters zunächst Asyl in Rottweil und lebten seit 1536 in ihrem Villinger Pfleghof, dem heutigen Abt-Gaisser-Haus. Eine vorübergehende Rückkehr des Konvents nach St. Georgen während des Interims von 1548 wurde durch den Passauer Vertrag von 1552 zwischen König Ferdinand I. (1531–1564) und den evangelischen Reichsfürsten, der den Status quo des Protestantismus formell anerkannte, wieder zunichte gemacht. Spätestens mit dem Tod von Abt Johannes V. Kern 1566 erschien eine nochmalige Übersiedlung ins Stammkloster endgültig unmöglich. Es fand damals in Villingen weder eine formelle Neugründung statt noch gab es neue kaiserliche oder päpstliche Privilegien für das Kloster.5 Der Konvent sah sich vielmehr in der Kontinuität und Tradition des alten Klosters, nur eben unfreiwillig an anderem Ort und auf geschmälerter wirtschaftlicher Basis – und mit der bis 1648 nie erloschenen Hoffnung, doch noch einmal zurückkehren zu können. Die Benediktiner mussten sich mit der neuen Situation arrangieren und konnten ihren Charakter als Fremdkörper in der Stadt lange Zeit nicht verleugnen. In zwei Verträgen von 1567 und 1588 klärten die Stadt Villingen und der Konvent ihr Verhältnis im Sinne des Satzbürgerrechts. Der Pfleghof als Wohnstätte der Mönche war bis auf den gewöhnlichen Hofstattzins frei von Abgaben. In Kriegszeiten mussten die Konventualen keine Kriegs- und Mauerdienste leisten, sollten aber finanziell zur Verteidigung der Stadt beitragen. Bezüglich der Rechtspflege unterstand das Kloster dem Stadtgericht. Die Vogtei über das Kloster lag seit 1444/49 bzw. 1532 bei Württemberg. Mit diesem Recht besaß Württemberg nach Einführung der Reformation 1534 einen Hebel, um den Herrschaftsradius des Rumpfklosters empfindlich zu beeinträchtigen. Mit der Reformation gingen dem Kloster St. Georgen alle zum Herzogtum Württemberg gehörigen Einkünfte, aber auch der Pfarrsatz in zahlreichen württembergischen Pfarreien verloren. In Schwenningen kam es zu der kuriosen Situation, dass das Nominationsrecht zwischen dem Herzog von Württemberg und dem Abt von St. Georgen wechselte, de facto blieb dem Abt nur übrig, den von Württemberg vorgeschlagenen (evangelischen) Pfarrer zu akzeptieren. Während des Dreißigjährigen Krieges lag die Verantwortung für das Kloster in den Händen des Abtes Georg II. Gaisser (1628–1655). Der aus dem oberschwäbischen Ingoldingen stammende Mönch wurde 1627 zum Abt gewählt. Noch im selben Jahr trat St. Georgen der Schwäbischen Benediktinerkongregation bei. Seit Kriegsbeginn verfasste Abt Gaisser tagebuchartige Notizen, die zu den wichtigsten Quellen über die Jahre des Dreißigjährigen Krieges auf der Baar zählen.6 Mit seinem nie aufgegebenen Anspruch auf die Reichsunmittelbarkeit des Klosters trat Abt Gaisser im Widerspruch zu seiner tatsächlichen Machtfülle als verhinderter »Reichsabt« auf. Das Restitutionsedikt Kaiser Ferdinands II. (1619–1637) vom März 1629 ließ erstmals die Hoffnung aufkeimen, dass die Benediktiner nach St. Georgen würden zurückkehren können. Doch ein Rückkehrversuch vom 27. August 1629 scheiterte am waffenstarrenden Widerstand der Württemberger. Württemberg führte damals ein Gutachten der Universität Freiburg ins Feld, wonach St. Georgen nicht erst seit dem Passauer Vertrag von 1552 württembergisch sei, sondern schon seit 1534 und damit nicht unter die vom Restitutionsedikt betroffenen Klöster fiel. Zum Ärger Abt Gaissers ging der Kaiser auf diese juristische Argumentation ein. Am 11. März 1630 