Amtenhausen, Benediktinerinnen
| Kurzbeschreibung: | Wende 11./12. Jh. Umsiedlung des Frauenkonvents des Klosters St. Georgen – 1102 Grundsteinlegung der Kirche – bis 1682 Priorat von St. Georgen, dann Abtei – 1802/03 Aufhebung des Klosters – 1844 verlässt die letzte Nonne das Kloster – 1850 weitgehender Abbruch der Klostergebäude Patrozinium: SebastianOrdensgliederung: Priorat der Benediktinerabtei St. Georgen, ab 1682 als Abtei St. Georgen unterstelltKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Wurmlingen |
|---|---|
| Ortsbezüge: |
|
| Ordensregel: |
|
| Beschreibung: | Name: cella Ambtenhusen (1139);1 monasterium […] Amptenhausen (ca. 1138–1146);2 cella Amitenhiusen (1179)3 GeschichteHistorische EntwicklungDas Benediktinerinnenkloster Amtenhausen geht auf eine Gründung des Klosters St. Georgen an der Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert zurück. Vermutlich siedelte der Frauenkonvent von St. Georgen in das Amtenhausener Tal um. Die Grundsteinlegung in Amtenhausen erfolgte um 1107, und 1113 weihte der Konstanzer Bischof Ulrich (1111–1127) das Kloster.4 Die Gründung von Amtenhausen geschah auf Initiative des Klosters St. Georgen und seines Abtes Theoger (1088–1118). Vermutlich standen aber noch andere Kräfte dahinter, so die Herzöge von Zähringen als Mitgründer und Stifter von St. Georgen und vor allem die Herren von Wartenberg. Das Amtenhauser Tal gehörte im 12. Jahrhundert zum Einflussgebiet der Herren von Wartenberg. Die Gründung des Klosters konnte daher nicht ohne ihre Zustimmung und ihr Zutun erfolgen. Die Vogtei über Amtenhausen kam bald nach der Gründung und Loslösung von St. Georgen von den Zähringern an die Wartenberger. Das Kloster diente ihnen als Grablege. Vogtei und Grablege schufen ein enges Verhältnis zwischen ihnen und dem Kloster. Gleichwohl wurde dadurch die Beziehung zu St. Georgen nicht aufgehoben. Bis ins 14. Jahrhundert unterstand Amtenhausen der Kontrolle durch das Mutterkloster. Päpstliche Urkunden von 1139 und 1179 bestätigen die cella Ambtenhusen als Besitzung von St. Georgen.5 Eine Urkunde von 1311 bezeichnete den Abt von St. Georgen als Herr und geistlichen Vater, mit dessen Rat und Gunsten die Nonnen den Vertrag schließen.6 Im Laufe des Spätmittelalters konnte Amtenhausen eine weitgehende Selbständigkeit erreichen. Die Fürstenberger, an die mit dem Erwerb der Grundherrschaft Wartenberg im frühen 14. Jahrhundert auch die Vogtei überging, drängten nämlich den Einfluss St. Georgens immer weiter zurück und versuchten, den St. Georgener Abt in weltlichen Angelegenheiten auszuschalten. Ein Vertrag vom 31. Oktober 1386 grenzte die Befugnisse der Abtei St. Georgen und der Meisterin des Frauenklosters Amtenhausen ab. Darin erkannten die Klosterfrauen die Strafgewalt des Abts an, sie sollten dem Abt gehorsam und untertänig sein. Wenn der Abt eine Meisterin entließ, sollte der Konvent eine neue Meisterin wählen, der Abt sie aber konfirmieren.7 Der Inhalt dieser Urkunde von 1386 hatte bis ins 18. Jahrhundert Gültigkeit. Erst ein Vertrag zwischen Amtenhausen, St. Georgen und Fürstenberg vom 6. März 1778 präzisierte die neue rechtliche Lage. Darin wird die Hoheit des Hauses Fürstenberg als Kastvogt, Landes-, Schutz- und Schirmherr anerkannt. Die St. Georgen eingeräumten Rechte sollten bestehen bleiben. Der jeweilige