Engen, Schwesternsammlung, Dominikanerinnen 

Kurzbeschreibung:

1320 erste Sammlung in Engen bezeugt – 1333/35 Gründung bzw. Neugründung als Sammlung – 1364/1474 Augustinusregel bezeugt – 1629/32 Bau der Kirche – 1724/25 Aufnahme in den Dominikanerorden – 1802 Aufhebung – 1844 Tod der letzten Chorfrau

Patrozinium: Wolfgang
Ordensgliederung: Provinz Teutonia, Nation Suevia; 1709 Provinz Saxonia (Süddeutsche Provinz)
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Engen

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Schwesternsammlung, Dominikanerinnen 1333-1802
Beschreibung:

Name: conuent […] zu Engen (1335);1 samenung ze Engen (1342);2 conuent gemainlich der samenung ze Engen in der statt Brediger ordens (1365);3 conventus collegii in Engen ordinis sancti Augustini (1399);4 SAMLVNG ZV ENGEN P.O.P. (1717);5 CLOSTER ENGEN O.P. (1726/56)6

Geschichte

Historische Entwicklung

Die Anfänge einer Schwesternsammlung in Engen im oberen Hegau reichen in das frühe 14. Jahrhundert zurück, sind jedoch zeitlich wie örtlich nicht genau zu bestimmen. Zum Jahr 1320 werden die samenunge und die frowa ze Engen7 als bisherige Inhaberinnen eines Lehens des Klosters →St. Georgen im Schwarzwald in Neuhausen bei Engen erstmals greifbar. In den Jahren 1333/35 fassten vier Frauen, Osterlint von Schnerkingen, Mechthild Minrin, Mechthild Stähelin und Adelheid Riesin, die letzteren beiden Engener Bürgertöchter, den Entschluss, in der Stadt eine Frauengemeinschaft zu gründen. Von der Aussteuer der Mechthild Minrin erwarben die Schwestern 1333 ein Wohnhaus in der heutigen Sammlungsgasse 11. Es ist strittig, inwieweit diese Initiative eine Wiederbelebung der 1320 erwähnten Kommunität darstellt oder von dieser losgelöst betrachtet werden muss. Als Frauengemeinschaft lehnten sich die vier Schwestern um ihre priolin Mechthild Stähelin alsbald an den Dominikanerorden an, auf dessen Einfluss die nun gefundenen festeren Strukturen des Schwesternverbandes zurückgehen. In einem am 12. Juli 1335 von dem Engener Stadtherrn Peter von Hewen und dem Kirchherrn Heinrich von Mühlhausen ausgestellten und von zwei Konstanzer Predigerbrüdern bezeugten Vertrag legten die Frauen fest, dass ihr Haus, ihre aus den Leibgedingen resultierenden Jahreszinsen und alle ihre sonstigen Besitztümer Gemeingut sein und innerhalb der Sammlung vererbt werden sollten.8 Beim Austritt oder der Ausweisung einer Schwester verfielen dementsprechend deren Ansprüche auf die einst eingebrachte Aussteuer.

Am Tag darauf, dem Margarethentag, erfolgte die Weihe der Sammlung. Der Haustradition zufolge soll der Deutschmeister Graf Wolfram von Nellenburg († 1377) einen dem Hl. Wolfgang gewidmeten Altar für die Schwestern gestiftet haben, worauf das Wolfgang-Patrozinium zurückzuführen sei; ein Ablassbrief des Jahres 1475 bezeugt sicher die Weihe der Kapelle auf die Hll. Dominikus, Wolfgang, Agatha und Margaretha. Anders als etwa das eng mit der Sammlung verbundene Dominikanerinnenkloster Katharinental bei Diessenhofen wies die Engener Gründung keinen adligen Stifter auf. Die lokal ansässigen Herren von Hewen traten in dieser Funktion nicht hervor, protegierten aber wahrscheinlich die Gemeinschaft.

