Reichenau, Kanonikerstift St. Adalbert
| Kurzbeschreibung: | vor 1142 Gründung – Ende 15. Jahrhundert Aufhebung – 1832 abgebrochen Patrozinium: Adalbert, Bartholomäus, Maria, Hl. KreuzKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Reichenau |
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| Beschreibung: | Name: monasterium sancti Adelberti (1142);1 ecclesia sancti Adelberti insule Augie (1302);2 capella (1417);3 ecclesia S. Auberti in Augia maiori (1482);4 ecclesia collegiata S. Alberchti Augie maioris (1493);5 ain kilch nach römschen sitten (um 1500)6 GeschichteEin anonymer Besucher der Reichenau beschrieb im Jahr 1417 die Lage von St. Adalbert: Nahe der Hauptkirche dieses Klosters nach Süden hin sei die Kapelle gelegen (prope eiusdem monasterii ecclesiam maiorem versus austrum quedam situata est capella).7 Die Nähe zur Abtei wird auch später noch betont, Gallus Öhem etwa lokalisiert die Kirche mit den Worten: Uff dem blatz, egerden genempt, statt ain kilch nach römschen sitten.8 Über das Alter der Kirche kann er nichts berichten (Von wem dieselb gebuwen sye, hab ich nit erlernt), aber die Struktur des Stifts beschreibt er scheinbar klar: Es ist ain brobsty gewesen mit ainem brobst und sechs korherren. Lässt sich somit die Lage der 1832 vollständig abgebrochenen Kirche bestimmen (an der Gabelung der heutigen Hochwartstraße und der Oberen Ergat), so bleibt der Befund über die Existenz eines Stifts unklar. Es wird als »Kümmerform« charakterisiert.9 Noch 1142 ist in den Bestimmungen Abt Fridelohs über verschiedene Karitäten von fratres apud sanctum Adelbertum Deo famulantes die Rede.10 In der gleichen Urkunde wird ein Weinberg ad monasterium sancti Adelberti tradiert. Am Ende des 12. Jahrhunderts, genauer 1197, erscheinen in der Zeugenliste einer Schenkungsurkunde für die Abtei Reichenau vier Kanoniker sancti Alberti.11 Wenig später testieren ein magister Gerungus et fratres sui de sancto Alberto eine Urkunde Abt Diethelms von Krenkingen.12 Fortan tauchen Kanoniker von St. Adalbert immer wieder in Urkunden auf, ohne dass wir Genaueres über ihr Stift erfahren. 1261 schließlich wird ein Ruodolfus prepositus sancti Alberti genannt, woraus die Schlussfolgerung gezogen wurde, dass seit der Mitte des 13. Jahrhunderts verstärkt adelige Klosterherren gleichzeitig die Propstwürde in St. Adalbert übernommen hätten.13 Auch die weitere Geschichte des Stifts St. Adalbert ist nur über einzelne, dürftige personelle Nachrichten zu verfolgen; noch 1493 werden in den Protokollen des Konstanzer Domkapitels Pfründenangelegenheiten der ecclesia collegiata S. Alberchti Augie maioris erwähnt. Demgegenüber steht wenig später Öhems Feststellung, St. Adalbert ist ain brobstey gewesen.14 Vermutlich dürfte sich gegen Ende des 15. Jahrhunderts auch bei St. Adalbert das »Vermögen« des Stifts auf eine Pfründe reduziert haben, obwohl die Kirche formell noch immer als Kollegiatkirche tituliert wurde. Aus dem 16. Jahrhundert stammt eine Liste mit Einkünften der St. Albrechtspfründe und im Februar 1622 wurde das Kapital der vakanten Pfründe als abgelöstes Kapital veräußert.15 Für die Patrozinien von St. Adalbert liefert die Weiheinschrift des Altars wichtige Erkenntnisse. Der anonyme Reisebericht von 1417 bietet die früheste Überlieferung der Inschrift. Demnach hat Papst Leo IX. (1049–1054) am 24. November 1049 die Weihe des Altars vollzogen, und aus der Gewichtung der Weihenotiz lasse sich nach jüngsten Überlegungen16 auch eindeutig schlussfolgern, dass dem Hl. Adalbert der Hauptaltar der Kirche geweiht war. Bau- und KunstgeschichteDie Stiftskirche stand auf der großen Freifläche (»Ergat«) südöstlich der →Abtei (→Lageplan, Reichenau, Benediktiner (Mittelzell), Abb. 8). 1971 und 1978–80 wurden die Fundamente partiell ausgegraben; die Dokumentation ist aber weitgehend verloren. Im Plan von 1707 wird der Grundriss schematisch dargestellt; erkennbar ist eine dreischiffige Kirche mit breitem Mittelschiff und schmalen Seitenschiffen, einem kurzen, etwa quadratischen Altarraum sowie einem mittelschiffbreiten Westbau mit westlich axial vorgelagertem Treppenturm. Altäre standen auch vor den Ostmauern der Seitenschiffe. Die Grundrissgestalt spricht für eine Identifikation mit der 1049 von Papst Leo geweihten Stiftskirche, auf deren Hochaltar eine ausführliche Weiheinschrift eingehauen war (1417 und um 1500 überliefert).17 Eine Beschreibung von Gallus Öhem (um 1500), nennt ain kilch nach römschen sitten.18 Das könnte auf einen nach Westen gerichteten Hochaltarraum (»more romano«, wie im Kloster →Konstanz, Petershausen) hinweisen. Die Kirche ist in den um 1600 beginnenden Reichenau-Veduten nicht mehr dargestellt und auch nicht auf denen des Plans von 1707, möglicherweise war sie damals schon teilweise ruinös. 1803 stand auf der Ergat nur noch ein »Kapellchen«;19 1832 wurde es abgebrochen. Zugehörige Stiftsgebäude sind im Plan von 1707 nicht bezeichnet und auch nicht aus dem dargestellten Wegenetz erschließbar. Da sich die Pfründen im Besitz von Mönchen der Abtei befanden, waren eigene Kurien nicht erforderlich. BibliographieHandbücher und Lexika: KB Konstanz Bd. 3, S. 660 (Anneliese Müller); KDM Bd. 1, S. 332, 336 (Franz Xaver Kraus); kloester-bw, Stift St. Adalbert Reichenau/Mittelzell (Erwin Frauenknecht); SKHB, S. 517 f. (Erwin Frauenknecht). Literatur: Beyerle/Manser 1925, S. 402; Zettler 1988, S. 302, 314; Petersohn 2000; Zettler 2005. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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