Mainau, Deutscher Orden 

Kurzbeschreibung:

1271 Übereignung der Insel Mainau an den Deutschen Orden – 1273 erster Komtur nachweisbar – 1647 Eroberung durch die Schweden – 1739/56 Neubau von Kirche und Schloss – 1806 Aufhebung

Patrozinium: Maria
Ordensgliederung: Ballei Elsass-Burgund
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Reichenau

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Deutscher Orden 1271-1806
Beschreibung:

Name: den brudern von dem Tuischenhuz von Sandegge unde von Meinowe (1272);1 domui de Maigenowe (1290);2 von den Thuischenhus […] von Meigenowe (1296);3 des Tuschen huses ze Maienowe (1297);4 convent des gotzhus in der Maynow (1399);5 comenthur in der Mayenow (1443)6

Geschichte

Historische Entwicklung

Die 1242 erstmals urkundlich genannte Insel war zunächst als Lehen der Benediktinerabtei →Reichenau im Besitz der Herren von Mainau, von denen sie – vielleicht als Erbe – an die Herren von Langenstein gelangte. Im Jahr 1271 traten Arnold von Langenstein, Ministeriale der Reichenau, und dessen vier Söhne in den Deutschen Orden ein. Zuvor hatten sie die Insel Mainau mitsamt den Besitzungen auf dem nördlichen Bodanrück an den Orden gegeben. Die Stiftung erfolgte im Umfeld von Auseinandersetzungen zwischen einer Gruppe von Ministerialen der Reichenau um die Herren von Langenstein mit dem Kloster um die hochadlige Exklusivität der Benediktinerabtei.

Nachdem Arnold von Langenstein die Reichenauer Besitzungen – auch die Insel Mainau selbst – gebrandschatzt hatte, wurden 1272 Abt Albrecht von Ramstein (1260–1294) und der Deutsche Orden durch einen Schiedsspruch von dem Konstanzer Bischof Eberhard II. von Waldburg (1248–1274) und dem Propst des Konstanzer →Stifts St. Stephan, Heinrich von Klingenberg, verglichen: Die Abtei Reichenau verzichtete auf alle Rechte an der Insel wie auch auf das Gebiet am nördlichen Bodanrück von Allmannsdorf bis Dingelsdorf. Im Gegenzug erklärte sich der Deutsche Orden bereit, die Kommende Sandegg (Kt. Thurgau) mit ihrem gesamten Besitz im Thurgau an die Benediktinerabtei zu geben.7 1272 werden die beiden Deutschordenshäuser noch zusammen genannt. Die päpstliche Bestätigung des Vertrags erfolgte am 12. Oktober 1276 durch Johannes XXI. (1276–1277).8

Dem Deutschen Orden gelang es in der Folgezeit um die Kommende Mainau einen mit Niedergerichtsrechten ausgestatteten Herrschaftskomplex im westlichen Bodenseeraum aufzubauen. Die Konflikte mit der Reichenau und anderen Herrschaften dauerten jedoch an. 1291 musste Abt Albrecht von Ramstein in einem erneuten Schiedsspruch die strittige Hälfte der Vogteirechte in Wollmatingen gegen die Zahlung von 25 Mark Silber an die Kommende abtreten.9 Weitere Erwerbungen folgten, so 1362 die Burg Neu-Dettingen mit umfangreichen Besitzungen.10 Mit der Herrschaft Blumenfeld erfolgte im Jahr 1488 der Ausgriff in den Hegau.11 Da die Mainau Mitglied des Schwäbischen Bundes war, nahmen im Schweizer- bzw. Schwabenkrieg 1499 Teile des kurz zuvor erworbenen Besitzes Schaden.

Aus den Akten und Inventaren ist zu erschließen, dass der Konvent 1292 aus vier Rittern und einem Priester bestand, 1432 aus sieben Konventualen (Rittern und Priestern), 1434 aus Rittern und drei Priestern. Seit 1500 lebten meist nur der Komtur und evtl. ein Hauskomtur/Vizekomtur sowie der Hofmeister in der Burg; es gab aber mehrere Hofkapläne im Kirchendienst sowie zahlreiche Beamte für die Verwaltung und den 1627 intensivierten Kanzleibetrieb.