erklärte das Reichskammergericht nach einem seit 64 Jahren anhängigen Prozess die Besitzergreifung des Klosters St. Georgen durch die Mönche für rechtmäßig, so dass Abt Gaisser mit seinen Mönchen ab September 1630 für einige Monate nach St. Georgen zurückkehren konnte. Trotz eines kaiserlichen Schutzbriefs für das Kloster zwang der württembergische Herzog unter veränderten politischen Rahmenbedingungen – zwischenzeitlich befand sich der schwedische König Gustav Adolf auf seinem Siegeszug nach Süddeutschland – die Untertanen von St. Georgen im Dezember 1631 unter Waffengewalt zur Erbhuldigung auf das Haus Württemberg. Im Januar 1632 nötigten die Württemberger die Mönche erneut zur Flucht nach Villingen. In der Folge verlangten sie, den St. Georgener Pfleghof in Villingen als Zubehör des Klosters herauszugeben. Es gab damals in Villingen Stimmen, die behaupteten, die Benediktiner hätten der Stadt den Feind auf den Hals gezogen. An dem unverhohlenen Hass vieler Villinger auf die Mönche änderten die diplomatischen Missionen Abt Gaissers im Auftrag des Magistrats während der Belagerungszeit 1633/34 wenig. Als die Württemberger Anfang Oktober 1633 die zweite Belagerung der Stadt Villingen abbrachen und St. Georgen räumten, nutzten dies die Villinger, um das Dorf St. Georgen mitsamt dem Kloster zu zerstören. Als Abt Gaisser den Ort am 23. Oktober besuchte, »erfasste ihn beim Anblick der Ruinen ein Schauer bis aufs Mark«.7 Im Westfälischen Frieden von 1648 wurde reichsrechtlich festgeschrieben, dass die Villinger Benediktiner nicht mehr nach St. Georgen zurückkehren konnten. Der Notbehelf ihres Konvents im Villinger Pfleghof entsprach in keiner Weise der Idealvorstellung eines Benediktinerklosters, unter Abt Michael III. Glückher (1690–1733) enstand deshalb eine neue barocke Klosteranlage. Der Personalstand der Benediktiner blieb während der barocken Blütezeit des Klosters im 18. Jahrhundert mit ca. 25 Mönchen relativ stabil. 1799 gab es noch zwei, 1806 aber keinen Novizen mehr. Bei Aufhebung des Klosters im Zuge der Säkularisation am 25. Juli 1806 lebten im Konvent 26 Konventualen, der Älteste unter ihnen mit 78 Jahren Abt Anselm Schababerle (1778–1806). Hatte Württemberg in der kurzen Zeit seiner Herrschaft von Januar bis September1806 das Kloster gründlich plündern lassen, so sicherte sich Baden in den folgenden Jahren die verbliebenen Pretiosen. Dazu zählten die berühmte Silbermann-Orgel, die Glocken und die Uhr, die 1812 als Zwangsschenkung an die Stadtkirche in Karlsruhe abgegeben werden mussten. Nach der Aufhebung des Klosters gelang es den verbliebenen Mönchen, den Schulunterricht in einem fünf-klassigen Rumpfgymnasium (»Pädagogium«) weiterzuführen, aber 1817 wurde auch diese Schule zum Leidwesen der Bürgerschaft durch das Großherzogtum aufgehoben. Nach ihrer Räumung wurden die Gebäude des Benediktinerklosters am 28. Juli 1826 von der Stadt Villingen für 5.010 Gulden erworben. Besitz und WirtschaftIn den ersten Jahrzehnten nach der Gründung des Klosters St. Georgen 1084 war dem jungen Konvent durch adlige Wohltäter Besitz an 168 Orten in Südwestdeutschland zugewachsen. Nach den päpstlichen Besitzbestätigungen von 1139 und 1179 wuchs der Klosterbesitz nicht mehr nennenswert an. Im Spätmittelalter erfolgte eine Besitzkonzentration auf das nähere Umfeld des Klosters an oberem Neckar und oberer Donau .8 Mit der Reformation in Württemberg gingen dem Kloster die auf württembergischem Territorium befindlichen Besitzungen