Engen, Kapuziner 

Kurzbeschreibung:

1618 Gründung – 1623 Weihe der Klosterkirche – 1802/20 Aufhebung

Patrozinium: Mariae Verkündigung
Ordensgliederung: Schweizerische Provinz, Kustodie Konstanz; 1668 Vorderösterreichische Provinz, Kustodie Konstanz; 1781 Schwäbische Provinz
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Engen

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Kapuziner 1618-1820
Beschreibung:

Name: Engensis conventus (1640);1 Kapuziner convent Engen (1805);2 Capuziner kloster Engen (1820)3

Geschichte

Historische Entwicklung

Den Anstoß für die Gründung des Kapuzinerklosters in Engen gaben in erster Linie die Bürger der Stadt. Nachdem 1582 die Herrschaft Hewen von den katholischen Grafen von Lupfen an die lutherischen Grafen von Pappenheim übergegangen war, versuchte laut der Klosterchronik die Bürgerschaft mit der Gründung des Kapuzinerklosters einem Glaubenswechsel entgegenzuwirken. Die Bemühungen um eine Klostergründung begannen im Jahr 1616.4 Reichserbmarschall Graf Maximilian von Pappenheim unterstützte das Gründungsvorhaben entgegen den Befürchtungen der Bevölkerung aktiv,5 vermutlich um seine Verbundenheit mit dem katholischen Haus Habsburg unter Beweis zu stellen.6 Weitere Unterstützung für die Klostergründung erfuhren die Bürger durch den Konstanzer Bischof Jakob Fugger (1604–1626), der sich mit einem persönlichen Schreiben vom 7. September 1616 an das Provinzialkapitel der Kapuziner in Luzern für die Errichtung des Klosters einsetzte.7 Nachdem das Kapitel 1618 die Gründung beschlossen hatte, begann man im gleichen Jahr mit dem Bau des Klosters, zu dem die Engener Bürger, der Graf von Pappenheim, aber auch der Graf von Hohenzollern-Sigmaringen und der Junker Jakob Philipp Fürstenberger (ein illegitimer Spross der Grafen zu Fürstenberg) Geld und Baumaterial spendeten.8 Der Kirchenbau wurde im Jahr 1623 geweiht.9 Etwa im Jahr 1626 konnte der Konventsbau fertiggestellt werden.10

Der Dreißigjährige Krieg führte zu großen Zerstörungen in Engen: Im Jahr 1638 zog der Herzog von Sachsen-Weimar durch die Stadt; zwei Jahre später wurde das Kloster von dem aus Breisach kommenden General Erlach besetzt, der Engen vom Klostergarten aus mit Kanonen beschießen und anzünden ließ. Der Brand hatte verheerende Auswirkungen auf die Stadt.11 Doch auch nach diesen Unglücken für Stadt und Bevölkerung erfreute das Kapuzinerkloster Engen sich erheblicher Beliebtheit. Großzügige Unterstützungsgaben der Ortsherrschaft – 1639 war die Stadt Engen mit der Herrschaft Hewen in den Besitz der Grafen zu Fürstenberg übergegangen –, des benachbarten Adels und der Bevölkerung erlaubten es, bauliche Veränderungen an der Klosterkirche zu unternehmen. 1680 wurde zusätzlich zu den drei bestehenden Altären ein vierter Altar zu Ehren des heiligen Antonius von Padua geweiht.12 Im Jahr 1725 ließen die Konventualen außerdem eine im rechten Winkel an das Langhaus angesetzte Gruftkapelle errichten13 – die bedeutendste bauliche Veränderung seit dem Bestehen des Klosters. Der darin befindliche Altar wurde im Folgejahr dem Hl. Felix von Cantalice geweiht.14 Nur drei Jahre später, im Jahr 1729, feierte man drei Tage lang die Seligsprechung des Kapuzinermönchs Fidelis von Sigmaringen, dem man einen Altar in der Gruftkapelle errichtete.15 Seither war die Gruftkapelle des Klosters als »Fideliskapelle« bekannt.16 Bis zum Jahr 1811 gibt es in der Klosterchronik Belege für Bestattungen von Konventualen in dieser Kapelle.17 Die Verehrung des Fidelis von Sigmaringen wurde in den folgenden Jahren bedeutender als diejenige des Hl. Antonius, dem zuvor zahlreiche Wunder in der Umgebung des Klosters zugeschrieben worden waren.