Im Bauernkrieg erlitt die Komturei vergleichsweise geringe Schäden; die Reformation fasste in den Orten des Deutschen Ordens nicht Fuß. Im Dreißigjährigen Krieg galt die Insel Mainau zunächst als sicher, es wurde sogar der Ordensschatz mit dem Archiv aus der Residenz Mergentheim kurzfristig dort eingelagert. Auch Hochmeister Johann Kaspar von Stadion (1627–1641) hielt sich 1631 in der Kommende auf. Obwohl die Mainau fortifikatorisch ausgebaut wurde und als Waffenlager für die kaiserlichen Truppen diente, gelang es 1647 den Schweden unter Reichsfeldherr Gustav Wrangel, von Lindau aus die Insel nach viertägiger Belagerung einzunehmen.12 Dieses schwedische Intermezzo dauerte bis 1649, als der Besitz in einem völlig verwahrlosten Zustand wieder an den Deutschen Orden zurückgegeben wurde. In den folgenden Jahrzehnten mussten zunächst die Finanzen sowohl des gesamten Ordens als auch der einzelnen Niederlassungen konsolidiert werden, bevor notwendige Um- und Neubaumaßnahmen ergriffen werden konnten.

Die Frühneuzeit war durch Konflikte um Herrschaftsrechte in dem territorial zersplitterten westlichen Bodenseegebiet geprägt, da sich die Kommende gegen Übergriffe benachbarter Territorialherren zur Wehr setzen musste, zumal der Deutsche Orden nicht im Besitze der Hochgerichtsbarkeit war. So trachteten beispielsweise im 17. Jahrhundert die Habsburger als Inhaber der Landgrafschaft Nellenburg danach, Einfluss über das Gebiet der Kommende auszuüben, während das Hochstift Konstanz über die Rechte der inkorporierten Benediktinerabtei Reichenau versuchte, dem Orden Gerichtsrechte streitig zu machen. Mit dem ausgehenden 18. Jahrhundert setzten zudem Streitigkeiten mit den Fürsten zu Fürstenberg als Inhabern der Grafschaft Heiligenberg ein. Zuletzt kam es auch mit der Reichsstadt Überlingen zu Konflikten um Marksteinsetzungen, Jagdrechte, unerlaubten Holzeinschlag und Fischereirechte im Überlinger See.

Mit dem Abschluss des Friedens von Preßburg 1805 ging der gesamte Besitz der Kommende Mainau an Baden, das bereits zuvor die Insel besetzt hatte. Die endgültige Übertragung fand am 29. März 1806 statt. Der letzte Komtur lebte bis zu seinem Tod 1819 in der ehemaligen Kommende, die bis zum selben Jahr auch die badische Domänenverwaltung beherbergte.

In der Folge wechselte die Insel Mainau mehrfach den Besitzer, so erwarb 1827/30 Graf Nikolaus von Esterházy die Insel, die bereits 1839 von Gräfin Katharina von Langenstein, Angehörige einer badischen Nebenlinie, erworben wurde. Über deren Tochter gelangte der Besitz an Großherzog Friedrich von Baden, der auf der Mainau eine Sommerresidenz errichtete, in der sich seine Witwe Luise bis zu ihrem Tod 1923 regelmäßig aufhielt. Über deren Tochter Königin Viktoria von Schweden gelangte die Insel schließlich an ihren Enkel Graf Lennart Bernadotte von Wisborg. Bis heute ist die Insel Mainau als Bestandteil der Lennart-Bernadotte-Stiftung im Besitz der gräflichen Familie.

