Reichenau, Kanonikerstift St. Peter und Paul (Niederzell)
| Kurzbeschreibung: | um 800 Gründung – nach 1249 Aufhebung Patrozinium: Petrus, PaulusKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Reichenau |
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| Beschreibung: | Name: cella infra monasterium constructa in honore sancti Petri quae vocatur Thegamarscella (883);1 cellula sancti Petri;2 in inferiori Cella (1181);3 ecclesia sancti Petri Auge maioris (1270);4 ecclesia Celle inferioris Augie maior (1398);5 ecclesia collegiata sancti Petri Augie maioris (1493)6 GeschichteUm 930 wurden unter Verwendung der Reichenauer Klostertradition die Wundergeschichten des heiligen Markus verfasst. Aus dem hagiographischen Bericht der Miracula sancti Marci lassen sich zur Gründungsgeschichte von St. Peter in Niederzell detaillierte Nachrichten gewinnen. Demnach wollte sich Bischof Egino von Verona (780–799) nach seiner Resignation in Verona auf die Reichenau zurückziehen. Der Alemanne Egino galt als enger Vertrauter Karls des Großen (768–814) in der oberitalienischen Bischofsstadt, musste sich dort aber wegen der zunehmenden Spannungen mit Pippin von Italien, einem der Söhne Karls, zurückziehen. Auf der Klosterinsel begann Egino mit Erlaubnis Abt Waldos (786–806) am äußersten Ende der Insel eine kleine Klosterzelle anzulegen, die er zur Ehre des heiligen Apostelfürsten Petrus erbaute und mit seinem Namen benannte.7 Über den genauen zeitlichen Ablauf lässt uns die Quelle im Unklaren, der hagiographische Bericht erwähnt aber dafür besonders ausführlich die reiche Dotierung der Kirche mit Schmuck, »Gewändern und Büchern für die Liturgie und überhaupt mit aller Ausstattung für den gottesdienstlichen Gebrauch«.8 Nach seinem Tod 802 wurde Egino in Niederzell begraben9 und die memoria an den Stifter spielte über Jahrhunderte eine wichtige Rolle. Nach dem romanischen Neubau wurde Eginos Grab in den Chor der neuen Kirche verlegt; vielleicht aus dieser Zeit stammt ein Grabtitulus, der auf der bei der Graböffnung 1689 angebrachten Bronzeplatte überliefert ist.10 Das Niederzeller Pfarrbuch11 weist noch im 15. Jahrhundert zahlreiche Anlässe für das Stiftergedenken an den bischöflichen Gründer Egino aus. Diese Beispiele verdeutlichen, wie weit das Stiftergedenken reichte. So ausführlich die Nachrichten über die Gründung Eginos Niederlassung an der Westspitze der Reichenauer Klosterinsel um 799 sind, so unklar bleibt der Charakter der Neugründung. Die Miracula sancti Marci betonen besonders die Ausstattung für den Gottesdienst, und zu Recht wurde hervorgehoben, dass das »sakrale Bauwerk« die entfremdete Kathedrale von Verona ersetzen sollte. Größe und Komplexität von Eginos Bau sowie dessen prächtige Ausstattung legen dies nahe. Daraus ließe sich folgern, dass die in Niederzell ansässige geistliche Gemeinschaft in ihren liturgischen Funktionen einem Domstift nicht unähnlich war, wenngleich ihr eindeutig kirchenrechtliche Befugnisse eines Stifts fehlten. In der Forschung wird allerdings die These, Eginos Gründungsintention sei ein vom Kloster unabhängiges Stift gewesen, eher skeptisch beurteilt. Die Kontroversen resultieren neben der topographischen Nähe zum Kloster auch aus der Tatsache, dass auch rechtliche Verbindungen zur Abtei bestanden. Ausdruck dafür sind etwa die Beteiligung von Abt und Konvent von Mittelzell, als 883 Liutward von Vercelli durch eine Urkunde Karls III. (876– 887) die Nutzung der »auf der Insel unterhalb des Klosters gelegene Thegansmarszelle« (cella infra monasterium constructa in honore sancti Petri quae vocatur Thegamarscella)12 überlassen werden sollte. Eine administrative Verbindung zum Kloster blieb