Mit der 1781 von Kaiser Joseph II. (1765–1790) veranlassten Beschränkung der vorderösterreichischen Kapuzinerprovinz auf das österreichische Territorium kam das Kloster an die neugebildete Schwäbische Ordensprovinz. Da zugleich die bis dahin üblichen, regelmäßigen Konventwechsel der Brüder über die neuen Provinzgrenzen hinweg verboten wurden, wurde der Bewegungsraum der Kapuziner des Klosters Engen stark eingeschränkt. Im gleichen Jahr verfügte Fürst Joseph Wenzel zu Fürstenberg (1762–1783) auf unklarer Rechtsgrundlage die Rückführung des Personals auf die Zahl der Konventualen bei der Klostergründung (in Engen waren es 16),18 erlaubte jedoch gleichzeitig sämtlichen Konventualen, in Engen zu verbleiben.19 Das Kapuzinerkloster Engen, in dem zu diesem Zeitpunkt 17 Patres und drei Laienbrüder lebten,20 blieb folglich in seiner bisherigen Form bestehen. Gleichzeitig scheint das Kloster in der neuen schwäbischen Provinz eine herausragendere Rolle eingenommen zu haben, da zahlreiche Provinzialversammlungen in Engen stattfanden.21

Der Alltag im Kapuzinerkloster Engen wurde im Jahr 1796 erneut erschüttert: Ein französisches Heer zog mit 4000 Soldaten durch den Ort, zerstörte die Felder, besetzte das Kloster und die Umgebung und verlangte von dem Kapuzinerkloster die Abgabe von Holz und Wein. Noch Jahre später lebten die Konventualen in ständiger Angst vor einem neuerlichen Einfall der französischen Truppen.22

Das Ende des Kapuzinerklosters setzte mit dem Reichsdeputationshauptschluss ein. Ansprüche des Deutschen Ordens, für den Verlust linksrheinischer Gebiete mit fürstenbergischen Klöstern entschädigt zu werden, konnte das Fürstentum erfolgreich abwehren: Wie der fürstenbergische Partikularabgeordnete Würth am 26. Oktober 1802 berichtete, habe Fürstenberg bereits seit dem Jahr 1786 mit dem päpstlichen Stuhl und dem bischöflichen Ordinariat in Konstanz Gespräche geführt, um die Frauenklöster »nebst einigen unbedeutenden Hospitien und Prioraten männlichen Geschlechts« auf Fürstenbergischem Gebiet aufzulösen und Gebäude wie Vermögen dieser Klöster für gemeinnützige Zwecke zu verwenden.23 Auf der Grundlage des schließlich im Reichsdeputationshauptschluss festgehaltenen Grundsatzes, den Landesherren die Klöster zur freien Disposition zu übertragen, schritt Fürstenberg nun seinerseits zur Säkularisierung der landsässigen Ordenshäuser. Die sich anfänglich nur auf die »fundirten Klöster« beziehende Säkularisationsverfügung dehnte Fürstenberg in einem zweiten Schritt Mitte Dezember 1802 auf die Kapuzinerklöster aus.24

Demgemäß wurde den Konventualen im Kapuzinerkloster Engen am 24. Dezember 1802 eröffnet, dass das Kloster in den »Civil-Besitz« übergehe. 25 Die Inbesitznahme fand am 28. Dezember 1802 statt.26 Zugleich beschränkte der Fürst die vom Orden vorgeschriebenen Klosterwechsel der Konventualen auf die fürstenbergischen Gebiete. Die Konventualen, bestehend nunmehr aus 12 Patres und drei Laienbrüdern, sollten jedoch ausdrücklich das gemeinschaftliche Klosterleben fortsetzen, auch wenn ihre Zahl nicht verändert werden durfte. Das Kloster blieb folglich weiter bestehen – möglicherweise, weil die Pensionszahlungen für alle Konventualen höhere Ausgaben für die Standesherrschaft bedeutet hätten als die Erhaltung des Konvents in seiner bisherigen Form.27

Im Jahr 1804 fanden in Engen erneut Wahlen für die Schwäbische Provinz und den Vorstand des Klosters statt.28 Erst danach schien sich für die Zeitgenossen ein endgültiger Niedergang aller Kapuzinerklöster der Schwäbischen Provinz abzuzeichnen – es wurden keine Wahlen mehr abgehalten. Maßgeblich dafür war, dass analog zu den »fundierten Klöstern« auch in den Kapuzinerklöstern Novizen nur mit vorheriger Erlaubnis der Regierung aufgenommen werden sollten,29 faktisch diese Erlaubnis jedoch in keinem Fall erteilt wurde.