Besitz und Wirtschaft

Das für die Gründung der Kommende Mainau zur Verfügung stehende Dotationsgut bezieht sich lediglich auf die von den Herren von Langenstein eingebrachten Besitzungen, weiteres Stiftungsgut ist nicht bekannt. Neben Besitzungen auf der Mainau und Gütern und Rechten in Allmannsdorf, Staad, Egg, Oberdorf, Dingelsdorf und Litzelstetten, gehörten auch Ortsherrschaften sowie die Gerichtsbarkeit dazu.13 Im Verlauf des 14. Jahrhunderts gelang es dem Deutschen Orden, seine Einflusssphäre auf den Linzgau und das Hinterland Überlingens auszudehnen.14 In der Reichsstadt selbst erhielt der Orden mittels Schenkung ein Haus, der beinahe vollständige Erwerb von Dorf und Herrschaft Dettingen kam hinzu. Während des 15. Jahrhunderts gelang es ferner, den Besitz auf dem Bodanrück dahingehend abzurunden, indem Rechte und Güter in Litzelstetten, Dingelsdorf, Egg, Oberndorf und Dettingen erworben wurden sowie etwa ein Drittel des Ortes Immenstaad. Auf Initiative des Komturs Wolfgang von Klingenberg (1477–1517) erwarb die Kommende 1488 für 12.000 Gulden die Herrschaften Blumenfeld (Blumenfeld, Beuren am Ried, Epfenhofen, Leipferdingen, Watterdingen, Weil) und Hinter-Tengen (Tengen-Hinterburg, Büßlingen, Nordhalden, Talheim, Uttenhofen, Teggenhofen) von der Familie des Komturs.15 Bis zum Ende des Jahrhunderts konnte die Ordensniederlassung Mainau somit auf drei große Besitzkomplexe zurückgreifen16: den Bodanrück, Besitz nördlich des Bodensees von Überlingen bis Leonegg und im Hegau. Zur besseren Verwaltung dieses nahezu geschlossenen Territoriums richtete der Orden das Oberamt Mainau für den Bodanrück ein, dem zwei Gerichtsbezirke für die niedere Gerichtsbarkeit angeschlossen waren. Diese teilten sich in das Obere Gericht (Allmannsdorf, Staad, Egg und Teile Hinterhausens) und das Untere Gericht (Litzelstetten, Oberdorf, Dingelsdorf, Dettingen, Wallhausen). Ergänzend kamen die Ämter Blumenfeld, Überlingen und Immenstaad hinzu. Größere Besitzankäufe sind für das 16. Jahrhundert nicht mehr zu belegen. Im Jahr 1783 wurde der Besitz zu Immenstaad gegen Rechte an Hinterhausen und Sierenmoos vor den Toren von Konstanz an die Fürsten zu Fürstenberg vertauscht.17 Ergänzend sind hier noch die beiden Kastenhäuser des Ordens in Überlingen und Konstanz zu nennen, über die eine dezentrale Verwaltung ermöglicht wurde.18

Über den wirtschaftlichen Wohlstand der Kommende Mainau geben eine Beschreibung von 1393 und ein Urbar des Jahres 1394 Auskunft. Bei einer Gegenüberstellung beider Quellen zeigen sich derweil erhebliche Unterschiede, die aber an der sehr guten Stellung des Hauses Mainau innerhalb der Ballei Elsass-Burgund nichts änderten. Im Vergleich mit Kommenden anderer Ballein erscheint die wirtschaftliche Position der Mainau jedoch nicht außergewöhnlich.19

