Villingen, Franziskaner
| Kurzbeschreibung: | 1267/68 Ansiedlung – 1292 Fertigstellung der Klosteranlage – 1633/34 und 1704 schwere Schäden an der Anlage – 1711 Wiederaufbau – 1797 Aufhebung Patrozinium: Heilig Kreuz, Franziskus, Antonius, KlaraOrdensgliederung: Oberdeutsche (Straßburger) (Minoriten-) Provinz, Kustodie Bodensee; 1781 Vorderösterreichische MinoritenprovinzKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Villingen |
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| Beschreibung: | Namen: fratres Minores in Vilingen (1275);1 die Minran brueder von Vilingen (1290);2 bruoder ze Vilingen sant Franciscen ordens (1349);3 guardianus et fratres conventus ordinis Minorum [de Vilingen] (1377);4 gardion und convent Barfuossen ordens des huses ze Vilingen (1390);5 das closter zu Vilingen der Mindern bruder sant Franciscen ordens (1441)6 GeschichteHistorische EntwicklungDie Ansiedlung der Franziskaner in Villingen geht auf eine 1267 auf Bitten der Bürgerschaft ausgesprochene Einladung des Stadtherrn Graf Heinrich von Fürstenberg (1250–1284) zurück, der den Mönchen ein Baugrundstück an der westlichen Stadtmauer zur Nutzung zur Verfügung stellte und 1268 mit seiner Gattin Agnes dem wahrscheinlich aus Freiburg entsandten Gründungskonvent Schutz zusicherte.7 Obwohl in späterer Tradition die Fürstenberger als Stifter betont werden, die nach 1268 aber kaum mehr in Erscheinung traten, dürfte die treibende Kraft tatsächlich die Bürgerschaft gewesen sein. Sie hatte ein Interesse daran, neben der Pfarrei und der →Johanniterkommende das seelsorgerische Angebot in ihrer Stadt zu erweitern. Finanziert über Ablässe und Betteltätigkeit, wurde in Etappen bis 1292 die Klosteranlage mit Kirche und Friedhof errichtet, die eine beträchtliche Beherbergungskapazität bot. Im 15. und 16. Jahrhundert diente das Kloster deshalb regelmäßig zur Unterkunft bei Besuchen der Landesherren oder hoher Gäste, ebenso wie dort 1535, 1541, 1553, 1583, 1594 und 1610 die vor der Pest geflohene Universität Freiburg Aufnahme fand. In der Stadt wurden die Franziskaner gut angenommen, immer wieder traten auch Einheimische in den Konvent ein. Ein einziger größerer Konflikt ist aus dem Jahr 1295 belegt, als ein wohl aus dem Villinger Patriziat stammender Mönch unerlaubt das Kloster verlassen und sich in der Stadt herumgetrieben hatte, woraufhin ihn der Guardian mit Erlaubnis des Rats verhaften und zurückbringen ließ. Darauf gab es einen Aufruhr, in dem Verwandte des Mönchs gewaltsam in das Kloster eindrangen und ihn befreiten. Im Rahmen einer vom Stadtherrn Egen von Fürstenberg (1284–1324) vermittelten Sühne musste der Betroffene die Ordensprovinz verlassen, während seine gewalttätigen Verwandten mit Kirchenbußen und Ehrenstrafen belegt wurden.8 Der Konvent zeigte sich um ein gutes Verhältnis zur Obrigkeit bemüht, wenngleich er im Gegensatz zu anderen Villinger Klöstern nicht das Bürgerrecht erwarb. Ein Ärgernis aus Sicht der Obrigkeit war das vom Konvent beanspruchte Recht auf die Gewährung von Asyl für flüchtige Straftäter, wobei konkret allerdings nur zwei Fälle 1497 und 1509 nachgewiesen sind.9 Vielleicht bereits in früheren Zeiten, belegt allerdings erst ab 1464, erfüllte die geräumige Klosterkirche eine besondere Funktion für die Stadt: sie diente als Versammlungsort für die Gemeinde zum jährlichen Schwur gegenüber dem Bürgermeister und der Verlesung neuer Satzungen. In ähnlicher Weise wurden die Bürger auch während des Bauernkriegs 1525 und im Dreißigjährigen Krieg 1632 in der Barfüßerkirche auf die Abwehr herannahender Bedrohungen eingeschworen. In den Jahren 