Mit dem Tod des Kapuzinerpaters Sylvester im Jahr 1820 endete schließlich die Geschichte des Engener Konvents. Der letzte lebende Pater, Sebastian Hochegger, zog zu den Nonnen ins Kloster St. Wolfgang und kümmerte sich um deren Seelsorge. Bis zu seinem Tod im Jahr 1827 bezog er von der Fürstenbergischen Standesherrschaft ein geringes Gratial.30

Am 8. Oktober 1820 wurde die Klosterkirche profaniert. Der Klosterbau wurde zur Versteigerung freigegeben. Da die Katholische Kirchensektion darauf drängte, den Bau für gemeinnützige Zwecke zu nutzen, konnte die Stadt Engen ihn für lediglich 825 Gulden ersteigern.31 Am 10. Januar 1821 nahm die Stadt das Gebäude offiziell in Besitz und verwendete es in der Folgezeit als Armen- und Krankenhaus.

Besitz und Wirtschaft

Als Kapuziner verfügten die Patres des Klosters Engen – abgesehen von ihrem Recht, Klostergebäude, Kirche und Klostergarten zu nutzen – über keine eigenen Besitztümer. Rückhalt fand das Kapuzinerkloster bei den Engener Bürgern und der Herrschaft zunächst der Pappenheimer, ab 1639 der Fürstenberger, die die Brüder mit Spenden in Form von Naturalien, Geld und Büchern versorgten. Die Kapuziner wurden vermutlich schon zu Zeiten der Pappenheimer32 mit jährlichen Gratialen von Holz und Fleisch bedacht. Daneben halfen Bevölkerung und Herrschaft bei Bau- und Reparaturarbeiten mit Materialspenden und leisteten aktive Mitarbeit.33 Daraus lässt sich schließen, dass die Arbeit der Kapuziner bei den Zeitgenossen Zuspruch fand.

Religiöses und kulturelles Wirken

Über die Jahre weitete sich das Aufgabengebiet des Klosters stark aus. Zunächst bestand die Hauptaufgabe darin, an Feiertagen sowie in der Fastenzeit Messen in der Engener Pfarrkirche zu halten. Die Konventualen halfen außerdem ab 1655 als Beichtväter bei der Marienwallfahrt in Mühlheim an der Donau aus.34 Die breite Anerkennung durch die Zeitgenossen lässt sich jedoch vor allem aus der Erweiterung des Missionsgebietes ableiten. Ab 1659 betreuten die Konventualen laut Chronik ein Gebiet, das insgesamt 70 Dörfer und Weiler sowie zwölf Städte umfasste.35 Zu dem Missionsbezirk gehörten die fürstenbergische Herrschaft Hewen, die sich nach Norden bis zur Donau anschließenden fürstenbergischen Ortschaften (darunter die Städtchen Fürstenberg, Geisingen und Möhringen) sowie die westlich benachbarte Herrschaft Blumenfeld mit Tengen. Im Süden reichte der Bezirk bis zum thurgauischen Diessenhofen, während das südöstlich anstoßende Gebiet der Landgrafschaft Nellenburg vom Kapuzinerkloster →Überlingen betreut wurde.36 Der Missionsbezirk scheint zugleich Terminierbezirk gewesen zu sein.37 Hier hielten die Konventualen an Feiertagen in größeren Städten die Messe, missionierten für den katholischen Glauben, belieferten 40 Pfarreien mit Hostien und übten Seelsorge aus in Vertretung weltlicher Priester.38 Jenseits dieser alltäglichen Aufgaben, die die Konventualen übernahmen, agierten sie in ihrem Missionsgebiet bei Extremsituationen wie der im Jahr 1771 grassierenden tödlichen Fieberkrankheit als Seelsorger.39

Ab 1725 entwickelte sich ein besonders enges Verhältnis des Kapuzinerkonvents Engen mit dem Dominikanerinnenkloster →St. Wolfgang in Engen. Im Gegenzug für Wascharbeiten, Geld- und Naturalabgaben wurden die Kapuziner mit der alleinigen Seelsorge der Nonnen betraut. Die Mönche lasen täglich die Messe, nahmen den Frauen die Beichte ab und spendeten die Sterbesakramente.40

