Villingen, Antoniter
| Kurzbeschreibung: | um 1340 Ersterwähnung – 1545 Auflösung Ordensgliederung: Generalpräzeptorei KonstanzKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Villingen |
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| Beschreibung: | Name: Haus der herren von sant Antonien (um 1340);1 Haus sant Anthonien ordens, maister in Villingen (1414)2 GeschichteDie Anfänge des Antoniterhauses in Villingen liegen im Dunkeln. Bereits vor 1290 bestand eine Niederlassung der →Antoniter in Freiburg. Das Villinger Haus dürfte wenig später im frühen 14. Jahrhundert entstanden sein, gemeinsam mit weiteren Gründungen, die in der sogenannten Generalpräzeptorei Konstanz zusammengefasst waren. Die Villinger Niederlassung tritt erstmals im ältesten Villinger Bürgerbuch in Form einer Anliegernennung in Erscheinung: Benz von Celle ist burger an sinem halben huse, […] wider der herren von sant Antonien.3 Der Eintrag ist nur ungefähr in die Zeit um 1340 zu datieren. Erst zu Beginn des 15. Jahrhunderts ist dann wieder vom Villinger Antoniterhaus die Rede. In Ulrich Richentals Chronik des Konstanzer Konzils findet sich zum Dezember 1414 der Eintrag: Och zoch in [ein] der groß vnd gewalttigest hochmaister sant Anthonien ordens, maister in Villingen, vnd vil maister mit im sant Anthonien ordens, und zoch in des selben ordens huß ze Costentz gelegen, wol mit xxxij [32] pfarritten vnd dry wagen.4 Der hier genannte maister in Villingen war kein anderer als der Konstanzer Generalpräzeptor Albertus de Uro (1409–1437), der damals offensichtlich seinen Sitz in Villingen hatte. Damit scheint ein Höhepunkt in der Geschichte des Villinger Antoniterhauses angesprochen zu sein, denn später wird hauptsächlich Freiburg als Sitz von Präzeptoren erwähnt, die in Personalunion auch für Villingen zuständig waren. Zwei Urkunden aus dem Jahr 1451 dokumentieren eine Seelenheilstiftung und werfen etwas mehr Licht auf die inneren Verhältnisse des Hauses. Die Jahrtage, die Schultheiß, Bürgermeister und Rat der Stadt Villingen im Namen eines Rottenburger Geistlichen aus Einkünften des Villinger Kaufhauses zu bestreiten hatten, sollten jährlich durch den Villinger Stadtpfarrer Erhart Tüffer und drei weitere Priester in der Antoniterkapelle gehalten werden.5 Damit wird erstmals die Antoniuskapelle in Villingen erwähnt. Das Villinger Antoniterhaus wurde um die Mitte des 15. Jahrhunderts vom Freiburger Präzeptor Antoine Lyasse betreut, der 1449–85 allen Antoniterhäusern im Bistum Konstanz vorstand. Villingen selbst hatte um diese Zeit lediglich einen Schaffner, der das Haus verwaltete. Dies war vielleicht der im Anniversarienbuch der Villinger Münsterpfarrei zum Jahr 1463 genannte procurator Johannes Negber. Im Jahr 1458 wurde eine Antoniusbruderschaft in Villingen gegründet.6 Bei ihrer Gründung spielte die Villinger Patrizierfamilie Tunninger (von Tunningen) eine führende Rolle. Ihr gehörte der damalige Stadtpfarrer Konrad von Tunningen an, der bis 1457 Schaffner des Straßburger Antoniterhauses gewesen war. Dass das Villinger Antoniterhaus Ende des 15. Jahrhunderts auch die Funktion eines Spitals erfüllt haben könnte, deutet ein weiterer Eintrag im Anniversarienbuch an, wo um 1480/90 eine Schwester Adelheid als prebendarie in domo predicta [st. Anthonie] erwähnt wird.7 Die französische Adelsfamilie Lyasse konnte die einträgliche Generalpräzeptorei Konstanz des Antoniterordens mit ihren zahlreichen Niederlassungen für ganze 80 Jahre im »Familienbesitz« halten. Unter ihr kam es wegen einer beträchtlichen Überschuldung zu wirtschaftlichen Problemen. Im Jahr 1542 kam deshalb für mehrere Antoniterniederlassungen das Ende. In Villingen melden die Ratsprotokolle zum Jahr 1545, dass am 4. Februar zwei Ratsmitglieder vom Schaffner Klaus Bechner (der wenig später verstarb) die Schlüssel von Sankt Antonien übernehmen, Haus und Scheuer besichtigen und beratschlagen sollten, wie man das Kirchlein vor dem Abgang bewahren könne. Das Antoniterhaus Villingen als Glied des Antoniterordens ist demnach im Jahr 1545 aufgelöst worden. Die Gebäude an der Rietstraße gingen in den Besitz der Antoniusbruderschaft über, die erst 1783 aufgelöst wurde. Bau- und KunstgeschichteIn zwei Urkunden von 1596 und 1597 erscheint das Antoniterhaus mit seiner Scheuer als Anrainer eines Hauses in der Rietstraße 22, das andererseits an die Herrenstube Rietstraße 20 stieß. Bei Umbaumaßnahmen in der Rietstraße 24 im Jahr 1964 fand sich ein im Hinterhof in einer Mauer verbauter Schlussstein eines Torbogens mit dem Ordensabzeichen T und der Jahreszahl 1503. Dieser Werkstein hat wohl zu der an die Rathausgasse stoßenden Scheuer gehört. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Antoniterhaus in Mitleidenschaft gezogen. Nach einer Notiz des Villinger Benediktinerabtes Georg Gaisser wurde die Antoniterkapelle bei der Sommerbelagerung der Stadt Villingen am 13. August 1633 durch Beschuss der Württemberger schwer beschädigt und später nur notdürftig wiederhergestellt. Auf der Stadtansicht 1680 ist der Konventsbau mit Kapelle an der Rietstraße durch einen schlanken Turmreiter mit spitzem Helm gekennzeichnet. 1723 wurde das im Dreißigjährigen Krieg notdürftig erhaltene Haus mit Kapelle erneuert. Der ehemalige, zu diesem Zeitpunkt bereits spätbarock überformte, Konventsbau wurde 1964 erneut umgebaut. Die baulichen Reste der Kapelle waren zu diesem Zeitpunkt nicht mehr nachvollziehbar. BibliographieHandbücher und Lexika: kloester-bw, Antoniterhaus Villingen (Elmar L. Kuhn). Literatur: Mischlewski 1958; Herrmann 1970; Gutmann 2021 (b), S. 191 f. Anmerkungen |
| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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