Verwalter des Klosters war zu Gehorsam gegenüber dem Kastvogt und dem Abt verpflichtet. Die Vereidigung des Verwalters sollte gemeinschaftlich durch Äbtissin, Kastvogt und Abt vorgenommen werden. Die Äbtissin von Amtenhausen – seit 1682 stand anstelle einer Meisterin eine Äbtissin dem Konvent vor – war verpflichtet, Fürstenberg und St. Georgen Rechnung zu legen und Einsicht in diese zu gewähren. St. Georgen blieb auch in der frühen Neuzeit für die geistliche Betreuung des Frauenklosters zuständig, der Abt hatte zudem die Aufsicht über die Klosterzucht inne. Seit dem 16. Jahrhundert nahmen die Fürstenberger über die rein vogteilichen Rechte hinaus alle Hoheitsrechte für sich in Anspruch. Die Vogtei war nun ein essentieller Bestandteil der Landesherrschaft geworden. Im 17. und 18. Jahrhundert bedurften die Äbtissinnen grundsätzlich zu allen weltlichen Rechtshandlungen der Zustimmung des Landesherrn. Das Kloster wurde landständisch und unterstand fürstenbergischer Landeshoheit. Der von Fürstenberg im Benehmen mit der Meisterin bzw. Äbtissin bestellte Propst – auch Verwalter oder Schaffner genannt8 – kümmerte sich um weltliche Angelegenheiten und um die Wirtschaftsführung, auch vertrat er das Kloster in rechtlichen Dingen. Er war de facto ein fürstenbergischer Amtmann, auch wenn er de jure vom Kloster bestellt und besoldet wurde. Er wurde daher auch zumeist aus den Reihen der fürstenbergischen Beamten rekrutiert. Der Konvent scheint bereits kurz nach der Gründung des Klosters recht groß gewesen zu sein. Die Vita Theogeri behauptet, die Zahl der Nonnen habe schon zur Zeit des St. Georgener Abtes Theoger gegen hundert betragen.9 An der Spitze des Konvents standen sogenannte Meisterinnen. Im Jahr 1682 wurde mit Maria Gertrud Weißmann erstmals eine Äbtissin gewählt. Hieraus kann man durchaus auf eine gewisse Statuserhöhung des Klosters schließen. Deren Äbtissin führte ab 1682 ein eigenes Siegel, was als Ausdruck von mehr Selbständigkeit gedeutet werden kann. Nur nach dem Dreißigjährigen Krieg litt der Konvent an Personalmangel. Die spätere Meisterin Anna Scholastika Zoller (1651–1682) berichtet, dass sie nach dem Krieg noch fünf Frauen angetroffen habe. Im Jahr 1682 zählte man wieder 14 Nonnen und 1738 22 Klosterfrauen. Und 1767 waren 17 Klosterfrauen an der Wahl der Äbtissin beteiligt, 1796 waren es 16. Im Jahr 1772 betrug der Personalbestand des Konvents 22 Klosterfrauen und elf Schwestern. 1792 waren es 19 Klosterfrauen und neun Schwestern. Im Mittelalter waren viele Nonnen adliger Herkunft. Allerdings nahm der Anteil der aus dem regionalen Adel entstammenden Mitglieder im Laufe der frühen Neuzeit ab. Nach dem Dreißigjährigen Krieg tauchen nur noch gelegentlich adlige Nonnen auf. Bei den Äbtissinnen findet man seit dem 17. Jahrhundert keine mehr, die adligen Standes war. Die erste Äbtissin des Klosters, Maria Gertrud Weißmann, war bürgerlicher Herkunft und stammte aus Donaueschingen. Die letzte Äbtissin, Kunigunde Schilling (1796–1803), war die Tochter eines Hintschinger Bauern und Dorfvogtes. Die Kriege des 17. und 18. Jahrhunderts brachten Not und Bedrückung über die Klosterfrauen. Im Dreißigjährigen Krieg verwüsteten die Schweden das Kloster, die Nonnen flohen 1632 nach Villingen, Engen, Öhningen und in die Schweiz. Nach dem Ende der Kriegswirren kehrten