Bis ins ausgehende Mittelalter lässt sich die frühe Geschichte St. Wolfgangs fast ausschließlich durch Kaufgeschäfte, wenige Stiftungen und einzelne Mitgiften eintretender Damen ersichtlich machen. Bei ihnen handelte es sich vorrangig um Angehörige der Engener Oberschicht sowie des ländlichen Adels der Umgegend. Geistlich richteten sich die Schwestern nach der 1364 und erneut 1474 bezeugten Augustinusregel aus, auf die sie vor 1364 durch den Konstanzer Bischof Heinrich III. (1357–1383) verpflichtet worden waren (religionem beati Augustini receperunt vel recipient). Er bestätigte ihnen unter anderem die Vorrechte, Schwestern die Erlaubnis zur feierlichen Profess zu erteilen und Beichtväter aus dem Predigerorden zu nehmen. Letztere durften Schwestern, die eine Mitschwester tätlich angegriffen hatten, von der bischöflichen Exkommunikation absolvieren. Ferner wurde den Schwestern damals das Privileg zuteil, von einem über die Engener Pfarrkirche ausgesprochenen Interdikt ausgenommen zu sein und in der eigenen Kapelle die Messe feiern zu dürfen.9

1393 unterstellte der aus der Familie der Herren von Hewen stammende Konstanzer Bischof Burkhard (1387–1398) die Sammlung seelsorgerisch den →Konstanzer Dominikanern. Dieselben hatten die Schwestern künftig einzukleiden und ihnen die Beichte abzunehmen.

Die Kommunität befand sich fortan über Jahrhunderte in einem nicht eindeutig zu beschreibenden geistlich-rechtlichen Spannungsfeld zwischen dem Ortsbischof, dem Engener Pfarrherrn und dem Predigerorden. Während der Ort des Gottesdienstes in der Pfarrkirche, die Grabstätte der Schwestern in St. Martin im Engener Altdorf und Einkünfte als Beichtvater die starke Stellung des Pfarrers unterstreichen, zeigt sich der Einfluss des Ordensprovinzials anhand der regelmäßigen Visitationen oder auch bei Eingriffen in verbriefte Wahlrechte des Konvents, wie etwa bei der Bestellung der Verena Reiterin als Priorin 1653. Im selben Jahr hatte wiederum der Ortsbischof die (Neu-)Weihe der Kirche St. Wolfgang vorgenommen, 1620 mussten die Frauen für einen Hauskauf um sein Placet nachsuchen.

Spannungsträchtig gestaltete sich überdies das Verhältnis zur Stadt Engen, als deren Satzbürgerinnen die Schwestern erstmals 1472 und wiederkehrend wegen des Steueransatzes und städtischer Verpflichtungen wie dem Wachdienst in Konflikt gerieten. Dass die Sammlung zu Beginn des 16. Jahrhunderts mindestens wirtschaftlich gedieh, spiegelt sich nicht nur im Erwerb von benachbarten (Kaplanei-)Häusern wider, sondern ebenso in ihrem für eine derartige Gemeinschaft in jener Zeitschiene sehr hoch zu veranschlagenden Steueraufkommen an die Diözese Konstanz in Höhe von 3 Gulden. 1530 waren die Schwestern in der Lage, den Diessenhofener Nonnen Zuflucht zu gewähren, als diese im Thurgau von Anhängern Zwinglis bedroht wurden.

Ein halbes Jahrhundert später war es der zum Luthertum konvertierte neue Herr der Herrschaft Hewen, Konrad von Pappenheim, der nunmehr die Engener Sammlung in eine existenzbedrohende Lage versetzte, indem er St. Wolfgang in ein Spital umzuwandeln gedachte. Pappenheims Plan scheiterte indes. Abgesehen von den Härten der Pest, die Engen 1611 heimsuchte, gelang es der damals sechs bis sieben Schwestern umfassenden Kommunität offensichtlich bis in die erste Phase des Dreißigjährigen Krieges hinein solide zu wirtschaften, denn noch 1629 konnte der Grundstein für den Bau einer eigenen Kirche gelegt werden, dessen Kosten sich auf stolze 1.500 Gulden beliefen. 1632, als die Kirche fertiggestellt war, mussten die Schwestern den Nonnen von →Amtenhausen und →Neudingen für zwei Jahre Unterschlupf geben.