auch in der Folge erhalten. Wohl während des späteren 10. Jahrhunderts vollzog sich die Veränderung des religiösen Gemeinschaftslebens in ein Stift. Das legen umfangreiche Bauten nahe: An der Nordseite der Kirche entstanden Konventsbauten, die für Ansiedlung eines größeren Konvents sprechen könnten. Auch die berühmte beschriftete Steinplatte von Niederzell fügt sich in diesen Befund ein. Auf der Unterseite der überwiegend als Altarplatte interpretierten Steinplatte13 entdeckte man 1976 im Zuge von Restaurierungsarbeiten zahlreiche geritzte und mit Tinte geschriebene Namenseinträge, die dem 10. und 11. Jahrhundert zuzuweisen sind. Die Altarplatte wurde aus dem Vorgängerbau in den romanischen Neubau übernommen. Die etwa 350 Namen von Geistlichen, Mönchen und Laien wurden zum Zweck der liturgischen Gebetsverbrüderung eingetragen und weisen einen starken lokalen und regionalen Bezug auf. Die Aufzeichnung der Namen weist auf die Etablierung religiösen Gemeinschaftslebens und die ständige Präsenz von Geistlichen hin. Vollständig als Stift ausgebildet dürfte Niederzell spätestens 1008 gewesen sein, denn wie für →St. Georg in Oberzell besitzt die Urkunde Abt Berns (1008–1048) über die sogenannten Karitätenstiftungen, besondere barmherzige Zuwendungen, meist in Form von Lebensmitteln oder Wein, auch für Niederzell zentrale Bedeutung. Die Verfügung Berns galt für beide geistliche Institutionen, wie Öhem mitteilt: unser korherren inderthalb der insul, sy sigen in der zell Eginonis oder Hattonis,14 gibt aber über den Prozess der Stiftsentwicklung keine weiteren Aufschlüsse. Auch über die weitere Entwicklung schweigen sich die Quellen aus. Unklar ist, welche Rolle Niederzell um 1070 gespielt hat, als der aus der Abtei vertriebene Abt Meginward (1069–1070) mit einer Gruppe von Klerikern in Niederzell Zuflucht fand. Skeptisch zu beurteilen ist es, ob die unzufriedenen Mönche des Konvents, die infolge der Spannungen aus dem Kloster nach Niederzell ausgewichen waren, dort in Niederzell die Umbildung zur Kanonikergemeinschaft initiiert hätten.15 Der romanische Neubau hatte, wie bereits erwähnt, auch auf das kanonikale Gemeinschaftsleben Auswirkungen, denn der Neubau beseitigte die Konventsbauten, die an der Nordseite des Vorgängerbaus gestanden hatten. Nach gängiger Vermutung der Forschung hängt die Erhebung zur Propstei ebenfalls mit diesem Neubau zusammen. Mit dem Ende des 12. Jahrhunderts begegnen uns in den Quellen verstärkt Hinweise auf Kanoniker von Niederzell: 1181 erscheint ein Konventsherr Adilbertus, der in Niederzell als Propst fungierte. Das belegt die nach wie vor bestehende Verbindung zur Abtei. Wenig später, 1194 wird neben einem Eberhardus plebanus inferioris Celle auch ein Kanoniker Conradus erwähnt. 1197 schließlich werden drei Kanoniker in Niederzell genannt: Vlricus, Burchardus, Heremannus. Wiederholt belegen Pfründenangelegenheiten im späteren Mittelalter, dass die Zahl der Kanonikate in Niederzell zwar schwankte, aber wohl kaum den Idealtypus erreichte, den Gallus Öhem in seiner Klosterchronik für Niederzell postulierte: uff ain bröbst und sechs corherren gewidmet.16 Die Größe des Kapitels bleibt auch später unklar, obwohl Gallus Öhem zu Beginn des 16. Jh. noch von vier Chorherren an St. Peter wusste.17 Der Konstanzer Generalvikar Johann Roming war Chorherr in Niederzell, wurde 1542 nach seinem Tod in der Stiftskirche begraben und erhielt dort auch eine reiche Anniversarstiftung. Die finanziellen Möglichkeiten dürften auch hier eine Reduktion der Chorherrenpfründen bedingt haben. Noch im 18. Jahrhundert wird ein canonicus Stader erwähnt, dessen Grabstein aus dem Jahr 1755 in Niederzell noch erhalten sei. Über