Religiöses und kulturelles Wirken

Die Kommende besaß an zahlreichen Orten das Patronatsrecht, das entweder als Schenkung oder durch Kauf an die Mainau gelangt war. Die Pfarrei Dingelsdorf mit ihren Filialorten (unter anderem Dettingen, Litzelstetten) war bereits 1272 durch die Herren von Langenstein an den Deutschen Orden gegangen, der bald die Inkorporation erreichte. Darüber hinaus besaß die Mainau das Patronatsrecht in Lippertsreute (1337), Mindersdorf (1362), Owingen (1292/95) und Rast (1362). Von besonderer Bedeutung war das Patronatsrecht in dem kleinen Dorf Aufkirch (seit 1343), zu dem das bedeutende St. Nikolaus in der Reichsstadt Überlingen als Filialkirche gehörte. In der Reihe der Pfarrherren sind mehrfach Ordenspriester belegt (1344, 1384–91, 1468–1501, 1506, 1527); im Siegelbild ist neben dem Patron, dem Hl. Nikolaus, im unteren Feld das Deutschordenskreuz abgebildet. Nach längeren Auseinandersetzungen trat der Deutsche Orden 1557 die Pfarrrechte an die Reichsstadt ab. Anhand eines Bücherverzeichnisses von 1450 kann für St. Nikolaus ein bemerkenswerter Bestand an spätmittelalterlichen Handschriften rekonstruiert werden. Die Bibliothek umfasste Mitte des 14. Jahrhunderts 28 liturgische Handschriften und wurde bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts um weitere 19 Bände ergänzt.20 Als Stifter der Bibliothek konnten drei Deutschordensherren identifiziert werden; damit leistete der Orden einen Beitrag zur Klerusbildung in einer wichtigen Patronatspfarrei.

In der Frühneuzeit förderte der Deutsche Orden die Gründung von Bruderschaften. An erster Stelle ist hier die St. Sebastians-Bruderschaft zu nennen, deren Gründung auf das Jahr 1519 zurückzuführen ist. Die Stiftung war den Hl. Sebastian und Rochus gewidmet.21 Gegen Ende des Jahrhunderts wurde die Stiftung erneuert. 1631 erteilte Papst Urban VIII. (1623–1644) der Bruderschaft für alle eintrittswilligen Personen einen Ablass. Zuwendungen erfuhren jedoch lediglich Ordensuntertanen, Fremde wurden nicht berücksichtigt. Als Ergänzung zur Sebastians-Bruderschaft ist noch die Sieben-Schmerzen-Bruderschaft zu nennen.

Bibliothek und Archiv

Belege für eine Bibliothek auf der Mainau sind nicht bekannt. Das Archiv der Deutschordenskommende wurde erstmals 1584 durch ein Inventar erschlossen (Abb. 4), das durch zwei voluminöse Bände 1728 abgelöst wurde.22 Die Bestände gelangten nach der Säkularisation an das Generallandesarchiv in Karlsruhe.

Bau- und Kunstgeschichte

Lage

Die nur ca. 1,0 × 0,6 km große, aber 25 m hoch aufragende Bodenseeinsel Mainau liegt nahe dem Südufer des Überlinger Seeteils unweit von Litzelstetten. Weit über den See hinweg sichtbar, nehmen die Bauten der Kommende den höheren Ostteil der Insel ein. Von der mehrteiligen barocken Anlage sind das Schloss und die Schlosskirche, das Tor- und Verwaltungsgebäude sowie Reste der Umwehrung erhalten. Der Hafen befindet sich im Osten. Zum nahen Festland führte im Westen ein früh belegter Steg, der heute zu Damm und Brücke ausgebaut ist; schon 1720 war dort eine neue Brücke geplant. In der anspruchsvollen modernen gärtnerischen Gestaltung und teilweise wenig angemessenen Neubebauung der Insel ist die historische Disposition der Kommende nicht mehr ablesbar.