Die zahlreichen Belagerungen der unweit gelegenen württembergischen Festung Hohentwiel bildeten ab 1633 den Anlass eines unheilvollen Geschehens, das die Schwestern bis zum Ende des Krieges 1648 mit Einquartierungen, Plünderungen, Feuerschäden, erzwungenem Ortswechsel und damit einhergehend mit dem beinahe vollständigen Verlust ihrer regelmäßigen Einkünfte konfrontierte. Diese dunkle Zeit in der Geschichte der Frauengemeinschaft lässt sich durch die Chronik der Schwester Verena Reiterin recht genau nachvollziehen.10 Immerhin konnten die Schwestern der Gunst des obgleich protestantischen Stadtherrn Maximilian von Pappenheim bis zu dessen Tod 1639 gewiss sein, der unter anderem den Transport wertvoller Gegenstände über Schaffhausen nach Katharinental ermöglichte. Ein Ausfall der Besatzung des Hohentwiel nach Engen zeitigte 1640 den Beschuss der Kirche St. Wolfgang. Bereits im Folgejahr sah man sich gezwungen, selbst für zwei Jahre ins Exil in die Eidgenossenschaft zu gehen. Nach der Rückkehr in die heimische Sammlung wurden nochmals vertriebene Nonnen aus Amtenhausen aufgenommen; infolge der lutherischen Besetzung Engens fanden sich über 200 Personen aus dem Umland in den Sammlungsgebäuden ein, so dass sich die Schwestern 1647/48 erneut zur Flucht in die Schweiz genötigt sahen. Nachdem sie sich im Gefolge des Friedensschlusses und ihrer Rückkehr zunächst um ihre verwaisten Pachtgüter zu kümmern hatten, konnte 1653 mit der (Neu-)Weihe der ausgebesserten Kirche ein erstes Zeichen der Konsolidierung ausgesandt werden. Zwei Jahre später wurde ein Vergleich mit der Stadt über die zu leistenden Kriegskosten abgeschlossen, der einen langwierigen, bis zum Mainzer Erzbischof geführten Konflikt endgültig beilegte. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts überschritt die Schwesternzahl nie ein Dutzend.

Einen großen Einschnitt in der Geschichte St. Wolfgangs markierte die Aufnahme des Konvents in den zweiten Orden der Dominikaner 1724/25. Dieser Schritt ließ sich indessen nur mehr gegen den großen Widerstand des Engener Pfarrers Johann Michael Dietrich unternehmen, da dieser durch die Lösung aus dem Pfarrverband zahlreiche Prärogative und seelsorgerische Rechte an die Dominikaner verlor, konkret an den Pater, der die cura monialium in St. Katharinental versah. In einem Vergleich vom 1. März 1725 konnte man sich auf eine finanzielle Abfindung Dietrichs für dessen entfallende Gebühren und Einnahmen einigen.11 Im Gegenzug durften die nunmehrigen Klosterfrauen ihre seit dem 17. Jahrhundert bestehende eigene Empore in der Pfarrkirche weiterhin nutzen. Da die Attraktivität des Konvents mit der Aufnahme in den Orden seit 1725 deutlich zugenommen hatte, musste um 1737 die Zahl der Nonnen auf maximal 20 bis 22 begrenzt werden. Neuerliche Differenzen mit der Stadt prägten den Klosteralltag auch während des 18. Jahrhunderts und berührten so verschiedene Felder wie Reichs- und Kreissteuern, Abgaben auf Gewerbeerzeugnisse der Schwestern, die Teilnahme des Klosterviehs am städtischen Weidgang oder die Einnahme von Umgeld anlässlich der Professfeiern, die sämtlich in einem Vergleich vom 16. November 1754 geregelt werden konnten.12