verloren, z. B. Schwenningen, Mönchweiler und der Klosterort St. Georgen selbst. Der Fortbestand des Konvents war trotz solch empfindlicher Einbußen nicht gefährdet. Denn die wichtigsten Pfleghöfe Rottweil, Ingoldingen und Villingen lagen außerhalb Württembergs. Die an diesen zentralen Wirtschaftshöfen eingesammelten Naturaleinkünfte wurden auf den regionalen Märkten kapitalisiert und trugen zum sichtbaren Wohlstand des Villinger Klosters in der Barockzeit bei.9 Bei Auflösung der Abtei 1806 wurde Klosterbesitz an 31 Orten verzeichnet, aus denen dem Konvent Einkünfte an Geld und Naturalien im Wert von 22.041 Gulden zuflossen. Das Aktivkapital belief sich auf 113.007 Gulden.10 Religiöses und kulturelles WirkenDer auf wenige Mönche reduzierte Konvent richtete sich im 16. Jahrhundert notdürftig in seinem Pfleghof an der Nordwestecke der Stadt ein und nutzte eine 1487 geweihte Kapelle in der Nachbarschaft. 1590 überließ Abt Blasius Schönlin (1585–1595) dem Rat der Stadt Villingen die alte Orgel aus St. Georgen mit der Verpflichtung, diese im Münster aufzustellen. Unter seinem Abbatiat herrschten Zweifel an der moralischen Integrität der Mönche, die eine Neigung zur Trunksucht zeigten. 1595 wurde der Abt selbst wegen Missbrauchs eines Bürgermädchens aus der Stadt verwiesen. Schönlins Nachfolger Abt Michael I. Gaisser (1595–1606) baute den erweiterten Pfleghof um 1598 im Stil der Renaissance zu einer repräsentativen Prälatur aus. Zwischen 1546 und 1567 verfügte St. Georgen über das von den Cluniazensern abgelöste Priorat →St. Ulrich im Schwarzwald, bis sich herausstellte, dass man sich mit dem hoch verschuldeten Kloster übernommen hatte. Von den zahlreichen Prioraten, Patronaten und Inkorporationen, die das Kloster im Mittelalter besessen hatte, bestand im 18. Jahrhundert nur noch ein Bruchteil. Bis zur Aufhebung des Klosters wurden die Pfarreien Gunningen, Furtwangen und Pfaffenweiler von Villinger Mönchen seelsorglich betreut. Auch ins oberschwäbische Ingoldingen, das seit der Gründungszeit zur Ausstattung des Klosters zählte, schickten die St. Georgener Mönche einen von ihnen als Pfarrer und Verwalter. Nicht zuletzt stellten die Villinger Benediktiner bis zuletzt den Beichtvater für das von ihnen seelsorglich betreute Benediktinerinnenkloster →Amtenhausen. Aufgrund ihrer Vertreibungserfahrung stellten sich die Villinger Benediktiner offensiv in den Dienst der Gegenreformation. Seit dem späten 16. Jahrhundert stand der Konvent unter dem Einfluss der Jesuiten. Zwischen 1587 und 1661 besuchten nicht weniger als 30 Villinger Konventualen, darunter auch der spätere Abt Georg II. Gaisser, die Jesuitenuniversität in Dillingen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg gründeten die süddeutschen Benediktiner eine eigene Benediktineruniversität in Salzburg für Studenten, die an benediktinischen Gymnasien vorbereitet wurden. Spätestens 1669 betrieben die Villinger Benediktiner eine solche höhere Schule. Diese entwickelte sich in scharfer Konkurrenz zum seit 1650 fassbaren Gymnasium der Villinger →Franziskaner zur bedeutendsten Bildungseinrichtung der Stadt. In beiden Gymnasien entwickelte sich eine Tradition des Schultheaters. Ein eigenes Schulgebäude mit Theatersaal zur Vorführung der Schulkomödien erhielt das Benediktiner-Gymnasium im Jahr 1747. Seit dieser Zeit stießen jedoch die Schulkomödien bei der vorderösterreichischen Regierung bereits auf Skepsis. 