Die mittelalterliche Kommende

Die vorbarocke Gestalt der stark befestigten Kommende ist durch mehrere Pläne, Akten23 und eine Vogelschau überliefert. Sie lag hoch über dem Hafen, bestand aus einer Hauptburg auf quadratischem Grundriss und einer nördlich angrenzenden Vorburg auf dreieckigem Grundriss. Der Zugang führte über die Insel von Norden in die Vorburg und dann über den inneren Graben an der Nordwestecke in den Außenbereich der Hauptburg. Die dreigeschossige Hauptburg wies (ähnlich den Deutschordensburgen im preußischen Ordensland) einen quadratischen Innenhof auf, der im Osten, Norden und Westen von einem kreuzgangartigen Umgang umschlossen war. Der Eingang führte von Westen in den Hof, ein Nebeneingang befand sich im Osten. Im Erdgeschoss wurde der Südflügel weitgehend von der 1292 der Hl. Maria geweihten Kapelle eingenommen. Der Hochaltar St. Sebastian hatte 1714 außerdem die Patrozinien St. Maria, St. Georg, St. Elisabeth und St. Barbara; 1712 wurden zwei Nebenaltäre geweiht, dem Hl. Kreuz und der Verklärung Christi.24 Die Küche befand sich im Westflügel, die übrigen Räume dienten als Lagerräume; im Nordosten des Hofs erhob sich der Turm. Die Raumverteilung in den Obergeschossen für die Funktionen der Komturei, der Firmanei und des Konvents sind unbekannt. Ebenso unklar ist, ob in den Bauten noch Reste der 1272 dem Orden überlassenen Burg enthalten waren.

Ein Inventar von 1642 nennt mehrere Stuben mit reicher Ausstattung, das Oratorium, die Wartstube, die Rüstkammer des Komturs im obersten Turmgeschoss. Repräsentationsräume waren ein gemaltes Gemach mit Kammer, ein gemalter Saal, das Gemach für den Landkomtur sowie die Tafelstube mit dem großem Tisch. Außerdem gab es damals die alte Kanzlei, eine Priesterstube, drei Priesterkammern sowie Kammern für Bäcker, Küfer, Kanzler, Hausmeister, Kammerdiener und Kaminfeger. Einen Friedhof auf der Insel gab es nicht; Ordensritter und -priester wurden in der Kirche beigesetzt, die Bediensteten in Allmannsdorf.

Das Hauptgebäude war allseits von Wehrmauer und Graben umschlossen. An die Mauer angebaut waren an der Südseite das zweigeschossige Zeughaus und die Rossmühle, im Südwesten der Rossstall. Der ummauerte Lustgarten war im Süden der Hauptburg angelegt worden. In der Vorburg standen entlang den Mauern das »Weiberhauß«, die Kelter, Ställe und Scheunen. Nach Nordwesten hin waren zwei Gräben mit Wällen angelegt, die im großen Graben der Hauptburg mündeten. Am äußeren, mit runden Bastionen befestigten Wall wurde unter Komtur Caspar von Stadion (1624–1642) das Torhaus 1626 zu einem Verwaltungsgebäude erweitert.

Weitere Ställe, der Weinkeller, Lagerräume und Werkstätten befanden sich am Seeufer im Nordosten der Anlage zu Seiten des unter Komtur Georg von Gemmingen (1584–1595) dreieckig ummauerten Hafens. Ein auffällig vorgeschobener, fünfgeschossiger Wehrturm stand östlich der Hauptburg im Hafenbereich und ermöglichte durch sein Treppenhaus den Zugang vom Hafen zu Burg (und Schloss). Am felsig erhöhten Zentrum der Insel waren Gärten und Weinberge angelegt, auf dem höchsten Punkt erhebt sich der erhaltene Wachtturm von 1588 (»Schwedenturm«). Große Teile der Insel waren als Ackerland, Weide und Wald genutzt. Eine äußere, die Uferlinie begleitende Wehrmauer wurde im 17. Jahrhundert mit Bastionen und zum Festland hin mit einer Schanze befestigt.

Komtur Werner Schenk von Stauffenberg (1569–1583) ließ, wie die Inschrift bezeugt, 1577 in Bronzeguss ein säulengetragenes Kruzifix mit großen Figuren von Christus und den beiden Schächern in Spätrenaissanceformen für die Kirche anfertigen. Nachdem ein Abtransport durch die schwedischen Eroberer 1647 scheiterte, steht es als »Schwedenkreuz« am Eingang zum Damm (Abb. 11).