schließlich fünf Schwestern nach Amtenhausen zurück. Die 1651 zur Meisterin gewählte Anna Scholastika Zoller versuchte, das schwer in Mitleidenschaft gezogene Kloster wiederherzustellen. Im Spanischen Erbfolgekrieg 1704 sowie während des ersten und zweiten Koalitionskrieges litt das Kloster unter Plünderungen, Einquartierungen und Requisitionen französischer Truppen. Zum Zeitpunkt der Säkularisation 1802/03 befanden sich 16 Klosterfrauen, zehn Laienschwestern und drei Kandidatinnen, die noch nicht förmlich in das Noviziat aufgenommen waren, im Kloster. Fürstenberg gestand den Nonnen, die weiterhin im Kloster verbleiben durften, einen jährlichen Unterhaltsbeitrag zu. Bis zum Juni 1809 waren bereits acht Benediktinerinnen verstorben. 1842 lebten nur noch drei Schwestern. Die letzte Nonne Agatha Krebser verließ 1844 Amtenhausen und zog zu ihrem in Oberschwaben lebenden Bruder. Besitz und WirtschaftZinsrodel und Urbare gewähren einen guten Überblick über die Besitzgeschichte des Klosters. Der erste Zinsrodel datiert von 1312.10 Der Schwerpunkt des klösterlichen Grundbesitzes lag in unmittelbarer Nähe des Klosters, auf der Baar. Darüber hinaus besaß Amtenhausen Grund und Boden und daraus fließende Einkünfte und Rechte in der Umgebung des Klosters St. Georgen sowie im Bodenseeraum und im Hegau. Der Grundstock des Amtenhausener Grundbesitzes wurde bereits in wartenbergischer Zeit geschaffen. Das in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts angefertigte Anniversarbuch des Klosters,11 das jene Personen auflistet, die im Laufe der Jahrhunderte das Kloster mit Zuwendungen, durch Jahrtagsstiftungen und durch Schenkungen bedachten, nennt Mitglieder der Familie von Wartenberg. Zu den Stiftern und Wohltätern des Klosters zählten daneben die Fürstenberger, die Grafen von Lupfen und die Herren von Reischach. Der Grundbesitz in unmittelbarer Nähe des Klosters unterstand der Verwaltung durch die Schaffnei in Amtenhausen (belegt ab dem 15. Jahrhundert). Die Schaffnei Engen kümmerte sich um den Hegauer Besitz, die Schaffnei Villingen (beide belegt ab dem 17. Jahrhundert) um den im Villinger Raum, in Dürrheim und Weigheim gelegenen Besitz und daraus fließende Einkünfte.12 Den Fürstenbergern gelang es seit dem späten 14. Jahrhundert Einfluss auf die Wirtschaftsführung des Klosters zu gewinnen. Sie machten Rechtsgeschäfte der klösterlichen Organe von ihrer Zustimmung abhängig. Ein wichtiges Mittel war hierbei die (Schirm- bzw. Kast-)Vogtei, die seit dem Übergang an Fürstenberg einen festen Bestandteil der fürstenbergischen Herrschaft bildete. Die Konventsmitglieder beschäftigten sich mit der Herstellung von Paramenten sowie mit der Produktion von Kerzen und mit der Hostienbäckerei für die umliegenden Pfarreien. Im Zuge der Säkularisation 1802/03 fiel das Kloster Amtenhausen an das Haus Fürstenberg. Bereits Ende November 1802 nahm der fürstenbergische Hofrat Schanz das Kloster offiziell in Besitz. Mit der Säkularisation ging auch der Grundbesitz des Klosters an Fürstenberg über, darunter 1.698 Jauchert Wald vor allem im Amtenhauser Tal. Fürstenberg erwarb durch die Säkularisation Grundbesitz in zahllosen Ortschaften, vor allem auf der Baar, aber auch im Hegau und am Bodensee. Die fürstenbergische Verwaltung begann noch im Dezember 1802, das Vermögen des Klosters zu