die Existenz eines Stifts besagt das nichts, denn im Niederzeller Pfarrbuch ist er als presbiter Jacobus Stader an seinem Jahrestag (5. April) eingetragen.18 Die rechtliche Verbindung zur Abtei und Niederzells Funktion als Pfarrkirche charakterisiert noch der Ökonom und spätere Abt Johannes Pfuser von Nordstetten (1464–1491) in seinem Gedenkbuch: Item in der Zell zuo sant Peters kirchen in der Ow ist die recht pfarkirch gegen Allenspach und Allenspach ist nit denn ain filial und gehört mit aller gerechtikaitt gen Niderzell und ist Niderzell vor zitten ain probsty des gotzhus in der Ow gewesen canonicorum regularium und ouch hütt by tag monasterio incorporiert.19 Die Inkorporation des Stiftvermögens in das Kloster Reichenau erfolgte 1249, als Papst Innozenz IV. (1243–1254) dem Abt Konrad von Zimmern die Einkünfte der Kirche in Niederzell zubilligte. Wie sich das auf den stiftischen Konvent auswirkte, wird nicht recht deutlich. Für die Zeit nach der Mitte des 13. Jahrhunderts wird in den Quellen jedoch kein Propst mehr erwähnt.20 Unklar ist auch die Ausbildung der Pfarrfunktionen von Niederzell; sehr früh sind ein Begräbnisrecht und ein Friedhof zu konstatieren. Bau- und KunstgeschichteLageDie ehemalige Stifts- und Pfarrkirche St. Peter und Paul steht weithin sichtbar am Nordwestende der lang gestreckten Insel Reichenau, etwa 1,6 km vom Hauptkloster in Mittelzell entfernt. Der seit dem 14. Jahrhundert als Dorf fassbare Siedlungsbereich Niederzell liegt auf einer eigenen, ebenen, kleinen Insel von 750 m Südost–Nordwest- und 400 m Nordost–Südwest-Erstreckung. Sie ist durch eine sumpfige, bei Bodenseehochwasser teilweise überschwemmte, ca. 150 m breite Niederung (»Giessen«) von der Hauptinsel getrennt und bis heute nur durch eine einzige Straße und einem Fußweg mit ihr verbunden. Kirche und Friedhof stehen im bis 1924 noch weitgehend unbebauten Nordwestteil der Niederzeller Insel. Die frühmittelalterlichen Konventsgebäude schlossen im Norden an den Nordannex an. Im 12. Jahrhundert wurden die Wohnbauten der Kleriker im Süden der Kirche neugebaut; ein früher zweigeschossiger Baukörper schloss an den Südturm an. Kirche und KonventsbautenTrotz verschiedener Umbauten in gotischer und barocker Zeit sind umfangreiche Reste der romanischen Kirche erhalten. Die Baugeschichte der Anlage ist durch umfassende archäologische Ausgrabungen und bauhistorische Untersuchungen von 1970–77 und 2015–17 erforscht. Eine Vorgängerbebauung sowie die frühmittelalterliche Stiftskirche und ein anschließendes Gebäude im Norden sind durch Fundamente und Ausbruchgruben nachgewiesen. Bei der ältesten Baustruktur (Bau I, 6./7. Jahrhundert) handelt es sich um die Reste eines rechteckigen Gebäudes, das östlich der romanischen Kirche und im Bereich der heutigen »Egino-Kapelle« (südliche romanische Seitenkapelle) zum Vorschein kam. Der erste sicher nachgewiesene Kirchenbau (Bau II, 795/800) ist in seinen Fundamenten noch in weiten Teilen unter der heute bestehenden Kirche erhalten. Die erfassten Baureste ergeben eine sehr große rechteckige Saalkirche mit eingezogener Apsis im Osten und einer Vorhalle mit Bestattungen im Westen sowie je einem das Kirchenschiff flankierenden, mehrräumigen Seitenannex im Norden und Süden. Der Südannex schließt im Osten mit einer Apsis ab. Das Schiff der Saalkirche weist (inklusive Apsis und Vorhalle) eine Gesamtlänge von 29 m auf, während für die Breite ein lichtes Maß von 9 m zu erschließen ist. Der Kirchenbau wird Bischof Egino von Verona zugeschrieben, der ihn um 795/800 errichten ließ und 802 darin bestattet wurde. Die ungewöhnliche Größe der Kirche, die sogar die gleichzeitige Klosterkirche in Mittelzell