Die barocke Kommende

Komtur Reinhard Ignaz Franz von Schönau (1731–1736) begann, die Anlage zugunsten eines barocken Neubaus abzubrechen. Ein erstes axial konzipiertes, von Ordensbaumeister Johann Kaspar Bagnato entworfenes Projekt hätte sehr umfangreiche Terrassierungsarbeiten erfordert und blieb unausgeführt. Die Planung beschränkte sich schon 1732 auf den alt ummauerten Teil mit einem dreiflügeligen Schloss, begleitet von Pavillons (nicht ausgeführt), einer neuen Kirche und einem Ökonomiebau mit dem Reitstall in der Hauptachse. Neubauten in der Vorburg waren lediglich für Backhaus, Schreinerei und Arsenal vorgesehen; der schräg verlaufende, wenig repräsentative Zuweg wurde belassen. Das äußere Torhaus und Teile der angrenzenden Wehrmauer sowie der hafenseitige Wehr- und Treppenturm sind bis heute erhalten; Gräben und Wälle allerdings umgestaltet.

Zunächst wurde von Bagnato 1732–34 anstelle des alten Zeughauses, des Reitstalls und eines Rondells oberhalb des inneren Grabens im Süden die Kirche errichtet. Diese hat die Gestalt einer Saalkirche mit Westturm und Apsis. Die türlose, turmüberhöhe Westfassade ist unterhalb des Giebels mit Wandstreifen gefeldert und mit kleinen Ovalfenstern geziert. Das Portal befindet sich im Norden, ein Übergang führt aus dem Schloss auf das nördliche Oratorium. Der säulenflankierte Hochaltar steht in der reich durchfensterten Apsis; zwei schräg gestellte Nebenaltäre stehen am Triumphbogen, Sakristeiräume mit Emporen springen in das Presbyterium ein. Die drei Altäre nach Entwurf von Feuchtmayer wurden 1739 geweiht. Fresken und Altarblätter stammen vom Konstanzer Hofmaler Franz Joseph Spiegler. Einige ältere Grabmäler wurden in die Kirche überführt; für die Komture entstanden einheitliche ovale Stuckepitaphien nach Entwurf von Bagnato in den Nischen des Kirchenschiffs angebracht (Franz Pozzi). 1757 fand auch der Deutschordensbaumeister Johann Kaspar Bagnato hier sein Grab. Der Zugang zur Gruft befindet sich im Südwesten.

1737 wurde der neue Reitstall begonnen (nicht erhalten), 1738 der dreigeschossige Schlossneubau genehmigt und 1740 mit dem Südflügel anstelle der alten Kirche begonnen, 1743–46 entstand auf den alten Mauern der Burg das Corps de Logis, bis 1756 der Nordflügel und die Terrasse im Osten. Bauherren waren die Komture Ignaz Servatius von Roll zu Bernau (1736–1743) und Philipp Friedrich von Baden (1745–1751); die Räume wurden weiter ausgestattet unter den Komturen von Hagenbach und von Weil. Bagnato legte verschiedene Entwürfe zur Länge der Seitenflügel und zur Raumstruktur vor, die im begrenzten Bauplatz nicht optimal an Ideale der französischen Schlossbaukunst angepasst werden konnte.