1764 gab es erstmals ein Verbot, die letzten Komödien fanden bei den Franziskanern wie bei den Benediktinern im September 1773 statt. Die Reformen Kaiser Josephs II. (1765–1790) erreichten Villingen 1770 mit dem Verbot der Schultheater, der Passionsspiele und der Karfreitagsprozessionen. Von insgesamt zwölf Gymnasien in Vorderösterreich befanden sich zwei in Villingen. 1794 wurden beide Gymnasien zwangsvereinigt und der Unterricht den Benediktinern übertragen, die Ende des 18. Jahrhunderts die Franziskaner überflügelt hatten. Während der Franziskanerkonvent im Jahr 1797 ganz aufgehoben wurde, hegten die Benediktiner die Hoffnung, mit ihrer Schultätigkeit überleben zu können. Das Villinger Gymnasium, wo Professoren wie Gregor Maurer und Gottfried Lumper ihre Schüler im Geist der katholischen Aufklärung und des Josephinismus unterrichteten, genoss bis an sein Ende einen ausgezeichneten Ruf. Der Unterricht in der Oberstufe umfasste um 1790 neben Theologie die Fächer Recht und Philosophie. An Sprachen wurde Griechisch und Hebräisch gelehrt. 1783 besuchten 55 Schüler das Villinger Gymnasium, davon 42 in den Gymnasialklassen und 13 im philosophischen Kurs, der aufs Studium vorbereitete. Unter den Schülern fanden sich neben Villinger Bürgersöhnen Studenten aus Donaueschingen, Freiburg, Riedlingen und Überlingen, 1793 sogar aus Krakau. Aus dem Villinger Gymnasium gingen so bedeutende Gelehrte hervor wie der Kirchengeschichtler Trudpert Neugart (1741–1825), der nachmalige Freiburger Kirchenrechtler Johann Georg Benedikt Kefer (1774–1833) oder Franz Sales Wocheler (1778–1848), der spätere Gründer der Leopold-Sophien-Bibliothek in Überlingen. Die Villinger Professoren strichen zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Modernität ihres Unterrichts heraus mit dem Hinweis, dass in ihrem Literaturunterricht auch aktuelle Autoren wie Schiller und Goethe gelesen würden. Einer der letzten Mönche, der gebürtige Villinger Johann Baptist Schönstein, verfasste 1824 als Zeitzeuge der letzten Jahre des Konvents die erste »moderne« Geschichte des Klosters St. Georgen.11 Zuvor hatte ein Anonymus bereits 1714 einen »Gründtlichen Bericht Von dem Uralten […] Gottshauß St. Georgen« in Druck gegeben.12 Abgesehen von dem »Tagebuch« des Abtes Gaisser aus dem Dreißigjährigen Krieg und der Chronik seines jungen Mitbruders Theoger Gästlin über die Belagerungen von 1633/34 sind sonst keine literarischen Produkte von Villinger Konventualen bekannt. Bibliothek und ArchivDie mittelalterlichen Bestände der Klosterbibliothek hatten bei dem verheerenden Klosterbrand von 1495 und bei der Zerstörung St. Georgens durch die Villinger 1633 schwer gelitten. Was aus St. Georgen nach Villingen gerettet werden konnte, dürfte bei einem weiteren Brand des Konvents 1637 geschädigt worden sein. Die frühneuzeitliche Klosterbibliothek bestand wohl überwiegend aus Büchern und Handschriften, die die Äbte Georg II. Gaisser und Cölestin Wahl (1757–1778) aus dem Besitz befreundeter Klöster erworben hatten, darunter aber immer noch bedeutende mittelalterliche Handschriften. Klosterbibliothekar Cölestin Spegele verwies noch 1807 auf die vorzügliche Bibliothek, die für den naturwissenschaftlichen Unterricht auch über moderne physikalische Apparate verfügte. Die wertvolle Bibliothek gelangte nach Aufhebung des Klosters 1806 zum Teil in die Universitätsbibliothek Freiburg, darunter ein Catalogus Librorum Monasterii S. Georgii in Nigra Silva von 1784,13 zum Teil in die Hofbibliothek in Karlsruhe, darunter