übertrifft, die qualitätsvolle liturgische Bauausstattung sowie die Taufanlage im Südannex sprechen für eine Inszenierung der Kirche als Bischofskirche. Im Laufe des 9. Jahrhunderts (Bauphase IIIa) wurde der Nordannex nach Westen erweitert und mindestens ein Gebäude mit zwei Räumen an diesen nach Norden angeschlossen. In dieser Bauphase sind über den archäologischen Befund erstmals Innenräume lokalisiert, die einem Wohngebäude einer Klerikergemeinschaft zugeordnet werden. Eine im Jahr 1008 ausgestellte Urkunde des Reichenauer Abts Bern (1008–1048) macht deutlich, dass spätestens um 1000 eine Klerikergemeinschaft in Niederzell bestand. In diesem Zeitraum ist die Erweiterung des ursprünglichen Peterspatroziniums anzunehmen, als sich in Niederzell eine Klerikergemeinschaft etablierte. Im ausgehenden 10. und beginnenden 11. Jahrhundert (Bauphase IIIb) belegen die Baureste die Erneuerung des Ostabschlusses; die Apsis wurde abgebrochen und durch einen rechteckigen Altarraum ersetzt. Die Südmauer der Vorhalle wurde zugemauert und der Raum zum Kirchenschiff gezogen. An die einstige Vorhalle schloss westlich ein Anbau an. In Bauphase IIIc sind erneut Eingriffe in die Baustruktur fassbar. Die Baureste lassen sich zu einem rechteckigen Anbau rekonstruieren. Dieser Ostanbau an den Nordannex der Bauphase II könnte aufgrund seiner Grundrissgestalt ein provisorischer Altarraum für die Bauzeit der romanischen Kirche gewesen sein. Auf den Fundamenten von Kirchensaal und Südannex entstand die von ihrer Grundfläche kleinere romanische Kirche St. Peter und Paul. Es handelt sich um eine flachgedeckte, querhauslose, dreischiffige Säulenbasilika mit einem ausgedehnten, dreiteiligen Ostbau. Chorraum und Sanktuarium werden im Norden und Süden von je einem Nebenraum flankiert, der in einer Flucht mit den Seitenschiffen liegt. Das Sanktuarium sowie die Nebenräume schließen im Osten jeweils mit Apsiden ab, die rechteckig ummantelt sind. Über den gewölbten Ostjochen und Apsiden der Nebenräume erheben sich niedrige, zunächst wohl mit Pultdächern abschließende Osttürme; das Mittelschiff trug einen Dachreiter. Die Hölzer des Dachwerks wurden 1144/45 (d) gefällt und das Langhaus-Dachwerk mit dem Dachreiter in einem Arbeitsgang aufgerichtet. Gerüst- und Bauhölzer datieren den Bau des Chor-Obergadens, des Ostgiebels sowie der ersten Obergeschosse von Nord- und Südturm auf 1146 bzw. 1147/48 (d). Das dritte Obergeschoss des Nordturms wurde 1181±10 (d) aufgesetzt und im Westen entstand die Vorhalle vor dem Westportal. Die Wohnbauten der Kleriker wurden im Süden der Kirche neugebaut; ein früher zweigeschossiger Baukörper schloss an den Südturm an. Das Äußere der Kirche und der Türme ist ungegliedert. Die Fenster in der Nord- und Südseitenkapelle und in den Apsiden sowie schmale Öffnungen in den beiden unteren Turmgeschossen durchbrechen das ansonsten einheitliche Mauerwerk. An den Außenwänden ist ein Pietra-rasa Verputz belegt; die Fenster waren außen glatt verputzt und mit weiß getünchten Faschen und Laibungen versehen. Die Fertigstellung der romanischen Kirche wird in die Mitte des 12. Jahrhunderts datiert; der Baubeginn lag um 1140. 1322/23 (d) wurde der Südturm und 1389/90 (d) der Nordturm auf die heutige Höhe aufgemauert. Die Glocken wurden im Südturm aufgehängt, der Dachreiter abgebrochen und das Mittelschiff-Dachwerk um 1355 (d) umgebaut. In den Jahrzehnten um 1500 erhielt die Hauptapsis ein größeres Fenster mit spätgotischem Maßwerkdekor. Um 1521/22 (d) wurde im Nordturm ein neuer Glockenstuhl eingebaut. 