Bibliothek und Archiv

Die Bibliothek des Kapuzinerklosters Engen beinhaltete bei der Auflösung des Klosters 1820 etwa 2000 Bände. Sie war durch großzügige Spenden entstanden. Nach der Auflösung des Klosters wurden die Bücher zum größten Teil verkauft oder an die umliegenden Kirchen und Klöster verschenkt. Ein kleiner Teil wurde mit unklaren Auswahlkriterien in die Fürstenbergische Hofbibliothek Donaueschingen übernommen.41

Das Klosterarchiv bestand bei der Auflösung des Klosters aus einem einzigen Stück, der Klosterchronik mit dem Titel Monumenta archivii Engensis ex provincial manuscriptis desumpta atque fideliter in latinum translata.42 Sie wurde 1820 in das Fürstlich Fürstenbergische Archiv übernommen.43

Bau- und Kunstgeschichte

Lage

Wie von der Ordensregel verlangt, hatte man für das Kloster eine Stelle etwa 150 m vom Stadtkern von Engen entfernt auf der anderen Seite eines Taleinschnitts am Hang des Ballenbergs gewählt. Der Bauplatz lag auf einem Felsrücken, doch für das Gartengelände planierte man südlich davon eine Senke auf, was eine hohe Stützmauer erforderlich machte. Der Hanglage wegen hat man das ausgedehnte Gartengelände gestaffelt auf zwei Ebenen angelegt. Von der Umfassungsmauer sind Teile erhalten geblieben. In einer Stadtansicht auf Schloss Heiligenberg aus der Zeit zwischen 1688 und 1690 findet sich das Kloster am rechten Bildrand in seiner abgesonderten Lage auf der anderen Talseite über einer Felskante. Die Baulichkeiten sind jedoch stereotyp wiedergegeben, bestehend aus Klosterkirche, seitlichem Konvent, Nebengebäude und ummauertem Garten.

Kirche und Konventsbauten

Von der Gründung 1618 dauerte es vier Jahre bis zur Weihe der Kirche und nochmals vier Jahre, bis auch der Konventsbau fertiggestellt war. Heute trifft man dort einen Kirchenbau mit Seitenkapelle und Gruftraum an. Der Baukörper des Langhauses entspricht dem der früheren Klosterkirche mit einer nach Nordosten weisenden Chorachse. Einst schloss ein langgezogener Rechteckchor an, aufgeteilt in Altarraum und Psallierchor. Von der südöstlichen, zum Tal gerichteten Chorwand blieb der Sockelbereich als Stützmauer bestehen. Ein Lageplan von 1820 zeigt davor einen schmalen Anbau, bei dem es sich um eine Sakristei gehandelt haben könnte.

Der Konvent schloss westlich an die Kirche an. Gemäß einem Lageplan von 1820 war er von beiden Schmalseiten der Klosterkirche ein wenig abgerückt. Doch es gibt Gründe, die Verlässlichkeit der Zeichnung anzuzweifeln und von einem Konventsgeviert geringerer Größe auszugehen, denn innerhalb der westlichen Wand der Kirche finden sich zwei hochliegende Nischen. Da sie auf älteren Fotoaufnahmen fehlen, darf angenommen werden, dass man bei der Erneuerung des Außenputzes vermauerte Öffnungen angetroffen und sie auf diese Weise kenntlich gemacht hat. Bei der kleineren Nische etwa in Wandmitte lassen die Proportionen eine Türöffnung vermuten, sodass es sich um den Zugang zur Kanzel gehandelt haben dürfte, und die größere Nische näher am Langhausgiebel wird wohl auf eine Fensteröffnung zurückgehen. Dies würde bedeuten, dass der Konvent in weit vom Langhausgiebel zurückversetzter Lage angeschlossen haben müsste, so wie man es von anderen Kapuzinerklöstern kennt. Der Lageplan müsste demzufolge einen vergrößerten Neubau oder Wiederaufbau nach Zerstörung voraussetzen, wovon aber nichts bekannt ist.

Für die Lage des Refektoriums kommen nach gebräuchlichen Raumanordnungen nur der Nord- und der Westflügel in Frage. Da es gemäß einer Beschreibung zum Anlass der Auflösung 182044 nicht im Nordflügel gelegen hat, kann es im westlichen, parallel zur Klosterkirche gelegenen Flügel verortet werden. Die Küche wäre in der Nordwestecke zu suchen, wo in der Zeichnung von 1827 ein vereinzelter Kamin zu finden ist.