1717 und 1740 fanden in der Kirche die Erbhuldigungen der Bürgerschaft gegenüber den habsburgischen Landesherren statt. Die Herausforderungen der Reformation überstand der Konvent relativ unbeschadet. Lediglich zwei ehemalige Villinger Barfüßer lassen sich als Anhänger der Reformation namhaft machen: Bruder Jakob Guldy, der sich 1523 der Glaubensrichtung Zwinglis anschloss, und der Bürgersohn Balthasar Maler, der in Zürich Karriere als Drucker machte. Den Rest des Konvents konnte der gebürtige Villinger Heinrich Stolleisen († 1556), damals Kustos der Straßburger Provinz, beim alten Glauben halten. Das lag auch daran, dass das Kloster unter der Kontrolle des Rats stand, der die Reformation insgesamt erfolgreich abgewehrt hatte. Die aus dem Rat stammenden Pfleger warfen in den Jahrzehnten der Gegenreformation auch immer ein Auge auf die Glaubensfestigkeit des Konvents. Während zunächst keine Klagen über Missstände bekannt sind, finden sich ab Mitte des 16. Jahrhunderts Tendenzen zur Aufweichung der Klosterdisziplin. So wurde 1555 ein Weber zu einer Geldstrafe verurteilt, nachdem er den Novizen im Kloster eine Villinger Ehefrau zugeführt hatte, die vnnkeuschhait mit innen zu treiben.10 1598 drängte der Rat auf die Beseitigung von Missständen und eine strengere Amtsführung des Guardians. Noch immer übten die Franziskaner eine große Anziehungskraft auf das städtische Patriziat aus. Beispiel hierfür ist der Montanunternehmer Michael Schwert, der nach seinem Tod 1614 wunschgemäß im Villinger Kloster in einer eigenen Kapelle bestattet wurde, nachdem er der Kirche zuvor eine neue Orgel gestiftet hatte. Im Dreißigjährigen Krieg, in dem Villingen 1633/34 dreimal belagert wurde, erlitt das Kloster erhebliche Schäden. Im Spanischen Erbfolgekrieg wurden Gebäude und Kirchendach während der Tallardschen Belagerung von 1704 so schwer beschädigt, dass der Konvent für mehrere Jahre das Gastrecht benachbarter geistlicher Einrichtungen in Anspruch nehmen musste. Guardian Adrian Funk begann 1705 mit Hilfe Vorarlberger Baumeister Planungen für die Erneuerung des Klosters, doch erfolgte der Wiederaufbau erst ab 1711. Über die Größe des Villinger Konvents liegen erst für das späte 15. Jahrhundert Informationen vor. 1487 soll er aus 26 Priestern, zwei Diakonen und drei Scholaren, wobei hier wohl eher Lehrer als Schüler gemeint sind, bestanden haben,11 sei in den Pestumläufen 1493 und nochmals 1519 aber erheblich dezimiert worden. Danach pendelten sich die Zahlen auf niedrigerem Niveau ein. Im 18. Jahrhundert sind zwischen 12 (1702) und 15 Konventualen (1722; 1771) belegt, später waren es noch neun (1784), dann acht (1786) und zuletzt nur noch fünf Brüder (1791). Die Mehrzahl der Konventualen dieser Zeit rekrutierte sich aus dem Villinger Bürgertum, darunter entstammten um 1765 allein vier der Patrizierfamilie Wittum, von denen drei später auch Guardiane waren. 1791 regte der Magistrat erstmals die Aufhebung des dezimierten Konvents an, die 1797 vollzogen wurde. Besitz und WirtschaftDie ökonomische Grundlage des Klosters war recht schwach. Jahrzeiten wurden überwiegend durch die Stiftung von Einkünften aus landwirtschaftlichen Gütern im Umfeld und Häusern in der Stadt finanziert. Seltener wurden auch Grundstücke geschenkt, wodurch die Brüder mit der Zeit einen bescheidenen Immobilienbesitz in und um Villingen, vereinzelte Äcker und Wiesen sowie ein Haus, erlangten. Kleinere Summen wurden in Renten- und Pfandgeschäften mit Bürgern oder der Stadt angelegt. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts geriet der Konvent in finanzielle Nöte, weshalb Zinseinkünfte veräußert werden mussten.12 Einer Stabilisierung der Finanzen diente wohl die Aufnahme von Pfründnern, wie sie im Lauf des 15. Jahrhunderts vereinzelt belegt sind.13 1497 ließ sich das Kloster von König Maximilian I. seine Privilegien bestätigen, darunter insbesondere die Befreiung seiner Häuser und Hofstätten von Steuern und Lasten.14 In dem seit dem 15. Jahrhundert verstärkt geführten Armutsstreit im Orden blieb das Villinger Kloster in der Gruppe der »Konventualen«, die eine pragmatische Aufweichung des Armutsideals befürworteten. Weil die Mönche selbst keine Geldgeschäfte tätigen durften, wurden vom Rat aus den Reihen der Amtsträger und Ratsherren Pfleger bestellt. Religiöses und kulturelles WirkenVon Beginn waren die Villinger Franziskaner für breite soziale Schichten innerhalb der Bürgerschaft attraktiv. Dies spiegelt sich etwa in einem um die Mitte des 14. Jahrhunderts angelegten Anniversar wider, das in Fragmenten für die Monate Oktober bis Dezember überliefert ist (Abb. 4).15 Neben Familien des regionalen Adels und Patriziats finden sich dort gerade auch Angehörige des Zunfthandwerks. Überdurchschnittlich viele Frauen, sowohl Laien als auch Angehörige der von den Mönchen betreuten lokalen Schwesternsammlungen, ließen sich auf dem Klosterfriedhof bestatten. Im 15. Jahrhundert siedelten sich mehrere Bruderschaften im Kloster an, die sich durch eigene Altäre in der Kirche oder auf dem Friedhof präsentierten. Dazu gehörte die Bruderschaft der Elendjahrzeitpflege (um 1400), die Bruderschaft der Gesellen der Huf- und Waffenschmiede (1415), die Sebastiansbruderschaft der Armbrustschützen (1459) sowie die Bruderschaft der Schneidermeister (1503).16 Wahrscheinlich geht auch die erst um 1700 belegte Bruderschaft der Weber auf eine mittelalterliche Stiftung zurück. Über längere Zeit spannungsgeladen war das Verhältnis des Konvents zur Pfarrei, da beide in ihren seelsorgerischen Funktionen für die Bevölkerung miteinander konkurrierten. Bereits um 1268/70 muss es zu einem Streit um das Bestattungsrecht auf dem Klosterareal gekommen sein, der letztlich zugunsten der Mönche entschieden wurde. Ein Jahrhundert später bestritt der Pfarrer die Gültigkeit der Spende des Bußsakraments durch die Franziskaner, was ihm 1377 die Androhung der Exkommunikation einbrachte, worauf er vermutlich nachgab. 1475 drängte der Pfarrer erfolglos auf die Übertragung verschiedener bei den Mönchen angesiedelter Bruderschaften an die Pfarrkirche außerhalb der Stadtmauern oder das Münster. Über die Seelsorge hinaus ergänzten die Franziskaner das schulische Bildungsangebot in der Stadt. Möglicherweise bereits im 13./14. Jahrhundert könnte eine Klosterschule existiert haben, doch werden Schüler erst recht spät 1398 und 1436 erstmals erwähnt. Ende des 15. Jahrhunderts sollen drei Scholaren im Kloster tätig gewesen sein.17 Als ein Ort der Gelehrsamkeit ist für das Kloster längere Zeit kaum Profil zu erkennen. Erst in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erlebte es eine geistige Blüte, in der zeitweise herausragende Theologen wie Heinrich Karrer (1455) und Konrad von Bondorf (1487), die beide auch Provinzale waren, die Leitung des Konvents innehatten und von 1490 bis 1494 Johannes Pauli als Lesemeister und Prediger amtierte. Konrad von Bondorf wird die bauliche Erneuerung der teils ruinösen Klosteranlage und die breitere Ausstattung mit Büchern zugeschrieben.18 In das späte 15. Jahrhundert fällt wohl auch die Einführung zweitägiger Passionsspiele in der Karwoche durch die Franziskaner, die vielleicht direkt in Villingen nach den um 1510/20 aufgezeichneten Regieanweisungen des Donaueschinger Passionsspiels veranstaltet wurden.19 Jahrzehnte später, im Zuge der Gegenreformation, erhielt diese besondere Form der Frömmigkeitsdarstellung in der katholischen Stadtbevölkerung neuen Auftrieb. 