verzeichnen. Der Wirtschaftsbetrieb des Klosters hatte unmittelbar vor der Säkularisation beträchtliche Ausmaße. So beschäftigte die Abtei in den Sommermonaten bis zu 170 Personen. Die fürstlichen Beamten schätzten die Einnahmen des Klosters auf 23.195 Gulden, die Ausgaben auf 11.781 Gulden. Religiöses und kulturelles WirkenDas Kloster Amtenhausen war Ziel zahlreicher Wallfahrten und Prozessionen aus der Umgebung. An der Wende zum 18. Jahrhundert entwickelte sich eine bedeutende Wallfahrt zu den Reliquien des Hl. Vinzenz. Die Nonnen hinterließen vor allem durch ihre kunsthandwerklichen Produkte Spuren. Sie stellten Paramente und Gebets- und Andachtsbücher her. Das mit kunstvoller Stickarbeit reich verzierte Antependium in der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Immendingen legt Zeugnis ab von der Kunstfertigkeit der Amtenhauser Nonnen. Schon bald nach seiner Gründung konnte Amtenhausen Nonnen zu Tochtergründungen nach →Friedenweiler und Urspring entsenden. Bibliothek und ArchivDas Klosterarchiv gelangte nach der Säkularisation in das Fürstenbergische Archiv nach Donaueschingen. Dort bildet es zusammen mit dem Bestand Ecclesiastica 12 Kloster Amtenhausen den Kern der Überlieferung zum Kloster. Der Bestand Ecclesiastica 12 enthält vor allem Archivalien, die der fürstenbergischen Landesverwaltung aus ihren Rechten über das Koster erwuchsen. Der Bestand beinhaltet unter anderem folgende Rubriken: Ursprung und Stiftung; Verträge; Erwählung, Resignation, Absetzung und Tod der Meisterin und Äbtissin; Aufnahme, Einkleidung und Profess der Novizinnen; Aufnahme eines Priors oder Pfarrers und Präsentierung der Beichtiger; Aufnahme, Beeidigung, Instruktion und Entlassung der Schaffner, Verwalter, Hofmeister und Baumeister; Rechnungen und deren Abhör; Bauwesen; Ausführung juris advocatiae; Kollektation; Forestalia; Einkünfte, Nutzungen, Gefälle, Güter und Lehen; Zehnten; Weidgang; Schulden des Klosters. Der Bestand Klosterarchiv Amtenhausen enthält vor allem Urbare und Akten zu den Lehen und Gütern des Klosters in den einzelnen Orten sowie Archivalien unter anderem zu den Rubriken Forestalia, Militaria, Rechnungswesen, Bedienstete des Klosters und »Totenbücher« (Jahrtagsverzeichnisse, Anniversarienbücher, Nekrologien). Die Geschichte der Klosterbibliothek ist bisher wenig erforscht. Es spricht einiges dafür, dass es eine Bibliothek in größerem Umfang nie gab. In den einschlägigen Akten des Fürstenbergischen Archivs Donaueschingen zum Inventar des Klosters bei der Besitznahme durch Fürstenberg und vor dem Abbruch der Klostergebäude wird eine Bibliothek nicht genannt.13 Als im Jahr 1843 die zwei noch lebenden Klosterfrauen von den fürstenbergischen Beamten zum Verbleib bzw. Umfang der Bibliothek befragt wurden, beteuerten diese, keine anderen, als Geistliche Gebethbücher, nemlich Brevier, marianische Kurse, Regel und Betrachtungsbücher gehabt zu haben. Das Fürstliche Hauptarchiv kam im Juli 1843 in seinem Bericht an die Domänen-Kanzlei zum Ergebnis, dass sowohl in den Akten zur Besitznahme Amtenhausens als auch in späteren Inventarien aus den Jahren 1832 und 1841 außer einigen Meßbüchern keine weiteren Bücher erwähnt seien.14 Einen gewissen Fundus an wertvollen Bänden amtenhausischer Provenienz, die im 19. Jahrhundert Bestandteil der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek wurden, muss es allerdings doch gegeben haben. Denn beim Verkauf von Handschriften aus der Hofbibliothek an das Land Baden-Württemberg im Jahre 1993 gelangten auch einige Werke zweifelsfrei amtenhausischer Herkunft in die Landesbibliotheken, so zum Beispiel Musikhandschriften oder ein Totenbuch des Klosters (Handschrift 633). In der Universitätsbibliothek Freiburg lagert ein Psalterium aus Amtenhausen aus dem 12. Jahrhundert. Bau- und KunstgeschichteLageDas Kloster lag ortsfern in einem Nebental der Donau, unterhalb der abgegangenen Burg Zimmern, auf einer nach Süden ausgerichteten Hangterrasse. Der von Zimmern (Donau) nach Öfingen verlaufende Talweg führt durch den Wirtschaftshof hindurch. Die Kirche bildete den Nordflügel der weithin sichtbar am Hang gelegenen Klosteranlage. Der Wirtschaftshof mit dem von Peter Thumb um 1690 entworfenen großen Gasthaus lag südlich und westlich unterhalb der Klausur; außer der Bäckerei sind die Gebäudefunktionen nicht genannt. Beim Abbruch von Kirche, Kloster und Klostermühle 1842–50 blieben nur einzelne Gebäude erhalten (heute Bauernhof); der innere Klausurbereich liegt brach. Barocke Gartenanlagen für die Nonnen erstreckten sich im Talgrund jenseits des Fahrwegs. Eine ausgedehnte, nicht einheitlich gebaute Klostermauer umgab die Anlage. Die Klostermühle lag unten am Talbach (Amtenhausener Bach); Reste von einem Weiher und der Mühlbach sind noch erkennbar. In der langgestreckten Klostergemarkung15 lag als zweiter Wirtschaftshof bachaufwärts der Talhof. Kirche und KonventsbautenDie Baugestalt der 1107 geweihten Klosterkirche und der mittelalterlichen Klosteranlage ist bislang unbekannt. Durch Pläne und Ansichten ist die im Äußeren schmucklose hoch- und spätbarocke Anlage überliefert. Die Protokollbücher der Abtei erlauben eine Rekonstruktion der Bautätigkeit im 17./18. Jahrhundert. Die große, nach Plänen von Michael Thumb um 1690 barockisierte Saalkirche mit ihrem Dachreiter bildete den Nordflügel einer vierseitigen Klausur. Thumb war 1687 von den →St. Georgener Benediktinern für ihre Neubauplanung nach Villingen geholt worden. Abt Georg III. Gaisser reiste mit Thumb nach Amtenhausen; wenig später gab er die Amtenhausener Altarausstattung bei Johann Pölandt aus Schongau in Auftrag,16 dessen zwei Töchter hier 1686 und 1689 Nonnen wurden, Maria Josepha 1727 sogar Äbtissin. Vermutlich befand sich im Westteil der Kirche eine Nonnenempore. Die Kirche war mit sechs barocken Altären ausgestattet. In der Kirche befanden sich das Grab der seligen Nonne Beatrix sowie eine Gruft der Grafen von Fürstenberg. Die um den Kreuzgang geordneten Klausurbauten sind durch Ansichten sowie durch Grundrisse von ca. 1785 überliefert.17 Sie bildeten damals eine unregelmäßige Baugruppe. Der Südteil des Westflügels war ein dreigeschossiges Gebäude mit Treppengiebel. Im Südflügel befanden sich am Kreuzgang die Konventstube, darüber zehn Zellen; weitere zwölf deutlich kleinere, ungeheizte Zellen gab es damals im Obergeschoss des Ostflügels. Den Ostteil des Südflügels bildete im Obergeschoss die Infirmarie mit drei Krankenstuben und nahm außerdem die Aborte sowie vier weitere Zellen auf; im Erdgeschoss lagen Novizenstube und Nebenräume für Vorräte. 