Lageplan und Zeichnung zeigen eine Abweichung vom üblichen Bauschema, indem sich der an den Psallierchor anstoßende Nordflügel weit nach Westen erstreckt. Es ist davon auszugehen, dass es sich um eine spätere Erweiterung handelte, die der Klosterzeit zugeschreiben werden kann, da in besagter Beschreibung von 1820 für den Nordflügel die Zahl von 20 Zellen angegeben ist.

1725 baute man eine dem Hl. Felix von Cantalice geweihte Seitenkapelle an. Sie schließt mit einem hohen Rundbogen an, den Innenraum überspannt ein Kreuzgratgewölbe. In den Seitenwänden öffnen sich hohe Fenster und in der Stirnwand wurden zwei hochliegende Okuli über dem früheren Altar angeordnet. Unterhalb befindet sich eine als Columbarium angelegte Gruft, die zu beiden Seiten eines gewölbten Mittelgangs zusammen 42 Grabgewölbe umfasst. Sie sind alle vermauert, doch nur wenige lassen noch Reste der Beschriftung erkennen. Den Zugang bildet ein Treppenabgang mit Falltür im Boden des Langhauses. 1729 kam ein dem Hl. Fidelis von Sigmaringen geweihter Altar hinzu oder hat den älteren ersetzt.

Nachdem das Kloster um 1820 seine Auflösung erfahren musste, ging die Anlage in städtischen Besitz über. Eingerichtet wurde ein Armenhaus und Bürgerspital samt Spitalkirche, das 1825 den Betrieb aufnehmen konnte. Nach Abbruch einer Ottilienkapelle übertrug man 1840 die Verehrung der Hl. Ottilie in die vormalige Felix- bzw. Fideliskapelle.

1881 nahm man im Spitalgebäude umfangreiche bauliche Veränderungen vor, um ein leistungsfähiges Krankenhaus zu erhalten, doch die Anstrengungen wurden gleich wieder zunichte gemacht, als 1883 ein Feuer ausbrach, dem die Bauten zum Opfer fielen. Einzig die Seitenkapelle blieb verschont. Die Reste der Konventsflügel und des Rechteckchors wurden abgetragen, das Langhaus aber bis 1887 wiederaufgebaut, ein polygonal geschlossener Chor angefügt, ein neues Portal eingesetzt und eine neue Ausstattung hergestellt. Möglicherweise legte man damals die westliche Seitentür als Zugang für den Priester an. Zuvor hatte dort eine Wandnische für einen Beichtstuhl gelegen, wie eine solche in der gegenüberliegenden Wand noch vorhanden ist. Eine letzte Renovierung fand 1947 statt, als man vermutlich die hochliegenden Nischen an der westlichen Außenseite angelegt hat.

Nach dem Brand blieb der Platz seitlich der Kirche leer. Nur an der Stelle der Verlängerung des früheren Nordflügels steht heute ein Wohnhaus über der Felskante. Für das Krankenhaus entstand ein neues Hauptgebäude ein Stück weiter westlich auf der vormals höheren Gartenebene.

Materielle Kulturgeschichte, Bauausstattung

In der Kirche befanden sich drei Altäre: Der Hochaltar wurde Maria Verkündigung, dem Hl. Josef und den 11.000 Jungfrauen geweiht, der zweite Altar dem Hl. Franziskus von Assisi und den 15 Nothelfern, der dritte Altar dem Erzengel Michael, dem Hl. Mauritius und der Gemeinschaft der Märtyrer. 1680 wurde ein vierter Altar zu Ehren des Hl. Antonius von Padua geweiht. Der in der Gruftkapelle befindliche Altar wurde 1726 dem Hl. Felix von Cantalice geweiht. Die Ausstattung der Kapuzinerkirche fiel mehrheitlich dem Feuer von 1883 zum Opfer. Das Bild des Fidelisaltars, 1729 von Josef Ignaz Wegscheider aus Riedlingen geschaffen und um 1840 entbehrlich geworden, befindet sich im Bürgersaal des Rathauses.

Bibliographie

Quellen: Romuald von Stockach 1747, S. 101–104.

Handbücher und Lexika: kloester-bw, Kapuzinerkloster Engen (Matthias Ilg).