Am Ende des 18. Jahrhunderts geriet das Kloster St. Wolfgang im Zeitalter der josephinischen Reformen in immer schwierigeres Fahrwasser. Die fürstlich fürstenbergische Regierung in Donaueschingen behielt sich seit 1785 die Genehmigung für Neueintritte in St. Wolfgang vor. So konnten 1796 letztmals Neuzugänge in einen Konvent eintreten, der sich infolge des Ersten Koalitionskrieges mit über 7.000 Gulden an Kriegsschäden und mit Plünderungen seitens französischer Truppen auseinanderzusetzen hatte. Wie sehr das Kloster zu diesem Zeitpunkt seine Selbständigkeit sukzessive bereits verloren hatte, geht aus seiner Bitte um landesherrlichen Konsens beim Einkleiden zweier Schwestern hervor, ein Jahr bevor Donaueschingen schließlich das Verbot für Neuaufnahmen in allen Klöstern des Fürstentums Fürstenberg verfügte.

Am Vorabend des Reichsdeputationshauptschlusses war dann das Ende des Klosters mit seinen damals 14 Chorfrauen und zwei Laienschwestern gekommen. Am 16. November 1802 nahm Fürst Karl Joachim von Fürstenberg (1796–1804) den Konvent provisorisch in Besitz und unterstellte die Klosterverwaltung seiner landesherrlichen Aufsicht. Dies bedeutete den Abbruch der Verbindungen der Schwestern zu ihrem Provinzial und den Ordensoberen. Der pensionierte Engener Rentmeister Ignaz Wirth wurde als Kommissar eingesetzt, um ein Inventarverzeichnis anzulegen. Zum 28. Dezember 1802 ergriff der Fürst endgültig Besitz vom Kloster. Aus den bisherigen Klosterfrauen, die weiterhin in ihren vertrauten Gebäuden leben durften, wurden fortan Pensionärinnen der fürstenbergischen Herrschaft, was gleichzeitig das Ende ihres Satzbürgerrechtes bedeutete. Mit Ausnahme des Klostergartens wurden die klösterlichen Liegenschaften konfisziert. Während das Inventar lediglich einen geringen Vermögensstand ergab, hinterließ St. Wolfgang der fürstlich fürstenbergischen Verwaltung am Ende Schulden in stattlicher Höhe von 15.000 Gulden – Engen war mithin von allen fürstenbergischen Klöstern am schwersten durch die Koalitionskriege in Mitleidenschaft gezogen worden. Mit der Übereignung der Klostergebäude an den fürstlich fürstenbergischen Landesspitalfonds war der Plan verbunden, ein Spital zu errichten, der jedoch nicht realisiert wurde. 1839 kaufte schließlich die Stadt Engen den ehemaligen Klosterkomplex, um denselben bereits 1841 an den badischen Staat weiterzuverkaufen, der hier sein Bezirksamt einrichtete. Mit dem damals bereits mehrere Jahre zurückliegenden Tod der letzten Priorin Maria Magdalena Schweissin und der letzten Nonne Maria Ludovika Wagnerin 1844 hatten über 500 Jahre geistliches Leben in St. Wolfgang nach und nach ihren Ausklang gefunden.