das Bibliotheksverzeichnis von Bibliothekar Cölestin Spegele von 1807.14 Das mittelalterliche Klosterarchiv wurde 1534 nach Rottweil und 1536 nach Villingen in Sicherheit gebracht.15 Heute bewahrt das Stadtarchiv Villingen-Schwenningen die überlieferten Klosterakten unter dem Bestand 2,1 BB. Umfangreiche Bestände befinden sich auch im Generallandesarchiv Karlsruhe (Bestand 12), und im Erzbischöflichen Archiv Freiburg. Bau- und KunstgeschichteLageDas 15 km nordwestlich von Villingen gelegene Kloster St. Georgen verwaltete seinen um die Stadt gelegenen Besitz von einem Pfleghof im Nordwestteil des Stadtgebietes aus (Schulgasse 19, 21, 23 und Kanzleigasse 30, 32).16 Die Stadtmauer hat an dieser Stelle einen ungewöhnlichen Verlauf, es hat den Anschein, man habe einen älteren Güterkomplex in die Wehranlage einbeziehen wollen. Dieser städtische Klosterhof wurde zur Keimzelle des nach 1536 von St. Georgen nach Villingen verlagerten Klosters.17 Nachdem im Dreißigjährigen Krieg das Ursprungskloster in St. Georgen völlig zerstört worden war, fanden sich die Mönche mit der Translozierung ihres Konvents nach Villingen ab und errichteten hier einen Neubau. Die Planungen für eine barocke Gesamtanlage begannen im Abbatiat Georgs III. Gaisser (1685–1690), ausgeführt wurden sie unter seinem langjährigen Nachfolger Michael III. Glückher (1690–1733). Einer großzügigen Planung standen sowohl die begrenzten Geldmittel wie auch der beengte Raum entgegen. Die lange Bauzeit von 1688 bis 1725 war den widrigen Zeitumständen geschuldet: Der Franzoseneinfall von 1688 und der Spanische Erbfolgekrieg 1701–1714 brachten die Bauarbeiten zum Erliegen. Erst 1719 war die Kirche im Rohbau fertig, geweiht wurde sie am 24. Oktober 1725 vom Konstanzer Weihbischof Franz Johann Anton von Sirgenstein. Die frühneuzeitliche, gewestete Klosterkirche mit Dreiflügelanlage und das angrenzende Schulgebäude sind noch immer erhalten. Kirche und KonventsbautenBei dem Pfleghof wurde 1487 eine unter Abt Georg von Asch (1474–1505) erbaute Kapelle geweiht. An Stelle dieser älteren Kapelle errichtete man zwischen 1688 und 1719 nach Plänen von Michael Thumb eine Kirche, die 1725 geweiht wurde. Der Neubau ist eine barocke, gewestete Wandpfeilerkirche mit eingezogenen Emporen, die dem von der Vorarlberger Bauschule entwickelten System folgt. Das mächtige Tonnengewölbe tragen Wandpfeiler, die die Funktion nach innen verlegter Strebepfeiler übernehmen. Die zwischen den Pfeilern entstandenen Kapellen werden durch Emporen nach oben abgeschlossen. Die Schaufront des verputzten Massivbaus mit Gliederungen in Sandstein liegt mit dem Portal im Westen an der Schulgasse 19. An der Nahtstelle zwischen Chor und Langhaus steht im Süden der Kirchturm. Der Bau der Turmobergeschosse nach einem Entwurf von Martin Herrmann wurde 1755/56 vollendet.18 Große Teile der historischen Ausstattung sind erhalten, die Kirche bietet so den Eindruck, den sie bis zu Aufhebung des Klosters gegeben hat: der Hochaltar ist mit einem Altarblatt von Heinrich Schilling 1729 und Schnitzarbeiten von Josef Anton Hops 1760/61 ausgestattet, die Kanzel ist von letzterem 1759 gefertigt worden. Das 1682 von Johann Schupp gefertigte Chorgestühl stammt aus der ehemaligen Villinger Johanniterkommende. Die beiden Seitenaltäre stammen ursprünglich aus der Dürrheimer Kirche und wurden erst 1980 eingebaut. Bei den Restaurierungen des Kircheninnenraums 1975–77 und 1995 wurde die ursprüngliche Farbfasssung von 1718 