1786–91 wurde als Ostteil des Südflügels ein erneut weit nach Osten vorspringendes Konventsgebäude neu gebaut, mit einer einheitlichen, durch flache Risalite gegliederten, dreigeschossigen Barockfassade. Es nahm im Erdgeschoss außer Wirtschaftsräumen eine neue Konventstube mit angrenzendem Novizenraum auf, im Obergeschoss 18 Zellen, davon neun als Krankenzellen heizbar. Der Kreuzgang wurde zeitgleich neugebaut, mit einem kirchenseitigen »Gang zum Chor« im Obergeschoss, der Westflügel zumindest im Äußeren modernisiert. Die zur ersten Äbtissin erhobene Priorin Gertrud Weissmann (1682–1727) ließ als Zeichen ihrer Rangerhöhung das vor dem Westflügel der Klausur freistehende, dreigeschossige Äbtissinnenhaus errichten (erhalten), von dem ein Übergang in den Westflügel führte. Materielle Kulturgeschichte, BauausstattungGroße Teile der barocken Ausstattung von Kirche und Kloster sind an anderen Orten erhalten. Die drei großen Barockaltäre der Klosterkirche fertigten 1687/88 der Wessobrunner Holzbildhauer Johann Pöllandt/Boland und 1700 sein Stiefsohn Franz Joseph Feuchtmayer zusammen mit der Schupp-Werkstatt in Villingen. Das Figurenprogramm des Hochaltars (Abb. 5) zeigt den Kirchenpatron St. Sebastian, St. Georg als Patron des Vaterklosters, den Hl. Josef sowie die Benediktinerheiligen Benedikt, Scholastika und Lioba. Die Altarbilder Johann Michael Feuchtmayers wurden 1745 ersetzt durch modernere Bilder der Hl. Maria mit dem Jesuskind, das der Hl. Katharina den Verlobungsring reicht, mit Bezug auf das Gelübde der Nonnen, sowie die Erziehung der Hl. Maria durch ihre Mutter Anna; der Maler war Johann Georg Lederer aus Augsburg. Die zwei etwas jüngeren Nebenaltäre waren dem Hl. Georg und der Maria Immaculata geweiht. Diese drei Altäre befinden sich heute (leicht verändert) in St. Silvester in Emmingen ab Eck. Das barocke, hölzerne Chorgitter und zehn Stallen des intarsierten Chorgestühls, das Peter Ripple aus Geisingen 1727 geschreinert hat, wurden ebenfalls in Emmingen wiederaufgebaut. Die drei anderen barocken Seitenaltäre der Kirche gelangten nach Immendingen, Zimmern und Aasen, die Johann Andreas Silbermann-Orgel nach Neudingen (verbrannt). Barocke Statuen gelangten an das Münster in Villingen, in die Fürstlichen Kunstsammlungen Donaueschingen, an das Württembergische Landesmuseum und in die Lorenzkapelle Rottweil. Paramente, vier barocke Reliquienschreine, ein kostbares Kreuz, gefertigt um 1670 von Christoph Daniel Schenck, sowie einige Skulpturen werden heute in St. Gallus in Zimmern bewahrt; ein gesticktes Antependium von 1621 in St. Peter und Paul in Immendingen. Das Konventssiegel und eine Monstranz gelangten ins Schweizerische Landesmuseum in Zürich. Ein wichtiger Zyklus von barocken Äbtissinnenporträts befindet sich in der Fürstenbergischen Hofbibliothek Donaueschingen. Ein zweiter Gemäldezyklus mit dem Leben des Hl. Benedikt, gemalt von Conrad Zoll, wird im Rathaus von Engen bewahrt. 32 einheitliche Nonnengrabsteine mit eisernen Kreuzen wurden aus dem Friedhof entfernt und nach Zimmern verbracht. BibliographieHandbücher und Lexika: KDM Bd. 1, S. 54 (Franz Xaver Kraus); kloester-bw, Benediktinerinnenabtei Amtenhausen (Hans-Joachim Schuster). Literatur: Bader 1940; Vögele 1988; Meder 2002; Vögele 2003. Anmerkungen
|
| Objekttyp: | Konvent |
| Personenbezüge: |
|
Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
|---|










leobw