1585 wurde am Kloster die Bruderschaft zum Leiden Christi angesiedelt, die sich speziell der Theatertradition des Passionsspiels widmete.20 Nach einer aus der Zeit um 1600 überlieferten Fassung brachte man damals im »Komödiengarten« des Klosters nicht weniger als 142 Personen auf die Bühne. Wegen des erheblichen Aufwands wurden die Passionsspiele später personell reduziert und nur noch alle zwei bis vier Jahre aufgeführt. Im Dreißigjährigen Krieg spielte das Kloster in der Seelsorge der Einwohnerschaft eine bedeutende Rolle, die besonders während der drei Belagerungen von 1633/34 zum Tragen kam. Nach schwerem Beschuss vom 18. Januar 1633 versammelte der langjährige Provinzial Johann Ludwig Ungelehrt, genannt a Musis (1599–1662), die verunsicherte Bevölkerung in der Barfüßerkirche und entwickelte ein umfassendes Konzept des moralischen Widerstands, eine geistliche ringmawr, der man später die Abwehr der ersten Belagerung zuschrieb.21 Ungelehrt wurde zu einem von fünf bekannten Chronisten der Villinger Kriegsereignisse, und zwar in der originellen Form zweier Reimberichte, die nach dem Ende der Belagerungen in propagandistischer Absicht publiziert wurden.22 Gleichzeitig wurde noch vor September 1634 eine große Votivtafel mit der gekrönten Schutzmantelmadonna als Zeugnis des damals propagierten Marienkults in der Franziskanerkirche aufgehängt (heute Franziskanermuseum Villingen). Der Villinger Konvent betreute mehrere lokale Schwesternsammlungen, neben den in der Stadt lebenden Klarissen des →Bickenklosters auch die außerhalb der Stadtmauern ansässigen Franziskanerterziarinnen in →St. German. Nach der zwischen 1479 und 1482 vollzogenen Umwandlung des Bickenklosters in eine klausurierte Gemeinschaft, auf die das Villinger Männerkloster allerdings keinen nachweisbaren Einfluss nahm, wurden 1485 Regelungen zur seelsorgerischen Betreuung der Frauen durch die Mönche gefasst, die 1591 erneuert wurden.23 Ab dem 15. Jahrhundert dürfte zu diesen auch das bei Wolfach gelegene Klarissenkloster →Wittichen gekommen sein. Zudem unterstand den Brüdern in Heiligenbronn bei Schramberg ein um 1463/64 errichtetes Hospiz um die dortige Wallfahrtskapelle, das aber 1532 aufgegeben wurde. Die Franziskaner betreuten auch den Villingen herrschaftlich unterstehenden Ort Grüningen im Brigachtal seelsorglich. Anfang des 17. Jahrhunderts wurde den Mönchen das verwaiste Aubertkloster bei Deißlingen, eine ehemalige Klause der Franziskanerterziarinnen, unterstellt, die von der Reichsstadt Rottweil verwaltet wurde. Ein dort seit 1625 geplanter Neuanfang versandete jedoch in den bevorstehenden Kriegsereignissen. Der Beitrag des Klosters zum Villinger Bildungswesen erhielt Mitte des 17. Jahrhunderts einen erneuten Schub. Auf dem Generalkapitel des Ordens wurde 1650 die Gründung eines Gymnasiums bei den Franziskanern beschlossen. Seither wurde das hier gepflegte Schultheater zum Bestandteil des Villinger Festkalenders. Spätestens 1669 erhielten die Franziskaner Konkurrenz durch das bei den →Benediktinern von St. Georgen gegründete Gymnasium, wo ebenfalls Theater gespielt wurde. Ein 1670 geschlossener Vertrag regelte die Zuständigkeiten beider Klöster für den Unterricht der scholarum inferiorum seu humaniorum.24 Der vollständig rekonstruierbare Spielplan der Jahre 1664 bis 1775 bezeugt die Rolle des Theaters als ein didaktisches Mittel, um