Literatur: Schmid II, S. 288–290; Hotz 1983; Baader 1990 (b).

Anmerkungen

  • 1 FFA Eccl. 8 Fasc. III/1, S. 16.
  • 2 FFA Eccl. 8 Fasc. III/3.
  • 3 FFA Eccl. 8 Fasc. III/10.
  • 4 Chronik des Kapuzinerklosters Engen: FFA Eccl. 8 Fasc. III/1, S. 3.
  • 5 FFA Eccl. 8 Fasc. III/1, S. 3 f. 6 vgl. kloester-bw, Kapuzinerkloster Engen.
  • 7 FFA Eccl. 8 Fasc. III/1, S. 5-6.
  • 8 FFA Eccl. 8 Fasc. III/1/1-2; FFA Eccl. 8 Fasc. III/1/4, S. 3-4, 9.
  • 9 FFA Eccl. 8 III/1, S. 9; GLA 229 Nr. 25311.
  • 10 GLA 229 Nr. 25311.
  • 11 FFA Eccl. 8 Fasc. III/1, S. 1 4-17.
  • 12 FFA Eccl. 8 Fasc. III/1, S. 21.
  • 13 FFA Eccl. 8 Fasc. III/1, S. 31.
  • 14 FFA Eccl. 8 Fasc. III/1, S. 32.
  • 15 Ob der Altar des Hl. Felix bestehen blieb, geht nicht aus der Chronik hervor.
  • 16 FFA Eccl. 8 Fasc. III/1, S. 3 4-43.
  • 17 FFA Eccl. 8 Fasc. III/1, S. 129 f.; zwischen 1804 und 1811 wurden in der Klosterchronik die Sterbeeinträge mit den Worten requiescit in crypta nostra oder sepultus in crypta abgeschlossen.
  • 18 FFA Eccl. 8 Fasc. III/1, S. 18.
  • 19 FFA OA 13, Vol. IV, 13; FFA Eccl. 8, IV/6.
  • 20 FFA Eccl. 8 Fasc. III/1, S. 101.
  • 21 In den Jahren 1785, 1788, 1791, 1794, 1804, vgl. FFA Eccl. 8 Fasc. III/1.
  • 22 FFA Eccl. 8 Fasc. III/1, S. 12 0-121, 12 3-124.
  • 23 FFA Eccl. 5 1/2, IV; Belege zu diesen Gesprächen fehlen.
  • 24 FFA Eccl. 5 1/2, IV.
  • 25 FFA Eccl. 8 Fasc. III/7.
  • 26 Ebd.
  • 27 GLA 391 Nr. 1273; Die Katholische Kirchensektion spricht diesen Vorwurf im Zusammenhang mit der Erfassung des Mendikanten-Vermögens in Baden 1817/18 aus.
  • 28 FFA Eccl. 8, S. 127 f.
  • 29 FFA Eccl. 5 1/2, IV.
  • 30 FFA Eccl. 8 Fasc. III/3; FFA Eccl. 8 Fasc. III/8; Zum Streit über die Versorgung von Kapuzinerpatres siehe EAF B 23/42; GLA 229 Nr. 25295.
  • 31 FFA Eccl. 8 Fasc. X; GLA 229 Nr. 25295.
  • 32 FFA Eccl. 8 Fasc. III/2.
  • 33 FFA Eccl. 8 Fasc. III/1, u. a. S. 9, 31.
  • 34 FFA Eccl. 8 Fasc. III/1, S. 11.
  • 35 FFA Eccl. 8 Fasc. III/1, S. 13.
  • 36 kloester-bw, Kapuzinerkloster Überlingen.
  • 37 FFA Eccl. 8 Fasc. III/1, S. 14, spricht im Zusammenhang mit der Beschreibung des Missionsbezirks von subditorum eorum clemosynis.
  • 38 FFA Eccl. 8 Fasc. III/1, S. 1 3-14.
  • 39 FFA Eccl. 8 Fasc. III/1, S. 8 9-90.
  • 40 FFA Klosterarchiv St. Wolfgang W/1-3.
  • 41 FFA Eccl. 8, I/6.
  • 42 FFA Eccl. 8 Fasc. III/1.
  • 43 FFA Eccl. 8, I/6.
  • 44 Ebd
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Ricarda Szalay [Autor]
  • Stefan King [Autor]
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