Konstanz, Kollegiatstift St. Mauritius
| Kurzbeschreibung: | nach 955 Gründung durch Bischof Konrad –vor 1155 Auflösung Patrozinium: MauritiusKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, kein Landkapitel |
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| Beschreibung: | Name: cenobium quoddam iuxta monasterium in honore sancti Mauricii (12. Jh.)1 GeschichteEs gibt keine zeitgenössischen Quellen für die Gründung und das Bestehen des Kollegiatstifts St. Mauritius. Vier einander ergänzende, widerspruchsfreie Überlieferungen des 12. Jahrhunderts berichten Folgendes: Bischof Konrad (934–975) habe nach der Rückkehr von seiner zweiten Jerusalemfahrt bei seiner →Domkirche eine Kirche (ecclesia, basilica) zu Ehren des Märtyrers Mauritius gegründet. In deren Mitte habe er eine Nachbildung des Heiligen Grabes zu Jerusalem errichten und mit Goldschmiedearbeiten ringförmig umgeben lassen. Weiter habe Konrad von seinem Bruder Rudolf Güter ertauscht und damit sowohl seine Domkirche als auch die Mauritiuskirche dergestalt ausgestattet, dass an letzterer eine geistliche Gemeinschaft (cenobium) eingerichtet worden sei mit Pfründen für zwölf Kleriker (clerici, fratres), die dort reguliert (canonice) leben sollten. Konrad selbst sei vor dem Portal der Kirche bestattet worden.2 Während die Patrozinien weiterer Konstanzer Kirchen des 10. Jahrhunderts stadtrömischen Vorbildern folgen, wird man die Wahl von Mauritius als Titularheiligem als politisches Bekenntnis Konrads auffassen dürfen, war doch Mauritius der bevorzugte Heilige Kaiser Ottos I. (936–973).3 Über die weitere Geschichte des Mauritiusstifts wissen wir nichts. Vielleicht bestand es bereits 1155 nicht mehr, denn es fehlt in der Aufzählung der bischöflichen Eigenstifte und Eigenklöster, deren Besitz Kaiser Friedrich I. (1152–1190) damals dem Bischof Hermann (1138–1165) bestätigte.4 Später galt St. Mauritius als Kaplanei.5 Dass das Stift verkümmert oder seine Stiftung gar nicht erst wirksam geworden sei, ist unwahrscheinlich angesichts der Bedeutung, die Bischof Konrad seiner Gründung beigemessen hatte und die der Mauritiuskirche in der Liturgie der Domkirche zukam. Eher mag man an einen frühen organisatorischen Eingriff denken, etwa eine Zusammenlegung mit dem Domkapitel. Womöglich bestand das Stift lange genug, um einen eigenen Stiftsbezirk auszubilden: Im Bereich des heutigen St. Stephans-Platzes bestand eine Mauriziergasse (vicus qui Mauritii dicitur, Moricien gaezzeli u. ä.), die in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts für die Anlage des →Franziskanerklosters beseitigt wurde. Die Bildung dieses Straßennamens entspricht der nördlich davon gelegenen Stephanergasse (oder vicus sancti Stephani), wo die Kanonikatshäuser des Stifts →St. Stephan standen.6 Bau- und KunstgeschichteBischof Konrad errichtete die Mauritiuskirche als Rotunde mit einem Innendurchmesser von etwa 11,30 m; das ursprüngliche Mauerwerk ist bis auf eine Höhe von etwa 6,50 m erhalten. An den Rundbau schlossen sich drei kreuzförmig angeordnete, rechteckige Anräume an. Der Bau ist eine auf ein Drittel verkleinerte Kopie der spätantiken Jerusalemer Grabeskirche, die 1009 von den Arabern zerstört wurde. Seine Lage nördlich des Chorscheitels mag wegen der Nähe zum Kreuzaltar im Nordquerhaus gewählt worden sein; vielleicht nimmt sie auch Rücksicht auf den Verlauf der im 10. Jahrhundert noch stehenden spätrömischen Kastellmauer. Bischof Konrad unterstrich die antike Kontinuität des Orts, indem er einen vielleicht aus Oberwinterthur stammenden Inschriftenstein des Kaisers Diokletian – vielleicht des darauf genannten Caesars Constantius wegen – einmauern ließ. Der ursprüngliche Fußboden der Rotunde lag auf der Höhe der kleinen Gruft des Konradsgrabes, zu dem vermutlich eine Verbindung bestand. Im Zentrum stand ein Hl Grab, wohl ebenfalls nach Jerusalemer Vorbild. Nachweisbar sind eine umlaufende Bank und Reste einer Farbfassung. Die Mauritiuskirche war Schauplatz eines Osterspiels, das erst für das Spätmittelalter belegt ist, aber altertümliche Elemente besitzt, die womöglich ins 10. Jahrhundert zurückreichen.7 Im Zentrum der Kirche steht das Heilige Grab, ein zwölfseitiger, dezent bemalter Sandsteinbau der Zeit um 1260; er gilt als bedeutendes frühgotisches Kunstwerk. Im frühen 14. Jahrhundert erfuhren die Kirche und ihre Umgebung eine grundlegende Neugestaltung: Das Stiftergrab erhielt eine der französischen Kathedralplastik nahestehende Liegefigur Bischof Konrads. Um 1320 erfolgte der Einbau des Gewölbes und der Maßwerkfenster mit qualitätvollen Glasmalereien, die 1818 nach Freiburg verbracht wurden; heute sind Kopien der mittelalterlichen Fenster zu sehen. 1560 veranlasste der Domherr Jakob Kurtz eine historisierende Renovierung, die den mittelalterlichen Bestand sicherte. Die Mauritiuskirche darf zu den bedeutendsten Sakralräumen in Konstanz gezählt werden. BibliographieHandbücher und Lexika: Dehio, Baden-Württemberg Bd. 2, S. 372 f. (Dagmar Zimdars); KB Konstanz Bd. 3, S. 387 (Anneliese Müller); Reiners 1955; SKHB, S. 348–350 (Helmut Maurer). Literatur: Maurer 1973, S. 50–57; Erdmann/Zettler 1977; Laule 2013. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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