erkannt, eine Neufassung, die das heutige Erscheinungsbild prägt, erfolgte 1758. Kern der frühneuzeitlichen Konventsbauten war die an die Stadtmauer angelehnte Alte Prälatur (Abt-Gaisser-Haus), Schulgasse 23. Der dreigeschossige Massivbau wurde einer eingehenden bauhistorischen Untersuchung unterzogen.19 Der älteste erkannte Bauteil liegt im Westteil des bestehenden Gebäudes. Der dreigeschossige Kernbau wurde um das Jahr 1234 erbaut und lehnt sich als eines der wenigen Gebäude an die Stadtmauer an. Im Jahr 1363 wird das Gebäude als Gerier hus erstmals erwähnt. Um 1372 und erneut 1399 unter Abt Johannes III. Kern (1392–1427) sind Umbauten fassbar, die einer besseren Wärmeisolierung im Bereich der Wohnstuben dienten. Aufgrund der bauhistorischen Untersuchungen sind die umfassenden Umbauten an der alten Prälatur in die Jahre zwischen 1536–39 zu datieren. Diesen Umbau belegt auch der Wappenstein des Abtes Michael I. Gaisser aus dem Jahr 1538 über der Eingangstür. In dieser Zeit wurde im alten Kernbau die alte Wohnebene im ersten Obergeschoss aufgegeben und in das zweite Obergeschoss verlegt. Im ersten Obergeschoss wurde die alte Stube modernisiert und die anderen Raumeinheiten mit einer hochwertigen Farbfassung ausgestattet. Im zweiten Oberschoss entstand ein über die gesamte Haustiefe reichender Saal. In den Jahren 1538–39 wurde der Kernbau durch einen östlichen Anbau erweitert. Die Grundfläche der alten Prälatur wurde damit mehr als verdoppelt, das Kloster besaß nun eine zeitgemäße städtische Niederlassung. Der Neubau der Alten Prälatur war 1598 der Beginn umfangreicher Umgestaltungen. Eine Zeichnung aus dem Jahr 1633 überliefert uns das Aussehen des Pfleghofs vor seinem grundlegenden Umbau.20 Das Kloster, das seit 1650 ein Gymnasium betrieb, wurde 1663 erweitert. Bis 1666 wurde ein Konventshaus errichtet, ein viergeschossiges Gebäude, das die Sakristei, den Kapitelsaal, das Refektorium und den Studiersaal enthielt. Nach 1687 führte man einen umfassenden Neubau aus. Der Raum zwischen den alten Konventsbauten und der Kirche wurde durch einen, auf der Stadtmauer aufsitzenden, elfachsigen Verbindungstrakt geschlossen, der 1729 nach Plänen von Jodokus Beer fertiggestellt wurde. Als letztes Gebäude wurde 1740/1750 das Alte Klosterschulhaus an der Schulstraße 6 errichtet. Der langgestreckte, dreigeschossige Massivbau trägt ein zur Josefsgasse hin abgewalmtes Satteldach. Der Bau ist von einer der Nutzung angemessenen strengen und nüchternen Fassadengestaltung geprägt, lediglich das Eingangsportal ist in barocken Formen reich gerahmt. Seit der Aufhebung des Klosters 1806 werden die ehemaligen Konventsbauten bis heute als Schule genutzt. BibliographieQuellen: Georg Gaissers Tagebücher von 1621–1655, in: Mone II, S. 159–528. Handbücher und Lexika: Dehio, Baden-Württemberg Bd. 1, S. 806 f. (Friedrich Jacobs); GermBen V, S. 242–253 (Hans-Josef Wollasch); KDM Bd. 2, S. 132–134 (Franz Xaver Kraus); kloester-bw, Benediktinerabtei St. Georg in Villingen (Christian Schulz). Literatur: Rothenhäusler 1886; Roder 1905; Ruhrmann 1961; Wollasch 1962, S. 93; Willner 1988; Fuchs 1995; Bumiller 1997, S. 18–49; Krusenstjern 1997; Jenisch/Weber 1998, S. 113 f.; Jenisch 1999, S. 63 f.; Lohrum 1999, S. 354–361; Schulze 1999/2000, S. 80–84; Tocha 1999/2000, S. 53–59. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
| Personenbezüge: |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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