Besitz und Wirtschaft

Außer den von den vier Schwestern des Gründungskonvents eingebrachten Leibgedingen ist kein weiteres Stiftungsgut bekannt. Die Frauen erwarben im Laufe des 14. und 15. Jahrhunderts durch Kauf, Stiftung oder Erbe Grundstücke in Engen und umliegenden Orten. Laut dem Liber marcarum konnten sie um 1360 bereits jährliche Einkünfte im Wert von 5 Mark Silber verbuchen.13 Ihre Besitzungen waren zumeist als Erblehen oder später in Erbpacht ausgegeben, offenbar nur ein geringer Teil wurde in Eigenwirtschaft betrieben. Zum Jahr 1513 listet ein Register der Frucht- und Weingülten Einkünfte der Sammlung aus den Orten Altdorf, Anselfingen, Biesendorf, Ehingen, Emmingen, Engen, Hattingen, Hintschingen, Leipferdingen, Mauenheim, Mühlhausen, Neuhausen, Welschingen und Zimmerholz auf.14 Nach dem Dreißigjährigen Krieg gelang es den Schwestern mithilfe eines Meersburger Schreibers ein neues Lehen- und Güterverzeichnis ihrer Besitzungen in den nunmehr fürstenbergischen Landen aufzustellen, das zur Grundlage für einen erfolgreichen Wiederaufbau der Beziehungen zu ihren zinspflichtigen Bauern werden sollte. 1659 trennte sich St. Wolfgang von seinen weit abgelegenen Höfen in Bietingen und Heudorf nahe Meßkirch. Um 1751 verfügte das Kloster über ein Kapital von 13.500 Gulden und nahm als Jahreszinsen 181 Malter verschiedenen Getreides ein; es besaß damals ferner 10 Jauchert Wiesen, 23 Jauchert Waldungen und 5 Jauchert Rebland. Auch noch nach seiner Säkularisation konnte St. Wolfgang aus 15 Ortschaften in den Obervogteiämtern Engen, Blumenfeld und Möhringen Gülten beziehen. Von 1804 an wurden auch die letzten selbstbewirtschafteten Liegenschaften verpachtet. Pachteinnahmen hatten den Frauen über Jahrhunderte hinweg wesentlich zum eigenen Unterhalt gedient; nichts deutet auf eine größere Einbindung klösterlicher Erzeugnisse in den städtischen und regionalen Handel hin.

Religiöses und kulturelles Wirken

Vielfach unter Beweis gestellt haben die Schwestern der Sammlung im Laufe der Zeit ihre tätige Nächstenliebe, sei es in der (Seuchen-)Krankenpflege und Wundversorgung, bei der Fürsprache, beim Grabgeleit oder bei Armenspeisungen. Einzige bedeutende schriftliche Hinterlassenschaft St. Wolfgangs ist die Chronik der späteren Priorin Verena Reiterin, in welcher die von der Frauengemeinschaft durchlebten Fährnisse der Zeit des Dreißigjährigen Krieges festgehalten sind. Mit dem Anschluss an den zweiten Orden der Dominikaner 1724/25 stellten sich Veränderungen in den Lebensumständen der Schwestern ein. Diese lebten nun in Klausur, trugen den schwarzen Schleier und legten alle drei großen Gelübde ab. Die Rolle des Seelsorgers und Beichtvaters nahm formal der Spiritual von Katharinental ein, der sich jedoch vor Ort von einem Mönch des →Engener Kapuzinerklosters vertreten ließ. Fragen zu Gebetsformen, zur Askese oder zu liturgischen Riten müssen unbeantwortet bleiben.

Bibliothek und Archiv

Bei St. Wolfgang fällt auf, wie wenig sich über das geistliche und geistige Leben der Schwestern aus dem hinterlassenen Schriftgut ermitteln lässt – weder sind spirituelle Texte der Engener Schwestern überliefert, noch sind Hinweise auf eine Schule, ein Skriptorium oder auf eine nennenswerte Klosterbibliothek erhalten. Im Zuge der Säkularisation 1802 wurde das Schriftgut St. Wolfgangs nach Donaueschingen verbracht. Heute beherbergt das Fürstlich Fürstenbergische Archiv in Donaueschingen das Klosterarchiv mit einem Umfang von etwas über 3 lfd. m, aus denen sich insbesondere der Besitz und die Einkünfte des Konvents wie auch dessen Beziehungen zur Stadt Engen nachvollziehen lassen. Hinzu kommen Akten der fürstenbergischen Verwaltung zu St. Wolfgang.