1573/74 (d) wurde der Glockenstuhl im Südturm erneuert. Materielle Kulturgeschichte, BauausstattungVon der Innenausstattung des um 795/800 errichteten Kirchenbaus sind Spuren einer Schrankenanlage im östlichen Teil der Saalkirche und einer Schrankenanlage im östlichen Teil des Südannexes erhalten. Diesen Schrankenanlagen werden 48 Werksteine, davon 37 Flechtbandsteine zugeordnet. Bei den Werksteinen handelt es sich um Platten, Plattenfragmente, Pfosten, Kämpfer, Kapitellchen und Säulchen. Neben den Schrankenanlagen haben sich die Reste eines Altars sowie einer Taufanlage im Südannex erhalten. Im Zuge der Umbaumaßnahmen im ausgehenden 10. und beginnenden 11. Jahrhundert wurde die Taufanlage im Südannex abgebrochen. Zudem belegen mehrere Säulchenfragmente und Kapitelle eine partielle Erneuerung einer der Schrankenanlagen in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts. Die Bauausstattung der romanischen Kirche (Bau IV) ist umfangreich im Aufgehenden erhalten. Dazu gehören neben den Säulen mit ihren Basen und ungewöhnlich proportionierten Kapitellen sowie dem Westportal auch die bedeutenden Überreste der Wandmalerei in der Hauptapsis in der Südkapelle und an der Ostwand des Südseitenschiffs. Hinzu kommt die nicht mehr erhaltene romanische Schrankenanlage in der Südkapelle. Das Wandbild der Hauptapsis zeigt eine Majestas Domini sowie die Apostelfürsten und Kirchenpatrone Petrus und Paulus. Bei einer grundlegenden Umgestaltung des Kircheninnenraums war die Wandmalerei der Hauptapsis um 1600 weitgehend übermalt worden. 1756/57 wurde diese Ausmalung der Spätrenaissance wie in der gesamten Kirche überputzt und alle Wandflächen weiß getüncht. Nie übermalt waren die drei heute noch in Resten sichtbaren Passionsszenen in der südlichen Seitenkapelle (»Egino-Kapelle«); Fußwaschung, Abendmahl und Verrat des Judas, die in das ausgehende 12. Jahrhundert datiert werden. Auf der Ostwand im Südseitenschiff, hinter dem Südaltar, waren eine stehende Maria mit Kind unter zwei Rundbögen sowie eine Folge von Heiligen gemalt. Um 1300 wurde auf die Ostwand des Nordseitenschiffs eine Maria Magdalena gemalt. Etwas jünger ist nördlich daneben ein Zyklus mit Darstellungen von Benediktineräbten, Päpsten (bezeichnet war der Hl. Papst Gregor), einem Bischof und dem Hl. Petrus. Teilweise überdeckt waren diese Bilder von einem spätgotischen Bild des Marientods unter einer gemalten Architektur. Im 14. Jahrhundert wurde ein Lettner errichtet, von dem sich mehrere Fundamentreste erhalten haben. Hinzu kamen im 14./15. Jahrhundert zwei neue Altäre im Nord- und Südseitenschiff. Um 1600 wurden der Lettner abgebrochen und durch eine niedrige Kommunionbank ersetzt sowie eine neue Holzdecke eingezogen. Der Altar im Nordseitenschiff erhielt eine Neugestaltung (Altarweihe 1623). 1756/57 erhielt die Kirche ihre heute noch erhaltene, flach gewölbte Stuckdecke sowie die heutigen Seitenschiff- und Obergadenfenster, 1764 folgte eine neue Ausstattung mit Hochaltar, Gestühl, Orgelempore und Orgel. BibliographieQuellen: Chronik Gallus Öhem 1893; Gedenkbuch Johann Pfuser 1893; Altarplatte von Reichenau-Niederzell (MGH Libri mem. N. S. 1, Suppl.); Derschka 2022. Handbücher und Lexika: Dehio, Baden-Württemberg Bd. 2, S. 561–564 (Germaid Ruck); KB Konstanz Bd. 3, S. 659 (Anneliese Müller); KDM Bd. 1, S. 357–364 (Franz Xaver Kraus); kloester-bw, Stift St. Peter und Paul/Niederzell (Erwin Frauenknecht); SKHB S. 530–536 (Erwin Frauenknecht). Literatur: Künstle/Beyerle 1901; Beyerle/Manser 1925; Erdmann 1972 (a), (b); 1973; 1974; 1975; Zettler 1988; Hlawitschka 1989; Berschin/Klüppel 1994; Rappmann/Zettler 1998; Berschin 1999; Lohrum 2004; Zettler 2005; Kriszt 2021; Kriszt/Schiavone 2024; Kriszt 2024. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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