Der Cour d’honneur wurde nach Westen ausgerichtet. Das siebenachsige Corps de logis erhielt einen viergeschossigen Risalit mit drei Portalen und einer sehr großen Wappenkartusche im übergiebelten Dachgeschoss (Abb. 1). Sie zeigt oben das Wappen des Hoch- und Deutschmeisters und Kölner Kurfürsten Clemens August von Bayern (1732–1761), unten die Wappen des Landkomturs von Froberg und des Mainaukomturs von Baden. Zum See hin ist die dreizehnachsige Fassade durch Seitenrisalite und einen ebenfalls viergeschossigen Mittelrisalit gegliedert, mit einer schlichten mittleren Portal-Balkon-Achse zur Terrasse hin. Der Segmentbogengiebel erhielt eine zweite große Wappenkartusche mit dem Kreuz des Deutschen Ordens. Die Ecken aller Baukörper wurden mit Bossenquadern betont, ein einfaches Gesims scheidet das Erdgeschoss von den Obergeschossen, während das Hauptgesims mit auffälligen Schwüngen und Zacken die Fenster der Mittelrisalite betont. Die achtachsigen Fassaden der Seitenflügel mit ihren zwei, eine Nische rahmenden Portalen und dem kleinen Giebel im Dach blieben, wie der Entwurf Bagnatos zeigt, unfertig. Das Erdgeschoss enthält ein ovales Entrée und einen Salon. Nach der Planung von 1739 sollten im ersten Obergeschoss Kanzlei, Rentamt, Räume der Priester und die Tafelstube liegen. Das zweite Obergeschoss nehmen der ins Dachgeschoss hinaufreichende Saal, zwei fürstliche Wohnungen und im Nordflügel die Wohnung für den Landkomtur ein. Die Treppenhäuser wurden in die Seitenflügel verlegt; hofseitige Gänge verbinden die Appartements und Büros. Die Prunkräume wurden im 19. Jahrhundert neugestaltet, in den Nebenräumen ist das barocke Stuckdekor erhalten.

Die reiche Ausstattung ist vornehmlich durch Inventare des 17./18. Jahrhunderts belegt, z. B. für die seltenen Waffen der Rüstkammer (1672) oder den Kirchenschatz (1647, 1708).25

Bibliographie

Quellen: Diefenbacher 1989.

Handbücher und Lexika: KDM Bd. 1, S. 299–306 (Franz Xaver Kraus); kloester-bw, Deutschordenskommende Mainau (Jörg Seiler).

Literatur: Roth von Schreckenstein 1873; Feger 1958; Mundhaas 2015; Daniels 2017.

Anmerkungen

  • 1 Roth von Schreckenstein 1873, Nr. 2 S. 319 f.
  • 2 GLA 4 Nr. 6991; GLA 67 Nr. 1164.
  • 3 HStAS B 343 U 67.
  • 4 GLA 3 Nr. 3438.
  • 5 DOZA Nr. 2666 (26. 7. 1398).
  • 6 DOZA Nr. 3941 (20. 8. 1443).
  • 7 Text bei: Roth von Schreckenstein 1873, Nr. 3 S. 32 0-324.
  • 8 Roth von Schreckenstein 1873, Nr. 6 S. 325 f.
  • 9 Roth von Schreckenstein 1873, Nr. 11 f. S. 33 0-332.
  • 10 Roth von Schreckenstein 1873, Nr. 44 S. 350.
  • 11 Roth von Schreckenstein 1873, S. 236.
  • 12 Ebd.
  • 13 Seiler 1991; vgl. Spahr 1984, S. 231; vgl. Mundhaas 2013.
  • 14 Diefenbacher 1989, S. 21.
  • 15 Ebd.
  • 16 Diefenbacher 1989, S. 22.
  • 17 Diefenbacher 1989, S. 23.
  • 18 Seiler 1991.
  • 19 Für eine exakte Aufstellung über den Besitzstand der Kommende vgl. Diefenbacher 1989.
  • 20 Verzeichnis der Handschriften ediert bei Daniels 2017, S. 87 f.
  • 21 Zur Sebastiansbruderschaft: EAF Ha 525 (Statuten der St. Sebastiansbruderschaft mit Verzeichnis der verstorbenen Mitglieder, 157 7-18. Jahrhundert); PfA Litzelstetten Bruderschaftsbuch der St. Sebastiansbruderschaft auf der Mainau, 151 9-1823; Rechnungssachen Mainauer St. Sebastiansbruderschaft, 176 3-1812.
  • 22 GLA 68 Nr. 257 a (1584), Nr. 256 f. (1728).
  • 23 GLA 93 Nr. 192.
  • 24 GLA 93 Nr. 251, 376, 379.
  • 25 GLA 93 Nr. 376 (1708), 379 (1719)
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Katharina Kemmer [Autor]
  • Matthias Untermann [Autor]
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