Bau- und Kunstgeschichte

Lage

Als eines der größten Gebäude der Engener Altstadt beherrscht das ehemalige Dominikanerinnenkloster den Felsen an der Nordwestecke der Stadtmauer. Die Kirche St. Wolfgang, bestehend aus dem nach Norden über die Stadtmauer hinausragenden Altarraum, dem trapezförmigen Langhaus und der im Westen eingezogenen Nonnenempore, bildet das markante Zentrum der Anlage. Nach Norden schließt der zweijochige, gratgewölbte Altarraum mit einem Segmentbogen, den zwei stumpfwinklig aneinander stoßende Mauern ummanteln. Langhaus und Nonnenempore ist nach Westen eine hohe, dreiachsige Giebelfassade vorgesetzt, die zu einem hohen Querbau gehört. Darauf folgt nach Süden ein – dem abschüssigen Gelände angepasst – zwei- bzw. dreigeschossiger Flügelbau. Der sechseckige Dachreiter, den eine Zeichnung von 1827 belegt, fehlt heute.15 Drei Einzelhäuser – heute privat – liegen im rechten Winkel zum Flügelbau an der Sammlungsgasse. Der Flügelbau liegt an der Klostergasse. Die Ökonomiegebäude sind nicht erhalten.

Kirche und Konventsbauten

Das Gründungshaus, die »erste Sammlung«,16 welches die Schwestern 1333 erwarben, ist heute das Haus Sammlungsgasse 11. Bischof Heinrich III. erlaubte ihnen 1364, die Messe in der eigenen Kapelle zu feiern.17 Vermutlich befand sich diese in einem Raum innerhalb des Hauses. 1472 erweiterte sich der Besitz der Gemeinschaft nach Osten um das Haus Sammlungsgasse 10, 1493 und 1501 kamen die beiden Kaplaneihäuser St. Peter und Paul und zum Ölberg an der südlichen Stadtmauer hinzu. Die Priorin Agnes Heugin erwarb 1619 die drei Gebäude der Kaplanei St. Antonius Einsiedler, die dem bisherigen winkelförmigen Komplex gegenüber lagen. Sie dienten der Gemeinschaft als Scheunen, Ställe und Unterkünfte für Dienstleute. 1998 stieß man bei einer Sondierung auf vier annähernd parallele Mauerabschnitte, die offenbar zu zwei dicht beieinander liegenden Kellern gehörten – der eine ein-, der andere zweigeschossig. Da die jüdische Gemeinde bis 1546 an dieser Stelle eine Synagoge besaß, dürften diese Keller nach 1619 entstanden sein.18

Die spätere Entwicklung der Anlage lässt vermuten, dass die erste Kirche, für die 1629 der Grundstein gelegt wurde, an der Stelle der (wohl abgebrochenen) Kaplanei St. Peter und Paul stand. Sie bildete die Nordwestecke der Anlage, heute das Langhaus. 1640 wurde sie durch Beschuss stark beschädigt, konnte aber 1653 nach Reparatur wieder geweiht werden. 1660 kauften die Schwestern die drei aneinander angrenzenden Häuser mit Gärten, die südlich an ihren Besitz angrenzten, und besaßen künftig einen Klostergarten. Er wurde ummauert und erhielt einen (erhaltenen) Zugang von Süden.