die höhere Schuljugend rhetorisch zu schulen. Darüber hinaus dienten die »Herbstkomödien« am Schuljahresende als Leistungsnachweis der Gymnasien. Die von Patres geschriebenen Stücke exemplifizierten ihre christlich-moralische Tendenz an zeitgeschichtlichen Themen. So spielte man bei den Franziskanern 1709, mitten im Spanischen Erbfolgekrieg, ein Stück auf den europäischen Frieden aus der Feder des Rhetorik-Professors Alexander Herth. Von insgesamt zwölf Gymnasien in Vorderösterreich waren zwei in Villingen angesiedelt, was bei den Behörden auf Missfallen stieß. Die Franziskaner versuchten ihr Gymnasium 1774 mit dem Argument zu retten, bei den Benediktinern seien von neun zum Unterricht tauglichen Patres vier zu anderen Diensten abgeordnet. Trotzdem wurden 1794 beide Gymnasien zwangsvereinigt und der Unterricht den Benediktinern übertragen. Der Schuldienst der Franziskaner wurde auf den Normalunterricht der Knaben beschränkt. Dies war der Anfang vom Ende des altehrwürdigen Klosters. Bibliothek und ArchivErst 1415 erhielt das Kloster Geld aus einer Jahrzeitstiftung für die Errichtung einer ersten Bibliothek, die Ende des 15. Jahrhunderts von Konrad von Bondorf breiter ausgestattet worden sein soll25 und zum Jahr 1569 von einem Besucher als ein gar kostlichen librey beschrieben wird.26 Im Rahmen der Aufhebung des Klosters wurden ab 1794 auch dessen Buchbestände veräußert. Die Mehrzahl der Handschriften und Inkunabeln kam in die Sammlung der Fürstlich-Fürstenbergischen Hofbibliothek Donaueschingen. Nach deren Verkauf 1993/94 gelangte ein Teil davon in die Badische und die Württembergische Landesbibliothek, andere wurden auf dem freien Markt veräußert, wobei einzelne Werke von der Stadt Villingen-Schwenningen erworben wurden. Vier weitere Handschriften befinden sich heute im Staatsarchiv Luzern.27 Die Urkunden des Klosters wurden von den städtischen Pflegern verwahrt.28 Mit der Aufhebung des Klosters gelangten auch die übrigen Dokumente an die Stadt, wobei Teile veräußert wurden. Heute befinden sich die Archivalien vorwiegend im Stadtarchiv Villingen-Schwenningen, einige Urkunden im Erzbischöflichen Archiv Freiburg sowie zwei Protokollbücher der Guardiane aus dem 18. Jahrhundert in der Leopold-Sophien-Bibliothek Überlingen. Bau- und KunstgeschichteLageDas Franziskanerkloster lag im Westen des mittelalterlichen Ortskerns. Die Kirche war im Osten des Geländes an der zur Stadt zugewandten Seite an der Rietgasse errichtet worden, die drei Flügel der Konventsbauten schließen im Südwesten an die Kirche an. Nördlich der Konventsbauten lagen die Wirtschaftsbauten des Klosters. Das Gelände für den Klosterbau stellte Graf Heinrich von Fürstenberg, der die Franziskaner 1267/68 in die Stadt gerufen hatte, zur Verfügung. Es war zuvor mit einer Reihe von 7–8 Hofstätten mit Wohnhäusern bebaut, die dem Neubau weichen mussten. Das Kloster nahm die Flucht der Vorgängerbebauung zurück, die Abweichung beträgt 9o nach West zum Verlauf der alten Straße. So entstand vor der Kirche der erste nachweisbare Platz im mittelalterlichen Stadtgebiet. Der ausgedehnte Komplex des Franziskanerklosters wurde mehrfach, durch Baumaßnahmen bedingt, archäologisch erforscht.29 Bereits 1943 wurden Bodeneingriffe im Bereich der Kirche und des Kreuzgangs dokumentiert, verursacht durch die profane Nutzung seit dem 19. Jahrhundert. Daneben fanden sich zahlreiche ältere Bestattungen, die zum Teil stark gestört waren. Weitere Bestattungen fanden sich im östlichen Teil des Kreuzgangs und wie bereits 1943 auf dem Osianderplatz. Im heutigen Franziskanergarten wurden 1986 Reste der Werkplätze