Als die Engener Sammlung 1725 in den zweiten Orden der Dominikaner aufgenommen wurde, musste die Kirche vergrößert werden. Die einzige Möglichkeit einer Erweiterung bot sich im Norden. An die bestehende Kirche wurde über einer hohen Substruktion vor dem Felsen ein Altarraum angefügt, und die künftig als Langhaus genutzte alte Kirche wurde für eine Nonnenempore vermutlich aufgestockt. 1988 schuf man einen Zugang zur Substruktion und fand dort nach Entfernung der Schuttverfüllung einen ca. 5 m hohen gewölbten Raum mit einem Fußboden aus Wackenpflaster. Außerdem befanden sich dort sieben Särge von Klosterfrauen. Offenbar nutzte man ab 1725/30 die Substruktion als Gruft, ein Kolumbarium ist allerdings nicht mehr nachweisbar. Ab 1738 entstand, von der Klausur getrennt, der Westflügel in seinen heutigen Formen. Dieser wurde hauptsächlich für Gäste genutzt. Im Erdgeschoss darf man Wirtschaftsräume vermuten, ein Brunnen ist belegt. Seit 1937 befindet sich in den Räumen unter anderem das Hegaumuseum.

Materielle Kulturgeschichte, Bauausstattung

Die einstige Ausstattung wurde am 22. Juni 1840 versteigert, unter anderem 13 dominikanische Ordensgemälde, 27 andere Gemälde, zwölf Reliquienbehältnisse und 70 Votivtafeln. Kirchengerät – eine silberne Monstranz, ein Ziborium, Kelche, und ein Wettersegenkreuz – sowie Paramente waren schon zuvor an den Stadtpfarrer von Engen übergeben worden. Der Rosenkranzaltar, den die Priorin Ursula Schnell Anfang des 17. Jahrhunderts gestiftet hatte,19 ist nicht mehr erwähnt, jedoch gelangte ein Renaissanceofen auf Umwegen ins Victoria and Albert Museum in London.

Bibliographie

Handbücher und Lexika: Dehio, Baden-Württemberg Bd. 2, S. 173 (Friedrich Jacobs); KB Konstanz Bd. 3, S. 59 (Anneliese Müller); KDM Bd. 1, S. 28 (Franz Xaver Kraus); kloester-bw, Dominikanerinnenkloster Engen (Andreas Schmidt).

Literatur: Baader 1990 (a); Blank 1990; Wilts 1994, S. 325–327.

Anmerkungen

  • 1 FFA Klosterarchiv St. Wolfgang Engen A 1.
  • 2 FFA Klosterarchiv St. Wolfgang Engen H 26.
  • 3 FFA Klosterarchiv St. Wolfgang Engen A 3.
  • 4 FFA Klosterarchiv St. Wolfgang Engen A 7.
  • 5 FFA Klosterarchiv St. Wolfgang Engen F 21, Siegelumschrift (8. 3. 1717).
  • 6 FFA Klosterarchiv St. Wolfgang Engen F 14: Siegelumschrift (5. 2. 1756); FFA Eccl. 17 Fasc. III/II: Siegelumschrift (9. 7. 1756); FFA Eccl. 17 Fasc. IV/III: Siegelumschrift (22. 7. 1726); FFA Eccl. 17 Fasc. IV/IV: Siegelumschrift (28. 2. 1738).
  • 7 FFA Klosterarchiv St. Wolfgang Engen M 1.
  • 8 Wie Anm. 1.
  • 9 FUB VI, Nr. 28 S. 57.
  • 10 WLB Cod. Don. C III b 15.
  • 11 FFA Eccl. 17 Fasc. II/I.
  • 12 FFA Eccl. 17 Fasc. III/I.
  • 13 Haid 1870, hier S. 94: Congregacio sororum in Engen restat, habet quinque marc.
  • 14 FFA Klosterarchiv St. Wolfgang Engen G 1.
  • 15 Bleistiftzeichnung vom 9. April 1827. Landesvermessungsamt Baden-Württemberg, Außenstelle Karlsruhe. Trig. Hochpunkte III/48.
  • 16 Wie Anm. 1.
  • 17 Wie Anm. 9.
  • 18 LAD Engen Lkrs. Konstanz
  • 19 Vermutet wird Hans Schenk aus Konstanz
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Clemens Regenbogen [Autor]
  • Ulrike Laule [Autor]
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