der Klosterbauhütte des 13. Jahrhunderts archäologisch erfasst. Kirche und KonventsbautenAlbertus Magnus stand am 30. Oktober 1268 Pate beim Baubeginn der Kirche, er verlieh einen Ablass zur weiteren Förderung des Baues. Schon 1270 und wieder 1275 konnten Altäre der Kirche und der Gottesacker geweiht werden. Die letzte Weihe erhielten Kirche und Kirchhof 1292.30 Die neu errichtete Kirche war größer als das damals noch nicht um den heutigen Chor verlängerte Münster. Die Einbindung in das städtische Straßennetz hatte eine Nord-Süd-Ausrichtung zur Folge, der dreijochige Hochchor mit 5/8–Schluss liegt im Süden. Die sechsjochige, innen flach gedeckte Saalkirche wurde in typischen Formen der Bettelordensarchitektur erbaut. Der hohe Giebel des Langhauses beherrscht den Osianderplatz. In der Mitte des 15. Jahrhunderts wurde das Franziskanerkloster umfassend umgestaltet. Insbesondere die spätgotischen dreiteiligen Arkaden mit Fischblasenmaßwerk des Kreuzgangs weisen einen hohen architektonischen Rang auf. Von den ursprünglich 33 Maßwerkfenstern des Kreuzgangs sind noch 25 erhalten. Die Überwölbung der Sakristei und die Ausmalung des Chores entstanden ebenso in dieser Zeit. Die Jahreszahl 1594 (in einem Schlussstein des Gewölbes neben dem Chor) deutet auf weitere Renovierungen hin. Erst 1681 erfolgte ein weiterer Ausbau des Klosters (Bauinschrift am südwestlichen Pfeiler des Kreuzganges). Vor allem die Konventsbauten litten bei der Beschießung der Stadt 1704 bei der sog. »Tallard´schen Belagerung«. Die Wiederherstellung des beschädigten Langhauses erfolgte 1705–11 unter Leitung von Jodokus Beer. Er führte einen Neubau der stadtseitigen Langhauswand und des Kirchendaches durch. Die zerstörten Obergeschosse der Konventsbauten erfuhren eine Aufstockung. Zwei Flügel des Kreuzgangs wurden ebenfalls barock überformt. Auf diesen Umbau ist auch die Barockisierung der Fenster und Portale zurückzuführen, eine stuckierte Decke ersetzte nun die (Flach-)Decke im Chor und die Holztonne des Langhauses. Der Abschluss der Instandsetzungsarbeiten 1711 ist über dem Portal zur Rietgasse dokumentiert. Die Erneuerung des Chors wurde 1714 abgeschlossen. Nach diesem Umbau war eine vierflügelige Klosteranlage mit dreigeschossigen Klausurgebäuden mit Satteldächern entstanden. Die Nord- und Südflügel sind bis an die westliche Stadtmauer vorgezogen, während der Westflügel leicht von der Stadtmauer zurückgesetzt ist. Vom mittelalterlichen Kernbau sind Umfassungsmauern von Kirche, Sakristei und Kapitelsaal sowie der spätgotische Kreuzgang mit historischer Ausstattung erhalten. Nach der Aufhebung des Klosters 1797 und seiner Profanierung wurde es zunächst als Kaserne, ab 1824 als Spital genutzt. In den Jahren 1932/33 erfolgten eine erste Restaurierung und teilweiser Umbau der Anlage. Mit umfassenden Baumaßnahmen wurden ab 1978 Kirche und Kloster saniert und beherbergen heute den Konzertsaal und das Franziskanermuseum der Stadt Villingen-Schwenningen. BibliographieQuellen: Steidlin 1634; Ungelehrt 1634; Roder 1885; 1905; Kamber/Mangold 2021. Handbücher und Lexika: AFA 3, S. 19–44 (Paul Revellio); Dehio, Baden-Württemberg Bd. 1, S. 806 f. (Friedrich Jacobs); KDM Bd. 2, S. 131 f. (Franz Xaver Kraus); kloester-bw, Franziskanerkloster Villingen (Christian Schulz). Literatur: Eubel 1886; Roder 1904; Jenisch/Schmidt-Thomé 1987; Stadie 1996/97; Jenisch/Weber 1998; Jenisch 1999; Silberer 2016, S. 216–221. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
| Personenbezüge: |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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